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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
23
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30.09.2016 2.774
 
Kahoko verbringt den Dienstagvormittag damit, wirre Ideen zu Papier zu bringen und wieder zu verwerfen. Dadurch bekommt sie zwar nicht so viel vom Unterricht mit, wie sie wohl sollte, aber man kann eben nicht beides haben – gute Noten und gute soziale Kontakte.
Megumi schafft es erst in der Pause sie abzufangen und ihr von den Geschehnissen vom vergangenen Abend zu erzählen.
„Er wird Kagami doch nicht wirklich etwas antun, oder?“
Kahoko schüttelt den Kopf.
„Nein, keine Sorge. Er jagt den Leuten nur gerne Angst ein. Außerdem werde ich heute Abend ohnehin mit ihm reden. Ich weiß zwar noch nicht genau, was ich sagen werde, aber Haruka hat versprochen mich reinzulassen und dann kann ich vielleicht auch ansprechen, was er zu dir gesagt hat. Hast du denn erreicht, was du dir erhofft hast?“
„Nicht wirklich. Er meinte, dass er schon lange weiß, wie diese Kaiya ist, aber solange sie Susa gerne hat und ihm nicht schadet, lässt er sie in Ruhe.“
„Ich verstehe. Das ist doch gut.“
Megumi schnappt entsetzt nach Luft. „Gut? Gar nichts ist gut! Er ist sein bester Freund, er hätte das gar nicht zulassen sollen.“
„So leicht ist das nicht. Oder denkst du etwa, du könntest mir Shoichi ausreden, wenn du es wirklich wolltest?“
Megumi stockt, überlegt und lässt dann geschlagen die Schultern sinken.
„Ich verstehe. Liebe macht blind, oder?“

„Apropos Liebe...“, Tsunako schiebt sich zwischen den Beiden hindurch und grinst zu Kahoko hoch, „Hast du schon mit deinem Bruder geredet?“
Kahoko schüttelt den Kopf. „Gestern abend ging es schlecht, weil meine Mutter die ganze Zeit dabei war. Ich überlege mir was.“
„Sicher?“, Tsunako mustert sie mit einem Blick, der sowohl misstrauisch als auch Ausdruck schlimmer Kopfschmerzen sein könnte.
„Ja. Sicher!“, Kahoko steht auf, „Ich geh jetzt mal Haruka suchen, um mit ihr Genaueres auszumachen.“

- - -

Es ist sieben Uhr abends und Kahoko hat immer noch keine Nachricht von Haruka auf dem Handy. Langsam verliert sie die Geduld.
Während es bei der Älteren klingelt, zieht sie sich bereits die Jacke über und schlüpft mit einem Winken in Richtung ihrer Eltern aus dem Haus.
„Ja?“, meldet sich Haruka mit einem Raunzen.
„Hi, hier ist Kahoko… Ich wollte nur mal fragen, wie es läuft...“
„Oh...“, sie hört Rascheln im Hintergrund, „Tut mir leid, ich hab überm Lernen vergessen, dich anzurufen. Er ist vor einer halben Stunde heimgekommen und hat sich in seinem Zimmer eingeschlossen. Er meinte, er sei für niemanden erreichbar…“
„Oh...“, mehr kriegt sie nicht über die Lippen.
„Er ist total mies drauf, ich hoffe, du kriegst das schnell auf die Reihe. Ich habe eine Idee, wie ich ihn in für dich in die Falle locken kann, aber das geht frühestens ab morgen abend. Halte dich am besten bereit.“
„Mach ich...“, murmelt Kahoko wenig motiviert und sie beenden das Gespräch.

Jetzt steht sie hier also auf dem Bürgersteig. Am besten, sie nutzt die Zeit. Sie sollte mit Shintarou reden, das steht auf ihrer Prioritätenliste sowieso ganz oben. Nur war über Eifersucht reden nicht Nummer eins solange sie nicht weiß, ob es überhaupt noch einen Grund für Eifersucht gibt.
Als sie in seine Straße einbiegt, öffnet sich seine Haustür und ausgerechnet Kazunari kommt heraus. Ihre Blicke begegnen sich, er schnaubt, senkt den Kopf und eilt an ihr vorbei. Er ist also immer noch sauer.
Kahoko schüttelt den Kopf und geht weiter. Natürlich ist er noch sauer, es ist erst einen Tag her.
Wenn sie gewusst hätte, dass er ausgerechnet für sie Gefühle hegt, hätte sie ihn nicht so sehr gedrängt, es ihr zu erzählen.
Und wenn sie es gewusst hätte, dann hätte sie auf sein trotziges Geständnis auch wesentlich besser reagiert und nicht mit einem „Ähm… okay… und jetzt?“.
Damit hat sie eine weitere Freundschaft, die sie wieder reparieren muss und keine Ahnung hat, wie.

Zu ihrem Glück öffnet Shintarou die Tür. Und zu ihrem Glück fällt ihr bei seinem Anblick ein, was sie zu tun hat. Ihre spontanen Einfälle haben ihr immer schon am meisten geholfen – wenn sie funktioniert haben.
„Komm mit.“, sie zieht ihn am Arm und er schwankt, weil er sich dagegen wehrt.
„Wohin? Kahoko, lass mich, es ist spät!“
„Es ist erst sieben Uhr und jetzt sei mal spontan und komm mit. Na los komm schon, wir sind bald wieder da.“
Widerwillig folgt er ihr, die Arme verschränkt, aus seiner Jackentasche ragt ein rosa kariertes Stofftuch. Kahoko ignoriert es.
Sie brauchen eine gute halbe Stunde, müssen dreimal umsteigen und dann noch ein kurzes Stück laufen, aber dann sind sie da.
„Was wollen wir hier?“, murrt er, als sie in die Straße einbiegt, in der sie als Kinder gewohnt haben.
„Reden. Am besten Ort der Welt.“
„Du findest eine Wohnstraße voller Fremden ist der beste Ort der Welt für ein Gespräch?“
„Nicht alle sind Fremde!“, Kahoko deutet auf Hinatas Haus, „Was ist mit Daikis Oma?“
„Sie ist vor zwei Jahren gestorben, ich war auf ihrem Begräbnis.“
Seine Worte, obwohl ganz ruhig und sachlich gesprochen, lassen ihre Knie einknicken. Sie muss sich an seinem Ellbogen festhalten, um nicht zu fallen und zu ihrer Überraschung stützt er sie augenblicklich.
„Wie? Wann? Wo?“, da sind zu viele Fragen aufeinmal, auf die sie dringend eine Antwort braucht und jetzt ist es Shintarou, der sie zu einer Bank zieht.
„Sie ist über den Gartenschlauch gestolpert und hat sich den Oberschenkel gebrochen und von da an ging es dir immer schlechter.“
„Warum hat Daiki nichts gesagt? Warum hast du nichts gesagt?“
„Ich dachte nicht, dass es so wichtig für dich wäre. Wir waren Kinder und sie war unsere Nachbarin. Ich dachte, du hättest sie vergessen.“
„Wie kann man Hinata-san vergessen? Sie hat Mama überzeugt, uns Basketball spielen zu lassen und sie hat uns die Glücksbringer geschenkt!“
„Du erinnerst dich an die Glücksbringer?“
Da ist so viel Erstaunen in seiner Stimme, dass sie einfach nur die Stirn runzeln kann.
„Natürlich erinnere ich mich daran, ich hab sogar noch die Puppe, die ich selbst gebastelt habe.“
Anstelle einer Antwort vergräbt er den Kopf in den Händen. Sie starrt auf den Boden vor sich. Jetzt ist doch wieder alles anders und dabei hat sie die wichtigen Dinge noch gar nicht angesprochen.

Sie sitzen da und schweigen, starren hoch in den Himmel oder auf den grauen Asphalt.
Kahoko bricht schließlich das Schweigen. Sie hat ihn immerhin hier her gezerrt und obwohl sie sich nicht grade bereit fühlt, ist es wohl doch das Richtige.
„Ich glaube ich bin eifersüchtig.“
Shintarous Kopf schnellt herum, als sie auch schon den Kopf schüttelt und erst auf den Boden und dann in sein Gesicht blickt.
„Ich meine, ich weiß jetzt, dass ich es bin. Eine Freundin von mir ist begeistert von dir und das hat mir das erste Mal klar gemacht, dass ich nicht… also dass du… ich könnte dich…“, sie stockt. Es ist schwierig, die richtigen Worte zu finden.
„Denkst du, du könntest mich verlieren?“
Sie nickt, weil es ziemlich gut beschreibt, was sie fühlt. Vielleicht nicht exakt, aber es kommt nah dran.
„Hast du dich deshalb so von mir zurück gezogen und mich verletzt?“
Kahoko öffnet den Mund um zu widersprechen und schließt ihn wieder. Denn sie kann nicht leugnen, dass sie sich wirklich von ihm zurück gezogen hat. Und was die Verletzungen angeht, nun, da kann sie sich wirklich nichts vormachen.
„Papa meinte, dass sei ein psychologischer Aspekt. Die einen Leute klammern, die andere stoßen weg, weil es für sie der Verlust nicht so schlimm ist, wenn sie es sind, die ihn verursachen.“
Shintaoru mustert seine Schwester, ihre Reaktion auf seine Worte. Die gerunzelte Stirn, während sie versucht, seine Worte auf ihre Situation anzuwenden und die größer werdenden Augen, als sie begreift.
„Das… ich glaube… das stimmt, also ich… und Tatsuya auch, irgendwie… und du auch, oder nicht?“
„Bitte?“
„Na du… du bist eher verschlossen, oder? Wer dein Freund sein will, muss gewisse Anforderungen erfüllen.“
„Ist das etwas Schlimmes? Tust du das nicht?“
„Schlimm ist es nicht, es erklärt nur, wer du bist und wie du denkst… Erfülle ich denn deine Anforderungen?“
Jetzt ist es an Shintarou, überrascht zu schauen.
„Darüber hab ich noch nicht so richtig nachgedacht. Mir fällt zwar immer auf, was mich an dir stört, aber ich glaube, dass ist so ein Geschwisterding, oder? Oder fällt dir nie auf, dass Yuna manchmal unsäglich laut sein kann?“
„Laut? Mich stört nur, dass sie immer ihre Barbiesachen rumliegen lässt. Hat sich dir auch schon mal eine Plastikhand in den Fuß gebohrt? Ist wirklich nicht zu empfehlen.“
Das Schweigen zwischen ihnen wird angenehm und beinahe entspannt, während sie in den mittlerweile dunklen Himmel starren.
„Ich habe immer noch Angst im Dunklen.“, gesteht Kahoko, während sie zwischen den Lichtern der Straße erfolglos nach Sternen sucht, „Wir haben zwar in der Therapie versucht, das anzugehen, aber wir viel Erfolg hatten wir noch nicht. Ich brauche immer noch ein Nachtlicht oder jemanden, der mich hält.“
„Ein Nachtlicht?“, seine Stimme klingt unsicher, sie hält es für Verwirrung.
„Ich weiß, es passt nicht zu mir. Ich hätte mir wohl auch keines angeschafft, wenn ich nicht schon eines gehabt hätte. Erinnerst du dich an das Kleine mit den Kätzchen, dass du mir mal geschenkt hast? Vor ein paar Jahren ist es kaputt gegangen und Papa wollte mir ein neues kaufen, weil die Reparatur viel zu aufwendig war...“, Kahoko blickt kurz zu ihm und dann auf ihre Schuhe, als wären ihr die nächsten Worte peinlich.
„Ich habe einen ganzen Sommer lang Zeitungen ausgetragen und damit die Reparatur bezahlt. Das von Papa haben wir dann gespendet… Ich mag Kätzchen irgendwie lieber...“
Bandagierte Finger schließen sich um ihre, als sie zu ihm blickt, sieht er hoch in den Himmel und weicht ihr aus, aber das ist okay.
„Da ist noch viel zu reparieren zwischen uns...“, murmelt Shintarou nach einer Weile, „Aber ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.“
„Meinst du?“
Er nickt, dann seufzt er.
„Ich glaube fast nicht, dass ich das sage, aber du solltest dich mit Imayoshi versöhnen.“
„Woher weißt du, dass wir Streit hatten?“
„Du bist hier, oder? Du verbringst sehr viel Zeit mit ihm, vor allem abends.“
„Ich will auch Zeit mit dir verbringen, du bist mir wichtig!“
„Ich glaube, das ist das Problem. Wir können nicht mehr jede Minute miteinander verbringen. Aber ich finde es nett, dass ich dir wichtig genug bin, dass du dir die Zeit genommen hast. Du solltest ihm trotzdem nicht zu viel Zeit lassen. Wir Männer können nachtragend sein und je länger wir Zeit haben, desto mehr verbeißen wir uns in unseren Zorn.“
„Weise Worte von einem 16-Jährigen. Wie kommt es, dass du ihn magst? Kazunari hasst ihn.“
„Ich mag ihn nicht, falls du das denken solltest, aber ich habe gehört, wie Papa deinen Eltern die Prügelei und alles erklärt hat und dass er gleich ihn angerufen hat, fand ich gut. Außerdem zähle ich zu gleichen Maßen auf deine Menschenkenntnis, wie ich denke, dass du deine Fehler selbst machen musst. Sollte ich eine Beziehung in Frage ziehen, erwarte ich das Gleiche von dir übrigens.“
„Aber hast du nicht versucht, alle Jungs von mir fern zu halten, die Interesse an mir hatten?“
Shintarou errötet. „Kazunari übertreibt. Ich habe lediglich die hohen Maßstäbe unserer Familie an ihnen vollzogen und sie waren alle nicht geeignet. Und sollte Imayoshi auf dumme Ideen kommen, kannst du ihn selbst wohl ohne Probleme fertig machen, oder? Ich werde ihn in einem offiziellen Match jedenfalls immer als ernste Konkurrenz sehen, ob er jetzt in einer Beziehung mit dir ist oder nicht.“
„Ich versteh schon, du mischt dich überhaupt nicht ein...“, neckt Kahoko und steht auf, „Aber was meine Teamkollegin angeht...“
„Kannst du ihr sagen, dass ich keine Zeit für eine Beziehung habe. Wir stecken mitten im Training für den Winter Cup und wenn der vorbei ist, werde ich zusätzlich Vorbereitungsklassen für die Uni nehmen. Wenn du dich unbedingt einmischen willst… Du kannst auch gar nichts sagen.“
„Ich werde ihr sagen, dass sie Geduld braucht, wenn sie mit dir zusammen sein will… Aber jetzt lass uns nach Hause gehen, ich bin mir sicher, dass du Yuna versprochen hast, dir den neuesten Barbiefilm anzusehen.“

Als sie aus dem Lichtkegel einer Straßenlaterne ins Dunkel treten, schließt sich Kahokos Hand um seine. Er erwidert den Druck ihrer Finger sanft und sie lächelt ihn verkrampft an. Als sie wieder ins Licht treten, lässt sie nicht los und er auch nicht.

- - -

Shoichi hatte nicht gedacht, dass es möglich wäre, noch mieser gelaunt zu sein.
Er hat sich gestern eingeschlossen und niemand außer Haruka hatte die Muse, an seiner Tür zu klopfen und heute hat er den ganzen Tag keine Nachricht und keinen Anruf von Kahoko erhalten. Eigentlich hatte er erwartet, dass sie sich mehr Mühe geben würde. Er hat sich für sie mehr Mühe gegeben.
Ihr Talent, ihn zu überrumpeln war immer etwas Gutes. Bis jetzt.
Genau deshalb hatte er keine Beziehung gewollt.

Als er abends nach Hause kommt, will er sich einfach nur mit einem guten Buch einschließen, aber schon im Eingangsbereich steht ein riesiger Wäschekorb, der nichts Gutes verheißt.
Seine Eltern und seine Tante, Harukas Mutter, arbeiten Vollzeit, um genug für sie alle und ein paar kleine Extras zu verdienen. Tokyo ist kein billiges Pflaster und man hat ihnen schon früh Verantwortungen übertragen, die notwendig waren, damit dieser Haushalt funktionierte. Zum Beispiel die Wäsche zu machen. Er kann sich allerdings nicht daran erinnern, dass er diese Woche damit an der Reihe ist.
Er ruft nach seiner Cousine, aber das Haus bleibt ruhig. Kein gutes Zeichen. Also ruft er sie an.
„Was ist?“, nimmt sie ab.
„Was ist? Bist du noch klar im Kopf? Im Hausflur steht ein Korb voller Dreckwäsche und ich hab noch gar nicht in die Waschküche geschaut.“
„Ach Mist, die Wäsche, war ich dran?“
„Ich hab es schon die letzten zwei Mal übernommen, natürlich bist du dran!“
„Kannst du das nicht erledigen? Ich wollte ja, aber wir sind zu einem Notfalltraining gerufen worden, weil eine unserer Starterinnen mit nem allergischen Schock im Krankenhaus liegt. Ich komme vor elf Uhr nicht nach Hause.“
Shoichi kneift sich mit zwei Fingern in den Nasenrücken, um ruhig zu bleiben. Er hat alles Recht, jetzt nein zu sagen. Aber er kennt die Erwachsenen. Sie lassen ihm alles durchgehen, aber kein „kindisches Verhalten“. Und eine Arbeit nicht zu machen, nur weil eigentlich nicht an der Reihe ist, ist bei ihnen kindisch.
„Du übernimmst die nächsten drei Wochen den Putzdienst, ist das klar?“
„Danke!“, jubelt Haruka und legt auf, bevor er es sich anders überlegen kann.
Shoichi seufzt, blickt noch einmal auf den Wäschekorb und entscheidet, lieber gleich anzufangen. Sonst kommt er heute zu gar nichts mehr.
In der Waschküche trifft ihn gleich der nächste Schlag. Die Menge an zu waschender Wäsche wird nur von dem Berg Bügelwäsche übertroffen, der ihn beinahe überragt.
Ernüchtert zieht er sein Oberteil aus und wirft es zusammen mit der ersten Ladung Wäsche in die Maschine. Schwitzen wird er hier sowieso, da kann er dieses Shirt gleich mitwaschen. Kurz überlegt er, ob er die restlichen Sachen auch noch ausziehen soll, aber er weiß nie genau, wann seine Tante nach Hause kommt.

- - -

Kahoko hat ihr Handy heute nicht aus den Augen gelassen, seit das Training zu Ende ist. Alle paar Minuten überprüft sie, ob die Verbindung auch wirklich noch steht und der Ton an ist und dann endlich ruft Haruka an.
„Ja?“
„Er ist jetzt für ein paar Stunden in der Waschküche beschäftigt, die Tür kann man nicht abschließen und wenn du dich anschleichst, während er grade hinter den Maschinen steht, sieht und hört er dich auch nicht gleich. Viel Glück!“

Kahokos Beine zittern kaum merklich, aber störend, und das den ganzen Weg bis zu Shoichi. Sie wünscht sich einen Plan, aber sie weiß, dass sie es auch mit einem Plan nicht besser hin bekommen würde. Und sie weiß, dass sie Recht hat, als sie sich mit dem von Haruka bereit gelegten Schlüssel ins Haus schleicht und die Tür der Waschküche lautlos hinter sich schließt. Shoichi steht mit dem Rücken zu ihr und bügelt und ihr Hirn ist wie leer gefegt. Ihr Mund ist trocken, ihre Zunge schwer, als sie sich über die Lippen leckt und es nicht einmal schafft, wo anders hin zu blicken.
Kommt das, weil ich nervös bin?
Weil ich ihn seit ein paar Tagen nicht gesehen habe?
Oder ist es der Anblick seines Rückens und der geschwungenen Linie aus Muttermalen, die sich über sein Schulterblatt zur Wirbelsäule hinzieht?
Normalerweise tut sich Kahoko schwer damit, die äußerliche Schönheit eines Jungen klar zu erkennen. Sie kann grob umreißen, wenn ihr jemand gefällt und ob derjenige attraktiv, süß oder interessant ist, aber damit hat es sich eigentlich auch schon.
Jetzt aber überrascht sie der Wunsch, seinen Rücken zu zeichnen, oder zumindest diese Muttermale nachfahren zu können.
„Du starrst, Kahoko.“
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