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Wir ohne Euch

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / Gen
18.05.2015
18.05.2015
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Leere. Vollkommene Leere machte sich in Nils und Ole breit, als sie den Streifenwagen an ihrem Hotel vorfahren sahen. Sie hatten eine böse Vorahnung, was passiert sein musste. Aber so unvernünftig würde Andi doch nicht sein?
„Herr Egtermeyer und Herr Plogstedt?“ fragte der Kommissar, der gerade aus dem Auto gestiegen war. „Ja, das sind wir“, entgegnete Ole mechanisch. Nils hatte sich vorsorglich auf einen der Sessel gesetzt, die in der Hotellobby bereit standen.
„Wir sind hier, um ihnen eine traurige Mitteilung zu machen.“ Nils griff nach Oles Hand, und der ältere erwiderte den Händedruck panisch. „Wir müssen ihnen mitteilen, dass wir vor zwei Stunden die Leiche von Herrn Andi Schweiger geborgen haben. Er hatte einen Zettel dabei, auf dem stand „Sorry, Jungs.“ Wir haben auch noch Teile eines Drehbuchs gefunden, so dass wir ihn zum Glück schnell zuordnen konnten. Würden sie uns bitte aufs Präsidium begleiten?“ Ole hatte das Gefühl, seine Beine würden wegbrechen, und er stützte sich auf seinen jungen Kollegen, dessen blaue Augen in Tränen schwammen. Keiner von beiden sagte ein Wort, und sie folgten den Polizisten, um Andi zu identifizieren.

Drei Jahre später:
Nils und Ole standen schweigend an Andis Grab, sich wie damals an den Händen haltend. Fo stand nur fassungslos daneben, und legte eine rote Rose auf die Erde. Nils und Ole traten auseinander, und nahmen ihren Kollegen in die Mitte. „Drei Jahre ist es nun her, dass er gesprungen ist“, würgte Nils unter Tränen hervor. „Ja, er konnte den Verlust von Michi einfach nicht verkraften“, antwortete Ole mit belegter Stimme. „Wäre doch nur ich an seiner statt gefahren.“ Fo machte sich seit diesem Tag schwere Vorwürfe, und war wieder dem Whisky und den Zigaretten verfallen, was ihn letztendlich seine Ehe gekostet hatte. Der fröhliche Allgäuer war einfach nicht mehr derselbe gewesen, wie vor Andis Freitod.
Auch bei den beiden Hamburgern hatte sich viel verändert. Die Trauer um Andi hatte sie derart zusammen geschweißt, dass sie seit zwei Jahren als Paar zusammen lebten, und vor drei Wochen den Schritt gegangen waren, ihre Partnerschaft eintragen zu lassen.
Selbst an diesem freudigen Tag war ein Portrait von Andi und Michi, welches bei den Dreharbeiten entstanden war, auf dem Tisch gestanden, und Ole hatte um eine Schweigeminute für die beiden geliebten Freunde gebeten.
Oles Exfrau und Nils‘ Exfreundin hatten es erstaunlich gut aufgenommen, dass ihre Männer nun das Leben teilten.
Da hörten sie eine Frauenstimme hinter sich. „Es ist so schön, dass ihr jedes Jahr wiederkommt. Tut mir leid, dass ich nicht zu eurer Hochzeit kommen konnte, Ole und Nils. Aber…:“ Die drei Männer drehten sich zu Judith um, und ihre Blicke wurden weich. Da stand die hübsche brünette hochschwanger vor ihnen, in der Hand einen Strauß Sonnenblumen. „Andis Souschef“, lächelte sie. Fo nahm sie in den Arm. „Andi würde sich darüber freuen, davon bin ich überzeugt.“ In diesem Moment trat das Baby zu, und der Allgäuer strahlte das erste Mal seit drei Jahren aus tiefstem Herzen.
Gemeinsam verabschiedeten sich die vier von ihrem Freund und Exmann und gingen in Richtung eines gemütlichen Cafes.
Als sie sich an einen freien Tisch setzten, trat eine junge Frau auf sie zu, um ihre Bestellung aufzunehmen. „Leo!“ riefen ihr die Männer begeistert entgegen. „Dass wir uns noch einmal wiedersehen!“ Schwungvoll wurde Michis damalige Kollegin von Ole und Nils umarmt. Die junge Frau strahlte. „Ich freue mich auch, und Glückwunsch euch beiden. Eure Bestellung geht aufs Haus!“ So saßen sie noch lange zusammen und hielten die Erinnerung an Andi und Michi lebendig.
Eben diese beiden waren hinter die Gruppe getreten, für die vier Unsichtbar.
„Es macht mich glücklich, alle unsere Lieben so zu sehen, mein Schatz“, flüsterte Andi. Michi drückte seine durchscheinende Hand. „Mich auch. So kommt alles noch zu einem guten Ende. Nun können wir beide endlich den Schritt in die Ewigkeit wagen.“
Mit diesen Worten verließen die beiden Seelen das Cafe, und fanden ihre Erlösung.
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