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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
23
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
08.03.2017 3.797
 
Hallo Leute, nur noch dieses und zwei weitere Kapitel, dann haben wir das Ende der Fahnenstange erreicht, oder wie sagt man...?
Was ich euch schon verraten kann und was meine Betaleserin angemerkt hat: Weder Kise noch Tatsuya kommen im Epilog vor.
Ist das schlimm? Das entscheidet ihr.
Ich habe mir überlegt, dass ich noch ein allerletztes Kapitel dranhängen könnte. Wenn ihr das wollt. Sagt mir eure Meinung, per Kommi, Mail oder Gedankenübertragung - wobei letzteres schief gehen könnte, also bleiben wir lieber bei den anderen zwei Möglichkeiten.
Viel Spaß beim Lesen
Dira


Shouta wirft Kahoko einen weiteren fragenden Blick zu, als sie an einer Ampel halten müssen.
Sie trägt eine etwas zu weit gewordene Jeans zu ihrem knalligsten Lieblingshawaiihemd. Das ist das erste Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt, denn dieses Hemd kramt sie nur hervor, wenn sie sich selbst aufheitern will.
Das zweite Zeichen ist die tiefe Falte zwischen ihren Augenbrauen und die Art, wie sie die Kuchenschachtel auf ihrem Schoß umklammert.
„Willst du drüber reden?“, fragt er mitfühlend, als er das Familienauto der Imayoshis vor Shinjis Bar parkt.
„Nein.“, gibt Kahoko zurück und löst den Sicherheitsgurt, „Ich will einfach nur ein bisschen Spaß haben.“

Die Wiedersehensfreude ist groß.
Kahoko und Shouta sind die Letzten, die zu ihrem kleinen Teamtreffen kommen, selbst Mirai schafft es, atemlos vor ihnen durch die Tür zu platzen.
„Ich hab den Kuchen.“, erklärt Kahoko und stellt die Schachtel in die Mitte des großen Tisches.
Sie nimmt den Deckel ab und präsentiert Murasakibaras Meisterwerk, eine riesige Schokoladentorte, auf der mit Zucker „Willkommen zuhause, Lia!“ geschrieben steht.
„Oh, ist das toll! Danke!“, Lia umarmt sie ein weiteres Mal und Shinji springt auf, um ein Tortenmesser zu holen.
Selbst Michirou, die kein großer Schokoladenfan ist, nimmt ein winziges Stück und Megumi isst zwei – eins für sich und eins für das Baby.

„Es ist so lieb von dir, Shinji, dass du die Bar für die Öffentlichkeit geschlossen hast.“, Lia nippt an ihrem Drink und lächelt.
„Ach...“, Shinji winkt ab, „Diesen einen Abend werde ich schon verkraften. Außerdem hab ich allen ausgerichtet, dass wir eine geschlossene Veranstaltung haben und seitdem kriege ich lauter Anfragen rein, weil noch mehr Leute die Bar für einen Abend mieten wollen.“
„Clever!“, lobt Nanami sie und stellt ihr Glas ab.
Nachdem sie gegessen, gelacht und die neuesten Neuigkeiten und ein paar Ultraschallbilder ausgetauscht haben, fällt Schweigen über sie.
Lia beugt sich vor und sieht sie alle der Reihe nach an.
„Ich weiß, dass ihr euch mindestens einmal im Monat trefft und dann über eure Sorgen redet. Nur weil ich da bin, müsst ihr das nicht verschieben.“
„Wir machen sicher keine Gruppentherapie.“, widerspricht Kahoko, „Nicht heute, an deinem erstem Tag in der Heimat.“
„Wenn du etwas auf dem Herzen hast, macht mir das wirklich nichts aus.“, gibt Lia zurück und lächelt sie sanft an, „Ich konnte lange Zeit nicht für euch da sein, ich will das gerne nachholen.“
Wieder breitet sich Schweigen breitet sich an dem Tisch aus.
Sie hängen ihren Gedanken nach und keiner traut sich, als erster zu sprechen.
Schließlich hebt Mirai die Hand.
„Tetsu will ein Baby.“, erkärt sie fast beschämt und lässt die Hand wieder sinken, „Und wir haben noch nicht drüber gesprochen, aber ich weiß, dass er eines will.“
„Und du?“, fragt Lia sanft, „Was willst du?“
Mirai starrt mit leerem Blick auf den Tisch. Erst als Kahoko sie anstupst, reagiert sie.
„Ich hätte auch gerne ein Baby. Ich meine… Tadashi und die Zwillinge sind so süß und Klein-Shoichi bringt mich immer zum Lachen und die Kinder in meiner Klasse sind meistens auch recht nett, aber...“
„Aber?“ Das ist Shouta, der ihr eine Hand auf die Schulter legt und Mirai mustert ihn, als sähe sie ihn zum ersten Mal.
„Ich bin so tollpatschig!“, klagt sie, „Jeden Tag fallen mir mindestens drei Dinge runter! Ich kann nicht gut kochen und ich vergesse immer alles und jeden. Wie um alles in der Welt soll ich mich um ein kleines Kind kümmern? Was, wenn es mir runter fällt?“
„Hast du einen Führerschein, Mirai?“, fragt Chikara und die Mädchen drehen sich verwundert zu ihr um.
„Ja, aber was hat das-“, fängt Mirai an, aber Chikara unterbricht sie.
„Wie war das mit deiner Fahrprüfung? Hast du die gleich am ersten Tag gemacht? Bist du einfach zum ersten Mal in ein Auto gestiegen und hast sofort bestanden?“
„Natürlich nicht.“, ereifert sich Mirai, „Ich hatte doch keine Ahnung, wie das geht. Ich musste erst diesen Kurs machen.“
Chikara nickt lächelnd und ein paar ihrer Freundinnen begreifen, worauf sie hinaus will.
Mirai versteht immer noch nicht.
„Und was hat das jetzt mit mir zu tun?“, fragt sie und schiebt schmollend die Unterlippe vor.
„Sich um ein Baby zu kümmern, kann man lernen. Es gibt Kurse für werdende Mütter, damit sie die Schwangerschaft gesund überstehen und Kurse, die einem beibringen, wie man Babies wickelt, füttert und all den Kram.“, erklärt Nanami und Kahoko stupst Mirai an.
„Ich geb dir Nachhilfe.“, erklärt sie und lächelt, „Und keine Sorge… ich hatte anfangs auch richtig Schiss.“
Mirai blickt zögerlich in die Runde.
„Meint ihr wirklich, ich kann das?“, fragt sie unsicher und alle lächeln ihr zu.
„Außerdem ist so eine Führerscheinprüfung furchtbar schwierig und die hast du auch geschafft.“, spottet Chikara und Mirai grinst wieder.
„Stimmt. Und sogar beim ersten Mal, nicht so wie Shinji, die zweimal durchgefallen ist.“
Shinji streckt ihr die Zunge raus und schon herrscht wieder Gelächter am Tisch.

Tsunako räuspert sich als Nächste und dreht ihr Cocktailglas wie einen Kreisel in ihren Händen.
„Reo hat mir geschrieben.“, erklärt sie in das leiser werdende Lachen hinein.
Stille.
Dann Nanami. „Was hat er geschrieben?“
„Hey...“, murmelt Tsunako mit überraschend schwacher Stimme und wendet sich an Shouta, „Was meint er damit? Weißt du als Kerl, was er damit meint?“
Shouta zieht beinahe erschrocken die Schultern hoch und schüttelt den Kopf.
„Ich kenne ihn nicht so gut, vielleicht will er einfach nur wieder Kontakt?“, murmelt er hektisch.
„Hast du ihm schon geantwortet?“, will Chikara wissen und Tsunako schüttelt den Kopf.
„Ich war mir nicht sicher, was ich schreiben soll, deshalb hab ich gar nichts gemacht, aber seine Nachricht kam gestern Mittag, vielleicht denkt er jetzt, dass ich ihn hasse und nichts mehr von ihm wissen will, dabei weiß ich doch gar nicht, was ich eigentlich will und ich weiß nicht, was ich tun soll und...“, Tsunako holt tief Luft, legt die Arme auf den Tisch, ihren Kopf hinein und stößt einen seltsamen Laut aus, eine Mischung aus Quietschen und Grunzen.
Für einen Moment ist es still, dann wird es hektisch um sie herum.
„Nanami!“, schimpft Lia und Tsunako hebt den Kopf.
Nur zwei Schritte entfernt steht Nanami mit einem Handy in der Hand, das verdächtig nach Tsunakos aussieht, tippt etwas und tänzelt dabei immer wieder um Lia und ihre ausgestreckten Arme herum.
„Was- was machst du?“, fragt Tsunako nervös und Nanami schnaubt, tippt auf den Bildschirm und legt das Handy vor Tsunako auf den Tisch.
„Ich hab ihm geantwortet.“
„WAS?!“, so schnell hat sie noch nie nach ihrem Handy gegriffen.
Tatsächlich. Da steht es schwarz auf weiß.

Tsunako an Reo:
Hey

„Nanami! Du kannst doch nicht… Was denkst du… Ich...“, stammelt Tsunako, als das Handy in ihren Fingern plötzlich zu vibrieren beginnt. Entsetzt starrt sie auf das Display, wo ein längst vergessenes Bild von Reo ihr entgegen lächelt.
„Er ruft an...“, wispert sie mit so viel Angst in der Stimme, dass sie einem fast leid tun kann.
„Dann geh ran!“, fordert Shinji und springt auf, „Red mit ihm. Du bist 28, nicht fünf.“
Sie schnappt sich Tsunako und zieht sie mit sich, einen Gang entlang und durch eine Tür in ein kleines Büro.
„Hier hast du Ruhe. Und rede mit ihm, klar?“
Tsunako wirft ihr einen hilflosen Blick zu und Shinji streckt ihre Hand aus und drückt auf den kleinen grünen Hörer auf Tsunakos Display.
Ein Knacken ertönt und sie hört Reos leise Stimme.
„Hey Prinzessin...“
Sie stößt ein panisches Kieksen aus und presst sich das Handy ans Ohr.
„H-Hey...“
Er lacht leise in ihr Ohr. „Hab ich dich überrumpelt?“, fragt er und seine Stimme ist noch genauso sanft, wie sie es in Erinnerung hat.
„J-Ja… ein bisschen...“, murmelt sie schwach und kriegt gar nicht mit, wie Shinji die Tür des Büros hinter sich schließt und Tsunako alleine lässt.
„Tut mir leid. Ich hatte mir nur solche Sorgen gemacht, dass mein Vorstoß vielleicht nicht so gut angekommen ist und als du dann doch geantwortet hast, wollte ich den Moment nutzen. Wie geht’s dir?“
„Gut und dir?“
„Die Arbeit ist ein wenig stressig, wir haben nicht mehr lange bis zur Deadline, aber sonst gut. Hast du eigentlich mitbekommen, dass ich bei einer Modezeitschrift als Redakteur arbeite?“
„Nein, wirklich? Welche denn?“
Er nennt ihr den Namen und Tsunako braucht drei Versuche, um eine vernünftige Antwort heraus zu bringen.
„Einer deiner Kollegin hat mich letzte Woche interviewt.“, bringt sie schließlich heraus und er lacht wieder.
„Ich weiß. Es wäre meine Aufgabe gewesen, aber ich wusste nicht, ob das für dich okay gewesen wäre, deshalb habe ich um einen anderen Auftrag gebeten. Ich durfte aber die Notizen lesen und nach allem, was du gesagt hast… ich dachte, ich muss mich einfach melden, ich hatte einfach keine Ausreden mehr. Außerdem hat Kotarou mir gedroht, dich zu benachrichtigen, wenn ich mich nicht endlich rühre und das wollte ich nicht riskieren.“
„Kotarou?“, fragt Tsunako verständnislos.
„Hayama-kun, weißt du noch? Wir sind noch sehr eng befreundet, Kotarou arbeitet für dieselbe Zeitschriftenreihe, aber für den Sportteil. Er hat letztes Jahr Zwillinge gekriegt und er schwört, dass nicht mal die Koliken so anstrengend waren wie die Tatsache, dass ich mich bis jetzt nicht getraut habe, mich wieder bei dir zu melden.“
„Warum… warum hast du dich denn nicht gemeldet?“, fragt Tsunako und für einen langen Moment hört sie nur seinen Atem.
„Ich hatte Angst, dass du mich nicht mehr sehen willst und es war leichter, einfach nichts zu sagen und zu wissen, dass die Möglichkeit besteht, dass wir doch wieder zusammen kommen könnten, als mutig zu sein und zu riskieren, dass es doch nicht klappt.“
„Du hattest Angst?“, fragt Tsunako und sie ist wirklich nicht stolz darauf, dass ihre Stimme so zittert, „Ich wusste nicht, wo du bist. Ich dachte, du bist schon längst verheiratet.“
„Ich könnte niemand anderen als dich heiraten.“
Sie schweigen. Beide.
Dann hört sie, wie er tief Luft holt und dann fast ängstlich fragt: „Wollen wir uns treffen? Es ist noch nicht zu spät, oder?“
„Wir… also ich bin gerade auf eine Party...“, erklärt Tsunako.
„Oh… also das verstehe ich… Vielleicht… geht’s ja ein ander Mal...“, murmelt er schwach ins Telefon und sie beeilt sich so mit ihrer Antwort, dass zuerst nur ein paar unverständliche Worte heraus kommen.
„Es ist Lias Willkommensfeier...“, bringt sie schließlich raus, „Vielleicht… können wir uns morgen treffen. Zum Frühstück. Oder wenn das hier vorbei ist… ich weiß nicht, wie lange es dauert, ich kann nur nicht sofort wieder gehen, ich hab Lia seit Ewigkeiten nicht gesehen.“
„Frühstück ist gut.“, erklärt er schon wesentlich munterer, „Ruf mich an oder schreib mir, wenn du mehr weißt. Ich werde heute wohl nicht so früh ins Bett kommen, wenn ich weiß, dass die Möglichkeit besteht, dich noch zu sehen.“
„Okay… mach ich...“, murmelt Tsunako ins Telefon, „Bis… bis später oder so...“
„Bis später...“, murmelt er zurück, „Ich hab dich vermisst.“
„Ich dich auch.“

Ihre Knie zittern, als sie zurück zu den anderen geht.
Sie müssen nur einen Blick auf ihr Gesicht werfen, um zu wissen, was in ihr vorgeht.
„Willst du gehen?“, fragt Lia sanft und Tsunako schüttelt hektisch den Kopf, „Nein! Nein! Wir feiern deine Heimkehr, ich gehe sicher nicht als erste.“
„Ich würde das verstehen...“, erklärt Lia, „Und ich bin sicher, dass Mirai auch gerne nach Hause möchte, jetzt, wo sie sich offensichtlich ein wenig mutiger fühlt.“
Mirai lächelt zögerlich und vielleicht wären die beiden doch noch gelieben, wäre Chikara nicht in diesem Moment von draußen herein gekommen.
„Lia! Es tut mir wirklich leid, aber ich muss gehen. Einer meiner Autoren hat einen halben Nervenzusammenbruch und ich muss zurück in die Agentur und mit ihm die nächsten Kapitel durchgehen.“
Lia lacht und steht auf.
„Ich versteh das, ich muss auch ständig wegen irgendwelchen Notfällen Pläne absagen. Drück mich nochmal und dann geh. Vielleicht könnt ihr drei euch sogar ein Taxi teilen.“
„Ich bin mit dem Auto da.“, erklärt Mirai, „Ich kann euch mitnehmen.“

Fünf Minuten später ist es am Tisch wesentlich ruhiger geworden und Shinji bestellt noch eine Runde alkoholfreier Cocktails für alle.
„Wie geht’s eigentlich deinem Freund?“, fragt Kahoko unvorsichtigerweise und Shinji wirft ihr einen mörderischen Blick zu.
„So schlimm?“, murmelt Kahoko mitfühlend und Shinji schnaubt.
„Ich hab nie gesagt, dass ich in einer Beziehung bin.“, protestiert sie.
Kahoko hebt eine Augenbraue.
„Du weißt schon, mit wem ich verheiratet bin, oder?“, fragt sie mit einem Lächeln und Shinji verschränkt trotzig die Arme vor der Brust.
„Geht's um Susa?“, fragt Michirou und dreht sich zu Shinji, „Hat er dir endlich einen Heiratsantrag gemacht?“
Shinji läuft dunkelrot an und die Mädchen schnappen nach Luft.
„Er hat?“, fragt Nanami atemlos und die Vorfreude lässt sie beinahe vibrieren.
„Nein!“, Shinji schnaubt und fährt sich mürrisch durch die Haare, „Das heißt… keine Ahnung, es ist… kompliziert.“
„Versuch mal, es in Worte zu fassen.“, Lia legt ihr eine Hand aufs Knie, „Oft ist es gar nicht so kompliziert, wie man denkt.“
Shinji seufzt und legt den Kopf in den Nacken, um an die Decke aus dunklem Holz zu starren.
„Wir haben getrennte Wohnungen, aber er schläft fast immer bei mir.“, beginnt sie, „Und ich hab ihn gefragt, was das soll. Er meint, es wäre praktischer, wenn wir zusammen ziehen würden, aber ich will nicht, dass er seine Wohnung aufgibt… Ich weiß, er ist nicht zufrieden, aber er versucht auch nicht, mich zu überzeugen.“
„Wie lange seid ihr denn jetzt schon zusammen?“
„Ganz ehrlich?“, Shinji setzt sich wieder gerade hin und erwidert Shoutas Blick, „Ich hab keine Ahnung. Wir haben nie wirklich darüber geredet. Im Rückblick ist es fast so, als hätten wir an dem einen Abend noch über Kaiya geredet und am nächsten haben wir rumgeknutscht, obwohl ich weiß, dass dazwischen eine Zeit liegen muss, in der wir uns langsam angenähert haben. Aber es gab keine offiziellen Dates und wir haben es auch nie öffentlich gemacht.“
„Stört dich das?“
Shinji dreht ihren Kopf, um Akemis fragenden Blick erwidern zu können und seufzt.
„Eigentlich nicht und doch irgendwie… Ich meine… ich hab immer gesagt, dass ich nichts von ihm will und er ist auch wirklich nicht mein Typ. Ich dachte immer, dass ich mich mal mit einem von Haizakis Kunden zusammenkomme. Einem von diesen Kerlen, die nur Motorrad fahren und ihre Lederjacken nicht mal zum Schlafen ausziehen. Und Yoshinori… Ich meine... er ist Buchhalter. Er trägt Flanellpyjamas und seine Mutter schenkt mir jedes Jahr einen selbstgestrickten Pullover, wenn es kalt wird und keine Ahnung… sowas wollte ich nie haben.“
„Geht es dir nur darum, was die anderen denken könnten oder willst du die Beziehung eigentlich nicht und weißt nicht, wie du die Freundschaft dahinter bewahren kannst?“, bringt Nanami das Dilemma auf den Punkt.
Shinji mustert sie lange, dann seufzt sie und vergräbt ihr Gesicht in ihren Händen.
„Ich weiß es nicht.“, murmelt sie bedrückt.
„Dann geh hoch und mach Schluss mit ihm.“
Akemis Worte lassen sie alle zusammen fahren.
„Was?!“, quietscht Shinji panisch, „Auf keinen Fall!“
Akemi lächelt. „Siehst du. Du willst die Beziehung nicht aufgeben.“
Shinji starrt sie mit offenem Mund an, bevor sie den Kopf schüttelt.
„Das kann doch nicht sein.“, stöhnt sie, „Ich kann nicht fassen, dass ausgerechnet ich mit dem brävsten Jungen in Tokyo zusammen bin.“
„Wen kümmert's?“, fragt Akemi und die Augen ihrer Freundinnen werden immer größer, „Im Endeffekt geht eure Beziehung doch nur euch beide was an. Ansonsten könnten wir nämlich auch darüber lamentieren, warum Kahokos Bruder ausgerechnet mit der dicksten Basketballspielerin zusammen ist.“
„Oder meine Ehe analysieren.“, gibt Nanami noch ihren Senf dazu und Shinji grummelt.
„Ihr habt ja Recht.“, murrt sie, „Ich werde mich wohl damit abfinden müssen.“
„Frag ihn nach einem Date.“, Megumi grinst, „Vielleicht fehlt euch ja das...“
Shinji brummt nicht gerade motiviert und schiebt ihr Cocktailglas von links nach rechts und wieder zurück.
„Wie läufts eigentlich bei euch?“, fragt sie Michirou, die neben ihr sitzt und mit einer Hand ihren bereits leicht gerundeten Bauch streichelt.
Michirou zuckt zusammen und Shinji schreckt zurück.
„Was ist passiert?“, fragt sie panisch, „Was ist mit dem Baby?“
Ihre Freundin lacht. „Mach dir nicht ins Hemd, die Kleine hat nur Schluckauf.“
„Schluckauf?“, fragt Shinji verdattert, während Nanami bereits um den Tisch herum ist.
„Fühlt man was?“, fragt sie eifrig und Michirou zuckt die Schultern.
„Nicht wirklich, leider. Aber laut Schwangerschaftsbuch kann sie schon hören, also achtet auf eure Sprache.“
„Wie war das mit Shoichi?“, fragt Kahoko, „Hat dich der nicht ständig getreten?“
Michirou nickt leidend.
„Immerzu, er ist so hibbelig wie sein Vater. Wie war das bei dir?“
„Die Zwillinge waren recht ruhig, hatten aber viel zu wenig Platz. Das hab ich deutlich gespürt. Und Tadashi hatte ständig Schluckauf. Das war gegen Ende am schlimmsten, weil er auf meiner Blase lag.“
„Oh...“, Akemi lacht, „Hast du dir nicht deswegen mal auf einer Familienfeier in die Hosen gepinkelt?“
„Erinner mich nicht dran...“, Kahoko lacht, stoppt aber, als sie Megumis entsetztes Gesicht sieht.
„Du hast dich angepinkelt?“, fragt sie schockiert und starrt auf ihren eigenen Bauch hinunter, der schon viel runder ist als der von Michirou.
„Passiert mir das auch?“, fragt sie ängstlich.
„Kann sein.“, erklärt Michirou mit dem ihr eigenen Sinn für Taktgefühl, „Vielleicht hast du aber auch Glück.“
Megumis Gesicht ist mitterweile aschfahl.
„Hey...“, Kahoko greift über den Tisch hinweg und nimmt ihre Hand, „Mach dir keine Sorgen. Wenn du schwanger bist, nimmt dir sowas keiner übel und wenn das Baby erst da ist, hast du das alles schon wieder vergessen. Außerdem hast du Taiga an deiner Seite, der hat schon ganz anderes überlebt.“
„Ich weiß nicht...“, murmelt Megumi bedrückt und streicht sich über den Bauch, „Ich hab langsam das Gefühl, dass er sich nicht so wirklich freut.“
„Wieso denn das?“, Nanami mustert sie verwundert und auch Kahoko sieht nicht überzeugt aus.
„Bist du dir sicher? Taiga liebt Kinder.“
„Er wirkt einfach… als wäre ihm alles zuviel. Er kann sich weder fürs Socken kaufen begeistern, noch will er sich mit mir das Angebot von Kinderbettchen ansehen. Alles muss ich alleine machen.“
Es wird kurz still am Tisch.
„Weißt du...“, murmelt Kahoko dann nachdenklich, „Vielleicht ist er unsicher. Vater zu sein ist eine große Verantwortung und ein Kind verändert einfach alles. Vielleicht hat er Angst, dass er kein guter Vater sein wird. Du solltest mit ihm reden. Ihm zu verstehen geben, dass er seine Sache gut machen wird und das du siehst, was er alles tut.“
Megumi mustert sie verdutzt.
„Meinst du wirklich, das hilft?“, fragt sie.
„Kahoko hat Recht, Megumi. Als ich mit Shoichi schwanger war, war mir immer so kotzübel, ich konnte nichts kochen, ohne mich dabei übergeben zu wollen. Kousuke hat sich von meiner Mutter das Kochen beibringen lassen, damit ich das nicht übernehmen musste und obwohl das Essen wirklich lecker war, saß ich meistens nur da und hab nur ein oder zwei Bissen gegessen. Das war für ihn richtig anstrengend, weil er sich immer so eine Mühe gemacht hat und es scheinbar nichts brachte. Ich hab ihm dann immer wieder gesagt, wie dankbar ich bin, dass ich nicht kochen muss und versucht aufzuzeigen, was am Essen gut geschmeckt hat und seitdem kocht er wahnsinnig gerne.“
Megumi seufzt.
„Er macht immer Frühstück für mich.“, erklärt sie, „Aber wir frühstücken nie zusammen. Meistens weckt er mich erst, wenn er geht oder ich hatte so eine furchtbare Nacht, dass ich einfach nicht aufstehen kann und dann isst er auch alleine.“
„Dann sag ihm doch wenigstens, wie gut es tut, nicht extra noch ein Frühstück zubereiten zu müssen. Das freut ihn sicher auch.“, Shouta lächelt sie aufmunternd an und Megumi starrt auf ihre Finger hinunter.
Sie schnieft.
„Ich würd jetzt gerne nach Hause gehen.“, murmelt sie, „Ich will Taiga sehen.“
Lia lächelt. „Das verstehen wir. Bist du mit dem Auto da?“
„Ich hab sie hergefahren.“, erklärt Michirou, „Ich bring sie auch nach Hause.“
„Kommst du nachher wieder?“, fragt Shinji sie und Michirou zuckt die Schultern.
„Wenn ihr mich noch braucht, um Kahokos Ehe zu besprechen… Klar.“
„Wir müssen meine Ehe nicht besprechen.“, widerspricht Kahoko, aber Nanami beugt sich über den Tisch und zupft an ihrem Hawaiihemd.
„Du trägst dein Sorgenhemd, natürlich müssen wir deine Ehe besprechen.“
Kahoko seufzt. „Ich würde das lieber selber mit meinem Mann regeln. Ich sehe langsam ein, dass ich falsch gelegen habe.“
„Wow...“, Shinji starrt sie an, „Du siehst sowas ein? Ich bin total baff. Worum ging's denn?“
Kahoko zögert, bevor sie spricht. Sie fängt Shoutas Blick auf.
„Ich will wieder Basketball spielen. Und Shoichi will mehr Kinder. Das sind die Tatsachen und ich weiß nicht… wie wir da einen Kompromiss finden sollen.“
„Du bist 28, Kahoko.“, Michirou mustert sie mit der ihr eigenen Strenge, während sie Megum in ihre Jacke hilft, „28, nicht 48. Außerdem ist deine Stärke nicht Schnelligkeit, sondern Genauigkeit und Wurfkraft. Und du lebst praktisch an der Quelle. Du hast zwei Basketballtrainer in deinem Haus und bist selber einer. Du hast genug Zeit, um Tadashi abzustillen und dich auf ein Comeback vorzubereiten. Dann spielst du ein paar Jahre und dann kannst du die anderen Kinder auf die Welt bringen, die dein Mann sich noch wünscht. Also wo liegt das Problem?“
Kahoko mustert sie verdutzt. Sie öffnet den Mund, um etwas zu sagen, als sich Akemi vorbeugt. Sie hat lange dagesessen und nur zugehört, jetzt ist ihre Zeit zu sprechen.
„Irgendwann musst du dich entscheiden, was dir wichtiger ist, Kahoko. In einem Nationalteam mitzuspielen, oder deinen Kindern eine gute Mutter zu sein.“
Es wird still am Tisch. Die Blicke wandern von Akemi zu Kahoko und alle warten sie darauf, dass Kahoko ausrastet oder ihre Beinahe-Schwägerin schroff in ihre Schranken verweist.
Aber Kahoko sinkt einfach nur in ihren Stuhl zurück, seufzt und schüttelt den Kopf.
„Shouta...“
„Ja?“
„Könntest du heute Nacht vielleicht nicht nach Hause kommen?“
Shouta wird knallrot, dann nickt er.
„Ich… ich schlafe einfach bei meinen Eltern.“, murmelt er, „Das ist kein Problem.“
„Dann kannst du gleich auch noch Lia nach Hause bringen.“, erklärt Nanami kurz entschlossen, „Ich fahre Akemi und Kahoko heim, Michirou übernimmt Megumi und dann treffen wir uns nächste Woche wieder und reden darüber, wie sehr uns dieses Treffen geholfen hat.“
Shinji mustert ihre Freundinnen, die alle schon stehen und seufzt.
„Wirklich. Es ist noch nicht mal zehn Uhr. Das nennt ihr einen Mädelsabend?“
„Und du sprichst mit Susa.“, fordert Nanami und Shinji wird blass.
Sie öffnet den Mund, um zu widersprechen, aber einer Nanami widerspricht man nicht.
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