Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
23
Alle Kapitel
100 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
11.12.2016 3.131
 
Sakura tritt vor und macht wieder auf sich aufmerksam. „In Ordnung, wir werden jetzt noch ein paar Lieder durchtanzen, damit ihr ein Gefühl dafür bekommt. Ich gebe euch jetzt zehn Minuten Zeit, um einen Partner zu finden. Die Anfänger sollten sich an Leute halten, die schon etwas mehr Erfahrung haben, aber es ist nicht zwingend notwendig. Sollte ich mit eurer Wahl nicht zufrieden sein, werde ich sie ändern, aber ihr müsst es eine Stunde miteinander aushalten. In Ordnung? Dann los.“
Schon beginnt ein Gewusel wie in einem Bienenstock. Für manche ist die Entscheidung klar, andere suchen hektisch und wieder andere versuchen die Aufmerksamkeit ihres Schwarmes auf sich zu ziehen, um nicht selbst fragen zu müssen. Und dann ist da natürlich noch das kleine Grüppchen Mädchen, dass sich auf Kise stürzt und darum kämpft, von ihm ausgewählt zu werden.

Yoyuka tritt kurzentschlossen zu ihrem Bruder.
„Kotaru.“
Er blickt sie verdutzt an.
„Willst du etwa mit mir tanzen? Oooh, das ist so süß von dir!“, er streckt die Arme aus, um ihr in die Wangen zu kneifen, als sie ihm auch schon einen Schlag auf die Finger versetzt.
„Vergiss es. Ich will, dass du mit dem Smoothiemädchen tanzt.“
„Hä?“, kommt es intelligent von ihrem Bruder und Reo neben ihnen lacht amüsiert.
Yoyo stöhnt entnervt, packt den Kopf ihres Bruders und dreht ihn so, dass sein Blick einfach auf das schüchterne Mädchen fallen muss, dass ihr letztens den Smoothie gebracht hat.
„Frag sie. Sie ist nett und ich schulde ihr noch was.“
„Und warum hast du ihr nicht einfach meine Nummer gegeben?“, fragt Kotaru, aber seine Stimme verrät schon, dass er nicht ganz uninteressiert ist. Das Mädchen sieht aber auch süß aus mit den Sommersprossen und den geflochtenen Haaren.
„Weil sie nicht so eine ist. Sie ist nett. Ein bisschen schüchtern, aber sie hat was drauf. Also tanz mit ihr und rede ein bisschen mit ihr und dann schau selbst, was du da draus machst, ich misch mich sicher nicht ein.“
„Ja klar..“, schnaubt ihr älterer Bruder belustigt, zupft sein Oberteil gerade und hopst dann regelrecht zu ihr hinüber – anders kann man seinen Gehstil fast nicht beschreiben.
„Und mit wem tanzt du?“, fragt Reo neben ihr.
Yoyo öffnet den Mund, schließt ihn wieder und blickt ihn dann beinahe hoffnungsvoll an – so weit das mit ihren zusammengekniffenen Augen geht.
Reo schüttelt augenblicklich den Kopf und zeigt auf das Mädchen, dass neben ihm steht und Yoyo ständig übersieht.
„Hast du etwa Tsunako vergessen?“
„Mist.“, flucht Yoyo und Tsunako mustert sie erschrocken.
„Jetzt mach dir nicht ins Hemd. Ich hab dich nur übersehen, nicht vergessen. Ich will nichts von ihm. Ich hab nur keinen Bock jemandem erklären zu müssen, dass ich nichts von ihm will. Ich könnte mit Akashi tanzen. Und ihm nebenbei weh tun.“
Sie lacht teuflisch und Tsunako, die dadurch nicht gerade beruhigt wird, sieht sich genötigt, sie auf etwas aufmerksam zu machen.
„Hana-san redet gerade mit ihm, ich glaube, er wird wieder eingeteilt.“
Reo und Yoyo blicken hinüber und tatsächlich. Akashi und Sakura stehen nicht weit von ihnen und besprechen etwas. Er nickt, sie nickt und dann trennen sich ihre Wege. Sakura wendet sich an die nächsten unentschiedenen Tänzer und Akashi macht sich auf den Weg zu seiner Tanzpartnerin – oder seinem Tanzpartner.
„Mist...“, murmelt Yoyo, „Sie kommt immer näher und ich will nicht eingeteilt werden.“
„Moment. Ich habe eine Idee.“, Reo löst sich von Tsunako und eilt davon. Sekunden später kommt er mit einem älteren Jungen in der Rakuzan-Uniform zurück.
Sein Haar ist grau und sein Gesichtsausdruck wirkt so gelangweilt, wie Yoyo selten jemanden gesehen hat.
„Wir reden nicht miteinander...“, sind die ersten Worte des fremden Jungen an sie, „Du trittst mich nicht beim Tanzen und du berührst mich nicht mehr, als überhaupt notwendig und sobald der letzte Tanz vorbei ist, vergessen wir, dass das überhaupt stattgefunden hat.“
„Perfekt.“, Yoyo reicht ihm die Hand, um einzuschlagen. Sie will nicht einmal seinen Namen wissen. Der gehört zu den unnötigen Information.

-

Shintarou und Akemi bleiben steif nebeneinander stehen, als Sakura sie einander zuordnet. Sie wagen es fast nicht, einander anzusehen.
Sie hat bereits mitgekriegt, dass unter all den Schülern auch seine Freunde sind. Die Generation der Wunder.
Akemi hat die Kommentare darüber mitgekriegt, dass er den Eröffnungstanz mit seiner Schwester tanzen wird und obwohl die Kommentare über Kahokos Statur noch etwas fieser waren als über die Tatsache, dass Shintarou tanzen kann, weiß sie nun nicht, ob sie ihn ansprechen soll.
Kahoko hat ein dickes Fell und ein loses Mundwerk, die kann mit Spott umgehen. Wie ist das aber bei ihm?
Sie kann nur an ihren Tanz in der Sporthalle denken, wie sie ganz versunken getanzt haben und wie konzentriert er dabei war. Er musste kein einziges Mal auf seine Füße blicken und er ist auch nicht hundertmal aus dem Takt geraten wie ihre anderen Tanzpartner heute.
Tanzen kann er, so wie er Basketball spielen kann. Und jetzt verspotten ihn Leute deswegen.
Sie mustert ihn, seine steife Haltung und dann die umliegenden Paare, die alle darauf warten, dass die Musik beginnt. Manch einer wirft ihnen verstohlene Blicke zu.
Das auch noch, denkt Akemi niedergeschlagen, auf all den Spott, den er erleiden muss, weil die Leute nicht verstehen, dass auch Männer gut tanzen können dürfen, muss er natürlich noch mit der einzigen dicken Spielerin eingeteilt werden. Die denken sicher alle, dass ich ihn erdrücken werde.
„Akemi...“, murmelt Shintarou da neben ihr und sie zuckt ertappt zusammen.
„J-Ja?“
Er mustert sie lange, ohne ein Wort zu sprechen. Ihr wird langsam ganz mulmig zumute. Will er vielleicht, dass sie sich einen anderen Tanzpartner sucht? Sie würde vermutlich vor Scham sterben, wenn er das verlangen würde, aber sie könnte es verstehen.
„Ich bin froh, dass ich mit dir tanzen kann.“, murmelt er plötzlich so leise, dass es kein anderer hören kann, „Oha Asa hat berechnet, dass Krebs heute an zweiter Stelle steht und Stier an der Spitze. Uns beiden kann also nichts passieren.“
„Oh...“, macht Akemi verdattert. Damit hat sie nun gar nicht gerechnet.
„Ich… also… du… ich meine...“, stammelt sie und unterbricht sich erst, als Shintarou ein kleines rotes Säckchen aus seiner Tasche zieht und es ihr in die Hand drückt.
„Dein Glücksbringer für den heutigen Tag.“, erklärt er so knapp, dass es fast klingt, als wäre er wütend.
Aber sie kann sehen, dass seine Ohren knallrot angelaufen sind und ihr geht langsam auf, dass er nicht so ablehnend ist, wie alle denken. Nur verlegen. So wie sie.
Akemi dreht den kleinen Samtbeutel in ihren Händen. Darin ist ein kleiner Gegenstand und sie versucht den Knoten zu lösen, der den Beutel verschlossen hält.
„Nicht!“, wispert Shintarou hektisch und umfasst ihre Hand mit seiner, um sie zu stoppen. Er lässt augenblicklich wieder los und richtet mit roten Wangen seine Brille, als wäre nichts, aber nach einem Blick zu den umstehenden Leuten wispert er weiter.
„Mach es nicht auf. Das kannst du immer noch heute abend, aber Oha Asa sagt… also Oha Asa sagt, es soll eine Überraschung sein.“
Den letzten Teil stößt er ganz hastig hervor und Akemi mag kein Profi sein, wenn es darum geht, in anderen Leuten zu lesen, aber sie fragt sich, ob er das letzte vielleicht nur erfunden hat.
Trotzdem, welchen Grund hat sie, ihn anzuzweifeln? Sie steckt den Samtbeutel in die Seitentasche ihres Jäckchens und knöpft sie sorgfältig zu, damit der Beutel auch ja nicht verloren geht.
„Komm… stellen wir uns auf.“, fordert Shintarou sie auf.
Akemi nickt und ist zum ersten Mal erleichtert, einfach nur tanzen zu müssen. Das kriegt sie wenigstens noch hin.



Kahoko mustert Akashi argwöhnisch, als er sich einen Weg zu ihr bahnt. Er ist zwar recht klein für einen Jungen, aber alle machen bereitwillig für ihn Platz.
Schließlich bleibt er vor ihr stehen und reicht ihr mit einem Gesichtsausdruck, der leerer nicht sein könnte, die Hand.
„Wollen wir?“
„Wollen wir was?“, fragt Kahoko zurück.
Er zuckt nicht mal mit der Wimper. Heute hat er wohl noch sehr viel Selbstbeherrschung übrig. Und das nach dem Tanz mit Hanamiya... Respekt.
„Tanzen natürlich.“, erklärt er ruhig und sie mustert ihn verdattert, bevor sie sich auf die Zehenspitzen stellt um ihre Mutter zu finden.
„Das hat keinen Zweck.“, teilt er ihr mit einem blasierten Lächeln mit, „Deine Mutter hat mir mitgeteilt, dass ich als der talentierteste Tänzer hier der einzige sei, der dir noch etwas beibringen könnte, bevor es an die Einübung der Choreographien geht. Offensichtlich brauchst du noch ein paar Hilfen.“
„Shintarou ist besser.“, erklärt sie ihm mit zusammen gebissenen Zähnen und fügt sich ihrem Schicksal. Immerhin hat sie es ihrer Mutter versprochen.



Meij mustert Makoto kalt.
Sie hat protestiert und gewettert und sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, aber es war zwecklos. Hana-san hat sie gesehen, ihrem eigentlichen Tanzpartner – irgendeinem Kapitän aus Tokyo – mitgeteilt, dass er sich jemand anderen suchen müsse und sie zu an Makoto übergeben.
Es ist schwer zu sagen, ob ihre Tanzlehrerin ein Auge für den Konflikt hat, der zwischen ihnen steht oder einfach nur ein mieses Händchen dafür hat, Paare zusammen zu stellen.
Makoto erwidert ihren Blick so kalt und ausdruckslos, dass sie ihre Augen lieber wandern lässt. Wenn er wenigstens blöd grinsen würde, so wie damals, als sie wegen Imayoshi Probleme hatten und sie nur durch dieses Grinsen wusste, dass es eines seiner Spiele war. Sie haben damals öfter „Schluss gemacht“ und waren innerhalb kürzester Zeit wieder zusammen. Sie haben miteinander gespielt, mal gewonnen, mal verloren, aber immer wieder zueinander gefunden. Jetzt aber ist sein Gesicht leer und da ist kein dummes Grinsen und sie weiß nicht mal, was er sich überhaupt dabei gedacht hat. Dann könnte sie es wenigstens verstehen. Aber das kam einfach nur aus heiterem Himmel.
Und ich bin ganz sicher nicht besessen!
Sie erhascht einen Blick auf Kahoko, als die Musik beginnt und sich dutzende Pärchen im Takt dazu zu bewegen beginnen.
Kahokos Gesichtsausdruck heitert sie augenblicklich auf. Die größere sieht aus, als würde man sie gerade einer Wurzelbehandlung unterziehen. Ihr Mund ist unwillig verzogen und sie blickt grimmig drein.
Bei einer Drehung verliert sie das Mädchen wieder aus den Augen, aber dann bewegt sich jemand aus ihrem Blickfeld und sie kann erkennen, mit wem Kahoko tanzt.
Sie schmunzelt.
Immer schön, wenn die Feinde leiden müssen. Selbst wenn man es nicht selbst verursacht hat.
„Könntest du dich mal konzentrieren?“, zischt Makoto ihr ins Ohr. Meij fixiert ihn wie eine Schlange ihre Beute.
So ein Spiel können zwei spielen.

- - -

Schließlich ist auch diese Stunde des Tanzens überstanden und Sakura schickt alle außer den Kapitänen nach Hause.
Der Saal wirkt viel größer, wenn nur noch ein Bruchteil der Tänzer da ist, um ihn auszufüllen.
Du bist Kapitän?“, fragt da plötzlich jemand verdattert und Kahoko dreht sich um.
Den Sprecher selbst kennt sie nicht, aber sie kennt den Angesprochenen.
Murasakibara steckt sich ein Maibo im Ganzen in den Mund und blickt dann träge zu dem Jungen, der ihn da so ungläubig mustert.
„Warum fragst du sowas?“
„Warum? Na weil nur Kapitäne hier sein dürfen, deshalb. Und dein Kapitän steht da drüben.“, er zeigt quer durch den Saal zum Yosen-Kapitän.
„Ich tanze mit Tsu-chin.“, erklärt Murasakibara, als wäre damit alles klar.
„Hier tanzen aber nur die Kapitäne mit. Und du bist kein Kapitän. Also tanzt du nicht mit. Verstanden?“
Von einer Sekunde auf die andere ist die friedliche Trägheit aus Murasakibaras Stimme verschwunden. Und aus seinen Augen, die sein Gegenüber bedrohlich mustern.
„Warum sagst du das? Huh? Willst du etwa mit Tsu-chin tanzen? Ist es das? Huh? Ich zerquetsche dich, du kleines-“
„Murasakibara!“, ertönt es dreistimmig.
Der Riese dreht sich verwirrt um. Hinter ihm stehen drei nur zu bekannte Gestalten und mustern ihn ernst und unnachgiebig.
„Aka-chin.“, macht er verdattert, „Mido-chin. Mido-chin Nummer zwei.“
Kahoko verdreht die Augen über ihren neuen Spitznamen.
„Die Regeln sind eindeutig, Murasakibara.“, erklärt Akashi bestimmt, „Bei diesem Training sind nur die Kapitäne erwünscht.“
„Aber Tsu-chin...“, fängt sein Gegenüber wieder an.
Shintarou unterbricht ihn: „Es ist nur ein Tanz. Alle Kapitäne tanzen da mit. Es wäre sehr unhöflich, wenn du dich einmischen würdest oder Ninohara nicht mitmachen würde.“
Murasakibara verzieht unwillig das Gesicht. Es ist ihm anzusehen, dass er mit Shintarous Argument so gar nicht einverstanden ist und allein wie hungrig er gerade ist entscheidet wohl, wie wütend er werden wird.
„Hör mal.“, versucht es jetzt Kahoko und im Gegensatz zu den Jungen, die auf strenge Autorität machen, tritt sie näher und beugt sich zu ihm, wie eine Verschwörerin.
„Ich hab auch einen Freund und ich weiß, wie du dich fühlst. Ich möchte auch nicht mit den anderen Jungen tanzen müssen, aber bei diesem Tanz passiert ja nicht so viel, das hast du schon gesehen. Wenn du dich ruhig in eine Ecke setzt, dann kannst du sicher zusehen und dich davon überzeugen, dass es nur ein Tanz ist und da nichts Schlimmes passiert und das Beste ist, wenn wir uns heute fest anstrengend und es schnell einüben, müssen wir das ganze nicht noch einmal machen.“
Murasakibara denkt lange nach, dann nickt er. „Dann muss sie nur heute mit jemand anderem tanzen?“
„Und auf dem Winterball.“, beginnt Kahoko und beeilt sich noch ein: „Aber das ist nur ein kurzer Tanz und dann hast du sie den ganzen Abend wieder für dich...“, hinzuzufügen, als sich sein Gesicht verdüstert.
„Okay.“, meint er dann, „Ich setze mich in die Ecke. Aber wenn jemand Tsu-chin berührt, wo er sie nicht berühren soll, dann zerquetsche ich ihn.“
„Ich helf dir dabei.“, meint Kahoko und klopft ihm auf kumpelhaft auf die Schulter.
„Mido-chin Nummer 2 ist ganz okay.“, teilt Murasakibara Tsubaki mit, die mit hektisch roten Wangen zu ihnen geeilt kommt – sie hat bei diesem kleinen Menschenauflauf und ihrem Freund in der Mitte schon das Schlimmste erwartet.
„Äh?“, macht Tsubaki und Kahoko klatscht sich die Hand ins Gesicht.
„Du weißt schon, dass du mich auch einfach Kahoko nennen kannst, wenn du dir meinen Nachnamen nicht merken kannst?“
Murasakibara mustert sie von oben bis unten, dann blickt er zu Shintarou, der seinen Blick ernst erwidert.
„Dann bist du du Koko-chin.“, teilt er ihr mit und wendet sich von ihrem verdatterten Gesicht ab, um Tsubaki einen Kuss auf die Wange zu geben, „Ich warte dort drüben, Tsu-chin. Lern ganz schnell den Tanz.“

- - -

Die Choreographie ist eigentlich gar nicht so schwer. Eigentlich.
Kahoko und Shintarou tanzen den Eröffnungstanz und während das erste Lied in das zweite übergeht, werden ein Paar nach dem anderen die Kapitäne die Tanzfläche betreten und sich im Kreis um die beiden aufstellen, bis alle dort stehen und tanzen, wo sie sein sollen. Dann werden, während die kreisförmige Aufstellung bestehen bleibt, die Mädchen von einem Tanzpartner zum anderen wechseln, bis schließlich Kahoko wieder bei Shintarou ist und dann ist die Tanzfläche offiziell eröffnet.
Klingt einfach, oder?
Sakura braucht drei Probedurchläufe, bis sie entscheidet, dass die Paare, die zu Anfang und zu Ende miteinander tanzen werden, weder nach Größe angeordnet – es hätte gut ausgesehen, war aber leider sehr unpraktisch – noch nach der Farbe ihrer Kleidung sortiert werden konnte. Manche Mädchen wissen noch gar nicht, in welchen Farben sie erscheinen werden und da man nicht auf die Schulfarben verallgemeinern konnte, fällt diese Option beinahe sofort weg.
Also tanzen die Paare nach ihren Schulen und Kahoko muss zugeben, dass es ein paar sehr interessante Pärchen abgibt.
Murasakibara ist zum Beispiel ganz zufrieden damit, dass Tsubaki die meiste Zeit mit seinem eigenen Kapitän tanzen muss. Kinn-kun, wie er ihn nennt, weiß nämlich, wie er sich zu benehmen hat.
Meij und Makoto werfen abwechselnd einander oder den Tänzern um sich herum Mörderblicke zu und Lia und der Kapitän der Nakamiya Jungen Mannschaft geben eigentlich ein sehr niedliches Bild ab, wenn Kahoko nicht von Shouta wüsste.
Sie brauchen fast zwei Stunden, bis Sakura zufrieden ist.

„Ich bin so fertig.“, erklärt Kahoko ihrem Bruder, als alle gegangen sind. Sie helfen ihrer Mutter beim Aufräumen und nach dem so viele Teenager so lange einen einzigen Raum benutzt haben, ist das Chaos natürlich groß.
„Wir beeilen uns… Dann können wir schneller heim.“, versucht er sie zu motivieren.
Kahoko lächelt ihn müde an, als sie damit anfangen, den Müll aufzuheben, der zu einem Großteil aus Murasakibaras leeren Chipstüten besteht.
„Ist… Also… Weißt du...“, fängt Shintarou an, als Kahoko ihm den Besen reichen will.
„Hmm?“, macht sie fragend und er reißt für einen Moment den Blick vom Boden hoch, um ihr in die Augen sehen zu können.
„Magst du Akemi?“, fragt er hektisch und Kahoko reißt überrascht die Augen auf.
„Klar.“, beeilt sie sich zu sagen, „Ich mag sie sehr.“
„Okay.“, macht er, schnappt sich den Besen und fängt dann wie verrückt an zu fegen.
Kahoko starrt ihm verdattert hinterher, beschließt aber, ihn nicht weiter zu löchern. Das hat keinen Sinn bei einem Sturkopf wie ihrem Bruder.

- - -

- - -

Akemi schafft es tatsächlich, sich zusammen zu reißen. Zumindest bis sie zuhause ist. Sie redet noch ein paar Worte mit ihrer Mutter, als wäre nichts, aber dann sprintet sie die Treppe hoch und dreht den Schlüssel zweimal um, um ja nicht gestört zu werden. Ihre Finger zittern, als sie den kleinen Samtbeutel aus ihrer Jackentasche zieht und sie zittern noch mehr, als sie versucht, den Knoten aufzukriegen.
Sie überlegt, ob sie eine Schere nehmen soll, aber sie will den Beutel nicht ruinieren. Erst nachdem sie ein paar tiefe Atemzüge gemacht hat kommt ihr die Idee, eine Haarklammer zu benutzen.
Sie dreht den Beutel um und schüttet den Inhalt in ihre hohle Hand. Es ist eine feine Silberkette mit einem kleinen flachen Kreis aus glattpoliertem Silber als Anhänger. Ganz schlicht.
Akemi dreht den Anhänger um, aber auf der Rückseite ist nichts eingraviert. Egal.
Etwas kurzatmig stellt sie sich vor ihren Spiegel und legt sich die Kette um. Die feinen Glieder wirken schlicht und doch irgendwie besonders auf ihrer dunklen Haut, der Anhänger ist unter ihrem hochgeschlossenen Oberteil verborgen.
Sie weiß nicht recht, was wahrer ist – dass die Kette schön ist oder dass sie schön ist, weil sie von Shintarou kommt.
Aber hat er von Oha Asa geredet?
Entschlossen dreht sie den Schlüssel wieder herum und huscht hinaus auf den Gang und in ihr Familienarbeitszimmer. Sie startet den Computer und tigert nervös im Raum herum, während sie darauf wartet, dass er hochlädt.
Sie muss ein paar Seiten öffnen, bevor sie endlich eine Aufnahme des heutigen Horoskopes findet und dann muss sie es sich zweimal anhören, um es begreifen zu können.
„Krebs steht heute an zweiter Stelle, euer heutiger Glücksbringer ist ein Geschenk, das ihr machen werdet. Je wichtiger euch der Beschenkte ist, desto mehr Glück bringt euch der Gegenstand... Stier steht an erster Stelle und das Glück für diesen Tag gepachtet, aber für noch mehr Kraft und Glück ist etwas Silbernes sehr gut.“
Akemi steckt sich den Ärmel ihrer Strickjacke in den Mund, um ihr Quietschen zu dämpfen.
Wenn das bedeutet, was ich denke, dass es bedeutet, dann…
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast