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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
24
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02.11.2016 3.449
 
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Die Sonne scheint viel zu grell vom Himmel, stellt Lia fest, als sie aus dem Flugzeug steigt und die eiskalte Luft einatmet.
Gefühlsmäßig mag sie noch nicht angekommen sein, aber zumindest in ihrem Kopf ist klar verankert, wo sie ist und vor allem wann. Sonntagmorgen Ende November in Tokyo und in etwas mehr als einer Stunde hat ihr Team ein wichtiges Spiel.
Mein Team, denkt sie mit einem warmen Gefühl im Bauch und atmet tief durch, bevor sie sich entschlossen nach vorne drängt. Sie will nicht zu spät kommen.

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„Du siehst müde aus.“
Yoyo knurrt eine unverständliche Antwort, aber ihre Teamkollegin drückt ihr trotzdem einen Becher in die Hand. „Trink das, das weckt dich auf.“
Misstrauisch beäugt Yoyo das milchige Getränk, schnuppert und saugt dann vorsichtig an dem Trinkhalm, nur um überrascht die Augen aufzureißen.
Was auch immer in dem Becher ist, es schmeckt!
„Ich mixe für mein Leben gerne Smoothies und ähnliches.“, erklärt ihr das Mädchen ein paar Minuten später, als Yoyo sich tatsächlich etwas wacher fühlt, „Und wir haben alle mittlerweile mitgekriegt, dass du mit Cola nicht zu ködern bist, also wollte ich es lieber nicht mit Kaffee versuchen.“
„Es hat nach Kokos geschmeckt. Ich liebe Kokos.“, entgegnet Yoyo knapp und ihr Gegenüber strahlt, als hätte sie ihr gerade eine Medaille verliehen.
Wenn man bedenkt, mit welchen Sätzen ich sonst um sich schmeiße, hat die mit ihrer Freude vielleicht gar nicht so unrecht, denkt Yoyo und zuckt dann mit den Schultern. Auch egal.

Sie spielen heute gegen Touou und der Winter Cup der Mädchen ist mittlerweile auch schon so weit voran geschritten, dass ihre Zuschauer die Ränge füllen, trotzdem kann Yoyo in der Menschenmenge Yahiro erkennen – so viel ist dann auch wieder nicht los und er sitzt fast in der ersten Reihe.
Außerdem hat er sich die Kapuze so hoch gezogen, dass die angenähten Katzenohren neckisch aus seinen blonden Haaren blitzen.
Was für'n Vollidiot, denkt Yoyo unwillig schmunzelnd und fängt auf Geheiß des Coaches mit den Aufwärmübungen an.
Das Smoothiemädchen steht nur zwei Positionen hinter ihr und schon im dritten Durchgang schafft ihr Gehirn die Verbindung zwischen dem Jetzt und ihrer Erinnerung. Smoothiemädchen saß schüchtern errötend neben ihr, als sich die zwei Zicken über die Vorzüge ihres Bruders unterhalten haben.
Hmm, denkt Yoyo, während sie einen weiteren Ball im Korb versenkt und wieder zum Ende der Schlange läuft, vielleicht könnte ich Kotarou ihre Nummer zustecken. Sie kommt ja selbst nicht in die Gänge. So als Dankeschön für den Smoothie…
Sie schüttelt den Kopf über sich selbst. Ich werde doch nicht etwa… nett… werden?

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„Du siehst müde aus.“
Kahoko verzieht das Gesicht. Michirou klingt sauer.
„Tut mir leid.“, murmelt sie, aber das reicht nicht.
„Das Spiel gestern war sicher nicht leicht für dich und deinen Freund, aber das rechtfertigt nicht, dass du deswegen nicht genug schläfst. Wir haben heute ein wichtiges Spiel!“
Kahoko zieht den Kopf zwischen die Schultern und wünschte, sie könnt dasselbe mit ihrem Magen machen. Ihr ist so unfassbar übel.
„Michirou...“, mischt sich da Shouta ein und legt eine warme Hand auf Kahokos Schulter, „Ich glaube, es geht ihr nicht gut und das kommt sicher nicht nur vom Schlafmangel. Kalter Schweiß...“, er streicht ihr die Haare aus der Stirn, „Aber kein Fieber…“, er seufzt erleichtert und bugsiert Kahoko sanft zu einer der Bänke.
Kaum sitzt sie, springt sie auch schon wieder auf, die Hand auf den Mund gepresst. Hastig stürzt sie zu den Toilettenräumen.
In der Umkleide bleibt bedrücktes Schweigen zurück.
„Wenn sie nicht spielen kann…“, merkt Tsunako auf, aber Nanami schüttelt den Kopf, „Ach was, sie kann. Das sind nur Frauenprobleme, laut meinem Kalender liegt sie genau im Zeitrahmen.“
„Deine Berechnungen in allen Ehren, aber es könnte auch eine Magen-Darm-Grippe sein.“, widerspricht Tsunako.
„Alte Schwarzseherin.“, murmelt Megumi neben ihr, „Wenn es eine Frauensache ist, können wir das Problem schnell beheben...“
Auch sie wird unterbrochen, von Kahoko, die blass, aber lächelnd wieder zurück kommt.
„Geht wieder.“, berichtet sie stolz und die Erleichterung ist spürbar.
„In solchen Momenten wäre ich wirklich gerne ein Kerl.“, spricht Shinji das aus, was ausnahmslos alle denken.
„Aber als Kerl würdest du nicht so fantastisch aussehen.“, mischt sich Chikara ein und bringt sie damit alle zum Lachen.

„Huch?“, Tsubaki mustert die Spielerinnen der Nakamiya South High der Reihe nach, „Ihr habt eure Aufstellung geändert.“
„Fertig machen können wir euch trotzdem.“, kontert Megumi und sieht dabei die grünhaarigen Zwillinge des Yosen-Teams an. Beide grinsen herausfordernd zurück.
„Oh, daran zweifeln wir doch.“, entgnet die Linke und so sehr sie sich auch anstrengt, Megumi kommt einfach nicht drauf, welche das jetzt noch mal war. Die Perverse? Oder die, die in Seirins stummen Center verknallt ist?
„Genug gequatscht!“, Shouta klatscht in die Hände, „Wärmt euch auf.“

„Hey Akemi...“, brüllt Shinji quer durch ihren Teil des Feldes, „Was ist noch mal dein Lieblingslied?“
Akemi fängt hilflos an zu stottern. Alle starren sie an.
„Sie mag Klassik. Und japanische Volkslieder.“, erbarmt sich Chikara und Akemi nickt erleichtert, schluckt den Knoten hinunter, der ihr das Sprechen verwehrt hat.
„Und dieses eine Lied… das Kahoko letztens immer gesummt hat. Das ist auch schön.“
„Na dann.“, Shinji macht ihr Grinsekatzengesicht, „Ich glaube, dann lassen wir das mal laufen. Wärst du so nett, Kahoko?“
„Seit wann gehst du denn bitte führend voran?“, wispert Michirou ihr zu, als sie sich im Kreis aufstellen, um Kahokos schräges Gesumme besser verstehen zu können.
„Seit es hier um etwas geht.“, murmelt Shinji zurück und dann, lauter: „Schließlich bin ich ja das Ass, oder? Hab gehört, das sei meine Aufgabe.“

Kurze Zeit später stehen die Zwillinge zufrieden grinsend und mit verschränkten Armen an der Seite. Sie tun so, als würden sie die Blicke der Yosen-Spielerinnen nicht bemerken, aber sie zwinkern sich immer wieder zufrieden zu.
Vielleicht mag das Rhythmusgefühl ihres Teams nicht für jeden sichtbar oder sinnvoll sein, aber sie selbst wissen am besten, wie gut es funktionieren kann.
Und wie es funktioniert…

- - -

Hätte jemand vor ein paar Wochen zu Lia gesagt, dass sie einmal über den Vorplatz des Flughafens hechten würde, wild mit den Armen fuchtelnd und dem Busfahrer zurufend, dass er warten solle… sie hätte ungläubig gelacht und ihr Gegenübe für verrückt erklärt.
Heute aber steht sie nach Luft schnappend im Bus und muss sich von dem grummeligen Fahrer eine Strafpredigt anhören, weil er ja auch seine Fahrpläne einhalten muss.
Lia kann sich das Grinsen vielleicht verkneifen, aber nicht diesen gewissen Stolz in sich. So schüchtern, wie sie dachte, ist sie wohl doch nicht.

- - -

Touou ist gut, stellt Yoyo trocken fest und wirbelt gekommt um die Spielerin herum, die sich ihr in den Weg gestellt hat.
Ob es an der Niederlage des Jungen-Teams vom gestern liegt oder ob sie einfach nur ihre Augen auf das herannahende Finale gerichtet haben, die Mädchen der Touou sind wirklich nicht zu unterschätzende Gegner.
Sie haben sich auf die Verteidigung konzentriert und darin lassen sie auch nicht locker. Yoyo kommt sich vor wie im Netz einer Spinne, nur dass sie nicht halb so hilflos ist, wie ihre Gegner vielleicht glauben.
Ganz, ganz langsam arbeiten sie sich Punkt für Punkt vor und Yoyo, die im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, weigert sich stur, den Ball an ihre Teamkolleginnen weiter zu geben.

„Scheint wohl immer noch die alte Yoyo zu sein.“, murmelt jemand und Yahiro dreht sich ruckartig herum.
Hinter ihm sitzt Ayato und grinst ihn lässig an.
„Seit wann sitzt du da? Da saß vorhin noch ein Mädchen.“
„Oh das? Hab mit ihr getauscht. War ganz leicht.“
Yahiro schnaubt und dreht sich wieder nach vorne, aber das bringt nichts. Ayato hat nicht umsonst die längsten Beine in ihrem Trio – er klettert einfach über die Sitzlehnen zu ihm nach vorne und macht es sich auf dem Platz neben ihm gemütlich.
„Da sitzt jemand.“, mault Yahiro wie ein kleines Kind und stopft sich eine Hand voll Gummibärchen in den Mund, bevor sich Ayato daran auch noch vergreift.
„Ja, ich sitz da jetzt. Was dagegen?“
„Vielleicht. Was willst du eigentlich?“
„Neben dir sitzen, quatschen, abhängen… nenn es, wie du willst.“
Ayato blickt hinunter aufs Spielfeld und dann zu ihm.
„Muss ich dich wirklich daran erinnern, dass wir immer noch befreundet sind? Oder hast du mir auch die Freundschaft gekündigt und mir nur nichts gesagt?“
Yahiro öffnet den Mund, dann schließt er ihn wieder, schluckt und räuspert sich.
„Du hast mich in letzter Zeit ignoriert, ich dachte, du hättest mir die Freundschaft gekündigt.“
Ayato lacht trocken. „Und da du ja Yoyo hattest, hast du dir auch nicht die Mühe gemacht, mal nach mir zu schauen. Schon klar.“
„Tu nicht so, als ob es leicht für mich wäre!“, faucht Yahiro, „Ich sitze zwischen den Stühlen.“
Sein Freund schaubt abfällig. „Ja klar, für dich ist es schwer. Du bist doch ganz froh, dass du Yoyo jetzt für dich alleine hast. Hast vermutlich nur darauf gewartet, dass ich Mist baue.“
„Du spinnst doch echt.“, knurrt der Blonde, „Entweder du hörst auf damit, so paranoid zu sein oder du haust ab!“
„Sonst was?“
„Sonst sorg ich dafür, dass du abhaust.“, stellt Yahiro klar und da ist etwas in seinem Blick, dass Ayato verstummen lässt.
Es kommt nicht oft vor, dass sein bester Freund sein kindliches Getue beiseite schiebt und zeigt, was er eigentlich zu tun im Stande ist.

„Ich dachte ja, sie kommt vielleicht zur Besinnung, wenn ich sie zur Rede stelle. Stattdessen stürzt sie sich in diesen Teamkram und was bringt es ihr? Gar nichts. Sie spielt kein bisschen besser und die verlieren noch, wenn sie nicht mal den Ball abgibt.“
„Das ist ne Strategie.“, murrt Yahiro widerwillig, „Sie tut nur so, als würde sie nicht abgeben wollen, damit sich alle auf sie konzentrieren. Sie bauen ihre Führung noch immer weiter aus, weil Touou sich nur darauf konzentriert, Yoyo zu stoppen. Wenn sie anfangen, ihr drauf zu kommen, wird sie auch anfangen zu passen.“
„Wer hat sich denn sowas bescheuertes ausgedacht?“t
„Yoyo. Und das viele Training tut ihr gut. Sie ist nur noch halb so mies gelaunt, weil der Sport sie so fordert und ihr Würfe haben sich echt verbessert.“
„Was gibt’s denn an Yoyos Würfen zu verbessern?“, fragt Ayato genervt. Yahiro stößt ihm den Ellbogen in die Seite und zeigt aufs Feld.
Yoyo dreht sich gerade um eine Spielerin herum und wirft den Ball nach hinten, Richtung Korb. Sie trifft und der Korb zählt ganze drei Punkte.
„Also das konnte sie vorher zum Beispiel noch nicht.“
„Mag sein, aber das ist trotzdem alles Blödsinn. Dieses ganze Geschwafel, dass Training einen glücklich macht.“
„Na glücklich macht es einen nicht, also nur Training. Aber es ist nett, beschäftigt zu sein und dabei zu merken, dass man was kann und sich dabei auch noch verbessern kann.“
Ayato wirft ihm einen entsetzten Blick zu. „Du wirst doch jetzt nicht etwa auch noch dem Basketballclub beitreten.“
„Ne.“, gibt Yahiro zurück und grinst dann, als Ayato erleichtert aufatmet, „Das mach ich, wenn überhaupt, erst im nächsten Schuljahr. Aber ich bin dem Fotografieclub beigetreten.“
Sein bester Freund mustert ihn, als wäre er nicht mehr ganz bei Trost, dann schüttelt er sich angewidert und setzt sein abschätzigstes Grinsen auf.
„Und wo ist deine Kamera, du Fotograf? Den Rückwärtswurf von Yoyo konnteste wohl nicht ablichten, was?“
„Also wenn du versuchst, mich zu beleidigen, dann bitte richtig, ja.“, kommentiert Yahiro trocken, „Weißt du denn nicht, was man für eine Belichtung für so einen schnellen Schnappschuss braucht? Ein Objektiv für Sportfotografien ist sauteuer und das eine, dass wir in der Schule haben, leihen sie natürlich nicht an jemanden aus, der normalerweise Porträts macht.“
Ayato öffnet den Mund zu einer Erwiderung, schließt ihn aber wieder. Er gibt sich geschlagen.
Unter ihnen wendet sich das Blatt. Touou ist endlich hinter den Grund für Rakuzans stetig zunehmenden Punktestand gekommen. Jetzt zeigt sich, ob Yoyo wirklich etwas gelernt hat.
Ihre Pässe müssen unvorhersehbar sein, sie muss sich innerhalb von Sekundenbruchteilen entscheiden und vor allem müssen ihre Teamkolleginnen immer bereit sein. Jetzt braucht es Vertrauen.
In den Zuschauerrängen breitet sich Unruhe aus als sich herausstellt, dass nicht nur die männlichen Spieler ihren Gegnern immer ein paar Schritte voraus sind.

- - -

Lia hastet die Flure entlang und wünscht sich sehnlichst einen Lageplan herbei. Die Pfeile an den Wänden, die ihr ungefähr die Richtung weisen, sind nur halb so hilfreich, wie sie wohl sein sollten.
Schließlich findet sie die Umkleiden und reißt die Tür auf – nur um sie eilig wieder zu schließen. Die Rakuzan-Uniformen in dem kleinen Raum sprechen eine deutliche Sprache.
Ein paar Türen weiter findet sie, was sie sucht. Die Umkleide ihres Teams. Leider ist sie leer. Das kann nur bedeuten, dass das Spiel schon angefangen hat. Also doch zu spät.

Hinter ihr öffnet sich die Tür mit einem Quietschen. Lia fährt herum und blickt direkt in Shoutas verblüfftes Gesicht.
Der Moment hätte unangenehm werden können, doch die neun mehr oder weniger verschwitzten Mädchen, die hinter ihm stehen und sich unbedingt für ein paar Minuten in der Sicherheit des kleinen Räumchens ausruhen wollen, retten sie vor allem Unangenehmen.
Megumi quietscht wie ein Meerschweinchen und hüpft um sie herum, Tsunako fällt ihr um den Hals, Akemi fängt an zu heulen, Michirou und Shinji stehen lächelnd im Hintergrund und der Rest des Teams wuselt völlig aufgedreht im Raum herum.

„Wie stehen wir?“, unterbricht Lia die Hektik. Die Mädchen sehen sich der Reihe nach an, keine spricht.
„Schlecht.“, gibt Shouta schließlich zu, „Nicht… also nicht furchtbar schlecht oder hoffnungslos, aber wir haben bei weitem nicht mehr den Schwung oder den Vorsprung, den wir bei den letzten Spielen hatten. Den wir bräuchten.“
„Wo liegt das Problem?“
„Bei mir.“, gibt Kahoko zu, „Ich hab trotz Schmerztabletten immer noch Unterleibskrämpfe und mir ist übel.“
„Ich hab sie nicht spielen lassen.“, erklärt Shouta, „Vielleicht ganz zu Ende, um das Ruder noch rumzureißen, aber dann brauch ich sie in Topform.“
Lia nickt und schlüpft aus ihrer Jacke.
„Auf welcher Position kannst du mich brauchen?“

- - -

„Willst du… noch etwas sagen?“, wendet sich Michirou an Lia, als sie am Spielfeldrand stehen, „Also bevor wir in die zweite Halbzeit starten? Als Motivationsrede oder so?“
Lia lächelt. „Ich würde lieber dich hören. Wenn du nichts dagegen hast. Bis jetzt hattest du ja alles sehr gut im Griff.“
Es scheint fast, als erröte Michirou, aber es könnte auch das Licht sein, dass ihnen allen einen Streich spielt.
„Also… also gut. Leute...“, sie atmet tief durch, „Wir haben alle Spiele bisher gewonnen. Wir sind gut. Aber Yosen ist auch gut. Wir kennen diese Mädchen. Wir mögen sie sogar. Vergessen wir das.“
Michirou sieht sie alle der Reihe nach an, bevor sie weiter spricht. „Vergesst, was ihr über sie wisst. Wie sehr sie sich den Winter Cup wünschen oder was für Interessen ihr vielleicht mit ihnen teilt. Vergesst auch den Punktestand, was ihr heute noch vorhabt oder was gestern alles gewesen ist. Spielt einfach nur Basketball, Zug für Zug, Punkt für Punkt. Den Rest macht Shouta.“
Michirou versucht ein schiefes Lächeln und sie alle lächeln zurück.
Irgendwo hoch oben in den Rängen fängt ein Telefon ohrenbetäubend zu klingeln. Es ist ein Song, den sie alle nur zu gut von ihren Playlisten kennen.
Shinji grinst wissend.
„Wie wahrscheinlich ist es, dass es in Tokyo einen Fremden gibt, der Michirous Lieblingslied als Klingelton hat?“
„Nicht sehr wahrscheinlich.“, entgegnet Nanami knapp, „Aber egal. Ihr habt den Song gehört, ihr habt Michirous Rede gehört, ab aufs Spielfeld mit euch.“
Die Mädchen beziehen eilig Stellung.

Kahoko lässt sich schwerfällig auf der Ersatzbank nieder, Shouta setzt sich auf ihre linke Seite und greift ohne zu Fragen nach ihrer Hand, um sie zu drücken. Damit will er nicht sie beruhigen, sondern sich selbst. Kahoko lässt ihn gewähren.
Chikara drückt ihr eine neue Wärmflasche in die Hand und setzt sich im Schneidersitz auf den Boden, damit Akemi noch Platz hat.
Die ersten paar Minuten Spielzeit sind sie alle ins Spiel vertieft. Die Mädchen wirbeln förmlich zwischen ihren Gegnern umher und holen ihren Rückstand im Nu auf. Doch auch Yosen erholt sich rasch von der Überraschung und kontert mit umso stärkerer Verteidigung. Jetzt wird es zäh.
„Kahoko...“, wispert es rechts von ihr. Kahoko runzelt die Stirn und blickt zur Seite. Akemi blickt mit Hundeaugen zu ihr auf.
„Ja?“, wispert sie zurück, nicht ganz sicher, warum sie überhaupt flüstern.
„Hast du… Hast du eigentlich mit deinem Bruder… also geredet?“
„Das fragst du ausgerechnet jetzt?“, platzt es Kahoko – immer noch flüsternd – heraus. Akemi wird knallrot.
„Ich… also… ich… du hast es nicht… also… er ist auch hier und ich dachte… vielleicht… also...“
„Er ist auch hier?“, Kahoko sucht die Zuschauerränge ab.
„Oben bei den Stehplätzen, ganz rechts.“, murmelt Akemi und drückt angespannt ihre Zeigefinger aneinander.
Tatsächlich. Das grüne Haar ist unverkennbar und er hat sich auch noch ausgerechnet einen Platz ausgesucht, der gut beleuchtet ist. Vielleicht will er sogar gesehen werden.
„Ich hab mit ihm geredet.“, wendet sich Kahoko jetzt wieder an Akemi, die sie mit großen Augen anblickt, "Wirklich, aber er möchte nicht, dass ich mich einmische. Was ich verstehen kann. Und er wollte, dass ich dir sage, dass er keine Zeit für eine Beziehung hat. Neben dem Training für den Winter Cup bleibt nicht viel Zeit übrig und er will bald Vorbereitungsklassen für die Uni machen."
Akemi gibt sich wirklich Mühe, ihre Gesichtszüge unter Kontrolle zu halten, aber es ist ihr deutlich anzumerken, dass sie enttäuscht ist.
Kahoko schlingt ihren Arm um die Schultern des kleineren Mädchens und beugt sich zu ihr, um ihr ins Ohr zu flüstern.
"Aber ich werde dir trotzdem den Rat geben, geduldig zu sein. Shintarou ist ein harter Brocken und man darf nicht locker lassen, wenn man ihn knacken will."
"Das macht nicht wirklich Sinn.", murmelt Akemi und starrt auf das Spielfeld vor sich.
Ihre Grübeleien werden abrupt unterbrochen, als Shouta sich zu ihnen lehnt.
"Akemi. Rein mit dir."
"W-was?", sie starrt panisch ihn und dann Kahoko an, aber der Schiedsrichter pfeift bereits zum Spielerwechsel und Lia humpelt zu ihnen, um Akemi abzuklatschen.
"Du kannst das.", Kahoko gibt ihr einen Schubs und sie stolpert auf das Spielfeld.
 
Lia lässt sich auf Akemis Platz fallen und streckt mit schmerzverzerrtem Gesicht ihr rechtes Bein von sich.
"Krampf.", jammert sie und Kahoko rutscht von der Bank.
"Ich massier und tape, Chikara kann dir Magnesium holen... Das kommt davon, wenn man sich nicht richtig aufwärmt."
Lia grinst trotz der Schmerzen. "Du klingst wie Natasha. Sie lässt dich übrigens grüßen."
"Danke..." Kahoko drückt ihre Finger gezielt in Lias Waden und die beißt sich auf die Lippen vor Schmerz. Unterhaltungen werden jetzt erst mal keine mehr geführt.
 
Akemi hastet eilig zu ihrem Platz auf dem Feld.
Megumi lächelt ihr aufmunternd zu. "Du kannst das, das ist wie in den Trainingsspielen."
"Ja, aber...", Akemi schluckt trocken und starrt zu den Mädchen, die gegen sie spielen, "Die sind alle so gut und das Spiel hier ist wirklich wichtig."
"Hast du schon vergessen, was Michirou gesagt hat", mischt sich Shinji ein, die an ihnen vorbei läuft, "Zug für Zug, Punkt für Punkt. Also hängt euch rein."
Megumi grinst. "Also, du hast sie gehört." Und weg ist sie.
Akemi hetzt ihnen hinter her, aber sie ist zu langsam.
Sie braucht einen Moment, bis ihr einfällt, was Shouta ihr eingetrichert hat - sie hängt sich an eine der grünhaarigen Zwillinge, ignoriert deren Blicke und tut, was sie kann.
Im Blocken bin ich eigentlich recht gut, das weiß ich und meine Würfe sind auch nicht schlecht. Vielleicht, wenn ich ein bisschen weniger wiegen würde und schneller rennen könnte...
Ihr Blick fällt zur Ersatzbank, Chikara steht auf der Bank und brüllt sich die Lunge aus dem Leib, als könnte ihnen das mehr Punkte einbringen.
Ich hätte auch gerne eine Mutprobe gemacht. So wie die anderen. Aber ich war ja zu spät dran.
Vielleicht würde ich mich dann mehr trauen. Besser spielen.
Vielleicht könnte ich dann sogar Midorima-kun ansprechen?
Akemi schüttelt frustriert den Kopf.
Vom Jammern werde ich nicht schneller. Und ich wollte doch lernen, aus dem, was ich habe, mehr zu machen. Also... was kann ich tun?
 
Ihr Blick folgt dem Basketball, von Megumi zu Shinji und wieder zurück zu Megumi, die den Ball an Tsunako weiter geben will, aber...
Die steht doch gar nicht frei!
Akemi brüllt "Hier!" bevor sie sich dessen selbst bewusst ist. Megumi reagiert blitzschnell und plötzlich ist der Basketball in Akemis Händen und keiner steht ihr im Weg. Die haben sie einfach vergessen, bloß weil sie pummelig und langsam ist.
Sie grübelt nicht lange, dafür ist sie viel zu überrascht. Akemi denkt nur Wenn der rein geht, dann sprech ich Midorima-kun an! und wirft.
Der Ball geht rein. Er zählt drei Punkte.



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