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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
24
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21.09.2016 3.283
 
Die Woche beginnt zäh. Montagmorgen schälen die Mädchen sich aus ihren Betten. Sie hatten wesentlich weniger Schlaf als benötigt und wesentlich mehr auf dem Herzen, als angebracht.
Megumi steuert als erste Shinji an. „Ich muss mit dir reden.“
Shinji blinzelt aus viel zu kleinen Augen. „Und? Kann das nicht bis nach dem Training warten.“
„Nicht wirklich. Es geht um die Freundin von Susa.“
„Kaiya? Was ist mit ihr?“
„Ich habe sie gestern getroffen und sie ist furchtbar.“
Shinji schnaubt. „Du übertreibst. Klar, sie ist furchtbar angezogen, aber nur weil sie pink liebt, ist sie noch längst nicht furchtbar.“
Megumi schüttelt aufgeregt den Kopf. „Das ist es nicht. Sie hat dich und deine Freunde mehrfach beleidigt. Sie nannte euch den Club der Untoten, Mitglieder der Yakuza und dass ihr nicht mal ehrlich spielt, hat sie auch noch behauptet.“
Shinji hält inne. „Ich glaube nicht, dass du lügst, aber ich kenne Kaiya bereits, außerdem meinte sie, gehört zu haben, wie das jemand in ihrer Nähe behauptet hat. Vielleicht hast du sie verwechselt.“
„Nein hab ich nicht. Susa hat sie geküsst und sie trug eine Trainingsjacke der Touou.“
„Und wenn schon… Du bist ihr einmal begegnet, ich zweimal und Susa ist vermutlich der schlauste Kerl, den ich kenne. Die beiden sind seit zwei oder drei Jahren zusammen, er kennt sie ja wohl am besten.“
„Aber sie hat dich beleidigt...“, Megumis Stimme wird schwächer und sie beendet den Satz nicht. Sie weiß, dass sie bei Shinji nicht durchkommt, sie sieht es an ihrem Blick.
„Wenn ich bei jeder Beleidigung gegen mich auf die Barrikaden gehen würde, hätte ich keine Zeit mehr für die wichtigen Dinge. Also zieh dich an und reagier dich beim Training ab, wenn du das brauchst, aber um Susa oder mich musst du dich nun wirklich nicht kümmern.“

Megumi tut, was Shinji will, bis diese die Umkleide verlassen hat – dann huscht sie an Kahokos Seite.
„Kahoko, du hast doch sicher die Nummer vom Kapitän der Touou, oder?“
Kahoko seufzt. „Ja, wieso?“
„Kannst du ihn nicht bitten, mit Susa zu reden? Du hast sicher grade unser Gespräch gehört, ich meine, ich kann Shinji schon verstehen, aber Susa ist nett und er hat was Besseres verdient.“
„Und was soll Shoichi da ausrichten können?“
„Na die beiden sind doch ganz dicke, oder? Zumindest sind sie im gleichen Team und hängen am meisten miteinander rum. Er kann da sicher was tun.“
Kahoko bindet sich konzentriert ihre Schuhe, bevor sie sich aufrichtet und Megumi anblickt.
„Ich kann dir seine Nummer geben, wenn du das wirklich probieren willst. Er reagiert zurzeit auf keine meiner Nachrichten, also würde ich dir anraten zu sagen, dass du die Nummer von Mirai oder sonst jemandem hast.“
Megumis Augen werden groß, dann beugt sie sich näher und flüstert: „Habt ihr euch etwa gestritten?“
Kahoko presst die Lippen zusammen, dann nickt sie. „Aber ich arbeite daran, mich zu entschuldigen. Es war nämlich von vorne bis hinten meine Schuld.“
„Das ist doof.“, wispert Megumi, „Aber vielleicht kannst du dir Tipps von Kagami holen, der ist mittlerweile echt super darin, sich zu entschuldigen und so.“
Sie wird rot, als Kahoko lächelt. „Freut mich zu hören, dass es zwischen euch wieder besser läuft.“
„Ja, er hat mir von diesem Himuro erzählt. Ganz schön heftig.“
Kahoko lächelt etwas verkrampft und sieht erleichtert auf als Nanami in die Umkleidekabine platzt. „Mädels, wo bleibt ihr? Akemi, du trägst immer noch deine Schuluniform.“
Anstelle des üblichen erschrockenen Stotterns kommt von Akemi nur ein verzücktes Seufzen. Die Mädchen, die noch nicht in der Halle sind, drehen sich zu ihr um.
„Alles okay bei dir, Emi?“, fragt Tsunako sensationsgierig.
Akemi seufzt erneut verzückt, die Hände wie im Gebet vor der Brust gefaltet. „Ich habe gerade den schönsten Jungen gesehen, den es geben kann.“
Erstaunte Stille. Nanami fängt sich als Erste.
„Wie sah er denn aus?“
„Wo soll ich anfangen? Er hat mir eine Hand gereicht, mit wunderschönen langen Fingern und er war sehr groß und athletisch gebaut und das schwarz seiner Schuluniform stand ihm so gut zu seiner blassen Haut...“
Kahoko beschleicht ein Verdacht. Sie weiß, dass die Shutoku-Uniform schwarz ist, aber ihr fällt keiner ein, der zu dieser Zeit hier etwas zu suchen hätte.
„Und dann, ihr glaubt es nicht, sah er mich durch seine Brille an und er hatte längere Wimpern, als ich je bei einem Mädchen gesehen habe und strahlend grüne Augen und er sprach ganz ernst und höflich mit mir und bat mich, seiner Schwester etwas auszurichten.“
„Und seine Haarfarbe? Wenn er jetzt schwarze Haare hat, hast du mich überredet.“, will Tsunako wissen.
Akemi lächelt verträumt. „So grün wie frisches Gras – genauso grün wie seine Augen.“
Kahoko wird übel. Alle Mädchen bis auf Akemi drehen sich zu ihr um.
Keiner spricht.
Wieder ist es Nanami, die als erste die Stille bricht: „Mir scheint, als wärst du Kahokos Zwilling begegnet.“
Akemi blinzelt verdutzt. „Ach, dann hat er dich gemeint. Er sagte nur, ich würde dich problemlos erkennen können, wegen der Familienähnlichkeit, aber ich wusste nicht… also er meinte, du sollest heute Abend pünktlich beim Schneider sein, wegen der Anprobe.“
Kahoko vergräbt ihr Gesicht in den Händen. Zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden, wie ihr auffällt.
Nanami seufzt. „Ich weiß, ihr würdet gerne noch weiter tratschen und ich kann mir denken, dass Kahoko keine Lust auf Schneiderbesuche hat, aber Akemi, zieh dich um und der Rest von euch – ab in die Halle. Wir haben morgen Nachmittag ein Spiel und ihr werdet nicht vom rumsitzen besser, sondern vom Trainieren.“

Sie hat es komen sehen, aber deshalb ist sie nicht besser darauf vorbereitet.
Kahoko macht gerade eine dringend notwendige Pause, als Akemi zu ihr tritt. Sie hat die Arme verschränkt, aber sie lockert sie wieder, verknotet die Finger erst vor ihrer Brust, dann dahinter.
„Kann ich mich zu dir setzen?“, wispert sie und Kahoko nickt, weil sie schlecht nein sagen kann.
Akemi setzt sich ganz vorsichtig auf die schmale Bank und legt ihre Hände flach auf den Knien ab.
„Also… wenn dich das stört… dass ich deinen Bruder mag...“
„Ich glaube, du bist bisher die einzige, also ist es noch etwas ungewohnt, aber grundsätzlich habe ich nichts dagegen.“
Kahoko beißt sich auf die Zunge, aber Akemi lächelt so strahlend, dass sie ganz automatisch zurück lächelt.
„Ich weiß, du bist seine Schwester und… also… ich will jetzt nicht komisch sein, oder aufdringlich, aber...“
„Du hättest gerne, dass ich ihn nach dir frage?“
„Wenn das möglich ist?“, fiept sie und Kahoko empfindet eine Welle der Zuneigung zu ihr. Sie kennt diese Gefühle nur zu gut.
„Wenn ich ihn frage, dann wird er misstrauisch, aber ich kann Kazunari einen Tipp geben, der ist wohl das für ihn, was einem Freund am nächsten kommt.“
„Oh danke.“ Kahoko kann nicht mal blinzeln, da hat Akemi ihre Arme schon um sie geschlungen.
Ein schriller Pfiff und Nanamis durchdringende Stimme reißt sie auseinander.
„Akemi! Zurück zum Training!“
„Ich geh dann mal wieder...“, verabschiedet sie sich lächelnd von Kahoko.
Nur ein paar Minuten später sitzt Shouta neben ihr.
„Hey...“, macht er und Kahoko stöhnt entnervt auf.
„Nanami hat's dir erzählt, oder?“
„Natürlich.“, er tätschelt ihre Hand, die auf der Bank liegt, „Und der Szene grade eben entnehme ich, dass du ihr angeboten hast, mit deinem Bruder zu reden.“
„Nein, ich werde mit Kazunari reden. Wenn ich ihn darauf anrede, dann würde er nur dicht machen und sie hätte sofort keine Chance mehr.“
„Aber wenn Kazunari das tut, schon?“
„Nein, eigentlich nicht...“, Kahoko seufzt.
„Es ist doch nichts Schlimmes daran, dass du wählerisch bist, wenn es um deinen Bruder und mögliche Beziehungen geht. Du willst sein Bestes.“
„Eben. Und bis heute hatte ich kein Problem damit, dass er irgendwann mal eine Beziehung führen wird. Du hast ihn ja schon erlebt, es war immer noch so viel Zeit bis zu seiner ersten Freundin und ich dachte eigentlich, das wäre kein Problem, aber…“, sie rollt mit den Augen und reibt sich über die Stirn. Doch die Gedanken lassen sich nicht vertreiben, die Gefühle ebenso wenig.
„Ich bin einfach nur total eifersüchtig. Wir sind gerade dabei, unsere Beziehung zueinander irgendwie gerade zu biegen und jetzt kommt sowas. Und schau dir Akemi mal an. Sie ist ruhig, liebenswert, mag Basketball und will irgendwann mal Krankenschwester werden. Wenn er auf Mädchen steht, dann wohl auf ihren Typ und wenn die beiden wirklich zusammen kommen, dann spiel ich nur noch eine Nebenrolle in seinem Leben...“
„Weißt du Kahoko, ihm geht es vermutlich genau gleich. Was glaubst du, wie froh ich bin, dass Nanami asexuell ist. Jetzt, wo ich das Team habe und merke, dass ich als einzelne Person und nicht nur Teil eines Zwillingspaars zähle, geht es mir auch viel besser mit dem Gedanken dass es Bereiche gibt, die wir nun mal nicht miteinander teilen. Und wir haben viel länger aufeinander gehockt als ihr beide.“
Kahoko seufzt. „Ich kann irgendwie nicht glauben, dass es ihm genauso gehen könnte, aber falls doch… weiß ich auch nicht wirklich, was ich mit dieser Information anstellen sollte.“
„Ihn darauf ansprechen natürlich. Schließlich ist er viel schlimmer dran. Dich macht die Aussicht darauf, dass er eine Beziehung haben könnte, irgendwann mal, fertig. Aber du bist bereits in einer Beziehung.“
Sie wird blass, dann vergräbt sie das Gesicht in den Händen. Das muss sie in letzter Zeit viel zu oft tun.
„Aber ich weiß, was dich jetzt erst mal auf andere Gedanken bringt… Hoch mit dir und zurück zu den anderen. Wir machen ein paar Trainingsspiele.“

- - -

„Du schuldest mir ein Eis.“
Yoyo blickt von ihrem Mittagessen auf.
Yahiro steht neben ihr auf dem Dach, die Hände in die Fäuste gestemmt, unterm Arm eine Bentobox und aus seinem rechten Mundwinkel ragt der Stil eines Lutschers. Deshalb also hat er grade gelispelt.
„Tu ich das?“, fragt sie gelangweilt zurück und schaufelt sich den nächsten Bissen in den Mund.
„Ja-woll!“ Er setzt sich im Schneidersitz neben sie und setzt seine Box behutsam in die Mitte, bevor er den Deckel hebt und entnervt aufstöhnt.
Sie riskiert einen Blick. Sein Mittagessen ist ein durchgeschüttelter Mischmasch aus den Dingen, die er am wenigsten mag. Sie mustert es einen Moment lang, um sicher zu gehen, dass da auch wirklich nichts dabei ist, was sie auf den Tod nicht ausstehen kann, dann hält sie ihm ihre Box hin.
„Das hier anstelle von Eis?“
Er überlegt, aber nur kurz, dann reißt er ihr die Box aus der Hand und schaufelt sich den gebratenen Reis in den Mund, als ginge es um sein Leben.
Yoyo zuckt mit den Schultern und ignoriert seine fehlenden Manieren. Als ob sie selber so viel davon hätte.
Sie fragt nicht nach Ayato und Yahiro erwähnt seinen Namen ebenso wenig. Sie verhalten sich so, wie sie es immer tun, als wäre nie etwas gewesen. Darin sind sie gut.

- - -

„Imayoshi-san?“
Das hat er wohl am wenigsten erwartet. Man kann wohl doch nicht auf alles vorbereitet sein.
Er hat damit gerechnet, dass es Kahoko leid tun würde – sie zeigt das typische Muster von 'erst handeln, dann bereuen'. Sie hat ihm keine Tankstellenpralinen in den Briefkasten geworfen, wie bei ihrer ersten Auseinandersetzung, aber sie hat sich telefonisch gemeldet und da hat er bereits abgeblockt. Er hat damit gerechnet, dass sie es damit nicht auf sich beruhen lassen würde. Aber mit so einer Vorgehensweise hat er wirklich nicht rechnen können.
„Falls Kahoko dich geschickt hat, kannst du sofort wieder umdrehen und nach Hause gehen.“, entgegnet er der kleinen Brünetten aus Kahokos Team. Es ist die, deren Namen er sich nur schwer merken kann und ausgerechnet mit diesem Kagami zusammen ist.
Sie stockt, aber sie verschwindet nicht. Gut, vielleicht war er noch zu ruhig und beherrscht.
„Es geht nicht um Kahoko, es geht um Susa.“, beeilt sie sich, ihm zuvor zu kommen.
„Er ist vergeben. Und du meines Wissens nach auch. Oder befriedigt dich Kagami-kun nicht.“
Sie wird knallrot, aber sie dreht nicht um und sie schlägt ihn auch nicht. Sie hat auf jeden Fall schon mal mehr Beherrschung als ihre Teamkollegin.
„Ich weiß, dass er eine Freundin hat. Um sie geht es ja gerade.“, presst sie zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor.
Das bringt ihn nun doch etwas aus dem Konzept. Er verschränkt ruhig die Arme vor der Brust und mustert sie von oben bis unten.
„Du wartest mit Absicht so lange, bis alle anderen aus dem Team, Susa selbst eingenommen, verschwunden sind, um mich abzupassen und dann ausgerechnet über Susas Freundin reden zu wollen? Das glaube ich dir nicht.“
„Es ist aber so!“, jetzt fuchtelt sie doch wirklich mit den Armen. Wie süß. Denkt sie, das würde ihn beeindrucken?
„Natürlich. Trotzdem kannst du jetzt nach Hause gehen und Kahoko ausrichten, dass sie ihre Telefonrechnung lieber niedrig halten sollte – ich werde weder abnehmen, noch antworten. Sie sollte sich lieber den Rest ihrer Würde bewahren, als jemandem nach zu rennen, den sie nicht haben kann.“
„Ich habe keine Ahnung, was zwischen euch beiden abgelaufen ist. Ich weiß nur, dass es ihr Leid tut und sie weiß, dass es allein ihr Fehler war. Mehr hat sie nicht gesagt und da du ständig wieder auf sie zurück kommst, glaube ich, dass es genau das ist, was dich eigentlich interessiert, aber zurück zu Susa...“, Megumi holt tief Luft, „Seine Freundin ist eine falsche Schlange und er hat etwas Besseres verdient, aber Shinji will nicht eingreifen, Kahoko kennt seine Freundin nicht und Susa kennt mich nicht und du bist ja wohl sowas wie sein bester Freund UND Kapitän. Wenn er auf jemanden hört, dann wohl auf dich!“
Megumi steht da, zitternd vor Aufregung und Anstrengung. Sie weiß, sie hat mehr gesagt, als sie sollte, hat Dinge angesprochen, die sie nichts angehen, aber sie hat es aus tiefster Überzeugung getan und wenn das nichts zählt, was dann?
Und dann lächelt Imayoshi. Dieses gruselige, alles wissende Lächeln mit den zusammen gekniffenen Augen und diesem Ausdruck von Berechnung, der sich aus mehr ergibt, als das Auge erfassen kann. Ihr läuft ein Schauer über den Rücken.
„Oh, meine Liebe, ich weiß genau, wer Kaiya ist. Vermutlich besser als du. Glaubst du wirklich, ich würde einen meiner nächsten Bekannten mit einem Mädchen zusammen kommen lassen, über das ich nichts weiß?“
„Aber… Aber… sie… du...“
Er nickt wissend. „Ich weiß, das klingt jetzt verwirrend für so ein kleines Gehirn wie deines. Aber sei unbesorgt. Kaiya liebt Susa. Sie mag durchtrieben sein und falsch, aber sie liebt Susa und solange sie das tut, wird sie ihm nichts Böses wollen. Sollte sich das ändern, nun, ich habe meine Finger überall. Diese Tatsache solltest du dir übrigens auch zu Herzen nehmen, besonders, falls du auf die Idee kommst, dich noch mehr in Dinge einzumischen, die dich nichts angehen. Wie wäre es, wenn du jetzt nach Hause gehst und deinem Freund einen Gruß von mir ausrichtest. Der Winter Cup ist bald da und es wäre zu Schade, wenn Seirins bestem Spieler etwas passieren würde, nicht wahr?“
Sie macht den Mund auf und zu wie ein Goldfisch, ihr fällt nichts ein, was sie angesichts dieser eindeutigen Drohung sagen könnte.
Wie um alles in der Welt kann Kahoko mit so jemandem zusammen sein wollen? Aber nein, ich darf das nicht hinterfragen, ich kenne Kahoko, sie würde einen Menschen niemals falsch einschätzen! Aber er hat gerade Kagami bedroht!
Sie steht da, starr und unfähig, irgendetwas zu tun oder zu sagen.
Immer noch lächelnd geht Imayoshi an ihr vorbei und öffnet die Tür der Halle.
„Möchtest du vielleicht gehen?“
Sie flüchtet regelrecht vor ihm.

- - -

Eigentlich ist es schon zu kalt, um noch draußen zu sitzen und ohne die Straßenlaterne gleich neben der Parkbank und der Ungeduld in ihrem Bauch würde Kahoko es wohl auch nicht aushalten, aber nur hier haben sie wirklich Ruhe.
„Wie war die Anprobe?“, begrüßt Kazunari sie mit breitem Grinsen, „Ich hoffe doch, du hast Fotos von Shin-chan gemacht?“
„Furchtbar und nein, hab ich nicht.“, erwidert sie barsch, umarmt ihn aber dennoch so herzlich wie immer.
„Du enttäuscht mich, Kahoko, aber lass uns zur Sache kommen, bevor ich mir noch meinen süßen Hintern abfriere. Ich will nicht den Verlust eines Kulturgutes riskieren.“
Sie streckt ihm die Zunge raus, augenblicklich wesentlich entspannter.
„Ich wollte fragen, ob du irgendwann das Gefühl hattest, dass Shintarou eifersüchtig war oder handelte, wegen Shoichi oder einem anderen Jungen an meiner Seite.“
Kahoko wartet gespannt auf die Antwort, aber was sie bekommt ist schallendes Gelächter.
„Das ist nicht dein Ernst.“, japst er nach ein paar Minuten, doch als sie ihn immer noch verdattert anstarrt, kann er sich nicht gegen die nächste Lachsalve erwehren. Es dauert einige Zeit, bis er sich die Lachtränen von den Augen wischt und sich immer noch giggelnd, aber ruhiger geworden, auf sie konzentriert.
„Ich kenne nun wirklich niemanden, der noch eifersüchtiger ist, als Shin-chan. Das muss dir doch aufgefallen sein.“
„Wir reden hier von Shintarou, wenn man ihn nicht kennt, merkt man ihm nicht mal an, wenn ihm etwas gefällt.“
„Gut, da hast du Recht, aber lass mich dir eine Geschichte erzählen… Vor ein paar Monaten, als wir gerade darüber gesprochen hatten, wie furchtbar das Team der Nakamiya ist und dass du da aber doch so gerne hin wolltest oder so ähnlich… da kam eines Abends ein ziemlich angepisster Imayoshi zu mir und drohte mir mit allem möglichen, was mir vielleicht Angst machen könnte. Anscheinend hatte er das Gefühl, ich würde einen zu großen Einfluss auf dich ausüben. Jetzt kann man darüber streiten, ob das besonders legal oder angemessen von ihm war-“, er hält ihr den Mund zu, als sie ihn unterbrechen will, „Kahoko, lass mich ausreden, danach kannst du Fragen stellen.“
Sie versucht zu reden, aber durch seine Hand dringen nur unverständliche Laute, also rollt sie mit den Augen und zuckt geschlagen mit den Schultern. Er grinst.
„Gut, jedenfalls fand er tatsächlich etwas, dass sich gegen mich verwenden ließ, nichts Kriminelles, nein, nur wollte er meine Gefühle für ein Mädchen nutzen, um mich bloßzustellen. Ich bin eigentlich kein Mann von Schüchternheit, aber ich wollte in dieser Hinsicht auch nichts riskieren, also hab ich also klein beigegeben. Dir wird vielleicht aufgefallen sein, dass wir seitdem keine besonders großen Diskussionen mehr hatten. Nicht lange danach, eigentlich nur ein paar Tage danach, rief er mich an und bat um ein Treffen, zu dem ich Shintarou mit bringen sollte. Thema dieses Treffens warst du. Er wusste, dass es Shintarou und mir als deinen großen Brüdern nicht gefallen würde, wenn du mit jemandem zusammen kommen würdest, der nicht zu dir passen würde. Wir haben zu dritt die Aufgabe übernommen, die Jungen von dir fern zu halten, die ungebührliches Interesse an dir zeigten. Shintarou war ziemlich begeistert bei der Sache, ich musste ihn manchmal davon zurück halten, gewalttätig zu werden, aber Imayoshi zeigte ein überaus reges Interesse an der ganzen Sache und ich glaube, ich irre mich nicht, wenn er weitaus mehr Kerle von dir ferngehalten hätte als wir. Soviel zu deiner Frage, ob Shintarou möglicherweise ein wenig Eifersucht zeigte, wenn es um dich und das Thema Beziehungen ging.“
Er nimmt die Hand von ihrem Mund.
Kahoko starrt ihn einfach nur an.
„Hast du keine Fragen?“
„Wer ist das Mädchen, für das du Gefühle hegst.“
„Im Ernst jetzt? Von all den Dingen, die ich dir erzählt habe, interessiert dich das am Meisten? Nicht etwa die Namen der Jungen, die Interesse an dir gezeigt haben oder die Tatsache, dass dein ach so toller Freund Imayoshi zu den übelsten Mitteln greift, um seinen Willen zu bekommen?“
„Ich kenne Shoichi besser als du, auch wenn ich von dieser Sache vielleicht nichts wusste, aber ich weiß, wer er ist und warum er die Dinge tut, die er tut. Ich heiße sie nicht gut, aber ich sehe mehr als du. Und was diese Jungen angeht – wenn sie mich interessiert hätte, wüsste ich ihre Namen bereits. Also?“
„Ich will es dir nicht sagen.“

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