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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
24
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Dieses Kapitel
1 Review
 
13.03.2017 4.587
 
Als ihr Handy ihr eine Nachricht von Nanami anzeigt, ist Chikara gerade mal zur Hälfte durch die Kapitel durch, sie hat einen heulenden Autor am anderen Ende der Leitung und ist mehr als nur einverstanden damit, den Rest ihres Mädchenabends nächste Woche nachzuholen.
„Wirklich, glauben Sie mir, der Charakter des Mädchens ist ihnen gut gelungen. Ich sage das nicht nur so...“
Chikara unterbricht sich, als jemand sachte gegen die Trennwände ihres Schreibtisches klopft. Sie hat ein Headset auf und ihr wird ins Ohr geheult, aber das könnte auch wichtig sein, also dreht sie die Lautstärke leiser und ihr Mikro auf stumm.
„Ja?“
Sakura schiebt seinen Kopf um die Wand herum und lächelt sie schüchtern an.
„Ich hab dir Kaffee gebracht.“, erklärt er und hält ihr einen Becher hin, „Ich wollte grade gehen, als ich dich kommen gesehen habe und ich dachte, du brauchst vielleicht nen Wachmacher.“
Sie lächelt zurück, zum ersten Mal seit langem nicht in der Laune, aus dieser netten Geste einen wilden Flirt zu machen.
„Danke...“, sie nimmt den Becher, „Mein Autor hat gerade einen Nervenzusammenbruch, wie es scheint...“
Sakurais Lächeln wackelt sichtlich.
„Dann… dann ist jetzt wohl nicht der richtige Zeitpunkt, ich… frag dich dann morgen...“
Er will sich umdrehen und gehen, aber spielt nicht umsonst noch immer Basketball in ihrer mageren Freizeit. Sie packt ihn am Oberarm.
„Frag, was du fragen willst, ich glaube nicht an richtige Zeitpunkte.“
Er leckt sich nervös über die Lippen und sie muss seltsamerweise an das Bild denken, dass auf seinem Schreibtisch steht. Sakurai inmitten seines Basketballteams von der Touou, ein kleiner, schmaler Junge inmitten von großen und muskulösen Kerle, er der beinahe lächerlich wirkende Kapitän neben dem Ass Aomine.
Vielleicht ist dieser Gedanke auch nicht so weit hergeholt, fällt Chikara ein, schließlich zeigt es, dass seine Stärken nicht im Offensichtlichen liegen- Mist, was hat er gesagt, ich hab nicht zugehört!
„Könntest du das nochmal wiederholen?“, fragt sie ehrlich verlegen und deutet auf ihr Headset, „Man hat mir grade ins Ohr geheult.“
Er lächelt verstehend, aber nicht minder nervös.
„Würdest du mit mir ausgehen? E-e-erst mal nur auf einen Kaffee oder so, um zu sehen, was da zwischen uns ist, aber-“
„Gerne.“, unterbricht sie ihn und er öffnet und schließt seinen Mund wie ein Fisch auf dem Trockenen.
„Oh… ich… ich hab ehrlich gesagt nicht erwartet, dass du ja sagst, aber… Dann… wann hast du Zeit?“
Chikara beißt sich auf die Lippe, dann grinst sie.
„Warte einen Moment.“, sie duckt sich zurück an ihren Schreibtisch und schaltet ihr Mikro wieder ein.
„Akanishi-san, Sie müssen sich jetzt wirklich zusammen reißen.“, unterbricht sie die Heulattack mit fester Stimme, „Sie sind ein sensationeller Autor und auch als solcher darf man zweifeln, aber Sie sind auch ein Vorbild für alle anderen Autoren da draußen und wenn Sie sich von diesen Zweifeln lähmen lassen, was werden all unsere jungen Nachwuchsautoren denken, unsere Leser, unsere Fans? Sie sind ein Genie, ihre Charaktere geben so vielen Leuten Hoffnung und Kraft und Mut und ich weiß, dass Sie das können, also...“
„D-das… so habe ich das noch nie gesehen...“, stammelt er in den Hörer und Chikara lächelt ihr kleines, zufriedenes Siegeslächlen, als er sie fast schon rüde abwimmelt, weil er jetzt weiter schreiben muss.
Chikara legt ihr Headset weg, schaltet ihren Computer aus und nimmt ihre Tasche.
„Ich habe einen Kaffee...“, erklärt sie und nimmt ihren Becher, „Du hast einen Kaffee. Wie wäre es mit einem Spaziergang durch den Park, ist das eine Idee für ein erstes Date?“
Sakurai erwidert ihr Lächeln und deutet ihr, sich bei ihm unterzuhaken.
„Das schönste, das ich mir vorstellen kann.“

- - -

Als Megumi aus Michirous Wagen klettert und die Tür hinter sich schließt, klingelt Michirous Handy.
Sie winkt Megumi und zieht es aus der Tasche.
Tsunako hat ein Bild in ihren Gruppenchat gepostet und Michirou lächelt, als sie es sieht.
Tsunako und Reo sitzen nebeneinander, er hat seinen Arm um sie geschlungen und beide lächeln in die Kamera.
Darunter steht ein einfaches Alles geklärt. Wir sind wieder zusammen.
Manchmal können die Dinge auch ganz einfach sein.

Mirai muss auch schon längst zuhause sein, hat aber nichts geschrieben und wenn man ihre Situation in Betracht zieht, ist das vermutlich ein gutes Zeichen.
Michirou legt den Rückwärtsgang ein und manövriert den Wagen zurück auf die Straße. Zeit, nach Hause zu gehen.
Kousuke ist noch wach, als sie zurück kommt.
Er sitzt auf dem Bett und blättert in dem Kochbuch, dass sie ihm zum letzten Hochzeitstag geschenkt hat.
Sie schlüpft aus ihren Sachen, fischt ihren Pyjama unterm Kopfkissen hervor und zieht ihn an, bevor sie zu ihm aufs Bett klettert und sich schwer gegen ihn lehnt.
„Du hast vergessen, dir die Zähne zu putzen.“, murmelt er, als sie leichte Küsse auf seiner linken Schulter verteilt.
„Kousuke...“, sie hält inne und drückt ihre Stirn gegen seine, „Ich bin so dankbar, dass du damals nicht locker gelassen hast, als ich nicht mit dir ausgehen wollte.“
Sie kann sehen, wie er rot wird. Sie findet es hinreißend.

- - -

Megumi schließt leise die Tür hinter sich. Sie hat Übung darin, leise zu sein und die Tatsache, dass sie zur Zeit keinen Hund mehr hat, hilft ihr dabei. Die Erinnerung an Kin tut mittlerweile nicht mehr weh, verstärkt nur die Entschlossenheit, dass sie sich wieder einen Hund holen wird. Bald.
Sie schluckt den Gedanken runter. Alles zu seiner Zeit.
Auf Zehenspitzen schleicht sie zur Wohnzimmertür. Der Fernseher wirft bunte Lichtmuster durch die offene Tür, aber der Ton ist abgedreht.
Sie hat es immer als süß empfunden, dass Taiga nicht ins Bett gehen kann, bevor sie wieder sicher zuhause angekommen ist, aber seit ein paar Wochen findet sie es erdrückend.
Warum eigentlich?
Megumi beißt sich auf die Lippe. Sie hat ihren Kummer ihren Freundinnen dar gelegt, die man nun wirklich nicht als unparteiische Richter bezeichnen kann. Sie will deren Rat wirklich befolgen, aber noch mehr muss sie an die Worte ihres Vaters denken, die er zu Beginn ihrer Schwangerschaft mit der ihm eigenen Sorgfalt gewählt hat.
„Schätzchen, ich freue mich für euch. Ich weiß noch, wie es für uns war, als du auf dem Weg warst und ich bin überzeugt, dass es auch für euch ein kleines Wunder werden wird, aber vergiss nicht, dass wir alle nur Menschen sind.“
Damals hat sie ihn verwirrt angeblinzelt, heute beginnt sie zu begreifen.
Sie hat es Taiga vermutlich nicht leicht gemacht… in letzter Zeit.

Megumi tritt durch die Wohnzimmertür und hält überrascht inne.
Taiga liegt auf der Couch, schlafend, alle Viere von sich gestreckt. Er trägt die Lesebrille, die sie ihm vor zwei Jahren geschenkt hat und auf seiner Brust liegt ein aufgeschlagenes Buch. Vorsichtig nimmt sie es ihm aus der Hand und mustert überrascht den Umschlag.
Das Handbuch für werdende Väter
Das Buch hat sie ihm gekauft. Sie hat damals ihren positiven Schwangerschaftstest daran geklemmt und es ihm wortlos hingelegt, um geduldig darauf zu warten, dass er eins und eins zusammen zählt.
Bis jetzt hat es immer unberührt im Schrank gestanden.
Sie dreht sich zum Bücherschrank um. Den knallorangen Umschlag erkennt sie auch von hier aus im dämmrigen Licht des Fernsehers.
Hat er sich das Buch etwa noch mal gekauft?
Sie benutzt ihren Zeigefinger als Lesezeichen und blättert zur ersten Seite, wo sie Taiga damals eine kleine Notiz hinein geschrieben hatte.
Kein Zweifel. Das ist das Buch, dass sie ihm geschenkt hat.
Vorsichtig knipst sie die kleine Lampe auf dem Couchtisch an. Taiga schläft weiter und sie setzt sich in den kleinen Lichtkreis und blättert durch das Buch.
Die Seiten sind abgegriffen. Bunte Fähnchen markieren Seiten und Bilder, die ihm gut gefallen haben, er hat Wörter unterstrichen, die er nicht verstanden hat und deren Bedeutung in seiner leicht schieen Schrift daneben fest gehalten.

Es passt zu Taiga, dass er sich die Mühe macht das Buch doppelt zu kaufen, um nicht preis zu geben, wie viel ihm die Vaterschaft tatsächlich bedeutet. Er hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass seine Schulnoten nicht die besten sind und dass er sich für seine Zukunft nur Basketball vorstellen kann. Aber sie weiß, dass er ein Wörterbuch und ein Lexikon unterm Bett versteckt und dass er Unterhaltungen mit Nanami aus dem Weg geht, wenn diese sich nicht um Basketball drehen. Ihre Freundin hat nämlich die Angewohnheit, mit Fachwörtern um sich zu werfen.
Es verwundert sie also nicht, dass er nicht gewollt hat, dass sie das Buch sieht. Und wenn man sie schon mal dabei ist, ihn vorurteilsfrei zu betrachten, dann haben Kahokos Worte gleich noch mehr Gewicht.
Natürlich hat Taiga Angst davor, wie er als Vater sein wird. Sein eigener hat ja immer gerne mit Abwesenheit geglänzt.

Sie legt das Buch zur Seite und schaltet den Fernseher aus. Dann beugt sie sich zu ihm und küsst ihn auf die Wangen, die Nase, die Stirn, unters Kinn, bis er grummelnd aufwacht.
„Me-gu-mi?“, murmelt er schlaftrunken und sie schmiegt sich an ihn, wie sie es früher jeden Morgen gemacht hat.
„Komm schon, Tiger, lass uns ins Bett gehen. Die Couch tut deinem Rücken nicht gut.“
„Hab… gelesen...“, nuschelt er träge und tastet nach dem Buch.
„Ich weiß.“, murmelt sie zurück, „Du kannst morgen weiter lesen. Achtung, ich nehme dir die Brille ab.“, sie zieht sie ihm vorsichtig von der Nase und küsst ihn auf den Nasenrücken.
Er blinzelt und mustert sie verwirrt. Das zeigt ihr, wie wenig liebevoll sie in letzter Zeit gewesen sein muss.
„Komm...“, wispert sie und zieht sanft an seinen Armen, „Lass uns ins Bett gehen. Morgen ist Sonntag, da schlafen wir aus. Und dann mache ich Frühstück für dich.“
Er folgt ihr schweigend ins Schlafzimmer und lässt sich dort aufs Bett fallen. Er trägt immer noch Jeans und Pulli und sie weiß, dass er sich nicht die Zähne geputzt hat. Ihr erster Impuls ist es, ihn dafür zu rügen. Sie schluckt ihn runter und auch wenn es ihr noch nicht leicht fällt, weiß sie, dass sie dabei das richtige tut. Stattdessen zieht sie die Decke unter ihm hervor und breitet sie auf ihnen aus, bevor sie das Licht löscht.
„Nur damit du's weißt...“, wispert sie, als sie ihren Kopf auf seine Brust legt, „Ich kann's kaum erwarten zu sehen, was für ein großartiger Vater du sein wirst. Wenn du als Vater nur halb so geduldig und liebevoll und fürsorglich bist, wie als Ehemann, dann werden wir sehr glückliche Kinder haben.“
Taiga schweigt, aber die Hand, die er auf ihren Rücken gelegt hat, zittert. Sie weiß, dass er sie gehört hat und schließt die Augen.
In einer Beziehung, denkt sie, geht es vielleicht nicht darum, ein paar mal etwas Großes zu tun. Stattdessen sollte sie die kleinen Dinge tun und wertschätzen. Und zwar jeden einzelnen Tag.


- - -

Es ist Akemi ein wenig peinlich, dass sie Nanami bitten muss, sie bei Shintarou abzusetzen.
Noch peinlicher ist es, dass ihr Kahoko vom Rücksitz aus wissende Blicke zuwirft.
Sie klingelt. Sie hat zwar einen Schlüssel und auch das Recht, diesen Schlüssel zu benutzen, aber sie hat panische Angst davor, einfach unangemeldet rein zu platzen. Schließlich ist das immer noch sein Haus.
Als er die Tür öffnet, ist sie bereits so nervös, dass sie einfach nur wortlos ihre Arme ausstreckt und ihn umarmt. Sie drückt ihr Gesicht gegen seine Brust und er erwidert die Umarmung, hält sie fest und wiegt sie sanft hin und her, bis sie sich ein wenig beruhigt hat.
Shintarou mag von vielen Dingen unangenehm berührt sein, aber es macht ihm nichts aus, auf der Türschwelle seines Hauses zu stehen und seine Verlobte zu umarmen, als hätten sie sich seit Monaten nicht gesehen. Und wenn es der Nachbar oder Passanten sehen sollten, so ist ihm das auch gleich. Akemi ist ihm wichtiger.
Als sie ihren Griff etwas lockert, krümmt er sich gerade so weit, dass er ihren Scheitel küssen kann. Das ist sein Geheimtrick.
Sie lässt ihn ganz los, er nimmt ihre Hand und führt sie ins Haus hinein. Im Wohnzimmer hält er inne und lässt los.
Akemi starrt auf das Bild, das sich ihr bietet.
Da steht keine Couch mehr, da steht eine Festung. Aus Kissen, Decken, Stühlen und einer Lichterkette gebastelt, ist sie eindeutig das Werk des Mannes, den sie irgendwann heiraten wird.
„Ich dachte, es gefällt dir vielleicht.“, erklärt er und sie drückt seine Hand, weil ihr die Worte fehlen.
„Ich liebe es.“, erklärt sie, als ihr endlich etwas einfällt und er sieht so erleichtert aus.
„Kletter rein.“, fordert er, „Ich hole uns Kakao.“
Im Inneren der Festung sind noch mehr Kissen und noch mehr Decken und es herrscht ein sanftes Licht.

Shintarous Hände zittern, als er ihr die Kakaotassen reicht und zu ihr hinein klettert.
Ein weiteres Zeichen, dass er nervös ist.
Akemi mustert die winzigen Marshmallows, die oben auf ihrem Kakao schwimmen. Sie liebt diese Dinger und Shintarou weiß das.
Aber Shintarou hasst Marshmallows fast so sehr wie diese eine Sorte Nadeln, deren Verpackung sich kaum öffnen lässt und die Mini-Marshmallows gibt es nur in dem einen Laden um die Ecke von ihrer alten Universität, dessen Verkäufer Shintarou immer Vierauge nennt.
Wären sie nicht längst verlobt, Akemi würde glauben, dass er ihr einen Antrag machen will.
„Was ist los?“, fragt sie stattdessen und Shintarou atmet tief durch, beugt sich vor und zieht ein dickes Buch zwischen zwei Kissen hervor.
„Bevor ich dir das zeige, möchte ich etwas sagen… Ich liebe dich.“
„Ich liebe dich auch.“, antwortet Akemi fast reflexartig und Shintarou verzieht seinen Mund.
„Ich weiß.“, murmelt er mit roten Wangen, „Darf ich weiter reden?“
„Oh, ja, natürlich...“
Wir werden heiraten. In einem Jahr. Und ich weiß, du willst keine besonders große Hochzeit und auch keine besonders teure Feier. Ich weiß, dass du mich wohl schon auf der Uni geheiratet hättest und dass du auch auf die Flitterwochen verzichten würdest, weil du… du bist. Du wärst gerne schon längst verheiratet und du hättest gerne schon längst dein erstes Kind, aber du wartest und bist geduldig, weil du weißt, dass ich noch warten möchte und dir ist unser gemeinsames Glück wichtiger als das, was du selbst am meisten möchtest...“
Er starrt auf das Buch in seinen Händen, bevor er wieder hoch sieht.
Ja, ich hätte gerne erst dann Kinder, wenn ich die Assistenszeit beendet habe. Aber ich möchte die Hochzeit nicht nur deshalb bis dahin verschieben… ich… ich hab als Kind eine Sammlung angefangen. Als ich begriffen habe, was eine Ehe ist und was genau bei einer Hochzeit passiert und ich wusste immer, dass ich mal heiraten wollte und hab… alles so geplant, wie es mal werden soll und es ist vermutlich fast das genaue Gegenteil von der Feier, die du dir wünscht und… ich war wohl ein wenig selbstsüchtig, weil ich warten wollte, bis wir das Geld haben, um so zu heiraten, wie ich es möchte...“, er schiebt ihr das Buch entgegen.
„Aber… Es geht ja darum, das wir beide glücklich sind. Und wenn du glücklicher damit bist, jetzt zu heiraten, in einem kleinen Kreis, dann tun wir das. Denn der Preis eines Kleides macht keinen Unterschied, wenn es am Ende darum geht, dass du das Kleid trägst.“
„Willst du… willst du damit sagen, dass wir kein ganzes Jahr mehr warten müssen?“, fragt Akemi.
Sie ist sich nicht sicher, ob sie träumt. So etwas Schönes kann sie sich doch nicht einfach zusammen träumen, oder?
„Ich habe mich beim Standesamt erkundigt.“, erklärt Shintarou und beugt sich vor, bis er seine Stirn sanft gegen ihre drücken kann, „Wir könnten in einem Monat verheiratet sein.“
„Das...“, wispert Akemi, stellt ihre Tasse zur Seite und nimmt sein Gesicht in beide Hände, „Das ist das schönste Geschenk, dass du mir machen konntest. Ich liebe dich.“
Er lächelt.
„Willst du dir das Buch mit mir ansehen?“, fragt er und Akemi küsst ihn zur Antwort.

- - -
Das Haus ist dunkel und still, als Kahoko die Tür leise hinter sich schließt, ihre Schuhe von den Füßen kickt und die Treppe hoch nach oben schlurft.
Akemis Worte klingen noch immer in ihr nach und sie hält vor den Zimmern der Kinder inne. Sie drückt die erste Tür auf und schlüpft hinein, schleicht zum Bett und betrachtet im Schein des Nachtlichts die schlafenden Gesichter ihrer zwei Mädchen.
Saori sieht ihr sehr ähnlich, aber sie hat Shintarous friedsame Natur geerbt. Kahoko streicht ihr mit den Fingerspitzen die grünen Haare aus dem Gesicht. Die Zeit vergeht viel zu schnell. Die Geburt scheint erst gestern gewesen zu sein, all die Angst und die Schmerzen und dann dieses Gefühl der Erleichterung, als die Mädchen da waren. Sie haben Saori in ihre Hände gelegt und Reiko in Shoichis und sie erinnert sich noch gut an die grünen Haarbüschel, die von Saoris Kopf abstanden, als hätte sie in eine Steckdose gefasst.
Saori verzieht das Gesicht und rollt sich zur Seite. Kahoko lächelt, beugt sich vor und küsst sie sanft aufs grüne Haupt.
„Schlaf gut, Süße…“, murmelt sie, „Mama ist da und passt auf dich auf.“

Als nächstes geht sie zu Reiko, die im Schlaf am Horn ihrer kleinen Stoffkuh herum kaut. Kahoko würde sie am liebsten hochnehmen und knuddeln, wie sie es früher gemacht hat, aber Reiko findet immer öfter, dass Kuscheln etwas für Babies ist und sie mit vier Jahren schon zu den großen Kindern gehört.
Kahoko begnügt sich damit, ihr die schwarzen Haare hinters Ohr zu streichen und mit dieser Wärme im Herzen festzustellen, dass Reiko ihrem Vater so unglaublich ähnlich sieht.
Sie küsst auch Reiko und reibt ihr noch ein letztes Mal über den Rücken, wie früher, als sie öfter mal nicht gut einschlafen konnte.
Dann schleicht sie über den Flur zu Tadashis Gitterbett.
Er saugt an seinem Daumen, ein molliges Baby mit Pausbäckchen und unordentlichen schwarzen Haaren. Sie streichelt seine winzigen Füße durch den lila Strampler und seine Beine zucken im Schlaf.
Kahoko lächelt und staunt darüber, wie groß er mittlerweile ist. Er war so ein kleines Baby, größer zwar als die Zwillinge, die auch früher geboren wurden, aber er hat in den letzten Fünf Monaten ordentlich zugelegt.
Der Gedanke, noch einmal schwanger zu sein, noch einmal all das durchzumachen und wieder so einen kleinen Spatz in den Händen zu halten, erscheint ihr nicht mehr ganz so abwegig.
Aber der Gedanke, komplett mit dem Basketball aufzuhören, macht ihr auch solche Angst, dass sie sich nicht leichten Herzens entscheiden kann.
Schlussendlich bringt all ihr Zaudern nichts, wenn sie nicht mit ihrem Mann darüber spricht.
Kommunikation, sagt sie sich selbst, das predige ich allen anderen auch immer, also sollte ich mich auch selbst daran halten.

Als sie die Tür ihres Schlafzimmers öffnet, ist sie nicht gänzlich überrascht, Shoichi noch wach zu sehen.
Er sitzt auf dem Bett und schreibt etwas in eines seiner unzähligen Notizbücher.
„Du bist früh zurück.“, stellt er ohne aufzusehen fest und das ist für sie das deutlichste Anzeichen dafür, dass er immer noch verstimmt ist.
„Wir haben über unsere Sorgen geredet und dann wollte einer nach dem anderen nach Hause, um die Dinge sofort anzugehen.“
„Ach...“, murmelt er und sie weiß, dass er die Frage in den Raum stellt, wie sie ihn und ihren Konflikt dargestellt hat.
Der selbstsüchtige Teil von ihr lässt sie nicht gleich antworten. Sie zieht sich langsam aus, legt ihre Sachen über einen Stuhl und zwickt sich nur ein einziges Mal in die Fettschicht an ihrem Bauch, bevor sie Shoichis altes Trikot unter ihrem Kissen hervor zieht und überstreift.
Dann setzt sie sich im Schneidersitz aufs Bett und sieht ihn an.
„Ich will mich entschuldigen.“, erklärt sie und das bringt ihn dazu, aufzusehen.
„Wofür genau?“, er legt sein Notizbuch zur Seite, lässt es aber aufgeschlagen. Es fällt ihr auf, aber sie schiebt den Gedanken zur Seite.
„Ich hätte dich nicht so anfahren sollen. Ich weiß, du willst nur helfen und du hast auch ein Recht auf deine Wünsche. Ich möchte dich miteinbeziehen und deine Meinung anerkennen.“
„Danke...“, er lächelt, streckt seine Hand aus und fährt damit über ihr nacktes Knie, „Ich will mich auch entschuldigen, ich hätte das Ganze besser angehen können.“
„Ich weiß, aber du hast es ansprechen müssen… Wir Mädchen haben mein Problem nur gestreift...“, sie tut so, als bemerke sie seine Erleichterung nicht, „Aber Akemi hat einen Satz fallen lassen, der mir zu denken gegeben hat. Es kommt der Zeitpunkt, da ich mich entscheiden muss. Ob ich eine gute Mutter sein will oder Basketball spielen. Und ich… ich will den Kindern auf jeden Fall eine gute Mutter sein.“, Kahokos Stimme zittert und Shoichis Griff um ihr Knie festigt sich, „Aber wenn ich daran denke… dass ich nicht mehr Basketball spielen kann… nie wieder, ich…“
Shoichi zieht sie in eine Umarmung, bevor sie ihren Satz beenden kann und obwohl sie ihre letzten Worte gegen seine Schulter murmelt, versteht er sie dennoch.
„Ich habe Angst...“

„Ich habe Pläne gemacht...“, erklärt Shoichi nach einer Weile und Kahoko zieht sich langsam wieder aus der Umarmung zurück.
„Was für Pläne?“
Shoichi schiebt ihr sein Notizbuch entgegen. Die Seiten sind voll von seltsamen Zeichen und Kürzeln, die Kahoko noch immer nicht vollständig versteht, aber die Quintessenz ist, dass sie wieder spielen können wird.
„In einem Jahr, vielleicht auch erst in zwei, wirst du wieder auf dem Level sein, das du vorher hattest, wenn wir das Training durchziehen, das ich entwickelt habe. Du wirst es langsam angehen und damit keine Verletzung riskieren, aber du wirst es zurück auf den Platz schaffen. Ja, ich will mehr Kinder, aber ich kann auch gut noch fünf oder mehr Jahre darauf warten. Stell dir das mal vor...“, er lehnt seine Stirn gegen ihre, „Noch ein Baby, wenn die Mädchen zehn Jahre alt sind und Reiko sich nichts mehr von uns sagen lässt. Noch ein kleines, niedliches, duftendes Baby und zwei große Mädchen und einen Jungen im besten Alter. Und nach dieser Schwangerschaft bringe ich dich wieder zurück auf den Platz...“, verspricht er ihr und da ist eine Überzeugung in seiner Stimme und seinem Blick, die sie zu allem überreden könnte, „Vielleicht wird es nicht das Nationalteam sein, aber es wird Basketball sein und du wirst spielen können, solange deine Beine dich tragen und sollte es nötig sein, bringe ich dich in einem Team für Rollstuhlfahrer unter.“
„Womit hab ich dich verdient?“, fragt Kahoko gegen seine Lippen und er küsst sie zur Antwort.
- - -

Nanami parkt den Wagen und starrt an der Hauswand hoch zu den Fenstern ihres Schlafzimmers.
Es ist dunkel dahinter und obwohl es gerade mal zehn Uhr abends ist, ist es nicht unwahrscheinlich, dass Daiki schon schläft.
Mein Mann ist ein Faultier, denkt sie und lächelt.
Sie fühlt sich müde und ein wenig geschlagen, nicht ganz wie sie selbst, dabei ist es ein schöner Abend gewesen.
Als sie ihren Schlüssel in die Schale auf der Küchentheke wirft, verfehlt sie ihr Ziel und sie klappern laut über die Glasplatten und hinunter auf den Boden.
Nanami flucht, lässt sie aber liegen. Sie hat keine Lust sich zu bücken.
Sie hat auch keine Lust, ihre Jacke ordentlich an die Garderobe zu hängen oder ihre Tasche in das Schränkchen daneben, aber sie schafft es nur auf die erste Treppenstufe, bevor sie umdreht und alles in Ordnung bringt. Die Jacke auf den Haken, die Tasche in den Schrank und zum Schluss hebt sie noch den Schlüssel auf.
„Nanami?“, erklingt eine tiefe Stimme, noch rau vom Schlaf.
Sie verzieht das Gesicht.
„Ja… Geh wieder ins Bett, ich komme gleich hoch.“
Er hört nicht auf sie und kommt zu ihr nach unten.
Sie hat ihm den Rücken zugedreht, spürt ihn nur hinter sich aufragen. Ihr Blick wandert durch die Küche, auf der Suche Arbeit oder irgendetwas, das ihren Blick fesseln kann.
Stattdessen blickt sie zum Fenster und sieht Daiki hinter sich aufragen, groß, muskulös und eine Spur bedrohlich, würde ihm nicht die Sorge deutlich ins Gesicht geschrieben stehen.
Im nächsten Moment hat er die Arme um sie gelehnt und sie zurück gezogen.
„Lass uns ins Bett gehen...“, meint sie nicht besonders enthusiastisch und er zögert nicht, sondern hebt sie in die Höhe und trägt sie die Treppe hinauf ins Schlafzimmer.
Hier ist es dunkel und er macht sich auch nicht die Mühe, das Licht einzuschalten.
Selbst Nanamis Finger sind müde und Daiki übernimmt die Arbeit, sie auszuziehen und ihr ein Schlafshirt über den Kopf zu stülpen.
„Daiki?“
„Hmm?“, macht er und zieht ihre Arme durch die Ärmel des Shirts, als wäre sie ein kleines Kind.
„Warum hast du mich nochmal geheiratet?“, fragt sie und hasst sich dafür, wie zerbrechlich sie klingt.
Er stockt für den Bruchteil einer Sekunde in seinen Bewegungen, dann schlingt er die Arme um sie und mummelt sie beide in eine Decke ein. Es ist unglaublich warm und behaglich in seinen Armen und ein wenig von ihrer Lethargie fällt von ihr ab, als hätte sie eine Tasse Kaffee getrunken oder geduscht.
„Weil du dich wie zuhause anfühlst.“, murmelt er gegen ihre Schläfe.
Sie krallt ihre schmalen Finger in sein Oberteil und atmet ein, zwei, dreimal tief ein und aus.
Sein Geruch ist so, wie sie ihn kennt. Vertraut und durch und durch beruhigend.
„Ich will ein Kind.“, stellt sie fest, „Ein Baby. Ein kleines Du. Mindestens eins. Lieber zwei oder drei.“
„Dann kriegen wir eins.“, erklärt er, als wäre das so einfach. Als könnte man Kinder einfach im nächsten Supermarkt kaufen und sie müssten morgen nur ins Auto steigen und zu dem Großen um die Ecke fahren, der auch sonntags offen hat.
„Aber wie?“, fragt Nanami und kann nicht verhindern, dass ihr Tränen der Verzweiflung kommen, „Wie, Daiki?! Sollen wir etwa… Sex haben?“
„Man kann Kinder auch ohne Sex haben.“, erklärt er ihr.
„Ich will aber kein Kind adoptieren...“, erklärt Nanami, „Ich will eines von dir. Ich will deinen Sohn. Und ich will schwanger sein und ich will, dass mir übel ist und dass ich zunehme und dass mich das Baby von innen tritt und ich will...“
„Shh..“, macht Daiki und küsst sie so sanft, wie er es nur ganz selten macht, auf die Wange. Er küsst ihre Tränen weg, als wäre das alles, worum er sich im Leben kümmern müsste.
„Als erstes schlafen wir…“, erklärt er ihr, „Und morgen planen wir. Wir haben so viele Möglichkeiten...“
„Am meisten stört mich nicht der Sex...“, unterbricht sie ihn. Es tut ihr leid um seine Rede, aber sie muss auch loswerden, was ihr in den letzten Wochen das Herz schwer gemacht hat, „Mich stört, dass egal, was wir tun, die Medien sich die Mäuler darüber zerreißen werden. Wenn wir adoptieren, dann geht dein Talent verloren und wenn wir ein Kind bekommen, ganz egal, wie wir es machen, wird es heißen, dass ich sicher nicht asexuell bin und das nur vorgebe, wegen der Medienpräsenz und-“
Er küsst sie, um sie zum Schweigen zu bringen und es klappt.
„Lass doch diese Idioten sagen, was sie wollen!“, grummelt er, als er ihre Lippen wieder voneinander löst, „Wir kümmern uns um unser Baby, das ist die Hauptsache.“
„Du hast unser Baby gesagt…“, flüstert sie, als wäre das die wichtigste Erkenntnis dieses Abends.
„Natürlich...“, gibt er immer noch grummelig zurück, „Und wehe, unsere Babies, ja, pass nur auf, ich benutze die Mehrzahl, haben nicht deine Entschlossenheit, oder deinen schrägen Sinn für Humor oder dein Talent fürs Organisieren und Ordnen. Wenn die alle nur Basketball spielen können, aber sonst nichts im Kopf haben, dann werde ich sauer, klar?“
Nanami lacht so ausgelassen, wie schon lange nicht mehr.
„Das ist das einzige, was dich kümmert?“, fragt sie und sie kann das Grinsen auf seinen Lippen förmlich spüren.
„Wenn es mir nur darum ginge, meine eigenen Gene weiter zu geben, hätte ich mich klonen lassen.“, gibt er zurück.
Zum Glück hab ich dich nicht wegen deiner Intelligenz geheiratet.“, gibt Nanami spottend zurück und Daiki kneift sie frech in die Pobacke.
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