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Age of extinction

GeschichteSci-Fi / P16 / MaleSlash
24.05.2015
12.07.2015
6
35.007
 
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24.05.2015 1.865
 
Kapitel 1: Keine Verschnaufpause


Jeff tastete seinen Oberkörper nach Treffern ab und erwartete bereits das schmierige, warme Gefühl von Blut, doch das Schicksal meinte es gut mit ihm. Dass er einen solchen Kugelhagel unbeschadet überstanden hat klingt schon utopisch. Seine Gedanken kreisten nur um Lucy und um die Frage wie er sich in eine solche Situationen manövrieren konnte. „Ob es Lucy gut geht? Hat sie die Schießerei überstanden? Das sind immerhin verdammt gute Schützen“, dachte sich Jeff. Das Geräusch eines Projektils, welches die Mauer direkt neben seinem Kopf durchschlug, holte ihn augenblicklich in die Realität zurück. Es fuhr ihm wie ein Blitzschlag durch den Kopf. Er lehnte immer noch mit dem Rücken an einer kleinen Mauer, während ein dutzend Maschinengewehre auf selbige einhämmerten. Wie lange würde die Mauer halten? Wie lange dauert es bis der erste auf die Idee kommt das eine Handgranate vielversprechender als tausend Schuss ist? Egal, er wollte es nicht raus finden, also teste er die verheerende Wirkung einer Pyro-Granate an dem Feind. Er schnappte sich eine aus seiner Seitentasche, zog den Stift und warf sie in die grobe Richtung des Feindfeuers. Das laute knallen, das zischen des austretenden Gases gefolgt von dem Geruch von verbranntem Fleisch gab ihm sofort eine gewisse Erleichterung. Doch sofort folgte die Ungewissheit. Wie viele hat es tatsächlich erwischt? Unter dem permanenten rattern der Gewehre und den durchhallenden Schmerzensschreien war es unmöglich die Anzahl der Schreie herauszufinden. Er drehte sich um und suchte den Durchschuss in der Mauer, welcher der Ausschlaggebende Grund war für die Unterbrechung seiner Erinnerung an einen schönen Abend. Als er das Loch fand und hindurch spähte, sah er immer noch mindestens 5 von den grausam aussehenden Kroganern. Die Gestalt der Aliens jagte ihm auch nach dem tausendsten Mal noch Angst ein. Ihre stämmigen Oberkörper und dicken Panzerungen wirkten imposant und erschreckend. Auf ihren Schultern thronte ein gewaltiger Schuppen besetzter Kopf, ohne dass man einen Hals erahnen könnte. „Ein Hals ist nur ein Zeichen von Schwäche“, sagte ein Kroganer einst zu ihm. Recht hatte er, denn ohne Genick, kann man selbiges nicht brechen. Ihre kurz aussehenden Arme reichten immer noch aus um einen mit einem gewaltigen Schlag umzuhauen. Wer einmal von einem Kroganer angerempelt wurde denkt er wäre von einem Zug erfasst worden. Die kurzen Beine machten sie nicht unbedingt zu den schnellsten Sprintern, aber ein Kroganer braucht nicht zu rennen, sondern nur zu töten. Noch nie hat Jeff eine solch gewalttätige Rasse gesehen.
Er konnte es sich allerdings nicht leisten eingeschüchtert zu sein. Er war zwar kein N7 Special Forces Mitglied, aber er ist ein flinkes Kerlchen. Seine schmale, sehnige Statur war perfekt zum flüchten, doch wie will man vor Scharfschützen und wildem Gewehrfeuer flüchten? Angriff war seine beste und einzige Option. Er war schlauer als die dummen Echsen ähnlichen Kroganer. Er zwang sich einen kühlen Kopf zu bewahren und nachzudenken. Es musste eine Möglichkeit geben diese Trottel nacheinander, oder am besten gleichzeitig auszuschalten. Er nahm sich eine Glasscherbe der zerballerten Fensterscheibe vor ihm und hielt sie so über das obere Teil der Mauer, damit er seine Feinde sah. Er zählte 4 Gewehrschützen und einen Scharfschützen. Angst vor Biotikern brauchte er nicht zu haben, da Kroganer eher selten zu Biotik veranlagt sind. Kroganer sind eher die „Hau drauf bis alles kaputt ist“ Typen. Doch dies machte sie nicht minder gefährlich, im Gegenteil. Sobald er den Kopf entblößen würde, hätte er einen neuen Scheitel. Er musste subtiler vorgehen. Er versuchte sich zu konzentrieren, was aber unheimlich schwer war wenn mehrere Sturmgewehre gleichzeitig auf eine Wand vor dir einhämmern. Die Wand wurde von Sekunde zu Sekunde dünner und es war nur noch eine Frage der Zeit bis seine Deckung komplett zunichte war. Er streckte seinen linken Unterarm vor seine Brust, als wolle er die Uhr ablesen und es erschien plötzlich ein durchsichtiges Orangenes Hologramm Konstrukt um seinen Unterarm und seine Hand. Es war sein Lieblingsspielzeug; Das Omni-Tool. Man nutzt es zum hacken, zum bedienen von Drohnen, zur Kommunikation, als Sanitäter Unterstützung und so weiter. Jeff nutzte es zum hacken, denn darauf wurde er spezialisiert. Seine linke Hand drehte wild an einem transparenten Rad, welches zur Navigation im Menü diente. Er suchte nach noch aktiver Hardware in der Umgebung. Kurz zuvor hatte er eine Überwachungsanlage außer Betrieb gesetzt. Da jede Überwachungshardware eine Drahtlose Schnittstelle hat, um sie von der Ferne bedienen zu können, fand er einiges an aktiver Hardware, doch das was er eigentlich wollte war nicht vorhanden. Er entschloss sich für eine aktive Überwachungskamera direkt vor ihm. Eine Selbstschussanlage wäre ihm lieber gewesen, aber damit musste er jetzt fertig werden. Er hackte sich in das Überwachungssystem ein, durchbrach die Firewall in wenigen Sekunden und hatte das Bild der Kamera auf einem Hologramm direkt über seinem Unterarm. Er sah jetzt genau was hinter ihm los war. Er durchsuchte die Gegend nach einer Fluchtmöglichkeit und fand tatsächlich eine offene Tür zur rechten Flanke der Kroganer. Jetzt musste er es nur noch schaffen, dass alle abgelenkt sind und er sich dort hin schleichen kann. Es war keine andere Hardware in der Umgebung, welche ihm helfen könnte die Kroganer abzulenken, doch er sah eine Kiste mit Magnesiumfackeln, welche in Slums benutzt werden um Unfallstellen abzusichern. Das entzünden einer Fackel würde reichen um die ganze Umgebung in ein helles Licht zu tauchen. Die Kiste befand sich schräg links von seiner Deckung, also eine gute Positionierung um den Feind zu blenden.
Seine Gedanken kreisten um den Moment in der Waffenkammer, kurz vor dem Aufbruch zur Mission. Er ist in der großen Halle umher gelaufen und konnte sich nicht entscheiden was er an Ausrüstung mitnehmen sollte. Es hieß, dass es eine kurze Mission werden würde, also hat er sich nur leichtes Gepäck und nur eine Pistole mitgenommen. Der Nutzen von Blendgranaten war ihm damals zu utopisch und die Granaten zu schwer. Jetzt verflucht er sich für diese Entscheidung.
Er zielte auf die Kiste, schloss seine Augen und zählte in seinem Kopf von 5 abwärts:
5…4…3…2…1…Schuss.
Ein markerschütternder Knall, der selbst in offenem Gelände sein Gehör fast ertauben lies, brachte ihn zum zusammenzucken, doch es war sein Signal! Hastig prüfte er das Hologramm auf seinem Arm und sah wie sich die Kroganer windeten und sich die Augen rieben. Er sprang auf und versuchte erst zur Tür zu schleichen, bis ihm einfiel das die Wirkung nicht sehr lange an hielt. Er hastete los in Richtung Tür. Das Geräusch seiner Füße, welche die Metallplatten auf dem Boden nicht gerade sanft berührten, führten zu einem verräterischen Geräusch, welches die Kroganer dazu veranlasste selbst unter Schmerzen in seine Richtung zu feuern. Er spürte die Projektile auf seiner kinetischen Barriere zerbersten, doch lange hielt der Schutz nicht. Die Kinetische Barriere, auch Schild genannt, hielten zwar einiges aus, doch eine hohe Schussfrequenz lies die Schilde irgendwann versagen. Er wollte nicht testen wie viele Projektile sein Schild aushält, darum sprang er zur nächsten Deckung. Verzweifelt schaute er zur Tür. Die Rettung liegt nur wenige Meter vor ihm, doch wenn er sich erhebt und los rennt, würden ihn die Kroganer durchsieben. Er rechnete sich seine Siegchancen aus dieser Kampfposition aus. Seine Feinde standen nun nicht mehr in einer horizontalen Linie vor ihm, sondern in einer senkrechten Linie hintereinander. Das würde die Abschussquote und die Siegchancen um ca. 40% erhöhen, was aber in Anbetracht der Überzahl des Feindes, sowie die gute Ausbildung derer, immer noch nur eine Gesamtchance von 55% ergibt. Eine andere Möglichkeit wäre zu warten bis der Schild wieder seine volle Leistung besitzt und einen weiteren Fluchtversuch zu starten. Er rief erneut sein Omni-Tool am Unterarm auf um zu sehen wie weit die Schildaufladung fortgeschritten ist. Nur 57%, was kaum mehr war als seine Siegchancen gegen die brutalen Kroganer. Er war bereits am verzweifeln, als er ein statisches Rauschen in seinem inneren Ohr hörte. „Das ist der Funk!“, dachte Jeff und änderte sofort die Frequenz an seinem Omni-Tool bis er eine etwas verzerrte Stimme hörte. Er fasste sich mit seinem linken Zeigefinger hinter das Ohr und sprach vor sich hin: „Hier spricht Second Lieutenant Jeffrey Skinner, hören Sie mich?“. Er sehnte sich nach der Antwort und als diese kam, fiel ihm eine Tonne Last vom Herzen. Er fühlte wie sich seine Anspannung löste und er wieder klar denken konnte. „Positiv Lieutenant Skinner, hier spricht Commander Rodriguez von der SSV Lewis, wie ist ihre Position?“, dröhnte es in seinem Ohr. Er schaute sich um, legte erneut den Finger hinter sein Ohr und sagte: „Ich sitze ganz tief in der….Sie wissen schon“, er wurde von einem rauen Befehlston unterbrochen: „Soldat, reißen Sie sich zusammen und achten Sie auf Ihre Wortwahl!“ Er war eingeschüchtert und spürte sofort die Hitze der Schamesröte in seinem Gesicht. Eine Frau mit einer hübschen Stimme hat ihn gerade in den Senkel gestellt. So etwas ist ihm noch nie zuvor passiert, doch er hatte keine Zeit diese neuen Eindrücke zu verarbeiten. „Tut mir Leid Ma’am, es kommt nicht mehr vor. Zu meiner Lage: Ich befinde mich auf Zenon 9 und führe eine Spionagemission hinter feindlichen Linien durch. Ich bin in eine Falle der Kroganer getappt und nun haben die mich festgesetzt. Ich sehe 5 schwer gepanzerte Kroganer hinter mir mit schier unendlicher Munition. Ich habe nur eine Pistole und mache damit nicht mal einen Kratzer in die Panzerung der Kroganer. Ich erbitte Sie um Hilfe Ma’am.“ Die kurze Funkstille kam Jeff vor wie eine Ewigkeit, doch dann endlich hörte er die nette Stimme des Commanders wieder: „Ist genehmigt Lieutenant. Ich richte unsere Bordgeschütze auf Ihre Position aus. Markieren Sie das Ziel und wir holen Sie da raus!“ Vor Freude hätte er am liebsten Saltos geschlagen, was aber die Trefferchance der Echsen erheblich gesteigert hätte, deswegen beließ er es bei einer einfachen „Strike“ Geste mit dem Arm. Er überlegte wie er die Kroganer mit dem Laser seines Omni-Tools markieren könnte ohne sich als Zielscheibe zu präsentieren. Seine beste Möglichkeit bestand, paradoxerweise, darin seine eigene Deckung zu destabilisieren. Er zog seine Pistole, woraufhin sich das Gehäuse automatisch öffnete und zwei Läufe vorne, sowie die optische Visiereinrichtung oben ausfuhr. Als die leisen Motorengeräusche der Pistole nach nicht mal einer halben Sekunde verschwunden waren, richtete er die Waffe Richtung Wand und schoss mehrmals darauf bis er ein kleines Loch in Richtung Kroganer gestanzt war. Verwundert über die Schüsse aus Richtung des vermeintlichen Opfers starrten sich die Kroganer mit einem fragenden Blick an und feuerten letztlich unbekümmert weiter. „Dummheit ist ein Segen“, murmelte Jeff und zielte mit dem Laser auf einen der Kroganer. Der vorderste der Kroganer drehte sich zu seinem Kumpel um und wollte ihm ansagen das er nachladen muss, doch sein Blick blieb an dem wackelnden Laserpunkt auf der Brust seines Kumpels hängen. Der Kroganer hinter ihm stellte das Feuer ein, schaute nach unten und sah ebenfalls den unheilvollen Anblick. Er hob seinen Kopf nach oben, wissend was jetzt folgen wird und sah ein gleißendes Licht schnell näher kommen. Als Jeff erneut durch einen lauten Knall fast das Gehör verlor, atmete er auf und tastete seinen Körper nach Treffern ab. Jeff streckte den Kopf in den bewölkten Himmel um sagte: „Danke vielmals, Sie haben mich gerettet.“ Erschöpft lehnte er sich an seine desolate Deckung und verlor das Bewusstsein.
 
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