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Buzzer Beater

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12
Midorima Shintarō OC (Own Character)
15.05.2015
15.05.2018
108
320.657
23
Alle Kapitel
100 Reviews
Dieses Kapitel
13 Reviews
 
 
15.05.2015 2.947
 
An all meine lieben Leser - der Inhalt ist immer noch der gleiche, nur die Kapitel sind für eine bessere Lesbarkeit aufgeteilt worden. Viel Spaß beim Lesen Poettierchen

Für eine bessere Übersicht der OC's:  Bilder und Zusammenfassung


Prolog

„Die Spieler wärmen sich auf“


Hinata-san sieht von ihren geliebten Rosen auf, als sie Kindergelächter hört. Die Midorima-Zwillinge rennen die Straße entlang auf sie zu, zwei kleine aufgeweckte Fünfjährige mit strubbeligem, kurzen grünen Haar und zu vielen Zahnlücken. Die alte Frau richtet sich auf und Shintarou zieht seine Schwester am Arm, damit sie anhält.
"Hinata-san.", lispelt er durch die fehlenden Schneidezähne, Kahoko grinst neben ihm freudig zu ihr hoch. Ganz der Zwilling trägt sie nicht nur die gleichen verdreckten Sachen, ihr grünes Haar ist ebenso raspelkurz und es mag Zufall sein, aber auch ihr fehlen die oberen Schneidezähne.
"Na ihr beiden? Was habt ihr heute Schönes gemacht?"
"Mama hat uns mit zum Ballet genommen. Und zum Fußball." Wie immer ist es Kahoko, die mit ihrem lockeren Mundwerk gleich für ihren Bruder mitredet.
"Das klingt aber toll. Gefällt es euch?"
Die beiden nicken und hinter ihnen taucht ihre Mutter auf, zierlich und hübsch.
"Eigentlich sollte ja Kahoko zum Ballet und Shintarou zum Fußball, aber die beiden machen ja alles zusammen." erklärt sie und wird von ihrer Tochter unterbrochen.
„Ballet ist doof!", erklärt Kahoko ernst und bevor ihre Mutter schimpfen kann, schnappt ihr Bruder bereits empört nach Luft. "Überhaupt nicht!"
"Das sagst du nur, weil du gut bist! Hinata-san, stellen Sie sich vor, Shin-Shin kann schon eine Pi- eine... Pilette!"
"Das heißt Pirouette.", korrigiert ihre Mutter sie, aber Kahoko zuckt nur mit den Schultern. Shintarou errötet und lächelt.
"Das ist toll, magst du das Tanzen?", will die alte Nachbarin wissen.
Der kleine Junge nickt zögerlich. "Fußball aber nicht so gerne.", murmelt er betrübt und Kahoko legt sofort beschützend den Arm um ihn.
"Tut dein Gesicht immer noch weh von dem blöden Ball? Wenn du willst, verklopp ich den Jungen der geschossen hat."
"Kahoko!", ihre Mutter blickt tadelnd auf das Mädchen runter und dann zu ihrer Nachbarin. "Ich glaube, er braucht eine Brille. Er sieht den Ball nie kommen."
"Mama!", ereifert sich Kahoko sofort, "Wenn Shin-Shin eine Brille kriegt, dann will ich auch eine!"
"Es ist noch nicht mal sicher Kahoko. Kommt, lassen wir Hinata-san ihre Ruhe, habt ihr Hunger?" Kahoko brüllt ihre Zustimmung und zieht ihren Bruder hinterher, der sich im Laufen umdreht und der alten Dame noch einmal zuwinkt.
Diese Kinder.

Einen Monat später hat Shintarou eine Brille und Kahokos Brillenrahmen ohne Gläser liegt bereits wieder im Müll - sie hat sich aus Versehen drauf gesetzt. Hinata-san steht wie so oft inmitten ihrer Rosen, als eine schimpfende Sakura ihre Kinder die Straße entlang zieht. Midorimas Gesichtchen klebt von getrockneten Tränen und Rotz während Kahokos Hemd voller Matsch ist.
"Was ist denn passiert?"
Sakura holt Luft, aber Kahoko ist schneller. Wie immer lispelt sie vor lauter Aufregung und Hinata-san muss sich anstrengen, sie zu verstehen.
"Diese doofen Jungens haben sich lustig gemacht, weil ich ein Mädchen bin und besser Fußball spielen kann als die. Und dann haben die Shin-Shin geschubst, weil der Ballet tanzen tut! Da hab ich sie vermöbelt!"
Shintarou fängt prompt wieder an zu heulen und Kahoko zieht ihn in eine Umarmung. Sakura seufzt. 
"Die Kinder wurden aus beiden Clubs geschmissen. Ich verstehe Kahoko ja, aber sie hätte nicht gleich zuschlagen müssen."
Hinata-san schmunzelt. "Und womit vertreibt ihr euch jetzt die Zeit, Kinderchens?" 
"Ich will Bassball machen."
"Bass?"
"Basketball.", erklärt Shintarou unter Schniefen.
"Wirklich? Also ich weiß ja nicht." gibt Sakura zu bedenken.
"Warum nicht?", fragt Hinata-san zurück, "Mein Enkel Daiki, dieser Lausbube, ist ganz begeistert davon."
"Was ist ein Ekel?", fragt Kahoko sofort und Shintarou wischt seine Rotznase in ihr Shirt, bevor er sie aufklärt.
"Es heißt Enkel Koko, das ist, wenn Hinata-san die Oma von diesem Daiki ist."
"Du bist Oma, Hinata-san?"
"Ja, das bin ich. Daiki ist so alt wie ihr, in den Ferien kommt er manchmal zu Besuch, dann stell ich ihn euch vor."
"Mama!", erklärt Kahoko sofort mit gewichtiger Miene. "Wenn dieser Dacki Bassball macht, dann machen wir auch Bassball!" Damit ist es beschlossen.
"Meinst du ich kann das?", hört Hinata-san noch den kleinen Shintarou fragen, als sich die Familie ihrem Haus zuwendet.
"Klar.", erklärt Kahoko mit ihrer dröhnenden Stimme, "Du kannst doch Ballet. Und das fängt auch mit B an. Und Bassball hat sogar zwei B. Dann musst du sogar super sein!"

Basketball erweist sich als Glückstreffer. Und obwohl all die anderen Clubs kommen und gehen, Basketball bleibt. Innerhalb eines Jahres überredet Shintarou seine Schwester zum Klavierunterricht, modernen Tanz, Handarbeit und Chor, während Kahoko ihn zum Fechten, Handball und Schwimmen zerrt. Kahoko verliert schnell die Geduld an den Clubs sobald sie alle kennt und alles mal ausprobiert hat. Shintarou geht mit sehr viel mehr Ernst an alles heran, traut sich etwas Neues aber erst zu, wenn Kahoko es einmal probiert hat. Zu Beginn des Sommers, bevor sie in die Grundschule kommen, befestigt Midorima Sousuke einen Basketballkorb am Garagentor und es vergeht kein Tag an dem die beiden nicht da stehen und unermüdlich mit dem großen orangenen Ball darauf zielen.
"Morgen kommt Daiki und seine Freundin Satsuki für eine Woche zu mir. Die Eltern fahren in den Urlaub und als ich erzählt habe, dass die Nachbarskinder nicht nur im gleichen Alter sind, sondern auch noch Basketball spielen, da war er hin und weg."

Sakura lächelt dankbar. "Das wird ihnen gefallen. Vor allem Shintarou braucht einen Freund neben Kahoko, er konzentriert sich sehr auf sie. Und diese Satsuki? Ist sie auch so burschikos wie Kahoko?"
"Oh nein, sie ist sehr zierlich, langes rosa Haar, kleine Schleifchen, aber sie liebt Basketball. Sie spielt zwar nicht, aber sie kann dir das gesamte Regelwerk runterbeten. Ich musste ihr das Mundwerk mit meinen Karamellbonbons stopfen. Die, die einem die Zähne zusammen kleben."
Die alte Frau lacht und winkt die Kinder zu sich. Die zwei eilen zu der Gartenbank und dem Tisch mit Limonade.

"Hinata-san, wie geht es Ihnen heute?"
Shintarou ist höflich wie immer, während Kahoko lieber erst mal ein Glas Limonade trinkt.
"Mir geht es sehr gut, danke. Ich habe etwas für euch, du magst ja Glücksbringer so gerne."
Sie zieht zwei keine Schlüsselanhänger in Form eines Krebses heraus. Shintarou strahlt vor Freude, während Kahoko eher uninteressiert wird.
"Das ist unser Sternzeichen Koko!"
"Und?"
"Das bringt dir Glück."
"Ich hab schon einen Glücksbringer.", erklärt Kahoko ernst und Hinata-san blickt erstaunt drein. "Wirklich?"
"Ja, ich hol ihn mal." Sie saust davon und kommt mit einem Stoffbündel zurück. Sakura klatscht sich peinlich berührt die Hand vor die Stirn, aber Kahoko ist unbeeindruckt.
"Das ist Shin-Shin, wir haben es zusammen gemacht, ich kann nicht so gut nähen."
Es ist eine unglaublich hässliche Stoffpuppe, mit grünem Haar, einer aufgestickten Brille um die Augen, die nicht mal auf der gleichen Höhe sitzen. Dazwischen ein schiefer roter Strich als Nase und eine krumme Linie als Mund. Mit den Proportionen hat es auch nicht ganz geklappt, der zweite Arm sitzt so niedrig, dass er mehr wie ein drittes Bein wirkt. "Shin-Shin bringt mir immer Glück."
"Dann willst du den Krebs nicht?"
"Doch. Aber Shin-Shin soll drauf aufpassen. So wie ich auf Shin-Shin aufpasse."

Am nächsten Tag, noch vor dem Mittagessen, klopft ein kleiner braungebrannter Junge gegen die Eingangstür der Midorimas. Als die Tür aufgeht, grinst er. Shintarou starrt ihn schockiert an und rennt weg, um Kahoko zu holen. Als die zwei Kinder, wie immer identisch angezogen, wieder im Türrahmen erscheinen, schiebt sich hinter der Schulter des fremden Jungens ein kleiner rosa Haarschopf hervor.
"Dai-chan.", wispert das dazugehörige Mädchen, "Das sind zwei Jungen. Deine Oma hat aber gesagt dass da auch ein Mädchen ist."
Daiki zeigt mit dem Finger auf Shintarou, der nervös seine Brille nach oben schiebt. "Das ist das Mädchen. Mädchen tragen Brillen."
Shintarou errötet beschämt und entrüstet und Kahoko löst das Problem mit einem rechten Haken.
"Ich bin das Mädchen.", poltert sie, nachdem Daiki einen Zahn ausgespuckt hat.
"Ich mag dich.", grinst er zurück, "Willst du Basketball spielen?" 
Die vier Kinder versammeln sich auf dem Basketballplatz, Daiki und Satsuki gegen Shintarou und Kahoko.

"Bist du gut in Basketball?", fragt Satsuki schüchtern den größeren Shintarou und der errötet, presst die Lippen aufeinander.
"Oh ja.", antwortet Kahoko für ihn.
"Was kannst du am besten?"
"Three Pointer.", antwortet Kahoko wieder und wirft ihrem Bruder den Ball zu. Der errötet noch mehr und wirft stumm und lässig einen Korb. Von dem Moment an hat Satsuki einen neuen Held und Shintarou schafft es sogar, die Zähne auseinander zu kriegen und mit ihr zu reden.
Das Spiel endet in einem Unentschieden und einem blutigen Knie für Kahoko, die bei dem Versuch einen Korb zu verhindern blöd fällt. Sie sitzt auf dem Boden, starrt ihr Knie an und versucht verzweifelt, die Tränen zurück zu halten. Daiki steht verlegen daneben und Satsuki bricht aus lauter Solidarität gleich selbst in Tränen aus. Nur Shintarou bewahrt die Nerven, rennt ins Haus und kommt mit dem kleinen Erste Hilfe Koffer zurück, den er sich von seinem Vater, dem großen Arzt, gewünscht hat. Wie ein Profi verarztet er seine Schwester, die ihn bewundernd ansieht. Sie zieht die Nase hoch und blickt zu Daiki hoch, der immer noch da steht wie ein begossener Pudel - der Junge kann mit Tränen einfach nichts anfangen.

"Shin-Shin wird mal Arzt, wenn er groß wird."
Daiki nickt beeindruckt. Klar, er will entweder Basketballprofi, Feuerwehrmann oder Polizist werden, aber Arzt, das ist schon cool.
"Und du?", fragt er Kahoko und die antwortet ohne zu zögern. "Ich heirate Shin-Shin und krieg ganz viele Kinder und muss nicht arbeiten, so wie Mama."
Satsuki bricht wieder in Tränen aus, sie sieht ihre Liebe zu Shintarou bereits erschüttert, als Daiki Kahoko eines Besseren belehrt.
"Du kannst Shin nicht heiraten, der ist dein Bruder. Ich darf Satsuki heiraten, weil, die ist nur halb meine Schwester, nicht mit Blut oder so, nur vom Kopf aus, aber du bist Shins Blutschwester, das geht nicht. Das ist I- irgendwas mit I und est am Schluss."
"Inzest.", erklärt Shintarou und jetzt fängt selbst Kahoko an zu heulen, während Satsukis Welt wieder heile ist.
Das kleine Mädchen beugt sich zu ihrer neuen Freundin runter: "Du kannst doch Daiki heiraten und ich heirate Shin-chan."
Kahoko zieht die Nase hoch und starrt Daiki misstrauisch an.
"Magst du Hunde?" "Ja."
"Was ist deine Lieblingseiscreme?" "Erdbeere."
"Findest du Brokkoli eklig?" "Jup."
"Dann heirate ich dich."
So einfach ist das Leben, wenn man Kind ist.


- - -
 
Hallo Mama,
es ist mal wieder Zeit für einen ausführlichen Brief.
Du wirst nicht glauben, wie sehr die Zwillinge gewachsen sind, seit du sie das letzte Mal gesehen hast. Ich weiß jetzt schon, dass sie in der Größe ganz nach ihrem Vater kommen. Wenigstens haben sie meine Augen.
Hinata-san, deine alte Freundin, hat ganz Recht gehabt damit, Basketball zu versuchen. Du solltest sie sehen. Sie sind beide talentiert und dass sie jetzt schon mehr als ein Jahr ununterbrochen spielen sagt wohl sehr viel darüber aus, wie es Kahoko dabei geht. So lange hat sie noch nie bei etwas durchgehalten. 
Sie ist schnell und wendig, springt sehr hoch und was ich vom Trainer mitbekommen habe, hat sie eine außerordentliche Begabung für weite und hohe Würfe. Shintarou steht noch ein wenig in ihrem Schatten, aber das sollte sich legen, sobald sie in Geschlechter getrennte Teams kommen und er mal auf sich allein gestellt ist. Aber immerhin, die beiden haben diesen Sommer in Hinata-sans Enkel Daiki und dessen Freundin Satsuki Spielkameraden gefunden und du wirst es nicht glauben, aber während eines Nachmittags Kahoko und Daiki draußen in aller Eintracht spielen, sitzt doch tatsächlich Shintarou mit Satsuki in der Küche und macht Limonade. Shintarou. Mit einem Mädchen, das nicht seine Schwester ist. Und er hat sogar ungefragt geredet.
Ich war ehrlich erschüttert.
Und Kahoko macht sich auch gut. Ich musste zwar mit ihr schimpfen, weil sie Daiki einen Zahn ausgeschlagen hat - sie bewahrt ihn in ihrer leeren Schmuckschatulle auf, um ihn sich irgendwann um den Hals zu hängen, wie sie sagt - aber mittlerweile scheint sie Konflikte mit Basketballduellen statt mit Gewalt zu lösen. Soll mir nur Recht sein, ich hab endlich wieder einen Tanzkurs für die beiden gefunden.
 
Was mich zu meinem eigentlichen Problem bringt.
Ich will wirklich wieder arbeiten gehen. Natürlich hab ich durch die Schwangerschaft und alles nicht mehr den Körperbau und die Gelenkigkeit von früher, aber das Talent ist nicht weg. Ich wollte mit Sousuke drüber reden, aber er sträubt sich. Er sieht nicht ein, dass ich wieder arbeiten will, wenn er doch genug verdient. Er versteht nicht, dass der Tanz mein Leben ist, die Bühne, alles, was damit zusammen hängt. Und ich liebe meine Kinder, aber sie sind vormittags in der Schule, dann haben sie Basketball und andere Clubs und sind meistens erst gegen vier oder fünf Uhr abends zuhause. Sousuke kommt ohnehin noch viel später und ich versauere zwischen Schmutzwäsche und Elternratgebern.
Mama, kannst du mir nicht einen Rat geben? 
In Liebe,
deine Sakura
 
- - -
Die Zwillinge sind acht Jahre, drei Monate und vierzehn Tage alt - auf die Minute genau bei Shintarou, Kahoko ist fünzehn Minuten und 10 Sekunden älter - als sie auf dem Treppenabsatz sitzen und ihren Eltern beim Streiten zuhören.
"Die streiten wegen mir.", wispert Kahoko heiser und drückt sich näher an ihren Bruder. Shin-Shin riecht nach Hinata-sans Kräutergarten und Zahnpasta und nicht mal die Umarmungen ihrer Mutter sind so tröstlich wie die von Shin-Shin.

"Quatsch. Die streiten wegen was anderem."
"Aber ich hab heute ne vier in Mathematik bekommen! Und beim Spülen ist mir ein Teller runter gefallen. Mama hat sich den Finger dran geschnitten."
"Na und? Deswegen streiten die nicht. Mama ist doch selber total schlecht in Mathe. Und der Teller hatte ohnehin schon einen Sprung."
Im Stockwerk unter ihnen beginnt Sakura wütend zu keifen, Kahoko steckt ihren Kopf in den Hemdausschnitt ihres Bruders.
"Ich hab Angst."
"Komm, wir gehen ins Bett. Du kannst bei mir schlafen."
Er nimmt sie bei der Hand und als sie unter seine König der Löwen Bettwäsche schlüpft, die nach ihm riecht, geht es ihr gleich besser.
"Shin-Shin?"
"Ja, Koko?"
"Bist du jetzt mein Onii-san?"
"Jap, ich pass auf dich auf. Ich bin immerhin zwei Zentimeter größer als du. Dann bin ich auch der große Bruder."
 
Eine Woche später beginnt Sakura wieder zu arbeiten und Kahoko schlüpft jede einzelne Nacht in das Bett ihres Bruders. In den Sommerferien werden sie zu ihren Großeltern geschickt. Als sie zurück kommen, haben ihre Eltern alles beschlossen, die Scheidung ist unter Dach und Fach, das Haus bereits verkauft. Keiner der beiden Erwachsenen ist fähig, dem anderen die Kinder vollständig weg zu nehmen. Sousuke ist kurz davor zu betteln, verzichtet auf Nachtdienste, willigt ein, eine Haushälterin anzustellen, alles, um zumindest eines der Kinder behalten zu können. Das Gericht entscheidet. Shintarou zieht mit Sousuke in eine kleine Dachwohnung, Kahoko und Sakura wohnen nur eine Viertelstunde entfernt in einer kleinen Wohnung mit Gemüsegarten. Die Kinder sehen sich täglich in der Schule, auf dem Basketballplatz, am Wochenende tauschen sie die Elternteile. Das ist die Regelung. 
 
"Mein Horoskop sagt, dass wir
heute Glück haben werden, vertrau mir, Koko.", erklärt Shintarou ihr.
Sie hört ihm kaum zu, sie ist so unendlich müde, sie kann kaum einschlafen in der Nacht, nur, wenn das Licht an ist und Mama macht das Licht immer aus, wenn sie ihren Kontrollgang macht.
"Sagt dein Horoskop auch, dass Mama und Papa wieder zusammen kommen?"
Shintarou schweigt und drückt ihre Hand. Manche Sachen können auch große Brüder nicht wieder heile machen.
Kahoko wächst um ganze fünf Zentimeter, Shintarou nicht.
Sie verbringt das Wochenende mit ihrem Vater. Er kann nicht kochen, sie kann nicht kochen. Sie erträgt seine Ärztegeschichten nicht, er hat keine Ahnung, was sie interessieren könnte. Sie sitzen sich beim Frühstück schweigend gegenüber und fragen sich, was sie früher immer gemacht haben. Ins Schwimmbad gehen, in den Zoo, zu Basketballspielen und Mamas Tanzaufführungen, zählt Kahoko innerlich auf und wartet darauf, dass er etwas sagt. Ihr Papa räuspert sich, blickt auf seine Zeitung. "Nun, soll ich dich irgendwo absetzen, wenn ich zur Arbeit fahre? Vielleicht beim Sportplatz?" Ihr Papa stürzt sich in Arbeit und Kahoko verbringt jedes einzelne Wochenende damit, zu trainieren. Wie viel kann eine 9-jährige schon trainieren, mag man sich fragen. Genug, um ihren Bruder zu überholen, um besser und schneller
und kräftiger zu sein, wenn es darauf ankommt.
Kahoko verbeißt sich darin, ihn klein zu machen, als wäre er das Problem. Weil er sie nicht mehr in den Schlaf wiegt, wenn es dunkel ist und gruselig.

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