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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
23
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
18.05.2015 3.091
 
Für eine bessere Übersicht der OC's:  Bilder und Zusammenfassung

Spieler beider Teams, stellt euch gegenüber auf.


Eines Nachts kommt Sakura nicht nach Hause. Da ist Kahoko schon fast 11 und weiß nicht so recht, ob sie auch auf die Teiko Mittelschule gehen soll, so wie Shintarou. Ihn nicht jeden Tag neben sich sitzen zu haben kann sie sich aber auch nicht vorstellen.
Auf dem Tisch klebt ein Zettel, dass es später werden wird und dass sie sich Pizza bestellen soll - Sakura kann nicht kochen - aber das ist auch schon alles. Es wird neun, Kahokos maximale Aufbleibzeit. Es wird zehn. Es ist dunkel draußen, im Haus brennen alle Lichter und Kahoko sitzt vor dem Telefon und wartet darauf, dass die Polizei anruft, so wie bei dem Cousin von ihrem Mitschüler. Dass man ihr erklärt, dass ihre Mutter nicht mehr heimkommt.
Sie könnte Shin-Shin anrufen. Sie blickt mit einem Anflug von Bitterkeit auf die Uhr. Ihr „großer Bruder“ liegt jetzt im Bett und schläft. Außerdem, sie ist drei Zentimeter größer und 15 Minuten älter als er, sie ist die ältere Schwester, sie ist die, die immer alle vermöbelt, sie ist die, die im Basketball besser ist.
Manchmal braucht es nur fünf Minuten, um erwachsen zu werden. Oder es zumindest sein zu wollen.
Sakura kommt um viertel vor zwölf nach Hause, giggelnd und verliebt wie ein Schulmädchen. Ihre Tochter sitzt auf der untersten Treppenstufe und fixiert die sich öffnende Tür mit leerem Blick.
"Wo warst du, Mutter?"
Ihre Mutter erstarrt. "Solltest du nicht im Bett sein, junge Dame?"
"Solltest du nicht früher zuhause sein, Mutter?"
Sakura starrt das Ebenbild ihres Mannes an und seufzt: "Tut mir leid, ich ... ich war mit einem Freund weg."
"Was für ein Freund?"
"Ein guter Freund."
In dem Moment begreift Kahoko, dass ihre Eltern nicht mehr zusammen kommen werden.

- - -

Shintarou hat sein ganzes Taschengeld gespart, jetzt endlich ist es soweit. Es ist der Morgen nach Kahokos unglückseliger Nacht, von der er nichts ahnt, aber er muss nur ihre Augenringe sehen um zu wissen, dass sein Geschenk der absolute Oberhammer ist. Stolz zieht er das Päckchen aus der Tasche und hält es seiner Schwester hin.
"Hier. Das hab ich für dich gekauft."
"Was ist es?", fragt Kahoko desinteressiert und nimmt es entgegen.
"Ein Nachtlicht, das kannst du nachts einstecken, dann ist es nicht dunkel."
Kahokos sonst immer lächelnder Mund verzieht sich zu einer Grimasse und sie steckt das Päckchen wortlos in ihre Schultasche.
"Ich bin kein Kind mehr, kleiner Bruder, ich brauch sowas nicht."
Damit geht sie an ihm vorbei in die Schule, tritt mit ihren Schuhen ein Loch in Shintarous Herz, das am Boden liegt.
Dass sie es nach der Schule auspackt und dicke, fette Krokodilstränen weint, weil das Nachtlicht mit Kätzchen bemalt ist, die sie wegen Sakuras Tierhaarallergie nicht halten dürfen, das erfährt er nie. Auch nicht, dass sie es jeden einzelnen Tag benützt.

Shin-Shin wird zu „kleiner Bruder“, Koko wird zu einem leicht verächtlichen „große Schwester“. Shintarou wächst, überragt sie um mickrige zwei Zentimeter, aber er hält den Abstand. Sie schlägt ihn vernichtend im Basketball.
Seine Schwester mag leichter und schmäler, im Alltag naiv und chaotisch sein, aber auf dem Basketballcourt verbeißt sie sich in ihre Gegner. Sie hat mehr Ausdauer als er und für jeden Trick und jeden Kniff, den er lernt, entwickelt sie eine Gegenmaßnahme.
Als Sakuras Freund bei ihnen einzieht und Shintarou seinen Three-Pointer perfektioniert, übt Kahoko an der Garagenwand hoch zu laufen bis die Garagenwand Löcher hat und ihre Knie blutig sind.
Shintarou benutzt seinen neuen Wurf und Kahoko rast an ihm vorbei, springt nach oben, stößt sich mit den Beinen von der Stange ab, die den Korb hält - und schlägt den Ball nur Zentimeter vom Korb entfernt zu Boden.
„Das ist... das ist...“, stammelt er fassungslos und starrt sie an. Die Niederlage liegt ihm wie ein Stein im Magen.
„Was?“, faucht sie zurück und er richtet sich auf seine volle 1,60m auf.
„Und wenn der Korb am Seilzug befestigt ist? Was machst du dann?“
„Tse, das machen sie nur in Amerika und Europa! Sei nicht so blöd, kleiner Bruder!“

- - -

Masahiro Hana klopft vorsichtig an die Zimmertür seiner baldigen Stieftochter.
"Hey Mädel, willst du mit mir was unternehmen?"
Kahoko öffnet die Tür und mustert ihn fragend. "Was denn?"
"Na ja, ich dachte, wir werfen ein paar Körbe, aber erst, nachdem wir uns den Zoo angesehen haben. Oder bist du schon zu alt für den Zoo?"
"Nicht, wenn es im Zoo ein Eis gibt."
Im Endeffekt sind sich Mutter und Tochter doch nicht so unähnlich. Beide brauchen jemanden, der sie sieht und beachtet.
Aber wie das eben so ist: Wenn sich zwei finden, bleibt einer außen vor. In diesem Fall sind es sogar zwei. Shintarou und Sousuke.

Masahiro ist Architekt und Basketballfan. Er kommt jeden Abend um die gleiche Zeit nach Hause, hilft Kahoko bei den Hausaufgaben, bringt Sakura Blumen mit. Er bringt Kahoko das Kochen bei, geht mit ihr joggen, steht stundenlang mit ihr auf dem Sportplatz und übt mit ihr Pässe, Blockieren, Dunking. Er unterschreibt ihre schlechten Noten und redet mit den Lehrern wenn Kahoko schon wieder was ausgefressen hat.
Masahiro wird zu einem Vater, der Sousuke nicht sein kann und jedes Wochenende, dass Kahoko bei ihrem Vater verbringen soll – der ja doch nicht zuhause ist – wird ihr das mehr klar.

Jeden Freitag nach der Schule fährt sie zur Wohnung ihres Vaters, kocht Gemüsereis und bleibt wach bis sie hört, dass er heim kommt. Am Samstagmorgen macht sie Frühstück und starrt schweigend auf die Rückseite der Zeitung, hinter der ihr Vater sitzt. Dann geht er zur Arbeit und sie nimmt den Bus zurück zu ihrer Mutter, wo ein schweigsamer Shintarou am Frühstückstisch sitzt und verbissen dabei zusieht, wie Kahoko mit Masahiro herum blödelt.

- - -

„Kahoko, mein Schatz, können wir reden?“
Kahoko sieht von ihren Mathehausaufgaben zu ihrer Mutter, die neben dem Küchentisch steht und nervös ihre Hände knetet, dann zu Masahiro, der ihr beruhigend zunickt.
„Okay. Was gibt’s?“
„Nun, vor einigen Wochen hat mein Agent mich angesprochen. Ich habe ein Angebot für eine Serie bekommen. Das Problem ist, dass der Dreh und alles in Los Angeles stattfindet und ich dahin ziehen müsste. Ich hab natürlich gesagt, dass das nicht geht. Tja, die wollen mich aber unbedingt. Dazu kommt, dass Masahiro ebenfalls angesprochen worden ist, ihm bieten sie eine Versetzung in die Zentrale nach Los Angeles. Dass gerade beides zusammen kommt, erscheint mir so passend und ich, wir… wollten mit dir darüber reden.“
Kahoko hat die Nachricht noch nicht einmal ganz verdaut, da schiebt sich auch schon ihre Unterlippe vor und beginnt zu zittern. Masahiro setzt sich unaufgefordert ihr gegenüber und legt einen großen Weltatlas aufgeschlagen vor sie hin.
„Schau mal, Süße, hier sind wir.“ Er zeigt auf Tokyo. „Und hier ist LA.“
Kahoko blinzelt durch die Tränen und starrt auf den Atlas.
„Das ist nicht weit entfernt, oder?“
„Leider doch. Das Meer dazwischen ist ganz schön groß. Deine Mama und ich verstehen natürlich, dass du nicht einfach so umziehen willst. Deshalb haben wir uns ein paar Möglichkeiten überlegt. Wir haben mit deinem Vater gesprochen und wenn du lieber hierbleiben möchtest, kannst du bei ihm einziehen. Dann wären du und Shintarou nicht getrennt.“
Kahoko fährt mit dem Finger über das Meer. Wie lange man da wohl drüber braucht? Sie überlegt. Wenn sie bei ihrem Vater einzieht, dann sieht sie Shintarou jeden Tag
„Aber Papa.“, sagt sie zu Masahiro als wäre es eine Selbstverständlichkeit ihn so zu nennen, „Wenn ich bei Vater einziehe, dann seh ich ja dich nicht mehr!“
Sakura steht daneben und fragt sich, wie das passieren konnte, dass ihr Stiefvater eine wichtigere Rolle im Leben ihrer Tochter spielt als jedes andere Mitglied ihrer Familie.
„Das ist kein Problem, Kaho-tan, wir holen dich in allen Ferien und wir können jederzeit Videotelefonieren. Weißt du noch, wie ich dir das gezeigt habe?“
Kahoko nickt und schluckt und Masahiro streckt die Hand aus und wuschelt ihr durch das beinahe kinnlange grüne Haar.
„Überlegs dir einfach Kleine.“

Ein paar Tage später findet sich Kahoko in der Teiko Mittelschule ein. Es ist Tag der offenen Tür, alle Clubs können besichtigt und die Lehrer befragt werden.
Sie ist sich noch immer unschlüssig, ob sie nach Amerika soll oder nicht, stimmt ihrer Mutter aber zu, dass es nur helfen kann, sich mal die Schulen anzusehen. Wenn die Schule scheußlich ist, dann geht sie da nicht hin.
„Teiko hat das beste Basketballteam in Tokyo, stell dir das mal vor, Hase.“, neckt Masahiro sie.
„Am besten schau ich mir das Team mal an.“, kontert sie und blickt verschwörerisch zu ihm hoch, „Kannst du Mama unter Kontrolle halten? Sie meckert schon, weil ich Hosen trage.“
Er hält ihr die Faust zum Fist bump hin und zwinkert.
„Schatz, hast du das Buffet gesehen?“ Kahoko schlüpft mit einem Kichern an den beiden vorbei.

Die Turnhalle ist leicht zu finden. Ein Junge mit dem Kapitänstrikot wirft gekonnt die herumliegenden Bälle in den großen Korb in der Mitte der Halle. Auch eine Art um aufzuräumen.
„Entschuldigung.“, räuspert sich Kahoko und der Junge blickt auf und lächelt überrascht.
„Schon wieder hier? Dann hast du dich wohl entschieden, was?“
Sie blinzelt verblüfft. „Wie bitte?“
„Na du warst doch schon vor einer Stunde hier und hast das Probetraining absolviert, oder irre ich mich da? … Oh warte, nein, du trägst keine Brille. War das vielleicht dein Bruder?“
„Vermutlich.“, nickt sie mit leicht säuerlicher Miene.
„Okay, Geschwisterkonflikt? Keine Sorge, er war sich nicht sicher, ob er gut genug für das Team ist, obwohl seine Würfe erste Sahne waren. Willst du vorspielen? Wir wollten eh grade die nächste Runde starten.“
„Uh, klar, warum nicht.“
Kahoko bildet sich nicht viel auf ihr Talent ein. Ihr Hauptgegner ist Shintarou und gegen den gewinnt sie hauptsächlich deshalb, weil sie jede seiner Bewegungen im Schlaf erahnen könnte.
Dieses Probetraining dürfte aber zu schaffen sein. Es ist kein wirkliches Match und auch keine Aufnahmeprüfung, nur eine Einschätzung, wie man sich im Ernstfall bewähren würde. Und wenn es noch nicht reicht, hat man noch die ganzen Ferien Zeit, sich zu verbessern.

Ihr Team ist ganz okay, aber sie spielen gegen einen Riesen mit krass violetten Haaren, der jedes Mal gähnt, wenn er einen ihrer Körbe abfängt. Kahoko ist versucht ihm gegens Schienbein zu treten, denn seine Mandeln sind nur bedingt interessant, aber sie beherrscht sich und konzentriert sich statt aufs Dunking auf ihre langen Drei Punkte Würfe. Ihre Treffsicherheit ist nicht so gut wie die von Shintarou, aber wenn er lieber nur wirft, wenn er hundertprozentig sicher ist, schert sie sich darum keinen Deut und wirft ununterbrochen von der Mittellinie. Frech zu sein zahlt sich manchmal eben aus. 
Es endet mit einem Unentschieden und der Kapitän, der sich als Nijamura vorgestellt hat, klatscht sie alle der Reihe nach ab.
„Du mit den grünen Haaren, falls du auf unsere Schule kommst landest du sofort im Team. Du bist besser als dein Bruder. Wagemutiger.“
Kahoko grinst stolz.
„Wie heißt du, dass ich mir das notieren kann?“
„Midorima Kahoko.“
Nijamura erstarrt, den Stift knapp über seinem Klemmbrett.
„Wie bitte? Ist das nicht ein sehr weiblicher Name?“
„Ich bin ein Mädchen.“, erklärt Kahoko mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, „Ist das ein Problem?“
„Hmm, ja, leider. Es gibt zwar kein direktes Gesetz, dass du nicht im Team sein darfst, aber als Starter darf ich dich nicht aufstellen, leider. Vielleicht solltest du es an einer Schule versuchen, die auch eine Mädchenmannschaft führt.“ Sie schweigt betreten, ihre Unterlippe zittert.
Einer aus dem gegnerischen Team, Haizaki, der mit den wuscheligen grauen Haaren, flüstert dem violetten Riesen lautstark etwas zu: „Wart’s ab, Murasakibara, gleich heult sie. So ein Mädchen.“
Kahoko verpasst ihm einen rechten Haken und stürmt wortlos aus der Halle. Idioten!

- - -

Sie ist grade zur Tür der Sporthalle raus, als sie jemandem vor den Latz knallt. Sie riecht Pfefferminzzahnpasta und Küchenkräuter und krallt unbewusst ihre Hände in den weichen Stoff des hässlichen karierten Hemdes. Shintarou.
„Was machst du denn hier?“
„Mir die doofe Schule ansehen, was sonst?“, faucht sie zurück, ohne den Kopf zu heben, schmiert ihre Schniefnase gegen seine Schulter und tritt einen Schritt zurück.
„Der Kapitän der Schulmannschaft hat mir schon gesagt, dass du vorgespielt hast.“
„Und? Was hat er gemeint?“ Shintarou starrt sie an, die Augen groß und aufmerksam hinter den Brillengläsern. Er sieht so unschuldig aus, dass sie ihm zum ersten Mal nicht entgegen schleudern kann, dass sie besser war als er.
„Er meinte, du wusstest nicht, ob du gut genug bist. Aber er nimmt dich sicher, wenn du hier her willst.“
„Und nimmt er dich auch?“
Kahoko schüttelt den Kopf. „Nein, ich geh aber auch nicht hier zur Schule.“
Shintarou mustert sie, als hätte sie ihm erklärt, dass Bananen auf dem Mond wachsen.
„Du kannst doch nicht auf eine andere Schule gehen.“
„Doch. Papa und Mama gehen nach Amerika und ich geh mit. Dort sind die Basketballteams viel besser, die haben sogar Mädchenteams.“
Shintarou verschlägt es die Sprache, er schluckt und räuspert sich wieder und wieder, fasst sich und krallt sich an das, was auch Kahoko immer Kraft gibt. Zorn. 
„Wenn du gehen darfst, will ich auch!“
„Du bist doch überhaupt nicht gut genug!“
„Bin ich wohl!“
„Bist du nicht!“
„Wohl, ich habs ja sogar ins Teiko-Team geschafft.“
„Ja, weil ich ein Mädchen bin. Dieser Niji-typ hat gesagt, er nimmt mich sofort, weil ich besser bin als du.“
„Lügnerin!“, erklärt Shintarou mit Tränen in den Augen, er stampft auf wie ein kleines Kind, „Du bist eine miese, fiese Lügnerin! Das erzähl ich Papa!“
„Mach doch, deinem Papa bin ich doch eh egal!“
Die beiden starren sich an, stumm und erschöpft. Es ist still um sie herum, die Vögel schweigen in den Bäumen, das Stimmengewirr der anderen Familien weit entfernt.
Kahoko will jemanden oder auch etwas schlagen. Ganz, ganz fest.
Aber Masahiro wird schon enttäuscht sein, weil sie diesen Typ in der Sporthalle geschlagen hat. Sie will ihn nicht noch mehr enttäuschen. 
Es tut irgendwie weh, in ihr drin, dass sie für einen Moment nicht mal zögern würde, Shin-Shin zu schlagen. 

„Komm.“
Er blickt auf, zieht die Nase hoch, als sie ihn anspricht.
„Ein letztes Spiel. Wer gewinnt, darf nach Amerika und ist der Ältere von uns beiden. Der Bessere.“ 
Shintarou starrt sie an, seine Unterlippe zittert und er sucht nach Worten, die Ausdrücken, was er fühlt. Er will nicht nach Amerika. Er will nicht der Ältere oder der Bessere sein.
Er will das Kahoko hier bleibt, dass sie wieder seine Koko und er ihr Shin-Shin ist. Er will wieder ein Zwilling sein, ein Teil eines Ganzen und nicht der kleine oder der große Bruder von jemandem, den er früher mal gekannt und geliebt hat.
Aber er nickt und geht mit ihr und er kämpft darum, ein einziges Mal zu gewinnen, ein Korb nach dem anderen, einen Schritt nach dem anderen, einen Atemzug nach dem anderen.
Kahoko schlägt ihn zehn zu null.

Als sie an ihm vorbei geht, um den Sportplatz zu verlassen, sieht sie ihn nicht mal an. „Ich hoffe, du gibst dir wenigstens Mühe beim Basketball, wenn du schon mein Ersatz bist, kleiner Bruder.“

- - -

Etwas mehr als einen Monat später, am Tag nach der Zeugnisverteilung, sitzt Shintarou an seinem Schreibtisch und starrt auf sein Zeugnis. Er ist Klassenbester, aber Koko sitzt nicht auf seinem Bett und lobt ihn dafür.
„Kein Bassball mehr für uns beide.“, wispert er dem Krebsanhänger zu, der an seiner Schreibtischlampe hängt. „Und Piletten gibt’s auch keine mehr.“
Er streicht sanft mit dem Zeigefinger über die geschnitzten Scheren des Krebses. Das Gegenstück, seinen eigenen Anhänger, trägt er immer mit sich herum.
Ob Kahoko seine Puppe noch hat?
Sicher nicht.

Mit einem Seufzen steht er auf und schnappt sich seine Tasche mit den Basketballsachen vom Bett. Er muss trainieren gehen, wenn er nicht verrückt werden will.
Als er in die Küche kommt, lässt sein Vater einen Brief fallen, als hätte er sich dran verbrannt.
„Shintarou.“, tadelt er seinen Sohn mit roten Wangen, „Erschreck mich nicht so.“
„Was ist das? Was liest du da.“ Shintarous Augen bohren sich in Sousuke, für einen Zwölfjährigen hat er den Verhörblick eines erfahrenen Polizisten.
„Ach, es ist nur... Mayumi aus der Rezeption. Sie hat... mir einen Brief geschrieben.“
„Warum?“
„Weil... keine Ahnung, sie redet sonst auch normal mit mir und... na ja, sie hat mich halt mit dem Brief fragen wollen, ob ich mal mit ihr was essen gehen möchte.“
„Kann sie dich das denn normal nicht fragen? Gehst du ihr aus dem Weg?“
„Nein, ja, keine Ahnung. Ich hab halt viel zu tun.“
„Dann musst du halt weniger tun, Papa, dann kannst du mit ihr essen gehen. Ist sie nett?“
Sousuke hält inne, sieht seinen Sohn an. Ja, Mayumi ist nett. Sehr nett sogar. Aber er hat ein Kind, dass er irgendwie großziehen muss, ein anderes, zu dem ihm irgendwie der Draht abhanden gekommen ist, ihm wächst alles über den Kopf.
Er starrt seinen Sohn an, fragt sich, wann er das letzte Mal sein schüchternes Lächeln gezeigt hat und stellt sich die warmherzige Mayumi daneben vor. 
Auch wenn es - noch - weit her geholt ist, es passt irgendwie.
„Ja, ist sie. Sie kann ja zum Essen her kommen, dann kannst du sie kennen lernen.“
„Nur wenn ich koche, Papa. Sonst kann man es ja nicht essen.“
„Einverstanden, du Schlaumeier.“

- - -

Zur gleichen Zeit lässt Kahoko ihr Geburtsland, ihre Verwandten, ihren besten Freund hinter sich. Und steigt in ein Flugzeug.
„Mr und Mrs Hana und die kleine Missus Midorima.“, begrüßt die blonde Stewardess sie in Englisch und Kahoko starrt ihr verwirrt hinterher.
„Papa.“, macht sie Masahiro auf sich aufmerksam und wendet sich dafür sogar von dem Fenster ab, neben dem sie sitzen darf. „Warum heiß ich anders als du und Mama?“
„Das ist, weil du noch den Namen von deinem Vater hast.“
„Kann ich nicht auch Hana heißen? Hana ist ein schöner Name.“
Masahiro blickt zu seiner Frau, die unsicher zurück blickt.
„Natürlich, aber wir überlegen uns das noch ein bisschen. Midorima ist nämlich auch ein cooler Name. Und wir müssen uns für dich noch einen guten Spitznamen überlegen, denn Kahoko bringt in Amerika sicher keiner über die Lippen. Wie wärs mit Kay? Oder Koko?“
„Nicht Koko!“, japst Kahoko entsetzt, „Kay ist gut. Das klingt wie O-kay!“
„O-kay, dann ist es Kay!“, lacht Masahiro und wuschelt ihr durch die Haare, die länger geworden sind. „Auf nach Amerika, meine Mädels, auf nach Amerika.“
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