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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
24
Alle Kapitel
100 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
29.10.2015 3.197
 
Das neue Kapitel kommt rascher als erwartet. Das habt ihr Aleviana zu verdanken, der Charakterpatin von Hayama Yoyouka, dem "Endgegner" ^^. Ihr habt ihr auch zu verdanken, dass demnächst bald ein Link am Anfang jedes Kapitels steht, der euch zu einer schönen Übersicht der OCs führt, mit kurzer Charakterisierung und Bild.
Ein Applaus für Aleviana bitte.
Und viel Spaß beim Lesen.

Für eine bessere Übersicht der OC's:  Bilder und Zusammenfassung

Es tut mir leid


„Hier ist es.“, murmelt Megumi beklommen, als sie vor der Bäckerei halten, die im Dunkeln liegt.
„Du wohnst hier?“, fragt Kagami verdutzt und starrt durch die Schaufenster in den Verkaufsraum.
„Natürlich nicht, ich wohn in dem Stockwerk darüber.“, antwortet Megumi beklommen und schlingt die Arme fester um sich.
Seit sie aufgehört hat zu weinen und sich von ihm gelöst hat, herrscht eine peinlich berührte Stille zwischen ihnen. Sie würde gerne die Zeit zurück drehen, auf vor dem Spiel, auf heute morgen vielleicht und ihn zu einem anderen Trainingsmatch einladen oder ihm gleich an Ort und Stelle ihre Gefühle gestehen, nur um das hier nicht erleben zu müssen.
„Dann also.. danke... dass du gekommen bist.“
„Bitte... hab ich gerne gemacht.“, murmelt Kagami zurück und starrt auf seine Schuhe, die er, wie ihm auffällt, dringend mal wieder putzen muss.
„Und... wann habt ihr euer nächstes Spiel?“, versucht Megumi zu retten, was vielleicht noch zu retten ist. Immerhin, nachdem sie bereits Rotz und Tränen in sein Shirt geschmiert hat, stottert sie kaum noch vor ihm.
„Keine Ahnung. Erst mal haben wir Trainingswoche, dann sehen wir weiter. Und ihr?“
„Morgen. Glaube ich jedenfalls.“, antwortet Megumi düsterer als gewollt, „Shinji ist nicht mehr im Team und beim Rest der Mannschaft bin ich mir auch nicht so sicher, aber na ja. Sowas passiert, oder?“
Sie blickt zu Kagami hoch, der den Mund aufmacht, um etwas zu sagen – was, weiß er selbst noch nicht – als seine Augen ganz groß werden. Mit einem Schrei des Entsetzens springt er einen Schritt zurück und zerrt Megumi dabei mit sich. Aber nicht um sie zu schützen, nein, sie fungiert als sein Schutzschild.
Megumi selbst braucht einen Moment, um zu kapieren, was abgeht. Einen Moment, den „die Gefahr“ nutzt, um auf die beiden zu zu rasen und mit freudigem Gekläff an Megumis Bein hoch zu springen.
„Kin! Kin, mein Süßer, hast du mich vermisst?“ Ihr Shiba-Inu kläfft begeistert, als sie ihn hoch hebt und beginnt ihr Gesicht abzuschlecken. Als von hinter ihr nichts kommt, dreht sie sich um – Kagami ist verschwunden.
„Oh... stimmt ja.“, stellt sie ernüchtert fest. Kagami-kun hat ja Angst vor Hunden.

-

Als Kahoko bei der Bäckerei ankommt, ist Megumi immer noch auf der Suche nach Kagami. Kin hat sie schweren Herzens ins Haus gesperrt, um den Jungen nicht noch mehr zu verschrecken, aber obwohl sie nun schon mehrere Male die Wege abgegangen ist und seinen Namen gerufen hat – Kagami taucht nicht auf.
„Hey...“
Megumi dreht sich hoffnungsvoll um, doch es ist nicht Kagami, der hinter ihr steht, die Hände in die Hosentaschen gestopft, die Augen verlegen auf den Boden gerichtet – es ist Kahoko.
Die Größere hebt schlussendlich doch den Blick, als absolut keine Antwort kommt. Megumi starrt sie an, ganz offensichtlich hin und her gerissen.
„Ich... es tut mir leid. Wirklich. Das war bescheuert von mir und ich wollte nicht, dass es so endet. Ich bin ein egoistisches Ekelpaket und ich verdiene es nicht, dass ihr mich wieder ins Teams aufnehmt, aber ich will trotzdem, dass ihr wisst, dass es mir leid tut. Ich wollte euch nicht verletzen oder ausnutzen oder sonst was.“
„Warum hast du's dann gemacht?“, fragt Megumi und Kahoko zuckt hilflos mit den Schultern.
„Ich weiß nicht. Ich dachte irgendwie, dass ich das selbst machen muss. Wegen Shintarou, ich wollte, dass er gegen mich spielt und ich gegen ihn.“
„Dann hättest du auch ein One-on-One gegen ihn spielen können, oder nicht?“, bleibt Megumi stur und Kahoko nickt wieder, blickt zu ihr.
„Ich weiß. Es tut mir leid. Ich kann nicht versprechen, dass ich das nicht wieder mache, weil ich nicht wirklich gut bin, in diesem Teamgeist-Zeugs. Ich... Ich würds aber gerne lernen.“
Eine Weile ist es still zwischen ihnen, dann lässt Megumi den Abstand zwischen ihnen hinter sich und umarmt Kahoko ganz fest.
„Du bist eine Idiotin. Du schuldest mir was. Und du musst mir helfen, Kagami zu finden.“
Kahoko lächelt unter Tränen und wuschelt ihrer Freundin durchs Haar.
„Wenn's weiter nicht's ist.“
„Und du musst was wegen deiner Haare machen, die sind im Nacken ganz furchtbar geschnitten. Bist du da etwa mit der Nagelschere ran? Das sieht grauenhaft aus.“
„Hey!“

- - -

Michirou sitzt gerade vor einer Portion Kartoffelbrei mit Brokkoligemüse – ihrer absoluten Leibspeise – als es an der Tür klingelt. Ihre Mutter blickt überrascht auf.
„Wer kann das denn so spät noch sein? Gehst du mal nachschauen, Liebling?“
Michirou nickt und steht auf. Es wäre auch bescheuert, ihre 1,50m kleine Knutschkugel von einer Mutter zur Tür zu schicken, wenn sie mit ihrer Größe doch viel einschüchternder wirkt.
„Kahoko? Was willst du denn hier?“
Kahoko reibt sich verlegen die Nase, als hinter Michirou auch schon trippelnde Schritte erklingen und die kleine, rundliche Frau Haibara am oberen Ende der Treppe auftaucht.
„Michirou, Schatz, wer ist da?“
„Eine Teamkollegin von mir, Mama.“
„Na dann bitte sie doch herein und biete ihr was zu essen an. Schau sie dir an, sie sieht ja halb verhungert aus.“
Kahoko blinzelt verdutzt und Michirou verkneift sich ein Lachen. „Also, komm rein.“
„I-ich will keine Umstände machen, ich wollte mich nur bei dir entschuldigen, für mein Verhalten und alles.“
„Das kannst du am Esstisch auch tun. Ich hoffe, du magst Brokkoli und Kartoffelbrei.“
Kahokos Augen werden riesengroß, sie reißt den Kopf herum und haucht ein panisches „Nein, überhaupt nicht!“, bemüht, nicht von Frau Haibara gehört zu werden.
Michirou lacht, tief und dröhnend. „Dann sieh es als Strafe.“, wispert sie.
„Sie hat ordentlich Hunger, Mama, aber lass noch etwas für Papa übrig, du weißt, dass er deinen Kartoffelbrei liebt...“ „Sie macht den besten in ganz Japan.“, erklärt sie der entsetzten Kahoko.
„Ach, du bist so eine Schmeichlerin.“, flötet Frau Haibara mit roten Wangen und stellt einen gut gefüllten Teller vor Kahoko.
„Iss auf, Kleine, damit du groß und stark wirst.“

- - -

Als Kahoko an der Tür der Itoes klingelt, ist sie blaß wie der Tod und hat Mühe, ihren Mageninhalt bei sich zu behalten. Viel geredet haben sie nicht, sie und Michirou, aber das war auch nicht nötig. Ein Blick in die Augen der Älteren und sie hat verstanden. Michirou ist ihr nicht böse. Sie trägt es ihr nicht nach, ihr ist nur wichtig, dass Kahoko begreift, was sie falsch gemacht hat, dass die daraus lernt und den Fehler nicht noch ein mal begeht. Dass sie die Konsequenzen daraus zieht.
Und genau deshalb ist Kahoko auch bemüht, sich nicht in den nächsten Mülleimer zu übergeben. Und sie war mehr als einmal kurz davor.

Aber sie ist noch lange nicht fertig mit ihrer Tour durch Tokyo. Aber da sie nicht weiß, wo die anderen drei Teammitglieder wohnen, muss sie sich bei Nanami Rat holen.
Und genau die öffnet auch die Tür.
„Kahoko.“, murmelt sie und zieht die Tür hinter sich zu, tritt zu ihr hinaus in die abkühlende Abendluft.
„Nanami.“, antwortet Kahoko, „Es tut mir leid.“
„Ich weiß.“, erklärt sie ihrer Freundin, „Aber Shouta hat geweint. Wie würdest du dich fühlen, wenn ich Shintarou zum Weinen gebracht hätte?“
Kahoko seufzt, senkt beschämt den Blick und atmet tief durch.
„Hau mich. Ich hab's verdient. Aber bitte nicht in den Bauch, mir ist sowieso schon schlecht.“
Nanami schüttelt den Kopf. „Ich hau dich doch nicht, da tu ich mir selber mehr weh als dir. Aber du wirst das Backen übernehmen. Zusammen mit dem Kerl, der dir den Floh mit diesem Trainingsspiel ins Ohr gesetzt hat.“
„Kazunari?“
„Genau der... Ich hole Shouta.“
Und schon ist sie wieder im Haus verschwunden, lässt eine verdutzte Kahoko zurück.
Im nächsten Moment trabt auch schon Shouta heraus und man muss nicht Takaos Adleraugen besitzen, um sehen zu können, dass der Junge geweint hat.
Wortlos breitet Kahoko die Arme aus und Shouta lässt sich hinein fallen.
„Es tut mir leid.“, schnieft er in ihr Shirt.
„Nein, mir tut's leid!“, entgegnet Kahoko.
„Mir tut's aber mehr leid!“, heult Shouta schon wieder aus, braucht einen Moment, um sich wieder zu fangen. „Als Coach hätte ich dir das nicht durch gehen lassen dürfen.“
„Ich hab dich doch dazu gewzungen Shouta. Du hast es mir versprochen.“
„Ja genau! Warum hast du das gemacht?“, kommt der Gedankenwechsel und Kahoko blinzelt verdutzt.
„Weil ich blöd bin?“, bietet sie ihm an und er nickt. „Das bist du allerdings.“
Er zieht die Nase hoch, wischt sich mit dem Ärmel über die Augen.
„Aber du weißt, dass du jetzt die Konsequenzen tragen musst, oder?“, versucht er den strengen Coach zu geben. Kahoko nickt. „Ich mache ganz brav alles, was du sagst. Du bist ein guter Trainer.“
„Wirklich?“, kommt es so schüchtern von Shouta, dass es Kahoko wie ein Stich ins Herz geht. Sie nickt, schluckt den Kloß in ihrem Hals runter.
„Du bist ein toller Coach. Fast so gut wie Natasha, aber sie ist auch schon fast vierzig, bis dahin lernst du noch viel.“
„Kannst du uns ihre Nummer geben?“, mischt sich da Nanami von der Haustür ein und Kahoko hebt erstaunt den Blick.
„Ehm, ja, klar, ich schick sie dir gleich.“, sie fischt nach ihrem Handy.
„Hast du dich bei den anderen auch schon entschuldigt?“, wispert Shouta und schiebt seine Hand in ihre. Sie drückt leicht seine Finger und er lächelt.
„Nein, noch nicht bei allen. Ich war bei Michirou und Megumi, aber von den anderen kenn ich die Adressen nicht.“
„Nanami holt sie dir, oder?“
Nanami rollt die Augen, aber sie eilt zurück ins Haus und Shouta nutzt den kurzen Moment des unbeobachtet seins, um Kahoko am Arm hinunter zu ziehen, bis ihre Gesichter auf gleicher Höhe sind.
„Ich werd in Zukunft sehr streng mit dir sein müssen.“
„Okay.“
„Und ich möchte nicht, dass du deswegen böse auf mich bist. Ich meine es nur gut.“
„Ich weiß.“
„Wirklich, du darfst mir dann nicht böse sein, ich meine, irgendwie verdienst du es ja auch, oder?“
„Ich werde dir nicht böse sein, Shouta, echt nicht.“
Shouta sieht ihr in die Augen, immer noch ein kleines bisschen zweifelnd, ob das auch wirklich eine gute Idee ist.
„Also wenn ihr euch jetzt nicht gleich küsst, dann lasst das besser bleiben, damit ich euch anderweitig verkuppeln kann.“, tönt es da von der Haustür her und Shouta lässt Kahoko so schnell los, als hätte er sich verbrannt.
Nanami schmunzelt nur. Wusste ich's doch.

- - -

Reo ist schon längst wieder weg, aber Tsunako liegt immer noch auf dem Bett und starrt auf die Jacke, die er bei ihr vergessen hat. Sie liegt über ihrem Schreibtisch-Stuhl, eine weiße Trainingsjacke mit dem Logo der Rakuzan.
War das ein Versehen? Oder Absicht?
„Du hast deine Jacke bei mir vergessen.“, simst sie ihm und steht dann auf. Zögerlich geht sie zu dem Stuhl, als könnte die Jacke sie beißen. Vorsichtig streckt sie die Finger danach aus – und springt vor Schreck zurück aufs Bett, als es plötzlich an der Tür klingelt.
„Tsu-chan!“, ruft ihr Vater von unten, „Besuch für dich!“
„Das ging aber schnell!“, Tsunako packt die Jacke und rutscht das Treppengeländer hinunter. Vermutlich hat Reo noch auf dem Weg zur U-Bahn gemerkt, dass ihm die Jacke fehlt.
Als sie unten ankommt, steht da aber nicht ihr Freund, sondern Kahoko.
„Oh...“
Kahoko nickt beklommen. „Ja, oh... darf ich... mich bei dir entschuldigen?“
„Wofür?“
Kahoko stockt. Okay... das hier wird schwerer als gedacht.
„Das ich... dir das Gefühl gegeben habe, nicht wichtig für das Team zu sein.“
Tsunako seufzt. „Na ja, ich bin ja auch nicht so wichtig für das Team, oder? Immerhin konnte ich heute mal auf dem Feld stehen, das hätte ich nicht erwartet.“
„Du bist wichtig für das Team!“, widerspricht Kahoko ihr und Tsunako blinzelt überrascht.
„Ach was, ich? Ich bin nur Ersatzspielerin.“
„Die einzige, die wir haben, weißt du, wie wichtig das ist?“
„Ach und wie oft muss man dich bitte auswechseln?“, zickt Tsunako zurück.
„Oft.“, kontert Kahoko.
Tsunako stockt, der Mund offen. Langsam schließt sie ihn, runzelt die Stirn. „Was?“
„Je mehr Spiele wir hintereinander haben, desto schneller krieg ich ne Migräne. Dann kipp ich einfach aus den Latschen.“
„Einfach so?“
„Einfach so. Ist ziemlicher Mist. Deshalb brauch ich Ersatzspielerinnen, auf die ich mich verlassen kann.“
„Oh...“
„Ja... oh... verzeihst du mir?“
Tsunako blickt auf ihre Finger, dann nickt sie. „Wenn du sowas nicht noch mal machst, dann ja.“
„Versprochen.“

Als Kahoko gegangen ist, blickt Tsunako auf die Jacke in ihren Händen – und schlüpft hinein. Sie riecht nach Reo und mit einem Lächeln steckt sie ihre Nase in den viel zu großen Kragen.
Ich bin wichtig.

- - -

Lia sitzt in ihrem Zimmer am Fenster, als Kahoko die Straße hinunter gejoggt kommt. Was gut ist, denn ihr Vater hat ein 36 Stunden Arbeitsschicht im Krankenhaus hinter sich und die Klingel abgestellt.
Sie eilt auf leisen Sohlen nach nach draußen und wartet vor der Haustür auf Kahoko.
„Was willst du hier?“, wispert sie hektisch, als könnte ihr Vater sie durch drei massive Eichenholztüren hören.
„Mich entschuldigen.“
„Wofür?“
„Weil ich...“, Kahoko überlegt, „Weil ich egoistisch war und auch egoistisch gespielt habe.“
Lia zögert, dann nickt sie, wie zu sich selbst.
„Ich würde dir gerne den Posten als Kapitänin übergeben, Kahoko.“

Für einen Moment bleibt die Zeit stehen. Dann schüttelt Kahoko den Kopf, wieder und wieder.
„Du verarscht mich grade, oder? Das meinst du nicht ernst.“
„Doch. Es ist mein voller Ernst. Ich... ich bin keine gute Kapitänin, Kahoko. Ich habe Angst davor, zu gewinnen und Angst davor, zu verlieren, ich kann das Team nicht anführen, ich weiß nicht... ich kann das einfach nicht. Nächstes Jahr geh ich aufs College und studiere Medizin und Basketball ist sowieso nur ein Hobby, also...“
„Das stimmt nicht.“, unterbricht Kahoko sie, „Das glaub ich dir nicht. Dass es nur ein Hobby ist. Wenn du Angst hast, dann ist das okay. Aus Angst entsteht ja Mut. Aber sag nicht, dass es nur ein Hobby ist, wenn es anders ist.“
„Aber ich kann das nicht.“, bricht es aus Lia heraus. „Ich kann nicht führend voran gehen und stark sein und unerschütterlich sein. Ich meine, du... du spielst gegen Jungs, die viel stärker sind, als würdest du das jeden Tag tun. Es macht dir gar nichts aus. Und ich? Ich krieg schon Muffensausen, wenn ich nur dran denke, dass ich so jemandem die Hand geben muss!“
„Aber ich mach das ja auch wirklich jeden Tag.“ Kahoko fuchtelt mit den Armen, versucht sich zu erklären. „Ich meine, ich bin ja selbst ein halber Kerl, irgendwo tief unten, du musst mich ja nur ansehen um das zu merken. Aber ich war bereits Kapitänin und ich hab noch viel, sehr viel zu lernen, bis ich da bin, wo du bist.“
„Und wo bin ich?“, fragt Lia verzweifelt, „Ich habe gerade mein Team in mein Match geführt, dass wir nur verlieren konnten, habe meinen Power Forward verloren und einen großen Teil meiner Würde. Wenn wir ein Spiel verlieren, dann verlieren wir es als Team, aber es fällt immer, wirklich immer, auf den Kapitän zurück.“
„Das stimmt doch gar nicht! Hundert verschiedene Gründe führen zu einer Niederlage. Und manchmal ist einfach das andere Team stärker. Als Kapitänin hältst du uns zusammen. Du bist fürsorglich und verlässlich und nimmst Rücksicht. Das Ass drückt auf's Gas und der Kapitän steuert das Boot.“
„Und du bist das Ass?“, fragt Lia hoffnungsvoll und verschluckt sich an ihrer Zunge.
„Ich? Nein, das Ass ist Shinji.“
„Shinji? Warum denn bitte Shinji?“
Kahoko blickt auf ihre Schuhspitzen, zieht eine feine Linie in den Straßenstaub.
„Vielleicht geht’s mir ja wie dir. Vielleicht hab ich Angst davor, schon wieder das Ass, schon wieder der Kapitän zu sein. Ich war das Ass und ich bin der Kapitän geworden. Und das hat damit geendet, dass mich meine Teamkollegen verabscheut haben. Ich hab Gas gegeben und das Boot gesteuert und hab mich um den Rest des Teams nicht groß gekümmert, solange sie taten, was ich wollte. Und du tust das nicht. Du kümmerst dich um uns, bevor du dich um dich selbst kümmerst. Dir geht es um das Team, bevor es dir um den Sieg geht. Deshalb solltest du Kapitänin sein. Du hältst uns zusammen und wir siegen für dich. Mit dir.“
Lia mustert sie, aus ernsten blauen Augen, dann nickt sie, schüchtern, aber sie nickt.
„Bringst du mir bei, wie man solche Motivationsreden hält?“
„Klar.“

- - -

Als letztes ist Shinji dran.
Aber diesen Weg geht Kahoko nicht allein, Lia begleitet sie.
„Ich muss mich auch bei ihr entschuldigen. Ich hätte ihr nachgehen sollen, gleich als sie raus gestürmt ist.“, erklärt sie ihr auf dem Weg, nachdem sie sie über die Geschehnisse in der Pause aufgeklärt hat, die Kahoko allesamt verpasst hat.
„Und was willst du ihr sagen?“, fragt Kahoko und Lia seufzt.
„Ich hab nicht wirklich eine Ahnung.“, erklärt sie schüchtern, „Ich werde wohl ein wenig improvisieren müssen, aber im Grunde will ich ihr sagen... na ja, dass sie recht hat und das ich mich bemühen will, mehr an das Team zu glauben. Dass ich mich bemühen will, zu gewinnen.“
„Das hört man gerne.“, kommt es von hinter ihnen.
Die beiden drehen sich um. Hinter ihnen steht Shinji, den Basketball unter den Arm geklemmt, das Haar unordentlich.
„Lay-Ups?“, schlussfolgert Kahoko und Shinji runzelt unwillig die Stirn. Es passt ihr nicht ganz, dass die Erstklässlerin sie und ihre Marotten bereits so gut zu kennen scheint.
„Und wenn schon, lenk nicht vom Thema ab.“, knurrt sie und kommt näher. „Ihr wollt euch also entschuldigen. Alle beide. Ihr wollt mich wieder im Team. Um zu gewinnen. Oder?“
„Nein.“ Lia blickt überrascht zu Kahoko.
„Nein?“, fragt Shinji fassungslos.
„Nein. Wir wollen dich nicht, um zu gewinnen. Wir wollen dich, weil du zum Team gehörst. Weil du ein Klasse Power Forward bist. Mal ehrlich, ich liebe deinen Rhythmus. Wir wollen dich, weil...“
„Ich hab's schon verstanden.“, grunzt Shinji und starrt auf den Boden, bemüht, ihre roten Ohrenspitzen zu verstecken. Mit diesem kitschig-dramatischen Gesülze kommt sie nicht so klar.
„Und wir wollen gewinnen. Mit dir.“, erklärt Lia und hält ihr die Hand hin. „Ich als Kapitän und du als unser Ass. Aber in erster Linie wollen wir Spaß haben. Spaß an Basketball.“
Shinji starrt auf Lias blasse Hand, dann greift sie zu.
„Aber wenn ihr mir mit kitschiger Blutsschwesternschaft und sowas kommt, dann bin ich raus.“

-

Als Kahoko schließlich zuhause ankommt, brennt nirgendwo mehr Licht.
Ihre Straße wird von den Straßenlaternen schwach golden erleuchtet und sie ist froh, dass ihre Eltern ihr vertrauen und jetzt nicht stinksauer auf sie warten.
Müde schlüpft sie aus ihren Schuhen, dann aus ihrer Kleidung und lässt sich aufs Bett fallen.
Als sie wegdämmert, regt sich ganz hinten in ihrem Bewusstsein die Erinnerung. Daran, dass sie Shoichi versprochen hat, ihm noch zu schreiben.
Und daran, dass sie mit Shintarou sprechen wollte. Über das Spiel. Über sie beide.
Aber bevor sich diese Erinnerungen zu Gedanken formen können ist sie eingeschlafen.

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