Die Lösung (Gaylien Romance - Teil 4)

KurzgeschichteRomanze, Fantasy / P18 Slash
24.05.2015
24.05.2015
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© by Sitala Helki
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Falls euch, liebe Leser, diese Geschichte irgendwo unter anderem Namen begegnet, würde ich mich über einen kurzen Hinweis freuen.






»Okay, nur zur Klarstellung, ob ich richtig verstanden habe: Ich bin allergisch gegen Menschen
Der zuständige Wissenschaftler nickt mir zu. »So sieht es aus, Krinto.«
Kaum waren Golan und ich auf unserem Heimatplaneten gelandet, wurden wir umgehend zum globalen Forschungszentrum beordert. Dass ich ohne meinen Partner zur Unterredung sollte, ließ mich gleich stutzen.
»Wie sieht die weitere Vorgehensweise aus?« Das ist zwar keine schöne Diagnose, aber so etwas Schnödes wie eine Allergie wird doch nicht allzu schwer zu behandeln sein.
»Nun, im Grunde gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens: lebenslange Karenz. Das bedeutet: Keine Rückkehr zur Erde, denn jeder weitere menschliche Kontakt schädigt deine natürliche Physiologie dauerhaft.«
Ich schlucke und starre ihn an. Das ist unmöglich! Golan wird todunglücklich, wenn wir nicht mehr zurückkönnen.
»Und die Zweite?«, frage ich vorsichtig. Irgendetwas sagt mir, dass mir die ebenfalls nicht gefallen wird.
»Nun ...« Er seufzt und sieht unruhig hin und her. »Es gibt die Möglichkeit, die entsprechende Gensequenz zu deaktivieren.«
»Na, dann tun wir das doch!«
»So einfach ist das nicht. An der gleichen Sequenz hängt auch das Transformationsgen. Das bedeutet, schalten wir dieses aus, bleibst du für den Rest deines Lebens in der Form, in der du dich zum Zeitpunkt der Deaktivierung befindest.«
»Ich wäre dann für immer ein Mensch?« Grauenhafte Vorstellung!
»Phänotypisch ja. Natürlich wärst du weiterhin einer von uns, aber du sähest fortan aus wie ein Mensch oder welche Form auch immer du wählst.«
Na, das sind ja hervorragende Alternativen. Golan unglücklich machen oder fortan als Mensch leben.
»Bis wann muss ich mich entscheiden?«
Er weicht meinem Blick aus.
»Was ist los?«
»Die Obersten diskutieren deinen Fall bereits. Der potenzielle Eingriff in deine Genetik ist so folgenschwer, dass sie das letzte Wort haben.«
Ich schlucke. Dann beschließen die Herren also, wie es in unserem Leben weitergeht.
»Wann fällt die Entscheidung?«
»Spätestens morgen.«

~*~*~


Golan ist über die Neuigkeiten verständlicherweise geschockt.
»Okay, dann ... bleiben wir eben hier«, erklärt er mit belegter Stimme. Er kämpft sichtlich mit den Tränen.
Seufzend ziehe ich ihn in meine Arme. »Das würde dich doch nicht glücklich machen.«
»Aber auf immer als Mensch zu leben macht dich ebenso wenig glücklich.«
Ich küsse ihn auf den Kopf.
»Blöde Situation«, motzt er an meinem Hals.
»Mhm. Lass uns schlafen gehen und abwarten, was die Obersten morgen verkünden.« Schließlich bringen uns Spekulationen und Meckern momentan nicht weiter. Schön, wenn die naturgegebene Effizienz manchmal wieder durchschlägt.
»Okay«, erwidert er krächzend.

Golan krallt sich regelrecht an mir fest, als wir am nächsten Tag in das Büro des Entscheidungsträgers gebeten werden.
»Krinto, Golan, schön, dass ihr so schnell kommen konntet. Wir haben uns lange beraten und uns unsere Entscheidung nicht leicht gemacht. Beide Optionen sind nicht vollumfänglich zufriedenstellend. Eure bisherige Arbeit auf der Erde war sehr erfolgreich und gerade du, Golan, hast inzwischen so viel Wissen angehäuft, dass wir keinen adäquaten Ersatz für dich finden können. Allerdings sehen wir den Eingriff in deine Genetik als zu schwerwiegend an, Krinto, als dass dies durch die Studie gerechtfertigt sei.«
»Aber ...«, werfe ich ein, denn inzwischen bin ich durchaus bereit, mich der Prozedur zu unterziehen.
»Nein, Krinto«, unterbricht er mich. »Dieses Vorgehen ist unverantwortlich. Dennoch können wir auch nicht auf Golans Arbeit auf der Erde verzichten. Eure letzte längere Trennung hatte allerdings bereits verheerende Auswirkungen auf eure Physiologie, sodass dies ebenfalls nicht möglich ist.«
Seufzend sieht er abwechselnd zu mir und zu Golan. »Daher haben wir beschlossen, einen anderen Weg zu gehen. Einen, der perfekt ist, um deine Gesundheit aufrechtzuerhalten, Krinto, und gleichzeitig das Wohl der Allgemeinheit zu berücksichtigen.«
Golans Griff wird fester. »Und der wäre?«, fragt er leise.
»Es ist vielleicht ein wenig unorthodox, aber wir haben beschlossen, euch neu zu verpartnern. So kannst du, Golan, zurück zur Erde und du, Krinto, kannst weiterhin hier bei uns arbeiten.«
»Ihr wollt eine Lösung vollziehen?«, frage ich ungläubig.
»Ja.«
Ich fühle mich wie betäubt. Selbst Golans festen Griff, der unter normalen Umständen sicher starke Schmerzen verursacht hätte, spüre ich kaum.
Mich von Golan lösen lassen? Auch, wenn ich häufig über ihn schimpfe, kann ich mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Ich will es auch gar nicht können. Zwar weiß ich, dass die Biochemie dann umgeleitet wird und wir auch keinen Liebeskummer verspüren wie ihr Menschen, dennoch behagt mir dieser Gedanke überhaupt nicht.
»Aber ... ich nehme die Konsequenzen in Kauf.« Ein schwacher Versuch, das weiß ich durchaus, denn an einer Entscheidung der Obersten ist selten zu rütteln.
»Das ist ein ehrenwertes Angebot, Krinto, gleichwohl ist unsere Option die deutlich sinnvollere.«
Das bezweifle ich nicht, aber ob es auch die für uns zufriedenstellendere ist?
»Wann?«, fragt Golan neben mir tonlos.
»Der Termin ist auf übermorgen um elf Uhr festgesetzt. Wie ihr wisst, gibt es nicht mehr allzu viele, die sich mit den Vorgängen der Lösung auskennen. Haron ist bereits ein wenig betagt und die Anreise für ihn beschwerlich. Daher müsst ihr euch etwas gedulden. Anschließend findet sofort die neue Verpartnerung statt. Erst vor Kurzem gab es einen tragischen Unfall, weshalb es nun zwei partnerlose Individuen gibt. Ursprünglich sollten sie zusammengeführt werden, doch manchmal bedürfen außergewöhnliche Situationen auch außergewöhnlicher Maßnahmen. Nachfolgend warten wir noch ein paar Wochen, bis ihr euch aneinander gewöhnt habt, bevor Golan mit seinem neuen Partner zurück zur Erde fliegt.«
Ohne weitere Erklärung werden wir nach Hause geschickt. Bis zur Lösung sind wir von der Arbeit befreit.
Schweigend begeben wir uns auf den Weg nach Hause. Ich möchte schreien, treten, irgendjemanden würgen. Das kann doch nicht wahr sein! Ich bin allergisch gegen ein paar Menschen und die Therapie ist eine Trennung von Golan?
»Ich will mich nicht lösen«, flüstert Golan neben mir erstickt.
»Ich mich auch nicht«, erwidere ich.
»Das können die doch nicht machen! Ich meine, wir lieben uns! Die können uns doch nicht einfach auseinanderreißen! Ich will keinen anderen!« Golan wird mit jedem Satz lauter. Tränen der Wut laufen über sein Gesicht.
»Hey ...« Ich ziehe ihn in meinen Arm. »Es wird alles gut. Mit deinem neuen Partner wird es sicher unkomplizierter als mit mir.«
»Das kann ich nicht glauben. Das mit uns ist etwas ganz Besonderes. Spürst du das nicht auch?«
Ich schlucke. Natürlich tue ich das. Meine Stimme klingt ungewohnt zittrig, als ich ihm antworte: »Golan, das ist nur die Biochemie. Das weißt du doch. Mit deinem neuen Partner oder deiner neuen Partnerin wird es bestimmt ganz genauso. Vielleicht wird es sogar besser?«
Schluchzend schüttelt er den Kopf und sieht mich prüfend an. »Du glaubst dir doch selbst nicht! Wem willst du etwas vormachen?«
»Schatz ...« Ich atme mehrfach tief durch, doch dieses beklemmende Gefühl in mir drin verschwindet nicht. »Wir wissen doch beide, dass wir keine Wahl haben. Glaube mir, wenn ich einen Ausweg wüsste, täte ich alles, um bei dir bleiben zu können. Ich kann mir ein Leben ohne dich gar nicht mehr vorstellen.«
Er löst sich ein wenig und sieht mich traurig an. »Lass uns nach Hause gehen. Ich möchte die noch verbleibende Zeit mit dir genießen.«

Und das tun wir. Natürlich in menschlicher Gestalt. Denn auch wenn ich gegen Menschen allergisch bin, reagiere ich nicht auf Golan in dieser Form.
Die Vorstellung, künftig den Akt der Vereinigung wieder in der üblichen Gestalt zu vollziehen, bewirkt ein schales Gefühl in mir drin. Auch wenn es allumfassend sein soll, ist es ein Witz gegen einen menschlichen Akt.
Der Termin rückt näher. Jeder Kuss, jede Berührung wird verzweifelter. Golan weint ununterbrochen, dennoch will er nicht aufhören.
»Wir bleiben in Kontakt«, verspreche ich ihm in einer unserer Erholungspausen.
»Ja?«, fragt er ein wenig ungläubig.
Lächelnd streichle ich seine Wange. »Natürlich. Was denkst du denn? Auch wenn meine Biochemie sich anderweitig ausrichtet, wirst du mir immer wichtig sein.«
»Woher willst du das wissen? Schließlich ändert sich einfach alles. Dann das vielleicht auch.« Er beißt auf seine Unterlippe und ich nehme seine Hand, um sie auf meinen Oberkörper zu legen. Dahin, wo sich unter der Körperoberfläche bei euch Menschen das Herz befindet. »Ich weiß es«, erwidere ich eindringlich. »Ich fühle es. Hier drin.«
Der folgende verzweifelte Kuss treibt auch mir Tränen in die Augen.
»Solange du noch hier bist, treffen wir uns regelmäßig, okay? Wie wäre es täglich zur Mittagspause?«
»Okay.«

~*~*~


»Golan? Wir müssen los.« Wir haben uns die letzten eineinhalb Tage tatsächlich nicht aus dem Bett bewegt. Okay, doch, haben wir, aber nur, um uns an anderen Orten unsere Liebe zu beweisen. Unsere Körper sind vollkommen ausgelaugt, doch Schonung ist momentan nicht unsere oberste Priorität.
Ich rutsche an die Bettkante und setze mich hin. »Nicht ...«, nuschelt Golan hinter mir.
»Wir müssen ...«
»Einmal noch, bitte. Nur noch einmal!« Er drängt sich von hinten an mich, bedeckt meine Schultern mit Küssen, schlingt die Arme um mich.
»Aber die warten auf uns«, werfe ich ein, ohne von meinem Argument überzeugt zu sein.
»Mir egal.« Ja, mir auch. Ich drehe meinen Kopf nach hinten, warte auf seine Lippen, die meine sanft berühren.
»Ich liebe dich«, flüstere ich, als wir uns kurz lösen. »Lass mich dich spüren. Ein letztes Mal.«

Golan ist vorsichtig. Beinahe zu vorsichtig. Vielleicht will er die Vereinigung auch nur so lange wie möglich vollziehen. Ich liege auf dem Rücken, sehe in das Gesicht, das ich liebe. Golans Blick spiegelt die gleiche Liebe wider. Liebe und Trauer. Unsere Küsse schmecken salzig.
Golan stöhnt bei jedem Stoß, schluchzt jedes Mal gleich darauf. Die Erlösung bahnt sich nur langsam an und nimmt dennoch ungehindert ihren vorherbestimmten Weg. Das Kribbeln in meinem Körper kündigt das unausweichliche Finale an. Ich umschlinge Golan mit Armen und Beinen. Mit jeder Bewegung zittert er ein wenig mehr. Ich spüre, wie er dem Orgasmus näherkommt und mich gnadenlos mitzieht.
»Nein«, wimmert er, stößt stärker in mich, lässt mich schreien.
»Bitte ...«, flehe ich und weiß nicht, ob damit die Bitte um Erlösung gemeint ist, oder dass ich das Ende noch nicht spüren möchte. Egal, unsere Körper haben die Führung übernommen. Ich spanne mich an, lasse mich fallen, übergebe mich Golan, der uns beide höher treibt, bis wir unseren letzten Akt beenden. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich das letzte Mal so gut und so schlecht zugleich gefühlt habe.
Golan weint ununterbrochen, noch während er sich in mir ergießt. »Nein, nein, nein.«
»Schsch ...« Ich streichle über seinen Rücken, küsse seine Stirn. Meine Nase ist ungewohnt zugeschwollen und irgendetwas kitzelt an meiner Wange. Als ich darüberstreiche, entdecke ich den Grund: Ich weine. Golans Anblick verstärkt das zerreißende Gefühl in mir. Wie kann man uns so etwas antun? Warum darf ich nicht selbst über mich und mein Schicksal bestimmen?
Golan hält sich krampfhaft an mir fest. »Ich will nicht.«
»Ich auch nicht«, versichere ich ihm.
»Meinst du, wir können noch einmal mit ihnen reden?« Wir wissen beide, dass das ein sinnloses Unterfangen wäre, daher antworte ich nicht, sondern streichle ihn lediglich wortlos weiter und lasse die Tränen laufen, wenn sie auch nur ein schwacher Ausdruck meiner Trauer sind.

Eine halbe Stunde später stehen wir an dem Ort, von dem wir nie in Betracht gezogen hätten, ihn einmal aufzusuchen. Harons Blick auf unsere verschränkten Hände ist argwöhnisch und er murmelt irgendetwas von »verwahrloster Jugend«. Schließlich sind Zärtlichkeiten und Zugehörigkeitsbekundungen in der Öffentlichkeit bei uns nicht üblich.
»Nun denn. Lasst uns anfangen.«

Mit den Einzelheiten des Rituals verschone ich euch jetzt, denn das Einzige, das zählt, ist das Ergebnis. Dieses sieht so aus, dass wir kurz darauf biochemisch getrennt und bereits unseren neuen Partnern zugefügt sind. Erstaunlicherweise sind es ebenfalls Männer. Das behagt mir im ersten Moment nicht. Ich glaube, eine Frau wäre mir tatsächlich lieber gewesen.
Merkwürdigerweise fühle ich mich nicht anders als vorher. Ich hätte durchaus ein Verlustgefühl erwartet, doch das bleibt aus. Golan sieht ungewohnt neutral aus. Weder glücklich, noch traurig. Mit einem Handschlag - zumindest im menschlich übertragenen Sinne - verabschieden wir uns voneinander. Mein neuer Partner, Salis, wird mich sofort begleiten und bei mir einziehen. Bis zu seinem Abflug bleibt Golan bei seinem neuen Partner.

Die nächsten Tage nähern Salis und ich uns an. Wir harmonieren erstaunlich gut. Mit seiner nüchternen Art passt er augenscheinlich perfekt zu mir, sodass wir uns oftmals wortlos verstehen. Da Salis dem ganzen menschlichen Kram nichts abgewinnen kann, nehmen wir diese Form nicht an. Es ist ungewohnt, mich ständig in meiner natürlichen Form zu bewegen und ich gebe zu, nach einigen Tagen fehlt mir mein menschlicher Körper, sodass ich mich ab und zu heimlich transformiere.
Auch die Vereinigung mit Salis ist zweckerfüllend, aber bei Weitem nicht derart befriedigend, wie sie es mit Golan war.
Golan. Immer wieder ertappe ich mich dabei, an ihn zu denken. Jeden Tag freue ich mich auf unsere Mittagspause und darauf, ihn begeistert über die belanglosesten Dinge reden zu hören. Der Gedanke, dass er demnächst nicht mehr in meiner Nähe sein wird, betrübt mich, doch ich zeige es ihm nicht. Niemandem zeige ich diese Gefühle. Erst recht nicht Salis. Das hat er nicht verdient. Mir fehlt der körperliche Aspekt in der Beziehung. Salis vermeidet jede Art von Berührung. Zu ineffizient, unnötig.
Ein wenig erinnert er mich daran, wie ich früher war. Aber ich bin mir sicher, dass er sich von menschlichen Bedürfnissen nicht überzeugen lassen wird, also verdränge ich meine.
Doch als ich eines Nachts aufwache, mit rasendem Herz und einem mir nur allzu bekannten Kribbeln und Ziehen in der Leistengegend, das üblicherweise kurz vor einem Orgasmus einsetzt, wird mir bewusst, dass ich diesen Teil von mir nur schwer verleugnen kann. Erst recht, als ich merke, dass ich mich im Schlaf unbewusst in meine menschliche Form transformiert habe.
Hektisch atmend sehe ich zur Seite, doch Salis schläft ungerührt, sodass ich dem quälenden Verlangen nachgebe. Meine Hand schließt sich um meinen Schwanz, meine Gedanken schweifen zurück in meinen Traum. Vor meinem inneren Auge sehe ich Golan, der auf mir sitzt, mich verliebt anlächelt und ekstatisch seufzt, während ich immer wieder in ihn eindringe.
Die Sehnsucht nach meinem ehemaligen Partner wird unbeschreiblich groß und nur Sekunden darauf überrennt mich der Orgasmus.

Als mein Körper sich beruhigt hat und ich allmählich wieder klar denken kann, wird mir schlagartig bewusst, dass ich Salis betrogen habe. Zwar nur gedanklich, aber selbst das ist grundsätzlich ein Ding der Unmöglichkeit. Ich bin verpartnert. Unsere Biochemie ist nur auf einen anderen ausgerichtet. Fremdgehen, innige Gefühle für eine weitere Person sind in unserer Genetik nicht vorgesehen.
Irgendetwas stimmt hier nicht.

Um Salis nicht zu beunruhigen, verschweige ich ihm die nächtlichen Vorkommnisse. Doch mein Unbehagen führt mich zu Haron, der noch immer in unserer Nähe weilt. Schließlich ist er der Einzige, der mir eventuell Antworten liefern kann.
»Nun, deine ... Gefühle sind in der Tat ungewöhnlich. Es ist nicht auszuschließen, dass es daran liegt, dass eure Lösung nicht durch Tod oder einen gemeinsamen Beschluss herbeigeführt wurde. Dennoch ist sie vollständig vollzogen. Eure Biochemie ist ausnahmslos auf eure neuen Partner gerichtet. Alles andere sind lediglich Relikte der Vergangenheit. Die baldige unweigerliche Trennung wird den Rest bewirken. Mach dir keine Gedanken. Bald bist du wieder ganz der Alte.«
Ganz ehrlich? Ich will es gar nicht sein. Alles, was ich will, ist Golan. Ich will ihn küssen, streicheln, schmecken. All das, was Salis so verabscheut.

»Was ist los?« Natürlich entgeht Golan nicht, dass mich etwas bedrückt. Wir kennen uns einfach zu gut.
»Ist eben alles noch ungewohnt«, erwidere ich lapidar. Golan legt den Kopf schief, was mich unwillkürlich lächeln lässt. Ich mag diese unschuldige Geste.
»Alles in Ordnung bei dir und Salis?«
»Sicher.«
»Warum glaube ich dir nicht?«
Schulterzuckend stecke ich mir den Rest der Nährstoffeinheit in den Mund. Warum ist mir eigentlich früher nie aufgefallen, wie grausam das Zeug schmeckt? Obwohl, im Grunde schmeckt es nach gar nichts.
Kaum habe ich geschluckt, legt Golan seine Hand auf meine. Eine Berührung, die mich zucken lässt. Unsicher sehe ich mich um. Hier sind mir definitiv zu viele potenzielle Zuhörer.
Ich versuche möglichst gelassen zu wirken, als ich aufstehe und Golan frage: »Draußen ist heute so schönes Wetter. Was hältst du von einem Spaziergang?«
Lächelnd nickt er.

Ziellos laufe ich drauf los.
»Wie läuft es bei dir und deinem ...?«, frage ich leise.
»Na ja, es läuft halt. Irgendwie.« Sein Seitenblick auf mich ist skeptisch. »Und bei dir?«
»Hm, auch.« Als wir in einem verlassenen Gebiet ankommen, zerre ich ihn hinter mir her und dränge ihn schließlich gegen eine Wand. Also, ihr würdet es in eurem Verständnis als Wand bezeichnen. Deshalb bleibe ich einfach mal bei diesem Bild.
Golan gibt einen überraschten Laut von sich, ohne sich zu wehren. Kaum habe ich mich in einen Menschen transformiert, macht er es mir nach. In meinem Kopf gibt es nur noch einen Gedanken. Ich muss Golan küssen. Alles andere ist inakzeptabel.
Golan stöhnt, wimmert, seufzt und zittert, als ich verzweifelt meine Lippen auf seine presse. Endlich. Endlich wieder küssen. Endlich wieder Golan küssen! Damit werde ich nie wieder aufhören!
Etwas, womit er ebenso einverstanden zu sein scheint, denn er erwidert meinen Kuss, ohne eine Sekunde zu zögern.
»Ich habe dich so vermisst«, flüstere ich an seinen Lippen, küsse ihn erneut.
»Ich dich auch, Krinto.«
»Aber wie ist das möglich? Wir sind verpartnert. Wir können gar nicht so fühlen!«, werfe ich ein.
»Das ist mir so egal. Küss mich noch mal. Bitte!«
Er drängt sich an mich. Seine Erektion lässt keinen Zweifel aufkommen. Wir beide sind bereit für die körperliche Vereinigung. Mir schwirrt nur noch die Vorstellung an Golan, nackt unter mir, in meinem Kopf herum.
»Will dich«, raunt er mir zu und spricht damit meine Gedanken aus.
Ohne Umschweife drehe ich ihn um, ziehe seine Hose herunter und versenke mich stöhnend in ihm.
»Jaaaa«, kommt es lang gezogen von ihm. Ich weiß, was ich tun muss. Fünf Mal lasse ich unsere Körper erbeben, bis Golan sich umdreht und die Arme um mich schlingt. »Ich liebe dich. Noch immer«, flüstert er.
»Ich dich auch, Golan. Ich dich auch«, erwidere ich atemlos.
»Aber das ist doch unmöglich, Krinto. Das kann gar nicht sein.«
Ich lege meine Stirn an seine und atme seinen Duft ein.
»Nun, Haron meinte, dass es sich womöglich legt, sobald du wieder auf der Erde bist.«
Golan zuckt ein Stück zurück.
»Du hast mit Haron darüber gesprochen?«
»Äh, ja. Ich bin letzte Nacht aufgewacht, in menschlicher Gestalt, erregt bis in die Haarspitzen, weil ich von dir geträumt habe. Das kam mir seltsam vor«, erkläre ich.
»Ein Glück.«
»Was?«
»Ich dachte schon, bei mir stimmt etwas nicht. Auch ich träume ununterbrochen von dir. Jede Minute, die wir getrennt sind, quält mich. Ich bezweifle, dass es besser wird, wenn ich nicht mehr da bin.«
Ich beuge mich vor und küsse ihn sanft. »Das bezweifle ich auch.«
»Und jetzt? Mein Abflug ist in zwei Wochen. Wir müssen eine Lösung finden.«
»Ich kümmere mich darum«, verspreche ich. »Küss mich noch einmal.« Grinsend kommt er meinem Wunsch nach.

~*~*~


»Die Idee finde ich sehr gut, Krinto.« Haron begrüßt meinen Vorschlag, mich mit meiner Genetik und den ungewöhnlichen Auswirkungen auf mein Gefühlsleben zu beschäftigen.
Ich konnte ihm glaubhaft versichern, dass mir an der Aufrechterhaltung der natürlichen Ordnung viel gelegen ist. Zugegeben, unsere Spezies ist bei den eigenen Leuten reichlich leichtgläubig. Gut für mich.
Die Unterlagen unserer Wissenschaftler über meine Genetik sind äußerst detailliert, sämtliche Beschreibungen leicht verständlich.
Ja, ich bin guter Dinge, das Problem zeitnah lösen zu können. Dazu brauche ich allerdings Golan, der nichts von meinen Plänen erfahren darf. Zu viel Kenntnis würde das Gelingen meines Plans gefährden.

Stattdessen verhalte ich mich wie immer. Das heißt, wir treffen uns mittags, vögeln heimlich und tauschen so viele Zärtlichkeiten wie nur möglich aus.
Einen Tag vor Golans geplanter Abreise bitte ich ihn, am nächsten Morgen noch einmal bei mir vorbeizukommen.
»Aber ich weiß nicht, ob ich es schaffe. Ich muss noch so viel packen.«
»Bitte. Ich habe endlich einen Weg gefunden, unser Problem zu lösen. Das ist für uns beide das Beste.«
Er schluckt und nickt schließlich. »Okay.«
Ich weiß, dass er traurig ist. Doch wenn alles so klappt, wie ich es mir vorstelle, wird diese Phase für uns beide bald beendet sein. Besser so. Denn auch Salis hat inzwischen bemerkt, dass etwas nicht stimmt. Das muss ein Ende haben.

~*~*~


»Krinto?« Vorsichtig schaut Golan um die Ecke. »Bist du hier?«
Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, als er mich sieht. Sein Blick schweift über die Gerätschaften, die ich hergeschafft habe.
»Was soll das?«
»Hilf mir bitte.« Ich winke ihn zu mir heran.
»Wobei?« Langsam kommt er auf mich zu. Sein Blick bleibt skeptisch.
»Das muss alles ins Raumschiff.«
»Aber wieso? Wo willst du hin?«
»Zur Erde«, erwidere ich so ruhig, wie es mir möglich ist.
»Wie jetzt?«
Kurz sehe ich mich um und trete dicht an ihn heran. »Golan, ich habe die letzten Tage damit verbracht herauszufinden, was ich tun muss, um die entsprechende Genänderung vorzunehmen«, erkläre ich leise.
»Aber warum?«
»Weil ich nicht ohne dich sein kann. Nicht ohne dich sein will. Golan, wenn du es auch willst, dann packen wir jetzt alles ein, steigen in dieses Raumschiff und fliegen zur Erde.« Ohne ihn aus den Augen zu lassen, zeige ich auf unser Gefährt.
»Aber wir können doch nicht einfach ...« Golan beißt sich auf die Unterlippe und sieht mich beinahe unschuldig an.
»Und warum nicht? Scheiß auf die Biochemie! Offenbar ist sie nicht stark genug. Ich verzehre mich nach dir. Jede einzelne Sekunde, die du nicht bei mir bist und ich bezweifle, dass es besser wird, wenn du Lichtjahre entfernt bist. Ich weiß, was ich tun muss, um die entsprechende Gensequenz zu deaktivieren.«
»Aber ... das wird den Obersten nicht gefallen«, flüstert er.
Ich grinse. »Nein, ganz sicher nicht.«
»Man wird uns folgen und zurückholen«, wirft er ein, während sein Blick das Umfeld taxiert, als überlege er, wie wir alles am besten verstauen.
»Nicht, wenn man uns für tot hält.«
Golan reißt die Augen auf und schnappt nach Luft. »Wie bitte?!«
»Golan, ich möchte mit dir zurück zur Erde. Ich bin dafür bereit, den Rest meines Lebens in dieser Form zu leben. Doch das bedeutet, dass wir alle Zelte abbrechen müssen. Wir senden ein manipuliertes Signal, dass unser Raumschiff mit einem Asteroiden kollidiert ist. Das heißt: Wir werden nicht mehr zurückkehren können. Sag mir, ob du das auch möchtest. Wenn nicht, akzeptiere ich das, bleibe hier und lebe mein von den Obersten bestimmtes Leben. Ansonsten ...«
»Was stehst du da noch so herum? Lass uns schnell einräumen«, entgegnet mir Golan. Übermütig lachend schnappt er sich einige bereitgestellte Gerätschaften. Ich brauche einen Moment, um zu realisieren, was er mir damit sagen will.
»Scheiß auf die Biochemie - das gefällt mir.« Golan zwinkert mir zu. »Vielleicht lasse ich einen entsprechenden Aufkleber anfertigen für unser Auto.«

~*~*~


Meine Planung war perfekt. War auch nicht anders zu erwarten gewesen. Natürlich wurde unser unangemeldeter Start bemerkt. Nur verzögert reagierten wir auf die Funksprüche. Immer wieder wurde an unseren Verstand appelliert. Also ehrlich: Die haben doch alle keine Ahnung! Salis habe ich nicht eine Sekunde vermisst. Dabei habe ich seine biochemischen Rufe nach mir sogar registriert, dennoch fühlte ich kein Verlangen, mein Vorhaben zu stoppen.
Ein Blick auf Golan reichte zur Bestätigung. Mir war bewusst, dass wir so weit wie möglich auf dem Radar beobachtet würden. Geschickt flog uns Golan durch das anvisierte Asteroidenfeld und als ich das falsche Signal unserer Zerstörung aussandte, lachte Golan laut auf.
»Frei! Wir sind frei!«
Nicht dass wir vorher Gefangene waren, dennoch überwältigte auch mich dieses Gefühl.
Den Rest des Weges legten wir größtenteils mit Autopilot zurück und vertrieben uns die Zeit mit dem Equipment der Hinreise.

Kurz bevor wir in eure Galaxie einfliegen, wird mir doch ein wenig mulmig zumute.
»Und wie läuft das jetzt ab?«, fragt Golan in einer unserer Ruhepausen.
»Nun, ich habe den Gentransformator bereits mit den nötigen Daten programmiert.« Ich halte das kleine Gerät vor sein Gesicht.
»Was ist das denn?« Neugierig nimmt er mir das Teil ab und dreht es hin und her.
»Das ist ein manueller Transformator. So einer wird heute nicht mehr verwendet, aber er funktioniert noch einwandfrei.«
»Wo hast du den denn her?«
»Ähm ... das Technikmuseum war so nett, ihn mir für Forschungszwecke zu überlassen.«
»Du hast ihn gestohlen?«
»Ausgeliehen«, mildere ich seine Anschuldigung ab. »Auf unbestimmte Zeit.«
»Und das Ding ist sicher?«
»Ja.« Ich habe sämtlich Berechnungen mehrfach überprüft. Außerdem habe ich sie gegenchecken lassen. Schließlich gab ich ja vor, meine eigene Genvariation untersuchen zu wollen. Da gab man mir bereitwillig Auskunft sowie entsprechende Hilfe. Ich sage ja: In Bezug auf die eigenen Leute sind die Angehörigen unserer Spezies extrem naiv.
»Gut. Wann müssen wir mit der Prozedur beginnen?«
Ich schlucke. »Bald. Wenn wir landen, muss die Transformation vollzogen sein.«
»Okay. Und du bist dir sicher?«
Knurrend ziehe ich ihn an mich und presse meinen Mund auf seinen, dränge mich fest an ihn. »Ich war mir selten einer Sache so sicher in meinem Leben«, raune ich ihm zu, als wir uns kurz trennen.
»Gut.« Grinsend rollt Golan sich auf mich.
»Sag mal, findest du es nicht auch merkwürdig, dass wir noch immer diese Gefühle füreinander hegen, obwohl wir gelöst wurden?« Er sieht mich fragend an und streichelt dabei über meine Wange. Seufzend schließe ich die Augen.
»Schon, aber ganz ehrlich: Es ist mir relativ egal. Ich will mir nur nicht ausmalen, was wäre, wenn es dir nicht so gegangen wäre.« Der Gedanke war noch erschreckender gewesen als der, ohne ihn leben zu müssen.
»Hm, wie ist das eigentlich mit deinem Neuen? Hast du für den auch solche Gefühle?«
»Nein.« Ich schüttle den Kopf. »Zwar hat mein Körper die entsprechende Führung aufgrund der Reize übernommen, aber mein ... Herz war nie dabei. Ich habe dich schrecklich vermisst. Komisches Gefühl«, gestehe ich flüsternd.
»Ging mir ähnlich. Meiner erzählte mir, als ich meinte, mit dir sei alles intensiver gewesen, dass das unnormal sei. So wie es mit ihm war, wäre es wohl natürlicherweise. Aber das ist doch grausam. Das ist so zweckerfüllend und nicht mehr.« Golan schüttelt sich. »Wie kann man so leben wollen?«
»Ach, Schatz! Sie kennen es nicht anders.« Ich streichle ihm durch die Haare.
»Haben wir ein Glück, dass wir uns gefunden haben.«
Wieder küssen wir uns. Sanft, ohne Eile, nur um zu seufzen, sobald sich unsere Zungen berühren.
»Lass uns anfangen«, beschließe ich letztlich.
»Sicher?«
»Ja.«
»Was muss ich tun?«
Ich nehme den Transformator und das Arbeitspad mit den Anweisungen. »Ich zeig es dir.«

Dann ist es so weit. Das plötzliche Kribbeln am ganzen Körper ist sicher der Aufregung geschuldet. Die Prozedur dauert nur ein paar Minuten. Hinterher bin ich so erschöpft, als hätten wir fünf Tage pausenlos Sex gehabt. Golan hält mich im Arm und streichelt mich ununterbrochen, während er beruhigende Worte in mein Ohr flüstert.
Als ich das nächste Mal die Augen öffne, sehe ich die Erde im Seitenfenster.
»Wir sind gleich da«, informiert mich Golan überflüssigerweise. »Wie war dein Schlaf?«
»Erholsam.«
Golan beginnt mit dem Landeanflug und ich kümmere mich um die Tarnung. Für einen kurzen Augenblick flackern die Instrumente, doch der Rest verläuft wie gewohnt.
Es ist bereits dunkel, als wir über unserem Garten schweben. Um keine Winde zu erzeugen, gestaltet Golan den Sinkflug bewusst langsam. Ich starre aus dem Fenster. Es hat sich zwar kaum etwas geändert, dennoch meine ich, alles intensiver wahrzunehmen: Farben, Formen, Bewegungen. Die Reize kitzeln meine Nervenbahnen. Es ist unbeschreiblich schön. Ich verstehe, warum Golan sich damals für dieses Fleckchen Erde entschieden hat. Es ist nicht so dicht gedrängt wie in euren Großstädten, andererseits verliert man sich nicht in der Weite des Landes.
»Könntest du wohl mal deinen Blick von der Aussicht losreißen und schauen, was das Radar sagt?« Golans Stimme klingt liebevoll.
Grinsend widme ich mich dem Display. »Ein paar Vögel sitzen in der Buche vor unserem Haus und die Katze von den Nachbarn schläft wieder auf der Terrasse. Ansonsten ist niemand in der Nähe.«
»Gut. Dann starte ich jetzt die Landesequenz.«
Ich öffne die Luke. Ich kann es kaum erwarten, die irdischen Gerüche endlich wieder wahrzunehmen. Ja, genau die, über die ich noch vor Kurzem so gemeckert habe. Schön finde ich sie immer noch nicht, dennoch lösen sie ein Gefühl von Vertrautheit aus.
Das Licht wirft einen schwachen Schein auf den Rasen, auf den wir zuschweben. Golan verlässt seinen Platz und stellt sich neben mich.
»Willkommen zu Hause«, flüstert er mir zu und küsst mich auf die Wange.
»Mehr!«, hauche ich ihm entgegen und drehe mich zu ihm. Wir umschlingen einander, unsere Zungen kämpfen einen Kampf, den keiner verliert. Erst als wir sanft aufsetzen, lösen wir uns grinsend voneinander.
»Komm, Schatz! Wir müssen doch schauen, ob du außer deiner Wandlungsfähigkeit auch andere Einbußen davongetragen hast.«
»Oh, das bezweifle ich doch stark.«
»Beweise es mir!«
»Fordere mich nicht heraus!«
Lachend drehen wir uns zum Ausgang, nur um im nächsten Augenblick zu erstarren.
»Shit!«, entfährt es mir.
Keine zehn Meter von uns entfernt steht ein jüngerer Mann auf dem Bürgersteig vor unserem Haus und starrt uns mit offenem Mund an. Muss auch merkwürdig aussehen: Schließlich sieht man unser Raumschiff nicht und die Beleuchtung ist so hell, dass er vermutlich nur den Lichtschein sieht und unsere Körper, die von hinten beleuchtet werden.
»Wer ... wer seid ihr?«
Hektisch wechseln wir den Blick. »Öhm ... der Heilige Geist«, erwidert Golan und grinst. Spinnt der jetzt völlig?
»Wie bitte?!«, kommt es krächzend von dem Menschen. »Das ist doch Unsinn! Außerdem seid ihr zwei!«
»Ja, meinst du, das, was ihr Menschen so fabriziert, kann man alleine bewältigen?«
Mehrmals klappt dem Mann der Mund auf und zu. »Und ... und ihr seid ... schwul?«
»Klar!« Golan grinst. Oh, Mann! Das wird eine Arbeit, diese Erinnerungen aus dem Gedächtnis von dem Menschen zu bekommen.
»Der Heilige Geist ist schwul«, murmelt der Typ vor sich hin.
»Genau. Und sein Weg war lang, weshalb er jetzt gerne seine Ruhe hätte, um gepflegt seine bessere Hälfte zu vögeln.«
»Er ...? Ach, du meine Güte!« Der Typ schüttelt immer wieder den Kopf.
»So, und nun gehe weiter. Bedenke aber gut, wem du von uns erzählst. Die Menschheit ist noch nicht bereit für die Wahrheit. Aber den Toleranz-Gedanken, den kannst du ruhig verbreiten. Denn wir sind es nicht, die die Vielfalt eindämmen wollen. Im Gegenteil: Wir lieben die Vielfalt!«
Der Mensch nickt eifrig. Als er weitergeht, dreht er sich noch mehrmals um.
»Was sollte das denn?«, frage ich fassungslos. »Wir hätten ihn manipulieren müssen! Und was sollte der Quatsch mit dem Heiligen Geist?«
»Ach, Krinto! Es ist Pfingsten hier auf der Erde. Der Feiertag, an dem die Ankunft des Heiligen Geistes auf der Erde gefeiert wird. Das passte einfach zu gut.«
Kopfschüttelnd sehe ich Golan an.
»Aber wenn der jemandem davon erzählt?«
»Ach, wer soll dem denn glauben?« Er hakt sich bei mir unter und führt mich zum Haus.
»Dein Wort in Gottes Ohr!«, entgegne ich seufzend.
»Na, mit dem haben wir ja jetzt nichts mehr zu tun!«, erwidert Golan lachend.
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