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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
24
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
1 Review
 
07.09.2015 2.969
 
Für eine bessere Übersicht der OC's:  Bilder und Zusammenfassung

Die Neue im Team / Herzblattalarm


Touou High

Momoi Satsukis Augen huschen aufmerksam über die Seiten. Sie kaut auf ihrer Unterlippe, während sie den Manga liest, hin und wieder runzelt sie die Stirn, wenn es besonders spannend wird, dann wieder lacht sie leise.
Sakurai sitzt ihr gegenüber, zu nervös um zu essen, oder den Blick abzuwenden. Sie sind zwar nicht allein im Klassenzimmer, aber Aomine hat sich mal wieder aufs Dach geschlichen und das ist mehr als er sich erhofft hatte.
„Das ist wirklich gut.“, murmelt Satsuki und ihm rutscht das Herz in die Kehle, verschlägt ihm die Sprache. Er krächzt nur hoffnunglos und wünscht sich für einen bescheuerten Moment, dass er sich in diese Kahoko hätte verlieben können. Die mochte ihn wenigstens bereits.
„Und das hast alles du gezeichnet?“
Er nickt, unfähig aus Lauten ein Wort zu bilden und sie kichert. Seine Wangen fühlen sich so heiß an, dass man darauf garantiert Spiegeleier braten könnte und dabei hat er das Wichtigste noch nicht mal angesprochen.
„Ich mag die Heldin. Die erinnert mich irgendwie an mich.“ Satsuki blickt nachdenklich auf die Zeichnungen und verpasst beinahe wie Sakurai anfängt zu nicken wie ein Wackeldackel auf einer Schotterpiste.
„Ja? Du meinst... das soll ich sein?“
Er nickt noch heftiger, als sie tatsächlich rot wird. Da... jetzt ist der Moment gekommen, jetzt ist es an der Zeit für die wichtige Frage. Er bedeutet ihr zu warten und zieht eine einzelne Zeichnung aus seiner Zeichenmappe.
Der einfache Bürger aus seinem Manga, der ihm selbst zum Verwechseln ähnlich sieht, bittet Supergirl, seine Freundin zu werden. Er hat die ganze Nacht daran gesessen und ist immer noch nicht ganz zufrieden damit.
Mit zitternden Finger schiebt er ihr das Bild zu, sie greift neugierig danach... aber eine große Hand kommt ihr zuvor.
„Was haben wir denn da?“, spöttelt Shun, der Klassencown, während Sakurai das Herz bis hinunter in seine Schuhe rutscht und Satsuki empört nach der Zeichnung greift – erfolglos, Shun ist größer als sie. Jetzt hätte sie Aomine doch gerne in Rufweite anstatt auf dem Dach.
Shun mustert die Zeichnung, erkennt die Charaktere... und bricht in schallendes Lachen aus. Sakurai wird immer kleiner und Satsuki schimpft wie ein Rohrspatz, bis sie endlich die Zeichnung in die Finger bekommt, einen Blick darauf wirft – und verstummt.
Shun lacht immer weiter, Sakurai starrt peinlich berührt auf den Fußboden und Satsuki sagt kein Wort. So hat er sich das Ganze sicher nicht vorgestellt.
„Mann, bist du ein Loser. Ich hätte dir gleich sagen können, dass das nichts wird.“ Shun grinst vor sich hin, giggelnd und zufrieden über die Niederlage eines anderen. Das kann ja nicht angehen, dass ausgerechnet Sakurai bei Satsuki landet, wo er selbst doch schon bitter abgeblitzt ist. Und er ist groß, stark und gut aussehend, nicht so wie dieser Zwerg von Basketballspieler.
„Halt die Klappe, Shun.“
Shun verstummt abrupt und Sakurai hebt zögerlich den Blick, nur um Satsukis Lächeln zu sehen.
„Ich würde sehr gerne deine Freundin sein.“, flüstert sie ihm zu.

- - -

Nakamiya South High

„Ich finde, ich sollte mir die Haare grün färben und pinken Lidschatten benutzen, meinst du nicht auch?“
Tsunako verschluckt sich bei Megumis Worten an ihrem Pausenbrot, aber Kahoko isst völlig ungerührt weiter.
„Kaho-chan!“, empört sich Megumi jetzt und Kahoko blickt auf. Das hat sie jetzt doch gehört. „Hmm?“
„Du hörst mir gar nicht zu! Du isst sogar deine eigene Serviette, so geistesabwesend bist du!“
Reflexartig stoppt Kahoko das Kauen und schmeckt den Brocken in ihrem Mund, während Megumi entgeistert den Kopf schüttelt.
„Das war ein Scherz. Mann, was ist denn heute los mit dir?“
„Nichts.“, antwortet sie schnell. Sie kann den beiden schlecht verraten, in welche Richtung ihre Gedanken tatsächlich gehen. Das wäre der reinste Domino-Effekt.
Die beiden mustern sie misstrauisch, nicken dann aber. Als Freundin will man ja nicht so sein und zu sehr nachbohren, aber Kahoko ist sich trotzdem sicher, dass die beiden ihr unauffällig folgen werden, wenn sie sich später auf den Weg macht.
Sie stopft sich den Rest ihrer Mahlzeit in den Mund, schluckt den Brocken hinunter und räuspert sich.
„Ich geh mal kurz aufs Klo.“
-

Michirou gähnt und nuckelt an ihrem Saftpäckchen. Mürrisch mustert sie die Papierarbeit, die den ganzen Tisch einnimmt. Warum hat sie sich nochmal zum Vize aufstellen lassen?
Ein Windstoß vernichtet den letzten Funken von Ordnung, den sie noch vorweisen konnten. Shouta liegt halb auf dem Tisch und versucht die unzähligen Papiere am Wegfliegen zu hindern, als eine Hand ihm plötzlich durchs Haar wuschelt und dann an ihm vorbei greift, um ihm zu helfen.
„Drinnen hättet ihr es leichter.“, murmelt Kahoko ihm zu, als er sich aufsetzt und sie mit ein paar Steinen die Zettel beschwert.
„Ich hoffe, die Steine sind sauber.“, knurrt Michirou um ihren Strohhalm herum.
„Klar.“ Kahoko wird noch nicht mal rot, als sie Dreck und Erde weg schnippt.
„Kann ich mal kurz mit dir reden.“ Das ist an Lia gerichtet, die überrascht die Augenbrauen hebt und reflexartig rot wird.
„Ich? Wieso?“
„Weil halt. Können wir? Unter vier Augen?“
Michirou blickt desinteressiert zurück auf den Tisch und Shouta ist sehr bemüht, unsichtbar zu sein, aber das ist nicht das Problem. Lia seufzt.
„K-Kannst du nicht hier reden? Ich meine, Michirou ist der Vizekapitän und hat auch mit zu entscheiden und Itou-kun ist unser Coach.“
Kahoko kneift die Augen zusammen und atmet tief durch.
„Na schön. Ich will ins Team.“
Die Reaktionen sind gemischt. Lia quiekt überrascht auf, Shouta strahlt wie ein Honigkuchenpferd und Michirou fällt das Saftpäckchen aus der Hand.
„Also?“
Shouta ist der erste, der sich erholt und sie im Sitzen umarmt, seinen Kopf in ihre Magengrube drückt. Lia will antworten, aber Michirou kommt ihr zuvor.
„Auf gar keinen Fall.“
Shouta lässt los und dreht sich zu der Zweitklässlerin um. Sie starrt ihn drohend an, fordert ihn stumm heraus, etwas zu sagen. Er wird rot, dann blass und dreht sich eingeschüchtert weg.
„Hast du das denn überhaupt zu entscheiden?“ Kahoko ist angemifft, dass sieht und hört man und umso mehr macht es Michirou Spaß ihr das Benehmen vom letzten Mal zurück zu zahlen.
„Ja. Ja, tatsächlich, ich darf das entscheiden. Nett, dass du gefragt hast, vielleicht sieht man sich ja mal in den Pausen. Und tschüss.“ Sie winkt der Erstklässlerin affektiert und kriegt dafür von Lia den Ellbogen in die Rippen.
„Michirou! Wir brauchen sie!“
„Nein, tun wir nicht. Wir brauchen ganz sicher keine aufsässige Erstklässlerin, die sich für was Besseres hält.“
Kahoko schnaubt und Lia sucht nach einer guten Antwort. Warum nur ist sie nicht schlagfertig geboren worden?
„Und wenn ich gegen dich gewinne?“, meldet sich Kahoko wieder zu Wort und Michirou wird ganz ruhig. Beängstigend ruhig. „Das One on One, das du wolltest. Wir spielen um einen Platz im Team. Wenn ich gewinne, darf ich mitspielen.“
„Und wenn ich gewinne?“ Michirou beißt sich auf die Zunge. Zu spät. Sie hat schon gefragt.
Kahoko lächelt. „Dann frag ich nie wieder.“
„Ah, trotzdem nein.“ Sie dreht den Kopf weg und Kahoko schnaubt, tätschelt Shoutas Schulter und geht. So wird das nichts.

-

Den ganzen Nachmittag lang ist Kahoko unkonzentriert.
Sie ist wütend, vor allem auf Michirou, aber auch auf sich selbst. Denn hinter der ganzen Wut steckt doch ein Funken Verstand und ihr Verstand sagt ihr, dass Michirou Recht damit hat, vorsichtig zu
sein. Kahoko knurrt und Megumi neben ihr wirft ihr einen vorsichtigen Blick zu.
„War das dein Magen oder du?“
„Ich.“, seufzt Kahoko und tastet abwesend nach ihrem Handy. Sie hat überlegt, Kazunari anzurufen und es wieder verworfen. Auch an Shoichi hat sie gedacht, schließlich wollte sie mit ihm noch über ihr Date mit Sakurai reden, aber auch dazu hat sie sich noch nicht überwinden können.

Schließlich klingelt es zum Schulschluss und Kahoko hat immer noch keine Idee, was sie machen soll.
„Kommst du noch mit zum Training?“
Kahokos erster Reflex ist abzulehnen. Sie hat keine Ahnung, wie sie mit der Absage umgehen soll und möchte dem ganzen einfach nur ausweichen. Aber wenn sie nicht zum Training kommt, dann sieht das nur nach noch mehr Desinteresse aus.
„Okay.“
Sie hakt sich bei Tsunako und Megumi unter und schlendert zur Sporthalle.
Auf halbem Weg werden sie von den Zwillingen eingeholt. Shouta begrüßt sie mit einem schüchternen Lächeln, aber Nanami holt sofort ihr Notizbuch hervor und unterbreitet ihr einen komplizierten 3-Stufen-Schlachtplan, der Kahoko schnurstracks ins Team befördern wird.
„Ehm... Nana-chan, nimms mir nicht übel... aber das ist mir dann doch etwas zu heftig.“
Nanami stockt, schiebt für einen Moment schmollend die Unterlippe vor und nickt dann doch. „Gut, ist deine Entscheidung. Aber jetzt lasst uns gehen.“

- - - in der Sporthalle
„Und was willst du mit der Göre jetzt machen?“ Shinji saugt an ihren Snake-Bites und schießt einen Lay-up, bevor sie sich wieder Kapitän und Vize zuwendet.
„Nenn sie nicht Göre.“, zischt Lia peinlich berührt und sieht sich um, ob es jemand gehört hat. Außer ihnen ist noch keiner da. Das ist das praktische daran, wenn man ne Stunde früher aus hat als der Rest des Teams.
„Aber sie ist doch ne Göre, oder hab ich da was falsch verstanden. Michirou, sag doch auch mal was?“
Michirou grunzt, schnappt sich einen der Bälle und beginnt gedanken verloren zu dribbeln.
„Ich weiß doch auch nicht. Vielleicht ist sie gut, vielleicht ist sie auch einfach nur eingebildet. Auf jeden Fall muss sie uns respektieren, sonst haben wir wieder die gleiche Sauerei zusammen wie mit den Zicken aus unserer Stufe, die jetzt beim Volleyball sind.“
„Und wie willst du sie testen? Normalerweise knöpfst du dir doch alle Anwärter in nem kleinen Spiel vor, aber wenn du nicht gegen sie antreten willst, kann ich das auch machen. Oder Lia, aber die spielt immer so höflich. Nicht böse gemeint, Kapitän.“
„Ist schon okay.“ Lia winkt verlegen lächeln ab und wirft einen schönen Drei-Punkte-Korb, während Michirou auf ihrer Lippe herum kaut.
„Wenn ich sie dir überlasse, dann ist das so als würde ich aufgeben.“, murrt sie, kneift die Augen zusammen und wirft den Ball. Er knallt gegen das Brett und sie reagiert mehr aus Reflex als aus Überlegung, rast über den Platz und schafft einen Rebound.
Als sie wieder sicher mit beiden Beinen auf dem Boden steht, ist ihre Unsicherheit Entschlossenheit gewichen.
„Wenn sie zum Training auftaucht, dann spiel ich gegen sie und schaue, was sie kann und wie angeberisch sie wirklich ist.Wenn sie nicht auftaucht, dann können wir sie sowieso vergessen.“
Ihre Teamkolleginnen nicken und zu dritt bereiten sie alles für das Training vor. Jeden Moment werden die ganzen Erstklässler eintrudeln.

Michirou wird als erste auf Kahoko aufmerksam. Sie runzelt die Stirn, stößt Lia an und seilt sich von der Gruppe ab.
„Komm mit.“
Kahoko hebt die Augenbrauen, folgt dem älteren Mädchen aber wortlos. Michirou schnappt sich einen Ball und stößt die schwere Hallentür auf, lotst Kahoko hinaus auf den Sportplatz und zu dem Basketballkorb.
„Bevor jemand in dieses Team darf, muss ein Test bestanden werden. Der Test besteht üblicherweise aus einem One on One. Das wolltest du ja sowieso, oder?“
„Ich will nicht gegen dich spielen.“
Michirou lässt den Ball fallen und starrt Kahoko sprachlos an, bevor sie wütend die Augen zusammen kneift. „Ehrlich jetzt, willst du mich verarschen? Was spielst du für ein Spiel? Erst siehst du dir alles an, dann willst du nicht ins Team. Dann willst du doch und jetzt willst du wieder nicht? Was willst du überhaupt?“
„Ich will nicht gegen dich spielen, ich will mit dir spielen.“ Kahokos Stimme ist ganz ruhig, sie bückt sich und hebt den Ball auf, hält ihn Michirou entgegen, die sie immer noch misstrauisch mustert.
„Warum?“ In dieser Frage schwingt so viel mit.
Kahoko senkt den Blick, scharrt mit der Schuhspitze über den Boden. Sie will, dass dieses Team anders wird als ihr letztes. Wie wärs mal mit Ehrlichkeit, denkt sie, verzieht die Lippen zu einem schrägen Lächeln und sieht wieder auf.
„Ich hab das bis jetzt erst einem anderen Menschen erzählt und es klingt vermutlich ziemlich wahnsinnig. Aber ich brauche ein Team um gegen meinen Bruder antreten zu können. Damit er mich besiegen kann.“
„Du willst ein Spiel absichtlich verlieren?“
„Nein, nicht mit Absicht. Ich will nur, dass er mal kapiert, dass er viel besser ist als ich und wenn wir nur zu zweit spielen, steht er sich immer selbst im Weg.“
Michirou nickt, obwohl sie es nicht ganz versteht. Wie könnte sie auch.
„Und wir sind schlecht genug?“
Kahoko lacht. „Nein, eigentlich sind wir viel zu schlecht. Sie würden uns nicht mal ernst nehmen. Aber ich mag die Schüler hier und ich glaube, wir haben Potential.“
Es ist das kleine Wörtchen wir, das Michirou überzeugt. Kahoko zählt sich bereits dazu.
„Und wenn dein Bruder uns besiegt hat, dann verlässt du uns wieder?“
Kahoko denkt kurz nach, überlegt sich, was sie wirklich will. Dann schüttelt sie den Kopf.
„Ich glaube nicht, dass ich auf die Dauer ohne Basketball leben kann. Und wenn wir gut genug sein können, dass Shintarou uns als Gegner sieht. Dann können wir auch gut genug sein, um als Team zu gewinnen.“
Kahoko grinst und Michirou lässt sich von ihr anstecken. Sie streckt der Erstklässlerin den Ball entgegen.
„Also von mir aus bist du aufgenommen. Aber du musst trotzdem noch den Test bestehen.“
Kahoko grinst, schnappt sich den Ball. „Dann lass uns anfangen, Chi-chi-senpai.“
Chi-chi-senpai? Na warte!

-

„Und?“, fragt Lia, als die beiden zurück in die Halle kommen.
Zwar ginsen beide, aber Kahokos Nase ist angeschwollen und ihr klebt Blut im Gesicht.
„Ich hab den Ball ins Gesicht gekriegt.“, grinst Kahoko und nimmt mit einem dankbaren Lächeln ein Feuchttuch von Nanami entgegen.
„Schaut mich nicht so an, ich war's nicht!“, Michirou hebt abwehrend die Hände, „Kahoko war abgelenkt und wollte den Ball wohl mit dem Gesicht fangen.“
Kahoko selber grinst nur. Sie weiß, was sie abgelenkt hat. Michirou spielt mit Rhythmus. Und wo Rhythmus ist, da ist auch Potential.

„Und was ist jetzt bei dem One on One rausgekommen?“, stellt schließlich Shinji die Frage, die allen unter den Nägeln brennt.
Michirou grinst, schnappt sich den Ball und wirft ihn Kahoko zu. „Na was wohl? Sie gehört jetzt zum Team.“

- - -

Abends, derselbe Tag:
Sabaki Tsunako gähnt hinter vorgehaltener Hand, reibt sich über die Augen und nimmt einen großen Schluck von ihrem Latte Macchiato mit Karamell. Nach dem harten Training heute hat sie sich das Karamell verdient und das Koffein sowieso. Sie lächelt in sich hinein und stellt sich in den Schatten. Mit Kahoko im Team haben sie einen Glückstreffer gelandet. Klar, sie hatten heute nur Ausdauer und Krafttraining. Shouta will die Grundfähigkeiten des ganzen Teams stärken, bevor er zu den Feinheiten übergeht. Was bedeutet, dass ihr Training aus sehr wenig tatsächlichem Spiel und viel mehr nervenzermürbenden Übungen besteht. Aber Kahoko ist gut darin. Und sie hat ihren Spaß daran.
Letzteres ist vor allem Tsunako wichtig, auch wenn sie es nicht leichtfertig zugeben würde. Aber dieses sture trainieren ist auf die Dauer unglaublich langweilig und zäh. Dass sie jetzt jemanden wie Kahoko haben, die atemlos Witze erzählt – obwohl sie jedes einzelne Mal die Pointe vermasselt – oder sich in einer unbeobachteten Minute auf den Coach stürzt, um ihn durchzukitzeln, das macht alles sehr viel erträglicher.
Tsunako lächelt immer noch in sich hinein, als der Zug einfährt und sie einsteigt. Dafür, dass Montagabend ist, findet sie überraschend leicht einen Sitzplatz. Sie betrachtet ihr Spiegelbild in der gegenüberliegenden Fensterscheibe und zupft die Schleife zurrecht, mit der sie sich ihr oranges Haar zur Seite gebunden hat. Als sie endlich mit ihrem Aussehen zufrieden ist, lehnt sie sich zurück, nippt an ihrem Kaffee – und verschluckt sich dran.
Neben ihrem Spiegelbild sitzt ein Junge, nicht viel älter als sie, und lächelt sie belustigt an.
Jetzt hält er mich für ne eingebildete Tusse. Tsunako beißt sich auf die Lippe und senkt verschämt den Blick. Jetzt kann sie nur noch seine Füße sehen, genauer gesagt seine Turnschuhe. Eine Haltestelle weiter bewegen sich die Füße, er steht auf und sie blickt zur Seite. Wenn sie ihn jetzt ansieht, wo er doch geht, dann fühlt sie sich zu einem Abschied verpflichtet und das kriegt sie jetzt ganz sicher nicht auf die Reihe.
„Deine Schleife ist hübsch.“
Ihr Kopf zuckt hoch. Der Junge steht nur einen Schritt von ihr entfernt und hält sich an einem der Trageriemen fest. Er ist eindeutig Sportler, das sieht sie an seiner Körperhaltung – und seinen Muskeln. Tsunako verschluckt sich erneut und hustet, kneift die Augen zusammen.
„D-danke.“, kriegt sie irgendwann hervor, als ihr aufgeht, dass er ja was zu ihr gesagt hat. In Momenten wie diesen möchte sie ihrer Schüchternheit am liebsten einen Tritt in den Hintern geben.
„Fährst du oft mit dieser Linie?“
Tsunako nickt, sie traut ihrer Stimme nicht.
„Das ist gut. Ich muss hier nämlich raus, aber dann sieht man sich ja wieder.... Tschüss, hübsches Mädchen.“ Er lächelt ihr zu, streckt die Hand aus und tippt ihr gegen die Schleife, als wäre es eine Art Geheimgruß.
„I-ich heiß Tsunako.“, quiekt sie nervös und der Junge schmunzelt.
„Hi Tsunako. Ich bin Reo. Bis dann...“, er hebt die Hand zum Abschied, als der Zug hält und die Türen sich öffnen. Sie winkt ihm zu und blickt ihm nach, als er zwischen all den Leuten verschwindet. Als sie zurück zum Fenster blickt, ist sie überrascht, wie rot ihre Wangen jetzt sind. Und wach ist sie jetzt auch irgendwie. Richtig hibbelig.
- - - -

Hallo ihr Lieben, das war mal wieder ein neues Kapitel von mir. Ich hoffe, es gefällt euch.
Da die Kapitel jetzt kürzer sind, krieg ich meist nur drei oder vier Szenen pro Kapitel unter. damit das für euch neben dem Storyverlauf aber nicht zu langweilig wird, sagt mir bitte, wovon ihr gerne mehr sehen würdet, welche Charaktere einfach viel zu selten vorkommen, etc. etc. etc. also her mit euren Ideen, Anregungen, Bitten und, wenn nötig, auch Kritik.
Liebe Grüße
das Poettierchen
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