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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
23
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06.11.2016 3.366
 
Als Akemi die Puste ausgeht, hat sie ihrem Team mehrmals den Ball gerettet und nach ihrem eigenen sagenhaften Korb noch zu weiteren Punkten beigetragen.
Shouta wechselt sie nach kurzem Blick auf Lia durch Chikara aus.
Akemi grinst über beide Backen, als sie sich neben Kahoko setzt und dann ihre glühenden Wangen gegen deren Oberarm presst.
„Du warst gut.“, merkt Kahoko an.
„Hast du meinen Korb gesehen?“, fragt Akemi und sie klingt, als hätte der Treffer sie mehr überrascht als alle anderen.
„Klar. War einsame Spitze. Da sind wir alle einer Meinung.“
„Glaubst du...“, fängt sie an und Kahoko beißt sich für einen Moment auf die Lippe, bevor sie das Schweigen ausfüllt.
„Ob Shintarou ihn gesehen hat? Ich nehme es an.“
Akemi atmet tief durch dann setzt sie sich ruckartig gerade in.
„Okay...“, meint sie bemüht ruhig, „Dann konzentrieren wir uns jetzt mal auf das Spiel! Wir wollen ja gewinnen! Wie steht es?“
Sie blickt auf die Anzeigentafel. Ihre Schultern sinken wieder nach unten.
„Was? Aber wir haben doch so gut aufgepasst! Warum sind wir nicht in Führung, wie sonst immer?“
Kahoko seufzt. Lia seufzt. Sogar Nanami seufzt.
Shouta starrt nur mit nachdenklicher Mine auf sein Klemmbrett und dann wieder auf die Spieler.
„Sie sind uns wohl ebenbürtig. Haben eine gute Verteidigung. Wir können höchstens auf einen knappen Sieg hoffen.“
„Oder auf ein Unentschieden.“, mischt sich Nanami ein, „Wir sind so weit vorne im Winter Cup, dass uns ein Unentschieden reichen würde, um weiter zu kommen. Sie wollen keine Verlängerungen, also würden beide Teams vorrücken.“
„Ein Sieg wäre mir lieber.“, murmelt Shouta und blickt sich auf der Ersatzbank um.
„Lia, können wir dich nachher wieder einwechseln? Chikaras Kondition ist zwar besser als Akemis, aber sie ist wesentlich fehleranfälliger und das könnte uns Punkte kosten.“
„Ich kann rein.“, widerspricht Kahoko, als Lia behutsam ihr Bein belastet um zu sehen, wie viel es aushält.
„Bist du sicher?“, Shouta und Nanami mustern sie, als könnten sie nur dadurch erfahren, wie es Kahoko wirklich geht. Vielleicht können sie das ja auch. Bei den Zwillingen weiß man nie.
Kahoko blickt zu Lia, der man ansieht, dass sie immer noch Schmerzen hat und dann zur Uhr.
„Wir haben noch eine Minute, die Chikara wohl noch aushalten wird. Und das letzte Viertel schaffe ich schon. Sind ja nur zehn Minuten. Wenn ich gar nicht mehr kann, können wir immer noch Akemi reinschicken oder Lia, aber ich will es wenigstens versuchen.“
„Gut.“, Shouta nickt, „So machen wir's.“

Als das letzte Viertel beginnt, steht es 48 zu 50 für Yosen.
Shouta erklärt ihnen die Strategie, Michirou macht ihnen allen noch einmal Mut und Akemi darf sich sogar das Lied aussuchen, auf das sie ihren Rhythmus einstimmen werde. Dann geht es zurück aufs Spielfeld.
Kahoko merkt schon bei den ersten Schritten, dass es eine blöde Idee war.
Ihr ist leicht schwindlig, immer noch übel und der Schmerz in ihrem Unterleib ist stark genug, dass sie ihn nicht ignorieren kann.
Sie atmet tief ein und blickt kurz über die Zuschauermengen. Ihren Bruder kann sie leicht erkennen. Es tut gut, ihn hier zu wissen.
Shoichi wollte eigentlich auch kommen, zu ihrem Pech hat der aber schwarze Haare und ist dadurch in der Menge der Japaner nicht auszumachen. Vielleicht ist das auch gut so. Sie soll sich ja aufs Spiel konzentrieren.

Der Schiedsrichter bläst in seine Pfeife und das letzte Viertel beginnt.
Es ist nervenaufreibend, was nicht nur daran liegt, dass Akemi sich ein Lied mit einem wahnsinnig schnellen Rhythmus ausgesucht hat, sondern auch daran, dass jedes Team versucht, in kürzester Zeit so viele Punkte wie möglich zu machen.
Kahoko hat öfter den Ball in der Hand, als sie zählen kann und die meisten ihrer Würfe gehen rein. Sie kann von überall aus auf den Korb zielen und ihre Würfe bringen drei Punkte, was Yosen in arge Bedrängnis bringt, aber deren Zwillinge sind verflixt schnell. Es scheint fast, als hätten sie zwei Megumis in ihrem Team, die nicht nur passen, sondern auch dunken können.
Shinji rennt auf dem Platz herum, als hätte Mirai mit ihrer grenzenlosen Energie von ihr Besitz ergriffen und Michirou springt und springt und springt, um all die Würfe zu retten, die Kahoko verpatzt, aber es reicht nicht.
Es reicht einfach nicht.
Dafür haben sie von Anfang an nicht genug Vorsprung holen können, ohne Kahoko und ohne Lia. Dafür sind sie alle viel zu müde und ausgelaugt und zu Beginn auch viel zu selbstsicher gewesen, um es jetzt noch schaffen zu können.

Es sind nur noch wenige Sekunden zu spielen und Kahoko steht ganz nahe beim Korb. Sie weiß gar nicht, wie sie dahin gekommen ist, aber ihre Arme tun weh, sie hat ein dumpfes Rauschen in den Ohren und sie hat das Gefühl, als hätte jemand die Leuchtkraft runter gedreht, alles wirkt dunkler und die Farben scheinen ausgewaschen. Langsam kommt ihr der Verdacht, dass sie nicht nur ein Frauenleiden hat. Jedenfalls hat noch keine Periode sie so in die Knie gezwungen, dass sie nicht mehr richtig sehen konnte.
Kahoko schüttelt den Kopf und sucht den Ball. Sie ist nahe genug, um auf jeden Fall treffen zu können und sie brauchen die Punkte.
Da, er ist bei Megumi. Nein, doch bei Tsunako. Sie könnte werfen und treffen und Kahoko macht sich bereit, damit sie sicher gehen kann, dass der Ball auch rein geht, aber Tsunako versucht keinen Korb – sie passt zu ihr.
Warum zu mir, fragt Kahoko sich panisch, als sie den Ball gerade noch erwischt und hoch springt, um zu werfen, du vertraust mir gerade mehr als ich mir selbst.
Kaum ist sie in der Luft, springt jemand vor ihr hoch. Kahoko erkennt ein rosa-weißes Trikot, blondes Haar und erschrocken aufgerissene Augen, bevor ihr Blickfeld komplett weiß wird.
Sie kommt zu Bewusstsein, als sie unsanft auf dem Boden landet. Ihr Brustkorb schmerzt, sie sieht immer noch weiße Flecken, wo keine sein sollten und zu allem Überfluss hat sie sich beim Fallen ganz übel den Ellbogen gestoßen.
Die Blondine steht über ihr und starrt sie immer noch so erschrocken an. In Kahokos Kopf schwimmt alles und ihr fällt einfach nicht ein, wie das Mädchen heißt, das ihr jetzt auch noch aufhilft.
„Alles okay? Ich hatte den Winkel falsch eingeschätzt und dann sind wir zusammen gestoßen und ich wusste nicht, ich wusste nicht...“
Jemand reißt Kahoko zurück und da ist Michirou neben ihr und Shinji und jemand brüllt ihr viel zu laut ins Ohr.
„Was ist passiert?“, fragt Kahoko Michirou, denn die ist immer noch die ruhigste von ihnen allen.
„Was?“, fragt Michirou zurück, winkt ungehalten mit der Hand in Richtung des Brüllaffen und wendet sich dann wieder an Kahoko, als es still wird.
„Was ist los?“, formuliert Kahoko ihre Frage neu, denn wenn sie die Worte der Blondine richtig deutet, dann wurde sie gerade gefoult und das Pfeifen, dass sie vorhin für einen Hörsturz gehalten hatte, könnte die Pfeife des Schiedsrichters gewesen sein. Was heißt, dass sie einen Freiwurf hat.
Wenn sie jetzt zugibt, dass sie das Bewusstsein verloren hat, ob durch Blondis Ellbogenhieb oder ihren streikenden Kreislauf, dann sitzt sie schneller auf der Ersatzbank, als der Schiedsrichter pfeifen kann.
„Wir haben einen Freiwurf. Du musst ihn reinmachen, dann schaffen wir das Unentschieden.“
Michirou zieht sie weiter und Kahoko kann nur langsame, tiefe Atemzüge machen und versuchen, ihre Gedanken zu sammeln.
„Michirou… Ich weiß nicht, ob ich ihn reinmachen kann. Du musst mir helfen.“
Die Ältere reagiert nicht. Kahoko kriegt es mit der Angst zu tun. Vielleicht sollte sie doch lieber die Wahrheit sagen.
Aber was würde das für das Team bedeuten? Kann jemand anders den Wurf reinmachen? Was sieht das Regelwerk in dem Fall vor?
Kahokos Kopf ist leergefegt und zu all ihren Symptomen kommt jetzt noch ein glühendheißer Knoten voll Panik in ihrem Magen.

Sie bleiben stehen und Michirou dreht sich zu ihr um.
„Du wirfst, ich mache den Rest. Wie im Trainingscamp. Erinnerst du dich?“
Kahoko nickt unbeholfen und Michirou klopft ihr auf die Schulter.
„Wir schaffen das.“
Damit verschwindet sie und der Schiedsrichter drückt Kahoko den Ball in die Hände.
Sie atmet tief ein und aus, aber ihr Brustkorb tut ihr immer noch weh und es fällt ihr schwer, den Korb richtig zu sehen.
Der Ball ist so schwer. Wie soll ich da treffen?
Shin-Shin könnte das. Mit links.
Ihr ist nach Weinen zumute. Sie hat einen Kloß im Hals.
Neben ihr ertönt eine Pfeife, sie schließt die Augen, macht sie wieder auf und wirft.
Obwohl ihre Beine schwer wie Blei sind und sie nach unten ziehen, bleibt Kahoko stehen. Fast trotzig sieht sie zu, wie der Ball auf den Korb zusaust. Er hat einen leichten Rechtsdrall, wird das Brett erwischen und daneben gehen. Kahoko sieht das auf einen Blick.
Aber die Mädchen, die um den Korb herum stehen, haben nicht Kahokos Blickwinkel. Sie springen alle gleichzeitig in die Höhe, jedenfalls sieht es so aus. Nur dass Michirou wieder mal ein kleines bisschen schneller ist und ein kleines bisschen höher springt. Der Ball geht rein und das Spiel ist aus.
Unentschieden.

- - -

Kahoko liegt im Krankenzimmer auf einem der Betten und hat die Augen geschlossen.
Nanami hat sie sofort hier her verfrachtet, obwohl Kahoko beteuert hat, dass es ihr schon besser gehe – was nicht wirklich stimmt.
Ihr Vater ist unterwegs und die Mädchen machen sich fertig, um zu gehen. Es herrscht eine seltsame Stimmung. Sie sind erleichtert, weil sie eine Runde weiter kommen und panisch, weil ihnen klar geworden ist, wie viel sie noch zu lernen haben.
„Hey...“, murmelt Kahoko und augenblicklich spürt sie Shoutas Hand auf ihrer Schulter, „Kannst du mir mal Akemi holen?“
„Klar.“, sie hört, wie er die Tür leise hinter sich schließt.
Fühlt sich an wie eine drohende Migräne, zieht sich aber viel zu lange hin. Hoffentlich kommt das nicht vom Blinddarm.

„Du willst mich sprechen?“, hört sie da Akemis hohe Stimme.
Kahoko macht vorsichtig ein Auge auf, dann das zweite. Shouta hat Vorhänge vorgezogen, sodass ein Dämmerlicht herrscht. Sie wird es aushalten.
„Hast du Shintarou schon gefunden?“
Akemi wird knallrot. Kahoko lächelt.
„Er wird vermutlich vor dem Eingang auf mich warten.“
“Ich dachte, du willst dich nicht einmischen...“, piepst Akemi und Kahoko bringt ein schiefes Lächeln zu stande.
„Ich mische mich doch nirgends ein. Ich bitte nur meine Teamkollegin um einen Gefallen. Kannst du ihm sagen, dass Vater mich abholen wird? Ich hab mir vermutlich den Magen verdorben.“
Akemi nickt.
„Soll ich dann wieder hoch kommen und mit dir warten?“
„Wenn du das möchtest. Aber Shouta bleibt wohl bei mir, du musst also nicht.“
„Dann… Dann geh ich jetzt...“, murmelt Akemi unschlüssig.
Kahoko lächelt immer noch und macht die Augen wieder zu. Für sie ist das Gespräch beendet.

- - -

„Du bist gekommen.“, Shinji lässt sich schwar auf die kleine Parkbank fallen.
„Du klingst so überrascht.“, Hihara grinst und fährt sich durch die vom Wind zerzausten Haare, „Wir haben uns lange nicht gesehen, was? Bei unserem letzten gemeinsamen Match hattet ihr diese grüne Riesin jedenfalls noch nicht im Team. Oder hast du mir das nur verschwiegen?“
„Sie ist vergeben, klar?“, motzt Shinji und vergräbt sich noch etwas tiefer in ihre Lederjacke, als der Wind auffrischt.
Hihara lacht nur. „Ach, das ist typisch. Die guten Mädchen sind immer gleich weg… Aber du hast mich sicher nicht herbeordert um über meinen Frauengeschmack zu sprechen. Vor allem zu so einem Spiel...“
„Wir hatten Pech.“, murrt Shinji durch zusammen gebissene Zähne.
„Ja ja, die Sache mit dem Pech und dem Glück. Also… was willst du?“
Das ist der Hihara, den sie beim Streetball kennen gelernt hat. Direkt, frech und mit diesem Hauch Gefahr in den Augen. Die beste Sorte Kumpel.
„Geht deine Cousine immer noch auf diese Privatschule?“
„Rinko? Klar.“
„Kannst du sie bitten, sich für mich umzuhören? Es geht um eine Kaiya. Blonde Löckchen und trägt immer irgendwas in Pink bei sich.“
Hiharas Grinsen wird wölfisch. Sie hat gewusst, dass es riskant werden konnte, ihn zu fragen, aber er war auch der beste Mann, wenn es um solche Informationen ging.
„Du interessierst dich für die liebe Kaiya? Könnte das vielleicht an deinem neuen Freund liegen? Drittklässler auf der Touou, spielt Basketball und ist zufälligerweise schon seit drei Jahren mit Kaiya zusammen. Liege ich richtig?“
Shinji grunzt unwillig. Das ist ihm Antwort genug.
Er lacht ausgelassen.
„Oh Mann, ich hatte ja mit pikanten Details gerechnet, aber dass du mir sowas servierst, finde ich einfach nur großartig. Sag schon, was willst du über Kaiya wissen? Ihre Schwachstellen? Was anderes?“
„Ich will wissen, ob sie ihn betrügt.“
Hihara hört schlagartig auf zu lachen. „Sie? Ihn betrügen? Warum interessiert dich das, wenn er sie doch mit dir betrügt?“
Shinji starrt ihn an, als hätte er einen Basketball zu viel an den Kopf gekriegt.
„Wovon redest du da bitte? Ich würde Susa nicht mal mit der Kneifzange anfassen und umgekehrt genauso. Wer hat dir so nen Blödsinn erzählt?“
„Na Haizaki. Du weißt schon, dein bester Freund.“
Shinji stößt einen Fluch aus, der Hihara anerkennend pfeifen lässt.
„Alle Achtung. Du bist wirklich sauer. In dem Fall kann ich Haizakis Geschichte als 'Falsch' verbuchen.“
„Ja!“, knurrt sie, „Und wie du das kannst... Also besorg mir die Informationen über Kaiya und ich sorge dafür, dass Haizaki nicht noch mehr Müll über mich rum erzählt.“
Sie stößt in einer recht eigenwilligen Art der Verabschiedung ihr Knie gegen seines, springt auf und stapft die Straße hinunter, die Hände in die Jackentaschen gestopft.
Hihara blickt ihr amüsiert hinterher. So viel neue Informationen hatte er eigentlich nicht erwartet. Was für ein Freudentag.

- - -

„Midorima-kun!“
Shintarou dreht sich zu der fremden Mädchenstimme um, die da seinen Namen ruft.
Vor ihm steht die mollige Spielerin aus Kahokos Team mit den pinken Haaren und mustert ihn mit großen Augen, als wäre er aus dem Nichts aufgetaucht. Dabei hat sie ihm hinterher gerufen.
„Ja?“
„Ich… also… ich… Kahoko…“, das Mädchen atmet tief ein, „Sie hat sich den Magen verdorben und ihr Vater kommt sie holen, um sich das anzusehen. Soll ich ausrichten.“
„In Ordnung.“, er will sich wieder umdrehen, aber sie stößt ein hektisches Fiepen aus, das ihn besorgt innehalten lässt – nicht, dass sie umkippt und alle meinen, er sei's gewesen.
Sekundenlang starren sie sich wortlos an. Er verwirrt, sie kurz vor dem hyperventilieren.

Vielleicht hat sie diese Atemprobleme aus psychischen Gründen. Ich sollte sie ablenken!
„Du hast heute einen Korb geworfen.“, bricht Shintarou das Schweigen. Sie starrt ihn schockiert an.
„Ich…“, fängt sie an, starrt auf den Boden und holt dann so tief Luft, dass er um ihre Lungen fürchtet, „Ich verstehe, dass du dir das vielleicht nicht vorstellen kannst, weil du mich nicht kennst und du auch nicht viel Zeit hast, aber ich dachte, wir könnten uns vielleicht… kennen... lernen oder zusammen lernen oder irgendetwas miteinander machen und wenn es nur einmal im Monat ist oder so…“, endet sie lahm und atemlos. Sie starrt ihn an ohne zu blinzeln und er starrt ebenso regungslos zurück.
Fortuna sei Dank ist Takao nicht hier. Der würde diesen Moment derart ins Lächerliche ziehen.
Das muss das Mädchen sein, von dem Kahoko geredet hat. Und sie hat erwähnt, dass ich nicht viel Zeit habe. Vielleicht hat sie mit Kahoko geredet. Ob Kahoko ihr gesagt hat, dass sie das so formulieren soll? Nein… das klingt überhaupt nicht nach etwas, dass Kahoko formulieren würde.
Ich sollte nein sagen. Einfach gerade heraus.
Aber dann könnte Kahoko es als Rache ansehen. Wenn ich zu direkt nein sage wird sie das mitnehmen und dann wäre sie im Spiel nicht mehr so belastbar und das würde sich auf den Erfolg des Teams auswirken und Kahoko könnte das als Angriff ansehen.
Aber Kahoko würde das nicht so sehen, oder?
Und wenn ich ihr helfe, besser zu werden? Dann würde Kahoko doch sehen, dass ich mir auch um ihr Team Gedanken mache.
Aber das Mädchen könnte es falsch verstehen!
Sie hat rosa Haare wie Momoi. Aber sie ist nicht so dürr wie Momoi.
Das ist doch gar nicht wichtig! Ich muss eine Entscheidung fällen! Sie sieht mich schon seltsam an!
Was hat Oha Asa für heute vorausgesagt? Rotes Taschentuch und… Krebs steht an zweiter Stelle in der Rangordung und wird neue Wege gehen müssen um wieder an die Spitze kommen zu können.
Neue Wege, das ist es!
Dein Wurfarm könnte Training gebrauchen.“, reißt seine Stimme ein Loch in das beklommene Schweigen zwischen ihnen.
Sie öffnet und schließt ihren Mund wie ein Fisch auf dem Trockenen. Er wünscht, sie würde das sein lassen, er kann fast schon ihre Mandeln sehen.
„Oha Asa sagt, ich soll neue Wege gehen um an die Spitze zu kommen. Ich kann ein paar Stunden mit dir trainieren, um deinen Wurfarm zu stärken. Das könnte uns beiden helfen.“
Jetzt nickt sie so hektisch, dass er um ihre Halswirbel fürchten muss.
„Wann hast du Zeit?“

- - -

Von einem Krankenzimmer zum nächsten und die Decke sieht genau gleich aus, denkt Kahoko mürrisch.
Zusätzlich zu ihren ganzen Beschwerden ist ihr auch noch langweilig und Langeweile hat sie immer schon am schlechtesten ertragen.
Sie weiß nicht, wie das Gespräch zwischen Akemi und Shintarou gelaufen ist und ihr Vater hat ihre Tasche, sodass sie nicht mal ihr Handy benutzen kann. Dabei muss sie dringend Shoichi schreiben. Der hat doch keine Ahnung wo sie steckt und was los ist.
Gut, sie weiß auch nicht viel mehr, aber sie würde gerade gerne seine Stimme hören.
Oder die von einem anderen menschlichen Wesen, aber wenn sie wählen darf, dann doch am liebsten die von ihrem Freund.

Als sie gedanklich so weit ist, einfach aufzustehen und nachzusehen, was die Erwachsenen bitte treiben, öffnet sich die Tür zu ihrem Zimmer.
Es ist ihr Vater und er hat sein ernstes Gesicht aufgesetzt.
Kahoko versucht es mit einem Lächeln, aber er stellt sich mit verschränkten Armen vor sie hin und wartet, bis sie ihr Lächeln nicht mehr aufrecht halten kann.
„Was hast du dir dabei gedacht?“
„Wobei gedacht?“, versucht sie es erst mal mit der Rolle des Unschuldslammes. Sie weiß zwar nicht, worum es geht, aber sie hat so eine leise Vermutung.
„Basketball spielen, wenn du in einer solchen Verfassung bist. Du hast dich übergeben müssen, hattest Bauchkrämpfe, Schüttelfrost und dein Kreislauf hat verrückt gespielt und du hast trotzdem gedacht, du könntest mal eben so raus gehen und ein paar Körbe werfen?“
„Das war ein wichtiges Spiel und die haben mich gebraucht!“, protestiert Kahoko, bereut aber augenblicklich, dass sie die Stimme erhoben hat. Ihr Körper ist gar nicht so gut darauf zu sprechen.
„Du hast eine Lebensmittelvergiftung, Kahoko. Wir sind alle froh, dass es nicht der Blinddarm ist, wie du anfangs dachtest, aber weißt du, was mir Sorgen macht?“
„Mamas Kochkünste?“
„Das ist nicht witzig, Kahoko! Wenn du mit einer Lebensmittelvergiftung nicht vom Platz zu kriegen bist, was ist dann, wenn es mal was ernsteres ist? Spielst du, bist du tot umfällst?“
„Es ist doch der Winter Cup, die haben mich gebraucht!“
„Die brauchen dich als einen lebenden, gesunden Spieler. Erst die Sache mit deinen geprellten Rippe und jetzt das. Du musst wirklich lernen, auch für dich selbst Verantwortung zu übernehmen und vernünftig zu sein, sonst kannst du dich früher aus dem Sport verabschieden, als dir lieb ist.“
Kahoko beißt sich auf die Lippe und ihr Vater mustert sie ernst, bevor er sich mit einem Seufzen übers Gesicht streicht.
„Du kriegst heute das volle Programm. Was auch immer du da gegessen hast, muss raus. Du brauchst Flüssigkeit, Elektrolyte und Antibiotika. Wenn wir Glück haben, bist du in zwei Tagen hier draußen. Bis dahin verordne ich dir strenge Bettruhe und Handyverbot. Nutz die Zeit um ein wenig über dein Verhalten nachzudenken.“
„Aber Shintarou hat ein Spiel!“
„Da werd ich dich sicher nicht hingehen lassen. Es sei denn du willst mit einer Windel und einem Infusionsständer da auftauchen.“
„Und Shoichi? Kann ich ihm wenigstens eine Nachricht schicken, damit er weiß, was los ist?“
„Wenn er so schlau ist, wie ich denke, wird er sich bei deinen Eltern melden, wenn er nichts von dir hört und dann werden wir ihm sagen, was los ist. Ihr seid alt genug um ein paar Stunden ohne einander aushalten zu können.“
Er tritt näher, beugt sich vor und streicht ihr dann sanft mit dem Daumen über die Wange.
„Ich tue das für dich, Kahoko. Ich will das nicht noch einmal erleben müssen, okay?“
„Okay...“, gibt sie nach.


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