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Do you know eternity?

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Fantasy / P16 / Gen
17.05.2015
09.04.2016
3
3.353
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
01.04.2016 1.062
 
Hallo liebe Leute.
Jetzt endlich, nach Trilliarden Jahren, haue ich das erste richtige Kapitel zu Lilith' Geschichte raus! Ich habe mir fest vorgenommen in Zukunft härter daran zu arbeiten und es nicht so schleifen zu lassen, da mein Kopf im Moment voller Ideen für Lilith ist.
Für eure Meinungen zu diesem Einstieg in ihre Story bin ich offen und hoffe der ein oder andere liest meine erste FF. :)

Bis dahin, tschöh mit öh!
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Alles war schwarz. Der Raum war kühl. Ihr Mund stand leicht geöffnet und gab in regelmäßigen Zügen kleine weiße Wölckchen aus verbrauchter Luft frei.

Und dennoch, ein einzelner Schweißtropfen lief ihren Nacken hinab und verirrte sich unter den vielen Lagen Stoff, in welchen man sie gehüllt hat. Sie trug ein weites Gewand, welches selbst ihre Knöchel verdeckte und nur einen Blick auf die kleinen beschuhten Füße preisgab. Die Ärmel waren lang und legten sich fließend über ihre Arme. Ihre Hände waren von dem Tuch verdeckt, nicht einmal ihre zierlichen Finger konnte man sehen. Ein breites Stück Stoff führte um ihre Taille herum auf ihren Rücken, wo es zu einem kunstvoll verwobenen Knoten zusammengefügt war.

Sie öffnete die Augen und starrte auf ihr Ebenbild, welches sich vor ihr in einem bunten Fensterglas abzeichnete. Ihr Haar war schlicht gehalten. Geflochten lag es über ihre Schulter.

„Lilith?“, regte sich eine tiefe Stimme hinter ihr. Sie bewegte ihren Blick von ihrem Ebenbild weg und sah eine neue Gestalt in dem Fenster auftauchen. Ein großer, dunkelhäutiger Mann trat hinter sie und legte ihr eine raue Hand auf den Arm. „Es wird Zeit“, sagte er und zog sie von ihrem eigenen Anblick fort, hinaus aus dem Raum, in dem es so kühl und ruhig war.



„Wie viele sind gekommen?“ fragte Lilith, als der Mann sie durch die Gänge des Tempels führte. Mit einem schiefen Lächeln sah er auf sie hinab und antwortete kurz angebunden: „Alle.“
Ihr Atem stockte. „Alle?“, wiederholte sie, als hätte sie das Wort zum ersten Mal in ihrem Leben in den Mund genommen. Ein warmes Kribbeln breitete sich in Ihrer Brust aus und bahnte sich langsam seinen Weg bis in die kleinsten Zellen ihres Körpers. Alle würden da sein, um sie zu verabschieden. Das war gut. So würde sie jeden einzelnen noch einmal ansehen können um sich ihre Gesichter einzuprägen, denn für eine lange Zeit, vielleicht für immer, würde sie die Menschen, bei denen sie gelebt und mit denen sie aufgewachsen war, nicht mehr wiedersehen.

Wo es sich eben noch warm und wohlig anfühlte, bildete sich jetzt ein Knoten in ihrem Inneren, der ihr nun schmerzlich bewusst machte, was sie hinter sich lassen würde.

„Malik, tue ich das richtige?“ wandte Lilith sich nun direkt an den Mann, ein zweifelnder Schimmer in ihren Augen. Doch er nickte und sah erneut auf sie hinab. „Lilith, wir alle glauben an dich und deine Kraft. Du hast dich für den richtigen Weg entschieden. Und egal wie deine Reise enden wird, jeder einzelne wird mit Stolz an dich denken.“

In ihrer Entscheidung bestärkt, drückte sie ihre Schultern durch und atmete noch einmal die kühle Luft des Tempels ein, ehe Malik die Tore öffnete und sie beide hinaus ins Sonnenlicht traten.



Geblendet durch die warmen Strahlen, schirmte Lilith ihre Augen ab, um sie langsam an das helle Tageslicht zu gewöhnen. Nach kurzem jedoch ließ sie ihren Arm sinken und starrte zutiefst gerührt auf die Szene, die sich ihr präsentierte.

Auf dem Platz vor dem Tempel war kaum mehr ein freier Fleck zu sehen. Vor ihr ging zeitgleich ein jeder Einzelne aus dem Dorf hinab auf ein Knie. Lauter schimmernde Augen sahen zu ihr auf, ehe sie ihren Blick ehrfürchtig gen Boden sinken ließen. Auch Malik kniete sich nieder. Als wäre dies nicht genug, legten sie ihre Hände zu einer Raute zusammen und pressten sie auf ihre Brust. Die Daumen zeigten dabei nach unten, die restlichen Finger in Richtung Himmel.

Zitternd stieß Lilith den angehaltenen Atem aus, darauf bedacht, sich nichts von ihrer Rührung anmerken zu lassen, um ihren Nachbarn, Freunden, Verwandten und Bekannten zu zeigen, dass sie stark war. Leicht neigte sie ihren Kopf, um allen zu verstehen zu geben, dass sie sich erheben könnten. Sie gehorchten und sahen einen Moment später alle gebannt auf das Mädchen im Mittelpunkt des Moments.



„Ich danke euch allen aus tiefster Seele dafür, dass ihr mich bis zu diesem Zeitpunkt habt in eurer Mitte leben lassen, dass ihr mich erzogen und großgezogen habt, dass ihr mich zurechtgewiesen habt, wenn es nötig war und mich getröstet habt, wenn ich es brauchte. Ihr alle habt mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Ihr alle gehört zu meiner Familie und ich werde euch immer bei mir tragen. Hier. Und hier.“ Sie führte ihre Hand zunächst an ihre Stirn und schließlich zu ihrem Herzen, wo sie ihre Finger ruhen ließ.


Kein Laut war aus der Menge vor ihr zu hören. Noch einmal straffte sie ihre Schultern, richtete sich auf, ging erhobenen Hauptes die Treppen des Tempels hinunter und spaltete die Menge, welche sie durchschritt.
Auf dem Weg zur Mitte des Platzes griff sie hinter sich und zog einen Stab hervor, der bis eben noch in dem Stoff, der ihre Taille umwob, gesteckt hatte. Drei letzte anlaufende Schritte und sie schwang den Stab kraftvoll über ihren Kopf, um einen rituelle Aufführung in der Mitte der Menschenansammlung zu beginnen.

Wiegende Schritte, raschelndes Tuch, fließend ausgeführte Bewegungen im Einklang mit dem Stab, den sie trug, all dies manövrierte sie in diesem Moment in unvergessene, alte Zeiten ihrer Vorfahren. Sie würde Spira einen großen Dienst erweisen, so wie auch vergangene Helden es getan hatten. Sie würde ihr Leben für jene opfern, die sie liebte und auch für die Nachkommen, die Spira später einmal besiedeln würden. Angst, Müdigkeit, Trauer, Wut, Freude, Seeligkeit, Entschlossenheit, Ruhe.. das alles würde sie auf ihrem Weg erwarten, für den es nun kein Zurück mehr gab.

In ehrfürchtigem Schweigen sahen ihr alle zu, gefesselt von diesem ereignisträchtigen, uralten Ritual, welches die Welt und das ein oder andere Leben bald verändern sollte. Sie würde selbst zum Held werden.  
Aber wollte sie das?

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So das war es auch schon wieder.
In diesem Kapitel kam Lilith noch nicht viel dazu, mit anderen Leuten zu reden, aber das wird sich im nächsten ändern, denn für sie wird eine fette Abschiedsfeier gehalten!

Ich hoffe "Ihr Weg" hat euch gefallen und ihr guckt im nächsten Kapitel wieder rein. :)
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