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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
24
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17.07.2016 2.858
 
Die Wochen vergehen.
Es sind Ferien, man sieht sich außerhalb des Trainings nur selten und auch das findet nicht immer statt.
Die späte Augusthitze lässt den Asphalt flimmern, die Basketballplätze können oft den ganzen Tag vergessen daliegen, erst wenn die Abenddämmerung Kühle bringt, kommen die Spieler zusammen.
Die Menschen verändern sich, ob es nun die Hitze ist, die einem das Gefühl gibt, in einem Druckkochtopf gar gekocht zu werden, oder ob es andere Umstände sind, aber sie verändern sich.
Manche Dinge sind offensichtlich – wie zum Beispiel der Trainingsfortschritt von Akemi und Chikara – für andere Dinge braucht man Adleraugen.

Takao grinst über seinen eigenen Wortwitz, lehnt sich lässig auf seinem Stuhl zurück. Es ist bereits später Nachmittag und das kleine Straßencafé ist gut besucht, aber er hat Glück gehabt, in mehrfacher Hinsicht. Der kleine Einzeltisch mitten im Getümmel war nicht nur frei, er ist dank der anderen Gäste vor den Passanten verborgen, sieht aber alles, was in der Fußgängerzone vor sich geht. Und das Spektakel heute ist wirklich einzigartig.
Nur fünfzig Meter weiter stehen die Midorima-Zwillinge stramm wie Zinnsoldaten, während ihre Mutter vor ihnen auf und abschreitet und ihrer Empörung Luft macht.
Er kann zwar Lippen lesen, aber da sie ihren Kopf dreht und wendet, kann er nicht alles erfassen. Der Inhalt ist dennoch klar.
Aus irgendeinem Grund – und den Grund wird er herausfinden, haben die drei heute eine Tour zum Schneider unternommen. Und die Zwillinge haben sich bei besagtem Schneider so unerhört benommen, dass Hana-san nicht mehr weiß, wo ihr der Kopf steht.
Shintarou wird an den Kopf geworfen, dass er zu teilnahmslos sei – da kann Takao ihr nur recht geben – während Kahoko ganz offensichtlich keine Sekunde hatte ruhig stehen können.
Vielleicht ein Debütantenball, kommt ihm in den Sinn, aber er verwirft den Gedanken wieder, er hat wohl schon zu viele amerikanische Seifenopern gesehen.
Während er noch nachdenkt, beruhigt sich die Situation und die Gruppe spaltet sich. Kahoko verabschiedet sich mit einer Umarmung von einem recht steifen Shintarou und läuft dann so direkt auf das Straßencafé zu, dass Takao für einen Augenblick glaubt, er sei entdeckt worden.
Aber dann läuft sie an ihm vorbei und er verrenkt sich fast den Hals, nur um sie im Blick zu behalten.
Sie betritt die Eisdiele schräg hinter ihm und er wechselt auf einen anderen Stuhl.
Zu seiner Überraschung kommt sie mit zwei Eiswaffeln heraus. Er weiß zwar, dass sie viel verdrücken kann, aber er hat sie nie für gierig gehalten.
Aber die Verwunderung hält nicht lange an. Nur ein paar Schritte entfernt ist eine Parkbank, die sogar zum Teil im Schatten liegt und auf die steuert Kahoko zu.
Die Bank ist Takao zuvor nicht aufgefallen. Und noch weniger der Junge, der darauf sitzt und ein Geschichtsbuch liest. Takao kann den Titel sehen, weil der Junge sich das Buch vors Gesicht hält, um nicht geblendet zu werden.
Es sind Ferien und er liest ein Geschichtsbuch. Takao kombiniert blitzschnell. Ein Drittklässler, der sich auch in den Ferien auf die Prüfungen vorbereiten muss…
Er blickt wieder zu Kahoko, die sich eben mitten auf die Parkbank setzt. Nicht an den anderen Rand, nein, genau in die Mitte.
Für einen winzigen Augenblick glaubt Takao wirklich, dass der fehlende Abstand zwischen Kahoko und dem lernenden Jungen daher rührt, dass Kahoko einfach das Konzept von Privatsphäre nicht versteht. Aber dann schließt sich das Geschichtsbuch und wird weg gelegt und Takao schmeckt Galle auf seiner Zunge, als er sieht, wie Imayoshi Shoichi lächelnd nach der zweiten Eiswaffel in Kahokos Hand greift.
Ich sollte mich dazwischen werfen…
Er schüttelt den Kopf und reißt sich zusammen. Er weiß, dass er dabei nur den Kürzeren ziehen kann.
Ich könnte aufstehen und gehen…
Aber er bleibt sitzen, die Augen auf das Paar gerichtet. Er will wissen, was die beiden verbindet.

- - -

Sie haben sich alle verändert.
Lia kann nur da stehen und staunen, ihr Team betrachten und sehen, was sie alles geschafft haben in diesem einem Semester.
Shouta und Shinji stecken gerade die Köpfe zusammen, um Strategien zu besprechen, als hätten sie nie etwas anderes getan. Als hätte Shinji Shouta nie herablassend als „bessere Putzfrau“ bezeichnet und Shouta sich bei ihrem Anblick nie hinter Nanami versteckt.
Shinji hat ihre Waffen gesenkt. Shouta hat seinen Mut gefunden.
Lia blickt an ihnen vorbei zu dem kleinen Grüppchen in der Ecke. Nanami flicht Tsunakos lange Haare in komplizierte Kunstwerke und erklärt Michirou, was sie genau macht. Ihre Vizekapitänin ist nur einen Schritt davon entfernt, sich Notizen zu machen. Vielleicht sind es die neugierigen Fragen, die Tsunako stellt. Wieso will Michirou plötzlich was mit ihren Haaren machen? Ist es wegen einem Jungen? Wenn ja, wie heißt er? Ist er süß?
Die drei sind so verschieden und Lia kann nicht anders, als sich schmunzelnd weg zu drehen. Das hat sie ganz sicher nicht kommen sehen, aber es gefällt ihr.
Und dann, am anderen Ende der Halle, ist das Grüppchen, das ihr am meisten Sorgen bereitet. Die zwei Neulinge, Chikara und Akemi, die sich dank Shoutas Training außerordentlich verbessert haben, aber immer noch weit hinter den anderen liegen. Akemi kann vielleicht eine Halbzeit am Stück durchspielen, aber auch nur, wenn sie in dieser Halbzeit keine Fastplays spielen. Und Chikara fällt jeden Monat für eine Woche aus, wenn sie ihre Tage bekommt und sich mit Schmerztabletten und Alkohol zudröhnen muss, um sich nicht schreiend auf dem Boden zu winden.
Dann ist da noch Kahoko, deren Rippen sehr gut verheilen und der man, auch wenn sie nichts darüber sagt, deutlich ansieht, dass sich auch außerhalb der Schule so einiges getan hat. Sie ist am Dauerlächeln und manchmal, wenn man sie fragt, was sie am Abend oder Wochenende getan hat, kichert sie wie ein Schulmädchen, anstatt eine Antwort zu geben.
Mittlerweile kann sie in kurzen Intervallen trainieren und tut das auch mit etwas zu großer Begeisterung.
Das letzte Teammitglied und Lias derzeitiges Sorgenkind ist aber Megumi. Sie ist die jüngste, kleinste und schnellste im Team, dazu kommt, dass sie jetzt auch noch am härtesten trainiert. Morgens ist sie zwar immer erst als letzte da, weil sie zuhause in der Bäckerei mithilft, aber abends ist sie auch die letzte, die geht.
Ihr aufgedrehtes Wesen hat sich in den letzten Wochen etwas abgekühlt, vielleicht durch das Training, aber Lia vermutet mehr dahinter. Nur redet Megumi nicht darüber, tut es immer nur mit einem Lächeln ab. Da ist nichts zu machen. Aber Lia weiß – und das hat sie auch den Zwillingen gesagt – dass Megumi darüber hinweg kommen wird. Mit ihrer aller Hilfe oder auch ohne. Sie selbst wird dann schon lange nicht mehr hier sein, aber sie weiß, dass Megumi in ihrem dritten Jahr eine hervorragende Kapitänin sein wird.

„Leute! Hört mal her!“
Ihre Mitspielerinnen horchen auf, kurz droht Chaos zu entstehen, als sie sie sich um sie scharen, aber es legt sich rasch.
„Ich muss euch was sagen.“
Neun paar Augen mustern sie neugierig. Lia schluckt, aber da muss sie jetzt durch. Dies ist ihre letzte Chance, um zu sagen, was sie zu sagen hat.
„In einer Woche haben wir unser erstes Spiel. Seid ihr nervös?“
Kollektives Nicken. Lia lächelt.
„Ich bin's auch. Das gehört dazu. Aber ich weiß, dass wir gewinnen werden. Wir spielen gegen ein Team, gegen das wir seit Jahren jedes Mal gewonnen haben und auch wenn ich auf keinen Fall will, dass wir diese Mädchen unterschätzen, weiß ich, dass wir sehr viel besser geworden sind, als wir es bisher je waren. Außerdem haben wir ja alle unsere Mutproben geschafft, oder?“
Sie blickt in die Runde, die Reaktionen sind unterschiedlich. Michirou errötet sogar.
„Ich… also ich bin noch nicht ganz fertig damit.“, murmelt sie leise, aber in der Stille ist es gut zu hören.
„Dann halt dich ran. Du hast noch diese Woche.“, tönt Shinji und klatscht ihre Hand etwas zu fest auf Michirous Schulter. Sie zuckt nicht zusammen, aber sie nickt nervös. Die anderen tuscheln und lachen und kichern unterdrückt. Rätseln, was Michirou noch zu erledigen hat oder erklären mit gedämpfter Stimme einander, was ihre Mutprobe sie gekostet hat.
Lia atmet tief durch, bevor sie ein weiteres Mal die Stimme erhebt.
„Leider muss ich euch aber mitteilen, dass ich Samstag nicht mit euch spielen werde.“
Totenstille. Jemand schnappt entsetzt nach Luft. Lia kämpft damit, nicht beschämt den Blick zu senken und konzentriert sich stattdessen auf einen imaginären Punkt an Kahokos linkem Ohr. Besagtes Ohr bewegt sich, als Kahoko die Stille bricht.
„Aber du kommst doch zum nächsten, oder? Du hast sicher einen guten Grund, aber zum nächsten musst du kommen. Du bist unser Kapitän.“
Lias Blick wandert – zögerlich – weiter zu den grünen Augen und dem Vertrauen in sie, welches sie in diesen Augen sieht. Kahoko vertraut ihr. Glaubt an sie.
Woher nimmt sie nur diesen Glauben?
Ich… also...“, Lia wringt ihre Hände wie ein nasses Handtuch, fährt mit der Zunge über ihre Zähne, als würden sich dahinter die Wörter verstecken, die sie sucht.
„Meine Mutprobe war ja, meinem Vater zu sagen, dass ich weiter Basketball spielen will. Das hab ich gemacht. Jetzt schickt er mich nach Amerika. Um mich dort schon mal in die Unis einzuschreiben und die Eignungstests zu machen. Und ich weiß nicht, wie lange es dauern wird.“
Kahoko tritt vor. „Ich gebe dir Natashas Nummer. Sie wird sich um dich kümmern, solange du drüben bist, dann dauert das Ganze nicht so lange.“
Michirou nickt und tritt ebenfalls vor. „Und wir halten dir deinen Platz frei. Wir ebnen dir den Weg. Ob du jetzt in einer Woche kommst oder in drei, wir werden mit dir den Winter Cup gewinnen.“
„Ja, wir sind schließlich ein Team.“, meldet sich da Akemi mit ihrer hohen Stimme und schlingt ihre kurzen Arme so fest um Lias Mitte, dass ihr für einen Moment die Luft weg bleibt.
Neun paar Augen mustern sie entschlossen. Megumi, Tsunako, Chikara, ja sogar Shinji schließt sich der Gruppenumarmung an. Shouta lächelt ihr über die Schulter seiner Schwester beruhigend zu und ein Knoten, von dem Lia dachte, sie würde ihn irgendwann mit ins Grab nehmen, löst sich in ihrem Inneren.
Sie hat in ihrem Leben erst einmal etwas bewusst entschieden – dass sie Basketball spielen würde.
Es ist Zeit für eine andere bewusste Entscheidung: Sie wird jetzt ganz sicher nicht damit aufhören.

- - -

„Warum hast du Anzugsschuhe in deiner Sporttasche?“
Shintarou zuckt ertappt zusammen. Besagt Sporttasche rutscht ihm aus den Fingern und der Tatbestand – ein paar oft getragener schwarzer Anzugsschuhe – rollt über den Boden der Umkleide. Kazunari bückt sich und hebt sie auf, streckt sie seinem Freund mit hochgezogenen Augenbrauen entgegen.
„Verheimlichst du mir was?“
„Nein.“
„Wofür brauchst du dann solche Schuhe? Und wieso nimmst du sie mit zum Basketballtraining.“
„Geht dich nichts an.“
„Also verheimlichst du mir doch was.“
„Es geht dich nun mal nichts an. So einfach ist das.“
„Hat es was damit zu tun, dass du mit Kahoko und deiner Mutter beim Schneider warst?“
Shintarou richtet sich zu seiner vollen Größe auf, mustert Kazunaru ernst von oben herab. „Woher weißt du davon?“
„Man nennt mich nicht umsonst Adlerauge. Du erzählst mir, was es mit dem ganzen Zeug auf sich hat und ich erzähle dir, was Kahoko angestellt hat, nachdem du um die Ecke verschwunden bist.“
Grüne Augen werden zu misstrauischen Schlitzen. Er ist neugierig, aber er will sich nicht ausnutzen lassen. Schlußendlich siegt die Neugier.
„Meine Mutter ist Tänzerin und sie unterrichtet immer noch.“
„Und es findet ein Tanz statt?“
„Natürlich. Der Ball zum Winter Cup. Sie haben ihn in letzter Zeit ein wenig schleifen lassen, aber mit dem ganzen anderen 'Wunderkindern' soll er dieses Jahr größer denn je werden.“
Kazunari grinst. „Nicht wahr. Wir werden alle tanzen müssen? Ich kanns kaum erwarten.“
„Ja, es wird großartig.“, Shintarous Stimme entbehrt jegliche Begeisterung. Genauso gut hätte er von einem Urlaub in einem Feldlazarett in Sibirien erzählen können.
„Jetzt erfüll deinen Part. Was hat Kahoko noch gemacht?“
Kazunari blickt sich demonstrativ nach allen Seiten um, dann kommt er näher. „Sie war auf einem Date. Mit Imayoshi.“
„Ach.“, ist alles, was Shintarou dazu zu sagen hat.
„Ach? Ist das alles, was du dazu zu sagen hast.“
„Nein. Ich würde auch noch gerne wissen, wie du das raus gefunden hast. Schleichst du Kahoko hinterher?“
„Nicht mehr als du, du Loser. Und jetzt beweg deinen Hintern, wir müssen los.“
„Wohin denn?“
„Zu deinem Tanztraining natürlich. Glaubst du etwa, ich lasse mir entgehen, wie du dich zum Affen machst? Nach der Ansage vorhin auf keinen Fall.“
„Du kommst nicht mit.“
„Und wie ich mitkomme. Oder willst du mich mit der Riksha erst nach Hause fahren?… Dacht ich mir.“

- - -

„Muss er da sitzen und zuschauen?“, wispert Kahoko in Shintarous Ohr und blickt dabei ans andere Ende des Raumes, während Kazunari hinter ihnen auf dem Boden sitzt und sie mustert.
„Ich könnte ihn verprügeln, aber Mama mag ihn.“
Kahoko seufzt und zuckt mit den Schultern. Wenn ihre Mutter das letzte Wort behält – und sie hofft noch immer, dass es nicht so sein wird – dann wird sie lernen müssen, mit Zuschauern zurecht zu kommen.

Sie beginnen zu tanzen. Es sind zögerliche Schritte, langsame Wiederholungen der Choreographie, die Sakura ihnen mühevoll eingetrichtert hat.
Kahoko ist sich nur allzu sehr der Augen bewusst, die auf sie gerichtet sind. Sie tritt daneben, setzt ihren Fuß mal wieder viel zu fest auf – und erwischt Shintarous Zehen.
Ihr Bruder flucht, verliert seinen Rhythmus und sein Knie knallt gegen ihres. Wäre sie konzentrierter gewesen, hätte Kahoko den Schwung ausgleichen können. So verliert sie ihr Gleichgewicht und fällt nach hinten, zieht Shintarou mit sich. Sein schwerer Körper treibt ihr die Luft aus den Lungen und den Schmerz zurück in ihre Rippen.
Sie schiebt ihn von sich runter und springt auf. Tränen steigen ihr in die Augen und sie kann nicht sagen, woher sie kommen. Ist es der Schmerz, der Zorn oder die Scham? Vielleicht auch alle drei.
Ihre Mutter seufzt, stoppt die Musik. „Zurück in Position, wir fangen noch mal an.“
„Nein.“ Kahoko schüttelt den Kopf. „Ich mag nicht mehr.“
„Kahoko!“, ihre Mutter klingt entrüstet, „Von nichts kommt nichts. Deshalb trainieren wir ja.“
„Ich mag aber nicht. Ich hasse es zu tanzen und das weißt du ganz genau. Ich sehe bescheuert aus.“
„Das hat dich doch noch nie gestört.“, Shintarou rappelt sich auf und klopft sich den imaginären Staub von den Hosenbeinen. Er wirkt wie ein Erwachsener.
Kahoko hingegen stampft mit dem Fuß auf wie ein kleines Kind.
„Du hast leicht reden, du bist ja auch ein Naturtalent mit deinen bescheuerten Piletten.“
„Es heißt Pirouetten.“, korrigiert er sie ganz automatisch, aber da ist diese altbekannte Wärme im Herzen. Sie kann das Wort noch immer nicht aussprechen.
„Das weiß ich auch!“, faucht sie zurück, stampft nochmal mit dem Fuß auf und marschiert zur Tür.
„Kahoko! Du kannst nicht einfach gehen.“, ihre Mutter stemmt die Hände in die Hüften, „Du bist Shintarous Tanzpartnerin.“
„Soll er doch mit Kazunari tanzen!“ Die Tür schließt sich mit einem Knall hinter ihr.
Sakura seufzt, dann nickt sie wie zu sich selbst, bevor sie sich aufrichtet und Kazunari in Augenschein nimmt.
„Also gut. Du bist zwar etwa zu klein, um als wirklicher Ersatz für Kahoko zu taugen, aber du bist immer noch besser als gar nichts.“
„Aber...“
„Kein aber. Wir haben schon genug Zeit vertrödelt.“
Sie dreht sich wieder zum CD-Player und Kazunari bleibt nichts anderes übrig, als Folge zu leisten.
Die beiden Jungs mustern sich einen Moment wortlos.
„Das bleibt unter uns.“, stellt Shintarou dann klar und Kazunari schnaubt trocken.
„Als ob ich das jemandem erzählen würde.“

- - -

„Also du bist sauer, aber du hast auch ein schlechtes Gewissen und ein kleines bisschen bist du auch enttäuscht?“
„Genau.“
„Aber du willst eigentlich nicht drüber reden, weil du das ganze sowieso schon mit… wie heißt sie noch gleich… Natasha durchgekaut hast und du nicht all deine Probleme bei mir abladen willst?“
„Exakt.“
„Also dann ist mir alles klar.“
Kahoko dreht sich auf die Seite und drückt ihren Ellbogen in das fluffige Kopfkissen, um Shoichi sehen zu können, der an seiner Hausarbeit sitzt, als wäre nichts.
„Wirklich?“
„Eigentlich nicht, aber ich lass dir deine Geheimnistuerei.“
Sie seufzt und lässt sich wieder auf den Rücken fallen. Wenn sie dafür nicht aufstehen müssten, würde sie sich auch noch in seine Bettdecke einwickeln, aber sie will jetzt auch nicht auf Kleinkind machen. Auch wenn er eine wirklich kuschlige Decke hat.
„Hast du schon mal was machen müssen, was du eigentlich gar nicht wolltest, aber du wusstest, dass es das Richtige ist?“
„Klar.“
„Wirklich? Was denn?“
„Also da war dieses Mädchen, das ich richtig gerne mochte...“
Kahoko setzt sich ruckartig auf und spitzt die Ohren. Er tut so, als merke er es nichts und schreibt seelenruhig weiter, während er redet.
„Und ich hab mich ihr gegenüber manchmal ziemlich mies benommen und als ich das Ganze beenden wollte, du weißt schon, als Gentleman, bevor es noch schlimmer wurde, da… nun, da hat sie den Spieß umgedreht und mich dazu verpflichtet, es nochmal zu versuchen. Und jetzt muss ich ihr gegenüber immer die Wahrheit sagen, auch wenn ich das eigentlich gar nicht so gerne tue.“
Als er sich leicht zur Seite dreht, sieht er, dass ihr Mund offen steht. Im nächsten Moment schleudert sie ihm sein Kissen entgegen.
„Was?!“, er lacht über ihr verärgertes Gesicht, „Du wolltest es doch genau wissen.“

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