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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
23
Alle Kapitel
100 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
04.10.2015 3.461
 
Hallo meine Lieben,
hier das neueste Kapitel. In diesem Kapitel hab ich wieder den Fokus auf Kahokos Persönlichkeit gelegt, würde mich freuen, wenn ihr mir eure Meinung dazu sagen könntet.
Liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen
Poettierchen

Für eine bessere Übersicht der OC's:  Bilder und Zusammenfassung

Trainer fallen nicht vom Himmel


Als Shouta mit dem Mittagessen für sie alle zurück kommt, sitzen Kahoko und Nanami gerade an einer Auflistung aller Schulteams in Japan, nach ihren Stärken geordnet.
Kahoko scheint es besser zu gehen, also hält er den Mund und setzt sich dazu.
„Mirai ist unten in der Cafeteria.“, teilt er Kahoko nebenbei mit und sie nickt abwesend.
„Vergiss es, Shutoku ist definitiv stärker.“, korrigiert sie Nanami, die ihrem Bruder einen Blick zuwirft.
„Nur weil da dein Bruder mitspielt, heißt das nicht, dass ihr Team automatisch Weltklasse-Niveau haben.“
Kahoko boxt ihr gespielt beleidigt gegen den Oberarm, lacht aber. „Du würdest genau das gleiche behaupten, wenn Shouta mitspielen würde.“
„Natürlich. Wenn Shouta kein Asthma hätte, würde er jedes Jahr im Alleingang den Winter Cup holen.“, stellt Nanami klar. Shouta selbst läuft knallrot an, während Kahoko nur kichert.
In dem Moment vibriert ihr Handy und Kahoko taucht in die Tiefen ihrer Umhängetasche ab, während Shouta seiner Schwester einen anklagenden Blick zuwirft, den sie ignoriert.
Kahokos Kopf kollidiert mit der Unterseite des Tisches, als sie aufstehen will. „Autsch.“, sie sinkt zurück auf den Boden und hält sich den Kopf, während sie auf das Display ihres Handys starrt. Da sind ihre Teamkolleginnen schon mal motiviert und sie lässt sich von einer Tischplatte aufhalten.

„Alles in Ordnung?“, Shouta blickt besorgt zu ihr hinunter und sie winkt ab.
„Geht schon. Megumi, Mirai und Tsunako wollen trainieren. Kommst du mit?“
„Jetzt noch? Wir hatten doch Morgentraining.“
Nanami räuspert sich und Shouta ahnt Übles. „Genau darüber wollte ich mit euch reden. Dieser Trainingsplan ist ziemlich zusammen gewürfelt, wir müssen was daran ändern, jetzt da ich Managerin bin.“
So schnell ist Kahoko noch nie vom Boden hoch gekommen. „Macht ihr das unter euch aus, ich werde beim Training gebraucht.“
Shouta funkelt ihr beleidigt hinterher. Verräterin.

- - -

„Ihr seid nicht bei der Sache.“, stellt Kahoko trocken fest, als Megumi in eine Richtung passt, in der überhaupt niemand steht.
„Ja, äh... haha...“, lacht Tsunako verlegen.
Mist, ich kann sie nicht einfach so fragen. Dafür bin ich viel zu schüchtern! Sie flucht in Gedanken und wirft Mirai einen Blick zu.
„Hast du eigentlich einen Freund?“, fragt die Jüngste in der Runde so plötzlich, dass Megumi der Ball erneut aus der Hand rutscht. Sie passt den schweren Ball direkt in Kahokos Magengrube, die in sich zusammen sackt.
Nach Luft schnappend rappelt sie sich wieder auf. „Megumi!“
„Tut mir leid! Tut mir leid!“
Kahoko schüttelt den Kopf und wendet sich Mirai zu. „Lenkt euch diese Frage etwa so vom Training ab?“
Mirai legt mit einem Lächeln, dass sie an Kuroko erinnert, den Kopf schief. „Vielleicht? Was wäre denn, wenn ich ja sage?“
„Dann gebe ich euch eine Antwort auf eure Fragen und wir konzentrieren uns wieder aufs Training.“
„In diesem Fall Ja! Also Kahoko, bist du mit einem amerikanischen Unterwäschemodel zusammen?“
Kahoko rutscht der Ball aus den Fingern und rollt unbeachtet über den Boden. Sie räuspert sich, während ihr ein Bild ihres Exfreundes vor dem inneren Auge steht.
„Mein Exfreund. Allerdings ist er gebürtiger Japaner und er modelt nicht, auch wenn er könnte.“
Drei Augenpaare werden groß vor Neugier.
„Wirklich? Warum habt ihr euch getrennt?“
„Lange Geschichte. Ich glaube, ich war ihm einfach zu groß.“
Mirai rechnet nach. „Du bist 1,90m oder?“
„Ja, wieso?“
„Was hältst du dann von meinem Bruder? Der ist 1,92m groß.“
Tsunako klatscht sich die Hand ins Gesicht, Megumi versucht mit den Fingern zu messen, wie groß dieser Unterschied ist und Kahoko blinzelt einfach nur sprachlos.
„Na?“, Mirai ist wirklich stolz auf ihre Idee.
„Ist dein Bruder nicht dieser Kerl, der glaubt, nicht zum Training kommen zu müssen?“
Mirais Gesicht verzieht sich. „Ja, stimmt schon. Das liegt an dem, was auf der Teiko passiert ist. Alle in seinem alten Team sind deswegen ganz komisch. Kuroko hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihnen allen wieder zu zeigen, worum es beim Basketball eigentlich geht.“
„Hmm...“, macht Kahoko und sammelt den Ball wieder ein. Damit ist die Unterhaltung beendet.

Eine halbe Stunde später pfeffert Kahoko erneut den Ball in eine Ecke.
„Training ist beendet.“, verkündet sie und ihre drei Freundinnen suchen schleunigst das Weite, um sich umzuziehen.
Kahoko bleibt zurück, unzufrieden, ja, stinksauer auf sich und die Welt. Sie schafft es einfach nicht, ihnen zu vermitteln, worum es geht.
Sie spielen weiter in ihrem eigenen Rhythmus, ohne sich dessen bewusst zu sein und wenn sie versucht, es zu erklären, erntet sie nur Verständnislosigkeit.
Mit mehr Schwung als notwendig pfeffert sie die Bälle zurück in den großen Metallkorb und räumt die Halle auf.
Immer mehr und mehr steigert sie sich in ihre Wut hinein. Niemand versteht, was ich sagen will. Alle haben so viel Potential und ich kann es nicht fördern.
Dass ihre Freundinnen sich von ihr verabschieden und gehen, bemerkt sie nur am Rande. Sie grübelt, in jedem Handgriff, jeder Bewegung steckt Wut und Verärgerung, ein ungesundes Maß an Verzweiflung.
Ich versteh das nicht. Bei mir hat das so gut geklappt, ich hab es ihnen immer so erklärt, wie Natasha es mir erklärt hat. Genau der gleiche Wortlaut, genau die gleichen Übungen. Aber sie verstehen es trotzdem nicht. Was mache ich falsch?
Sie starrt auf die saubere, aufgeräumte Halle, schnappt sich ihre Tasche... und rennt los.

-

Ihre Lunge brennt wie Feuer, sie hustet, schnappt nach Luft und lässt sich einfach ins Gras am Straßenrand fallen, das Gesicht dem Himmel zugewandt.
Probleme hat sie immer noch die gleichen, aber wenigstens ist die Wut aus ihrem Körper draußen. Richtiggehend ausgeraucht hat sie ihren Ärger, hat ihn in den Asphalt gestampft mit jedem Schritt. Vielleicht kann sie ja jetzt eine Lösung finden.
Bevor sie aber wirklich mit dem Nachdenken anfangen kann, hört sie etwas, das ihr Basketball vernarrtes Herz höher schlagen lässt. Da spielt jemand.
Sie rollt sich auf die Seite und hievt sich in die Höhe. Ihre Knie haben jetzt Grasflecken, aber das ist ihr genauso egal wie das Aussehen ihrer weißen Bluse. Sie will wissen, wer da spielt.

Am Rande des Spielfelds angekommen, bleibt sie stehen. Sie kennt das Mädchen, dass da spielt, das schulterlange schwarze Haar, die Snakebites, die grünen Augen, die immer den Ball fokussieren, weil es nichts Wichtigeres gibt. Hatsuno Shinji. Den Jungen kennt sie nicht, sie mustert ihn kurz. Schwarze Cornrows, irgendwas über 1,80m groß, den Körperbau eines passionierten Basketballers. Er wird erst interessant für sie, als er einen von Shinjis typischen Spielzügen nimmt – und stiehlt.
Kahoko erstarrt. Dieser Junge, wie immer er auch heißt, verändert ohne nachzudenken Spielzüge in seine eigenen, verpasst ihnen seinen eigenen Rhythmus, den sie so deutlich hören kann wie ihren eigenen Herzschlag. Er ist definitiv ein Naturtalent.
Aber wie geht Shinji damit um? Seinen eigenen, für sich perfektionierten Spielzug in einem ganz anderen Rhythmus gespielt zu erleben macht es für viele unmöglich, ihn weiter zu benutzen.
Kahoko hält den Atem an, als Shinji sich den Ball schnappt – und ganz einfach den Rhythmus wechselt. Sie beißt sich auf ihre Fingerknöchel, um die beiden nicht zu stören, schließt die Augen und lauscht einfach.
Es ist wie Musik, als würde jemand zwischen verschiedenen Liedern hin und her wechseln. Shinji spielt in einem Rhythmus, der Junge klaut ihn, sie erfindet sich einen neuen Rhythmus.
Das, genau das, wollte Kahoko den Mädchen beibringen! Auf den Rhythmus zu achten, ihn zu hören, zu spüren, auf den der anderen zu achten. Den eigenen Rhythmus neu erfinden, ihn anpassen, neu erfinden...
„HEY!“ Shinjis Stimme schallt laut über den Platz und Kahoko reißt die Augen auf. Der Ball liegt zu ihren Füßen und die beiden starren sie an. Sie errötet unwillkürlich. Ich muss gerade mehr als merkwürdig ausgesehen haben.

„Wer is'n die Irre?“, spöttelt Haizaki Shōgo neben ihr und Shinji erstarrt. So seltsam diese Kahoko auch ist, sie gehört zu ihrem Team. Als ihr Senpai darf sie nicht erlauben, dass jemand so schlecht über sie spricht. Aber ich kann vor Shōgo auch nicht zugeben, dass ich sie kenne. Noch dazu, dass wir im selben Team sind. Er ist doch sowieso schon überzeugt, dass wir alle Loser sind.
Shinji beißt auf ihre Snakebites, dass ihr die Zähne weh tun. Sie weiß nicht, was sie tun soll, also bleibt sie still. Shōgo nimmt ihr wie so oft die Entscheidung ab.
„Yo! Lass den Ball rüber wandern und dann geh dahin zurück, wo du herkommst!“, brüllt er über den Platz. Kahoko bückt sich wortlos nach dem Ball, dreht ihn in den Händen.
Shinji kaut eifriger an ihren Piercings, stopft die Hände in die Taschen, um den Fingern etwas zu tun zu geben.
„Wird's bald? Oder bist du taub?“
„Shōgo...“, murmelt Shinji, aber sie weiß selbst nicht recht, ob sie ihn ermahnen will oder nicht. Er übertreibt es, das tut er gerne. Meistens hat es ihr Spaß gemacht, dabei zu sein. Zumindest war das in der Mittelschule noch so, bevor er anfing sich immer mehr zu seinem Ungunsten zu verändern.
Sie starrt Kahoko an, die den Ball in den Fingern dreht, als wäre er ein Kreisel und ihn dabei anstarrt, als würde er ihr etwas Wichtiges verraten wollen. Dann, gerade als Shōgo den Mund öffnet um das nächste gehässige Kommentar abzulassen, bewegt sich Kahoko.
Der Wechsel in ihre Wurfhaltung geschieht fließend, wie es nur nach intensivem Training möglich ist. Alles geschieht in einem kurzen Moment und Shinji wagt nicht zu blinzeln, als der Ball in einem perfekten hochachsigen Wurf vom Ende des Basketballfeldes aus direkt im Korb landet. Sie lächelt unmerklich.
„Diese Irre, Shōgo...“, flüstert sie ihm zu, „ist unser Shooting-Guard. Also pass auf, was du sagst.“
Du kannst so verrückt sein, wie du willst, Hana Kahoko, wenn du nur weiterhin solche Körbe wirfst.

Kahoko selbst wartet, bis der Ball auf dem Boden aufprallt, dann wendet sie sich zum Gehen. Im nächsten Moment erwischt sie der Ball mit Wucht an der linken Schulter, sie stolpert nach vorne und kann sich grade noch fangen.
„Shōgo!“, brüllt Shinji hinter ihr.
„Ups. Mein Fehler.“, kommt es von dem Jungen, doch als Kahoko sich zu ihm umdreht, grinst er sie spöttisch an.
„Du.“, er zeigt auf sie und winkt sie mit dem Zeigefinger zu sich, „Spiel gegen mich.“
Anstatt ihm zu antworten, blickt sie zu Shinji, die sich bei seinem Worten verkrampft hat. Selbst ein Blinder kann aus ihrer Körperhaltung lesen, was das bedeutet.
„Nein danke.“, gibt Kahoko zurück, „Ich spiel lieber gegen Shinji.“
Shinji blinzelt verblüfft. Shōgo blinzelt verblüfft. „Wie bitte? Weißt du eigentlich, wer ich bin?“
„Keine Ahnung, aber sie ist gut.“
Shinji beißt sich auf die Lippen, um nicht zu auffällig zu grinsen. Das hat gesessen. Shōgo tut gerne so, als hätte sie gar nichts drauf.
Während er noch nach einer bissigen Erwiderung sucht, die ihn nicht wie einen Idioten da stehen lässt, dreht sich Kahoko wieder um und winkt Shinji noch ein letztes Mal.
„Wir sehen uns morgen beim Training.“

- - -

Sakura deckt gerade den Tisch, als die Haustüre aufgeworfen wird.
„Schatz, wie war die Schu-“, sie unterbricht sich mitten im Satz, als sie sieht, wie Kahoko ihre Tasche in die eine Ecke, ihre Schuhe in die andere wirft und mit drei großen Schritten das Zimmer durchquert und die Treppe hochstürmt.
Sie blinzelt und wirft ihrem Mann einen Blick zu, der mit dem Kochlöffel in der Hand von der Küche herüber sieht.
„Sie will mit Natasha reden, Schatz.“, versucht er zu erklären.
„Basketball.“, stellt sie trocken fest und blickt durch das Fenster zum Nachbarhaus hinüber, „Das war schon immer wichtiger als alles andere.“

-

Natasha Romanoff ist eine groß gewachsene, kräftige Amerikanerin mit russischen Wurzeln und einem Lachen, dass den Boden vibrieren lassen kann.
„Ich hab dich vermisst.“, begrüßt Kahoko ihre Therapeutin und Trainerin und winkt in Richtung der Skype-Kamera. Natasha lacht und fährt sich durch die kinnlangen schwarzen Haare.
„Das glaub ich kaum, Vögelchen, vermutlich warst du die ganze Zeit mit Basketball und Jungs beschäftigt, hab ich Recht?“
„Nicht ganz, nur ein bisschen. Ich hab auch ein paar echt nette Freundinnen gefunden, stell dir vor, in meinem Basketballteam. Die haben alle solches Potential, du wirst es nicht glauben, ich hab schon mit ein paar Trainingseinheiten angefangen.“
Natasha lächelt und lässt Kahoko erzählen. Von den Mädchen, ihren Talenten, den verschiedenen Rhythmen, in denen sie spielen und die Kahoko so deutlich hören kann, als wäre es ein voll aufgedrehter Radio.
Vielleicht ist es Gewohnheit oder etwas anderes, aber sie macht sich Notizen. Über diesen Shoichi, den sie noch nicht ganz einordnen kann, über Kagami, den sie durch Alex kennen und schätzen gelernt hat, über die ganzen verrückten Mädchen.
Als Kahoko endet, leuchten ihre Augen und es tut Natasha fast ein bisschen leid, dass sie sagen wird, was sie sagen muss. Manchmal wäre sie lieber gute Fee als Therapeutin.

„Ich freue mich, dass du so gut Anschluss gefunden hast. Aber ich muss dich leider auf etwas hinweisen.“
Kahoko blinzelt, wird ruhiger, deutet ihr, weiter zu reden.
„Weißt du noch, als du die Mädchen im High-School-Team kennen gelernt hast?“
Kahoko schweigt und Natasha redet weiter, sie kennt das Mädchen gut genug um zu wissen, was sie darf und was nicht.
„Milly, euer Center, erinnert mich an Michirou. Die ernste, trockene Art, der kumpelhafte Umgang. Oder Kaitlyn, klein, wiff und wahnsinnig schnell, könnte Megumis Doppelgängerin sein. Sue, die nicht passen kann, aber geniale Lay-Ups schießt, ein Power Forward wie eure sture Shinji oder Penny, die immer alles im Blick hat und die an ihrer neuen Schule sofort Vizekapitänin geworden ist...“
Kahoko beißt sich auf die Lippe und starrt zu Boden. „Aber diesmal ist es anders...“, murmelt sie und Natasha seufzt.
„Ich weiß doch, Vögelchen, ich hoffe wirklich, dass es diesmal anders wird. Aber nur weil du deine Teamkameraden gewechselt hast, hast du dich selbst nicht verrändert.“
„Ich will doch nur so sein wie du!“, beeilt sich Kahoko zu sagen, sie kennt ihre Schwächen, wirklich, aber sie hat doch ein größeres Ganzes im Blick, oder?
„Ich will auch ein guter Kapitän sein, der das Potential seiner Spieler fördert. Ich will meine Mitspieler in die Zone bringen, so wie du es mir beigebracht hast! Ich will den Rhythmus nutzen, so wie wir es immer gemacht haben, du und ich...“
„Aber du bist kein Trainer, Süße. Deshalb musst du mit dem Coach zusammen arbeiten. Denkst du nicht, dass das möglich wäre? Shouta scheint doch Ahnung zu haben.“
„Aber sie machen nie, was ich sage!“ Kahoko wird lauter, als sie beabsichtigt hat. Sie sinkt in sich zusammen, die Finger verknotet, die Stirn gegen den Schreibtisch gepresst.
Natasha wartet, während Kahoko sich fängt. Sie hat diesem Mädchen unzählige Übungen beigebracht, wie sie ihr Temperament zügeln kann, sie zu ermahnen bringt mittlerweile nichts mehr. Kahoko weiß bereits alles, was sie wissen muss, sie muss es nur auch anwenden, das ist das Problem.
„Ich weiß, ich bin zu fordernd und ich verlange immer viel zu viel. Ich will immer alles gleich und sofort und wenn ich etwas nicht gleich begreiflich machen kann, dann flippe ich aus. Mein Enthusiasmus ist so groß, dass er nicht mehr motiviert, sondern bedrückend wirkt.“ Kahoko zählt die Fakten auf, mit fester Stimme und ernstem Blick. Sie hat sich gefangen.
„Natasha?“
„Ja, Vögelchen?“
„Kannst du mir zeigen, wie ich das besser machen kann?“
„Natürlich. Also... als erstes schreiben wir mal auf, was wir gerne möchten, wo Potential ist, das wir fördern möchten, was deine Stärken und deine Schwächen sind und ganz einfach alles, was wichtig ist. Und dann geben wir das deinem Coach, denn er ist derjenige, der was damit anfangen muss, nicht du. Du bist nicht der Kapitän, der das Team führt, oder der Coach, der das Team formt. Was ist deine Rolle?“
„Ich unterstütze die beiden.“ Jetzt lächelt Kahoko und Natasha tut es ihr gleich.
„Dann lass uns anfangen, oder was meinst du?“

- - - -

Shinji hat sich selten so aufs Training gefreut wie heute.
Bis jetzt ist ihr nur ein einziger Basketballspieler bekannt gewesen, der vom Ende des Spielfelds aus einen Korb werfen konnte. Midorima Shintarou, Shōgos und ihr Mitschüler auf der Teiko.
Dass sie jetzt jemanden im Team haben, der sowas auch kann... Der Traum, einmal den Winter Cup zu gewinnen scheint jetzt gar nicht mehr so unerreichbar.
Als sie die Sporthalle betritt, steht Kahoko bereits auf dem Spielfeld, neben sich den Metallkorb mit Bällen, der bereits halb leer ist. Die Bälle sind überall in der Halle verstreut und Kahoko greift sich gerade den nächsten, neben sich Shouta, der alles aufmerksam beobachtet.
Shinji bleibt stehen, um zuzusehen. Der Übergang in die Wurfhaltung, wie einfach es aussieht, wenn der Ball geworfen wird, als würde er auch ohne fremde Hilfe fliegen können und wollen. Das ist es, was sie an Basketball am meisten liebt. Dass es gut aussieht. Basketball ist ein Sport der Schwerelosigkeit.
Sie sieht dem Ball zu, wie er fliegt und fliegt, die Halle durchquert... und mit Wucht gegen das Brett knallt. Sie blinzelt, als der Ball nicht in den Korb geht, sondern zu Boden fällt, mehrmals dumpf aufprallt und davon rollt.
Kahoko keucht ein wenig, aber sie schnappt sich den nächsten Ball und versucht es erneut.
Shinji beobachtet 20 weitere Würfe. Fünf gehen wunderschön in den Korb, fünf weitere prallen gegen das Brett, bevor sie rein gehen. Fünf prallen vom Brett oder Ring in die absurdesten Richtungen ab, vier gehen ganz einfach am Korb vorbei und einer geht drei Meter davor zu Boden.
Shouta notiert sich etwas auf seinem Klemmbrett, dann nickt er.
„Sammel die Bälle zusammen, dann machst du erst mal beim Ausdauertraining mit, bevor wir weiter an deiner Trefferquote arbeiten.“
„Geht klar, Coach.“ Kahoko lächelt, streckt ihren schmerzenden Arm aus und wuschelt Shouta durchs Haar, bevor sie los joggt und die Bälle einzusammeln beginnt.
„Hi Shinji.“, ruft sie ihrer Teamkollegin im Vorbeigehen zu und Shinji löst sich aus ihrer Starre.
Zeit, sich umzuziehen.

-

Kahoko hat gerade alle Bälle wieder in den Behälter befördert, als sich ihre Teamkolleginnen versammeln. Lia sieht müde aus, aber sonst ist alles wie immer. Mit Ausnahme von Nanami, die sofort die Aufmerksamkeit aller beansprucht.
„Hört mal her, Leute. Nach eingehender Beratung mit eurem Coach habe ich unseren Trainingsplan geändert. Schule beginnt für alle um viertel nach acht, deshalb treffen wir uns hier um sieben Uhr für ein einstündiges Morgentraining. Montag und Dienstag haben die Erstklässler gleich nach der Mittagspause Training, zusammen mit Lia, Mittwoch und Donnerstag sind die Zweitklässler dran, zusammen trainiert wird Montag bis Donnerstag von drei, beziehungsweise vier Uhr bis um halb sechs. Mit euren jeweiligen Heimwegen seit ihr dann bis spätestens halb sieben zuhause, die perfekte Zeit fürs Abendessen und danach noch Hausaufgaben. Samstagvormittag und Sonntagvormittag sind auch für Training reserviert, aber ab zwei Uhr habt ihr frei.“
„Wer hat die denn engagiert?“, murmelt Shinji unwillig und Kahoko hebt die Hand. „Entschuldigung, aber ich kriege Nachhilfe, hast du das auch berechnet?“
„Dein Heimweg beträgt 23,5 Minuten, das heißt, du bist noch vor sechs Uhr zuhause. Vereinbare deine Nachhilfe für abends oder Wochenende, dann sollte das passen.“
Jetzt traut sich keiner mehr was zu sagen und Nanami blickt in die Runde, überzeugt, dass jeder einverstanden ist. „Gut, damit ihr es nicht vergesst, habe ich Wochenpläne für jeden ausgedruckt, zusätzlich noch eine Monatsaufstellung mit den wichtigen Terminen und eine Semesteraufstellung, damit ihr Turniere und Trainingswochen auf einen Blick erfassen könnt. Shouta...“
Ihr Bruder greift sich einen Stapel Papiere und teilt sie aus.
Kahoko wirft einen Blick auf den Monatsplan, sieht hoch... und blickt wieder zurück.
„Das... Nanami... du...“, stottert sie. Sie ist nicht die einzige, die es nicht ganz fassen kann.
„Ja, Kahoko? Was verstehst du nicht?“
„Wir haben eine Trainingswoche? Nein, zwei Trainingswochen? Wir haben kein Budget für so etwas!“, keucht stattdessen Lia und fuchtelt mit dem Semesterplan herum.
„Keine Sorge, ich habe alles berechnet. Mit Hilfe meines Clubs für Nächstenhilfe ist alles möglich.“
Lias Mund öffnet und schließt sich wie bei einem Karpfen.
„Nanami... ähm...“, Kahoko wedelt mit der Monatsaufstellung. „Ich will ja nicht kleinlich sein, aber warum ist unser erstes Match gegen Shutoku?“
Nanami blinzelt und kramt den Plan heraus. „Du meinst das zweite Match, das erste haben wir gegen die Mädchen der Seiho. Aber falls du meinst, dass es das erste Match gegen Jungs ist, dann liegt das daran, dass mich jemand drum gebeten hat. Ein gewisser Takao Kazunari ist auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ein Trainingsspiel noch diesen Monat möglich wäre. Sie gehen nämlich recht bald auf eine Trainingswoche und wollen das Spiel noch davor abwickeln.“
„Takao!“, knurrt Kahoko anstelle einer Antwort und ballt die Hand zur Faust.

„Okay Leute...“, Nanami grinst in die Runde, ignoriert Kahokos Wut und Lias Sprachlosigkeit, „Noch Fragen? Nein? In dem Fall können wir ja mit dem Training beginnen.“

- - - -


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