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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
24
Alle Kapitel
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26.02.2017 3.806
 
2:30 Uhr

Wakamatsu Kousuke wird davon wach, dass sich etwas Spitzes in die Haut knapp über seinem Steißbein drückt. Er knurrt unwillig, ohne die Augen zu öffnen und schlingt die Arme enger um seine schlafende Frau. Der spitze Gegenstand verschwindet, dann drückt er ein paar Zentimeter weiter oben erneut in seine Haut. 
Kousuke öffnet unwillig ein Auge. Im Schlafzimmer herrscht ein dämmriges Licht und er blinzelt, um besser zu sehen. Michirous Gesicht ist direkt neben seinem, sie liegt auf dem Rücken, den Mund leicht geöffnet, ihre Hände liegen locker auf seinem Arm, der um ihren Brustkorb geschlungen ist. Für einen Moment vergisst er, warum er aufgewacht ist, drückt seine Nase in ihr verwuscheltes Haar und küsst leicht ihre Schläfe. 
Dann drückt der spitze Gegenstand in seine Wirbelsäule und sein linker Arm, greift mit einer blitzschnellen Bewegung hinter sich. Seine große Hand umschließt eine kleine und ein lautes Quietschen ertönt. Michirou reißt die Augen auf und für den Bruchteil einer Sekunde sieht Kousuke an ihr vorbei auf den Wecker, dessen rote Ziffern gerade mal halb drei Uhr morgens zeigen.
„Kousuke…?“
„Schlaf wieder ein.“, knurrt er in ihr Ohr und entwirrt das Chaos ihrer in einander verschlungenen Beine um sich aufzusetzen, „Ich kümmere mich drum.“
Sie seufzt und er dreht sich zu dem kleinen Störenfried an der Seite des Bettes, der ihn mit großen schwarzen Augen ansieht.
„Dada.“, nuschelt der Kleine um seinen Schnuller herum, „Nass.“
Kousuke wirft einen Blick auf den riesigen Fleck auf dem grünen Strampler und seufzt, pflückt seinen Sohn mit einer Hand vom Boden und nimmt ihn auf den Arm.
„Was machen wir nur mit dir, Shoichi?“, knurrt er gespielt böse und zwickt ihn in die Pausbäckchen.
Sein Sohn quietscht erfreut und strampelt mit den dicken Beinchen, begeistert über die Höhe, in der er sich befindet.
„Wie kommst du überhaupt immer wieder aus deinem Gitterbett? Kannst du fliegen, oder was?“, murrt Kousuke und schaltet das Licht im Kinderzimmer ein, um sich nicht – wie schon oft zuvor passiert – den großen Zeh am Wickeltisch zu stoßen. Anstatt einer Antwort haut ihm sein Sohn mit der Faust auf die Wange.
Eh, keine Gewalt hier, Kleiner, sonst wickelst du deine Windeln bald selber.“
Shoichi lacht, ohne zu verstehen und Kousuke pflanzt den Kleinen auf den Wickeltisch, um ihm mit geübter Hand aus den nassen Sachen zu befreien.
„Jetzt mal so im Vertrauen, Shoichi... Imayoshi hat mir letztens ganz arrogant erzählt, dass seine Zwillinge es schon nach einem Jahr geschafft haben, ihre Windeln nicht jede Nacht überlaufen zu lassen. Denkst du, du kannst das auch lernen? So, in den nächsten fünf Monaten vielleicht? Wenn dein Geschwisterchen kommt, musst du als großer Bruder ein Vorbild sein.“
Shoichi starrt ihn wortlos an und saugt dabei lautstark an seinem Schnuller. Kousuke muss bei dem Anblick lächeln.
„Aber wenn nicht, dann macht das auch nichts. Du hast das ja das Glück, dass du im Aussehen ganz nach mir kommst und uns gut aussehenden Wakamatsus kann man einfach nicht böse sein. Vor allem, weil du den Hundeblick deiner Mama hast.“
Er beugt sich über das Kleinkind und beißt ihm leicht in die Nase, was Shoichi zu begeistertem Quietschen anstachelt. Kousuke kann nicht anders, als mitzulachen und kitzelt mit den Fingern das pralle Bäuchlein seines Sohnes.
„Außerdem… und das sag ich Imayoshi immer wieder… ist er dein Namensvetter. Wenn du also mit 18 Monaten immer noch jede Nacht deine Windeln sprengst, dann muss das wohl an deinem Namen liegen, was meinst du?“
Shoichi lacht und klatscht die flache Hand gegen Kousukes Mund, der schallend lacht.
„Ich wusste, du stimmst mir zu.“ 
Fünf Minuten später schließt Kousuke leise die Schlafzimmertür hinter sich. Er hat gar nicht erst versucht, Shoichi zurück in sein Bettchen zu legen – er weiß es mittlerweile besser.
„Hey Mama.“, murmelt Kousuke leise und zieht leicht an der Decke, die Michirou bis zum Kinn hochgezogen hat. Seine Frau grummelt, schiebt aber die Decke bis zur Hüfte runter und breitet die Arme aus, ohne die Augen zu öffnen. Er lächelt und legt vorsichtig Shoichi auf ihren Bauch, wo der Kleine es sich augenblicklich gemütlich macht. Michirou blinzelt, legt ihre Hand auf den Rücken des Jungen und klopft mit der anderen auf die leere Fläche neben sich.
„Ich komm ja schon, ich komm ja schon.“, murmelt Kousuke, klettert zurück ins Bett und zieht die Decke hoch, bis nur noch Shoichis blonder Schopf hervorlugt. Kouske schlingt Arme und Beine um seine kleine Familie, als wäre er ein Koala und presst seinen Mund an Michirous Ohr.
„Nur dass das klar ist.“, murmelt er träge, „Wenn Nummer 2 ein Mädchen ist, nennen wir sie nicht Kahoko. War schon eine doofe Idee von mir, ihn Shoichi zu nennen, wir brauchen kein Ehepaar unter unserem Dach, dass nicht wir selbst sind.“
Michirous Lippen verziehen sich zu einem kleinen Lächeln und als Kousuke einschläft, spürt er noch, wie ihn jemand frech in den Hintern zwickt. 
Dieses Weib!

- - - -

4:59 Uhr

Kahoko wird davon wach, dass ihr rechter Arm ins Leere greift. Die andere Hälfte des Doppelbettes ist leer. Sie seufzt, dreht sich um und schaltet den Wecker aus. In ein paar Minuten hätte er ohnehin geklingelt.
Sie streckt sich, setzt sich auf und blickt aus dem Fenster. Der Himmel ist hellgrau, aber klar. Heute wird ein schöner Tag.
Munter schwingt sie sich aus dem Bett und geht zum Kleiderschrank, um sich anzuziehen. Erst mal nur Sportklamotten für die morgendliche Joggingrunde. Ihr Spiegelbild lässt sie innehalten. Das Basketball-Trikot, dass sie zum Schlafen trägt, ist beinahe durchsichtig, so dünn ist der Stoff vom jahrelangen Tragen geworden. Der Saum hat an Farbe verloren, an den Stellen, wo sie ihn um ihre Finger wickelt, um sich zu beruhigen. So wie jetzt. Es war niemals ihr Trikot und das sieht man noch immer.
Sie schlüpft aus dem liebgewonnenen Kleidungsstück und drückt, einer alten Gewohnheit nachgebend, ihre Nase hinein. Als könnte nach all den Jahren noch sein Duft in den Fasern hängen. Ein lächerlicher Trugschluss, der Stoff riecht nach ihrem Parfüm und dem Weichspüler, den sie benutzt. Sie verkneift sich ein weiteres Seufzen, faltet das Trikot zusammen und schiebt es unter ihr Kissen, wo niemand es so schnell finden kann. Dann zieht sie sich an. Joggen hat sie schon immer auf andere Gedanken gebracht.

Als sie die Schlafzimmertür hinter sich schließt, lauscht sie. Stille.
Kahoko lächelt und schleicht die Treppe hinunter. Auf der letzten Stufe verharrt sie, atmet tief durch.
„Du bist schon wach?“
Shouta blickt von seinem Kaffee auf und lächelt sie an.
„Konnte nicht schlafen. Kaffee?“
Die Frage bringt wieder Bewegung in sie. Sie umrundet den großen Küchentisch, streckt die Hand aus und streicht ihm durch das ohnehin schon zerzauste Haar. Im Vorübergehen drückt sie ihm einen Kuss auf den Scheitel, dann füllt sie eine Tasse mit einem Fingerbreit Kaffee.
„Die Kinder schlafen noch.“, murmelt sie wie zu sich selbst, aber Shouta hat sie natürlich dennoch gehört.
„Geh ruhig joggen. Ich bin sowieso hier.“
„Danke.“, sie trinkt ihren Schluck Kaffee, wuschelt ihm noch ein Mal durch die Haare und verlässt dann das Haus.
Shouta blickt ihr nach, mit einem Hauch von Sorge und noch mehr Geduld.

Kahoko beginnt ihre Laufrunden immer mit langsamen Schritten, steigert ihr Tempo dann aber immer schneller. Sie ist 28, nicht 16 und hat drei Kinder zur Welt gebracht.
Das verändert einen, denkt sie unwillkürlich und legt an Tempo zu, als sie von ihrer Wohnsiedlung auf die Straße abbiegt.
Bis zu Shintarou ist es nicht weit, es reicht grade mal, um sich warmzulaufen.
Ihr Bruder wartet bereits auf sie. Er mustert sie und sie mustert ihn.
„Schlecht geschlafen?“, er streckt seine Hand aus und reibt mit dem Daumen sanft über die Ringe unter ihren Augen.
„Sollte ich wohl dich fragen, was?“, murmelt sie zurück. Er zuckt mit den Schultern.
„Ich bin Jungarzt, Papa sagt, das ist ganz normal so.“
Wortlos schlingt sie den Arm um seine Schulter, er zieht sie in eine Umarmung.
„Hey! Fangt ihr etwa schon ohne mich mit dem Kuscheln an?“
Die Zwillinge lösen sich voneinander, Kahoko grinst Kazunari an, der vor ihnen steht, die Hände in die Hüften gestemmt.
„Hast du abgenommen?“, fragt sie ihn und er rollt mit den Augen.
„Kein bisschen und das weißt du genau. Reit nur weiter auf meinen drei zusätzlichen Kilos herum. Dass dus nur weißt, Vater zu sein ist kein Honiglecken.“
„Hat Hiro schon wieder nicht geschlafen?“
„Kein bisschen. Ich kanns kaum erwarten, wenn diese leidige Zeit der Koliken vorüber ist.“, Kazunari seufzt, dann hakt er sich bei ihnen unter.
„Aber lasst mich doch bitte für eine halbe Stunde vergessen, dass ich einen Schreihals zuhause habe und mir die Stressschokolade an den Hüften klebt. Hab ich richtig im Gedächtnis, dass Lia dieses Wochenende zurück kommt?“
Die drei setzen sich in Bewegung, Kahoko lächelt, diesmal wesentlich befreiter.
„Ja, endlich! Ich habe sie ewig nicht mehr gesehen. Ich hab sie so vermisst.“
„Wie wollt ihr das Wiedersehen feiern?“
„Oh, Shinji hat uns natürlich einen Tisch für den Abend freigehalten. Megumi und Michirou sind beide schwanger und dürfen nichts trinken, aber Shinji schwört darauf, dass ihr Barkeeper die besten alkoholfreien Drinks macht, also haben sie eingewilligt zu kommen.“
„Au ja, lassen wir uns mal wieder so richtig volllaufen!“, jubelt Kazunari neben ihr.
„Du bist nicht eingeladen.“
„Aber...“
Kahoko schüttelt den Kopf, lächelt dabei aber. „Das ist nur unser altes Team. Gib's doch zu, du willst nur Tsunako treffen.“
„Hallo~? Kahoko? Du weißt schon, dass ich Reporter bin und Tsunako zufällig zu den derzeit angesagtesten Designern zählt? Und du weißt auch, dass ich derzeit für Kulinarik zuständig bin? Was will ich mit einer Handtaschendesignerin, wenn ich Shinjis Bar ne neue Erwähnung in meiner Rubrik verschaffen kann?“
Kahoko lacht, aber Shintarou schüttelt den Kopf.
„Du bist nicht eingeladen und dabei bleibt es. Du kannst bei mir schlafen, wenn du so dringend außer Haus sein willst, aber dann nimm wenigstens Hiro mit, damit deine Frau mal mehr als fünf Minuten am Stück schlafen kann.“
„Ist das ein Angebot?“, Kazunaris Lächeln ist zu breit, um vertrauenswürdig zu sein und Shintarou seufzt ergeben.
„Ja von mir aus.“

- - -

Als Kahoko vom Laufen zurück kommt, ist sie verschwitzt, aber wesentlich besser drauf. Bis sie die Haustür öffnet und von ohrenbetäubendem Gebrüll empfangen wird. Sie pfeffert ihre Schuhe in die eine Ecke, ihren Schlüssel in die andere und sprintet in die Küche, wo das Drama gerade seinen Höhepunkt erreicht.
Shouta steht mitten drin, in seinen Armen windet sich der fünf Monate alte Tadashi, der brüllt, als würde man ihm gerade die Haut abziehen.
Die Zwillinge sind auch nicht weit. Saori steht heulend inmitten von Scherben, ihr grünes Haar ist unter Milch, Cornflakes und anderen Dingen kaum noch zu erkennen und auf dem Küchentisch selber steht Reiko, die schwarze Haare stehen ihr zu Berge und sie stampft und wütet, dass man meinen könnte, ihr wäre der Leibhaftige eingefahren.
Kahoko braucht nur den Bruchteil einer Sekunde, um sich zu orientieren.
Sie stürzt zu Shouta, der selbst den Tränen nahe ist, packt Tadashi, der zu Brüllen aufhört und sein rotes Gesicht in ihren Hals presst.
Die Stille wirkt Wunder. Kahoko dreht sich zu Reiko um, deren Mund offen steht, weil sie mitten im Satz bemerkt hat, dass sie nicht mehr die uneingeschränkte Macht hat.
„Runter. Sofort.“ Die Stimme ihrer Mutter ist leise und ruhig.
Reiko schluckt, schiebt mit zitternden Händen die Brille auf ihrer Nase zurecht und klettert vom Tisch.
Saori braucht keine Rüge, kein Wort. Als sie ihre Mutter bemerkt, schlittert sie in ihren Plüschpantoffeln über den dreckigen Boden auf sie zu und klammert sich mit aller Macht an ihr Bein, um dort weiter zu heulen.
„Ist ja schon gut.“, Kahoko streicht ihr durch das verdreckte Haar, wiegt den schniefenden Tadashi und wirft Shouta einen entschuldigenden Blick zu.
„Alles okay mit dir?“
„J-ja… ja, schon.. schon okay… I-ich… Tadashi wollte sich nicht beruhigen lassen… u-und...“
Kahoko hebt die Hand, um ihn zu unterbrechen.
„Du musst dich nicht entschuldigen.“
Sie hebt den schniefenden Tadashi ein wenig von sich weg, sodass der Kleine sie ansehen kann. „Tadashi vermisst seinen Papa, das ist alles. Nicht wahr, du vermisst Papa...“
Der Kleine reagiert auf die vertraute Stimme und das vertraute Wort mit unverständlichem Gebrabbel und grabscht nach dem wohlbekannten grünen Haar.
„Und du bist nicht Papa.“, stellt Reiko klar und verschränkt die Arme vor der schmalen Brust, als sie vor ihm steht.
„Reiko. Du gehst zu weit.“
Reiko verzieht trotzig das Gesicht, aber ihre Unterlippe zittert verdächtig und Kahoko kennt ihre Tochter. Sie geht in die Knie, streckt die Hand aus und Reiko tritt zögerlich näher. Die Älteste wirft Shouta einen Blick zu, dann schmiegt sie sich an ihre Mutter.
„Ich weiß, du vermisst Papa. Das tun wir hier alle. Nicht mehr lange, dann ist er wieder hier. Und Onkel Shouta wohnt bei uns, um uns zu helfen. Deshalb wollen wir ja auch alle ganz nett zu ihm sein. Wenn du ihn ganz lieb fragst, dann verzeiht er dir sicher und hilft dir beim Aufräumen.“
Reiko mustert ihre Mutter lange aus zusammen gekniffenen Augen, dann wendet sie sich schließlich an Shouta.
„Onkel Shouta?“ Ihre Stimme klingt so ernst und gewichtig, dass er lächeln muss und in die Knie geht, um mit ihr auf Augenhöhe zu sein.
„Ja Herzchen?“
„Tut mir leid, dass ich so blöd zu dir war. Ich wollte nur Pfannkuchen machen, weil wenn Mama Pfannkuchen macht, dann sagt Papa, dass er das sogar am Ende der Welt riechen kann… Und Cornflakes kann er ja doch nicht riechen… Ich wollte die Schüsseln nicht runter schmeißen. Ich wollte nur nicht, dass wir Cornflakes machen. Bist du mir jetzt böse?“
„Aber nein. Ich bin dir nicht böse. Du hast es ja gut gemeint. Das nächste Mal kannst du mir das ja einfach sagen, wir müssen nichts kaputt machen.“
Reiko nickt, nur Saori ist noch nicht zufrieden.
„Du musst ihm noch einen Kuss geben.“, erklärt sie ernst.
„Was?“, Shouta weiß nicht, ob er rot werden soll oder lieber Panik kriegen. Woher nimmt dieses Kind diese Ideen?
„Wenn Mama böse auf Papa ist und er sich entschuldigt, gibt er ihr immer einen Kuss. Auf die Backe.“, erklärt Saori und wackelt zur Verdeutlichung noch mit dem Zeigefinger, wie sie es von ihrem Onkel Shin-Shin gelernt hat.
Kahoko errötet.
„Das ist das 'Schwamm drüber Küsschen'...“, erklärt sie verlegen.
Shouta lächelt, zwinkert ihr zu und kriegt dann von einer verlegenen Reiko sein „Schwamm drüber Küsschen“ auf die Wange gedrückt.

Eine halbe Stunde später hat Reiko mit Shoutas Hilfe das Chaos beseitigt, Kahoko Saori sauber gekriegt und Tadashi sitzt satt und zufrieden in seinem Wiegestühlchen am Küchentisch.
Es gibt belegte Brote für alle, die schon Zähne besitzen und sie auch verwenden können und Kahoko schreibt „Milch“ ganz oben auf die Einkaufsliste.
„Heute abend rufen wir Papa an.“, erklärt sie ihren Kindern, die naturgemäß begeistert sind. Shouta lächelt in seine Kaffeetasse und enthält sich eines Kommentars.
„Und ich kaufe heute die Zutaten ein, damit wir morgen Papas Lieblingspfannkuchen machen können.“
Reikos ernstes Gesichtchen wird durch ein Lächeln völlig verwandelt.
Saori kommt eine Idee.
„Können wir ihm auch Bilder malen? Wo wir willkommen drauf schreiben? So wie Tante Nami das für Tante Lia gemacht hat?“
„Du kannst doch noch gar nicht schreiben.“
„Du auch nicht.“
„Aber ich.“, unterbricht Kahoko die Zwillinge, bevor der nächste Streit ausbricht, „Ihr malt und ich schreibe. Dann kann ich auch was tun.“
Damit kehrt endlich Ruhe ein. Zumindest für den Moment.

- - -

7:30 Uhr

Nanami ist jetzt seit zwei Stunden wach, sie hat gefrühstückt, die heutigen Termine für sich, ihren Ehemann und ihre Klienten abgestimmt, Mittagessen verpackt, das Geschirr in die Spülmaschine geräumt und sich noch einmal die Baustelle im rechten Flügel ihres Hauses angesehen. Die Renovierung geht gut voran und jetzt ist es Zeit, ihr Faultier von einem Mann aufzuwecken.
Sie zupft ihren Rock zurecht, krempelt die Ärmel hoch und mustert den unförmigen Haufen auf ihrem Bett, der aus Decken, Kissen und einem lebenden Menschen besteht. Sie hat ihn bis jetzt schlafen lassen und entscheidet sich dafür, sanft anzufangen. Also schlägt sie die Bettdecke zurück, findet einen nackten Fuß und streicht sanft mit den Fingerspitzen über die empfindliche Fußsohle.
Der Fuß zuckt und wird eilig weg gezogen. Unwilliges Murren ertönt. Also zieht sie an der Decke, da, wo sie seinen Kopf vermutet. Sie hat Glück.
Er hat die Augen zusammen gekniffen, als würde ihm das etwas helfen.
Sie streckt die Hand aus, streicht ihm durch das dunkle Haar.
„Zeit aufzustehen. Ich hab Kaffee gekocht und Frühstück gemacht.“
Er brummt wieder und sie beugt sich vor. Blitzschnell schießt er aus dem Deckengewirr, packt sie, wirft sie aufs Bett und sich selbst auf sie.
„Daiki!“, stößt sie empört hervor, er liegt schwer auf ihr. Ihr Unwille interessiert sie kein bisschen. Sie drückt ihre Fäuste gegen seinen Brustkorb, aber auch das kümmert ihn nicht, er macht es sich auf ihr gemütlich, als wäre sie eine besonders bequeme Matratze.
Aber sie ist immer noch Nanami und mit ihr ist niemals zu spaßen.
Sie schlingt die Arme um seine Hüften, windet sich ein bisschen herum, bis er doch tatsächlich in ihre Falle tappt und glaubt, sie mache es sich endlich gemütlich. In dem Moment, in dem seine Wachsamkeit nachlässt, holt sie Schwung und katapultiert sie beide aus dem Bett.
Sie landen hart auf dem Boden, er unter ihr. Bei dem Krach, den das macht, ist sie froh, das Shouta zurzeit bei Kahoko wohnt.
Daiki jammert und grummelt wie ein alter Bär, aber jetzt ist er wach.
„Na komm schon, steh auf.“, sie richtet sich auf und zieht an seinem Arm, bis er sich wiederwillig aufrappelt.
Manch einer seiner Teamkollegen wundert sich noch heute, wie er es mit einer so fordernden Frau wie ihr aushält. Aber das stört Nanami nicht. Sie ist die einzige, die weiß, dass es ihm auf eine seltsame Art und Weise gefällt, von ihr durchs Leben gezerrt zu werden. Es gibt Dinge, die andere Leute einfach nicht wissen müssen.

„Lia kommt morgen.“, erklärt sie ihm, als er beim zweiten Kaffee angelangt ist. Sie sitzen sich am Küchentisch gegenüber, einen kurzen Moment der Ruhe genießend. Ihre Füße liegen auf seinem Schoß und seine großen Hände spielen mit ihren kleinen Zehen.
„Imayoshi auch.“, murmelt er und hält seinen dunklen Daumen neben ihren blassen großen Zeh. Nanami beobachtet ihn amüsiert. Er macht das jeden Tag, als erwarte er, seine dunkle Hautfarbe würde eines Tages auf sie abfärben. Bis jetzt hat er jedenfalls noch nichts feststellen können.
„Ach ja...“, geht sie auf seinen Einwurf ein, „Das ist seine erste Trainingswoche, seit Tadashi da ist, oder? Gut, das Shouta bei ihnen wohnt. Man merkt, dass sie noch nicht so gut alleine klar kommt.“
„Ich glaub nicht, dass es bloß das ist.“
Nanami stutzt. „Was meinst du?“
Er zuckt mit den Schultern. „Keine Ahnung. Sie ist komisch, mehr weiß ich auch nicht.“
Seine Frau seufzt, legt den Kopf in den Nacken.
„Mach dir keine Sorgen. Wir kümmern uns schon um sie. Du machst dir doch eh schon genug Sorgen um alle. Shouta und Kahoko konnten sich doch schon immer am besten gegenseitig helfen.“
Sie nickt, aber er weiß, dass seine Worte nichts bringen werden. Sie wird sich dennoch Sorgen machen.
„Komm.“, sie steht auf, „Lass uns in den Tag starten. Sonst sitzen wir in zwei Stunden immer noch hier.“
„Würde mich nicht stören.“, murmelt er. Sie lächelt und tut so, als hätte sie es nicht gehört.

- - -

8:30 Uhr

„Schatz? Bist du wach?“
Keine Antwort.
Kagami balanciert vorsichtig das Tablett auf einem Arm und öffnet mit der anderen die Tür zum Schlafzimmer.
Megumi liegt in der Mitte des großen Bettes und hat ihren Körper um das große Schwangerschaftskissen gewickelt, das Kahoko ihnen geschenkt hat.
Sie dreht ihm den Rücken zu und er schleicht vorsichtig durchs Zimmer, um das Tablett mit ihrem Frühstück auf dem Nachttisch abzustellen.
„Schatz?“, wispert er wieder, „Mäuschen?“
Megumi brummt etwas Unverständliches und Kagami zögert, bevor er ihr sanft mit der Hand über den Rücken streicht.
„Hey...“, er beugt sich vor und murmelt ihr ins Ohr, „Du kannst gerne weiter schlafen, ich wollte dir nur einen Kuss geben, bevor ich gehe.“
Sie brummt wieder und dreht sich langsam auf den Rücken. Sie blinzelt dreimal, bevor sie eine Auge öffnet und ihn ansieht.
„Taiga? Wie spät ist es?“
„Halb neun. Schlaf ruhig weiter, wenn du noch müde bist, ich hab dir das Frühstück ans Bett gestellt.“
Sie sieht ihn einen Moment schweigend an und er wartet. Er hat mittlerweile gelernt, dass sie morgends ein wenig Zeit braucht, um warm zu laufen.
„Musst du gleich gehen?“, fragt sie dann und er nickt.
„Warum hast du mich dann nicht früher geweckt?“, fragt sie enttäuscht und setzt sich auf.
Er seufzt und hilft ihr, sich aufzusetzen. Ihr Bauch scheint über Nacht schon wieder gewachsen zu sein und er streicht sanft darüber.
„Du hast müde ausgesehen und gestern warst du sauer, dass ich dich nicht habe schlafen lassen.“
„Aber heute wollte ich mit dir frühstücken.“, klagt Megumi und er seufzt erneut.
„Tut mir leid.“, murmelt er, „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich dich natürlich geweckt. Krieg ich noch einen Kuss, bevor ich gehe?“
Sie brummt unwillig, beugt sich aber dennoch vor, um ihm einen Kuss zu geben.
„Trainier gut, okay? Unser Baby braucht einen starken Papa.“
„Und eine gesunde Mutter. Also iss brav dein Frühstück.“

-


9:00 Uhr

„Du bist spät dran.“, begrüßt ihn Aomine, als er die Tür der Umkleide hinter sich schließt, „Das heißt, später als sonst, Mister Überpünktlich.“
Kagami schüttelt nur den Kopf und zieht sich wortlos das Shirt über den Kopf.
Jemand klopft gegen die Tür, die in die Trainingsräume führt.
„Beeilt euch mal ein bisschen da drinnen.“, erklingt dumpf die Stimme ihres Trainers und die Spieler brummen eine unverständliche Antwort.
Aomine wartet auf Kagami, zupft an seinem Schweißband herum, während er an die Decke starrt.
„Alles okay bei euch?“, fragt er leise, als sie die Umkleide hinter sich lassen und in die sonnendurchfluteten Trainingsräume treten.
Kagami winkt ab und geht stattdessen in die Knie, als ein kleines Mädchen auf ihn zugerannt kommt.
„Onkel Taiga, Onkel Taiga!“, jubelt die Kleine und Taiga packt sie unter den Armen, wirft sie in die Luft und fängt sie wieder auf.
Das Mädchen lacht und patscht ihm beide Hände ins Gesicht.
„Saori!“, ruft Kahoko quer durch den Raum und Taiga verzieht das Gesicht und setzt die Kleine wieder ab.
„Mama will arbeiten.“, wispert er ihr zu und schiebt sie in Richtung ihrer Mutter.
Saori lächelt ihm zu, dann umarmt sie Aomines linkes Bein und drückt ihre Lippen gegen sein Knie.
„Hallo Onkel Dai!“, murmelt sie zu ihm hoch, lächelt und watschelt zurück zu ihrer Mutter.
Kagami lächelt und blickt zu Aomine, der der Kleinen versonnen nachblickt.
„Süß, oder?“, meint er locker und Aomine nickt gedankenverloren.
„Hey! Ihr zwei!“, unterbricht die Stimme ihres Trainers ihr gemütliches Schweigen.
Sie zucken zusammen und eilen zu ihm.
Shouta mustert sie streng, dann lächelt er.
„Ab mit euch zum Aufwärmen, wir wollen heute was schaffen.“
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