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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
24
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
16.06.2015 2.662
 
Für eine bessere Übersicht der OC's:  Bilder und Zusammenfassung

Das Spiel beginnt


Die Luft in der Sporthalle der Nakamiya South High ist zum Schneiden dick. Das liegt nicht nur an dem für Mai außergewöhnlich heißen Tag.
Mit einem dumpfen Laut fällt der Basketball zu Boden und rollt unbeachtet davon. Die 17-jährige Hatsuno Shinji ist viel zu sauer, um sich um den Ball zu kümmern. „Kannst du nicht aufpassen?“, faucht sie eine der Erstklässlerinnen an, die ihr bei der Dribbelübung zwischen die Beine gelaufen ist. „G-Gomen.“, haucht der Zwerg und rennt davon. Shinji schnaubt. Was sucht so ein Gnom eigentlich im Basketballteam, sollte die nicht lieber beim Zirkus anheuern? Die suchten vielleicht noch Liliputaner!
Eine Hand kracht mit Wucht auf Shinjis Shulterblätter und sie hustet überrascht. „Geht’s noch?“
Haibara Michirou, ihres Zeichens ein Kasten von einem Mädchen und der Center des Teams, starrt sie nur nüchtern nieder. „Ich bin auch nicht glücklich über unsere Niederlage, aber ich lasse das Ganze nicht an den Anfängern aus.“
Shinji öffnet den Mund um zu widersprechen, als Lia Smith heran tritt. „Gibt es Probleme?“, fragt sie mit dem für sie typisch liebenswürdigen Tonfall. Shinji schluckt die bissige Bemerkung hinunter, die ihr auf der Zunge liegt und kaut stattdessen an den Snakebites in ihren Lippen herum.
Nein, Kapitän, alles im grünen Bereich.“, gibt sie nach und auch Michirou nickt. „Wir haben uns nur ein wenig über die Niederlage am Samstag unterhalten.
Lia seufzt und fährt sich durch die schulterlangen blonden Haare.
Ja, ich hatte wirklich gehofft, dass wir gewinnen. Aber da unsere starke Offensive vom letzten Jahr jetzt auf die Universität geht, liegt es an uns, die Jüngeren zu unterstützen und ihnen dabei zu helfen, das Beste aus sich zu machen.“ Shinji schluckt. Die Liebenswürdigkeit ihrer Kapitänin ist manchmal geradezu beängstigend. „Hai.“

Ein Basketball fliegt aus dem Nichts auf die drei zu und hätte Michirou ihn nicht geistesgegenwärtig aufgefangen, würde Shinji jetzt den Boden abknutschen. Vergessen ist der Moment der Ruhe, der Zweitklässlerin stehen vor Wut die schwarzen Haare zu Berge.
Welcher Geisteskranke hatte bitte die bescheuerte Idee, den Ball durch die Gegend zu pfeffern?“ 
Es ist schon fast filmreif, wie sich die kleine Gruppe trainierender Mädchen teilt um den Blick auf eine kleine, recht unauffällige Erstklässlerin frei zu geben, die überrascht zurück starrt.
Du! Name!“
Sakagami Megumi. Ich wollte dir nur deinen Ball zurückgeben.“ Shinji klappt die Kinnlade runter. „Wie bitte? Wirst du etwa frech?“
Megumi wedelt hektisch mit den Armen. „Nein, nicht doch… ich… ich spiel nur den Small Forward, ich… es ist meine Aufgabe, Bälle zuzupassen.“
Michirou kneift die Augen zusammen und wirft ihrer Kapitänin einen Blick zu. „Wie war das nochmal mit der Unterstützung?“
Lia seufzt. Sie haben noch viel vor sich.

- - -

Freiheit!“, brüllt Kahoko laut, als sie am Morgen des 1. Juni ihre High School verlässt. Masahiro wartet fünf Meter entfernt am Auto lehnend und lacht sie aus.
Vorsicht Kay, du erschreckst die anderen Schüler!“
Kay zuckt nur mit den Schultern und springt ins Auto.
Wo ist Mum?“ „Okâ-san wartet zuhause mit einem Kuchen für dich und den gepackten Koffern.“ Kahoko mustert ihren Stiefvater kurz, dann grinst sie, fährt ihr Fenster runter und dreht den Radio laut auf. Masahiro schüttelt nur den Kopf, als sie auf dem High-Way den Kopf aus dem Fenster hängt wie ein Hund und lautstark „Let it Go“ mitsingt. Seine Tochter hat ein Faible für Disneyfilme. Sie entschuldigt es mit ihrer kleinen Schwester. „Recherche“ nennt sie es.

Hana Sakura ist ganz aufgeregt. Sie mag Veränderungen nicht sonderlich, anders als Kahoko, die ihre Koffer bereits aus dem Haus schleppt, nach jedem Gang einen weiteren Happen Kuchen runter schlingend.
Haben wir auch nichts vergessen?“, fragt sie ihren Mann händeringend, „Was ist mit den Pflanzen?“
Masahiro mustert sie besorgt. „Schatz, unser Garten ist asphaltiert und enthält einen Basketballkorb und eine Bank zum Zuschauen, wovon redest du?“

Im Flugzeug, wer weiß wie viele Meilen über dem Pazifischen Ozean, fällt Sakura das Wichtigste ein. „Schatz, ach du meine Güte, hast du dich überhaupt verabschiedet?!“
Kahoko blickt von ihrem Buch auf, wirft ihrem Stiefvater einen Blick zu, den der amüsiert erwidert und antwortet ruhig. „Ich hab gestern mit den Jungs ein paar Körbe geworfen, falls du das meinst.“
Aber die Mädchen? Was macht dein Team ohne dich?“
Nichts. Sie haben Sommerferien. Außerdem hat jeder schon seine Aufnahme für irgendeine Senior High in der Tasche. Wir haben die Meisterschaft gewonnen und unsere Wege haben sich getrennt, da gab es nicht mehr viel zu sagen oder so, das hat schon so gepasst.“
Sakura zerrt ihre Tochter in eine Luftabschnürende Umarmung. „Mein armes Schätzchen, ich hoffe du bist nicht einsam!“ „Mum! MUM! Du erdrückst mich!“ Masahiro muss ihr helfen, die Arme ihrer Mutter zu lösen.
Ich bin nicht einsam.“, erklärt sie ihrer Mutter ernst, „Ich mag nur die amerikanischen Mädels nicht, die sind alle so oberflächlich und halten sich für was Besseres, weil Amerika bei ihnen schon fast sowas wie Nationalsport ist.“
Na wenn das so ist, solltest du ja kein Problem haben, in Japan Bekanntschaften zu schließen.“, neckt Masahiro sie und Kahoko streckt ihm frech die Zunge raus.
Ich hab in den paar Tagen, die ich dort war, schon zwei Bekanntschaften geschlossen, vielen Dank.“
Ach wirklich, wie heißen sie denn?“
Dieser Junge, Takao!“ Die Gesichtszüge ihrer Mutter entgleisen, als sie „Junge“ hört und Kahoko beeilt sich ein „Und Mirai!“ anzuhängen.
Oh, Mirai, das klingt wie ein nettes, höfliches, liebes und ruhiges Mädchen. Eine solche Freundschaft wird dir sicher gut tun.“ Kahoko nickt und lächelt und denkt bei sich: Wenn du wüsstest.

- - -


„Du bist unkonzentriert, Shin-chan!“, haucht Takao ihm ins Ohr und Shintarou schwört, für einen Moment setzt sein Herz aus. Wirklich, dass ausgerechnet er einen Teamkameraden kriegt, der sich einen Spaß daraus macht, ihn zu ärgern. Da hätte er ja noch lieber… nein, wenn er es so Recht bedenkt, hätte er keinen seiner ehemaligen Kameraden germe bei sich im Team.
„Ich bin nicht unkonzentriert.“, widerspricht Shintarou und vergewissert sich ein weiteres Mal, dass die Bandagen an seiner Hand richtig sitzen. Er hasst es wenn sie verrutschen. „Tatsächlich bin ich sogar sehr konzentiert, Takao, aber da Fokus für dich etwas Unbekanntes ist, ist es nur zu verständlich, dass du es verwechselst.“ 
Takao grinst. „Das klang nach einer Beleidigung. Wie auch immer, heute ist der 2. Juni.“
Shintarou starrt ihn an. Weiß er davon oder zielt er auf etwas anderes ab? Er wartet und Takao studiert im Gegenzug seine Mimik, bis er schließlich die Geduld verliert. „Heute ist der 2. Juni, Shin-chan, morgen abend haben wir unser Spiel gegen Seirin. Bist du aufgeregt?“ 
„Nein.“, erklärt Shintarou ruhig, doch er greift seinen Glückbringer fester. Krebs ist heute an letzter Stelle im Horoskop. Wenn er Pech hat – und Gott möge das verhindern – sitzt Kahoko in diesem Moment im Flugzeug, auf dem Weg hier her. Der Gedanke ist mehr als nur beunruhigend. Dann wiederum ist aber auch Kahokos Sternzeichen Krebs. Und im Gegensatz zu ihm legt sie keinen Wert darauf, was das Schicksal verheißt.
Wer weiß wie viele Meilen über dem Pazifik, von den Naturgewalten nur durch die Wände des Flugzeugs geschützt, Sternzeichen Krebs an letzter Stelle, kein Glückbsringer zur Hand... Shintarou kriecht bittere Galle die Speiseröhre hoch, er kneift die Augen zusammen und seine Finger verkrampfen sich um den Gegenstand in seiner Hand.
Takaos Hand auf seiner Schulter holt ihn zurück in die Realität, er starrt überrascht auf die Überreste seines Pappmaschee-Schweins. 
„Wie's aussieht, hast du heute Pech.“, bemerkt Takao trocken und hält überrascht inne, als er das Lächeln auf Shintarous Lippen sieht.
„Sieht so aus, ja.“, antwortet der und wirft seinen Glücksbringer mit der gewohnten Zielsicherheit in den Mülleimer. Wenn er heute Pech hat, dann komt Kahoko heute in Japan an. Aber sie kommt an einem Stück an und das ist es, was zählt.
Das Lächeln weicht nicht von seinem Gesicht, als er das Klassenzimmer verlässt und Takao ist nicht der einzige, der sich fragt, was Shintarou heute in seine Frühstücksflocken getan hat.

- - - zeitgleich in der Nakamiya South High - - -


„Vergiss es, das mach ich nicht!“, erklärt Sabaki Tsunako entschlossen und stemmt sich gegen die Hände ihrer Mitschülerin, die sie beständig vorwärts schieben.
„Jetzt stell dich nicht so an!“, schnauft Megumi, die versucht ihre Teamkameradin von einer Seite des Raumes zur anderen zu kriegen und wenn sie sie dabei jeden einzelnen Millimeter schiebt. Dass ihr Tsunako dabei die langen orangen Haare so ins Gesicht hängt, dass sie bereits mehrmals davon kosten durfte, macht die Aufgabe nicht einfacher.
„Ich bin schüchtern!“, winselt Tsunako und Megumi lacht freudlos auf.
„Das hättest du dir überlegen sollen, bevor du zu spät zum Training gekommen bist. Hatsuno-Senpai hat mich eh schon auf dem Kieker, das Mindeste was wir tun können, ist dem Kapitän dabei zu helfen, mehr Mitglieder zu bekommen.“
„Aber die Neue ist gruselig! Hast du ihre Augenbraue gesehen?!“ 
Im selben Moment hebt eben jene Neue den Blick von ihrem Bildschirm und die beiden Mädchen erstarren. Es stimmt, sie waren nicht gerade leise, aber sie drei sind die einzigen im Computerraum und die Neue trägt dicke, fette Kopfhörer, aus denen laute Musik wummert.
Tsunako schluckt nervös. Sie ist nicht oberflächlich, wirklich nicht, auch wenn sie auf ihr eigenes Aussehen achtet. Aber dass die Augenbraue ihrer Mitschülerin zu einem dicken, haarigen Wulst über den dunklen Augen zusammengewachsen sind, hilft nicht gerade dabei, ihr düsteres Aussehen zu lindern.
„Was?!“, knurrt die Neue und Tsunako schluckt, tritt einen Schritt näher. „Wir... äh, wir sind vom Basketballteam und wo-“ „Kein Interesse.“ Der Blick senkt sich wieder und Megumis überbordende Loyalität geht mir ihr durch.
„WIR SUCHEN NOCH MITGLIEDER!“, brüllt sie so laut, dass die Ältere trotz der Kopfhörer vor Schreck an die Decke springt.
„Geht's noch?!“, faucht sie Megumi an, die sich stammelnd zu retten versucht.
„Ich... äh... ich dachte, du hast uns vielleicht nicht gehört.“
„Ich hab euch sehr wohl gehört.“, knurrt sie und zerrt sich die Kopfhörer von den Ohren. Keine Musik dringt mehr daraus. Heißt das etwa, sie hat 
alles gehört?
Die Neue lässt die Fingerknöchel knacken.
„Megumi“, wispert Tsunako panisch. Megumi gibt ein zögerliches „Hmm?“ von sich, unfähig den Blick abzuwenden. „Lauf!“
Shouta Haruka starrt den beiden Erstklässlerinnen grimmig hinterher, als sie wie von der Hummel gebissen flüchten.
Störenfriede!

- - -


Familie Hana landet am 2. Juni nach einem elf Stunden Flug um fünf Uhr nachmittags in Tokyo. Sicher, gesund und völlig ahnungslos über das Opfer, das Shintarou für ir Wohlergehen gebracht hat.
- Er ist überzeugt, dass er beim Schere-Stein-Papier gegen Takao verloren hat und deshalb die Riksha ziehen musste, ist allein dem fehlenden Glücksbringer zuzuschreiben. -
Kahoko ist, obwohl sie den Flug über geschlafen hat, müde genug um den Kopf an die Fensterscheibe des Leihwagens zu legen und sofort einzuschlafen. Dass sie
sabbert, merkt sie nicht.
Als Masahiro vor ihrem neuen Haus hält, kann er sich das Lachen über das vollgesabberte Fenster gerade noch verkneifen. Er klopft von außen gegen die Scheibe und sieht zu wie Kahoko hochfährt und sich angewidert das Gesicht abwischt.
„Wir sind da.“, erklärt er und wuschelt ihr zärtlich durchs Haar, als sie die Beine aus dem Wagen schwingt.
„Gefällt's euch?“, fragt er in die Runde und dreht sich zu dem Haus um, dass er vor zwei Wochen für sie ausgewählt hat – zwar nur von Amerika aus, aber er ist Profi.

Das Haus an sich ist recht unauffällig, ein Reihenhaus in blassblau, einklemmt zwischen einem helllila und einem pastellrosa Zwilling.
Am Garagentor ist ein Basketballkorb befestigt, links von der Tür steht ein schmächtiger Baum, der es kaum schafft das Bänkchen an seiner Seite zu beschatten.
Kahoko macht sofort einen Schritt auf den Basketballkorb zu, aber Masahiro streckt reflexartig die Hand aus, schnappt sich ihr zum Zopf geflochtenes Haar und zerrt sie zurück. „Nichts da, erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“
Sie schiebt schmollend die Unterlippe vor, doch ihr Unmut ist schnell vergessen, als ein kleines blondes Mädchen auf einem quietschrosa Fahrrad und passendem geblümten Helm um die Ecke fährt und direkt auf sie zuhält. Das Kind hebt den Kopf und Kahokos Kinnlade macht Bekanntschaft mit dem Boden.
„Onee-san!“, jubelt Yuna ihr entgegen, Mayumi taucht hinter ihr auf.
„Dad.“, wispert Kahoko, „Sag's mir schnell, wie weit entfernt ist Shintarous Haus?“ 
„Fußweg oder Fluglinie?“
„Dad!“, knurrt sie und Masahiro lacht. „Ihr Garten liegt auf der anderen Seite unseres Zauns.“
„Welcher Zaun?“, mischt sich Sakura in dem Moment ein, in dem Yuna sie erreicht, das Fahrrad zur Seite wirft und mit Anlauf in Kahokos Arme springt.
„Stell dir vor, von Onii-sans Zimmer kann ich direkt in dein Zimmer gucken!“, strahlt sie Kahoko an.
„Woher weißt du freche Erbse denn, welches mein Zimmer ist?“ Sie stupst Yuna an, die zufrieden kichert.
„Mama und ich haben geputzt. Ich hab dir gleich ein Bild gemalt und übers Bett gehängt, das will ich dir gleich zeigen. Darf ich?“
„Lass sie doch erst mal das Haus anschauen, Mäuschen.“, mischt sich Mayumi ein, „Sie sind doch alle grade erst angekommen.“


Kahoko betritt ihr neues Heim mit einem leicht mulmigen Gefühl im Bauch, klopfendem Herzen und ihrer Schwester auf dem Arm. Das Haus ist groß genug für sie, mit einem offenen Wohn- und Kochbereich, dessen Festerfront auf den Garten – eine simple Rasenfläche und der besagte Zaun – zeigt, einem Büro für Masahiro und drei Schlafzimmer plus Bad im ersten Stockwerk.
Kahokos Zimmer ist recht klein, dafür aber hoch. Was gut ist, denn die Dachschräge im Elternschlafzimmer hätte bei ihrer Körpergröße auf Dauer ihre schulischen Leistungen gefährdet. Matschhirn lernt nicht gut.
Über ihrem Bett hängt Yunas Zeichnung. Säuberlich aneinander gereiht stehen nebeneinander sieben Strichmännchen, die sich an den Händen halten. Papa, Mama, Onii-san, Yuna, Onee-san, Onee-sans Mama 1 und Onee-sans Papa 2. 
Kahoko blinzelt gerührt. Für Yuna ist alles ganz einfach.
Wenn es doch nur für alle so wäre.


Kahoko schafft es, sich trotz Erschöpfung genügend zu motivieren, um ihren Krempel an einem Tag einzuräumen. Sie besitzt nicht viel, Klamotten, eine Kiste mit Fotoalben, wenigen Büchern und Krimskrams und das war es eigentlich schon.
Als sie ihren Basketball fürs Erste auf die Kommode legt und sich auszieht, um endlich ihren verdienten Schlaf zu kriegen, geht auf der anderen Seite des Zauns, in dem Zimmer, das ihrem gegenüberliegt, das Licht an.
Das Haus der Mdorimas ist, ironischerweise, der Spiegelzwilling von ihrem, lediglich in einem blassen Sonnengelb. Es erklärt sich von selbst, in wessen Schlafzimmer sie blickt.
Shintarou aber hat es noch nicht egriffen, zieht sich mit einem Laut der Erschöpfung, den sie zwar nicht hört, aber erahnt, d as T-Shirt über den Kopf. Die Hose folgt, dann die Socken und Kahoko ist zum ersten Mal in ihrem Leben froh, dass ihr Buder nicht nackt schläft.
Shintarou dreht sich um und sein Gesichtsausdruck ist es mehr als wert, dass sie selbst auch nur in Unterwäsche da steht.
Sexy!“, deutet sie ihm in Zeichensprache. Er schüttelt genervt den Kopf, schnappt sich seinen Schlafanzug und macht sich bettfertig, ohne noch einmal zu ihr herüber zu sehen.

- - -

Als es überall still und dunkel ist, liegt Shintarou immer noch wach. Er kann nicht einschlafen und es liegt nicht an dem Match morgen. Er steht auf, holt sich ein Glas Wasser.
Als er zurück kommt, bleibt er am Fenster hängen. Er tritt näher, blickt zum Haus auf der anderen Seite der Straße, das lange genug leer gestanden hat.
Alles ist dunkel, nur in Kahokos Zimmer leuchtet etwas. Er runzelt die Stirn, klappt sein Handy auf und linst auf die Zahlen. Sie wird doch nicht noch immer wach sein?

Ein Gedanke überfällt ihn, so irrsinig und doch, wenn man nach Kahokos Maßstäben denkt, gut möglich. Könnte es sein, dass es ein Nachtlicht ist?
Es ist gut möglich, dass seine Schwester ihre Angst vor der Dunkelheit nie überwunden hat. Dass sein Geschenk von damals sie dazu angeregt haben nnte, doch ein Nachtlicht anzuschaffen, ist auf eine eigenartige Weise herzerwärmend. Dass es das Nachtlicht sein könnte, dass er ihr damals gekauft hat, das zieht er nicht in Betracht. Dafür bedeutet er ihr zu wenig.
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