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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
23
Alle Kapitel
100 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
30.10.2016 3.477
 
Hallo Leute,
bei den nachfolgenden Szenen habe ich mich so eng wie möglich an den Manga gehalten und dabei ein wunderbares Bild gefunden: Das Jungsteam der Nakamiya South High!
Sie müssen als nächstes gegen Seirin spielen und der Kapitän meint hier noch, dass sie echt Glück haben, weil Seirin total erledigt sein wird nach dem Spiel gegen Touou. Tatsächlich haben sie bei dem Spiel am nächsten Tag wirklich Probleme, weil sie sich überschätzt haben, aber nachdem sie der Reihe nach einen freundlichen "Klaps" von Riko bekommen haben, geht's wieder.
Ich weiß nicht mehr, wie viel davon im Anime zu sehen ist, aber man sieht auf jeden Fall ihre Trikots, die, ihr werdet es nicht glauben, Türkis-Schwarz sind.
Wenn ihr euch in die richtige Stimmung für das Kapitel versetzen wollte, lest am besten das Manga-Kapitel, aus dem die Seite (der Link)  stammt.
Aber genug mit den Informationen, viel Spaß beim Lesen.
Poettierchen



„Oh, da bist du! Im Ernst, verschwind doch nicht immer einfach so!“
Nanami hält inne. Sie kennt diese Stimme. Also huscht sie näher und lächelt zufrieden. Gefunden…

„Komm schon, lass uns zu den anderen zurück gehen.“
Satsuki versucht nicht, ihn hochzuziehen. Sie ist nicht so dumm zu denken, sie hätte die Kraft dazu.
Also bleibt sie stehen und mustert ihren besten Freund, wie er auf harten Betonboden liegt, als wäre es das weichste Federbett und hoch in den dunklen Himmel starrt.
„Hey Satsuki...“, murmelt er schließlich mit diesem trägen, tiefen Tonfall, der für ihn so typisch ist, „Hast du morgen Zeit?“
„Also...“, stottert sie verwirrt, aber er unterbricht sie.
„Willst du Schuhe shoppen gehen?“
Sie starrt ihn überrascht an. Das hat sie jetzt am wenigsten erwartet.
„Ich will mir neue Basketballschuhe kaufen.“, murmelt er, als er merkt, dass sie wohl doch ein paar mehr Worte von ihm braucht, um sich überzeugen zu lassen.
„Ja, also, klar, aber… warum so plötzlich?“
Er grunzt unwillig.
„Ich will trainieren...“
Sie strahlt ihn an und er grunzt erneut.
„Jetzt geh schon… ich will mir eh noch ein bisschen den Himmel ansehen und dein Freund kommt doch ohne dich eh nicht klar.“
Satsuki schmunzelt und tritt leicht mit ihrem Fuß gegen seinen, ein kleines Zeichen dafür, dass sie heute Nacht trotzdem erreichbar für ihn sein wird. Falls er doch noch reden will. Dann geht sie und er bleibt zurück und versucht am Nachthimmel ein paar Sterne zu erkennen.
Etwas raschelt ganz nahe und er hebt den Kopf.
„Kahoko?“
„Nicht ganz.“, murmelt ein Mädchen und löst sich aus dem Dunkel, tritt zu ihm. Er mustert erst ihr Gesicht und dann ihre Oberweite. Sie lacht und tritt noch einen Schritt näher.
„Alte Gewohnheiten wird man schlecht los, was? Ich bin Nanami, die asexuelle Managerin.“
„Ach...“, murmelt er und macht es sich wieder gemütlich. Der Nachthimmel ist interessanter.
„Deine Schwester hat nach dir gesucht. Sie war sich nicht ganz sicher, wie es dir wohl geht.“
Er brummt etwas unverständliches, aber sie geht nicht weg. Stattdessen legt sie sich neben ihn und starrt hoch in den Himmel.
„Wie ist das...“, murmelt sie und er nimmt sich ganz fest vor, egal wie faul und müde er grade ist, aufzuspringen und wegzugehen, wenn sie ihn nach der Niederlage fragt, „ein Kerl sein… wie ist das? Ich kann mir das irgendwie gar nicht vorstellen.“
„Versuchst du, mich in ein Gespräch zu verwickeln, damit ich nicht grübeln kann?“
„Würd ich nie tun.“, beteuert sie mit Unschuldsmine und mustert dann den Himmel über ihnen, „Aber die Frage beschäftigt mich und ich dachte, wenn ich jemanden fragen will, dann einen echten Kerl.“
Er grinst, gegen seinen Willen. Sie ist gerissen.

- - -

„Hiermit treten wir Drittklässler zurück. Wir danken euch für alles, was ihr bis jetzt geleistet habt.“
Es sind knappe, einfache Worte, die Shoichi in Namen der Drittklässler an das ganze Team richtet. Er hat sie geübt, aber er hätte nicht gedacht, sie so früh schon sagen zu müssen.
„Der neue Kapitän wird Wakamatsu sein. Viel Glück.“
„Warte… Was?!“, natürlich wird Wakamatsu laut. Das ist ein Naturgesetz, darauf kann man zählen, egal wie ruhig er in den letzten Wochen schon geworden ist.
Shoichi schafft ein schiefes Grinsen.
„Mach dir keine Sorgen. Du gewöhnst dich schon dran.“
„Nein… das… das ist es nicht. Warum passiert dieser Wechsel so plötzlich?“
„Plötzlich?“, entgegnet Shoichi scharf, „Wir haben in der ersten Runde verloren. Wenn du Zeit dazu hast, dich aufzuregen, dann geh und trainiere.“
Susa neben ihm senkt den Kopf und er selbst kann sehen, wie sich der Blick so manches jüngeren Spielers plötzlich ändert. Sie begreifen, langsam, aber doch, was diese Niederlage für die Drittklässler bedeutet.
Dieser Winter Cup war ihre letzte Chance, ihr letztes Turnier. Und sie haben in der ersten Runde verloren.

„Aber ich komm doch mit Aomine überhaupt nicht klar. Niemals, nicht so wie Imayoshi!“, wendet sich Wakamatsu an ihren Coach.
Shoichi schmunzelt.
„Hasst du ihn?“, fragt er direkt und Wakamatsu nickt, überrumpelt, aber entschieden.
„Ja, das tu ich.“
„Wer denkst du denn, ist am besten dazu geeignet, dass Ass unseres Teams zu sein?“
Der neue Kapitän seufzt. In seinem Gsicht zeichnet sich ein Hauch dieser Erkenntnis ab, die wohl alle guten Kapitäne prägt. Dinge, die man nicht mag und nicht mögen muss, aber man zum Wohle des Teams akzeptiert. Diese Dinge muss man erkennen, um mit ihnen arbeiten zu können.
„Solange du das nicht vergisst, ist alles gut. Ich mach mir jedenfalls keine Sorgen… Also… geht jetzt nach Hause. Ruht euch aus. Morgen ist ein neuer Tag, an dem ihr trainieren und an euch arbeiten könnt.“

Die Umkleide leert sich, bis nur noch er selbst und Susa da sind.
„Shoichi...“, fängt Susa an und er seufzt.
„Ich weiß… wäre es möglich, dass wir ein ander mal darüber reden? Heute ist mir wirklich nicht danach.“
Susa nickt mit diesem schwermütigen Gesichtsausdruck, der ausdrückt, was Shoichi auch selbst fühlt. Bittere Trauer und dieser leichte Hauch von Verzweiflung, der ihn die Zähne zusammen beißen lässt. Er hat diese Niederlage wirklich nicht kommen sehen.

Er sitzt auf einer der niedrigen Bänke und hat die Augen geschlossen, als die Tür mit einem leisen Quietschen aufgedrückt wird. Shoichi ist sich sicher, dass es Kahoko ist, aber als die Zeit vergeht und sie nicht spricht, schwindet seine Überzeugung. Schweigend kennt er sie nun wirklich nicht.
Jemand lässt sich auf den Boden neben seinem linken Bein nieder. Er blinzelt ganz behutsam und sieht grünes Haar, ein knallrotes Kleid.
Kahoko sitzt einfach nur neben ihm und wartet.
Sie ist da und zwingt ihn nicht zum reden.
Was er sich bei seiner letzten Niederlage so gewünscht hat, erfüllt sich jetzt. Damit hat er auch nicht gerechnet.

Wie immer, wenn sie sich so nahe sind und er die Zügel seiner Selbstbeherrschung lockert, finden sich seine Finger wie von selbst in ihren Haaren wieder. Diesmal beugt er sich vor und legt seine Wange sanft gegen ihren Scheitel, als wäre es ein weiches grünes Kissen für seinen schweren Kopf.
Er fühlt sich wie der kleine Junge von früher, der abends oft alleine im Dunkeln saß und nicht schlafen konnte.
Warme Finger streicheln sanft über seinen Knöchel und er vergisst die Zeit. Wenn sie einfach so sitzen bleiben könnten, dann könnte er wohl vergessen, was Trauer ist, wie sich Verzweiflung anfühlt.

- - -

Vor der Umkleide des Seirin Teams sitzen drei Mädchen auf dem Boden und geben eine Flasche Kirschlimonade und eine Tüte mit Gummischnüren im Kreis herum. Es ist still in dem kleinen Gang, niemand spricht, nur die bunt bedruckte Verpackung der Süßigkeit raschelt laut.
Schließlich kommen Schritte näher, zwei Jungen bleiben verdutzt nicht weit von ihnen stehen.
„Coach?“
Riko lächelt, aber nicht bedrohlich, sondern amüsiert.
„Ach, ich wollte die Jungs nicht hetzen. Ich dachte, ich lasse ihnen noch ein wenig Zeit, sich auszuruhen.“
„Sie schlafen.“, erklärt Mirai unnötigerweise und nimmt Megumi die Gummischnüre aus der Hand, „Tief und fest. Einer liegt über dem anderen, ich hab vorhin reingeguckt.“
Megumi schnalzt ungehalten mit der Zunge. Dabei hat sie auch kurz einen Blick riskiert und ihren Kopf dann sofort wieder zurück gezogen. Kagami hat so ganz anders ausgesehen, wenn er die Stirn mal nicht runzelt und die Augen geschlossen hat.
„Sollen wir dann überhaupt gehen?“, kommt es von einem der Jungen, „Ich warte lieber und gehe dann mit dem Team zusammen.“
Er setzt sich entschlossen gegenüber der Mädchen auf den Boden und meidet ebenso entschlossen ihre Blicke. Seine Schuhe sind wesentlich interessanter.
„Das ist nett von dir, Furihata. Tatsächlich können wir deine Hilfe brauchen, falls Kuroko nach seinem Nickerchen immer noch so wackelig auf den Beinen ist.“
Furihata nickt nervös. Als sich seine beiden Mitschüler aber neben ihn setzen, entspannt er sich sichtlich.
Megumi lächelt in sich hinein. Ein ganz klein wenig erinnert er sie an Tsunako – bevor sie angefangen hat, sich mehr zuzutrauen.

- - -

Fast wäre er einfach an ihr vorbei gelaufen. Aber nur fast.
„Wir sehen uns morgen.“, verabschiedet sich Kousuke hastig von seinem Team und ignoriert die neugierigen Blicke, während er kurz vor dem Ausgang in einen der kleinen Seitengänge abbiegt.
Michirou steht seelenruhig da und wartet auf ihn, den geborgten Touou-Fanschal um den Hals geknotet.
„Es ist kalt draußen.“, erklärt sie ihm knapp und drückt ihm ein wolliges Knäuel in die Hände, das sich bei näherer Betrachtung als eine Mütze und einen Schal in leuchtendem Türkis entpuppt.
„Die Nakamiya-Farben.“, stellt er mit wissendem Grinsen fest und sie schnaubt: „Ich will nicht, dass du krank wirst.“
Er grinst trotzdem und hört auch nicht damit auf, als sie ihn an der Hand nimmt und aus dem Gebäude zieht.
„Komm. Lass uns nach Hause gehen.“

Sie meiden die Bushaltestelle, wo sich noch immer viele der Spieler und Zuschauer tummeln und darauf warten, nach Hause zu können. Zu Fuß dauert der Heimweg zwar sehr viel länger, aber dafür ist er auch wesentlich privater.
„Und? Wie geht’s dir?“, fragt Michirou und drückt seine Finger, als sie den Lärm des Hauptplatzes verlassen und in eine ruhigere Straße eingebogen sind.
„Keine Ahnung...“, gibt Kousuke zu, „Ich… Du hattest Recht… Imayoshi ist zurück getreten. Heute. Und er hat mich zum neuen Kapitän ernannt.“
Zwischen ihnen herrscht Schweigen. Nur das Geräusch ihrer Schritte ist in der Stille zu hören.
Das ist eines der Dinge, von denen er nicht gedacht hätte, dass sie ihm so wichtig sein könnten. Dass Michirou ihm Platz und Zeit zum Denken lässt. Dass er überhaupt mal nachdenken will, bevor er spricht.
„Glaubst du, ich kann das?“, stellt er die Frage, die er zu gerne Imayoshi gestellt hätte.
„Klar.“, entgegnet Michirou so entschieden, dass er überrascht stehen bleibt und sie damit auch zum anhalten zwingt.
Sie sieht ihm in die Augen und antwortet ohne Zögern: „Ich könnte mir keinen besseren Kapitän vorstellen. Du hast die Energie, die Durchsetzungskraft und den Willen zu gewinnen. Den Rest kannst du dem Coach überlassen. Ihr habt ja einen sehr guten. Und diese Momoi habt ihr auch noch.“
„Und Aomine…?“
Sie lächelt und es wirkt fast verwegen.
„Na für den haben wir doch Kahoko. Wenn er sich nicht benehmen will, lassen wir sie auf ihn los. Erinnerst du dich noch an den Kinnhaken, den sie ihm bei unserem Spiel verpasst hat.“
Er lacht und dann küsst er sie.

- - -

Ohne das laute Stimmengewirr und die vielen aufgeregten Menschen ist das Stadion nur eine leere Hülle. Susa eilt durch die Gänge und ignoriert das viel zu laute Geräusch seiner Schritte, so gut es geht. Es funktioniert besser als mit seinen Gedanken.
Draußen ist es kälter, als er erwartet hatte. Er bleibt einen Moment stehen, seiner erster Fehler. Die Kälte sickert augenblicklich in seine müden Muskeln und er fängt an zu zittern. Da wird die nächste Erkältung wohl nicht lange auf sich warten lassen.
Er wendet sich nach rechts und sieht einen Bus auf die Haltestelle zufahren. Anstatt loszurennen wie ein Vollidiot, versucht er noch die Nummer zu erkennen. Das ist sein nächster Fehler. Es ist sein Bus und in dem Moment, der zwischen erkennen und begreifen vergeht, schließen sich die Türen schon wieder und er steht immer noch fünfzig Meter entfernt im Dunkeln.
Hoffentlich fährt noch ein Bus, denkt er, stopft die Hände in die Taschen seiner viel zu dünnen Sportjacke und stapft die Straße hinunter.
Auf einer Parkbank sitzt jemand gerade am Rande des Lichtkegels einer flackernden Straßenlaterne und starrt ihn an.
Susa versucht, nicht zurückzustarren, aber er erkennt aus den Augenwickeln wuchtige Stiefel und eine Nietenbesetzte Lederjacke.
Normalerweise würde ihm das wohl keine Angst machen, aber es ist dunkel, er hat Hunger und ihm ist kalt. Noch dazu hat er sich vor gerade einmal einer Stunde so verausgabt, dass ihn ein Kindergartenkind überfallen könnte – wegrennen kann er jedenfalls nicht mehr.
Zitternd holt er tief Luft, da steht die Person auf. Er ist zu müde, um alles aufeinmal aufnehmen zu können, sein Gehirn teilt ihm alles nur in kleinen Häppchen mit. Glatte schwarze Haare, zwei blitzende Piercings unter der Unterlippe, ein freches, fast bedrohliches Grinsen.
„Du hast ja lange gebraucht.“, hallt es über die Straße und jetzt endlich fügt Susas müdes Gehirn die Putzelteilchen zusammen. Seine Füße reagieren schneller als sein Gesicht. Er bleibt stehen, dann breitet sich ganz langsam ein erleichtertes Lächeln auf seinen Lippen aus.
„Shinji.“, murmelt er und sie ist mit zwei Schritten bei ihm und hakt sich unter.
„Komm schon, bevor wir hier noch fest frieren. Hast du Hunger oder willst du gleich nach Hause?“

Keine fünf Minuten später sitzen sie in einem Fast Food Restaurant. Shinji nippt an einer Cola und sieht amüsiert dabei zu, wie er das ungesunde Essen in sich hineinstopft, dass sie ihm spendiert hat.
„Gut so...“, spottet sie, „Komm zu mir auf die dunkle Seite der Macht, wo wir das Gemüse nicht aufessen und Fast Food als vollwertige Mahlzeit gilt.“
Er fängt an zu lachen und verschluckt sich an einem Bissen.
Shinji muss ihm so heftig auf den Rücken klopfen, dass ihm der nun auch noch weh tut.
„Geht's wieder?“
Er nickt und legt seinen Burger zur Seite. Er muss wirklich langsamer essen.

Die Tür des Restaurants öffnet sich und ein Pärchen in ihrem Alter stolpert herein. Kichernd halten sie sich aneinander fest und
Von einer Sekunde auf die andere ist ihm der Appetit vergangen. Um den zwei Fremden keine Löcher in den Rücken zu starren fixiert er stattdessen seine Serviette, aber dabei vergisst er Shinji. Sie tritt ihm fest gegen das Schienbein.
„Au!“, mault er und sie mustert ihn angriffslustig.
„Tu nicht so, so fest war das nicht. Was ist los? Kennst du die beiden Turteltauben?“
„Nein, es ist nur...“
„Was? Vermisst du Kaiya?“
Er schüttelt den Kopf, nickt und schüttelt ihn doch wieder. Shinji mustert ihn besorgt.
„Sag mal...“, murmelt er und starrt auf seinen linken Daumen, mit dessen Fingernagel er ein Muster in die fleckige Tischdecke kratzt, „Warst du schon mal in einer Beziehung?“
„Nein und das weißt du auch. Wieso fragst du?“
„Weil…“, er seufzt, schluckt trocken und versucht sich dann in einem Grinsen, dass ihm nicht gelingen will, „Weil ich glaube, das Kaiya mich betrügt.“
Zwischen ihnen herrscht ein Schweigen, dass durch das Gelächter des Pärchens vorne am Thresen nur noch verstärkt ist.
Susa kann spüren, wie Shinji ihn mustert, ihm mit ihrem stechendsten Blick Löcher in die Stirn brennt.
„Bist du dir da sicher?“, fragt sie zurück und in ihrer Stimme schwingt etwas mit, dass ihn sein Geständnis bereuen lässt. Sie klingt wie Shoichi, wenn er etwas plant.
„Nein...“, beeilt er sich deshalb zu sagen, aber das ist Shinji, mit der er redet und sie mag ihn vielleicht nicht so lange kennen wie Shoichi, aber sie kennt ihn auf ihre Art vielleicht sogar besser. Seine Schultern sacken nach unten.
„Ich weiß es nicht. Sie hat mich angelogen. Mehrmals hat sie behauptet, sie hätte keine Zeit gehabt, weil sie ihre kranke Großmutter besucht hat, aber meine Oma, die in der gleichen Straße wohnt, hat mir letztens erzählt, dass sie nie krank war… Ich wollte gar nicht fragen.“, verteidigt er sich augenblicklich, „Sie hat mir erzählt, dass ihr Garten wunderschön blüht dieses Jahr, weil es ihr bei dem schönen Wetter möglich war, sich mal so richtig um alle Pflanzen zu kümmern. Und ich meine… also das passte nicht zusammen…“
Shinji schweigt verbissen und er redet einfach immer weiter, als wäre ein Damm in ihm gebrochen.
„Ich hab mir gedacht, dass sie vielleicht im Garten geholfen hat, aber Kaiya hasst Gartenarbeit. Wenn sie mal beim Gießen helfen musste, hat sie mir das immer erzählt und darüber gejammert. Und dann hab ich mir überlegt, dass sie vielleicht eine Überraschung vorbereitet hat und es mir nicht erzählen konnte, aber auch das hat sich nicht bewahrheitet. Und als ich sie letztens besuchen kommen wollte, hat sie gesagt, dass sie Freitagnachmittag keine Zeit mehr hat, weil sie dort immer Nachhilfeunterricht bekommt. Dabei ist sie beinahe Klassenbeste und zuvor hab ich immer mit ihr gelernt, wenn es mal Probleme gab.“
Er lehnt sich auf seinem Stuhl zurück und starrt an die Decke, als würden sich dort die Antworten auf seine Fragen verstecken.
„Ich bin kein schlechter Freund, wirklich nicht. Ich vertraue Kaiya. Ich hoffe, dass ich mir das alles nur einbilde, weil ich durch den ganzen Stress um den Winter Cup und die kommenden Prüfungen nicht mehr klar denken kann. Vielleicht hab ich auch einfach nur Angst, weil ich nach der Schule auf die Uni in ihrer Stadt gehen will und ich nicht weiß… Shoichi meinte ja auch, unsere Beziehung funktioniert nur, weil wir uns nicht so oft sehen und wenn wir uns dann jeden Tag sehen...“ Susa vergräbt das Gesicht in seinen Händen und beißt die Zähne zusammen, um den Redefluss zu stoppen, der ja ohnehin zu nichts führt.
Kalte Finger ziehen grob an seinen. Er blickt auf.
Shinji mustert ihn ernst.
„Yoshinori...“, spricht sie ihn zum ersten Mal mit seinem Vornamen an, „Du bist vermutlich der beste feste Freund, den ein Mädchen sich wünschen kann, dass auf die guten Jungs steht. Du machst alles richtig. Mach einfach weiter so. Lass dich nicht von deiner Angst bremsen.“
„Und wenn ich doch richtig liege?“
„Dann kannst du dich auf mich verlassen.“, sie legt ihre Hand ganz auf seine, „Indianerehrenwort.“

- - -

Kahoko liegt im Bett und starrt an die Decke.
Sie haben lange in der Umkleide gesessen. Haben lange geschwiegen.
Dann sind sie den ganzen Weg zu ihm gelaufen und haben geredet. Über unwichtige Sachen wie die Tatsache, dass sein Lieblingsessen gegrillter Aal ist und sie beim Schnorcheln mal einen lebendigen gesehen hat. Und dann sind sie vor seiner Haustür stehen geblieben und haben flüsternd all das besprochen, was sie wirklich beschäftigt hat. Dass Touou verloren hat, aber auch dieser wunderschöne Dreipunktewurf im letzten Viertel.
Mag sein, dass die Beziehung zu Himuro etwas besonderes gewesen ist. So vieles, was sie zum ersten Mal gemacht hat.
Aber sie hat für Himuro kein Kleid angezogen. Zu keinem der doofen Schulbälle, auf die sie gegangen sind.
Sie hat nicht für ihn geschwiegen und sie hat auch nicht eine halbe Stunde mit ihm im Dunkeln vor einer Haustür gestanden, nur um im Flüsterton Dinge zu besprechen, für die ihnen bei normaler Lautstärke vielleicht der Mut gefehlt hätte. Vielleicht aber auch nicht.
Sie lächelt, aber schlafen kann sie deswegen noch lange nicht und morgen haben sie ein wichtiges Spiel.

Ein grelles Licht erhellt ihr Schlafzimmer und huscht dann weiter. Wie die Scheinwerfer eines vorbeifahrenden Autos.
Kahoko sitzt jetzt aufrecht im Bett. Ihr Zimmer geht auf den Garten hinaus.
Leise huscht sie zum Fenster und linst hinaus. Wieder wandert das Licht durch ihr Fenster und erlischt dann. Im Mondschein kann sie eine Gestalt erkennen, die auf dem Gartenzaun sitzt – das kann nicht bequem sein.
Ihre Angst hinunterschluckend öffnet sie das Fenster und erkennt an den leisen Rufen sofort, wer da draußen der Kälte trotzt.
„Shin-Shin, bist du bescheuert?“, brüllt sie so leise, wie sie kann, „Es ist spätnachts und eiskalt.“
„Komm einfach raus und hör auf zu jammern.“, kommt es leise zurück.
Das kann doch nicht wahr sein. So etwas zu sagen ist ja wohl meine Aufgabe!

Fünf Minuten später sitzt sie neben ihm auf dem Gartenzaun und hält mühsam ihr Gleichgewicht. Seine Schulter drückt warm gegen ihre und ihr Atem ist in kleinen Wölkchen vor ihnen sichtbar.
„Wie geht’s ihm?“, fragt ihr Bruder leise und Kahoko atmet tief die klare, kalte Luft ein.
„Shoichi geht’s gut und Daiki auch, soweit ich weiß.“
„Und wie geht’s dir?“
Anstelle einer Antwort legt sie ihren Kopf an seine Schulter. Er nickt wortlos und schließt seine Finger um ihre.
„Ich habe eine sehr verrückte Idee. Das liegt vielleicht daran, dass wir Vollmond haben oder an Oha Asa, das mir heute Durchbrüche vorausgesagt hat, aber mach bitte mit.“
„Für Verrückt bin ich immer zu haben.“

Kichernd lösen sie im Schein einer Taschenlampe die funkelnden Schrauben aus den weißlackierten Brettern, die ihren Zaun ausmachen.
Als die Sonne aufgeht, ist da kein Zaun mehr, nur noch ein Stapel Holz, ein kleines Häufchen Schrauben und ein großer Schlafsack mit zwei schlafenden Jugendlichen in der Mitte des Familiengartens.
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