Das halbe Dutzend

OneshotFantasy, Freundschaft / P12
Albus Dumbledore Horace Slughorn
17.05.2015
17.05.2015
1
3708
1
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Hallo!

Es freut mich, dass ihr zu dieser Kurzgeschichte gefunden habt.
Sie ist ein Beitrag zu dem Wettbewerb Ungewöhnliche Begegnungen von Feathery Rain.
Ziel ist es in den Büchern unerwähnt gebliebene Begegnungen und Gespräche aufzugreifen und umzusetzen, damit manche interessanten Lücken zu schließen oder einfach nur die brennende Frage „Was wäre wenn…?“ zu beantworten.

Wie immer gilt:
Alle Figuren und Handlungsorte gehören J. K. Rowling.
Diese Geschichte entspringt meiner eigenen Fantasie und ich verdiene kein Geld damit.

Wie jeder Autor würde ich mich natürlich über Feedback, sei es in Form von Lob oder auch gerne Kritik freuen.

Meine Vorgabe lautete:
Slughorn  spricht mit Dumbledore über mögliche neue Mitglieder des Slug-Clubs, nachdem er wieder als Lehrer angefangen hat.


Abschließend möchte ich noch mit Stolz verkünden, dass diese Geschichte der Siegerbeitrag des Wettbewerbs wurde.  :)


Viel Spaß beim Lesen!

____________________________________________________



Das Büro hatte sich nicht verändert.
Noch immer vermittelten die mit Büchern und Geräten prall gefüllten Schränke und die auf zierlichen kleineren Tischen im Raum verteilten ratternden und rauchenden Apparaturen dem Besucher beim Eintritt in das Turmzimmer das Gefühl, dass dieser Raum nur so von Wissen und Gelehrtheit strotzte.
In der Mitte des Büros thronte, von drei Bögen eingerahmt und auf einer mehrstufigen steinernen Estrade platziert, ein mit kunstvollen Schnitzereien verzierter Schreibtisch. Linker und rechter Hand davon, führten zwei schmale Treppen zu einer Empore hinauf, auf der weitere astronomische Geräte aufgestellt waren. Die vielen Stapel und angespitzten Federn auf dem Tisch kündeten von dem regen Briefverkehr, der hier täglich stattfand.
Auch die über mehrere Jahrhunderte angesammelten Porträts bereits Verstorbener, die allesamt, über kürzere oder längere Zeit hinweg, hinter dem Schreibtisch Platz genommen hatten, hingen unverändert an den runden Wänden und begrüßten die Besucher wenn sie eintraten.
Und dann war da noch er. Der Phönix.

Auf einer Stange linker Hand der Bürotür, direkt neben dem Kamin in dem ein kleines Feuer prasselte und angenehme Wärme im Raum verbreitete, saß er. Im Widerschein des Feuers wurde sein scharlachrotes Federkleid mit goldenen Tupfen übersät und seine Schwanzfedern glichen flüssigem Gold.
Nase an Schnabel stand Slughorn dem Tier gegenüber und stellte zu seiner Überraschung fest, dass ihn die zwei kleinen schwarzen Augen aufmerksam anblickten.

Salamanderblut für den Schrumpftrank: 2 Galleonen. Jobberknollfedern für Veritaserum: 5 Galleonen. Ein Bezoar als Gegenmittel gegen fast alle Gifte: 10 Galleonen. Ein Einhorn-Horn zur Kräftigung: 21 Galleonen. Ein halber Liter Acromantulagift: 100 Galleonen. Phönixtränen zur Heilung aller Verletzungen und Wunden: unbezahlbar!

Von der Wunderwirkung der Phönixtränen wusste selbst der abgehalftertste Squib. Denn der Phönix genoss, nicht nur aufgrund seines wundersamen Lebenskreislaufs, den Ruf als das faszinierendste magische Geschöpf schlechthin.
Zauberstäbe aus seinen Schwanzfedern werden, ob ihrer anspruchsvollen und wählerischen Art, sowohl gefürchtet als auch verehrt und sind für ihr Können legendär. Was mussten dann nicht schon für Kräfte in simplen Flaumfedern stecken, wenn …    

„Horace!“
Eine durchdringende, aber keinesfalls unfreundliche Stimme ließ Slughorn in seiner Bewegung innehalten. Ertappt, wie ein kleiner Junge beim Süßigkeitenklau, zog er seine Hand zurück, die sich gerade dem Federkleid des Phönix genähert hatte und fuhr herum.

„Was führt dich zu mir? Doch wohl hoffentlich nicht die Aussicht Fawkes bei seiner Mauser zu unterstützen. Bis zu seinem Brandtag ist es noch ein Weilchen hin.“
Albus Dumbledore schritt, in eine graugrüne Robe gewandt, bedächtig die Treppe von der Empore hinab und hatte den unangekündigten abendlichen Besucher, neben dem der Phönix soeben ein melodisches Krächzen ausstieß, mit wachem Sinn ins Auge gefasst.

„Nein, nein. Aber nicht doch!“ Abwehrend hob Slughorn die Hände und brachte hastig einige Fuß zwischen sich und das Tier. Sofern er überhaupt ein Interesse an dem Phönix hatte, dann selbstverständlich nur aus rein wissenschaftlichen Beweggründen heraus.
„Ich dachte ich schaue einmal auf einen kleinen Plausch bei dir vorbei, Albus. Das neue Schuljahr … die neuen Schüler …“
Mit einem kurzen Blick über seine Schulter vergewisserte sich Slughorn, dass der Vogel auf seiner Stange saß und keine Anstalten machte ihm weitere Unannehmlichkeiten zu bescheren.

Leider waren Albus Gedanken, schon seit er ihn kannte, in etwa so schwer zu lesen wie das Monsterbuch der Monster ohne das dafür nötige Fingerspitzengefühl, sodass Slughorn nicht abzuschätzen vermochte, ob er ihm seine Verneinung glaubte.
Zumindest schien Albus ihm den Zwischenfall nicht nachzutragen. Denn mit einer für sein Alter überraschenden Behändigkeit, setzte er sich hinter seinen Schreibtisch und wies Horace einen Platz auf dem Stuhl ihm gegenüber zu.

„Setz dich doch. Ich denke ich müsste hier noch irgendwo eine angefangene Flasche Met herumstehen haben.“
Während sich Slughorn auf dem weichgepolsterten Sessel niederließ, schnipste Albus mit seinem Zauberstab in der Luft und sofort kamen aus einem Regal eine Flasche und zwei Gläser angeschwebt. Wie von unsichtbarere Hand gesteuert, entkorkte sich die Flasche von alleine und füllte in die beiden Gläser eine klare goldgelbe Flüssigkeit ein. Zielsicher ergriff Slughorn das auf ihn zu taumelnde Glas, prostete Albus zu und probierte einen ersten Schluck.
„Sehr gut, sehr gut!“ Zwischen dem süßen Honig und den würzigen Kräutern meinte Slughorn eine weitere Geschmacksnote auszumachen, die er schon längere Zeit nicht mehr genossen hatte: „Madam Rosmertas im Eichenfass gereifter Met, wenn ich mich nicht täusche.“
Dumbledore lächelte und bedachte seinen Freund mit einem bestätigenden Nicken.
„Wusste ich es doch!“, freute sich dieser. Während seiner langen Zeit des Versteckens und Untertauchens hatte er zwar weder das Vergnügen von kandierten Ananasstückchen noch von Rosmertas Met gehabt – ihren Geschmack würde er aber trotzdem nicht so schnell vergessen.

„Und hast du dich schon wieder eingelebt?“
Interessierte blickte ihn Albus an und Slughorn nickte mit glänzenden Augen. „Oh ja. Das war allerdings auch nicht besonders schwierig. Es hat sich nicht viel geändert hier, in den letzten Jahren.“
Die Räume für den Zaubertrankunterricht lagen noch immer in den Kerkern, auf den Gängen standen dieselben verstaubten Rüstungen Wache und die Eulerei war noch immer so schmutzig wie eh und je.

„Äußerlichkeiten sind kein Zeichen von Stillstand“, warf Albus mit tadelndem Blick über die Ränder seiner Brille hinweg ein.

Indigniert kräuselte Slughorn seine Nase. Zuvor hatte er sich gedanklich noch über Albus Undurchsichtigkeit beklagt und nun wurde er von dessen Spitzfindigkeit überrascht. Man sollte nicht glauben, dass Slughorn ihn schon länger kannte als manche seiner Schützlinge und sich trotzdem noch immer nicht an den Scharfsinn gewöhnt hatte, der hinter diesen blauen Augen wohnte und bei Zeiten aufblitzte.

„Du erlaubst, dass ich nebenher noch diese wichtige Korrespondenz zu Ende führe. Sie muss noch heute hinaus.“ Es war weniger eine Frage als eine Entschuldigung, weshalb Albus sogleich einen Bogen Pergament hervorzog, eine Feder in die Hand nahm und sie in ein Glas mit Tinte tauchte.
„Selbstverständlich“, antwortete Slughorn und lehnte sich leicht vor um einen Blick darauf zu erhaschen.
Seit mehreren Wochen schon geisterte das Gerücht durch die Zeitungen, dass Rufus Scrimgeour, der neue Zaubereiminister, händeringend die Unterstützung des allseits angesehenen Direktors der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei für seinen neuen Kurs der Verfolgung und Bekämpfung schwarzmagischer Zauberer zu gewinnen versuchte.
Und ebenso hartnäckig daran scheiterte.

„Seit ich wieder in Hogwarts bin, fliegen die Eulen bei mir ein und aus. Der reinste Hühnerhaufen. Ich komme schon gar nicht mehr hinterher mich für die vielen Aufmerksamkeiten und Glückwünsche zu bedanken.“
„Deine ehemaligen Schützlinge?“, fragte Albus über den Tisch gebeugt.
„In der Tat.“ Zufrieden nickte Slughorn und dachte unter anderem an Barnabas Cuffe, der ihm neben der Zusage eines kostenlosen Abonnements des Tagespropheten durch die Blume wissen ließ, dass er jederzeit ein offenes Ohr für ihn hätte.
Allerdings reichte Slughorns Sehkraft nicht aus, um die Adresse oder eine sonstige Anrede in Albus feiner Handschrift zu entziffern. Abgesehen davon lag es auch nicht in seinem Interesse seine Kollegen auszuspionieren. Das sollten die machen, deren Beruf das war.

Slughorn hatte etwas ganz anderes auf dem Herzen, weshalb er an diesem Abend das Büro des Schulleiters aufgesucht hatte.

„Ich trage mich mit dem Gedanken, durch meine Rückkehr den Slug-Club wieder aufleben zu lassen. Bereits im Zug habe ich einige nette Gespräche mit interessierten Schülern und Schülerinnen geführt. Wie du dir denken kannst, war natürlich Harry Potter unter ihnen.“
Diesen kleinen Seitenhieb auf Albus ungebetenes Erscheinen in Budleigh Babberton konnte sich Slughorn nicht verkneifen. Er hatte ihm seine gezielte Provokation schon längst vergeben. Allein die ganzen Aufmerksamkeiten die ihn wieder erreichten, waren Lohn genug für das Wagnis sich wieder in die Öffentlichkeit zu begeben. Und die Aussicht, neue Mitglieder in seinen legendären Slug-Club aufzunehmen, stellte das sprichwörtliche Sahnehäubchen dar.

„Und? Was hältst du von ihm?“ Albus löste den Blick von seinem Schreiben und fasste Slughorn erwartungsvoll ins Auge.
„Nun, er ist ein sehr netter Junge wie mir scheint. Nicht zu befangen, aber auch nicht zu ungehemmt. Und er hat das Talent seiner Mutter geerbt. Ein hervorragender Trank der lebenden Toten ist ihm da gelungen“, fügte Slughorn, mit verklärtem Blick auf die am Nachmittag stattgefundene Zaubertrankstunde, hinzu.  
„Soso“, murmelte Albus in seinen Bart hinein.
Das überraschte Runzeln der Augenbrauen entging Slughorn, da er begierig darauf war seine neueste Errungenschaft zu loben: „Ja! Ich denke allein aufgrund seiner Fähigkeiten gebührt ihm ein Platz in dem Slug-Club.“
„Ohne Zweifel“, antwortete Albus und schien sich mit den erhaltenen Schilderungen zufrieden zu geben. „Willst du nochmal ein Schlückchen?“
„Aber gerne!“
Wieder erhob sich die Metflasche von ihrem Platz, flog auf Slughorn zu und füllte sein, mittlerweile geleertes, Glas mit den letzten Tropfen der süßen Flüssigkeit.

„Und wen hast du noch vor aufzunehmen?“ Erneut tauchte Albus die Feder in die Tinte und setzte die Arbeit an seinem unterbrochenen Brief fort.

„Den jungen Cormac McLaggen hatte ich noch eingeladen. Ich bin sicher du weißt, dass er der Neffe von Tiberius Midgeon ist, dem Chefsekretär im Büro gegen den Missbrauch der Magie. Genauso stattlich gebaut wie sein Onkel und ein ausgesprochen einnehmendes Wesen. Es würde mich nicht täuschen, wenn er später mal Karriere im Ministerium machen würde.“
Slughorn war seit dem Gespräch im Zug regelrecht begeistert von dem jungen Mann. Er hatte mit seinem Onkel einen nicht unbedeutenden Verwandten im Ministerium und er war sogar mit dem aktuellen Zaubereiminister auf der Jagd gewesen. Bessere Voraussetzungen konnte man doch nicht haben!

„Dann war da noch Blaise Zabini, der Sohn von Miranda Zabini. Wenn ich mich nicht täusche stammt er doch aus ihrer zweiten Ehe mit diesem Quidditchspieler …“
Slughorn legte eine kurze Pause ein und überschlug alles was er über die sieben Ehemänner der Miranda Zabini und deren Tode wusste. Allerdings blieb der entscheidende Gedanke aus, weshalb er mit einer abwinkenden Geste fortfuhr: „Naja, egal. Auf jeden Fall ist es nicht zu übersehen, dass er das Aussehen seiner Mutter geerbt hat: Die hohen Wangenknochen, seine Augen, das tiefschwarze Haar und seine schlanke Gestalt. Vermutlich laufen ihm die Mädchen nur so hinterher.“
Vergnügt kicherte er in sein Glas.

Trotz der Arbeit an seinem Brief, hatte Albus Slughorns Schilderungen mit wachen Ohren gelauscht und kommentierte, derweil dieser einen tiefen Schluck des lieblichen Getränks nahm, gespielt freimütig: „Bisher ist es mir noch nicht aufgefallen, dass Heerscharen junger Hexen sich an die Fußsohlen des Mr. Zabini geheftet hätten. Ich dachte eigentlich so etwas würde in Hogwarts schnell die Runde machen.“

„Ach Albus! So etwas geschieht doch heute nicht mehr auf diese altmodische Art und Weise. Die jungen Damen haben da so ihre eigenen Rezepte, wie sie die Männer um die Finger wickeln. Und ich denke von Seiten seiner Mutter wird er da bestimmt einiges an Tricks erfahren haben.“
Wieder konnte sich Slughorn ein Kichern nicht verkneifen.
Vielleicht hatte er schon genug von Rosmertas Met getrunken. Nach dieser langen Abstinenz und in seinem Alter machten sich die Zeichen der Berauschtheit vermutlich schneller bemerkbar.

„Aber um das alles zu verstehen sind wir einfach zu alt, Albus.“ Von dem Genuss des Alkohols und von den damit einhergehenden Stimmungsschwankungen übermannt, stierte Slughorn betrübt in sein Glas als warte er darauf, dass ein Grindeloh darin auftauchen würde.

„Nun, das sollen nicht unsere Probleme sein, Horace.“ Albus hatte die Feder beiseitegelegt und schaute seinen Freund mitleidsvoll an. Unwillig rümpfte der die Nase und war noch nicht bereit sich so schnell von seinem Selbstmitleid, ob seines eigenen ereignislosen Liebeslebens, zu lösen.
Aber Albus Dumbledore gälte nicht als einer der größten Zauberer seiner Zeit, gelänge es ihm nicht seinen Freund auch aus dieser Phase des Kummers herauszuziehen: „Und sonst? Wen willst du noch in deinen Club holen um das halbe Dutzend zu komplettieren?“

„Marcus Belby“, kam es gebrummelt aus dem Besuchersessel hervor. Jedoch gereichte der Gedanke an den nervösen dünnen Jungen nicht unbedingt zum Besten um Slughorns Stimmung zu heben.
„Sein Onkel ist Damocles Belby, der Erfinder des Wolfsbanntranks. Allerdings mit Belbys Vater verstritten. Daher kein besonderes Gewicht in den entscheidenden Kreisen und keine besonders guten Aussichten ...“

Bei dem Stichwort Werwölfe klingelte es aber in Slughorns Gedanken. Erregt straffte er seinen Rücken und verkündete mit enthusiastischer Stimme: „Dafür ist mir aber eine ganz bezaubernde junge Hexe über den Weg gelaufen die einen Flederwichtfluch erster Klasse vollführt hat.“
„So?“, erwartungsvoll schielte Albus über seine Brille und machte sich daran den angefangenen Satz zu Ende zu schreiben. „Und wer ist die junge Dame?“
„Ginevra Weasley! Da ich ja leider nicht das Vergnügen hatte einen ihrer Brüder William oder Charlie zu unterrichten, finde ich es umso erfreulicher, dass auch sie mit so großartigen Fähigkeiten gesegnet ist.“

„Sie ist in der Tat eine ausgesprochen kluge Hexe“, merkte Albus an.

„Ja, in der Tat. Und es scheint mir, als wäre sie damit nicht die Einzigste. Du weißt ja, dass ich keineswegs irgendwelche Aversionen gegen Muggelstämmige hege. Aber, dass ich neben Lily Potter gerade noch eine weitere muggelstämmige und in Zaubertränke versierte Schülerin habe, ist schon verblüffend. Denkst du Miss Granger würde sich über eine Einladung freuen?“

„Miss Granger?“ Von Albus war ein vergnügtes Glucksen zu hören, das Slughorn nicht so recht zu deuten wusste. Ehe er nachfragen konnte, erwiderte Albus jedoch: „Mit Sicherheit wird sie sich freuen, wenn sie deine Achtung erringen konnte. Ja, ich bin mir sicher, sie wird außerordentlich erfreut sein.“
Zufrieden, dass ihn sein Gespür in dieser Sache nicht enttäuscht hatte, lehnte sich Slughorn wieder gemütlich zurück.

„Sehr gut. Denn ich fürchte Belby und Longbottom werden sich nicht als besonders geeignet erweisen.“
„Longbottom?“ Schon wieder unterbrach Albus seinen Brief und Slughorn machte sich so langsam ernsthafte Sorgen, ob der Adressat seine Antwort noch erhalten würde.
„Ja.“ Verwirrt was an der Tatsache, dass er Neville Longbottom auch eingeladen hatte so bedeutend sein sollte, rechtfertigte sich Slughorn: „Ich dachte mir, da seine Eltern beide herausragende Auroren waren und durch diese unrühmliche Sache bekannt wurden, haben sie vielleicht auch etwas ihres Mutes an ihren Sohn weitergegeben. Doch der machte auf mich einen … naja, wie soll ich sagen … unsicheren Eindruck.“
„Größe zeigt sich nicht nur in großem Auftreten, Horace“, tadelte Albus abermals.
„Ich weiß“, gestand Slughorn ein. „Aber ich habe trotzdem nicht das Gefühl, dass Mr. Longbottom darauf aus ist in die Fußstapfen seiner Eltern und damit ins Licht der Aufmerksamkeit zu treten.“
Auch wenn er wusste, dass Albus natürlich wieder Recht hatte, wollte Slughorn nicht nochmals kleinbeigeben müssen. Und wie bereits erwähnt, hatte sein untrügliches Gespür bei dem Jungen nicht angeschlagen.

„Nun, wir werden sehen. Oder Abwarten und Tee trinken, wie die Muggel so schön zu sagen pflegen“, schlug Albus mit gütiger Stimme vor.
Da es nicht in Slughorns Sinne war hier einen Streit vom Zaun zu brechen, stimmte er eifrig nickend zu.

„Dennoch habe ich nun ein kleines Problem. Wie du weißt habe ich immer mindestens ein halbes Dutzend Schüler in meinem Club. Mit Potter, McLaggen, Zabini, Weasley und Granger sind es nur fünf. Es fehlt also noch einer.“  

Bittend blickte er Albus an und vertraute drauf, dass die Hoffnung die er in ihn gesetzt hatte nicht enttäuscht würde.

„Und du denkst ich wäre da der Richtige um dir zu helfen?“

Die Situationen in denen er einen zweifelnden und überraschten Dumbledore erlebt hatte, konnte Slughorn an einer Hand abzählen. Mit diesem Abend kam allerdings eine weitere hinzu.
„Ja!“ Nachdrücklich ergänzte er: „Du bist seit über 30 Jahren der Leiter dieser Schule. Du kennst sie vermutlich wie deine Umhangstasche und ich wette du weißt mehr über deine Schüler, als sie über dich.“
Geschmeichelt ob dieses Vortrags zupfte sich Dumbledore vergnügt an seinem Bart, während Slughorn unruhig auf seinem Stuhl herumrutschte. Dabei waren seine Worte keinesfalls als Lobhudelei gedacht, sondern spiegelten einfach nur seinen Eindruck von Albus wider.  

„Hm, lass mich einmal überlegen. ... Wenn ich mich recht entsinne gibt es da Melinda Bobbin, eine Ravenclaw und im 4. Schuljahr. Ihre Familie besitzt eine größere Apothekenkette und laut Professor Flitwick ist sie eine vorbildliche Schülerin.“
„Bobbin?“, nachdenklich kratzte Slughorn sich an der Schläfe und legte die Stirn in Falten. „Ja, dieser Name sagt mir etwas.“
War nicht letztens erst in einem Artikel des Tagespropheten über die Verleihung einer Medaille an einen gewissen Anthony Bobbin, für dessen langjähriges Engagement der Förderung neuer Zaubertränke, berichtet worden?
Dieser Name klang vielversprechend und Slughorn nahm sich vor, am nächsten Morgen direkt Filius aufzusuchen.

„Wie mir scheint, konnte ich dir helfen“, stellte Albus mit einem beglückten Lächeln fest.
„Fürwahr! Nichts anderes habe ich auch erwartet.“
Selig griff Slughorn wieder nach seinem Glas Met, welches er vorhin auf einem Tisch abgestellt hatte, und genehmigte sich ob dieses Erfolgs einen weiteren Schluck.

Ein Blick auf eine in einem Regal tickende Uhr verriet ihm, dass es bereits auf Mitternacht zuging. Offensichtlich war die Zeit nur so verflogen, denn nur das Licht der aufgestellten Kerzen und des Kamins vertrieb die vor den Fenstern hereingebrochene Schwärze der Nacht.
„Es ist spät geworden.“
Albus löste seine Aufmerksamkeit von dem Pergament und folgte Slughorns Blick in die Nacht: „Tatsächlich.“

„Ich denke es ist besser wenn ich gehe und dich nicht noch weiter aufhalte.“
Als er aufstand flog sein Glas automatisch zu der geleerten Flasche Met und ließ sich neben ihr nieder.

„Oh, du hast mich keineswegs aufgehalten. Die Wörter fließen immer gleich viel schneller, wenn man eine anregende Gesellschaft hat.“
Verlegen wackelte Slughorn mit dem Kopf. Er konnte nicht so recht glauben, dass er Dumbledore mit seiner Anwesenheit einen Gefallen getan hatte.
„Danke nochmals für deinen Rat. Ich werde gleich morgen sehen, was sich ergibt.“
„Keine Ursache.“

Leichtfüßig ging Slughorn zur Tür. Neben dem Kamin blieb er stehen und warf einen letzten Blick auf den Phönix, der mittlerweile seinen Kopf ins Federkleid gesteckt hatte und schlief.
Die Hand an der Klinke, drehte Slughorn sich um und verabschiedete sich: „Nun denn. Eine gute Nacht und bis Morgen!“
„Das wünsche ich dir ebenfalls“, antwortete Albus von seinem Schreibtisch aus, ehe Slughorn sich mit einem abschließenden Nicken empfahl und durch die Tür hinaus trat.

Beschwingten Schrittes machte er sich auf den Weg zu seinen Räumen und plante gedanklich bereits das erste Treffen des Slug-Clubs.



Wohlwollend hatte Dumbledore über den Rand seiner Brille hinweg beobachtetet wie Slughorn den Raum durchquerte, Fawkes einen abschätzenden Blick zuwarf und sich mit glücklicher Miene verabschiedet hatte.
„Jeder der in Hogwarts um Rat bittet, egal wie klein sein Problem auch sein sollte, wird hier Hilfe finden“, murmelte Albus Dumbledore mit einem Lächeln auf den Lippen in die Stille hinein. „Nicht wahr, Fawkes?“

Der rote Vogel regte sich.
Er hob seinen Kopf, blickte mit wachen Augen in Richtung seines menschlichen Gefährten und stieß einen melodischen Schrei aus.
Review schreiben