Mrs. Lovetts Erinnerungen

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Benjamin Barker Lucy Barker Mrs. Lovett Richter Turpin
20.05.2015
05.06.2015
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Es war dunkel und der Mond beschien Mrs. Lovetts Pastetenladen in der Fleet Street. Das weiße Licht schimmerte in dem Regenwasser auf den Pflastersteinen und zeichnete ihre Schatten darauf ab.
Die Bäckerin hatte ihre Koffer gepackt und es waren tatsächlich nur zwei. Zwei Koffer, in denen sie ihr gesamtes Leben verstaute. Ein Nichts, in den Augen eines jeden anderen. Ganz besonders in Sweeneys. Sie hätte ihn gern Benjamin genannt, so, wie sie ihn kennengelernt hatte. Doch sie wagte es nicht ihm zu widersprechen. Seine düstere Aura und die Art, wie er sie ansah, verbaten ihr jegliche Freiheiten.
Mit einem schweren Seufzer trug sie die Koffer hinaus zu der dunklen Kutsche. Sweeney hatte nur eine Umhängetasche bei sich. Noch weniger Leben, als sie besaß. Weniger zu tragen. Doch sein Herz schleppte schwerer als die Pferde, die vor die Kutsche gespannt waren.
Der Droschkenfahrer hatte einen hohen Preis verlangt, um sie nachts spurlos verschwinden zu lassen. In der Nacht verlassen. Er hatte keine Fragen gestellt. Zu seinem Glück. Sweeney trug sein Messer immer bei sich. Ein Schnitt und er wäre des Todes gewesen. So wie jeder andere Mann, der in seinen Barbiersalon kam.
Sie saß bereits in der Kutsche, als er noch auf dem nassen Kopfsteinpflaster stand und die Straße hinaufsah. Ja. Er würde sie vermissen. Joanna. Mrs. Lovetts Lüge lastete schwer, wie ein Stein in ihrer Brust. Sie hatte ihn angelogen. Es war ihre Schuld, dass er all die Menschenleben ausgelöscht hatte. Lucy war tot. Nein, war sie nicht.
Er stieg in Kutsche ohne ein Wort zu sagen und der Kutscher schlug die Zügel. Es war eine kühle Nacht und genauso kalt war es auch in dem Gefährt. Eine stechende Gänsehaut überzog ihren Körper, doch sie rührte sich nicht. Sie sah ihm nicht einmal in die Augen, als er sich auf die Sitzbank ihr gegenüber setzte.
Wie sollte sie ihre Lüge zugeben? Ihn so leiden zu sehen war weit schlimmer, als ihn nicht haben zu können. Sie wusste jetzt, dass Lucy die einzige war, die er jemals lieben würde. Sie hatte festgestellt, dass sie ihn nicht mehr so liebte, wie sie es getan hatte, als sich ihr Herz nach einem Mann gesehnt hatte. Als Albert nicht mehr bei ihr war. Zu dieser Zeit hatte sie ihn geliebt. Doch jetzt… Sie hatte feststellten müssen, dass Albert der einzige war, der ihr jemals mehr bedeutet hatte, als Sweeney. Benjamin.
Es war eine lange, schweigsame Fahrt und Mrs. Lovett graute es vor dem Ziel. Es war nur eine leise Hoffnung, dort aufgenommen zu werden. Doch eine zweite Chance hatte sie nicht. Sweeney starrte aus dem Fenster, auf den Nachthimmel, die Straße, die vorbeiziehenden Häuser. Ja. Er hasste sie. Er musste sie so abgrundtief hassen, dass sie ihm dankbar dafür war, nicht sein Messer an ihrer Kehle zu spüren. Es war schlimm genug es in seiner rasenden Wut gefühlt zu haben. Das kalte Metall am eigenen Hals. Wie oft war ihre Hand zu ihrer Kehle gefahren und hatte erneut die Angst verspürt, die sie empfunden hatte.
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