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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
23
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Dieses Kapitel
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27.10.2015 3.087
 
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Zweite Halbzeit


„Was sollte das?!“ Shinji ist so stinksauer, dass ihre Aussprache mit jedem Wort feuchter wird. Kahoko wischt sich über das Gesicht, zuckt die Schultern und geht an ihr vorbei.
„Ich muss aufs Klo.“, erklärt sie so teilnahmslos in die Luft hinein, dass ihre Freundinnen ihr fassungslos hinter her blicken.
Shinji erholt sich am Schnellsten von der Überraschung und fährt zu Shouta herum, dem nächsten Sündenbock auf ihrer Liste.
„Was sollte das?!“, faucht sie also stattdessen ihn an.
Shouta blickt sie erschrocken an, zum ersten Mal seit langem zieht er wieder den Kopf zwischen die Schultern, wie ein verschüchtertes Kind. Die Angst kehrt zurück und er ist wieder der unsichere Junge, der er vorher war. Und bietet damit die ideale Angriffsfläche für eine tobende Shinji.
Doch noch bevor das Gift versprühen kann, das sich in den letzten Wochen angesammelt hat, klatscht Nanami ihr regelrecht das Klemmbrett ins Gesicht.
„Jetzt mal langsam hier.“, erklärt ausgerechnet die Jüngste unter ihnen so resolut, dass alle überrascht schweigen, „Denk dran, dass du gerade euren Coach vor dir hast.“
„Schöner Coach!“, Shinji drückt das Klemmbrett von ihrem Gesicht weg, „Wegen dir verlieren wir, wegen dieser beschissenen egoistischen Spielweise, die auf deinem Mist gewachsen ist, verlieren wir!“
„Aber Shinji!“, versucht Lia für Shouta eine Bresche zu schlagen, dabei ist sie nun wirklich nicht geeignet, um zu jemandem durch zu dringen, „Wir spielen gegen Jungen, wir können doch gar nicht gewinnen!“
„Was soll dass denn heißen? Dass wir, nur, weil wir Mädchen sind, nichts drauf haben? Von dir hätte ich echt mehr erwartet, Lia! Und sowas nennt sich Captain!“ Die Wut und der Hass in Shinjis Stimme, der kommt schon lange nicht mehr nur von diesem Spiel. In ihr brodeln Dinge schon viel zu lange und jetzt, wo ihr der Kragen platzt, stehen Leute in der Schusslinie, die nur bedingt etwas dafür können.
Lias Augen werden verdächtig glasig, Shouta ist hinter seiner Schwester kaum noch zu sehen, Megumi und Tsunako stehen beklommen an der Seite und wissen nicht, wohin mit sich, bei so viel Konflikt. Nur Michirou, ernst und ruhig wie immer, behält den Durchblick und die Durchsetzungskraft.
„Shinji.“, erklärt sie fest, während sie sicherheitshalber Nanami im Blick behält, deren Kiefer mahlen, als wolle sie damit noch ganz andere Dinge anstellen, als nur zu kauen. „So redest du nicht mit der Kapitänin und auch nicht mit dem Coach. Du bist gereizt und das ist verständlich, aber als Spielerin dieses Teams hast du dich immer noch an gewisse Regeln zu halten.“
Shinji starrt ihre Klassenkameradin an, als wäre ihr ein zweiter Kopf gewachsen. „Verteidigst du die beiden auch noch? Ich soll nicht spielen, Lia glaubt nicht ans gewinnen, wozu sind wir eigentlich hier?“
„Um zu trainieren, Shinji, das hier ist schließlich ein Trainingsspiel.“ Michirou steht da wie immer, fest und ungerührt und Shinji schüttelt den Kopf und schnappt sich ihre Tasche.
„Es geht immer ums gewinnen, da wisst ihr genauso gut wie ich. Und bevor ihr das nicht zugebt, braucht ihr mich hier ganz sicher nicht!“

Shinji spürt die Augen aller in ihrem Rücken, als sie geht, aber sie geht trotzdem weiter. Als sie im Gang hinter der Halle steht, alleine und unbeobachtet... da will sie wieder zurück. Aber sie kann nicht, kann nicht schon wieder verlieren, nicht noch einmal. Weder im Spiel, noch im echten Leben und zurück zu gehen und sich zu entschuldigen, das käme einer Niederlage gleich.
Also verlässt sie das Gebäude, in ihrem verschwitzten Trikot, das plötzlich nichts mehr bedeutet.

- - -

Kahoko ahnt von all dem nichts, als sie die Gänge entlang joggt. In ihrer Tasche ist die Schere, wenn sie sich beeilt, dann geht das noch, bevor die zweite Halbzweit beginnt - sie bremst abrupt ab, als sie jemanden im Gang stehen sieht, an die Tür der Umkleide gelehnt.
Shoichi grinst ihr entgegen. „Beeil dich, wir haben nicht viel Zeit.“
Sie zögert noch, einen Moment lang, dann lächelt sie und tritt auf ihn zu.

Nur wenige Augenblicke später sitzt sie auf der Bank der Umkleide und spürt, wie die fallenden Haare ihren Hals kitzeln. Vielleicht ist es aber auch nur Shoichi, der ihr in den Nacken atmet.
„Du kannst wirklich nichts einfach abwarten, hmm?“, fragt er leise, als er ihrem Haarschnitt den Feinschliff verpasst. Bei einem Frisörlaien wie ihm bedeutet das lediglich, dass er versucht, es halbwegs gerade aussehen zu lassen.
„Nein.“, gibt Kahoko zurück, die Augen geschlossen, die Finger in die Sitzfläche der Bank gekrallt.
Er lacht leise hinter ihr, sie öffnet ein Auge, nur um fest zu stellen, dass ihr das nichts bringt. Er steht ja hinter ihr.
„Warum lachst du?“
„Weil du ehrlich bist. Und wegen deiner Ungeduld.“ Er zupft an ihren kurzen Haaren, als wolle er sie necken, wickelt sich eine der nun knapp kinnlangen Strähnen um den Finger.
Wie kann Haar nur so grün sein?, fragt er sich fasziniert und klopft ihr die letzten Haare von den Schultern.
„So, fertig. Du kannst weiter spielen gehen.“
Sie steht auf, dreht sich zu ihm um und schlingt ganz überraschend die Arme um ihn.
Die Umarmung ist so schnell vorbei, wie sie gekommen ist und er steht immer noch wie festgefroren da, als sie ihm auch schon auf die Schulter klopft und mit einem „Bis nachher!“ verschwindet.
Dieses Mädchen ist eine Naturgewalt, denkt er und seufzt, als ihm aufgeht, dass es jetzt an ihm ist, die Haare aufzufegen.

- - -

„Shin-chan, du starrst zu auffällig!“, nölt Kazunari links von ihm. Shintarou fällt fast sein Glücksbringer aus der Hand, eine lebensgroße Plüsch-Kröte.
„Ich starre nicht!“, faucht er zurück.
Sein Teamkollege schlingt ihm lachend den Arm um die Schulter. „Blödsinn! Sieht doch jeder, dass du rüber glubscht.“
Shintarou will sich wehren, doch da wispert ihm Kazunari auch schon ins Ohr. „Ich seh's auch, klar? Die Mädels haben sich total verstritten und ich will genau wie du wissen, was los ist.“
„Und warum willst ausgerechnet du das wissen?“
„Was? Darf ich mich etwa nicht um euch Katastrophen-Zwillinge kümmern? Nein? Gut, dann sag ich halt, dass es für unseren Sieg unabdingbar ist, den Feind zu kennen, besser?“
„Du kümmerst dich um Kahoko?“, hängt sich Shintarou an seiner ersten Aussage auf und überhört den Rest. „Warum?“
„Warum? Shin-chan, meinst du das etwa ernst?“, Kazunari lacht, stockt, als Shintarou nicht reagiert. Er schmollt. „Na, weil sie wie eine kleine Schwester für mich ist, natürlich, was denkst du denn?“
„Sie ist vier Monate älter und 15 Zentimeter größer als du.“, kontert Shintarou trocken und verständnislos.
Kazunari lacht, als wäre das ein wirklich guter Witz – und klatscht ihm sein nasses Handtuch ins Gesicht.
„Oh, tut mir leid Shin-chan, ich hab dich da gar nicht sitzen gesehen. Vielleicht liegt das an meiner Größe, was meinst- ach du meine Güte, was soll das denn jetzt?“
Shintarou reißt sich das Handtuch vom Gesicht, um zu sehen was los ist – und fragt sich für einen Moment, warum er plötzlich in mitten der Mädchengruppe steht. Bis ihm aufgeht, dass das nicht er selbst, sondern Kahoko ist. Mit kurzen Haaren.
Und plötzlich macht alles Sinn.

- - -

„Wo warst du denn die ganze Zeit?“, will ausgerechnet Kagami ungeduldig wissen, als Shoichi wieder auf der Tribüne auftaucht – zum Beginn des letzten Viertels.
„Jetzt reg dich nicht auf, Rotschopf, du kannst es ruhig zu geben, dass du mich vermisst hast.“, kontert der Kapitän der Touou und gesellt sich zu Reo. Den mag er zwar fast genauso wenig, aber der bestürmt ihn wenigstens nicht mit blöden Fragen.
„Was hab ich verpasst?“
„Die Mädchen haben sich verstritten, der Power Forward ist abgehauen, der Shooting Guard hat ne neue Frisur. Außerdem machen sie und ihr Doppelgänger von der Shutoku endlich Ernst.“
Shoichi folgt Reos Blick zu Kahoko und erstarrt. „Ist sie etwa in der Zone?“, will er fassungslos wissen.
„Noch nicht. Sie war vorhin kurz, aber sie war wohl noch nicht so weit, vielleicht hält sie es sich bis zum Schluss auf.Vielleicht wartet sie auch drauf, dass es ihren Bruder packt.“
„Die Zone? Wovon redet ihr?“, mischt sich Kagami ein und Shoichi platzt der Kragen.
Er dreht sich mit einem liebenswürdigen Lächeln zu dem Jüngeren um. „Entschuldige, aber hat dir noch niemand erklärt, dass Kinder nichts zu melden haben, wenn die Erwachsenen reden? Danke.“
Spricht's und dreht sich wieder zum Spielfeld, die Stirn in konzentrierte Falten gelegt.
Reo schmunzelt in sich hinein. Man muss kein Hellseher sein, um zu bemerken, dass Imayoshi Shoichi ganz und gar nicht zufrieden mit dem Verlauf des Spiels ist. Er ist gespannt.

- - -

Kahoko ist verzweifelt.
Unter ihren Mitspielern herrscht ein verbittertes Schweigen, niemand blickt ihr ins Gesicht. Der Ball findet dennoch immer wieder den Weg zu ihr, aber selbst Megumi, die Bälle mit einer beeindruckend Präzision passt, donnert ihr jetzt den Ball mit Wucht in die Hände. Ihre Handflächen brennen genauso wie die Muskeln in ihren Armen.
Trotz des Trainings hat sie ihre Grenzen längst erreicht, wenn sie wirft, findet der Ball nur noch mit viel Glück sein Ziel und in ihren Knien sitzen bleischwere Gewichte, die sie runter zu ziehen scheinen, noch bevor sie den höchsten Punkt ihrer Sprünge erreicht hat. Sie kann noch so gut sein, sie kann kein ganzes Jungenteam im Alleingang bewältigen.

Ihr Kopf schmerzt. Sie tanzt noch immer am Rand der Zone herum, aber längst nicht mehr freiwillig. Wenn sie dachte, es wäre anstrengend, es zu kontrollieren, dann ist sie nun eines besseren belehrt worden.
Denn ganz egal, wie sehr sie sich anstrengt, sich in diesen Zustand absoluter Konzentration fallen zu lassen, der ja regelrecht nach ihr ruft – Kazunari macht ihr wieder und wieder einen Strich durch die Rechnung. Er scheint überall zu sein, gleitet zwischen den Spielern hindurch, stiehlt Bälle und passt aus den unglaublichsten Ecken – immer direkt in Shintarous ausgestreckte Hände.
Er bringt Kahokos eigenen Rhythmus vollkommen durcheinander, bis ihr schlecht und schwindlig ist und dabei lächelt er auch noch.

Ihre innere Uhr ist es schließlich, die sie darauf aufmerksam macht, dass ihnen die letzten Sekunden des Spiels durch die Finger rennen. Als würde es noch etwas bedeuten, kämpft Kahoko darum, den Buzzer Beater werfen zu können, dieses kleine, dämliche Ritual, dass sie beide so toll finden.
Und sie kriegt den Ball, sie springt und wirft und Shintarou scheint nur einen Moment zu spät, um sie aufzuhalten.
Der Ball gleitet ihr aus den Fingern, als würde er von selbst fliegen wollen und können, so wie er es immer tut und sie sieht ihm auf seinem Weg zu, das Herz rast – und der Ball fliegt am Korb vorbei. Nicht nur knapp, sie verfehlt das Ziel um einen ganzen Meter.
Der schrille Ton der Pfeife schneidet durch ihr Entsetzen, die Schmerzen und die Erschöpfung. Ihr linkes Knie sackt ein, beinahe fällt sie, aber eine Hand an ihrem Arm hält sie zurück.
„Aber, aber.“, spöttelt Kazunari, „Du musst vor mir doch nicht auf die Knie gehen.“
Man könnte ihn für boshaft halten, doch sein Griff ist fest und sicher, als er sie hoch zieht und sein Daumen reibt leicht Kreise in ihre verschwitzte Haut, ein wortloses Zeichen dafür, dass er immer noch auf ihrer Seite steht.
Sie macht sich trotzdem los, wankt zurück zu den anderen. Sie stellen sich auf, schweigend, leidend, geschlagen. Lia schüttelt die Hand des gegnerischen Kapitäns, der recht entspannt und gelangweilt wirkt – kein Wunder, er hat ja auch nicht gespielt.
„Danke für das Spiel.“, piepst die blonde Amerikanerin. Ihr Gegenüber nickt nur.

-

Megumi knallt die Tür ihres Spindes zu, dass es dröhnt. Kahoko, zuckt zusammen, der Ton widerhallt in ihrem schmerzenden Kopf.
„Megumi...“, murmelt Tsunako erschöpft, dabei weiß sie selbst nicht, was sie sagen soll.
„Lass stecken, Tsunako... Worum ging's dir überhaupt bei diesem Spiel?“, will Megumi von Kahoko wissen, die mit leerem Blick zurück starrt.
„Wenn du gegen deinen Bruder so unbedingt verlieren willst, okay. Aber das hättest du auch mit Teamgeist hinkriegen können.“
Kahoko öffnet den Mund – und schließt ihn wieder. Sie blickt von Megumi zu Shouta, der sich abwendet, die Augen verdächtig wässrig. Ihr Blick wandert weiter, zur enttäuschten Tsunako, zu Nanami und Michirou, die beide mit verschränkten Armen da stehen und sie ansehen, als hätten sie mehr von ihr erwartet. Als letztes Lia, die die Schultern bis zu den Ohren hoch gezogen hat, sich verstecken möchte, vor der Welt und der Realität.
Alle warten, warten darauf, dass vielleicht doch etwas kommt, eine Entschuldigung oder ein guter Grund für was auch immer da unten gerade passiert ist.
Aber Kahoko senkt nur den Blick, schließt die Augen und beißt die Zähne zusammen. Wartet, bis der Raum sich leert, blendet alles aus, schluckt alles hinunter, macht sich leer und unsichtbar, so gut das eben geht.
Im Endeffekt kann man so groß, so stark und so talentiert sein, wie man will. Wenn man sich nicht selbst aus dem Sand ziehen kann, ist man verloren.

-

Reo und Tsunako verlassen das Gebäude Hand in Hand, aber schweigend. Es gibt nichts zu sagen.
Michirou geht schweigend neben Lia her, knabbert an ihren eigenen Gedanken und tut Lia zuliebe so, als würde sie deren Tränen nicht bemerken. Das Taschentuch schiebt sie ihr ganz unauffällig zu.
Nanami sitzt neben ihrem Bruder in der Straßenbahn, hält seine Hand und starrt aus dem Fenster, während Shouta in den Ärmel seiner Jacke schnieft, krampfhaft bemüht, leise zu sein.
„Du bist doch nicht schuld.“, murmelt sie wieder und wieder, aber Shouta schüttelt nur jedes Mal den Kopf, bis sie es bleiben lässt und schweigt.
Sie sollte jetzt wohl auf Kahoko wütend sein, aber sie ist nur ausgelaugt. Das ist alles einfach zu viel.

Megumi stürmt regelrecht aus dem Gebäude, Kagami holt sie erst am Ende der Straße ein.
„Megumi! Warte!“ Sie bleibt stehen, starrt ihn fassungslos an.
„Kagami-kun, du bist tatsächlich gekommen.“, haucht sie so überrascht, dass sie tatsächlich aufs Stottern vergisst.
Er kratzt sich verlegen grinsend im Nacken. „Klar, du hast mich doch eingeladen.“
Für einen Moment sehen sich die beiden schweigend an, es ist ruhig, fast entspannt, dann fällt Megumi ein, warum sie so geladen raus gerannt ist und ihr steigen die Tränen in die Augen. Tränen der Wut.
„Oh Shit!“, murmelt Kagami und fuchtelt mit den Händen, „Ich weiß, ich weiß, Kahoko hat sich wirklich wie ein Arschloch benommen, aber du...“
„Nenn sie nicht Arschloch!“, schnieft Megumi, die jetzt wirklich heult, aber nicht mehr vor Wut, sondern vor Verzweiflung. Schließlich hat sie Kahoko gerade einfach sitzen lassen, oder?
„Ich mein ja auch nicht, Mann, ich, also... du bist echt gut!“
„Ja und? Wir haben verloren!“
„Wir doch auch! Also, ich meine, gegen Touou!“ Diese Unterhaltung macht gar keinen Sinn!
„Ja und?“, faucht Megumi zurück, weinend und außer sich, „Du bist trotzdem toll!“
Stille. Kagamis Wangen werden schlagartig rot und Megumi bricht erst recht in Tränen aus.
„Das wollte ich nicht so sagen!“, heult sie und Kagami wedelt wie wild mit den Armen in der Luft herum, unschlüssig, was er jetzt tun oder besser lassen sollte.
„Nimm mich doch einfach in den Arm!“, heult Megumi und Kagami schluckt, schlingt die Arme um sie und starrt mit hochroten Wangen zur Seite.
Megumi weint währendessen haltlos in sein Shirt, einerseits wegen Kahoko, dem Team, dem blöden Spiel und der Tatsache, dass sie sich das Zusammentreffen mit Kagami ganz anders vorgestellt hatte.
Warum läuft nichts so, wie es soll? Was macht sie nur falsch?

- - -

Jemand zieht an ihren Haaren.
Das ist es, was Kahoko aus ihrer Trance reißt.
Sie öffnet die Augen, langsam nur und blinzelt. Ihr Kopf tut immer noch weh, aber es ist erträglicher geworden.
Shoichi mustert sie ruhig, seine linke Hand spielt immer noch mit ihren Haarsträhnen.
„Alles okay bei dir?“
Kahoko schüttelt den Kopf. Ihr ist schlecht, sie ist müde.
„Komm.“ Seine Hand schiebt sich unter ihren Arm, zieht sie hoch. Sie schwankt, lehnt sich gegen seine Schulter, dann steht sie und trottet neben ihm her wie ein folgsamer Hund.
Schweigend verlassen sie das Gebäude, er zupft an ihrem Ellbogen, um sie in die richtige Richtung zu dirigieren.
Als sie stoppen, blickt sie auf.
„Wo sind wir?“ Sie blickt auf den verlassenen Spielplatz vor sich, es ist spät, die Straßenlaterne an der Ecke erwacht knisternd zum Leben.
„Hast du schon mal was verbrannt, was dich bedrückt?“, stellt er ihr eine Gegenfrage. Als sie den Kopf schüttelt, drückt er ihr eine kleine Plastiktasche in die Hand.
„Bitte schön.“
Verwirrt leert sie den Inhalt der Tasche auf den Boden. Ihre Haare. Noch verwirrter nimmt sie das Feuerzeug entgegen, dass er ihr reicht und zündet damit den Haufen Haare an.
Shoichi kauert sich neben sie auf den Boden, während sie zusehen, wie sich die kleine Flamme durch die Haarbüschel frisst. Stinkender Rauch steigt innen in Nase und Augen, er hustet. Brennendes Haar stinkt wirklich abartig. Damit hat er nicht gerechnet.
Die kleine Flamme braucht nicht mal fünf Minuten, um das ganze Haar zu verschlingen und in dieser Zeit spricht keiner ein Wort.
Kahoko weint neben ihm, dass es sie schüttelt, die Beine geben unter ihr nach und sie lässt sich schwer auf ihren Hintern fallen, schlingt die Arme um die Knie und lässt den Tränen freien Lauf.

Als die Flamme erlischt, streckt Shoichi die Hand aus und schiebt die Finger in ihr Haar, spielt mit den Strähnen, bis ihr Schluchzen erst leiser wird und dann verstummt.
„Ich hab Scheiße gebaut.“, stellt sie fest, die Stimme rau und aufgewühlt.
Er brummt zustimmend. „Du hast sehr egoistisch gespielt.“
Sie dreht ihm den Kopf zu, blinzelt durch die Tränen. „Findest du mich egoistisch? Sag's mir ehrlich.“
„Manchmal schon.“
Sie hickst, nickt und vergräbt das Gesicht in den Händen. „Was mach ich denn jetzt?“
„Was denkst du denn?“, fragt er ruhig zurück.
Sie lehnt sich zurück, gegen seine Hand in ihrem Nacken und blickt zu ihm hoch. „Ich muss mich entschuldigen.“
Er wartet. Sie seufzt. „Shoichi, ich kann das nicht.“
Er wartet weiter, bis sie nickt. „Ich weiß, ich weiß, ich muss es trotzdem tun.“
Sie rappelt sich mit seiner Hilfe auf und lehnt sich erneut kurz gegen seine Schulter. „Ich würde dich gerne fragen, ob du mir hilfst, aber ich glaube, ich kenne die Antwort.“
Shoichi schmunzelt. „Du kannst mich ja anrufen, wenn du es geschafft hast.“
Ihre Verabschiedung ist ein freundschaftlicher Hieb gegen die Schulter, dann ist sie auch schon weg und Shoichi bleibt wieder mal mit den Aufräumarbeiten allein zurück.
Doch anstatt die verkokelten Überreste des improvisierten Haarlagerfeuers sofort weg zu räumen, zieht er stattdessen seinen allgegenwärtigen Notizblock heraus und fügt eine Anmerkung an, die alles durcheinander bringt, was er sich an Plänen aufgestellt hat.
Wie konnte er nur übersehen, dass Kahoko in die Zone kann?
Das eröffnet so viel mehr Möglichkeiten.

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