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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
24
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
28.09.2015 3.143
 
Für eine bessere Übersicht der OC's:  Bilder und Zusammenfassung


Alles nicht so einfach


Nein, nicht so! Jetzt konzentrier dich doch mal.“
Das erste, was Shinji hört, als sie die Sporthalle am Donnerstagmorgen betritt, ist Kahokos entnervte Stimme. Nicht das, was sie sich erhofft hatte und das noch vor dem ersten Kaffee am Morgen.
Sie grunzt und schiebt sich an Tsunako vorbei, die sich gerade aufwärmt. Die Wangen der Erstklässlerin sind gerötet und da draußen bereits herrlich warme Sommertemperaturen herrschen, kann es nicht von der Temperatur kommen.
Vermutlich ist sie verliebt, denkt Shinji und wie immer, wenn sie an Verliebte denkt, denkt sie an...
Unwirsch schiebt sie Shouta genauso zur Seite wie sie es gerne mit einem ganz bestimmten Gedankengang machen würde.
„Was ist denn hier schon für ein Auflauf?“, knurrt sie und blickt auf die Uhr. „Es ist noch nicht mal Zeit fürs Morgentraining, ich bin extra ne Viertelstunde früher gekommen und hier herrscht schon Chaos.“
„Kahoko hat uns um ein Spezialtraining gebeten.“, gibt ihr Shouta die Antwort auf die Frage, die sie eigentlich nur an sich selbst gerichtet hat. Sie wirft ihm einen Blick zu und er zieht den Kopf ein
wie eine Schildkröte.
„Spezialtraining?“, fragt sie nach, als Megumi vor ihnen auf dem Spielfeld den Ball in die Ecke pfeffert.
„Ich kann nicht mehr, ich brauch ne Pause.“, keucht sie und Kahoko ist kurz davor, ihr eine gepfefferte Antwort zu geben. Sie beherrscht sich, gerade noch, beißt sich so fest auf die Lippe, dass sie Blut schmeckt.
„In Ordnung.“
Megumi nickt und verlässt das Spielfeld ohne ein Wort, schnappt sich das Handtuch, das Shouta ihr hin hält und wischt sich damit über das Gesicht.
„Ich krieg das nicht gebacken.“, zischt sie ihnen zu, „Ich hab keine Ahnung, was sie eigentlich will. Bis jetzt hab ich nur ein 'Konzentrier dich auf den Rhythmus' aus ihr raus gekriegt.“
Shinji hebt eine Augenbraue. Sie hat sich schon gedacht, dass der Neuling einen an der Waffel haben muss, so wie sie sich verhält, aber das übertrifft ihre Erwartungen bei weitem.
Tsunako gesellt sich zu ihnen.
„Soll ich noch ein bisschen warten? Kahoko meinte zwar, ich soll mich aufwärmen, weil ich gleich nach dir dran bin, aber irgendwie wirkt sie grade nicht in Trainingslaune.“
Vier Köpfe drehen sich zu Kahoko um, die verbissen Körbe von der Mittellinie aus wirft.
Shinji grunzt. „Die muss nur ein bisschen Dampf ablassen, ich kenn das von Shōgo. Ich knöpf sie mir mal vor und ihr fangt einfach mit den normalen Übungen an.“

Sie schlendert rüber zu Kahoko, schnappt sich einen der Bälle aus dem großen Metallkorb und fängt an zu dribbeln, immer im Kreis um Kahoko herum.
Die hält inne, starrt und... lauscht?
Okay, jetzt mal im Ernst, wie verrückt ist das Mädel?
Shinji hat jetzt ganz einfach keine Lust mehr auf Sperenzchen. „Reiß dich zusammen, okay? Wir sind hier beim Basketballtraining und nicht im Ballettunterricht.“ Sie pfeffert ihr den Ball entgegen, hart genug, dass es weh tut, wenn sie ihn fängt.
Kahoko starrt auf den Ball, beißt sich wieder auf die Lippe und nickt. Vielleicht, denkt sie, kann ich Leute einfach nicht trainieren.

Den Rest des Trainings ist Kahoko für ihre Verhältnisse ungewöhnlich still. Dafür aber zu hundert Prozent bei der Sache, also meckert auch keiner. Nur Shouta macht sich Sorgen, aber er weiß nicht, was er dazu sagen soll. Also hält er den Mund, zumindest bis zum Ende des Trainings.
„Kahoko? Kann ich kurz mit dir reden?“
Sie bleibt stehen, mustert ihn kurz und nickt dann. Bevor er sich aber selber den Mut zusprechen kann, den er brauchen wird, winkt sie bereits Lia herbei.
„Captain? Kannst du mal kommen? Ich muss was mit dir klären.“
Shouta kapiert gar nichts mehr, aber er macht das, was er am besten kann und folgt den beiden stillschweigend in das kleine Kämmerchen, das an die Sporthalle anschließt. Es ist nicht direkt ein Büro, aber sie nutzen es, als wäre es eines.
„Also, was gibt es, Kahoko? Deine Leistungen heute beim Training waren sehr gut, darum kann es also nicht gehen.“
Shouta zuckt unmerklich zusammen. Kahokos Leistungen waren vielleicht gut, aber als Coach hätte er gerne ihren Kampfgeist gesehen. Ohne ihren Kampfgeist ist sie nur eine gut trainierte Puppe.
„Es geht um Trainingsspiele. Ich habe ein paar vielversprechende Gegner gefunden und möchte mit euch die Termine durchgehen, damit wir davor das Training entsprechend anpassen können.“
Shoutas Schultern verkrampfen sich und Lia wird vor Überraschung blass.
„Trainingsspiele?“, sie blinzelt, ringt für einen Moment um Fassung. Dann setzt sie ein Lächeln auf, dass sie perfektioniert hat. „Erzähl mir mehr.“
„Nun, die Jungsmannschaft unserer Schule war erst ein wenig zögerlich, hat aber zugesagt, solange wir es an einem Freitagnachmittag machen. Dann wäre noch Touou, die hätten ab nächster Woche Zeit. Bei Seirin kann ich vermutlich auch noch was drehen und an anderen Schulen bin ich noch dran.“ Das ist nicht ganz zwar, unter anderen Schulen hat sie nur Shutoku, aber so klingt es besser, findet Kahoko.
Lia leckt sich nervös über die Lippen.
„Ich wusste gar nicht, dass Seirin eine Mädchenmannschaft hat.“, versucht sie das Thema locker anzugehen.
Kahoko macht den Versuch zunichte. „Oh, haben sie nicht. Ich rede von Jungenmannschaften.“
Shouta verschluckt sich an seiner Spucke und hustet eine geschlagene Minute lang. „Jungenmannschaften?“, keucht er heiser, „Warum willst du gegen Jungenmannschaften antreten?“

Kahoko sieht zwischen den beiden hin und her, auf ihrem Gesicht zeigt sich Unverständnis.
„Aber hat Michirou euch das nicht gesagt? Ich dachte, das wäre allen bereits klar.“
„Was gesagt?“ Lias Stimme ist unruhig und auch Shouta ahnt Übles. Das stand ganz sicher nicht auf dem Wisch, den er unterschrieben hat.
„Wir trainieren, damit wir gegen das Team meines Bruders antreten können. Deshalb bin ich im Team. Um gegen das Team der Shutoku antreten zu können. Und natürlich wegen dem ganzen Rest auch noch.“
Lia ist mittlerweile so blass wie die geweißelte Wand hinter sich. Sie sinkt auf einen der unbequemen Stühle und bittet Kahoko mit schwacher Stimme, sich umziehen zu gehen, während sie drüber nachdenkt.
Shouta bleibt mit ihr allein zurück und so verängstigt er im Grunde auch ist, er kann sie nicht so in ihrem Stuhl hängen lassen, sie sieht aus, als würde sie gleich kollabieren.

Lia schreckt hoch, als sich eine Hand auf ihre Schulter legt und beruhigend zudrückt. “Alles in Ordnung, Smith-Senpai?”
Sie starrt hoch in Shoutas besorgtes Gesicht und versucht ein Lächeln, das kläglich scheitert.
“Ich bin mir nicht sicher, Shouta. Und ich hab dir doch gesagt, dass du mich Lia nennen sollst.”
Er wird rot, nickt aber. “W-worum machst du dir Sorgen, Sm-... Lia-senpai?”
“Um alles.”, sie seufzt, wischt sich mit der Hand übers Gesicht, als könnte sie so die Sorgen vertreiben, “Vor allem aber darum, dass wir viel zu schlecht sind, um gegen irgendwelche Jungenmannschaften zu spielen.”
“Kahoko kennt sich sehr gut mit Basketball aus.”, entgegnet Shouta ernst, “Wenn sie der Meinung ist, dass wir das können, würde ich auf ihre Meinung vertrauen. Außerdem sind es nur Trainingsspiele, bei denen geht es nicht so sehr darum, zu gewinnen, als darum, zu trainieren, oder?”
Lia starrt ihn an. Über mich würde keiner sagen, das man auf meine Meinung vertrauen kann.
Sie blinzelt, schluckt hinunter, was sie an Bedenken zu äußern hat. Dass sie noch kein einziges Trainingsspiel gewonnen haben, seit sie Kapitänin ist. Dass jede Niederlage am Kampfgeist des Teams knabbert. Dass sie... sie schüttelt den Kopf und steht auf, schiebt diesen Gedankengang ans hinterste Ende ihres Gehirns und ersetzt ihn mit irgendeinem Ohrwurm aus dem Radio.
Sie sieht Shouta in die Augen. “Okay, ich vertraue dir da jetzt mal.”
Sein Gesicht nimmt eine leuchtend rote Farbe an und er rückt von ihr ab, an die gegenüberliegende Wand, die Hand an der Tür. „I-ich... ich h-hol dann mal Kahoko.“
„Nicht nötig, sag ihr einfach, dass sie die Termine ausmachen und dann mit dir das Training besprechen soll. Wir sehen uns dann am Nachmittag beim Training.“
Shouta blinzelt überrascht, nickt dann aber und geht.

- - -

Dieser Itoe Shouta sieht aus wie ein Chihuahua, wenn er Kahoko so hinterher läuft, denkt Haruka, während sie an einer Säule lehnt und beobachtet.
Das Volleyballtraining nimmt einen Großteil ihrer Zeit ein und befreit sie zumindest von einem Vollzeitjob als Shoichis Spionin, aber die Ausrede „Ich muss lernen“ zieht trotzdem nicht. Manchmal ist ein hoher IQ auch mehr Fluch als Segen.
„Bist du sicher, dass es dir gut geht?“, fragt Shouta mit seiner leicht quiekigen Stimme, als die beiden auf ihrer Höhe sind.
Haruka horcht auf. Das klingt ja interessant.
Ja.“, knurrt Kahoko und Harukas Ohren flattern regelrecht, so sehr konzentriert sie sich. Kahoko knurrt nicht, nicht soweit sie weiß und ganz sicher nicht, wenn sie mit diesem Jungen spricht. Ihrer Meinung nach sind die beiden ganz einfach ein Paar, aber Shoichi behauptet das Gegenteil. Ihre nächste Vermutung ist, dass Kahoko diesen Shouta heimlich mit zehn Jahren geboren und ihm Wachstumshormone ohne Ende untergejubelt hat. Oder dass sie eigentlich viel älter ist als sie behauptet. Schließlich ist keine 16-jährige so groß, oder?
Reiß dich zusammen, Haruka, egal wie müde du bist, jetzt ist keine Zeit für hirnrissige Verschwörungstheorien!
Sie folgt den beiden so unauffällig wie es geht und zieht dabei ihr Handy aus der Tasche. Vielleicht, nur vielleicht, kriegt sie ja doch ein Foto von den beiden, dass beweist, dass Shoichi sich irrt. So vertraut ist doch kein Mädchen mit einem Jungen, den sie nicht liebt, oder?

- - -

Shouta stößt Nanami an, als der Lehrer grade nicht hinschaut. Er nickt in Kahokos Richtung und Nanami nickt verstehend. Ihr ist auch aufgefallen, dass Kahoko stirnrunzelnd aus dem Fenster starrt, anstatt sich auf den Unterricht zu konzentrieren. Und das bei ihren wackligen Noten.
„Stimmt irgendwas nicht mit ihr?“, murmelt sie aus dem Mundwinkel, als der Lehrer mit den Unterlagen raschelt.
Ihr Bruder zuckt die Schultern. „Schon, aber ich weiß nicht was. Lia hat ihr freie Hand bei den Trainingsspielen gelassen und trotzdem ist sie so bedrückt.“
„Ich fühl ihr nachher mal auf den Zahn.“, wispert Nanami und kritzelt in ihrer winzigen Schrift einen Schlachtplan auf ihren Notizblock.

-

„Kahoko. Ich muss mit dir reden.“
Sie bleibt vor dem Pult ihrer Freundin stehen, während der Rest der Klasse sich auf den Weg in die Cafeteria macht. Sie stemmt die Arme in die Hüften, um deutlich zu machen, wie ernst es ihr ist, während Shouta schon davon eilt, um das Mittagessen zu besorgen.
„Oh, ich muss auch mit dir reden.“
Nanami stockt. „Tatsächlich?“
„Ja, weißt du, ich hab nachgedacht und ich finde, du würdest dich wirklich gut als Managerin eines Basketballteams machen.“
„Wirklich?“ Nanami lächelt geschmeichelt. Endlich mal jemand, der ihre Fähigkeiten erkennt.
„Ja, wirklich. Ich meine, dein Organisationstalent ist wirklich einmalig, wenn ich an deine Schlachtpläne denke.“
„Du hast Recht, ich bin wirklich gut im Organisieren.“, Nanami nickt, als käme ihr der Gedanke erst jetzt, „Wenn ich da an euer Team denke, Shouta bemüht sich zwar, aber eurem Trainingsplan fehlt jede Struktur.“
Kahoko schweigt überrascht und blinzelt. Eigentlich war sie mit dem Trainingsplan selbst ganz zufrieden.
Nanami versteht ihr Schweigen als Zustimmung und redet weiter. „Außerdem kann ich gut kochen und Snacks zwischendurch sind nie ein Fehler.“
Kahoko findet ihre Sprache wieder. „Ja, das äh... das wäre sicher sehr hilfreich....“ Sie wird von Nanami unterbrochen, die die Hände auf den Tisch stemmt und Kahoko aufgeregt ins Gesicht grinst.
„Und dann noch die Trainingswochen, Kahoko! Denk doch nur an die Trainingswochen, da können wir uns einen großen Batzen Geld sparen, wenn ich für alle koche.“
„Trainingswochen?“ Das geht Kahoko jetzt doch etwas zu schnell und außerdem in die völlig falsche Richtung. „Wir haben doch so gut wie gar kein Budget, ich weiß nicht, ob wir so was überhaupt verantstalten können, außerdem...“
„Ach...“, Nanami winkt ab und zieht einen Schreibblock aus ihrer Tasche, „Vertrau mir, im Budget organisieren bin ich ein Ass. Was glaubst du, warum ich in der Junior High in fünf Clubs gleichzeitig Finanzmeisterin war?“
Kahoko verstummt und sieht hilflos dabei zu, wie sich Nanami vor ihr eine Rechnungsaufstellung aus den Fingern saugt. „So, das wären dann mal zwei Trainingswochen, die Fahrtkosten und Unterbringung für Trainingsspiele in weiter entfernt gelegenen Regionen ein zu berechnen ist nie verkehrt, oh und neue Trikots müssen auch sein, in Übergröße, damit dir auch mal was passt...“
Kahoko räuspert sich verlegen. „Also... wegen der Trainingsspiele wollte ich auch mit dir reden, ich hab bis jetzt erst einen Kapitän, der mir fix zu gesagt hat, die Jungenmannschaft unserer Schule ziert sich auch ein bisschen und...“
Nanami blinzelt verständnislos. „Und wo ist das Problem?“
„Na ja, Shouta meinte, du bist jemand, der andere gut überzeugen kann, deshalb wollte ich dich fragen, ob du mir da hilfst.“
„Ach so, kein Problem, überlass das mir. Du musst mir nur sagen, wie viele Trainingsspiele du pro Woche haben willst, den Rest mache ich.“

Kahokos Mund geht auf und zu wie bei einem Fisch. Irgendwie hat sie nicht das Gefühl, dass das hier wie geplant abläuft. „Warum... äh... warum bist du nicht schon lange Managerin geworden? Wenn dir das doch so liegt?“
„Ach, du kennst das doch. In der Junior High hatte ich mit den restlichen Clubs genug zu tun. Und hier wollte ich erst mal Shouta sein Ding machen lassen. Er hats echt drauf als Trainer, wenn man ihn nur machen lässt... Übrigens wärt ihr beide ein süßes Pärchen.“, wechselt sie so abrupt das Thema, dass Kahoko einen Moment braucht, um ihr zu folgen. Sie wird knallrot und Nanami kichert schadenfroh.
„Zu schade, dass er nicht auf dich steht.“, sie knufft Kahoko gegen die Schulter.

Haruka, die unauffällig auf der anderen Seite der offen stehenden Tür lehnt, beißt sich enttäuscht auf die Lippe. Dabei war sie sich doch so sicher!

- - -

„Also bin ich nach Hause gegangen, wie mein Vater wollte. Er war ganz schön sauer, aber es hat sich gleich mal raus gestellt, dass nicht ich es verbockt habe, sondern Dai-chan und dann war er erst mal auf Dai-chan sauer und ich durfte noch ne Runde Rollerbladen gehen.“, Mirai macht eine Pause, um an ihrem Kakao-Trinkpäckchen zu nuckeln.
Megumi sitzt ihr gegenüber, den Kopf in die Hände gestützt, lauscht sie gebannt. Vielleicht kriegt sie ja so endlich raus, wie sie in Kagamis Gegenwart ruhig bleiben kann.
Tsunako neben ihr konnte in ihrem eigenen Liebesleben bis jetzt zwar auch noch keine großen Erfolge verbuchen – Reo und sie sind noch auf der Stufe „kurze Gesprächshäppchen in überfüllten Verkehrsmitteln austauschen“ - aber das macht aus Mirai trotzdem keine geborene Erzählerin.
„Und dann?“, fragt sie ungeduldig nach, während sie an ihrem Salat knabbert. Mädel, komm zum Punkt.
„Dann bin ich Rollerbladen gegangen.“, erklärt Mirai seelenruhig und steht auf, um den Wagen mit dem Schmutzgeschirr in die Küche zu fahren – ihre Arbeit an diesem Dienstagmittag.
Tsunako bleibt mit leicht geöffnetem Mund sitzen. Das ist doch jetzt nicht ihr Ernst, oder?
Megumi neben ihr quietscht verzückt. „Das ist so aufregend, findest du nicht?“
Tsunako enthält sich eines Kommentars, hält aber nach Kahoko Ausschau. Eine Runde Training klingt doch gar nicht so schlecht, oder?
„Also, wo war ich?“, fragt Mirai, als sie zurück kommt.
„Du bist rollerbladen gegangen.“, hilft ihr Tsunako auf die Sprünge.
Mirai nickt eifrig. „Genau. Und meine Bremsen waren natürlich immer noch nicht repariert, ich meine, wer hat auch Zeit für sowas? Ich hab natürlich nicht dran gedacht und bin jedenfalls Richtung Seirin, man kann ja nie wissen bei dieser Riko, hab ich mir gedacht, vielleicht trainieren die ja immer noch. Riko trainiert nämlich immer ziemlich lange, das weiß ich, weil ich gerne mal 'zufällig' dort vorbei schaue, nur heimlich natürlich, damit Kuroko nicht merkt, dass ich ihn... nun ja... mag...“, sie kichert verschämt und drückt die Spitzen ihrer Zeigefinger aneinander wie ein kleines Mädchen.
Okay, süß ist sie ja schon irgendwie, grummelt Tsunako innerlich und versöhnt sich langsam mit dem Gedanken „Kahokos Freunde sind auch meine Freunde“.
„Jedenfalls bin ich gar nicht bis ganz dort hin gekommen, weil sich bei dem linken Rollerblade eine der Rollen gelöst hat. Ich bin hingefallen, das war da, wo wir uns nach dem Training noch kurz besprochen haben, weißt du noch Megumi?“, Megumi nickt und deutet ihr, weiter zu reden, „Jetzt lieg ich da und mein Knie tut so weh und diesmal ist natürlich keine Kahoko da, die mich wieder nach Hause trägt und da steht plötzlich Kuroko vor mir und hilft mir auf.“
Mirai wird ganz rot bei der Erinnerung und nestelt mit der Papierserviette auf Tsunakos Tablett herum. „Erst schimpft er ein kleines bisschen mit mir, weil ich einfach mit kaputten Rollerblades fahre und zieht mir die Rollerblades aus, damit ich barfuß zu der Parkbank gehen und mich setzen kann und dann sitzen wir da und er... dann nimmt er meine Hand und sagt mir, dass er mich wirklich gerne hat und das er sich fragt, ob es mir genauso geht und dass er gerne möchte, dass ich seine Freundin bin.“
Megumi quietscht und Mirai hält inne, mit roten Bäckchen und einem verklärten Lächeln auf den Lippen.
„Und ich war richtig sprachlos, aber nur für einen kleinen Augenblick, dann hab ich ihn gefragt, was mit Satsuki ist, das ist die beste Freundin von Dai-chan und die ist schon seit Ewigkeiten in Kuroko verliebt, aber nicht so lange wie ich. Ich hab ihn schon ein bisschen länger lieb, wisst ihr... jedenfalls hat Satsuki schon einen Freund und ist nicht mehr traurig, wenn ich jetzt mit Kuroko zusammen bin. Und jetzt sind wir zusammen.“
„Awwww...“, macht Megumi und fächelt sich selbst kühle Luft zu, „Wann habt ihr denn euer erstes Date?“
„Am Samstag, Kuroko will mit mir picknicken gehen.“
„Das ist ja niedlich. Und dein Bruder, der ist ja mit Kuroko befreundet, wie nimmt der es auf?“, bleibt Tsunako auf dem Boden der Tatsachen.
Mirai blinzelt und verzieht den Mund. „Der ist beleidigt, aber das ist mir egal. Nur weil er keine Freundin hat, muss er nicht eifersüchtig sein. Klar, ich finds auch blöd, dass Satsuki nicht mehr zu haben ist, die beiden wären sicher süß zusammen gewesen, aber wenn er nicht zum Potte kommt, ist er selber schuld.... Was meint ihr, ist Kahoko noch Single?“

Tsunako verschluckt sich an ihrem Mineralwasser, als Mirai so plötzlich das Thema wechselt. Sogar Megumi wird aus ihrem verklärten Zustand gerissen.
„Warum willst du das denn wissen?“
„Ich dachte, ich könnte sie mit Dai-chan verkuppeln, damit der Ruhe gibt. Ich meine, wenn sie sich Socken in den BH stopft, dann wäre sie voll sein Typ.“
Tsunako blinzelt, ist einfach nur sprachlos. Megumi hingegen denkt ernsthaft drüber nach. „Ich weiß ja nicht, bei ihr kann alles sein. Vielleicht hat sie nen Freund in Amerika, irgend nen groß gewachsenen Amerikaner, der Unterwäschemodel ist.“
Tsunako wiegt nachdenklich den Kopf hin und her. „Möglich ist das schon, aber dann hätte sie das vermutlich erwähnt, oder? Außerdem hab ich keine Ahnung, auf welchen Typ Junge Kahoko steht.“
„Na dann...“, Mirais Augen funkeln herausfordernd, „Lasst es uns rausfinden.“

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