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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
23
Alle Kapitel
100 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
15.02.2017 4.675
 
Hallo Leute,
mit diesem Kapitel haben wir die 100 erreicht. Eigentlich hat die Story ja schon vor drei Kapiteln geendet, aber da ich die Story so liebe, gibt es nicht nur den Winterballepilog, sondern noch weitere 8 Kapitel voller Überraschungen, die mir hoffentlich auch gelungen sind.
Dieses Kapitel ist besonders lang, da meine Betaleserin aufgemerkt hat, dass ihr noch etwas gefehlt hat - was, das findet ihr nach dem fetten Extra
Falls euch auch noch was auffällt, was eurer Meinung nach fehlt - wie zum Beispiel Kahoko, die sich als wahrer Zwilling als ihr Bruder verkleidet, Chikara beim Flirten oder Rebellen-Shinji, die lieber selber einen Heiratsantrag macht, als gefragt zu werden - dann lasst es mich wissen. Für obengenannte Vorschläge übernehme ich allerdings keine Haftung^^.
Alles Liebe und viel Spaß beim Lesen,
eure Poettierchen



„Kahoko! Hier sind wir.“
Kahoko dreht sich um und erstarrt.
„Nanami?“, fragt sie verdutzt und blinzelt, „Das ist deine Begleitung?“
Nanami grinst frech und Aomine blickt verärgert drein.
„Was soll denn die Begrüßung bitte?“, fragt er Kahoko, „Hast du was dagegen?“
„Ich bin nur überrascht.“, erklärt Kahoko, „Wie kommt's?“
Sie mustert die beiden, den Größenunterschied und die Tatsache, dass ihr ganzes Outfit aufeinander abgestimmt ist – aber das könnte auch Nanamis Planung zu verdanken sein.
„Hab ich dir doch erklärt.“, in Nanamis Stimme klingt ein seltsamer Unterton mit, wie bei ein Lehrer, dem zum hundersten Mal die gleiche Frage gestellt wird.
Sie hebt ihren Arm und legt ihre Hand leicht auf Aomines Ellbogen.
„Siehst du den Tisch dort drüben, wo Shouta bereits sitzt?“
Er nickt. „Soll ich mich schon mal setzen?“
„Wenn du willst. Kahoko sitzt auch bei uns, aber ich will noch ein paar Worte mit ihr wechseln.“
Aomine zuckt mit den Schultern, klatscht Kahoko seine große Hand auf die Schulter und nickt ihr zum Abschied zu.
Bevor er geht dreht er sich aber noch einmal um.
„Willst du was trinken?“, fragt er Nanami und die lächelt erfreut.
„Wasser, bitte.“
„'Kay… Bis gleich...“, er trottet davon und kaum ist er außer Hörweite, dreht sich Kahoko wieder zu Nanami um.
„Du und Daiki?“
Nanami lacht. „Entspann dich. Ich hab dir doch erklärt, dass da nichts ist. Er hat eine Begleitung gebraucht, die sich nicht gleich Hoffnungen macht und unsere Popularität steigt, wenn er mit unserem Team gesehen wird.“
Kahoko seufzt.
„Er ist kein Werkzeug, Nanami.“
„Natürlich nicht. Außerdem ist er sehr zufrieden mit unserer Abmachung, ich hab ihm eines von diesen Magazinen gekauft, die er so gerne mag, er muss nicht tanzen und scheinbar kann man sich mit mir ganz gut unterhalten, das hat er selbst behauptet.“
„Magst du ihn?“, fragt Kahoko vorsichtig und Nanami zuckt mit den Schultern.
„Für einen Jungen ist er ganz okay. Er sieht gut aus und bis jetzt hat er noch nichts gemacht, was ihn total abstoßend wirken lässt. Aber du weißt, dass das bei mir nichts zu bedeuten hat.“
Kahoko seufzt. „Ich würde mir wünschen, dass es anders wäre, aber okay. Es hat nichts zu bedeuten. Ich habe verstanden.“
Nanami nickt zufrieden. „Gut, ich geh ihm jetzt lieber hinterher, bevor noch jemand das ganze in den falschen Hals kriegt.“

- - -

Susa hat sich und Shinji gerade etwas zu trinken geholt, als sich jemand vor ihnen aufrichtet.
„Was ist in den Gläsern?“, fragt Haizaki mit dem düstersten Gesichtsausdruck, den er meistern kann.
„Kirschsaft, du Idiot.“, erklärt Shinji und will einen Schluck nehmen, als Haizaki ihr das Glas aus der Hand nimmt und daraus trinkt.
Er grunzt unwillig und gibt ihr das Glas zurück, bevor er Susa mürrisch mustert.
„Ich behalte dich im Auge, Freundchen.“, grunzt er.
Susa grinst. „Gerne. Allerdings bin ich nicht derjenige, der gerne etwas anstellt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Shinji vorhin Chili über das Sahnedessert gestreut hat.“
„Hast du?“, fragt er Shinji, die den Anstand hat, ertappt drein zu blicken und zu nicken.
„Krass.“, Haizaki hält ihr die Hand zum High-Five hin und Susa seufzt nur.
„Was habe ich auch erwartet...“

- - -

„Dai-nii?“
Mirais Stimme ist hoch und laut genug, um den Lärm unzähliger Gespräche zu übertönen.
Daiki versteift sich beinahe blitzartig und Lia und Shouta, die ihm gegenüber stehen, ziehen eine peinlich berührte Grimasse. Sie ahnen bereits, dass diese Konfrontation unausweichlich ist.
„Hättest du nicht wenigstens Mirai darauf vorbereiten können?“, zischt Shouta seiner Schwester zu, die keine Miene verzieht.
Im nächsten Moment steht Mirai auch schon bei ihnen, mustert ihren Bruder und dann Nanami. Sie hat einen überraschend harten Zug um den Mund.
„Du hättest mir was sagen sollen!“, klagt sie empört und es ist nicht ganz klar, wen sie damit genau meint, ihren Bruder oder ihre Freundin.
„Mirai, das ist doch ihre Sache...“, murmelt Kuroko neben ihr beruhigend und mindestens einer der Gruppe zuckt erschrocken zusammen, weil sie den unscheinbaren Jungen bis eben gar nicht bemerkt haben.
„Aber…!“, Mirai holt tief Luft, „Ich will nichts von euch hören! Kein Gemaule übereinander und wenn es nicht klappt, dann will ich nicht diejenige sein, bei der ihr euch ausheult! Ich will nicht dazwischen stehen, kapiert?“
„Wir sind nur befreundet...“, mault Daiki.
Nanami hingegen richtet sich auf, trinkt einen Schluck Wasser und schenkt Mirai ein berechnendes Lächeln.
„Dann willst du also nicht wissen, womit ich deinen Bruder bezahlt habe, damit er einen Anzug anzieht?“
Mirais Gesichtsausdruck ist ein Abbild der Zerrissenheit.
Sie kämpft mit sich, dann sinken ihre Schultern geschlagen hinunter.
„Erzähl!“, fordert sie und Nanami grinst.
„Ausführlicher Bericht morgen früh.“, verspricht sie und Mirai nickt ernst.
Dann wendet sie sich an ihren Bruder.
„Und wehe, du erzählst mir heute Abend nicht bis ins kleinste Detail, wie du sie gefragt hast!“
Sie schnappt sich Kurokos Hand.
„Gehen wir weiter? Ich hab Shinji noch nicht gesehen.“

- - -

Schließlich ist es soweit.
Der Tanz beginnt.
Shintarou und Kahoko stellen sich auf, seine Hand liegt an ihrer Seite, direkt über dem Korsett, das sie wegen ihrer verletzten Rippen tragen muss.
„Alles okay?“, fragt er und sie nickt entschlossen.
„Alles okay.“
Kahoko hat diesen Tanz so lange geübt, dass es einfach ist, alles um sich herum auszublenden. Und das ist auch nötig, denn sie ist noch immer nicht völlig genesen – sie mussten ein paar Tanzschritte ändern, die sich auf ihren Heilungsprozess negativ ausgewirkt hätten – der Verschluss des Push-Up BHs, den ihre Mutter ihr aufgezwungen hat, kratzt sie am Rücken und Shoichi ist noch immer nicht da.
Und doch, trotz all dieser Dinge, ist es ein schöner Tanz.
Erst sie und Shintarou, bis die Musik anschwillt und die Kapitäne rund um sie herum die Tanzfläche betreten.
Manchmal erwischt sie aus dem Augenwinkel ein bekanntes Gesicht und manch einer lächelt sie an oder zwinkert ihr zu, wenn sie Partner tauschen.
Dann ist sie wieder bei Shintarou und noch mehr Paare strömen zu ihnen auf die Tanzfläche und sie tanzen, bis die Musik immer leiser und der Applaus immer lauter wird.
Als nächstes stehen ein paar Reden auf dem Programm. Kahoko bleibt mit Shintarou an der Seite stehen, bis ihre Mutter, die erste Rednerin, geendet hat.
„Kommst du?“, fragt Shintarou, aber Kahoko schüttelt den Kopf.
„Ich brauche etwas frische Luft. Falls du Shoichi siehst, sag ihm, ich bin draußen.“
„Geh nicht zu weit weg und nimm deine Jacke mit.“, gibt ihr Bruder zurück und sie grinst und wuschelt ihm durchs Haar.

Es ist kalt draußen, aber wunderschön.
Im Boden eingelassene Lampen beleuchten die wenigen Schneeflocken, die vom Himmel fallen.
Kahoko geht in den kleinen Park hinein, bis die Dunkelheit sie fast vollständig umschlossen hat und schließt die Augen.
Da ist ein Kitzeln von Aufregung in ihr, aber keine Angst.
Sie atmet ganz ruhig und fürchtet nichts.
Als sie hinter sich Schritte hört, dreht sie sich um, ein Lächeln auf den Lippen, das jäh erstirbt, als sie erkennt, dass es nicht Shoichi ist, der zu ihr heraus gekommen ist.
Akashi bleibt am Rande des Kiesweges stehen, direkt unter einer der Lampen. Sein rotes Haar leuchtet regelrecht, deshalb erkennt sie ihn auch auf diese Entfernung.
„Können wir reden?“, fragt er und für einen Moment erwägt sie, einfach noch weiter in den Park hinein zu gehen und ihn zu ignorieren.
Dann seufzt sie und tritt zu ihm zurück ins Licht.
„Danke.“, er deutet den Kiespfad entlang, den sie vorhin ignoriert hat, „Gehen wir ein Stück?“

Er wirkt anders als sonst, anders, als sie ihn kennt.
Erst als sie ein paar Schritte gegangen sind und er sie erneut ansieht, registriert sie, was sich verändert hat.
Da ist nun ein Hauch von Wärme in den sonst eiskalten Augen und sie fragt sich, was ihn so verändert hat.
Das Finalspiel? Seine Niederlage?
„Ich möchte mich bei dir entschuldigen.“
Die Worte dringen nur ganz langsam zu ihr durch, als wären sie in der Wolke gefrorenen Atems gefangen, der zwischen ihnen aufsteigt und müssten sich erst befreien.
Sie blinzelt und bleibt stehen.
„Für was?“
„Mein Verhalten. Ich war dir gegenüber voreingenommen und habe dich nicht so behandelt, wie ich es hätte tun sollen.“
„Wie hättest du dich denn verhalten sollen?“
Er mustert sie, als habe sie ihm ein Rätsel aufgegeben, das er noch nicht kennt.
Vielleicht versucht er aber auch nur herauszufinden, ob sie ihn provozieren will oder doch ehrlich interessiert ist.
Viel Glück dabei, das weiß ich nämlich selber nicht.

„Ich hätte höflich sein sollen. Nichts von meinem Verhalten war höflich.“
„Distanziert trifft es, aber nicht unhöflich.“, entgegnet sie, „Und ich hab es dir wohl auch nicht einfach gemacht. Immerhin habe ich dir die Nase gebrochen.“
„Du gibst also endlich zu, dass du angefangen hast?“
Sein Tonfall ist trocken und ernst und sie reißt den Kopf zu ihm herum.
Er hat den Anflug eines Lächelns auf den Lippen.
„Hast du grade einen Witz gemacht?“, fragt sie schockiert und er zuckt die Schultern.
„Ich habe mir sagen lassen, dass ich in diesem Bereich noch viel zu lernen habe, aber für den Anfang fand ich mich nicht schlecht.“
Sie verdreht die Augen darüber und seufzt, stopft die Hände tief in die Taschen ihres Mantels.
„Ehrlich.“, sie wirft ihm einen Blick zu, „Ich bin nicht sauer auf dich, weil du gewonnen hast oder weil du mir gegenüber etwas zickig warst, aber du hättest Shintarou nicht so behandeln müssen.“
„Ich weiß.“, gibt er ruhig zurück, „Die Niederlage hat mir so einiges klar gemacht. Es gibt so einiges, was ich ändern muss und die Freundschaft zu deinem Bruder gehört zu den Dingen, von denen ich hoffe, dass sie zu retten sind.“
Kahoko grinst. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass du das schaffst. Schließlich sind wir alle nur etwas groß geratene Kinder, oder? Wir machen alle Fehler.“
„Dann ist zwischen uns alles klar?“
Kahoko nickt und hält ihm die Hand hin.
„Die Freunde meines Bruders sind auch meine Freunde.“, erklärt sie und grinst, als er ihre Hand ergreift, „Aber sollten wir je gegeneinander spielen, werde ich alles daran setzen, dich fertig zu machen, Freundschaft hin oder her.“
„Etwas anderes erwarte ich mir auch gar nicht.“, erklärt Akashi ernst, schüttelt ihre Hand und lässt dann los.
„Darf ich dich noch fragen, ob du mir heute Abend die Ehre erweisen würdest, mit mir zu tanzen?“
Sie lacht.
„Allein für diese Formulierung sollte ich vermutlich ja sagen und nachdem wir ja jetzt so etwas wie Freunde sind, würde ich gerne. Allerdings kann ich Tanzen nicht wirklich leiden, meine Rippen sind immer noch geprellt und ich würde gerne erst meinen Freund fragen, ob er damit auch einverstanden ist.“
Akashi schenkt ihr erneut den Anflug eines Lächelns.
„Ich verstehe. Solltest du dich mit ihm abgesprochen haben, kannst du mich deine Antwort gerne wissen lassen. Ich denke, ich gehe jetzt wieder hinein. Du willst sicher noch ein paar Minuten für dich.“
Er nickt ihr noch höflich zu und geht davon.
Kahoko bleibt verdutzt stehen und blickt ihm hinterher, als sie Schritte hinter sich hört.
Sie seufzt und zögert erst, ob sie sich wirklich umdrehen soll. Wenn sie Pech hat, ist es jemand, den sie jetzt noch weniger sehen will als Akashi vorhin. Vielleicht sogar Makoto oder Meij und wenn ich nicht hinsehe, ignoriert man mich vielleicht.
„Zeigst du mir jetzt die kalte Schulter, weil ich zu spät bin?“, fragt eine Stimme hinter ihr und Kahoko wirbelt herum.
Shoichi grinst sie an, die Hände in den Taschen seines Anzugs vergraben und das schwarze Haar noch etwas unordentlicher als sonst.
Kahoko fällt ihm um den Hals und er wiegt sie lachend hin und her, bis sie genug hat und ihn loslässt und einen Schritt zurück tritt.
„Hübscher Anzug.“, kommentiert sie.
„Hübsches Kleid.“, gibt er zurück, „Soll das eine Andeutung sein? Eine Vorausschau vielleicht?“
„Zu meiner Hochzeit trage ich eine Basketballuniform.“, erklärt Kahoko ernst und Shoichi kann nicht anders, als laut zu lachen.
„Ist mir recht.“, erklärt er, als er sich wieder beruhigt hat.
„Tut mir leid, dass ich nicht gesehen habe, wie du tanzt.“
„Ist schon okay. So gut hab ich auch wieder nicht ausgesehen.“
„Mhm..“, macht er nachdenklich, „Ich werde deiner Mutter das Video abbetteln müssen, dass sie sicherlich hat machen lassen, um deine Aussage zu überprüfen. Aber mal ein Themawechsel – was wollte Akashi?“
„Sich entschuldigen. Er war sehr nett zu mir, jedenfalls bis zu der Stelle, als er einfach abgehauen ist.“
„Er hat mich kommen sehen.“, grinst Shoichi, „Sicher hat er aus Vorsicht gleich die Flucht ergriffen.“
„So schrecklich bist du auch wieder nicht.“, erklärt Kahoko frech, „Du tust so böse und bist eigentlich ein Softie.“
„Entschuldige mal.“, erklärt Shoichi gespielt empört, „Der Softie, den du hier beleidigst, hat heute sehr geschickt ein Stipendium und einen Praktikumsplatz für sich rausgeholt und es so aussehen lassen, als wäre es die Idee des Dekans gewesen.“
„Wirklich?“, Kahoko strahlt ihn an, „Du kannst weiter Basketball spielen?“
„Wirklich wirklich.“, Shoichi lächelt, „Sieht so aus, als müsstest du in Zukunft so einige Spiele besuchen. Deine eigenen, die deines Bruders, meine Spiele, die Spiele meines Teams...“
„Nichts lieber als das.“, erklärt Kahoko zufrieden und nimmt seine Hand. Zusammen gehen sie gemächlich zurück zum Saal.
Sie haben alle Zeit der Welt.

- - -

Lia seufzt.
Nanami wirft ihr einen Blick zu.
„Alles okay mit dir?“
„Ja ja.“, gibt Lia zurück und nippt an ihrem Glas, nur um festzustellen, dass es leer ist.
Sie steht auf. „Ich gehe mir noch was zu trinken holen.“
„Warte, ich komme mit.“, Nanami springt ebenfalls auf und folgt Lia zu dem mittlerweile schon recht leeren Buffett.
Nanami schweigt, bis sie ihre Gläser gefüllt haben. Dann stellt sie sich mit dem Rücken zum Tisch und wirft Lia einen Blick zu, der sie stehen bleiben lässt.
„Also… was ist los?“
Lia seufzt. Sie weicht Nanamis Blick aus, geht aber nicht weg.
„Lia?“, fragt Nanami sanft und Lia tut es ihrer Freundin gleich, lehnt sich mit dem Rücken gegen den Tisch und starrt über die Menschenmengen hinweg bis zur gegenüberliegenden Wand.
„Ich werde das alles vermissen...“, murmelt Lia mit belegter Stimme.
Als Nanami schweigt, holt sie aus und beschreibt mit ihren Händen eine Geste, die nicht nur den Saal einschließt, sondern noch viel mehr.
„Wir werden uns schreiben, klar. Aber es kommen die Prüfungen, die entscheiden, ob Akemi und Chikara bald an unsere Schule gehen werden. Dann die Ferien, in denen wer weiß was passieren kann. Und klar, könnte ich hier bleiben, würde ich an die Uni gehen und euch kaum noch sehen, aber ich könnte am Wochenende vorbei schauen, die neuen Erstklässler kennen lernen, manchmal mit traineren, wenn mal einer ausfällt und all die kleinen Dinge mitkriegen, die passieren werden. Ihr könnt mir schreiben, wie eure Testergebnisse aussehen, wie sich eure Leistungen verbessern und vielleicht sogar, was gerade wieder lustiges passiert ist, aber ich sitze drüben in Amerika und verpasse einfach alles. Ich weiß nicht mal, wann ich wieder kommen kann. Was ist, wenn das erst in zehn Jahren ist? In zehn Jahren passiert so viel und ich bin nicht dabei. Kahoko könnte irgendeinen Blödsinn anstellen und dadurch ihre Beziehung riskieren. Oder das Team. Oder eine ihrer hunderttausend Freundschaften. Oder...“
„Stop.“, Nanamis Stimme ist ruhig und warm und Lia erstarrt mitten in der Bewegung, im Wort, in einem Atemzug.
Einen Moment ist es still zwischen ihnen, Nanami schweigt und gibt Lia die Gelegenheit, sich zu sammeln. Luft zu holen, sich die Tränen weg zu wischen und den Kloß in ihrem Hals mit einem großen Schluck runter zu spülen.
„Irgendwann kommst du wieder.“, erklärt Nanami dann ruhig, „Vielleicht in einem Jahr, oder fünf oder Zehn. Vielleicht bleibst du drüben, weil es dir gefällt, vielleicht auch nicht. Hier wird immer jemand sein, der auf dich wartet und dich willkommen heißt, aber du darfst nicht im Kopf hier weiter leben, wenn dein Körper ganz woanders ist. Das ist eines der ersten Dinge, die ich Shouta beibringen werde… Du wirst vieles mitbekommen, weil wir hier über mich reden und ich bin eine sehr gründliche Briefeschreiberin. Außerdem habe ich ein Auge auf alle, also musst du dir nicht übermäßig Sorgen machen. Und ich werde dir sagen, was passieren wird. Damit du gewappnet bist und nichts verpasst.“
„Was wird denn passieren?“, fragt Lia unsicher und Nanami richtet sich auf.
Sie zeigt auf Chikara, die unweit von ihnen mit einem Jungen flirtet, den Lia als Yoichi aus der Straßenbahn erkennt.
„Sie tut so, als wäre ihr vieles egal, aber sie wird sich auf ihre Karriere konzentrieren und sehr erfolgreich sein. Vielleicht Videospiele, vielleicht Mangas. Sollte sie vorhaben, mit dem Jungen zusammen zu kommen, wird es wohl nicht lange halten. Dafür ist ihr ihre freie Zeit zu wichtig.“
Nanami blickt sich weiter um und findet Akemi und Shintarou, die sich am Rande der Tanzfläche langsam im Kreis drehen.
„Die beiden Turteltauben bleiben zusammen. Studieren Medizin zusammen. Heiraten vermutlich, nachdem er die Assistenzzeit überstanden hat. Und dann werden sie einen Haufen niedlicher und schüchterner Kinder in die Welt setzen… Wenn wir's grade von Kindern haben...“, Nanami deutet hinüber zur Tür, durch die gerade Kahoko und Shoichi treten, „Die beiden kriegen mindestens drei. Sie heiraten recht schnell und das erste Kind wird überraschend kommen, weil Kahoko sicher so lange wie möglich Basketball spielen will. In der Profi-Liga, dafür wird er schon sorgen, du wirst sie also nicht so leicht aus den Augen verlieren können.“
„Michirou und Kousuke kann ich grade nirgends entdecken, aber die bleiben sicher auch zusammen. Die beiden sind so aufeinander eingeschworen, was könnte die noch trennen? Ich tippe auf Lehramt, ziemlich sicher sogar beide und sie werden ihr Kind recht schnell nach Kahoko kriegen, je nachdem, wie vorsichtig sie sind.“
Lia errötet, aber Nanami ignoriert das.
„Dann haben wir noch Megumi und Kagami, bei denen kommt es darauf an, ob sie Angebote bekommen, anderweitig zu studieren. Dann würden sie eine Pause einlegen, um sich gegenseitig nicht in ihrem Wachstum zu behindern. Je nachdem wie lange die Pause dauert, könnten sie auch andere Partner haben, aber die beiden finden sicher wieder zusammen. Das gleiche gilt für Mirai. Es ist gut möglich, dass die beiden sich irgendwann trennen, aber ich bin mir zu 89 Prozent sicher, dass sie und dieser Kuroko wieder zusammen kommen…
Bei Tsunako hingegen… sie werden sich trennen. Irgendwann. Nicht wegen Differenzen oder irgendwas, sondern weil Reo sehen wird, dass die den Raum braucht, um sich entfalten zu können. Sie könnte dir vielleicht sogar nach Amerika folgen, wer weiß?“
„Und Shinji?“, Lia blickt hinüber zum Balkon, wo Shinji zusammen mit ihren zwei männlichen besten Freunden im Kreise weiterer Kerle steht und irgendeinen Spruch zum Besten gibt, der für dröhnendes Gelächter sorgt.
„Vor einem Monat hätte ich gesagt, dass sie mit Susa zusammen kommt, sobald der seine Beziehung beendet hat. Und noch etwas davor hätte ich darauf getippt, dass sie irgendwann mit diesem Haizaki zusammen kommt. Jetzt bin ich mir nicht sicher. Es ist beides möglich oder auch keines davon. Es kommt darauf an, wie sehr sie sich noch verändern will in ihrem Leben und wohin sie steuert. Shinji braucht immer ein Ziel. Aber ich kann dir sagen, dass sie einen Freund wie Susa nicht einfach auf dem Weg dorthin verliert… Und Shouta...“
Lia zuckt zusammen, dann lächelt sie verlegen.
Nanami erwidert das Lächeln selbstbewusst.
„Wenn es nach ihm ginge, würde er auf dich warten, bis du wieder zurück kommst oder ihn bittest, dir nachzukommen. Aber ich werde ihn dahin gehend bearbeiten, dass er darüber hinweg kommt. Das solltest du auch. Wir sind alle noch viel zu jung für etwas, das ein Leben lang halten soll und es wird euch beiden gut tun, wenn ihr die Liebe als etwas annehmt, das von selbst kommen wird, wenn die Zeit dazu da ist.“
„Wirst du denn diesen Rat auch beherzigen?“, wagt Lia sich vor und blickt zu ihrem Tisch zurück, wo Aomine gerade in ein Gespräch mit Shouta vertieft ist. Da beide ernst und konzentriert drein blicken, kann es sich nur um Basketball drehen.
Nanami schnaubt.
„Ich bin nicht leicht zufrieden zu stellen. Ich weiß, was ich will. Und solange ich mir nicht sicher bin, dass beide Seiten glücklich sein können, werde ich mich nicht auf eine Beziehung einlassen. Aber, Lia, das sind alles Dinge, die ich dir mitteilen werde, wenn sie kommen. Du hast das Glück, einen Neustart machen zu können, mit einer Gruppe von Freunden, die dir den Rücken stärken und einer neuen Freundin, die schon auf dich warten wird. Du kannst das. Du bist so viel stärker, als du denkst.“
Lia senkt den Blick und starrt auf ihre Schuhspitzen.
„Denk nur...“, murmelt Nanami neben ihr, „Wir alle haben in diesem Jahr viel gegeben, aber wir haben auch viel von dir bekommen. Vergiss nicht, was wir erreicht haben.“
„Das werde ich nicht.“, erklärt Lia mit fester Stimme, „Ich glaube, das werde ich nie.“

- - -

Extra:
Kahoko und Shoichi haben bereits ihre zweite Runde durch den großen Saal gedreht, Freunde begrüßt und sind Makoto und Meij ausgewichen, als sie oben auf der Gallerie stehen, die Menge unter sich betrachten und Kahoko auf Akashis rotes Haar aufmerksam wird.
„Das hätte ich fast vergessen...“, murmelt sie zu sich selbst, bevor sie sich an Shoichi wendet. Dieser ist in ein Gespräch mit dem ehemaligen Kapitän der Kaijou vertieft.
Sie überlegt kurz, ob sie ihn wirklich stören soll, bevor sie sich einen Ruck gibt und ihre Hand auf seinen Rücken legt.
Er unterbricht sich und dreht sich zu ihr um.
„Ja?“ Er wirkt schon mal nicht ungehalten. Das ist gut.
„Tut mir leid, wenn ich kurz unterbreche. Akashi hat mich vorhin gefragt, ob er einmal mit mir tanzen darf. Ich hab ihm gesagt, dass ich dich erst nach deiner Meinung fragen will und hätte das fast vergessen...“
Shoichis Augenbrauen wandern in die Höhe, er wirft einen Blick hinunter, wo Akashi gerade tanzt.
Kahoko kann sehen, wie er nachdenkt und lässt ihm Zeit.
Schließlich dreht er sich wieder zu ihr und zuckt mit den Schultern.
„Wenn du möchtest und es dir nicht zu viel wird, kannst du das gern machen.“
Sie blinzelt überrascht, bevor sie seine Hand drückt, Kasamatsu noch einmal grüßend zunickt und sich dann aus dem Staub macht.
Shoichi sieht ihr nach, bevor er sie auf der Treppe aus den Augen verliert und nimmt das Gespräch dann wieder auf.

-

Am Fuß der Treppe läuft Kahoko ausgerechnet Yahiro über den Weg.
„Was machst du denn hier?“, fragt sie überrascht.
„Warten.“, gibt er zurück und hält ihr eine Papiertüte mit Gummibärchen hin,„Auch eins?“
Sie nimmt sich eines und blickt über die Tanzfläche. Es dauert noch ein wenig, bis dieses Musikstück endet.
„Worauf denn?“
„Auf Yoyo. Ich bin vorbei gekommen, um zu schauen, wie sie sich benehmen und hab sie zu einem Tanz verdonnert.“
Kahoko grinst belustigt.
„Hat sie dir von den Murmeln erzählt?“
„Oh ja, aber die haben sie schon längst verbraucht...“
Kahoko runzelt die Stirn, bevor sie sich eines besseren besinnt. Lieber nicht zu viel über diese Murmelgeschichte nachdenken.
„Wie bist du eigentlich hier rein gekommen? Ich hab dich den ganzen Abend nicht gesehen, bist du einfach nur spät dran gewesen?“
„Neee...“, Yahiro blickt sich kurz nach allen Seiten um, bevor er näher rutscht, „Ich wollte erst nicht kommen, weil ich nicht als Fotograf arbeiten durfte und anders wär blöd gewesen… Aber meine Eltern… die machen das Essen hier und meine Mum meinte, ich solle mal nach dem Rechten sehen, wegen Yoyo und hat mich hinten rum reingeschleust.“
Kahoko muss dreimal über diese Worte nachdenken, bis sie die ganze Wahrheit dahinter versteht.
Rakuzan ist eine Privatschule. Genau wie auf der Nakamiya zählt Geld oder Talent und da Yahiro nicht im Basketballteam mitspielte, hatte sie damit gerechnet, dass seine Eltern sich das Schulgeld leisten konnten.
Kahoko will gerade fragen, wie er es auf die Rakuzan geschafft hat, als das Lied endet und Yoyo und Ayato vor ihren stehen.
„Mir tun die Füße weh.“, klagt Ayato und lässt sich auf die unterste Treppenstufe fallen, „Ich tanze nie wieder mit Yoyo.“
Yoyo grunzt unwillig. „Ich tanze überhaupt nie wieder. Diese Art von Tanz ist beschissen.“
„Ach komm schon.“, Yahiro stopft sich seine Gummibärchen in die Tasche seines Jackets und packt ihre Arme, „Ich bringe dir jetzt bei, wie man Spaß am Tanzen hat.“
Yoyo keift und wehrt sich, aber Yahiro schleift sie aufs Parket.
Als Kahoko sich nach Ayato umsieht, flirtet der bereits mit einem fremden Mädchen und schenkt seinen zwei besten Freunden keine Beachtung mehr.
Das nennt man wohl Vertrauen, denkt Kahoko und zwängt sich zwischen den Paaren, die bereits wieder zu tanzen beginnen, hindurch.

Es ist pures Glück, dass sie Akashi abfängt, denn der scheint vom Tanzen bereits genug zu haben und beinahe wären sie aneinander vorbei gelaufen.
Kahoko dreht sich herum und packt seinen Arm.
„Du wolltest doch noch einen Tanz, oder?“
„Dein Freund hat ja gesagt?“, fragt Akashi und Kahoko nickt grinsend.
Es ist ein recht kurzer Tanz, weil sie sich erst gefunden haben, als das Lied schon begonnen hat und ihr Stil ist recht eigenwilllig, da es ein sehr schnelles Lied ist und Kahoko die Hälfte der Bewegungen nicht machen kann. Im Großen und Ganzen müssen sie wohl ein sehr komisches Bild abgeben, aber dann haben sie sich durch Kahokos ungelenke Bewegungen soweit an den Rand manövriert, dass sie plötzlich neben einem wild herumzappelnden Yahiro tanzen und Kahoko kann schwören, dass sie sowas wie ein Lachen von Yoyo gehört hat.

-

„Du bist gar nicht eifersüchtig auf Akashi.“, stellt Kahoko fest, als sie frühmorgens und hellwach bei Shoichi ankommen und sie sich aus ihrem Kleid schält.
„Natürlich nicht.“, entgegnet Shoichi ruhig und hilft ihr, das Kleid über ihren Kopf zu ziehen.
„Natürlich?“, fragt Kahoko zurück, „Was ist daran bitte natürlich?“
„Ich kann Akashis Art zu denken nachvollziehen. Deshalb weiß ich auch, was er mit seinem Handeln bezweckt. Und wenn er dich um einen Tanz bittet, heißt das nicht, dass er eine Beziehung mit dir will oder unsere Beziehung sabotieren will. Er will nur befreundet sein.“
„Aha...“, macht Kahoko verdutzt, lässt sich aufs Bett fallen und kämpft mit ihrer Strumpfhose. Als sie begreift, dass das mehr Mühe erfordert, als sie aufzubringen bereit ist, bohrt sie kurzerhand ihren Fingernagel durch das feine Seidenmaterial, reißt die Strumpfhose auseinander und zieht sie sich von den Beinen.
Shoichi sieht ihr mit amüsiertem Interesse dabei zu.
„Bist du dann auf Kise eifersüchtig, weil du ihn nicht so einfach analysieren kannst?“
„Vermutlich, ja. Aber ich glaube langsam, dass du nicht sein Typ bist, was das ganze einfacher machst.“
Kahoko lacht kurz auf.
„Freut mich zu wissen, dass ich nicht sein Typ bin.“
Sie schlüpft unter die Decke und schiebt sich mit dem Rücken bis an die Wand.
„Und wie ist das mit Nanami?“, fragt Shoichi und hängt ihr Kleid über einen Bügel, da sie keine Anstalten macht, sich darum zu kümmern.
„Was meinst du?“, weicht Kahoko aus.
Er wirft ihre einen kurzen Blick zu. Sie seufzt.
„Ich hatte halt das Gefühl, dass ihr zwei… euch besser versteht und auf einer Wellenlänge seid und ich da nicht mithalten kann.“
Es herrscht Schweigen zwischen ihnen, während Shoichi sich auszieht. Dann legt er seine Brille auf den Nachttisch und schlüpft zu ihr unter die Decke.
„Weißt du… ich bin nicht Makoto. Ich will niemanden an meiner Seite, der genauso ist wie ich. Ich bin vielmehr wie mein Vater und ich will eine Beziehung, wie er sie hat. Was bedeutet, dass ich nach jemandem gesucht habe, der nicht so ist wie ich. So durchgeknallt und zielstrebig wie du...“
Kahoko lächelt.
„Das ist vermutlich das schönste Kompliment, dass du mir je gemacht hast.“
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