Ich warte auf dich

LeseprobeRomanze, Fantasy / P12
14.05.2015
30.08.2018
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14.05.2015 534
 
Mein Herz schlug gleichmäßig in meiner Brust, nur langsam verschnellerte sich der Takt und erwärmte meinen Oberkörper von innen. Mit jeder Sekunde, die verstrich und je öfter ich das Blatt, das ich in meinen Händen hielt, las, breitete sich die Wärme weiter aus. Meine Mundwinkel hoben sich zu einem Lächeln, eines das echt war und mein Glücksgefühl noch mehr verstärkte.
Dieser Brief, aus dem ich das Blatt hatte, stellte mein vergangenes Leben komplett in den Schatten. Wie hatte ich vor fast zehn Jahren nur denken können, dass ich niemals mein Glück finden würde? Dass ich nach meiner grausamen Kindheit nie solche Menschen um mich haben könnte, die mich jeden Tag durch mein Leben begleiteten und dies gerne taten? Oder dass ich aufhörte, mir vorzuwerfen, dass ich zwei Menschen getötet hatte, die für meine Existenz verantwortlich gewesen waren. Ja, ich hatte ihnen das Leben genommen und hätte ich es nicht getan, dann würde ich jetzt nicht diesen Brief in meinen Händen halten. Die Papiere, die nun bestätigten, dass ich einen Adoptivsohn hatte. Den Jungen, den ich vor acht Jahren vor meinen Eltern gerettet hatte. Meinen Cousin.
Seine Eltern waren vor fünf Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen und er hatte sich geweigert bei seinem Onkel zu bleiben. Er hatte darauf bestanden, dass ich seine Vormundschaft übernahm und er bei mir einziehen durfte. In den ersten zwei Jahren hatte ich Hilfe vom Jugendamt bekommen und von den Eltern meines Studienfreundes, denn als 22-Jährige Studentin war es sehr schwer noch einen 9-Jährigen Jungen aufzunehmen und auch noch für die Erziehung verantwortlich zu sein.
Ich erinnerte mich dunkel an die Jahre bevor Jared zu mir zog und mein Leben lebenswert machte. Die düsteren Jahre, in denen ich mich so sehr verabscheute, dass ich versuchte mir das Leben zu nehmen. Doch als mächtiger Hexendämon, der ich war, war dies alles andere als einfach. Im Krankenhaus erholte ich mich von dem Gift, das ich mir injiziert hatte, was mich eigentlich hätte töten müssen, doch das tat es nicht. Wie durch ein Wunder überlebte ich und schöpfte neue Kraft.
Die vollständige Erholung machte es mir möglich, mich auf meinen Cousin Jared einzulassen und ihn als diesen zu betrachten, was sich im Laufe der Zeit änderte. Ich entwickelte mütterliche Gefühle für ihn. Wir schlossen eine Abmachung, dass wir immer über alles reden würden und ich ihn in alle Entscheidung mit einschloss, so auch was die Adoption betraf.
An seine Eltern hatte er nicht viele Erinnerungen. Die, die er noch hatte verblassten immer mehr und so kam es, dass er einverstanden war. Wir hielten immer zusammen und ließen keine Geheimnisse zwischen uns, weshalb wir gut miteinander klarkamen.
Er war fast acht Jahre alt, da stieg er ins Showbusiness ein und seit jeher ist er Schauspieler. Seit zwei Jahren hatte er eine Hauptrolle in einer Märchenserie, ein Charakter, der ihm sehr ans Herz gewachsen war. Nebenher hatte er einen Privatlehrer, da eine öffentliche Schule für ihn nicht mehr infrage kam.
So betrachtet könnte es nicht besser laufen, doch das Leben hält hinter jeder Ecke seine Tücken bereit. Es liegt auf der Lauer, um im richtigen Moment zuzuschlagen. So war es schon immer. Nichts geschieht ohne Grund, das weiß ich inzwischen.
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