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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
23
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
02.08.2015 2.421
 
Für eine bessere Übersicht der OC's:  Bilder und Zusammenfassung

Kopie gegen Spiegel / Gewissensbisse


Fünf Minuten im Spiel und Kaijo liegt bereits in Führung, als Kise den Ball von Moriyama zugepasst kriegt. Zwischen ihm und dem Korb liegen mindestens drei Viertel des Platzes. Kahokos Herz sackt ihr eiskalt in die Magengrube, glühendheißer Zorn spritzt ihr durch jede einzelne Ader, als sie sieht wie Kise leicht in die Knie geht. Es ist eine wunderschöne Wurfhaltung, wirklich, und hätte sie nicht gewusst und gesehen, dass es lediglich eine billige, unverschämte Kopie ihres Bruders ist, sie hätte vermutlich nur noch Herzchen gesehen. So aber ist es anders.
Der Ball verlässt Kises Hände, Shintarous perfekter hochachsiger Wurf... einach kopiert. Kahoko schießt aus ihrem Stuhl hoch wie eine abgefeuerte Rakete, ein Strom von Fluchwörtern und Beschimpfungen auf der Zunge, die jeden Seemann erröten lassen würden. Sie will brüllen, kreischen, toben, sich einen Weg aufs Spielfeld bahnen und diesen Kise kurz und klein prügeln.
Sie kommt nicht mal vollständig hoch, ein Arm knallt mit Wucht gegen ihren Brustkorb, eine Hand schließt sich fest um ihren Mund, als sie in ihrem Schwung taumelt. All die Beleidigungen werden zu einem undeutlichen Genuschel gedämpft. Sie kämpft gegen die Hand, beißt in die Finger und wehrt sich gegen den Arm, der ihr im Weg ist, den Körper, der sich vor ihren geschoben hat.
Kahoko hat keine Chance. Sie ist größer als Shoichi, das schon, aber während sie in blinder Wut um sich schlägt, musste er nur seine Muskeln mit seinem Köpfchen kombinieren um bliztschnell die Oberhand zu gewinnen.
Kahoko wird zurück in ihren Sitz gedrükt, Shoichi beugt sich über sie, die Hand immer noch auf ihren Mund gepresst. „Benimmst du dich?“
Sie funkelt ihn wütend an, nickt aber. Er nimmt die Hand weg, wischt sie an ihrer Hose ab und inspiziert den Abdruck ihrer Zähne. „Du hast mich gebissen.“
Kahoko errötet, schiebt aber trotzig die Unterlippe vor. „Selbst Schuld. Hättest du mich halt gelassen.“
„Dann wärst du hier schneller rausgeflogen, als du Piep sagen kannst. Ich wusste, dass Plätze ganz hinten eine gute Iee sind. Du schuldest mir was.“ „Und was?“, giftet Kahoko zurück und erwartet halb, dass er es wieder als Scherz abtut. Aber sie täuscht sich. Er lächelt und dieses Lächeln ist anders als sonst. „Einen Gefallen. Keine Sorge, ich werde dir frühzeitig Bescheid geben.“
Sie grunzt, verschränkt die Arme vor der Brust und dreht sich zurück zum Spielfeld. Die anderen Zuschauer um sie herum haben nichts von ihrer Diskussion mitbekommen, dank Shoichis schneller Reaktion und der Tatsache, dass sie in der letzten Reihe neben dem Gang sitzen und der Junge neben Kahoko damit beschäftigt ist, seiner Freundin die Zunge in den Hals zu schieben.

Noch ganze fünf Mal muss Kahoko mit ansehen, wie diese Ausgeburt an Schamlosigkeit die Würfe ihres Bruders einfach kopiert. Sie zittert, die Hände zu Fäusten geballt, aber sie beherrscht sich. Wenn man bedenkt, wie lange sie und Shintarou trainiert haben, bis sie genau die richtige Achse hatten, genug Ausdauer, um es effektiv nutzen zu können. Sie weiß nicht, wie lange er trainiert hat, um den Trick so gut kopieren zu können, aber wenn man bedenkt, dass man ihn auch „Copycat“ nennt, dann will sie es vielleicht auch gar nicht wissen.
Das Spiel endet, nicht sehr überraschend, mit einem Sieg für Kaijo. Die Teams verbeugen sich voreinander, Kahoko dreht sich ruckartig zu Shoichi um. „Lass uns gehen.“
„Huh? So schnell schon?“
„Ja!“, es kommt mehr wie ein Knurren heraus, aber er lässt sie und steht auf. Kahoko stapft an ihm vorbei, die Gänge entlang, jeder Muskel in ihrem Körper sichtlich angespannt. Sie will einfach nur raus, vielleicht kurz auf einem Basketballplatz vorbei schauen und sich die Wut aus dem Körper trainieren, aber sie will keinen Ärger und den wird sie sicherlich anzetteln, wenn sie nicht- „Oi, Midorimacchi, hast du dir mein Spiel angesehen?“ Kahoko gefriert das Blut in den Adern, sie dreht sich zu der lauten Stimme um.
„Wie hast du mich gerade genannt?“
Der blonde Kaijospieler lacht auf. „Oi, sorry, ich dachte, du wärst ein Freund von mir.“ Er lächelt zuckersüß.
Kahoko starrt ihn an, als wäre ihm eine zweite Nase gewachsen. „Ein Freund von dir?“
Kise stockt. „Eh ja... Oh! Sag bloß, du kennst Midorimacchi!“
„Es heißt Midorima! Das ist ein ehrenwerter Name, du kleiner-!“ Shoichis Hand presst sich mit Wucht auf ihre Lippen und verschluckt die Beleidigung, aber diesmal steht Kahoko bereits. Sie beißt Shoichi erneut in die Finger und tritt ihm gleichzeitig mit Wucht auf den Fuß. Nicht sehr nett, aber das ist ihr egal. Er lockert seinen Griff für einen Moment, aber vielleicht auch mit Absicht. Sie macht sich von ihm los, wirft ihm ihre Tasche zu Füßen und ist im nächsten Moment bei Kise.
„Du! One-on-One! Jetzt!“
Kise lacht verblüfft auf und hebt die Hände. „Immer langsam, okay, ich hatte grade eine Spiel“
„Entweder du spielst gegen mich, oder ich verprügel dich, los, komm!“ Sie packt ihn am Kragen und zieht ihn mit. Er gehorcht, zu verdattert, um überhaupt Widerstand zu leisten.
Im nächsten Moment ist Shoichi schon wieder an ihrer Seite, ihre Tasche baumelt von seiner Schulter. „Kahoko, du trägst keine Sportklamotten.“
Er blickt an ihr runter, enge Jeans und die dämliche rosafarbene Bluse, die ihre Mutter ihr noch aufgedrängt hat, damit sie aussieht, als würde sie sich beim Lernen Mühe geben. Sie grunzt. „Das geht schon.“
Sie erreichen die Eingangstür und Kahoko weiß noch von vorhin, dass gleich daneben ein Sportplatz ist. Erinnert sie zwar an das Spiel gegen ihren Bruder, aber wenn sie heute wieder so gewinnt wie letztes Mal, ist es vielleicht gar nicht mal so übel.
Kise stolpert hinter ihr, ausnahmsweise schweigend, bis sie den Platz erreichen, dann richtet er seinen Kragen wieder her und versucht auf sie herunter zu blicken, bis er feststellt, dass sie gleich groß ist wie er. Mist. Er blickt zurück zum Haupteingang, wo jemand in einem Kaijotrikot auftaucht und sie entdeckt und verpasst so, wie Kahoko die Gürtelschnalle ihrer Jeans öffnet.
Shoichi hingegen sieht alles und mustert Kahoko, die in Boxershorts und Sportsbra vor ihm steht, mit hochgezogener Augenbraue. „Du hast also kein Schamgefühl, hmm?“
Sie zuckt die Schultern und dreht sich zu Kise, der ihr erst jetzt den Blick zuwendet. „Whoa, was soll das?“
„Ich spiele gegen dich. Der erste mit 10 Körben gewinnt.“
„Vergiss es! Kise, wenn Senpai dich hier draußen erwischt, killt er dich.“, erklärt ein Kaijospieler mit grauen Haaren und Brille, der erst jetzt zu ihnen aufgeschlossen hat. Kise will antworten, aber Kahoko kommt ihm zuvor und drückt dem Neuankömmling den Ball in die Hand. „Soll er doch, ist mir nur recht, aber erst, wenn ich gegen den Schnösel gewonnen habe. Du machst den Tip Off.“
Nakamura Shinja blickt hilfesuchend ausgerechnet zu Shoichi, der ihm lächelnd zunickt. Geschlagen stellt er sich hin – und wirft den Ball in die Luft. Kahoko erwischt ihn ganz knapp, dribbelt um Kise herum und wirft von hier aus einen Korb.
„Oh...“, macht der, das Gesicht blank gewischt von seinem übertriebenen Lächeln, „Du bist eine weibliche Midorimacchi.“
„Hana Kahoko.“, stellt sie sich vor und deutet auf den Ball, „Und wenn du mich nicht ernst nimmst, tret ich dir in den Hintern.“

Shoichi steht neben Nakamura Shinja und obwohl er mit Kahokos Tasche um die Schultern und ihrer Kleidung in den Armen aussieht, wie bestellt und nicht abgeholt, lächelt er zufrieden. Denn nachdem Kise sich von der ersten Überraschung erholt hat, gibt er Gas. 10 Körbe sind schnell gemacht, das sind keine vierzig Minuten Spielzeit, in der er sich seine Kräfte gut einteilen muss. Klar, Kahoko ist eine gute Spielerin. Und ja, ihr Talent ähnelt dem Kises. Sie kopiert zwar nicht, sie spiegelt eher. Aber mit Kise hat sie sich den falschen Gegner ausgesucht, denn er switcht in rasantem Tempo zwischen Spielstilen hin und her. Er muss nicht mal die Generation der Wunder selbst kopieren, es reicht schon, dass er ohne Vorwarnung von einem Stil in den anderen gleitet.
Kahoko hat ein beeindruckend schnelles Spieltempo drauf, aber ihre seltsame Spiegeltechnik ist verflucht langsam, denkt Shoichi, als Kise das Mädchen erneut hinter sich lässt.

Es steht 10:4. Kise gewinnt. Kahoko steht da, atemlos, die Hände auf den Kien, einen bitteren Geschmack im Mund. Ich hätte ihn verprügeln sollen, denkt sie. Selbstverachtzung zerrt an ihre Knochen und drückt sie zu Boden. Da will sie sich einmal nicht für ihre eigene Ehre, sondern die eines anderen einsetzen und dann verliert sie. Toll!
Sie atmet tief durch, wischt sich mit der Hand über die Stirn. „Kise.“
Er dreht sich zu ihr um. Gott sei Dank lächelt er nicht, das hätte sie jetzt nicht verkraftet. „Hanacchi, das war ein tolles Spiel. Lass und das bald wiederholen.“
Sie starrt ihn an, schüttelt den Kopf und verlässt den Sportplatz ohne ein Wort. Am Ende der Straße wartet sie auf Shoichi, nimmt ihm ihre Sachen ab und zieht sich an.
„Alles in Ordnung mit dir?“, er legt ihr nicht die Hand auf die Schulter, aber das ist auch gut so.
„Nein.“ Sie schüttelt den Kopf, bemüht, ihre Gedanken zu ordnen. „Nein, natürlich nicht. Ich wollte für meinen Bruder einstehen und hab total versagt, sowas steckt man nicht einfach so weg.“
„Kise war der falsche Gegner für sowas. Ihr...“ „Sag nicht, dass wir uns zu ähnlich sind oder ich schwöre dir, du bereust es.“
Er lächelt. „Kahoko. Ihr seid euch ähnlich, aber das ist nicht das Problem. Nur wenige haben Fähigkeiten, die gegen Kopierkunst was ausrichten können. Wir haben glücklicherweise so jemanden in unserem Team.“
Kahoko, den Mund zu einer scharfen Erwiderung geöffnet, hält inne und starrt ihn an. „Wirklich? Was kann er?“
„Ein weiteres Mitglied der Generation der Wunder, Aomine Daiki. Kise hat noch nie gegen ihn gewonnen und Aomines formloser Stil scheint bis jetzt unkopierbar.“
Kahoko schnaubt. „Aomine, sagst du? Das muss Mi-chans Bruder sein. Ist mir egal, was er macht, solange er es drauf hat. Als Kapitän kannst du doch sicher dafür sorgen, dass ihr Kaijo in der Inter-High so richtig fertig macht.“
Da schwingt ein Unteron in ihrer stimme mit, der ihm gefällt. Er lächelt. „Natürlich, aber es kostet dich einen weiteren Gefallen.“
Sie zuckt mit den Schultern und verschränkt die Arme hinterm Kopf. „Das ist es mir wert.“
„Ich werde ich dran erinnern... Demnächst werden wir gegen Seirin spielen. Irgendwelche Wünsche?“
„Seirin? Hmm, das ist schwer. Ihr Power Forward ist ein Bekannter von mir. Aber sie haben gegen Shutoku gewonnen und ich denke, ich kann gefahrlos sagen: Keine Gnade.“
„Freut mich, mit dir Geschäfte zu machen.“ Oh Kahoko, wenn du wüsstest, worauf du dich da einlässt. Du merkst noch nicht mal, wie du mir nacheinander all deine Geheimnisse verrätst. Was dich ärgert... es ist schon fast schade um dich.

Sie verzieht sich so schnell wie möglich aufs Zimmer, stöpselt ihren Kopfhörer an die Anlage, die sie sich mit Babysitten erarbeitet hat und legt den deftigsten Technomix ein, den sie auf Lager hat. Sie liegt auf dem Bett, die Glieder von sich gestreckt, ihr Herz rast im schwindelerregenden Rhythmus der Musik. Sie vibriert vor Zorn, krampfhaft bemüht, auf Kise wütend zu sein. Eine recht simple Strategie, aber es klappt nie. Sie kann sich selbst nur eine gewisse Zeit lang vorgaukeln, auf wen sie wirklich sauer ist. An der Stelle beißt sie in ihr Kopfkissen, um nicht zuschreien. Dann heult sie Zornestränen. Es ist eine sehr rutschige Wendeltreppe, diese Gedanken.
Kise kopiert meinen Bruder. Wie kann er es wagen. Der hat nicht mal eigene Tricks, das ist richtig erbärmlich. Der erste Gedanke, die erste schlüpfrige Stufe.
Eigentlich bin ich genauso. Und schon das erste Mal daneben getreten. Nein! Stimmt nicht! Ich kopiere nicht! … Aber den hochachsigen Wurf hat sich Shintarou ausgedacht... Wir sind Zwillinge, es ist nur natürlich, dass wir ähnliche Stärken haben... Aber Tatsuya ist nicht mein Zwilling und seinen Mirage Shoot hab ich auch kopiert.
Sie wirft sich im Bett herum, die Technomusik plötzlich schmerzhaft in ihren Ohren. Sie schaltet ab, aber die Stille ist noch schlimmer. Nichts übertönt ihre Gedanken.
Panisch sucht sie in ihrem CD-Stapel und findet eine Klassik-CD, die sie Shintarou hatte schenken wollen. Schwanensee mochte er immer gern, aber irgendwie ist sie dran hängen geblieben. Sobald die ersten Töne durch ihre Kopfhörer dringen, atmet sie auf. Sie ist wieder 6 Jahre alt und steht mit Shin-Shin im Tanzstudio.
Kahoko hört die CD rauf und runter, aber sie kann nicht aufhören zu denken. Wenn sie nicht über die elendige Kopiersache grübelt und der Erinnerung an die heutige Niederlage as dem Weg geht, bleibt immer noch genug, für dass sie sich schämen kann. Allen voran dieser gewalttätige Zug, den sie nicht aus sich herausbringt.
Ich hab Kise gedroht, ihn zu verprügeln. Ich hab Shoichi gebissen. Ich hab diesem Jungen im Park eine runter gehauen... An der Stelle versucht der kleine, gewalttätige Teil von ihr sich heraus zu reden. Moment! Ich hab die Zwillinge beschützen wollen!
Aber so viel Macht er auch hat, wenn sie anfängt, sich fertig zu machen, hat er gar nichts mehr zu melden.
Das hätte man auch anders lösen können! Du musst dich entschuldigen, es wieder gut machen!

An dieser Stelle zeigt ihr Wecker halb 12 Uhr nachts.
Im Haus ist es dunkel und still, als Kahoko es nicht mehr aushält. Sie huscht die Treppe hinunter, das Haar zerzaust, ein Schlafshirt ist ihr halb über die Schulter gerutscht, ihre Shorts trägt sie verkehrt herum. Sie muss, muss, muss einfach etwas tun, ihre Fehler gut machen, sich entschuldigen, Ausgleich schaffen. Zuerst bei Kise, ja, dort fang ich an.
Sie ist schon eine halbe Stunde durch die Nacht gejoggt, als ihr einfällt, dass sie nicht weiß, wo Kise wohnt. Sie beißt sich auf die Lippen und tastet die Taschen der Jacke ab, die sie sich in ihrer Eile übergewofen hat. Ein paar Geldscheine, ein alter Kassenbeleg, ein abgenagter Bleistift. Kein Handy, mit dem sie jemanden anrufen und fragen hätte können.
Geschlagen trottet sie zurück nach Hause, bleibt bei einer Tankstelle stehen, als ihr eine Idee kommt. Sie weiß nicht, wo Kise wohnt, aber bei Shoichi weiß sie es.

Als sie früh morgens wieder in ihr Zimmer huscht und mit ihren Mathematik-Hausaufgaben anfängt – schlafen kann sie jetzt auch nicht mehr – liegt im Briefkasten der Imayoshis eine Schachtel Tankstellenpralinen. Auf dem Deckel steht Shoichi. Als er es nach dem Frühstück öffnet, fällt ihm ein Beleg für Tomaten, Reis und Kartoffeln entgegen. Auf der Rücksteite steht in Kahokos krakeliger Schrift: „Tut mir leid, dass ich dich gebissen und mich blöd verhalten habe. Sag mir, wie ich es wieder gut machen kann.“
Na sowas.
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