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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
23
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22.11.2016 3.142
 
Kahoko ist unruhig, aber längst nicht so unruhig wie Akemi, die neben ihr durch die Gänge des Stadiumsgebäudes eilt.
Kurz überlegt sie, ob sie nach Akemis Trainingsfortschritten fragen soll, aber dann lässt sie es bleiben. Es fällt ihr schwer, nicht neugierig zu sein, aber sie muss einfach darauf vertrauen, dass sie und Shintarou sie einbeziehen werden, wenn es nötig sein sollte.
Und außerdem hat sie auch ganz andere Dinge im Kopf, um die sie sich kümmern muss. Sie ist froh, dass Nanami sie ohne ein weiteres Wort entlassen hat – ganz offensichtlich hat sie mit den älteren Mädchen noch ein Hühnchen zu rupfen...

Am Eingang trennen sich ihre Wege, Akemi eilt mit einem sehr gezwungenen Lächeln nach links und sie geht nach rechts zur Bushaltestelle. Es ist kein weiter Weg nach Kaijou von hier aus, deshalb haben sie ihre Trainingseinheit auch auf die Tage gelegt, an denen sie ohnehin wegen ihrer Spiele hier ist.
Ihr Handy vibriert, als sie in den Bus steigt. Eine Nachricht von Shoichi, der sich erkundigt, um welche Zeit sie heute bei ihm auftauchen wird. Und ob sie vielleicht bei ihr lernen können anstatt bei ihm. Seltsam. Das tun sie normalerweise nie. Er ist lieber bei sich zu hause, wo sie ihre Ruhe haben und ihre Mutter nicht alle paar Minuten vorbei kommt, weil sie etwas vergessen hat – nicht, dass sakura wegen der Anwesenheit eines Jungen nervös wäre.
Kahoko weiß, dass sie shoichi sogar richtig mag. Aber ihre Mutter ist einfach nicht dazu geboren worden, sich in eine Ecke zu setzen und sich mit sich selbst zu beschäftigen. Deshalb ist sie ja überhaupt erst beim Theater gelandet.

Kahoko zieht ihre Unterlippe zwischen die Zähne und versucht zu errechnen, wie lange sie wohl für dieses Training brauchen wird. Sie will auf jeden Fall die Zeit nutzen, die sie heute haben. Sie muss noch einiges dazu lernen, wenn sie gegen Yoyo bestehen will. Und Meij.
Aber sie kann auch nicht zu viel Zeit für sich abzwacken. Sie hat Shochi nichts davon gesagt, dass sie Kise überhaupt angerufen hat. Nicht, weil sie es vor ihm verheimlichen will, eigentlich ist ja nichts dabei. Aber wenn es schieflaufen sollte – aus welchem Grund auch immer – wäre es ihr lieber, wenn nicht zu viele leute davon wissen. Kurz entschlossen schreibt sie ihm zurück – zwei Stunden Training sollten für den Anfang ja reichen, oder?

- - -

Als Akemi die schwere Tür zu Shutokus zweiter Sporthalle aufmacht, sieht sie sich Auge in Auge mit einem schwarzhaarigen Jungen. Sie quiekt erschrocken auf und er mustert sie überrascht.
„Hast du dich verlaufen?“, fragt er höflich.
„Nh-hein...“, verschluckt sie sich an ihren Worten, „Ich… also...“
Oh gott, denkt Akemi, wir hatten noch nie Zuschauer!
Was, wenn Shintarou keine Lust mehr aufs Training hat und es mir einfach nicht gesagt hat?
Nein, so unhöflich ist er nicht. Aber vielleicht weiß er nicht, dass hier schon jemand ist und ich muss mich jetzt davon schleichen und ihn irgendwie anders benachrichtigen...
Akemi will sich gerade rückwärts wieder davon schleichen, als sie hinter dem fremden Jungen Shintarou sieht, der aus einem der angrenzenden Gerätelager in die Halle tritt.
Er bemerkt sie, bevor Akemi ihre Zunge wieder finden und ihn warnen kann. Zum Glück.
„Akemi, du bist hier.“, stellt er ruhig fest und Takao zerrt sich fast einen Muskel bei der Geschwindigkeit, mit der er den Kopf zu seinem Freund herumreißt.
„Du kennst sie?“, fragt er so anklagend, das man meinen könnte, Shintarou hätte ein Verbrechen begangen.
„Natürlich. Sie ist eine der Nakamiya Spielerinnen und sie trainiert mit uns.“
„Aber warum?“
„Weil sie Potential hat.“, erklärt Shintarou und Akemi wird feuerrot.
So etwas Nettes hat er noch nie zu mir gesagt! Oder über mich. Aber das ist im Moment ja eigentlich das Gleiche.

„Und warum bin ich dann hier?“, fragt Takao jetzt launisch und mustert Akemi so misstrauisch, als fürchte er, sie könnte ihn anfallen. Als ob.
„Wir versuchen, ihre Geschwindigkeit zu verbessern.“
Shintarou wendet sich an Akemi: „Wenn es ums Passen geht, ist Takao einer der besten Spieler in Tokyou. Wir beide werden gegen ihn antreten. Wir versuchen uns so viel wie möglich zu passen, bevor wir einen Korb werfen. Aber pass gut auf, er ist gut darin, einem den Ball zu stehlen..“
„Oh...“, Akemi nickt verstehend, „Die Übung kenne ich. Shouta lässt uns das auch ständig machen. Megumi ist so gut wie unsichtbar, man hat den Ball schon verloren, bevor man es überhaupt gemerkt hat.“
Shintarou nickt zufrieden und blickt zu Takao, der ihn mit offenem Mund anstarrt.
Hat Shintarou ihn etwa gerade gelobt?

„Du kannst dich jetzt umziehen gehen.“, erklärt Shintarou Akemi, als von Takao nichts kommt. Sie nickt hastig und verschwindet in Richtung Umkleiden.
Kaum ist sie außer Sichtweite, legt Takao los.
„Wer ist sie? Woher kennst du sie? Warum willst ausgerechnet du sie trainieren und lässt das nicht andere machen?“, er legt eine dramatische Pause ein, „Stehst du etwa auf sie?“
Shintarou ist wirklich stolz darauf, dass nur seine Ohren zu glühen anfangen und er es schafft, ihm nur mit einem gut gewälten eisigen Blick Kontra zu geben. In einer solchen Situation hat Takao sonst das unverschämte Talent, einem jedes Wort im Mund umzudrehen.
„Wie ich schon gesagt habe, ist sie eine der Nakamiya Spielerinnen und sie hat mich um Hilfe gebeten. Ich habe auch Kagami Tipps gegeben und das hat dich weniger gestört.
„Ja aber Kagami hatte auch einen wesentlich kleineren Vorbau.“, meint Takao mit einem anzüglichen Grinsen.
Shinarous Stimme wird scharf.
„Wenn du dich noch einmal genötigt siehst, ihr Aussehen zu beurteilen, kannst du auch gleich gehen. Ich finde sicher jemand anderen, der mit uns trainieren kann und dabei noch höflich bleibt.“
„Schon gut, schon gut, ich werde brav sein.“, Takao hebt die Hände zum Zeichen, dass er sich ergibt, „Ich werde sogar ganz besonders brav sein und nebenbei mehr Körbe machen als ihr.“
„Gerne. Und wenn du das geschafft hast, redest du am besten mit Kahoko.“
Takaos Lächeln gefriert.
„Wie bitte?“
„Du hast mich verstanden. Ich weiß nicht, was zurzeit zwischen euch steht, aber sie macht sich offensichtlich ebenfalls Gedanken darüber. Das Finale ist nicht mehr weit und ihr habt beide Besseres zu tun, als eure Energie auf einen Streit zu verschwenden. Aber lass uns jetzt trainieren.“, erklärt Shintarou knapp, als Akemi die Halle betritt.

„Hast du abgenommen?“, fragt Shintarou höflich und reicht ihr einen Basketball.
Sie errötet, nickt und starrt auf den Ball, weil sie nicht weiß, wo sie sonst hinsehen soll.
Shintarou ist zufrieden mit sich selbt. Und mit Masahiro, der ihm diesen Tip mitgegeben hat – zeig ihr, dass dir ihr Äußeres auffällt..

- - -

Kaijous Kapitän ist ein Charakter für sich, stellt Kahoko fest. Seit ihrer Ankunft hat er Kise schon mehrmals angeschnauzt, einem jüngeren Spieler einen guten Rat gegeben und bei der harmlosen Frage einer vorbei kommenden Schülerin die Farbe einer Tomate angenommen. Kahoko selbst behandelt er mit höflichem Misstrauen, aber er lässt ihnen beiden eine Hälfte der Halle zum Trainieren frei und mehr brauchen sie ja auch nicht.
„Also...“, Kahoko tritt ihre Tasche in eine Ecke und knöpft ihre Jacke auf, um sie hinterher zu pfeffern, „Hast du dir schon was überlegt?“
„Nö...“, Kise winkt den Mädchen zu, die ihn von der Galerie aus anschmachten, „Ich dachte wir fangen mit einem One on One an und schauen dann, was sich daraus ergibt.“
„Okay...“, sie macht sich nicht die Mühe, die Enttäuschung in ihrer Stimme zu verbergen. Sie hat sich ein wenig mehr erhofft, aber für den Anfang sollte sie damit zufrieden sein.

Sie hat bereits gegen Aomine gespielt und verloren, aber Kise ist, das gibt sie ehrlich zu, ein ganz anderes Kaliber.
Kahoko hat sich nie wirklich Gedanken darüber gemacht, wie sie Basketball spielt. Sie tut es einfach.
Manchmal muss sie mehr lauschen, manchmal muss sie sich mehr konzentrieren, aber diese Fähigkeit andere zu spiegeln, wie Natasha es nennt – sie hat nie darüber nach gedacht, wie man es steuert.
Jetzt bereut sie das.
Kise kann sich geschickt um sie herum drehen – genau wie Aomine – und wenn er auf ihrer anderen Seite ist und sie sich auf ihn eingestellt hat, spielt er bereits wieder in einem ganz anderen Rhythmus.
Sie versucht seine Schritte voraus zu ahnen, aber er hat so viele Möglichkeiten auf Lager und sie kann sie nicht alle kennen. Außerdem bekommt sie Kopfschmerzen davon.
Also versucht sie es mit Intuition, hört einfach nur noch hin. Als wäre sie in einem dunklen Raum, der von Musik erfüllt ist. Lässt sich vom Rhythmus führen wie ein Tänzer vom wuchtigen Bass der Musik.
Kise rammt seine Handfläche gegen ihre Schulter, als sie nicht von selbst bemerkt, dass sie das Ende des One on Ones erreicht haben.
„Wer hat gewonnen?“, fragt sie atemlos und nimmt dankbar die Wasserflasche entgegen, die eine der Managerinnen ihr reicht.
„Ich.“, erklärt er ihr verdutzt, „Hast du nicht mitgezählt?“
„Hatte keine Zeit.“, gibt Kahoko zurück, nachdem sie ihr Wasser gelehrt hat, „Ich musste mich auf den Rhythmus konzentrieren.“
„Du bist zu langsam.“
„Oh danke, das weiß ich auch schon.“, knurrt Kahoko unwillig, „Deshalb bin ich ja hier.“
„Hey...“, Kise stoppt und blickt hoch zur Galerie.
Kahoko schnaubt spöttisch. „Was? Ein Mädchen entdeckt, dass dir gefällt?“
„Was macht der denn hier?“, Kise ignoriert sie und wendet sich stattdessen an eine der Schülerinnen, die mit Wasserflaschen durch die Halle laufen. Sie zuckt verwirrt mit den Schultern und Kahoko, die nun doch neugierig ist, dreht sich um.
Über ihnen lehnt Shoichi grinsend am Geländer der Galerie und winkt ihr. Kahoko seufzt.
„Der ist wegen mir hier… ich rede mal mit ihm.“
„Ich komme mit.“

Shoichi grinst immer noch, als sie die Galerie betritt, einen mürrischen Kise im Schlepptau.
„Spionierst du für Aomine?“, fragt er grob, bevor Kahoko überhaupt zu Wort kommt.
„Nein.“, erklären Kahoko und Shoichi gleichzeitig, „Er ist mein-“ „Nachhilfelehrer.“
Kahoko wirft ihm einen überraschten Blick zu.
„Und das soll ich glauben.“, Kise verschränkt trotzig die Arme und mustert sie beide misstrauisch, „Du lädst deinen Nachhilfelehrer zu unserem Spezialtraining ein.“
„Sie hat mich nicht eingeladen.“, gibt Shoichi zurück, „Ich hatte noch ein paar Fragen wegen unseres Termins später und da sie nicht an ihr Handy gegangen ist, bin ich eben persönlich vorbei gekommen.“
Kise starrt Shoichi an, dann wendet er sich an Kahoko.
„Stimmt das, Hanacchi?“
„Er gibt mir wirklich Nachhilfe.“, gibt Kahoko zu, „Ich kläre kurz die paar Fragen mit ihm, die er hat und dann trainieren wir weiter… Okay?“
Kise blickt von ihr zu Shoichi und wieder zurück. „Okay. Aber mach nicht zu lange.“
Er verlässt die Galerie mit einem letzten Blick zurück. Kaum schließt sich die Tür hinter ihm, setzt Kahoko Shoichi den Finger an die Brust.
„Was sollte das?“, fragt sie schärfer als beabsichtigt.
Provozierend hebt er eine Augenbraue, legt den Kopf schief und mustert sie dann fragend. „Was denn?“
„Du weißt, was ich meine!“
„Meinst du vielleicht, dass ich einfach zu einem Training auftauche, von dem du mir nichts erzählt hast? Ein Training mit Supermodel Kise Ryouta wohlgemerkt?“
„Bist du etwa eifersüchtig?“, fragt Kahoko verblüfft zurück.
„Eifersüchtig?“, er lacht spöttisch, aber es klingt nicht ganz überzeugend, „Ich doch nicht. Ich habe mir nur Sorgen gemacht.“
„Klar.“, gibt sie zurück, „Wärst du eifersüchtig gewesen, hättest du ihm wohl längst klar gemacht, dass wir ein Paar sind, nicht wahr, Mister Nachhilfelehrer? Zu blöd aber auch, ich werde meinem Nachhilfelehrer nämlich sicher keinen Kuss geben.“
Schweigen breitet sich zwischen ihnen aus.
„Okay, vielleicht ein bisschen.“, gibt Shoichi schließlich zu und stopft die Hände in die Hosentaschen, „Aber erst, als ich wusste, wo du dich aufhältst. Deine Mutter hat es mir gesagt.“
„Ich wollte dir nichts sagen, weil ich nicht wusste, ob das mit dem Training hinhaut. Bis jetzt weiß ich nur, dass ich zu langsam bin.“
„Im zweiten Teil bist du schneller geworden.“
„Ja, aber dafür hab ich sonst nichts mehr mit gekriegt und das bringt uns im Spiel nichts, weil ich mich auch auf die anderen konzentrieren muss.“
„Trainiert weiter.“, Shoichi lächelt sie ermunternd an, „Ihr kommt sicher bald drauf.“
Kahoko zuckt erschöpft mit den Schultern, tritt einen Schritt vor und lehnt ihre Stirn gegen seine Schulter.
„Alles okay?“, murmelt er gegen ihren Scheitel.
„Nein… Aber ich wills dir lieber erst heute Abend erzählen.“
Der Klingelton seines Handys kommt seiner Antwort zuvor. Kahoko tritt einen Schritt zurück, um ihn telefonieren zu lassen und sieht stattdessen dem Team unter ihr beim Trainieren zu.
Schließlich legt Shoichi auf und tritt neben sie.
„Kannst du mich entbehren? Eure Managerin hat gerade angerufen.“
„Nanami? Was wollte sie?“
„Ich soll euren Zweitklässlern eine Intensivnachhilfe geben. Am besten jetzt, in der großen Bibliothek.“
„Shinji? Und Michirou?“
„Bist du jetzt die Eifersüchtige?“, fragt er spöttisch zurück und Kahoko verzieht das Gesicht.
„Ich hätte dich gerne hier gehabt. Du hast gute Augen.“
„Ich trage eine Brille.“, gibt er spottend zurück, „Aber du kriegst das auch ohne mich hin. Wir sind hier nicht beim Streetball. Es gibt nur eine begrenzt Anzahl von Spielzügen, Schritten und Würfen. Wenn man die beherrscht, geht es nur noch ums Kombinieren und Abwandeln.“
„Und um den Rhythmus.“, wendet Kahoko ein und löst sich von dem Geländer, „Los geh schon und bring meinen Freundinnen etwas bei. Wir sehen uns ja ohnehin nachher.“
Sie gehen nebeneinander her bis zur Tür, die zurück in die Halle führt.
Shoichi will etwas sagen, als sie sich blitzschnell vorbeugt, ihn auf den Mund küsst und ihn gleichzeitig ins Hinterteil zwickt.
„Bis später.“, ruft sie ihm zu und eilt davon.
Er bleibt sprachlos zurück.

- - -

Nachdem sie Pässe und Geschwindigkeit geübt haben, bis ihre Füße sie nicht mehr tragen konnten, hat Akemi jetzt eine Hälfte des Feldes für sich, um ihre Würfe zu üben. Sie arbeitet sich von der drei Punkte Linie bis zur Mitte des Feldes durch, nimmt einen Ball hoch, zielt und wirft, geht einen Schritt, nimmt wieder einen Ball und wiederholt das Prozedere. Je weiter sie sich vom Korb entfernt und je mehr Bälle sie wirft, desto seltener trifft sie, aber sie hört dennoch nicht auf. Immer wenn sie alle Bälle geworfen hat, steht Shintarou plötzlich neben ihr und hilft ihr dabei, die Bälle wieder einzusammeln und dort hin zu legen, von wo sie sie werfen soll. Manchmal berühren sich dabei ihre Finger und obwohl sie immer knallrot und zittrig wird, wenn das passiert und sie oft ohnehin nur ihr Tape berührt, will sie diese Momente nicht missen.
Außerdem will sie ihm zeigen, dass sie es ernst meint, dass sie Durchhaltevermögen hat.
Und manchmal, wenn er es nicht merkt, wirft sie nicht sofort, sondern dreht sich um und sieht den Jungs beim Training zu.
Sie sagen ihr nicht, was sie genau üben, also versucht sie, es sich zusammen zu reimen.
Die meiste Zeit sieht sie nur, wie Shintarou in die Höhe springt und die Wurfposition einnimmt, die er ihr eingebläut hat – allerdings ohne Ball.
Manchmal wirft Takao ihm dann einen Ball zu. Manchmal mustert er ihn aber auch einfach nur und Shintarou landet wieder auf dem Boden, ohne geworfen zu haben. Dann dreht sie sich immer ganz schnell wieder um, damit sie nicht merken, dass sie beobachtet werden.

Akemi nimmt einen Ball hoch und dreht sich vorsichtig um.
Hinter ihr springt Shintarou wieder in die Höhe und sie betrachtet ihn ausgiebig. Er ist so groß, muskulös und wunderschön, sie muss sich das ganze Training anstrengen, ihn nicht ununterbrochen anzustarren. Nur jetzt, wenn er es nicht merkt, kann sie hinsehen.
Diesmal saust ein Ball auf ihn zu, aber er ist viel höher als sonst. Akemi sieht das Disaster voraus, bevor es passiert. Sie reißt den Mund auf, aber kein Ton kommt heraus und sie muss hilflos zusehen, wie der Basketball Shintarou direkt ins Gesicht trifft. Er geht zu Boden wie eine Marionette, deren Fäden gekappt wuden.
Akemi rennt zu ihm. Er richtet sich bereits wieder auf, eine Hand an die Nase gepresst, unter seinen Fingern quill undt Blut hervor.
„Tut mir leid! Tut mir leid!“, brüllt Takao und fuchtelt mit den Händen in der Luft herum.
„Das hilft ihm jetzt auch nicht.“, faucht Akemi ihn an und ihr Tonfall schockiert ihn so, dass er tatsächlich innehält, „Geh und hol Wasser und Tücher, wenn du helfen willst! Und meine Tasche.“
Er nickt und flitzt davon. Akemi kauert sich neben Shintarou und hält ihm drei Finger hin.
„Wie viele Finger halte ich hoch?“
„Drei...“, nuschelt er und sie nickt erleichtert.
„Ist dir schwindlig? Schlecht? Kopfschmerzen.“
„Nur die Nase...“, kann sie grade noch verstehen.
In dem Moment kommt Takao zurück, in einer Hand eine Wasserflasche, in der anderen frische Handtücher.
„Danke.“, Akemi nimmt eines der Tücher und zieht kurzerhand Shintarous Hand von seinem Gesicht weg, als der keine Anstalten macht. Sie presst das Tuch sachte gegen die Nase, die immer mehr anschwillt und fährt mit den Fingern der anderen Hand über seinen Nasenrücken.
Er zuckt zusammen.
„Tut mir leid, aber das war notwendig. Wie es scheint, ist nichts gebrochen. Selbst deine Brille hat das ausgehalten.“
„Kriegt er ein Veilchen?“, Takao lehnt sich über ihre Schulter, um besser sehen zu können.
„Vielleicht nicht. Weißt du, ob die hier irgendwo Eisbeutel haben?“, fragt sie zurück.
„Ich geh nachsehen.“, er flitzt wieder davon.
„Kannst du mal das Tuch halten?“
Shintarou nickt. Ihre Finger berühren sich auch diesmal, aber sie läuft nicht rot an. Was für ein Fortschritt in solch einer Situation.

Akemi zieht ihre Tasche zu sich und arbeitet sich durch den Inhalt.
„Hier. Blutstillende Watte… Nimm noch mal das Tuch weg.“, sie formt die Watte und stopft sie ihm vorsichtig in die Nase, „Das sollte die Blutung stillen. Hier, ich hab Wasser auf dieses Tuch gegeben, damit kannst du dich ein wenig reinigen.“
Er nickt dankbar, nimmt seine Brille ab und legt sie zur Seite, bevor er sich vorsichtig mit dem feuchten Tuch über das blutbefeckte Gesicht reibt.
Akemi braucht mehrere Anläufe, um sich wieder zu fangen. Ohne die Brille sehen seine Augen noch größer und grüner aus und es wäre ein leichtes, darin zu versinken.
Reiß dich zusammen, sagt sie sich selbst, er braucht jetzt deine Hilfe und keine Schulmädchen-Schmachtereien.
Sie zieht eine dunkelblaue Flasche aus ihrer Tasche.
„Das ist eine Hausmischung meiner Mutter. Sie arbeitet mit ätherischen Ölen und das hier ist für Notfälle. Das Öl der Immortelle löst blaue Flecken und Blutergüsse auf. Damit sollte eigentlich bis morgen nichts mehr von allem zu sehen sein.“
Er mustert die Flasche interessiert.
„Soll ich… soll ich das Öl auftragen?“, fragt sie, plötzlich schüchtern geworden.
„Bitte...“
Sie ist ganz vorsichtig dabei, vor allem bei seinem Nasenrücken. Fast kommt es ihr so vor, als berührten ihre Finger seine Haut gar nicht. Ihr Herz schlägt ihr trotzdem bis zum Hals.
Als sie fertig ist und sich die Hände an einem der Tücher abwischt, kommt Takao atemlos, aber mit einem Beutel gefrorener Erbsen zurück.
„Das war das Beste, was ich finden konnte.“, er reicht es Akemi, die es in das letzte saubere Handtuch wickelt und das Bündel Shintarou reicht.
„Ich glaube...“, murmelt der unter dem Beutel Erbsen hervor, „Dass wir das Training für heute am besten beenden.“
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