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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
24
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14.12.2016 3.108
 

Während die Basketballteams des Winter Cups sich an diesem Morgen in Sakuras Tanzstudio einfinden, schließt Imayoshi die Haustür hinter sich.
Es ist eiskalt und wenn er sich nicht mit Susa zum Lernen verabredet hätte, hätten ihn keine zehn Pferde aus dem Haus gekriegt.
Immerhin kann er darauf zählen, dass Susa sicher kommen wird. Er war zwar Samstag und Sonntag bei Kaiya und so mancher nutzt den Feiertag dazu, einfach mal nichts zu tun, aber Susa ist verlässlich. War er immer schon.
Er entscheidet sich dagegen, den Bus zu nehmen. Das Laufen wird ihm gut tun, jetzt, wo er nicht mehr täglich zum Basketballtraining muss.
An einer Straßenkreuzung zieht er dennoch sein Handy aus der Tasche und schreibt an Kahoko. Sie wird die Nachricht vermutlich erst mittags lesen können, wenn überhaupt, aber das ist ihm egal.
Es geht ihm sowieso ein wenig auf die Nerven, dass sie ausgerechnet in dem Jahr, in dem er vorzeitig austritt, den Winterball veranstalten.
Da hat er mal eine Freundin, die auch noch einen Auftritt hinlegen wird und er kann nicht dabei sein.

Shoichi an Kaho-chan
Du hast nicht zufällig eine zweite Winterjacke, die du an mich abtreten würdest? Ich mag deine überlangen Ärmel…
Viel Glück übrigens bei deinem Tanz. Du wirfst sie sicher alle um.

Er hat gerade die Straße überquert, als sein Handy vibriert. Überrascht zieht er es aus der Tasche.

Kaho-chan
Ob wegen meines Auftritts oder meiner listigen Beintechnik, umfallen werden sie vermutlich alle.
Ich kann ja mal Shintarou fragen, der hat die gleiche Größe. Aber seine Jacke riecht nicht nach mir, leider.
Bis später, lieb dich

Er errötet ein wenig, als er ihre Verabschiedung liest und richtet den Blick für die nächsten Meter vorsichtshalber auf den Boden.
Irgendwie hat sich das ganz unauffällig eingeschlichen, ihre Liebesbekundungen. Nicht, dass sie ihm nicht gefallen würden. Sie sind nur etwas… überwältigend. Und das kommt ausgerechnet von ihm, den nichts überraschen kann.

- - -

Susa kommt tatsächlich zu spät.
Zwar nur zehn Minuten, aber es passt nicht zu ihm. Und dann entschuldigt er sich nicht mal, setzt sich nur mit einem knappen Nicken hin und nimmt einen Stapel Bücher aus der Tasche. Er schlägt das erste auf und fängt an zu lesen, als wäre nichts.
Shoichi starrt ihn eine geschlagene Minute an, aber Susa ignoriert es gekonnt.
Schließlich vertagt er die Konfrontation auf später. Das heißt nicht, dass er aufgibt. So etwas würde er nie tun. Aber er will sich auch nicht gerade mitten in einer Bibliohek streiten, morgens um kurz nach neun Uhr.

Susa schweigt. Den ganzen Vormittag lang.
Vermutlich haben sie beide bei keinem ihrer Lerntreffen je so viel gelernt wie an diesem schweigsamen Vormittag.
Shoichi löst Mathematikaufgaben, bis sie ihm zu den Ohren rauskommen, schreibt einen Aufsatz, der erst in zwei Wochen fällig ist und fertigt ein Kanji-Übungsblatt für Kahoko an und es ist immer noch nicht Zeit für ihre Mittagspause.
Schließlich, als ihm bereits der Magen knurrt und er kurz davor ist, Susa einfach eine SMS zu schicken – selbst Kahoko hatte schon etwas zu essen und ganz offensichtlich macht ihre Mutter gerade auf Sklaventreiber – klappt Susa sein Buch zu und steckt es in seine Tasche.
„Also...“, bricht Shoichi das Schweigen.
„Wollen wir etwas essen gehen?“, Susa klingt wie immer. Aber seine Augen wandern unruhig durch den Raum.
„Ich dachte schon, du fragst nie...“, versucht sein Freund es mit einem Scherz. Keiner der beiden lacht, aber sie nehmen ihre Sachen und verlassen die Bibliothek.

Es ist eine heikle Situation. Shoichi kann nur vermuten, dass diese plötzliche Veränderung mit Kaiya zu tun hat. Ihre Enthüllung muss ein großer Schock gewesen sein und jeder geht anders mit so etwas um.
Ich will gar nicht daran denken, wie es mir an Susas Stelle gehen würde. Natürlich müsste man dabei Kaiya mit Kahoko ersetzen und mit einberechnen, dass ich es vermutlich noch vor Kahoko merken würde, wenn jemand an ihr Interesse hätte oder gar umgekehrt…
Aber trotzdem… Ich werde sie wohl schwören lassen müssen, dass sie mich nie betrügen wird.

„Wie geht es Kahoko beim Tanzunterricht?“, bringt Susa ihr Gespräch auf weniger schwierige Themen.
Shoichi lächelt ihn dafür sogar an.
„Ganz gut, wie es scheint. Sie hat sich zwar beschwert, dass sie bereits mit Hanamiya tanzen musste, aber anscheinend hat sie ihm dabei beinahe die Hose zerrissen und deshalb musste Hanamiya mit Akashi tanzen. Sie kann ziemlich schadenfroh sein.“
„Da passt ihr wohl zusammen.“, meint Susa lapidar und Shoichi hebt spöttisch eine Augenbraue.
„Ach, findest du?“
Sie essen wieder in Schweigen, aber das ist nichts ungewöhnliches.
Shoichi wartet, bis sie aufbrechen, bevor er das leidige Thema anspricht.
Genauer gesagt wartet er, bis sie auf dem Weg zur Bibliothek die Abkürzung durch den Park nehmen.
„Also...“, er bleibt stehen und dreht sich zu Susa, „Reden wir darüber?“
„Über was?“, fragt Susa und da liegt eine Herausforderung in seiner Stimme.
„Oh ich denke, du weißt, worum es geht.“
„Wirklich?“, spottet Susa, „Ich weiß nur, dass es vieles gibt, dass ich nichts weiß. Vielleicht erzählst lieber erst du mir ein paar Dinge. Zum Beispiel, ob du mit Kaiya gesprochen hast. Und worüber.“
„Was hat sie dir denn erzählt?“, fragt Shoichi scharf zurück. Er ahnt Schlimmes.
„Was könnte sie mir denn erzählt haben?“, zum ersten Mal, seit sie sich kennen, nutzt Susa seine Körpergröße aus und baut sich vor Shoichi auf.
„Soll mir das etwa Angst machen?“, fragt der spottend zurück, „Ich weiß nicht, was Kaiya dir erzählt hat. Aber da du ja so scharf darauf bist, die Wahrheit zu erfahren. Sie betrügt dich. Also habe ich sie angerufen und ihr gesagt, dass sie mit dir reinen Tisch machen soll, sonst würde ich das tun. Ich kenne dich. Du würdest ihr alles verzeihen, solange sie nur ehrlich ist und es bereut.“
"Du kennst mich? Mag sein, aber ich kenne dich auch. Du hättest jedenfalls keine Bedenken, mich einfach anzulügen."
"Also glaubst du lieber Kaiya, als mir?"
Susa zögert. Er ist wütend, fühlt sich angegriffen, aber er ist sich einfach immer noch nicht sicher.
"Ich weiß es nicht.", gibt er zu, "Was sie sagt, macht nicht viel Sinn, aber sie hat bis vor kurzem nie gelogen. Und du ständig."
Shoichi mustert ihn ruhig. "Was sagt sie denn?"
Susas Schultern sinken nach unten. "Dass du sie erpresst. Sie hat auf deine Annäherungsversuche negativ reagiert und du erpresst sie, damit sie mir nichts davon sagt."
Shoichi blinzelt und schweigt.
"Also... ich... es macht eigentlich keinen Sinn, weil du Kaiya nie wirklich mochtest, aber du tust sonst immer genau das, was andere nicht wollen. Und du hast dich verändert. Aber ich meine... du und Kahoko... ich weiß nicht, wie glücklich ihrmiteinander seid und was da zwischen euch genau läuft, also habe ich Shinji gefragt."
"Und was hat sie gesagt?", Shoichis Stimme ist kalt und schneidend.
"Dass du nur Augen für Kahoko hast... Aber Shinji ist Shinji und wenn du es mir sagen würdest, wäre ich beruhigter."
Shoichi schweigt lange, ignoriert den beinahe flehenden Unterton in Susas Stimme.
Als er spricht, ist seine Stimme fest.
"Wir kennen uns seit dem Kindergarten. Wie lange kennst du Kaiya? Drei Jahre. Und wie gut kennst du sie? Die Frage kannst du dir selbst beantworten. Die einzige Person, der ich erklären müsste, wie ich Kahoko gegenüber fühle, ist Kahoko selber."
"Shoichi!", unterbricht Susa ihn beinahe verzweifelt, "Hilf mir doch mal. Sei nicht so stolz! Ich versuche nur, einen Durchblick zu bekommen."
"Viel Glück damit.", erklärt Shoichi kalt, "Vielleicht bin ich stolz, aber du hast kein Rückgrat."
Er dreht sich um und marschiert davon und Susa bleibt stehen, wo er ist.

- - -

Kahoko starrt auf das Display ihres Handys. Sie hat zwei Nachrichten von Shoichi.

Shoichi
Ich hoffe, du verstehst das, aber ich möchte heute Abend lieber alleine sein.
Wünsche dir einen schönen Abend, erhol dich gut von all dem Getanze.

Shoichi
Habs mir anders überlegt. Kannst du vielleicht doch kommen?

Beide wurden lange vor Ende des Tanzkurses abgeschickt.
Kahoko seufzt und blickt zu Shintarou, der neben ihr an der Bushaltestelle sitzt.
"Ich wollte eigentlich heute Abend was mit dir machen...", fängt sie an.
"Aber?", fragt er zurück.
Sie hält ihm ihr Handy hin.
"Ich bin kein Kerl, aber für mich klingt das, als ginge es ihm nicht so gut."
Shintarou liest die Nachrichten mehrmals hintereinander.
"Also ich kenne Shoichi nicht so gut, aber wenn jemand erst alleine sein will und dann extra fragt, ob du kommen kannst, dann glaube ich schon, dass du recht hast."
Kahoko nickt und wirft ihm einen langen Blick zu.
Er nickt wortlos und schlingt einen Arm um ihre Schulter, als wolle er sie umarmen.
"Geh schon.", murmelt er ihr ins Ohr und Kahoko drückt ihm einen Schmatzer auf die Wange, bevor sie losrennt, an dem Bus vorbei, der gerade vor dem Häuschen hält.
Shintarou seufzt nur und steigt ein.
Immerhin, denkt er, unsere wortlosen Unterhaltungen werden immer besser.

Die Tür der Imayoshis ist verschlossen. Kahoko steckt die Hand in den Briefkasten, aber der Ersatzschlüssel ist nicht da. Seltsam.
Sie klingelt und kann Haruka hinter der Tür etwas brüllen hören. Das macht sie immer, wenn sie nicht zur Tür gehen will.
Kahoko will gerade ein zweites Mal klingeln, als sich die Tür öffnet und sie einem fremden Mann gegenüber steht. Er trägt eine Brille und sein rotbraunes Haar wird an den Schläfen bereits leicht grau.
"Äh...", macht Kahoko wenig hilfreich zur Begrüßung.
"Bist du wegen Shoichi hier?", fragt ihr Gegenüber knapp und Kahoko nickt hastig.
"Dann solltest du vielleicht lieber wieder gehen.", er will die Tür schließen, aber Kahoko stellt blitzschnell den Fuß dazwischen und stemmt sich dagegen.
"Moment!", er öffnet die Tür wieder ein wenig, um sie fragend zu mustern, "Er will, dass ich komme, er hat mir eine SMS geschrieben."
"Tatsächlich?", er mustert sie skeptisch und streckt die Hand aus, "Ich hätte gerne einen Beweis."
"Sie sind sein Vater, nicht wahr?", fragt Kahoko übellaunig und drückt ihm ihr Handy in die Hand.
"Die Ähnlichkeit ist verblüffend, ich weiß.", spottet er und geht ihre Nachrichten durch.
"Wer ist denn bitte Kazunari und warum bekommst du Nachrichten über deinen... und seine Hintern?"
"Hey!", Kahoko versucht ihm das Handy wieder zu entreißen, aber er springt blitzschnell außer Reichweite ihrer Arme. Dadurch wird die Tür aber frei und Kahoko schlüpft ins Haus, bevor er es ihr verweigern kann.
"Geben sie mir mein Handy zurück, das geht sie gar nichts an."
"Oh doch, Ehebruch wird in dieser Familie gar nicht gerne gesehen.", er versteckt das Handy hinter seinem Rücken und mustert sie scharf, "Betrügst du meinen Sohn?"
Kahoko steht da wie bestellt und nicht abgeholt.
"Das... also das würde ich nie tun!", ereifert sie sich, "Ich liebe ihn!"
Imayoshi-san erstarrt in der Bewegung und mustert sie verblüfft.
"Also mit so einem Gefühlsausbruch habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Du solltest wohl an deiner Impulskontrolle arbeiten."
"Das tue ich bereits.", mault Kahoko, "Und an meinem Jähzorn und meinem ambivalenten Verhalten, Herr Psychologe."
"Oh, da kennt sich aber jemand aus.", er grinst breit und hält ihr das Handy entgegen, "Eine Frage noch, dann darfst du gehen."
Sie nimmt das Handy. "Und die wäre?"
"Bist du der Grund, warum er heute Mittag stinksauer nach Hause gekommen ist und sich in seinem Zimmer verschanzt hat? Er spricht mit keinem und laut Haruka warst du beim letzten Mal der Grund dafür."
Kahoko seufzt. "Nein, diesmal bin ich wirklich nicht der Grund. Und wenn sie mich vorbei lassen, dann würde ich ihn gerne dazu bringen, die Tür aufzumachen."
"Du glaubst, du schaffst das?"
"Ist mir beim letzten Mal auch gelungen.", erklärt Kahoko lapidar, "Manchmal hilft es, wenn man impulsiv ist."
"Dann tu dein Bestes. Ich warte hier unten, falls du Hilfe oder ein Brecheisen brauchst."
"Ich brauche keine Hilfe.", Kahoko stolziert an ihm vorbei die Treppe hinauf.

"Shoichi? Ich bin's."
Kurze Stille, dann Schritte und die Tür öffnet sich.
Kahoko mustert ihn. Er sieht nicht verheult aus, aber das hat sie auch nicht erwartet.
Was sie ebenso wenig überrascht, ist das Durcheinander in seinem Zimmer. Auf Bett, Schreibtisch und sogar auf dem Boden liegen aufgeschlagene Bücher und an der Pinnwand neben seinem Schreibtisch Skizzen von Spielplänen, die vermutlich gar keine sind.
Er zieht sie ins Zimmer, schließt die Tür hinter ihr und dreht den Schlüssel zweimal herum.
Dann küsst er sie, als wäre er kurz vor dem Ertrinken und sie der Sauerstoff, den er zum Atmen braucht.



Kahoko hat Erfahrung damit, „stinksauer“ zu sein.
Nach der Warnung seines Vaters vorhin und den rätselhaften Nachrichten von Shoichi selbst, hat Kahoko so einiges erwartet.
Aber nicht das, was er tatsächlich tut.
Er löst sich ganz langsam von ihr und lächelt verschmitzt, als er bemerkt, welche Wirkung dieser Kuss auch auf sie hatte.
„So...“, murmelt er dann zufrieden gegen ihre Lippen, „Das war nötig. Jetzt kann ich mich besser konzentrieren.“
Kahoko hofft, dass sie nicht wie ein Fisch aussieht, wie sie da hilflos nach Worten sucht.
Schließlich kriegt sie einen zusammenhängenden Satz zusammen.

"Aber... Aber dein Vater hat gesagt, dass du... stinksauer wärst."
Shoichi lächelt amüsiert. "Und du hast erwartet, dass ich deswegen in meinem Zimmer Amok laufe?"
Kahoko nickt verlegen. "Eigentlich schon. Stattdessen sieht es so aus, als würdest du ein wichtiges Spiel planen."
"Tue ich auch.", stimmt er ihr zu, nimmt ein Kissen vom Bett und legt es auf den Boden, "Setz dich, damit ich weiterplanen kann."
"Worum geht es denn?", fragt Kahoko und lässt sich im Schneidersitz auf dem Kissen nieder, während Shoichi zielstrebig nach einem ganz bestimmten Buch greift und darin blättert.
Er versucht sie zu ignorieren, aber die Frage hängt im Raum.
"Um Kaiya...", gibt er schließlich zu.
"Wer?", Kahoko blickt ihn verständnislos an, dann sieht er, wie sich die Rädchen hinter ihrer Stirn zu drehen beginnen, "Oh, Moment, warte, das ist doch... Susas Freundin, oder?"
"Richtig."
"Was hat sie angestellt?"
Wieder dieses lange Zögern von ihm, aber schließlich dreht er sich zu ihr um, seufzt und beginnt zu erzählen.
Er beendet die Geschichte mit seiner Heimkehr vom Park und deutet auf die Bücher um sich herum. "Und deshalb plane ich jetzt. Was zu tun ist."
Kahoko verschränkt die Arme. "Ich könnte sie verprügeln. Also beide."
Shoichi schüttelt lachend den Kopf. "Wolltest du nicht der Gewalt abschwören?"
"Ja, schon, aber für dich würde ich meinen Vorsatz noch brechen."
"Das ist lieb von dir, aber ich verzichte."
"Was beinhaltet denn dein Plan?", fragt Kahoko und steht wieder auf. Sie mustert die Spielpläne an der Wand und tritt dann zu ihm an den Schreibtisch, um ihm über die Schulter zu sehen.
Er wartet gespannt darauf, ob sie auch nur eines seiner Zeichen entziffern kann.
Zu seiner Überraschung tippt sie mit dem Zeigefinger auf die Pläne und erklärt: "Ich kann zwar nicht sagen, wen dieses Zeichen darstellen soll, aber du beschreibst da ein paar Spielzüge, mit denen ich ganz und gar nicht einverstanden bin."
"Du musst auch nicht einverstanden sein. Du wirst gar nicht in diesen Plan verwickelt werden."
"Er stammt von dir und du spielst darin eine wichtige Rolle. Mehr verwickelt kann ich kaum sein."
Er hält lange - und stur - den Blickkontakt aufrecht. Schließlich bricht er das Schweigen, weil man von einem Starrwettbewerb keine Lösung erwarten kann.
"Ich werde sicher nicht darauf verzichten, Kaiya eine Lektion zu erteilen."
"Aber so?“, sie zeigt auf den Plan, „Geht das nicht anders?“
„Ich verprügle sie wenigstens nicht.“, entgegnet er scharf und sie schweigt.
„Tut mir leid.“, er legt eine Hand auf ihre Schulter und sie nickt zum Zeichen, dass sie es ihm nicht übel nimmt, „Es ist nur… Sie lügt und betrügt und ich kann ihr das nicht einfach durchgehen lassen.“
„Du bist aber nicht dafür zuständig, dass jeder seine gerechte Strafe bekommt. Du bist ja kein Gott oder ein Richter des guten Benehmens...“
„Das weiß ich ja!“, erklärt er und Kahoko lächelt.
„Aber du verhältst dich, als wärst du es… Was wäre denn, wenn es umgekehrt wäre. Wenn Wakamatsu oder… Gott bewahre, Kagami… so etwas tun würde.“
„Das kann man nicht vergleichen, die Parameter wären ganz anders. Du bist mit Michirou nicht so eng befreundet wie ich mit Susa und Kagami ist wohl nicht zu so einer durchdachten Bosheit wie Kaiya im Stande.“
„Du denkst zu viel.“, spottet Kahoko liebevoll und boxt ihm leicht gegen den Arm, „Aber im Ernst… Sie wird nicht ewig mit so etwas durchkommen. Und du hast gesagt, dass Susa zweifelt. Ja, auch an dir, aber vor allem auch an Kaiya. Geh zu ihm, rede mit ihm. Zeig ihm, dass dir eure Freundschaft wichtiger ist als eine Lügnerin.“
„Seit wann bist du so weise?“, fragt er zweifelnd und Kahoko zuckt verlegen mit den Schultern.
„Na ja, ich hab in letzter Zeit öfter mit Natasha geschrieben. Das hilft mir, bei dem ganzen Druck nicht den Kopf zu verlieren.“
„Find ich gut. Aber ich will wirklich nicht der sein, der nachgibt. Als erster auch noch. Muss das sein? Er hat doch angefangen.“
„Du klingst wie ein kleines Kind.“, gibt Kahoko zurück, „Kämpf gegen deinen Stolz an und mach den ersten Schritt.“
„Aber nicht heute.“, erklärt Shoichi trotzig, „Heute machen wir irgendwas anderes.“
Kahoko schmunzelt. „Von mir aus... Wie wäre es, wenn du runter gehst und uns Kaffee machst, während ich dir einen Gefallen tue und dein Chaos hier oben aufräume? Du solltest nämlich dringend deinem Vater erklären, dass ich nicht Schuld an deinem heutigen Verhalten bin und du dich demnächst auch nicht aus dem Fenster werfen wirst… oder etwas Ähnliches...“
Shoichi wirft mit einem entnervten Stöhnen den Kopf zurück. „Er hat dir aufgelauert, was? Was hat er gesagt?“
„Das fragst du ihn am besten selbst, aber nach der Susa-Sache von heute merk dir am besten, dass du anscheinend auch meiner Sicht der Dinge Gehör schenken solltest. Aber los jetzt, ich will meinen Kaffee!“
Sie zieht ihn vom Stuhl hoch und schiebt ihn nach einem Klaps auf dem Hintern zur Tür.
„Kaffee ist dir immer noch verboten. Du kriegst einen Kakao.“
„Ugh! Wenn's sein muss!“

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