The new Kitty

GeschichteAngst, Tragödie / P18
Akira Gunji Nano OC (Own Character) Shiki
24.05.2015
13.05.2017
20
45.698
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24.05.2015 2.104
 
Nachdem der 3.Weltkrieg zu Ende war, wurde Japan halbiert. Auch nannte man es deswegen die dritte Dimension. Ein Hälfte konnte wieder aufgebaut werden und das Leben normalisierte sich, doch der andere Teil wurde immer mehr der Hölle ähnlicher. Am Anfang lebten sich nur Kriminelle oder Obdachlose dort ein, aber letztendlich begann eine Drogenorganisation namens Vischio auf dieser Gegend zu regieren. Die Leute in der Hauptstadt Toshima, welches ursprünglich den Namen Tokyo vor dem Krieg besaß, trugen ein Überlebensspiel mit dem Namen Igura aus.

Ich lebte auf der normalen Seite Japans, jedoch alleine, weil ich keine Familie besaß. Man sagte mir, dass sie tot waren. Den Grund hatte man mir aber nie verraten. Vielleicht war das ja auch nur eine Lüge gewesen und sie waren noch am Leben, aber das bezweifelte ich.

Obwohl ich schon 18 Jahre alt war, fühlte ich mich nicht wirklich erwachsen. Die Schule hatte ich mit 16 abgebrochen und arbeitete seit zwei Jahren in einem Supermarkt in der Nähe meiner Wohnung. Ein wirklich langweiliger Job, aber ich musste mich irgendwie am Leben erhalten und ohne Geld ging das leider nicht so einfach. Außer der Arbeit besuchte ich noch dazu regelmäßig einen Selbstverteidigungskurs und hatte somit nach geraumer Zeit viel Kampftechnik erlernt. Zum Glück kam es nie dazu sie dringend einzusetzen. Mein Leben war recht eintönig, aber ich wollte um ehrlich zu sein auch keine Abenteuer erleben. Ich mochte diese alltägliche Ruhe, die mich von Tag zu Tag umgab.

Doch dann wurde sie mir plötzlich genommen.

An einem schönen Tag, als die Sonne strahlte und kaum Wolken im klaren blauen Himmel zu sehen waren, schloss ich mit einer fremden Frau namens Emma eine Wette. Sie hatte mich während meiner Morgenschicht im Supermarkt angesprochen. Die Abmachung handelte über das Überlebensspiel Igura, welches in Toshima stattfand. Sie meinte, ich solle eine Woche dort überleben und wenn ich es schaffe, würde ich eine Geldbelohnung erhalten. Ohne erst wirklich darüber nachzudenken, willigte ich ein, weil sie mir einen wirklich hohen Betrag von Geld versprochen hatte.

Das musste wohl der schlimmste Fehler meines Lebens gewesen sein.

Ich bekam einen Tag um mich für die Reise vorzubereiten. Emma gab mir mehrere Marken, auf denen Spielkarten Figuren zu sehen waren und auch meinte sie, dass ich eine Waffe mitnehmen sollte, aber Schusswaffen waren in diesem Ort nicht erlaubt. Den Grund hatte sie mir nicht genannt. Ich fand zu meinem Glück eine unbenutzte Motorsäge in einer der alten Kisten in meiner Wohnung, die ich dann in einem Ledertuch gewickelt hatte und mit einem dicken und festen Seil an meinem Rücken befestigte. Ja, ein Messer hätte höchstwahrscheinlich praktischer als einer Waffe gedient, aber ich wollte etwas größeres mitnehmen. Ich würde die Motorsäge jedoch nicht einschalten, sondern wie ein Schwert schwingen. Wie gut, dass sie auch nicht sonderlich schwer war.

Meinen langen welligen braunen Haaren verpasste ich einen männlichen Haarschnitt und zog mir eine schwarze lockere Hose an. Auch ein großes dunkelblaues Kapuzenpullover durfte natürlich nicht fehlen. Ja, ich sah nun wirklich so aus wie ein Junge, aber das war auch von Anfang an mein Plan gewesen. Nur Männer trugen dieses Überlebensspiel aus und ich wollte als Frau nicht unbedingt aus der Masse hervorstechen.

Emma’s Butler Gwen war derjenige gewesen, der mich netterweise von Zuhause abgeholt hatte und mich mit seinem Auto zu einem hohen Zaun fuhr, der die Grenze zwischen Toshima und dem anderen Teil Japans darstellte.

»Von hier aus musst du alleine nach Toshima begeben. In einer Woche werde ich genau hier auf dich warten. Falls du nach vier Stunden nicht zurück sein wirst, nehme ich an, dass du nicht mehr am Leben bist. Falls du dich aber nur verspäten wirst, kannst du mich über dieses Handy erreichen«, erklärte Gwen und gab mir das alte Tastenhandy, welches er während dem Erzählen aus seiner Hosentasche hervorgeholt hatte. »Wir haben dich dem Spiel nicht angemeldet, aber du musst trotzdem eine Marke um deinen Hals hängen. Verhalte dich am Besten so unaufmerksam wie es nur geht und spare mit den Marken, die wir dir gegeben haben. Mit ihnen kannst du nämlich Essen, Trinken und andere hilfreiche Sachen bei der Tauschstelle eintauschen«, setzte er fort.

Ich nickte stumm, um mein Verständnis aufzuzeigen.

»Ach, und noch für dein eigenes Wohlsein solltest du versuchen den Kämpfen aus dem Weg zu gehen. Es ist zu deinem Besten, wenn niemand davon erfährt, dass du nicht offiziell bei Igura mitmachst.«

Wiedermals nickte ich. Als er also seine Rede beendet hatte, drehte ich mich zum hohen Zaun und begann langsam hochzuklettern und stieg auf der anderen Seite in der gleichen Weise wieder hinunter. Vielleicht hätte es cooler ausgesehen, wäre ich von ganz oben runtergesprungen runtergesprungen, aber ich wollte mich nur ungern schon am Anfang der abgesprochenen sieben Tagen verletzen.

Das würde sowieso noch irgendwann an diesem Ort passieren.

Als meine Füße wieder den Boden berührte hatten, versteckte ich das Tastenhandy unter dem Tuch, welches ich um meine Brüste gewickelt hatte. Wozu das Tuch? Auf dieser Weise wirkte ich platter.

Nachdem ich schon eine Weile in einer geraden Richtung gegangen war, näherte ich mich immer mehr den vielen Hochhäusern und freute mich innerlich, dass ich noch nicht gestorben war. Die Betonung lag aber auf “noch“.

Je tiefer und tiefer ich in den Trümmern der Stadt verschwand, desto mehr Blutflecken entdeckte ich, die auf dem Asphalt getrocknet waren. Der Gestank von Metall stieg in meine Nase, weshalb ich gleich den Kragen meines blauen Kapuzenpullovers über sie zog. Als würde die Stadt in einem roten Nebel stehen, so verschwand auch die Sonne mit derselben bedrohlich Farbe am Horizont.

Wieso war ich überhaupt auf diese Wette eingegangen?

Wegen dem Geld. Ich riskierte mein eigenes Leben wirklich nur wegen Geld. Na ja, was konnte ich jetzt überhaupt dagegen machen? Ich hatte freiwillig diese Wahl getroffen und wenn ich nur sieben Tage überleben konnte, dann würde ich nie mehr Probleme im Leben haben und müsste nicht mehr arbeiten gehen. Trotzdem hätte ich diese Abmachung lieber nicht eingehen sollen.

Ich wurde ruckartig aus meinen Gedanken gerissen, als ich plötzlich nährende Schritte wahrnahm. Ein unangenehmes Gefühl breitete sich in meiner Bauchgegend aus. Ich fühlte mich beobachtet.

Auf einmal traten drei unbekannten Männer aus der Dunkelheit hervor und steuerten auf mich zu. Jeder bewegte sich von einer anderen Seite auf mich zu und umzingelten mich.

»Ach, was haben wir denn hier?«, fragte einer der Männer mit einem dreckigen Grinsen im Gesicht.

»Er sieht noch frisch aus. Sicherlich ist er erst heute beigetreten«, stellte ein anderer von ihnen fest und schaute mich auf der gleichen Weise schmutzig an.

»Gib uns deine Marken. Vielleicht verschonen wir dich dann«, meinte dann das dritte Gangmitglied.

Ich musterte sie alle drei emotionslos. Mit einer schnellen Bewegung zückte ich meine Motorsäge in die Hand, zog mit einem Ruck das Ledertuch ab und richtete mich in Kampfposition.

»Dieses "vielleicht" genügt mir aber nicht«, sagte ich und verzog meinen Mundwinkel zu einem schadenfreudigen Lächeln. Ich durfte nicht daran denken, dass es hier um Leben oder Tod ging. Nein, ich musste mir einfach vorstellen, dass diese Situation eine Art von Selbstverteidigungstraining darstellte.

Die drei Männer starrten mich fassungslos an, nachdem sie die Motorsäge in meiner Hand erblickt hatten, aber bereiteten sich auch auf den vorstehenden Kampf vor.

»Drei gegen einen? Ist das nicht etwas unfair?«

Alle drei sprangen gleichzeitig auf mich los, jedoch duckte ich mich noch, bevor sie mich mit ihren Klingen hätten treffen können. Ehe sie tatsächlich realisierten, dass ich in die Hocke gegangen war, holte ich mit meiner Waffe aus und zielte auf die Beine meiner Angreifer. Natürlich nicht mit der scharfen Seite der Motorsäge. Ich wollte ihre Füße ja noch nicht abschneiden, oder? Alle drei verloren ihr Gleichgewicht und fielen auf dem Boden. Beim Aufprall zischten sie auf dem Asphalt auf.

Sie waren aber nicht nur zu dritt.

Plötzlich stürmte einer von hinten mit einem Messer in seiner Hand auf mich zu. Bis ich es jedoch richtig realisiert hatte, war es schon zu spät gewesen. Ich schloss reflexartig meine Augen, hielt meine Motorsäge als Schutz vor mich hin und wartete auf den Schmerz, der aber nie kam. Stattdessen hörte ich nur Schreie und den Aufprall des vierten Angreifers auf dem harten Beton. Als ich meine Augen langsam wieder geöffnet hatte, lag er bewegungslos auf dem Boden, während Blut aus seinem Rücken qualmte. Nicht nur dieser Mann, sondern auch seine anderen Komplizen aus der Bande lagen bewegungslos auf dem Asphalt.

Waren sie tot?

Ungläubig erblickte ich die Person, die mich anscheinend vor dem hinterhältigen Angriff gerettet hatte. Bei meinem Retter handelte es sich um einen schwarzbekleideten Mann mit rabenschwarzes Haar und rubinroten Augen, die mich ausdruckslos musterten. Er richtete mit einer langsamen Bewegung sein Katana auf mich und hielt es gefährlich unter meinem Kinn.

»Willst du auch sterben?«, fragte er mich immer noch ausdruckslos. Ich hob meine Motorsäge und schlug sein Schwert aus meiner Sicht, doch leider fiel dieses nicht aus seiner Hand.

»Ich habe keine Zeit für den Tod.«

Mit dieser Antwort hatte er bestimmt wenig gerechnet, da er mich für eine Sekunde etwas überrascht musterte.

»Hm?«, summte er vor sich hin, bevor er sein Katana wieder in meine Richtung schwang. Jedoch wich ich seinen Angriff noch rechtzeitig aus. Ich wollte ihn gerade mit meiner Motorsäge treffen, als er mit seinem Fuß ausholte, mich am Bauch traf und ich auf dem Betonboden aufprallte. Wir befanden uns wieder in der gleichen Haltung. Er hielt mir sein Katana erneut unter meinem Kinn, nur lag ich diesmal mit dem Rücken auf dem Boden.

Shit!

Er war wirklich gut.

»Ich würde gerne sehen, wie du um dein Leben bettelst«, teilte er mir mit und lächelte amüsiert. Träum nur schön weiter du Bastard!

Mit einer schnellen Bewegung, schob ich seine Waffe wieder mit meiner Motorsäge weg. Jedoch ließ er sich das nicht fehlen und schlug mit seinem Schwert meine Waffe aus meiner Hand.

»Ist eine Motorsäge nicht zu gefährlich für einen kleinen Jungen wie dir?«

Diesmal drückte sein Katana gefährlich in die Haut an meinem Hals. Somit blieb ich ganz still, denn es wäre nicht besonders klug gewesen ihn anzumotzen oder nur irgendetwas unbedachtes in diesen Moment auszuüben. Natürlich wollte ich schnell die Motorsäge wieder in meinem Griff bekommen, doch ich wusste, dass er sein Schwert schneller durch meine Kehle bohren würde, als dass ich meine Waffe wieder in meiner Hand halten konnte.

»Du bist interessant.«

Ich hatte nun mit meiner rechten Hand das Katana ergriffen und drückte es wieder mit voller Kraft von mir. Es schnitt in meine Handfläche, aber immerhin war das Schwert nicht mehr in der Nähe meines Halses. Dann starrte ich nur noch intensiv in seinen Augen und hatte nicht vor unseren Augenkontakt so schnell abzubrechen. Ich wollte unbedingt abwarten, dass er als erstes wegschaute.

»Deine Augen sind wirklich faszinierend.« Mit diesen Worten zog er sein Schwert wieder zurück, welches ich auch gleich losließ. Er steckte es wieder in dessen Scheide zurück. »Abschaum kriecht immer am Straßenrand«, informierte er mich noch zum Abschied und ließ mich mit einem verwirrten Gesichtsausdruck zurück.

Lebte ich denn wirklich noch?

Als der schwarzhaariger Typ nicht mehr zu sehen war, hob ich meine Motorsäge wieder vom Boden auf, wickelte sie mit dem Ledertuch ein, und befestigte sie auf meinem Rücken. Ich wollte gleich wieder losgehen, aber blieb dann doch noch stehen und starrte die vier Männer auf dem Boden an, die noch Marken um ihren Hälsen hängen hatten. Ich überlegte eine Weile, ob ich sie wohl mitnehmen sollte, bis ich ihnen die Marken letztendlich wirklich abnahm und sie in meiner Hosentasche vergrub.

Sie würden sie bestimmt nicht vermissen. Und wenn doch, war es mir egal.

Somit setzte ich meinen Weg fort und fand nach einiger Zeit einen sicheren und unbewohnten Zufluchtsort, als es schon angefangen hatte zu regnen. Dieser Ort musste früher wahrscheinlich als eine Bar gedient haben. Das nahm ich durch die vielen zersplitterten Gläsern und Flaschen auf dem Boden an. Außerdem stand auch ein staubiges Sofa in dem Raum, auf dem ich mich gleich bequem machte. Natürlich hatte ich noch davor versucht so viel Staub wie möglich abzuklopfen.

Meine Waffe und die Marken legte ich einfach neben der Couch ab und vergrub mein Gesicht in dem Kragen meines blauen Kapuzenpullovers. Außerdem zog ich meine Beine an meinem Oberköper, um mich mehr wärmen zu können.

Bevor ich jedoch versuchte einzuschlafen, betrachtete ich noch ein letztes Mal meine Handfläche, die ich an diesem Schwert geschnitten hatte. Das Blut war schon getrocknet, aber die Stelle brannte immer noch etwas. Das ließ mich an dem schwarzhaarigen Mann zurückdenken.

Ehrlich gesagt wollte ich schon gerne wissen wer er war, aber andererseits war ich auch nicht so neugierig.

Ich hoffte nur inständig, dass ich ihn nie wieder sehen musste.
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