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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
23
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04.01.2017 3.393
 
Hallo ihr Lieben,
ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass ich aus versehen das kapitel 89 doppelt hochgeladen habe. Hier habt ihr die richtige nr. 90 und gleich folgt noch das neueste kapitel, wie es sich gehört.
Ich hoffe, ich habe euch nicht zu sehr im Lesefluss gestört.
Liebe Grüße
Poettierchen

Als das vierte Viertel beginnt, ist bereits klar, dass Rakuzan gewinnen wird. Sie haben den fünfzehn Punkte Abstand erreicht, den Akemi am Morgen noch gefürchtet hat.
Etwas piepst laut und Shintarou zieht neben ihr sein Handy aus der Tasche, drückt ein paar Tasten und verharrt dann.
„Es scheint...“, sagt er laut, „Dass Kaijou möglicherweise verlieren wird.“
„Kaijou?“, Takao sieht ihn mit großen Augen an, „Gegen wen spielen die denn?“
„Fukuda Sougou. Kise spielt gegen Haizaki. Ich habe so etwas vermutet.“
Akemi mustert ihn sorgfältig, bevor sie ihre Frage äußert.
„Bist du… enttäuscht?“
„Nicht wirklich.“, gibt er ruhig zurück, bevor er stoppt und sich verbessert, „Das heißt… ich weiß es nicht. Kise und ich stehen uns nicht nahe, aber ich mochte auch Haizaki nicht besonders. Um ehrlich zu sein, wäre es mir wohl doch lieber, wenn Kise gewinnen würde. Haizaki spielt nicht sehr fair.“
Akemi nickt und blickt wieder hinunter aufs Spielfeld.
„Es ist immer schwer, wenn der Gegner nicht fair ist, oder?“, fragt sie niemand bestimmten, „Man kann entweder selbst fair bleiben und hoffen, dass das reicht oder man begibt sich auf ihr Niveau.“
Sie starrt wie in Trance in die Luft, bis sie bemerkt, dass sowohl Takao als auch Shintarou sie nachdenklich mustern und zuckt zusammen.
„Ich, also… ich meine, ich… a-also...“, stammelt sie, unsicher, was sie eigentlich sagen will, als Takao ihr das abnimmt.
„Du bist nervös wegen morgen, oder?“, legt er den Finger auf den wunden Punkt. Akemi nickt zögerlich.
„Kirisaki Daichi.“, nennt Shintarou das Untier beim Namen und nickt wie zu sich selbst, „Ich weiß nicht, wer schlimmer ist, die Mädchen oder die Jungs.“
„Habt ihr denn gelernt, mit Fouls umzugehen?“, fragt Takao.
Akemi nickt zögerlich. „Kahoko hat ein spezielles Training gemacht und auf dem aufgebaut haben wir trainiert. Bei welchen Schritten man am wenigsten gefoult werden kann, wie man werfen und passen kann und dabei gleichzeitig Sicherheitsabstand hält und...“, sie zögert, „Wie es sich anfühlt, damit wir vorbereitet sind.“
Zwei Augenpaare mustern sie ernst, dann wenden sie sich einander zu.
„Spezielles Training?“, wispert Takao Shintarou zu, als könnte Akemi ihn nicht hören, „Mit wem sie wohl trainiert hat?“
„Sie hat mit Kise trainiert.“, klärt Shintarou ihn auf, „Aber ich kann mir denken, wie sie trainiert haben. Kise kann jeden Spielstil kopieren. Und sicher auch den von diesem Hanamiya.“
Sie schweigen, jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt.

- - -

„Das kann nicht sein!“, Kagami ist außer sich, „Das gibt’s nicht! Er kann nicht verlieren! Nicht gegen so einen Bastard!“
Sein Team mustert ihn, Megumi mustert ihn, während die Worte einfach aus ihm heraus platzen. Er kann sie nicht aufhalten, er will es auch gar nicht.
„Er hat es versprochen! Er hat versprochen, dass er gewinnt und im Halbfinale gegen uns spielt!“
Unter ihnen macht Haizaki noch einen Ball rein und der Punkteabstand vergrößert sich auf 53 zu 70 Punkte. Das ist mehr als fünfzehn Punkte Abstand und Kise kniet auf dem Boden vor Haizaki, macht keine Anstalten aufzuspringen und daran etwas zu ändern.

-

„Jetzt macht er ihn fertig...“
Drei Köpfe drehen sich zu Shinji, die mit zusammengekniffenen Augen auf den Platz hinunter sieht.
„Haizaki spricht mit Kise. Seht ihr? Jetzt wird er irgendwas gemeines sagen, irgendetwas herablassendes, um ihm den Rest zu geben. Vielleicht… oh...“, sie sieht aus, als wäre ihr etwas eingefallen.
„Was oh?“, will Susa wissen und Shinji wiegt unsicher den Kopf hin und her, als wolle sie diese Erinnerung ungern wieder aufleben lassen. Sie tut es dennoch.
„Haizaki hasst Kise. Ihre Talente sind sich zu ähnlich und Kise hat einen richtigen Kickstart hingelegt, schnell Fortschritte gemacht und alle mochten ihn. Also hat er das getan, was er in solchen Situationen immer macht und Kise die Freundin ausgespannt… Wie ich ihn kenne, wird er wohl jetzt darauf herum hacken.“
Kahoko macht den Mund auf, um etwas zu sagen, als sie schon wieder unterbrochen wird.
Eine laute, wohlbekannte Stimme bahnt sich ihren Weg durch das vollbesetzte Stadion.
„Kise-kun! Ich glaube an dich!“

„Kuroko!“, haucht Kagami fassungslos und starrt seinen Freund an, der da aufrecht neben ihm steht und auf den Platz hinunter sieht.
Kise blickt zu ihm hoch. Mit dieser Stimme, diesem Ausspruch, erinnert er sich. An das Versprechen, dass er gegeben hat.

„Oh, jetzt komm schon!“, murmelt Kahoko mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Freude, als Kise sich aufrichtet, den Ball in der Hand, und wirft.
Von einem Ende des Platzes aus fliegt der Ball hoch in die Luft und dann direkt in den Korb.
Die Menge rastet aus, schließlich ist jemand ganz anderer für diese Art von Wurf berühmt.
Kahoko selbst jubelt stürmisch und reißt dabei Shoichis Arm gleich mit in die Höhe.
Er mustert sie amüsiert.
„Dann darf ich wohl annehmen, dass du ihm nicht mehr böse dafür bist, dass er euch kopieren kann?“
„Machst du Witze?“, Kahoko lacht, „Hauptsache, der Idiot gewinnt!“
Und das tut er. Er kopiert sie, die Generation der Wunder und auch wenn er es nur für eine begrenzte Zeit lang kann und Haizaki ihm sogar noch auf den Fuß tritt, der ohnehin schon lädiert ist – Kahoko flucht bei dem Anblick wie ein Seemann – aber Kise gewinnt und damit gewinnt auch Kaijou.

- - -

Haizaki wartet. Es ist kalt draußen und er hat nicht geduscht, nur seine Sportjacke und lange Hose übergezogen. Es fröstelt ihn, aber das kümmert ihn nicht, schließlich gibt es wichtigeres, auf das er sich konzentrieren kann.
Licht dringt durch die Glastüren zu ihm heraus, aber er steht im Schatten. Alleine, wie er glaubt.
Bis ihn eine Stimme hochschrecken lässt.
„Wenn darüber nachdenkst, Rache an Kise zu nehmen, dann lass es bleiben.“
„Daiki...“, Haizaki fährt herum.
„Was du vorhattest, hab ich bereits von Kise erfahren. Wenn du dich still und leise verziehst, lasse ich dich gehen.“
„Als ob!“, schnauzt Haizaki zurück, „Ich kann tun, was ich will!“
Aomine verzieht die Lippen zu einer spöttischen Grimasse. „Wenn es nur um Basketball ginge, würde ich nichts sagen, egal was du tust. Aber...“, er macht eine Pause und jetzt wird sein Blick und seine Stimme schneidend, „Wage es ja nicht, sie in ihrem Kampf zu behindern, auf welche dumme Weise auch immer. Du siehst ja, wie hart Kise und Tetsu gearbeitet haben. Mach nichts dummes.“
„Ich sehe schon.“, Haizaki grinst, „In dem Fall mache ich sie besser noch mehr… kaputt. Ich hab dir doch gesagt, dass es mir egal ist. Im Gegensatz zu euch Leuten geht mir Basketball sonst wo vorbei.“
Haizaki grinst, bereit zum Angriff.
„Wenn du mich aufhalten willst, musst du es schon mit Gewalt tun.“
Er stürmt auf Aomine zu, der tatsächlich zu Boden sieht.
Wie dumm kann man sein, denkt Haizaki noch und holt aus.
Aomines linker Haken erwischt ihn kalt. Er stürzt zu Boden, sein Kopf knallt auf dem Boden auf und für einen langen Moment sieht er nur noch die viel gerühmten Sterne.

Aomine mustert Haizaki kalt, der am Boden liegt und sich nicht rührt. Er atmet normal, so hart hat er nicht zugeschlagen, aber es wird ihm eine Lehre sein.
Er seufzt und dreht sich weg, nur um sich einem recht seltsamen Vierergespannt gegenüber zu sehen.
Susa mustert ihn mit stiller Missbilligung. Imayoshi seufzt, mustert seinen Arm und tadelt ihn mit einem „Ich kann nur hoffen, dass du dir nichts gebrochen hast, bei dieser Aktion.“
Die schwarzhaarige Power Forward mit den Piercings aus Kahokos Team, die in der Teiko immer mit Haizaki rumhing, mustert ihn kalt.
„Ich hoffe, du hast hart zugeschlagen.“, schnarrt sie und er zuckt mit den Schultern, als auch schon Kahoko die Hände in die Hüften stemmt und ihn spöttisch angrinst.
„Und ich hoffe, dass war nicht dein bester linker Haken, das könnte nämlich meine Oma besser!“
„Das ist nicht hilfreich.“, wird jetzt auch sie von Imayoshi getadelt, aber Kahoko zuckt nur mit den Schultern.
„Tsk...“, macht Aomine genervt, „Was wollt ihr?“
„Dich von Dummheiten abhalten. Komm, wir gehen nach Hause.“, Kahoko macht eine auffordernde Handbewegung, als Shoichi sich schon wieder einmischt.
„Du verhältst dich, als wärst du seine Mutter.“
„Ach, du denkst doch das gleiche… Papi.“, gibt Kahoko spottend zurück.
Shinji kneift sich mit beiden Fingern in die Nasenwurzel, um nicht auszurasten, bevor sie das Gezanke der beiden unterbricht.
„Hört auf zu labern und geht endlich… Ich behalte ihn schon im Auge.“
Sie folgen schweigend ihrer Anweisung. Aomine fügt sich wie von selbst in ihre kleine Gruppe ein.

Susa und Shoichi gehen voran, Kahoko und Aomine folgen ihnen. Nach wenigen Metern ertönt ein Quietschen zu ihrer Rechten und Nanami und Momoi treten zu ihnen.
„Was hast du mit deiner Hand gemacht?“, Momoi bleibt nichts verborgen, sie zieht und zerrt an Aomines Arm und bricht in eine wahre Schimpftirade aus, als sie die Abschürfungen sieht.
Nanami ist da anders gestrickt. Sie zieht eine kleine Erste-Hilfe Box aus ihrer Handtasche, klatscht sie Kahoko in die ausgestreckten Hände und schnappt sich Aomines Hand, bevor der überhaupt protestieren kann.
„Halt still!“, fordert sie und betupft mit der Geschwindigkeit eines Profis die Abschürfungen mit einer Salbe, bevor sie einen lockeren Verband darum legt.
„Einmal täglich wechseln und sollten die Gelenke steif werden, zum Arzt gehen.“, sie klatscht ihm die Salbentube in die Hand, „Und das nächste Mal nimmst du einen Stein oder so etwas, Basketballerhände sind wertvoll.“
Kahoko muss sich ein Lachen verkneifen.
„Nanami!“, tadelt sie spöttisch, „Stifte ihn doch nicht zum Prügeln an!“
„Und das sagst ausgerechnet du.“, mischt sich da jemand belustigt ein.
Kahoko dreht sich um und quietscht überrascht. Hinter ihnen steht Kise und grinst wie ein Honigkuchenpferd.
„Ihr geht als Gruppe heim?“, er mustert sie, „Darf ich mitkommen.“
Eine eindeutige Zustimmung gibt es nicht, aber das braucht er auch nicht.
Tatsächlich schaffen sie es nicht mal, vom Vorplatz des Stadions auf die Straße zu kommen, bevor ihre Grüppchen zu einer kleinen Menschenmenge angewachsen ist. Das ganze Team der Nakamiya ist versammelt und einige der Generation der Wunder ebenso.

Kahoko läuft immer noch neben Aomine, zwei, drei Meter hinter Shoichi, der neben Susa hergeht, als kümmere ihn dieser Menschenauflauf nicht. Kahoko kennt ihn ein wenig besser.
„Sag mal...“, ertönt da Kises Stimme laut und klar durch das hektische Gemurmel ihrer Gruppe, „Habt ihr euch gestritten, Hanacchi?“
Sie kann sehen, wie sich Shoichs Schultern versteifen, während sie sich selbst vor Schreck anspannt.
„Was meinst du?“, fragt sie gespielt ahnungslos zurück und hofft, dass Kise so unaufmerksam ist, wie er sich oft gibt.
Ist er aber leider nicht.
„Na, du und dein Freund Imayoshi hier. Erst finde ich euch knutschend in einem Nebengang und jetzt haltet ihr zwei Meter Abstand zueinander.“
Betretenes Schweigen folgt. Es ist ausgerechnet der schüchterne, stille Shouta, der das Schweigen bricht.
„Für den Fall, dass du das noch nicht wusstest: Sie tun beide so, als wäre ihre Beziehung ein Geheimnis, aber wir wissen es alle.“
„Woher?“, fragt Kahoko verdutzt und ihr Team antwortet ihr im Chor. „Nanami.“
Nur Michirou bildet mal wieder die Ausnahme. „Was, Nanami? Mir hat keiner was gesagt!“
Nanami seufzt. „Natürlich habe ich es dir gesagt. Aber dein Hirn versteht das Wort 'Freund' immer platonisch, solane es nicht um Wakamatsu geht.“
Das sorgt für Gelächter und zwei rote Gesichter. Kahoko nutzt den Moment, macht zwei Schritte und kommt neben Shoichi zum stehen.
Sie werfen sich einen Blick zu, er seufzt, dann nimmt er ihre ausgestreckte Hand.
Ich hab doch ohnehin keine Wahl.

- - -

Als Haizaki zu sich kommt, ist es still um ihn. Still und dunkel.
Er steht auf und klopft sich den Dreck von den Klamotten. Dann sieht er sich um und seufzt.
Das ist heute nicht im Mindesten so gelaufen, wie er es geplant hatte.
Er hat das Spiel verloren, keine Rache bekommen und ausgerechnet Daiki hat ihm noch eine verpasst, als das besondere Extra obenauf.
Als er hinunter auf den Vorplatz tritt, fällt ihm Shinji ein und er blickt sich suchend um, bevor er sich unwirsch selbst ermahnt.
Als ob, denkt er mürrisch, die hat besseres zu tun, als auf einen Verlierer wie mich zu warten.
Er sieht einen Mülleimer und nimmt die Basketballschuhe aus seiner Sporttasche, geht hinüber und will sie reinwerfen. So, wie er es damals auf der Teiko gemacht hat.
Nur dass er sie damals verbrannt hat und Kuroko versucht hat, ihn aufzuhalten.
Er schnaubt und blickt sich noch einmal um. Kein Kuroko hier, um ihn aufzuhalten.
Er holt aus und will sie hinein werfen, aber er lässt die Schuhe nicht los, lässt seinen Arm einfach wieder zurück schwingen.
Haizaki starrt auf die Schuhe hinunter.
Er denkt an seine Niederlage vorhin, dreht sich um und blickt zum Stadion zurück.
Du siehst doch, wie hart sie daran gearbeitet haben.
Ihm fallen Daikis Worte wieder ein, doch er denkt dabei nicht an Kise oder Kuroko, sondern an Shinji.
Wie er mittlerweile seine Uhr danach stellen kann, wann sie frühmorgens aufbricht, um Joggen zu gehen. Er denkt an ihre säuerliche Miene, wenn sie früher vom Training gekommen ist und ihn solange genervt hat, bis er mit ihr für ein One on One zum Platz an der Ecke gegangen ist. Das hat sie schon lange nicht mehr gemacht, stattdessen kommt sie ganz erledigt vom Training, aber sie lächelt dabei und er hat schon mehr als einmal von seinem Fenster aus gesehen, wie sie lachend und scherzend mit ihrer Mutter in der Küche gestanden hat.
Das Training powert sie aus, ja, aber es macht sie auch glücklicher auf eine Art und Weise, die er gerne verstehen möchte.
Für einen Moment fällt ihm dieser Touou-Spieler ein, schließlich könnte ihre gute Laune auch an ihm liegen, aber dann fällt ihm Shinjis Spiel gegen Kaijou ein, dass er gesehen hat. Das gegen Yosen oder all die anderen, die er gesehen hat. Von der letzten Reihe aus, damit sie ihn ja nicht entdeckt.
Er steckt die Schuhe wieder ein und atmet tief durch.
Vielleicht hat er heute Scheiße gebaut und diese dämliche „Generation der Wunder“ wird ihm sicher nichts davon vergeben, aber vielleicht kann er ja wenigstens seine beste Freundin wieder kriegen.

Beschwingteren Schrittes durchquert er den Vorplatz und wäre beinahe an der Gestalt auf der Parkbank vorbei gerannt, hätte sie ihn nicht angesprochen.
„Shougo...“
Er legt beinahe eine Vollbremsung hin und dreht sich um.
Als allererstes sieht er ihre Piercings, dann legt sie den Kopf zurück und er kann auch ihr Grinsen erkennen.
„Du hast gewartet?“, fragt er fassungslos und sie schüttelt den Kopf über ihn.
„Klar. Dafür sind beste Freunde doch da, oder?“
Es bleibt für einen Moment still zwischen ihnen, dann deutet sie auf seine Sporttasche.
„Du hast dich also entschieden?“
Er nickt und sie mustern sich eine halbe Ewigkeit lang, ohne zu reden.
Sie wissen beide, dass er nicht gut darin ist, sich zu entschuldigen. Oder über Emotionen im Allgemeinen oder Besonderen zu reden. Er ist mehr ein Mann der Tat und er weiß eigentlich genau, was er tun muss, um sie zurück zu bekommen.
Warum zögere ich überhaupt noch? Noch vor fünf Sekunden wollte ich alles tun, um sie zurück zu bekommen und jetzt stellt sich mir mein Stolz in den Weg? Vergiss es, dämlicher Stolz! Du hast heute schon so viel abgekriegt, da wirst du eine jämmerliche Entschuldigung wohl auch verkraften.
Du siehst aus, als könntest du einen Kakao gebrauchen.“, sagt er stattdessen und Shinji reißt überrascht die Augen auf.
„Lädst du mich ein?“, fragt sie fassungslos und er zuckt mit den Schultern.
„Der Verlierer zahlt.“, meint er lapidar, „Aber beeil dich, ich frier mir hier den Hintern ab.“
„Uh ja, es wäre ja schade um den süßen Hintern.“, grinst sie und er hebt spöttisch eine Augenbraue.
„Oho, was würde denn dein Freund dazu sagen?“, spottet er, als sie aufsteht und neben ihm her geht.
Shinji lacht lauthals. „Welcher Freund denn?“
„Na dieser Susa.“, er runzelt die Stirn, als sie noch mehr lacht.
„Mann, du liegst aber falsch.“, erklärt sie ihm und er bleibt stehen.
„Du bist nicht mit ihm zusammen?“
„Nö.“, Shinji schüttelt den Kopf, dass ihre Haare fliegen und lacht noch einmal, „Wieso? Eifersüchtig?“
Haizaki mustert sie einen Moment, bevor er sich auf die Lippe beißt. „Dann bist du noch…?“, fängt er an und Shinji grinst.
„Nein, ich bin definitiv nicht mehr in dich Sturschädel verknallt. Pech für dich, du hast so lange gewartet, dass ich jetzt eine Freundschaft lieber hätte.“
„Kannste haben.“, erklärt er und da ist soviel Erleichterung in seinem Gesichtsausdruck, dass sich Shinji den blöden Spruch verkneift, den sie auf den Lippen hatte.
Manchmal wird am Ende doch alles gut, wenn man nur ein bisschen Geduld mit sich bringt.

- - -

Der Tag des Halbfinales ist ein sonniger Wintertag. Das Wetter ist mild und lädt dazu ein, draußen zu bleiben. Es passt nicht im Geringsten zu Kahokos angespannter Stimmung.
„Nervös?“, fragt Shintarou, als sie beim Joggen eine kleine Pause für Dehnübungen machen, damit Masahiro zu ihnen aufschließen kann.
„Ein wenig.“, gibt Kahoko zu, „Und du?“
„Ein wenig.“, er verzieht das Gesicht, „Aber ich habe meinen Glücksbringer dabei und das Rating für Krebs war auch sehr gut, damit beruhige ich mich selbst.“
Kahoko schmunzelt. „Diese Horoskope geben dir wirklich Halt, was?“
„Ein wenig.“, antwortet er mit dem Anflug eines Grinsens, „Wobei ich zugeben muss, dass ich nicht mehr ganz so 'besessen' davon bin, wie früher. Wenn ich mal Mamas Ausdruck dafür benutze. Und du traust dich ja anscheinend auch schon viel öfter im Dunkeln raus.“
Kahoko lächelt und nickt.
Sie schweigen, bis Shintarou sich zu ihr dreht und ihr einen dieser Blicke zuwirft. Sie weiß, in die nächsten Worte legt er sein ganzes Herz hinein.
„Würdest du… würdest du mir einen Gefallen tun?“, fragt er zögerlich.
„Alles.“, gibt Kahoko zurück.
„Alles?“, fragt er, „Wirklich alles und du lachst auch nicht, wenn ich frage?“
„Wirklich alles und ich lache auch nicht. Indianerehrenwort.“
Er nickt wie zu sich selbst und fährt mit der Zunge im Mund herum, als könne er so die Wörter ordnen.
„Bitte sorg dafür, dass Akemi nichts passiert. Heute, gegen Kirisaki Daichi. Am liebsten wäre es mir, sie würde gar nicht spielen, aber um so etwas will ich nicht bitten. Sorg einfach nur dafür, dass sie ihr so etwas antun wie diesem Eisenherz von Seirin, Kiyoshi...“
Shintarou hat ganz hastig gesprochen, verlegen und bemüht, es schnell hinter sich zu bringen, bevor auch Masahiro mit seinen Dehnübungen fertig ist, bei ihnen steht und sich einmischen kann. Er hat schnell gesprochen, damit Kahoko vielleicht nicht alles versteht und nicht gleich loslacht und-
„Versprochen.“
„Was?“, er mustert Kahoko beinahe fassungslos.
Sie nickt, ganz ernst. „Ich verspreche dir, dass ich auf sie aufpassen werde.“

- - -

Ayato lehnt an der Wand, die Hände in die Taschen gesteckt und lauscht.
Eigentlich ist er ja nicht der Typ, der sich versteckt und dann die Ohren spitzt. Aber er hat Yahiro und Yoyo gesehen und gewusst, wenn er offen auf sie zukommt, werden sie ihn ignorieren. Also hat er sich eine andere Strategie überlegt.
„Bist du nervös?“, das ist Yahiros Stimme. Er nuschelt, ziemlich sicher hat er wieder einen Lutscher im Mund.
„Nicht wegen unserem Spiel.“, erklärt Yoyo selbstbewusst, dann hört er das Knistern einer Verpackung, bevor sie mit vollem Mund weiter spricht, „Ich hoffe nur, dass Kahoko diese Kirisaki Daichi High ernst nimmt, ich will nämlich gegen sie spielen und nicht gegen diese weißhaarige Schnepfe.“
„Versteh ich.“, murmelt Yahiro, dann ertönt ein schmatzendes Geräusch und Ayato reißt überrascht die Augen auf.
Die beiden küssen sich doch nicht etwa?!
Vorsichtig schiebt er sich um die Ecke. Die beiden futtern eine Packung Gummibärchen, als wäre nichts und obwohl er mittlerweile fürchtet, viel zu viel hinein zu deuten, kann er es nicht sicher sagen.
„Also ich fand das gestern so cool, als dieser Typ von Seirin aufgestanden und Kise zugebrüllt hat, dass er an ihn glaubt.“, meint Yahiro und Yoyo zuckt mit den Schultern.
„Schon. Es hat geholfen, oder? Aber ich würde sowas nicht machen. Bin ja nicht blöd und mach mich zum Affen.“
„Nicht mal, damit Kahoko das Spiel gewinnt?“, fragt Yahiro und Yoyo legt überlegend den Kopf zur Seite.
Hinter Ayato öffnet sich eine Tür und er kann gerade noch rechtzeitig den Kopf zurück ziehen, bevor die beiden ihn entdecken.
Dafür steht er jetzt jemandem vom Reinigungspersonal gegenüber, der ihn misstrauisch mustert.
Wohl besser, er verzieht sich. Obwohl er wirklich gerne ihre Antwort gehört hätte.

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