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To Live In Love And Fear

von -Shokoko-
GeschichteMystery, Freundschaft / P16 / MaleSlash
Amerika Italien Preussen Weißrussland
25.05.2015
01.09.2015
27
76.405
5
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80 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
 
25.05.2015 1.918
 
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|Name| dein Vorname

|N/N| dein Nachname

|B/N| der (Wunsch-)Name deines Bruders

|L/F| deine Lieblingsfarbe

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Akt 1: Lachen

Der Teil, als du umziehst und in die berüchtigte Klasse gesteckt wirst.

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Lachen, Part 1: Eine Romanze und ihre Folgen

Wie lange kennt dein Vater sie schon? Ehrlich gesagt, du weißt es nicht.

Irgendwann, in seinen total wichtigen Meetings der Firma, für der er arbeitete, musste er sie wohl kennengelernt haben. Ob es da schon gefunkt hatte? Oder in einen seiner anderen, unzähligen Meetings, für der er oft mehrere Tage außer Haus war und du auf dich und deinen Bruder aufpassen durftest? Wie gesagt, du weißt es nicht.

Irgendwann, an einem ganz normalen Abend, vielleicht vor zwei Jahren oder so, da hatte er von ihr beim Abendessen erzählt. Erst einmal, dann immer öfter. Natürlich hast du dich für deinen Vater gefreut, seit dem Tod deiner Mutter hast du ihn nicht mehr so glücklich gesehen. Da kam es deinem Vater nur Recht, dass die Firma, für die er arbeitete und die Firma, für die sie arbeitete immer engere Kontakte pflegten. Und es immer mehr Meetings gab. Und schneller, als du gucken konntest war aus der kleinen Romanze eine richtige Fernbeziehung geworden.

Alles schön und gut. Aber dann wurde das um einiges Schlimmer.

Der Skype-Fernbeziehung folgte eine Ferien-Besuch-Nahbeziehung. Es war ja okay, wenn sie, die übrigens Mihaela heißt, euch besuchen kam. Sie war zwar etwas, okay, das ist die Untertreibung des Jahrzehnts, sehr, sehr merkwürdig, aber dein Vater war glücklich. Dad glücklich, du glücklich, alles glücklich.

An diesem Vorsatz hast du aber schon oft gezweifelt. Zum Beispiel, wenn dein Vater euch zum Flughafen zerrte, ihr drei, nein vier Stunden darauf warten durftet, in ein Flugzeug zu steigen und ewig lange auf einen Platz sitzen zu dürfen. Denn sie lebt nicht um die Ecke, nicht einmal an der anderen Küste, nein, sie lebt auf einem ganz anderen Kontinent. In Deutschland, um genau zu sein.

Aber das ist nicht alles. Dann wurdet ihr nämlich am Flughafen vor freundlich lächelnden Beamten von dieser netten Frau begrüßt, in ein niedliches Auto verfrachtet und an einer noch niedlicheren Wohnung wieder abgesetzt. Die Fahrt lang darfst du dann der wunderschönen Klängen deutscher Musik lauschen und deinem Vater beim romantischen Flirten zusehen. Und dieses herrliche Wetter erst … Einfach perfekt.

Wer den Sarkasmus nicht gehört hat, ist hier falsch.

Das ‚Lächeln‘ der Sicherheitskräfte ist absolut gruselig, Mihaela komplett irre, das Auto viel zu klein und die Wohnung hässlich, deutsche Musik sollte international als Folterinstrument anerkannt werden, und das Wetter absolut grausam. Entweder scheiße kalt oder scheiße heiß.

In den Ferien musstest du immer öfter auf Partys, Freunde, Strand, schönes Wetter und gute Laune verzichten. Zum. Kotzen.

Aber Dad glücklich, du glücklich, alles glücklich.

Aber jetzt. Jetzt hast du genug.

Nicht dass Mihaela, die alleine lebt und fließend Englisch spricht, hierher ziehen könnte. In die Staaten, dem Land der Freien, Heimat der Tapferen und des schönen Wetters.

Nein, ihr, ihr müsst ja unbedingt nach Deutschland auswandern. Eine dreiköpfige Familie. In der nur ein Mitglied anständig Deutsch spricht.

Dad glücklich, du glücklich, alles glücklich? Ja, ganz bestimmt. Nicht. - -

„|Name|? |Name|? Komm schon, zieh nicht so ein langes Gesicht! Bist du fertig mit Packen?“, reißt dich dein Vater aus deinen Gedanken. Gut gelaunt wie immer steht er in der Tür zu deinem geliebten Zimmer und grinst dich breit an. „Was gab‘s da zu packen?“, fragst du zurück. Die Möbel werden ja nicht mitgenommen. Auch dein wunderbar weiches Himmelbett nicht. Nur das Persönlichste. Es wird eine neue Wohnung geben und neue Möbel, neue Schule, neue Freunde, neue Sprache, neues Land, neue Kultur, neue Essgewohnheiten, neues Alles. Du tust nicht einmal so, als würde es dir gefallen.

Du deutest auf die fünf Koffer in der Mitte deines Zimmers. „Aber ich bin fertig.“ „Alles klar.“ Dein Dad schnappt sich den ersten und scheitert daran, ihn hochheben zu wollen. „Holy Shit! Was ist da drin? … Hilfst du mir mal?“ „Ganz bestimmt nicht.“

Dein Vater ist eigentlich nicht daran schuld, dass er sich in Mihaela verliebt hat.

Trotzdem bist du sauer auf ihn. Als die letzten Möbel und das ganze andere Zeug abgeholt werden. Du hast gar nicht gewusst, wie sehr du die Zimmerpflanzen geliebt hast. Als er es fast nicht schafft, deine Koffer in das Auto zu packen, lächelst du. Allerdings tust du das nicht mehr, als er erschöpft, aber immer noch grinsend den Wagen anlässt und du dir den Hals verdrehst, als dein Haus hinter dir immer kleiner wird.

Wenn es überhaupt sein kann, ist dein kleiner Bruder |B/N| sogar noch niedergeschlagener als du. Er hatte ja auch Freunde, von denen er sich verabschieden musste und hat sein Leben hier auch geliebt, selbst die Schule …

Du willst dich gar nicht daran erinnern, wie es sich angefühlt hat, dich von deinen Freunden zu verabschieden. Eine letzte Poolparty, mitgeschmuggelter Alkohol. Zum Ende hin wurde die Stimmung immer bedrückter. Und das Telefonat vorhin… Ihr habt euch alle versprochen, auf Facebook Kontakt zu halten, zu telefonieren, dass du sie, so oft es geht, besuchen kommst, aber das ist nicht dasselbe.

Die ganze Fahrt über ertrinkst du in depressiven Gedanken und in Selbstmitleid, da seid ihr auch schon am Flughafen angekommen. Dein Vater parkt das Auto in der riesigen Garage, wenn er nach Amerika zurückfliegt, um den Rest zu klären, wird er sich auch um den Wagen kümmern müssen. Ihr steigt aus und dieses Mal bist du es, die deine Koffer tragen darf. - -

Das darf nicht wahr sein.

Dein Handy-Akku hat tatsächlich schlapp gemacht! Oh Gott, nein, bitte nicht. Was sollst du den restlichen Flug über tun? Wie dein kleiner Bruder einfach schlafen? Oder wie dein Vater verträumt durch die Gegend zu schauen? Na, ganz bestimmt nicht.

Es bleibt dir nichts anderes übrig, als wieder an Deutschland zu denken. Die Wochen, die du bis jetzt in diesem europäischen Land verbracht hast, konntest du ja erfolgreich verdrängen. Aber damit ist jetzt Schluss. Wohl oder übel wirst du doch noch dein miserables Deutsch aufbessern müssen, was du bis jetzt verweigert hast. Denn in zwei Wochen würde die Schule losgehen und dann …

Daran willst du nicht mal ansatzweise denken. Es wird so unfassbar schrecklich werden. Du warst doch die ganze Zeit lieb und brav und würdest nie jemanden irgendwas antun. Warum also ausgerechnet du-? Nicht, dass du dann nur ‚die Neue‘ wärst. Du verabscheust es, ‚die Neue‘ zu sein. Aber dann wärst du ‚die Neue aus Amerika‘ und würdest weitaus mehr Aufmerksamkeit bekommen, als es dir lieb ist.

Du schreckst aus deinen Gedanken auf, als eine klare Frauenstimme ankündigt, dass ihr bald in München angekommen seid. Tatsächlich neigt sich das Flugzeug nach unten und mit einem Blick aus dem Fenster bemerkst du, dass die Details unter dir immer größer werden.

Dunkelgrüne Wälder. Braune, gelbe und grüne Felder, wie ein Schachbrett. Graublaue Straßen, die sich durch die Landschaft schlängeln wie Flüsse, rote Flächen, die sie hier und da umgeben, wenn mehrere zusammen laufen, kleinere Städte und Dörfer. Und vor dir, groß, grau, vielleicht auch etwas beängstigend: München.

Immer größer wird die Landeshauptstadt von Bayern. Du kannst den Landeplatz am Stadtrand erkennen, er ist riesig, wenn auch nicht der größte. Und schneller, als du gucken kannst, kommt die Maschine auf den Boden auf, rollt noch einen oder zwei Kilometer weiter, bis sie endlich zu stehen kommt.

Der Pilot hält noch eine Rede, dann kannst du endlich aufstehen. Du schnappst dir dein Handgepäck und folgst deinem Vater und |B/N| nach draußen. Frische Luft … Tja, schön wär‘s. Denn es ist ganz bestimmt nicht ‚frisch‘ da draußen. Deutschland liegt ja eigentlich eher im Norden, trotzdem kriegst du fast einen Hitzeschlag. Die Luft ist schwer und schwül, du fühlst dich so an, als würdest du zerlaufen.

Na toll. Was wäre es schon für ein Tod, wenn danach in der Zeitung steht: „Mädchen zerläuft in Flughafen zu blubbernder Soße. Eltern mussten Sauerei beseitigen.“ Darauf kannst du gerne verzichten. Scheiß August.

Nach einer kleinen Busfahrt, bei der du zwischen dem Rucksack eines Passagiers und einen haarigen Mann zerquetscht wurdest und nebenbei auch noch im (leider nicht nur eigenen) Schweiß ertrankst, erreicht ihr endlich das Terminal.

Da ist es tatsächlich schön kühl … Könnte aber auch an den Polizisten liegen, die hier überall stehen, viel größer als du sind und alles absolut gruselig anlächelten. Zugegeben, wenn du ein Terrorist wärst würdest du spätestens jetzt schreiend zu deiner Mami rennen. Aber trotzdem: das ist absolut furchteinflößend!

Zum Glück habt ihr die Sicherheitskontrollen schnell hinter euch.

Dann aber erwartet euch der wirkliche Schrecken. Mihaela. Die Irre, in die sich dein Dad verliebt hat. „Oh, hallo, mein Kuschelhäschen!“, ruft sie entzückt. „Mausi!“, kommt die kitschige Antwort deines Vaters. Sie rennen wie in diesen unrealistischen Liebesfilmen aufeinander zu. Peinlich berührt wendest du den Blick ab.

„Oh, hallo, |Name| und |B/N|! Endlich sehe ich euch beide wieder!“ Endlich wechselt die etwas mollige blonde Frau ins Englische. Du stöhnst auf. „Hallo“, sagst du kalt, während dein Bruder mit seiner kindlichen Naivität sehr laut „Mihaela! Ich freu mich so dich zu sehen! Ich bin ja so~ aufgeregt!“ brüllt. Ein paar Leute drehen sich um, einige belustigt, andere genervt. Du bist versucht, allen den Mittelfinger zu zeigen, lässt es aber. Sollen sie doch.

Aber hatte |B/N| dir nicht gerade noch im Flugzeug die Ohren zu-geheult, wie grausam das alles ist und er wieder nach Hause will? Naja, zumindest bevor er eingeschlafen ist …

Mihaela holt euch einen Gepäckwagen, während dein Vater euch schon mal zur Kofferausgabe lotst. Nach einer Stunde habt ihr alles, so gut wie es geht, in einem extra gemieteten Auto verstaut. Mihaelas Wagen wäre viel zu klein gewesen.

Überall um dich herum Leute, die eine Sprache sprechen, die du in zwei Wochen perfekt können musst. So abgehackt, so kalt, so absolut-

„|Name|? Bist du fertig?“, reißt dich Mihaela aus deinem Selbstmitleid. „Ja“, sagst du nur müde. Denn du bist ja fertig- völlig fertig.

Aber du befolgst ihrer stummen Bitte und setzt dich in den Wagen.

Und da kommt schon Horror Nummer Zwei. Oder ist es schon Nummer drei? Kaum sind alle Türen zu, gibt Mihaela schon Gas. Sie wartet nicht einmal darauf, dass ihr euch alle angeschnallt habt.

Mausi … Kannst du bitte etwas … vorsichtiger fahren?“, fragt selbst dein Vater, als ihr zu allem Überfluss auf der Autobahn angekommen seid und das Tacho auf Tempo 240 ansteigt. „Was?“, fragt Mihaela ehrlich unwissend. „Ich fahr doch vorsichtig!“

Na toll.

Willkommen in Deutschland.

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Und so ist das erste Kapitel zu Ende. Ich bin, ehrlich gesagt, nicht zufrieden, aber ich hoffe, es war annehmbar. Mihaela- ich konnte mich nicht zwischen der ernsten Geschäftsfrau und der aufdringlichen Mutter entscheiden, jetzt entsteht vermutlich ein Hybrid…

Und wie immer musstest du umziehen … Wir lieben doch Umzüge, nicht?

Und warum ich Reader-chan nach Deutschland verschleppt habe? Naja, die meisten Länder sind europäisch und Deutschland liegt in der Mitte von Europa. Und da ich ja Deutsche bin, kann ich nur… mäßig… über andere Kulturen und Lebensweißen schreiben.

Warum Reader-chan überhaupt Amerikaner ist? Das war eigentlich als englische Geschichte geplant. Dann ist mir eingefallen, dass ich nicht unbedingt etwas in meinem miserablen Englisch veröffentlichen sollte …

Zu den Update-Zeiten: Da gerade Ferien sind und ich schon ein paar Kapitel geschrieben habe, würde ich gerne 2x die Woche veröffentlichen. Entweder montags und donnerstags oder donnerstags und sonntags.

Wenn sich etwas ändert, gebe ich natürlich Bescheid.

Gesamt: 1693 Wörter~

Im nächsten Kapitel:

Das neue Haus, alleine einkaufen gehen und Fakten über die Inhaltsstoffe von Wurst raus finden- ein ganz normales Wochenende eben!
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