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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
23
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18.12.2016 3.294
 
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Shinji sitzt dick eingemummelt auf ihrer Terasse und versucht durchs Teleskop etwas zu erkennen, als das Geräusch der Klingel die Stille durchschneidet.
Sie seufzt und wickelt sich aus ihren Schichten. Ein Blick durch den Türspion, dann reißt sie die Tür auf.
„Susa? Was machst du denn hier?“
Er verzieht das Gesicht. Er wirkt verlegen, aber auch niedergeschlagen.
„Willst du einen Kakao?“
Augenblicklich hellt sich sein Gesicht auf und sie tritt zur Seite, um ihn herein zu lassen.
Susa schweigt, während sie die Milch erhitzt und ihre Spezialmischung aus Kakaopulver, Honig und Zimt einrührt.
Er schweigt auch noch, als sie ihm die Tassen in die Hand drückt, mehr Decken und Polster aus dem Wohnzimmerschrank holt und ihm einen Plätzchen auf der Terassenbank vorbereitet.
Sie setzen sich, wickeln sich so dick wie möglich ein und nehmen synchron einen Schluck aus ihren Tassen.
Sie seufzt genussvoll, er sorgenbeladen.
„Also...“, Shinji stellt ihre Tasse auf das Beistelltischchen und richtet ihr Teleskop neu aus, „Willst du dir die Sterne ansehen oder reden?“
„Sieht man denn was?“, fragt er zurück.
„Noch nicht viel, aber ich arbeite daran. In der Zwischenzeit könntest du mich aufklären, was ich alles verpasst habe. Muss ich damit rechnen, dass Kahoko mich morgen zusammenschlagen will?“
„Warum sollte sie das tun?“
Er mustert sie verdutzt und Shinji zuckt mit den Schultern.
„Ach, du weißt doch, wie sie ist. Wenn ihre Lieben nicht glücklich sind, dann haut sie gerne mal zu.“
„Dann wird sie wohl eher mich verprügeln wollen als dich.“
„Muss ich damit rechnen oder ist es nur eine deiner Hypothesen, Herr Professor?“
„Rechne lieber damit. Shoichi ist ziemlich sauer auf mich. Vielleicht zu recht.“
Shoichi dreht an einem weiteren Rädchen, dann sieht sie vom Teleskop hoch.
„Also, letzte Chance. Entweder du klärst mich auf oder du hälst die Klappe und siehst dir dieses Sternbild an.“
„Kann ich auch eines nach dem anderen machen?“
„Wenns sein muss.“
Sie rückt zur Seite als er sich vorbeugt und durch das Teleskop blickt.
Als er sich wieder zurücklehnt, seufzt er.
„Wenn man sieht, wie groß und wunderbar das Universum ist, wirken die eigenen Probleme ganz klein und unwichtig.“
„Deshalb will ich ja auch Astronomieprofessorin werden. Oder ne Bar besitzen.“, Shinji grinst versonnen, bevor sie den Kopf schüttelt und ihn auffordernd anblickt, „Also? Lass hören.“
„Also du weißt doch noch, wie wir darüber geredet haben, dass ich befürchte, dass Kaiya mir fremdgehen könnte?“
„Ja?“
„Ich war bei ihr. Bin am Samstag zu ihr gefahren, aber das hab ich dir ja geschrieben. Und kaum war ich dort, hat sie mir unter Tränen berichtet, dass Imayoshi sie bedrängt hat… Und weil sie sich anhaltend geweigert hat, habe er ihr gedroht. Sie würde es bereuen und wenn sie mir davon erzählen würde, würde er unsere Beziehung zerstören und mir weiß machen, dass sie mich betrügt...“
Er unterbricht sich, schluckt hart, bevor er weiter spricht: „Sie hat so heftig geweint, dass es sie richtig geschüttelt hat...“
Shinji sagt lange nichts, wartet, ob da noch etwas kommt. Schließlich trinkt sie einen großen Schluck Kakao und wendet sich ihm zu.
„Glaubst du ihr?“
„Ich weiß nicht.“, gibt er mit einem Stoßseufzer zu, „Einerseits hatte ich selbst Zweifel an ihrer Treue, aber ich weiß auch, dass Imayoshi vor nichts zurück schreckt, wenn er etwas haben will. Und als ich ihn darauf angesprochen habe, war seine erste Bemerkung, dass sie mich betrügt. Wie Kaiya es gesagt hat.“
„Ich werde dir sicher nicht sagen, was du jetzt tun sollst...“, beginnt Shinji nach einem weiteren Schweigen, „Aber ich kann dir ein paar Dinge sagen, die dir vielleicht helfen können, dich zu entscheiden.“
„Bitte. Ich bin für alles dankbar.“
„Erstens habe ich seit meiner Kindheit immer schon mehr Freundschaften mit Jungen gesucht als mit Mädchen und kenne mich deshalb gut mit diesem Geschlecht aus. Und ich kann dir sagen, dass dieser Imayoshi bis über beide Ohren in Kahoko verliebt ist. Sollte er Kaiya tatsächlich bedrängt haben, dann sicher nicht, weil er eine Beziehung oder auch nur eine Befriedigung von ihr wollte. Das passt nicht zu einem Jungen, der so stolz und auf seinen Ruf bedacht ist, wie Shoichi und gleichzeitig für jemanden wie Kahoko eben diesen Ruf aufs Spiel setzt. Ich meine… er hat sie in seinem Schoß schlafen lassen, mitten in der Bibliothek.“
Susa mustert sie fassungslos. „Er hat was? Ich kann mich noch erinnern, wie seine Großmutter gestorben ist und eine unserer Mitschülerinnen versucht hat, ihn zu umarmen. Er hätte sie beinahe rückwärts die Treppe runter gestoßen, so wenig kann er unnötigen Körperkontakt leiden.“
„In diesem Fall haben wir Beweisstück Nummer eins.“
„Und Beweisstück Nummer 2?“
„Wird dir nicht gefallen.“, murmelt Shinji und setzt sich etwas aufrechter hin.
„Kennst du einen gewissen Yasushi? Seine Eltern haben einen Haushaltswarenladen in der Nähe von Kaiyas Wohnung.“
„Klar, er geht mit Kaiya in eine Klasse. Wieso? Und woher weißt du so viel über ihn?“
Shinji seufzt.
„Ein Bekannter von mir hat eine Cousine, die in der gleichen Stadt wohnt wie Kaiya. Sie arbeitet zufälligerweise in eben diesem Haushaltswarenladen und hat beobachtet, dass Kaiya öfters zu Besuch gekommen ist. Anfangs hat sie diesem Yasushi noch die Ausrede mit den Nachhilfestunden geglaubt aber das Lager liegt genau neben der Privatwohnung der Besitzerfamilie und die beiden sind bei ihren 'Nachhilfestunden' sehr laut. Wenn du verstehst, was ich meine.“
Susa starrt regungslos in die Nacht.
Shinji kann sich nicht vorstellen, was in ihm vorgeht. Ist er wütend? Verzweifelt? Streitet er es rundheraus ab und sucht nach Punkten, die ihre Geschichte entkräften könnten?
„Aber warum hat sie mir das nicht einfach gesagt?“, fragt er sie schließlich mit schwacher Stimme.
„Was meinst du?“
„Warum hat sie mir nicht einfach gesagt, dass es jemand anderen gibt? Warum lügt sie so? Wenn sie ihn mehr liebt als mich, dann kann sie doch einfach Schluss machen und uns dieses Chaos ersparen. Sie hat mich dieses Wochenende noch mal dazu ermuntert, mich auch ja an der gleichen Uni einzuschreiben wie sie. Warum macht sie so etwas?“
„Manche Leute kriegen den Hals nicht voll. Sie wollen alles zugleich haben. Den Sex und die nette Beziehung. Die Freundin und die Liebhaberin.“
Bei ihren letzten Worten dreht sich Susa verwirrt zu ihr um und mustert sie.
„Das klingt, als kennst du die Situation.“
Shinji will gerade abstreiten, als beim Nachbarhaus ein Fenster aufgerissen wird.
Eine Jungenstimme brüllt zu ihnen herüber: „Hey! Nicht das Kondom vergessen!“
Shinji springt auf wie von der Tarantel gestochen. „Keine Sorge! Wir sind nicht so dämlich wie du, Haizaki!“
„Schlampe!“, brüllt er zurück und knallt sein Fenster zu, bevor sie ihm etwas erwidern kann.
„Das hat meine Frage wohl beantwortet.“, kommentiert Susa verblüfft und Shinji schnaubt.
„Das ist nur Haizaki und der ist ein Idiot. Ignorier ihn einfach.“
„Willst du vielleicht erzählen? Ich hör auch gerne zu.“
Shinji wirft ihm einen Blick zu, dann seufzt sie.
„Aber ein blöder Spruch und ich werf dich von meiner Bank. Ist das klar?“
„Wie Kloßbrühe.“

- - -

Kahoko ist schnell mit Aufräumen fertig. Viel muss sie ja eigentlich nicht tun, nur Lesezeichen in alle Bücher tun, sie zuklappen und schön ordentlich zu mehreren gleich großen Türmen aufstapeln.
Als das geschafft ist, schleicht sie sich aus dem Zimmer und die Treppe runter. Sie setzt sich auf eine der Stufen.
Sehen kann sie die beiden kaum, nur eine undeutliche Spiegelung ihrer Gesichter im polierten Glas der Mikrowelle. Aber von hier aus wird sie auch nicht so schnell entdeckt. Einziger Minuspunkt: Die beiden reden so leise, dass sie kaum etwas verstehen kann. Nur hier und da ein gemurmeltes Wort, dass aus dem Zusammenhang gerissen so gar keinen Sinn ergibt.
„Kahoko...“, hört sie da plötzlich Imayoshi-san sagen, „Warum kommst du nicht einfach zu uns? Dein Kakao wird noch kalt.“
Sie knirscht mit den Zähnen und folgt seiner Aufforderung, bemüht, nicht so verlegen auszusehen, wie sie sich fühlt.
Shoichi lächelt sie an und schiebt ihr eine Tasse hin.
Kahoko nimmt einen großen Schluck und verbrennt sich prompt die Zunge.
„Tja...“, entgegnet Imayoshi-san und nimmt sich einen der bereitgestellten Kekse, als spielten sie eine Familie aus der Fernsehwerbung, „Geduld zahlt sich aus, Kahoko. Vor allem verbrennt man sich dann weniger die Zunge.“
„Oder...“, entgegnet sie hitzköpfig, „Man zieht einfach stur sein Ding durch und kommt trotzdem ans Ziel.“
Er hebt fragend eine Augenbraue, während sie ihre Tasse nimmt und den heißen Kakao in einem Zug leert. Ihr Mund fühlt sich jetzt ganz taub an, aber das ist ihr das Erstaunen in den Augen der zwei Jungen wert.
„Shoichi… Wollen wir einen Spaziergang machen?“
„Ähm… sicher...“, er steht auf und bringt ihre Tassen zur Spüle.
„Wir sind nicht zu lange weg.“, erklärt er seinem Vater, der nur abwinkt.
„Lasst euch Zeit, ist ja nicht so, als würde ich auf euch warten.“

- - -

Erst schlendern sie gemächlich die Straße entlang, dann nimmt sie seine Hand und zieht ihn mit sich, immer schneller laufend.
Irgendwann rennen sie die Straße entlang und halten erst an, als sie keine Luft mehr bekommen.
„Was sollte das denn?“, fragt Shoichi und muss sich an einen Laternenmast lehnen, weil seine Knie von dem Sprint noch zittern.
„Das macht den Kopf frei.“, grinst Kahoko zwischen zwei hastigen Atemzügen, „Außerdem kommen wir so schneller vorwärts.“
„Und wo wolltest du hin?“
„Oh, ich hatte kein Ziel. Aber schau mal, was wir gefunden haben!“, Kahoko deutet ihm, sich umzudrehen.
Hinter ihnen öffnen sich die engen Häuserreihen zu einem Park und zwischen den hintersten Bäumen kann man die Lichterketten eines Marktes erkennen.
„Sollen wir außen rum?“, fragt Shoichi mitfühlend, „Im Park sind keine Lampen.“
„Ach...“, Kahoko winkt ab, „Ich hab dich, dann krieg ich das schon hin.“
Sie tut, als wäre es nichts, zwingt sie beide dazu, den Park ganz langsam zu durchqueren, aber ihm kann sie nichts vormachen.
Vor allem, weil sie seine Hand so fest umklammert, dass er kaum noch seine Finger spürt.
Schließlich erreichen sie den Markt und Kahoko entspannt sich etwas. Nur um ihn hastig hinter eine der letzten Tannen zu ziehen.
„Schau mal!“, wispert sie und deutet zu einem Paar, dass gerade wieder in Richtung Ausgang schlendert.
Das Mädchen ist ein gutes Stück kleiner als der Junge und ohne Kahokos gutes Auge hätte Imayoshi sie vielleicht gar nicht mehr bemerkt, denn mit den dicken Jacken und den wolligen Mützen über den verräterischen Haaren wirken sie wie jedes andere Paar auch.
Es sind Kagami und Megumi, die da Arm in Arm dahin schlendern.
„Oh wie süß.“, murmelt Kahoko, „Schau mal, er hat ihr ein Plüschtier geschenkt.“
„Das ist ein riesiger, fetter Panda.“, schnaubt Shoichi, „Sie muss Angst haben, dass das Vieh sie im Schlaf nicht erdrückt.“
„Aber es ist ein Plüschpanda von Taiga. Weißt du, wie schwer es ist, diesem Jungen romantische Anwandlungen zu entlocken?“
„Nein, weiß ich nicht und ich hatte gehofft, du auch nicht.“, erklärt Shoichi spitz und Kahoko boxt ihm zur Strafe gegen die Schulter.
„Taiga ist für mich ungefähr so attraktiv wie Haruka für dich, okay? Wir sind wie Geschwister.“
„Das weiß ich. Ich hör nur gerne, wie du mir erklärst, wie wichtig ich dir bin.“
Dafür wird er nochmal gegen die Schulter geboxt.
„Komm jetzt...“, Shoichi nimmt ihre Hand, „Bevor ich noch mein Schultergelenk verliere, erkunden wir lieber mal diesen Markt.“

Und der Markt ist das Erkunden wirklich wert.
Sie müssen zwar noch zwei weiteren Pärchen aus dem Weg gehen – Tsunako und Reo nutzen wirklich aus, dass das Rakuzan Team bis auf weiteres in Tokyo „festsitzt“ und Michirou und Wakamatsu stehen an einem Stand mit Gemüsesaft wie fest zementiert – aber das kann ihre Entdeckerlaune nicht trüben.
„Oh, schau mal.“, Kahoko hebt ihren Becher mit Apfelpunsch, um auf einen Stand in der Nähe zu deuten, „Das sieht mir nach einer Wahrsagerin aus.“
„Du willst doch nicht wirklich Geld für so einen Schwachsinn ausgeben, oder?“, fragt Shoichi fassungslos und Kahoko lacht über seine Mine.
„Nein, wo denkst du hin? Aber in Amerika hab ich mal eine Buchreihe gesehen, wo jedes Sternzeichen einzeln behandelt wird. Leider war Krebs schon ausverkauft, aber wenn die Frau etwas derartiges auf Lager hat, wäre es das perfekte Geschenk für Shin-Shin.“
„Ich werde nie verstehen, was manche Menschen an so etwas finden.“
„Musst du auch nicht. Manchmal muss man solche Vorlieben einfach akzeptieren und fertig.“
Kahoko hüpft regelrecht zu dem Stand. Shoichi folgt ihr so langsam, dass sie das Buch bereits bezahlt und eingepackt hat, als er neben ihr auftaucht.
„Hast dir ja richtig Zeit gelassen.“, spottet Kahoko, aber er kommt um eine Antwort herum, als sie einen ganz bestimmten Stand entdeckt.
„Da! Da will ich hin!“
Sie zieht ihn mit sich, bevor er überhaupt weiß, wo es hin geht.
Schon stehen sie vor einer Auslage der verschiedensten Plüschtiere und anderen Geschenke.
„Hier hat Taiga den Panda her.“, stellt Shoichi fest und mustert die Anlage, mit der man die Plüschtiere gewinnen kann.
Man muss einfach nur kleine Bälle durch einen Miniatur-Basketballkorb werfen. Tss… sowas leichtes.
„Die sind alle so toll!“, erklärt Kahoko mit der Begeisterung einer fünf Jährigen.
„Welches gefällt dir am besten?“, fragt Shoichi und tritt neben sie.
„Ich kann mich nicht entscheiden!“, Kahoko seufzt und lässt ihren Blick über all die Tiere wandern.
Es gibt Teddybären in allen Formen und Farben, Katzen, Hunde und Hasen, aber auch so ausgefallene Tiere wie Stachelschweine, Seepferdchen und Totenkopfäffchen.
„Das da bist du!“, Kahoko zeigt auf einen kugelrunden Igel, „Du tust ganz stachelig, aber eigentlich bist du knuffig.“
„Und fett auch noch, oder was?“, spottet er und Kahoko boxt ihm schon wieder auf den Arm.
„Nicht fett, du hast nur einen Basketball verschluckt.“
„Du hast Ideen… Dann bist du aber das Totenkopfäffchen. Genauso frech und verspielt.“
„Das nehm ich als Kompliment, das weißt du hoffentlich. Los, treten wir gegeneinander an!“
Sie zieht ihn zu der kleinen Theke, wo ein Mann schon freundlich lächelnd auf sie wartet.
Das Spiel endet unentschieden, aber mit einer beeindruckenden Punkteanzahl.
„Donnerwetter.“, erklärt der Inhaber, „Ihr könnt euch gleich zweimal den Hauptpreis holen, diesen wunderschönen großen Panda!“
Shoichi verzieht das Gesicht und Kahoko ergreift ihm zuliebe die Initiative.
„Nein danke, wir hätten gerne das Totenkopfäffchen und den fetten Igel.“
„Oh...“, der Mann rechnet nach, „Dann habt ihr aber immer noch genug Punkte für den Riesenpanda.“
„Das macht nichts. Geben sie die Punkte einfach an das nächste Kind weiter, dass hier vorbei kommt und ihn gerne hätte. Okay?“
„Natürlich, gerne! Ihr seid ein echt süßes Paar! Habt noch einen schönen Abend!“, er händigt ihnen ihre Plüschtiere aus und Kahoko lässt sich bereitwillig von Shoichi weiter ziehen.
Sie grinst über beide Backen und er verkneift sich das bissige Kommentar, dass ihm auf der Zunge gelegen hat.
Manchmal, denkt er, ist es auch okay, wenn wir süß sind… Es muss ja nicht immer sein.

- - -

Sie spazieren weiter. Nach kurzer Zeit übernimmt Kahoko wieder die Führung und drückt ihm dafür das Totenkopfäffchen in die Hand.
„Du kriegst mich und ich krieg dich. Das ist nur fair.“
„Von mir aus. Aber wohin willst du denn jetzt schon wieder?“
„Wirst du schon sehen.“
„Hauptsache wir verlaufen uns nicht.“, murmelt er, lässt sich aber mitziehen. Kahoko kann da sehr überzeugend sein.

Ihr Ziel ist ein Spielplatz. Genauer gesagt, eine einzelne, große Schaukel, in die man sich hineinlegen kann.
Über ihnen ist der Himmel klar und sogar ein paar Sterne sind zu erkennen. Sie müssen etwas weiter draußen am Stadtrand angelangt sein.
„Hast du diesen Platz auch durch Zufall gefunden?“, fragt Shoichi, während er den Igel wie ein Kissen unter ihre Köpfe legt.
„Nein. Wir haben hier in der Nähe gewohnt.“
Sie machen es sich gemütlich und schweigen, als bräuchten sie keine Worte auszusprechen, um miteinander reden zu können.

Shoichi ist es sschließlich, der das Schweigen bricht.
„Wir sollten langsam zurück. Morgen ist Schule und ich möchte dich sicher nach Hause bringen.“
„Können wir nicht noch ein bisschen daliegen und reden?“, fragt Kahoko zurück.
Er seufzt. „Ich würde gerne, aber ich will nicht, dass du morgen in der Schule nichts mitkriegst und im Training eine schwache Leistung zeigst.“
Kahoko seufzt nun ebenfalls, schwingt aber die Beine aus der Schaukel.
„Manchmal ist es schon doof, dass du so verantwortungsbewusst bist.“
„Komm schon...“, er umrundet die Schaukel und nimmt ihre Hand, „Bevor du noch auf dumme Ideen kommst.“

Sie schlendern die Straße hinunter, nicht annähernd so schnell, wie sie vielleicht sollten.
„Sag mal...“, murmelt Kahoko irgendwann, „Was beinhaltet dein zehn-Jahres-Plan für uns beide eigentlich.“
Shoichi wirft ihr einen vielsagenden Blick zu. „Das verrate ich dir nicht.“
„Was?“, sie lacht ungläubig, „Das meinst du doch jetzt nicht ernst! Dieser Plan betrifft mich doch, also geht es mich auch was an!“
„Kahoko...“, er versucht es mit einer strengen Stimme, gibt es aber fast sofort auf, „Du bist viel zu spontan, du würdest dich von solchen Plänen nur eingeengt fühlen.“
„Okay...“, gibt sie zu seiner Überraschung zu, „Das stimmt vermutlich sogar. Aber dann verrat mir ein paar der Dinge, die du eingeplant hast. Was willst du denn zum Beispiel studieren? Was denkst du, was ich studieren werde? Ich verspreche auch, nicht zu lachen, selbst wenn ich es seltsam finde.“

„Mein Vater hätte gerne, dass ich was aus mir mache.“, murmelt Shoichi, nachdem sie eine ganze Wohnstraße schweigend durchquert haben. Obwohl er ganz leise spricht, geht die Wirkung seiner Worte doch nicht verloren.
„Arzt, wie meine Mutter oder Psychiater, wie er. Was ja auch wieder ein Medizinstudium voraussetzt. Oder ich gehe in die Forschung, vielleicht auch in die Politik, aber er hasst die Politik, also das eher nicht.“
„Und was willst du?“
„Ich bin mir nicht sicher. Also… ich habe nachgedacht, welche Hauptfächer mir ein kurzes Studium und ein gutes Gehalt ermöglichen. Irgendwas in der Wirtschaft zum Beispiel. Und wenn ich auf das Basketballstipendium pfeife, kann ich sogar die Ausbildung zum Psychiater in Rekordzeit schaffen.“
„Kannst du dir nicht Zeit lassen?“, fragt Kahoko und spürt, wie er seine Finger anspannt, ihre Hand noch ein wenig fester umgreift.
„Schon, ja, nur… in zwei Jahren hast du deinen Abschluss. Dann bist du 18 und ich bin 21. Wenn du deinen Körper bis dahin nicht überstrapazierst, kannst du ein Sportstipendium kriegen und Sport studieren. Etwas anderes kann ich mir bei dir nämlich nicht vorstellen, selbst wenn du nicht mehr aktiv spielen könntest.“
„Und?“
Er zögert.
„Erzähl es mir.“, wispert sie und fährt mit dem Daumen über seinen Wangenknochen, als lägen darunter all die Geheimnisse versteckt, die er schon seit Jahren aufbewahrt.
„Ein Sportstudium dauert nur sechs Semester. Das sind nur drei Jahre. Wenn du deinen Abschluss hast und du als Spielerin ausgewählt wirst, dann ist das eine Sache, aber wenn nicht… es ist nur… du hast gefragt...“, bricht er seinen Satz ab.
Kahoko fällt das Atmen schwer.
„Die nächsten zehn Jahre...“, murmelt sie, „Du willst mir etwas bieten, wenn ich die Uni abgeschlossen habe.“
„Dann bist du 21. Und ich 24. Natürlich gibt es Dinge, die ich nicht einplanen kann. Vielleicht sind wir dann nicht mehr zusammen. Vielleicht aber doch...“
„Du planst.“, Kahoko lächelt ihn an, „Und ich bin spontan. Das sind unsere Rollen. Und ich sage dir, dass wir das hinkriegen werden, selbst wenn du mit 24 nicht so viel Geld auf der Seite hast, wie du es gerne hättest. Ob ich nun aktiv spielen werde oder nicht. Vielleicht werd ich auch Lehrerin, wer weiß das schon. Denk doch mal daran, was du gerne machen würdest. Was du dir vorstellen kannst, für die nächsten Jahre und zwar nicht nur zehn, sondern viel länger.“
Ihr Lächeln wirkt ansteckend auf ihn. Er küsst sie, ganz kurz, wie um sich Mut zu holen.
„Ich will weiter spielen. Weiter am Anfang und am Ende eines Spieles auf dem Feld stehen, ob als Captain, Spieler oder Coach. Ich will – und das verrate niemals irgend jemandem – ich will weiter Reden halten und sehen, wie ermunternd meine Spieler dann sind. Das ist auch Psychologie und sie fühlt sich so viel besser an.“
„Dann mach das. Mach das und ich halte dir den Rücken frei. Und du mir.“
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