Etwas von Herzen

KurzgeschichteRomanze / P12
Fox McCloud Krystal
14.05.2015
14.05.2015
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Oft versetzt uns das Leben Schläge ins Gesicht. Genau so oft liegen wir gebrochen am Boden. Doch in den Momenten wo wir glauben alles ist verloren, reicht uns jemand seine Hand und hilft uns wieder auf. Mit der Hilfe von Leuten die uns wichtig sind, können wir immer wieder kämpfen, obwohl wir glauben keine Kraft mehr zu haben.

Fox lag regungslos im Bett. Schon seit Stunden lag er einfach nur da und hörte draußen das Prasseln des Regens und das Atmen seiner Freundin Krystal neben ihm. Er hatte nicht wirklich das Bedürfnis aufzustehen, oder gar großartige Bewegungen zu machen. Sein warmes Bett wirkte viel einladender. Nach dem letzten Krieg hatte die cornerianische Regierung keine Kosten und Mühen gescheut, damit es dem Star Fox Team so gut ging wie es nur gehen konnte. Jeder von ihnen wurde in ein eigenes Haus einquartiert. Sämtliche Kosten wurden für sie übernommen, schließlich waren sie die Helden von Lylat. Andross war besiegt, die Aparoids eliminiert und auch die Anglar waren keine Bedrohung mehr. Nach all den Jahren des Krieges sah es tatsächlich nach Frieden aus. Keine Mutter musste mehr über ihren gefallenen Sohn trauern. Kein Vater verließ mehr Frau und Kind, um in einem sinnlosen Gemetzel zu sterben. Nein, solcher Schrecken wirkte endlich vorbei.

"Bitte keine Fische mehr", murmelte Krystal verträumt, ihre Augen kniff sie dabei noch enger, zusammen mit undefinierbaren Zuckungen. Obwohl der letzte Krieg einige Monate nun zurücklag, hatte sie immer noch vereinzelte Abneigungen gegenüber kleineren Meerestieren. So ärgerte Slippy die Füchsin gerne indem er ziemlich schlechte Wortspiele mit Fischen erzählte. Slippy war auch so ziemlich der einziger der das witzig fand, Krystals murrender Gesichtsausdruck war da schon amüsanter.

Nach einem kurzen Blick zu seiner Freundin schaute Fox wieder zum Fenster. Einzig das immer heller werdende Grau an Himmel deutete auf den anbrechenden Tag hin. Held. Dieses Wort schwirrte in seinem Kopf wie ein nicht loswerdender Ohrwurm. Schon als er klein war kannte und nutzte er das Wort. Damals war sein Vater der größte Held für ihn. Heute, mit den Augen eines Erwachsenen, wusste Fox was für ein Held James McCloud wirklich war. Er tat alles für die Familie und den Planeten, gar für das gesamte Lylat System. Jeder Tropfen Schweiß den dieser Mann vergoss, jeder Tropfen Blut in seinen Adern, galt dem was er liebte. Fox biss sich leicht auf die Unterlippe bei dem schmerzlichen Gedanken, dass James nie wieder zurückkommen würde. Vom Freund verraten und vom Feind getötet; vielleicht das unausweichliche Schicksal eines großartigen Helden.

Allmählich begann Fox sich zu bewegen. Langsam streckte sich sein rechtes Bein unter der Decke hervor, ehe es ihm das linke nachmachte. Als der kalte Hauch des Morgens ihn berührte, war er allerdings nicht mehr ganz so entschlossen aufzustehen. An manchen Tagen war es für ihn schwerer aufzustehen, als gegen die Aparaoids zu kämpfen. Innerlich knurrend und meckernd schaffte er es dann doch aufzustehen. Nur kurz auf die Uhr blickend zog sich der Held Lylats leise an. „Wo willst du hin?“ So ganz schien sein Plan nicht aufzugehen. Krystal hatte sich ebenfalls leicht aus ihrer Decke geschummelt, streckte sich vor lauter Müdigkeit ausgiebig und blickte ihren Freund verschlafen an. „Es ist doch noch so früh. Komm lieber zurück zu mir ins Bett. Zudem musst du Heute ausgeschlafen sein, immerhin ist Heute dein großer Tag. Nicht jedem wird so eine Ehre zu Teil wie dir!“ Langsam fiel ihre Müdigkeit ab und schaffte es ein breites Grinsen auf ihre Lippen zu bringen; Fox allerdings nickte nur leicht. Vielleicht kamen daher die ganzen Gedanken an seinen Vater. Wenn man den selben Titel wie eben jener verliehen bekommt denkt man sicher zwangsweise daran. „Meinst du“, fing er in einem nachdenklichen Ton an. „Meinst du ER wäre stolz auf mich?“ Krystals Grinsen schwächte etwas ab.

Sie verstand sofort was mit ihrem Freund los war. Schon seit dem Tag wo die Nachricht bekannt wurde, dass Fox den höchsten Titel in der cornerianischen Armee verliehen bekommen würde, versank dieser immer öfters in Gedanken. Oft machte sie sich Sorgen um ihn, da dieser kein Wort darüber verlor. Jede andere Person wäre vor Begeisterung nicht mehr zu bremsen, vor allem weil in diesem Fall eine einzigartige Ausnahme gemacht wurde. Das Star Fox Team gehörte nicht zur offiziellen Arme. Sie waren reine Söldner und durften solche Titel in der Regel nicht erlangen. Erst Peppy erklärte ihr schließlich warum Fox so oft in Gedanken versank: „Du musst folgendes verstehen. Vixy, seine Mutter, starb nach einem hinterhältigen Attentat von Andross in einer Explosion. Nachdem dann auch James verstarb hatte Fox niemanden mehr wirklich. Ich habe damals versucht ihm wie ein Vater zur Seite zu stehen, doch kann man niemals solch jemand Wichtigen ersetzten. Dazu kam dann auch noch, dass zwischen James ableben und dem Entschluss jenen zu rächen, kaum Zeit zum trauern gab. Ich bin mir sicher er hat viel verdrängt in der Zeit und sich danach kaum damit befasst. Jetzt sind alle Kriege vorbei und unser Anführer kommt zur Ruhe. Wenn man sich nicht mehr aufs Kämpfen konzentrieren muss, muss was anderes her. Nach und nach fängt er an sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.“

Peppy hatte recht. Es verging Jahr um Jahr, doch Fox erwähnte kaum irgendwas aus seiner Vergangenheit, von James ganz zu schweigen. „Er wäre der stolzeste Vater im ganzen Universum, da bin ich mir sicher!“, munterte Krystal Fox auf. Sie war inzwischen aufgestanden. Ihr lilafarbenes Seidenhemd, mit schwarzen Spitzen am Ende und Spaghettiträgern oben, umschmeichelte dabei ihre elegante Erscheinung. Langsam, fast wie bei einem scheuen, wilden Tier, ging sie auf Fox zu, bis schließlich sein Kopf in ihren weichen Pfoten lag. Sofort spürte er innerlich tiefe Geborgenheit und Wärme. Alle Sogen waren für den Bruchteil dieses Momentes wie weg gewaschen. Jedwede Last, jede Erwartung schien überwindbar. Fox genoss diesen Augenblick aus vollen Zügen, lies sich ganz und gar von ihm einnehmen und ließ sich letztendlich von von Krystal zurück ins Bett ziehen.  

Während der Tag allmählich ins Land zog, Wolken samt Regen verflogen waren, war der große Abend gekommen. Fox hatte sich in einen schlichten schwarzen Anzug gezwängt. Graue Weste darunter und dazu eine einfache blaue Krawatte, das reichte ihm. Normalerweise kein Outfit das er oft trägt. Seine Kampfuniform war ihm viel lieber. Krystal hingegen mochte es mal etwas anderes anzuhaben. Sie trug ein schwarzes Kleid aus Satin, welches nur von einer Schulter getragen wurde. Die Schleppe des Kleides reichte nur ganz eben über den Boden und wirkte mit seinem Schnitt bis zum Oberschenkel äußerst anmutig

„Ach ja, ich hätte fast das Wichtigste vergessen!“, keuchte Krystal blitzartig. Schnell verschwand sie aus dem Raum, so schnell es jedenfalls ihre hohen Absätze erlaubten. Keine zehn Sekunden später tauchte sie samt einer schwarzen Augenbinde wieder auf. „Es soll dich ja auch überraschen.“ Wenn auch murrend, tat Fox wie ihm befohlen wurde. „Das wird Heute ja immer besser!“, knurrte er kleinlaut. „Sei doch nicht immer so grimmig. Du bist ja schon fast so schlimm wie Falco“, erwiderte die Füchsin gebieterisch. „Habe ich dein Versprechen, dass ich jetzt nichts mehr von dir höre?“ Ohne auch nur den kleinsten Laut hob er die Arme mit zwei schwörenden Fingern. Fox hatte schnell in dieser Beziehung gelernt, wann er lieber Kontra gibt und wann die romantische Nacht nach der ganzen Party auf dem Spiel stand. Noch beim rausgehen, ihren Freund dabei an der Pfote führend, sagte sie abschließend: „Ich denke es ist besser, wenn ich fahre!“

Obwohl es den ganzen Tag lang über geregnet hatte, wurde die Nacht noch sternenklar. Der sanfte Wind der Nacht wehte durch die Bäumen an den Alleen, während Fox und Krystal der Straße entlang fuhren. Keiner der Beiden dachte auch nur daran etwas zu sagen. Bei Fox waren es dabei noch eher Krystals Worte von vorhin. Nur leise Klänge vom Radio sorgten dafür, dass keine unangenehme Stille erstehen konnte. Erst als sie ihr Ziel erreicht hatten begann Krystal wieder zu sprechen: „Wir sind da, aber du behält die Augenbinde auf, bis ich sie dir abnehme.“ Fox seine Orientierung war schon lange verloren gegangen. Am Anfang der Fahrt konnte er noch ein paar Kurven nachverfolgen, doch nach zehn Minuten gab er schließlich auf. Weiterhin von Dunkelheit umgehen ließ er sich weiter führen. Etwas fand Fox allerdings komisch an der ganzen Situation. Ihre Schritte hallten verwundernd laut. Es klang nicht nach einem vollgestopften Saal voller Tische, Personen oder etwas ähnlichen. Es klang eher nach einer leeren Lagerhalle, oder etwas vergleichbarem.

„Weißt du Fox.“ Plötzlich blieben sie stehen. „Ich kann verstehen wie es ist jemanden zu verlieren. Das ist ein großer Schmerz der sich immer tiefer ins Herz bohrt. Oft sieht man kein Ende dieses Schmerzes und glaubt man versinkt für immer darin. Viele haben dir sicher gesagt, dass Zeit alle Wunden heilt. Aber das stimmt in meinen Augen nicht ganz. Es hat eher etwas von tolerieren. Man heißt bei weitem nicht gut was das Leben einem angetan hat, geschweige denn akzeptiert man es. Man muss diese Situation annehmen, weil es keine andere Möglichkeit gibt. Man lernt mit allem umzugehen und man lernt weiterzuleben. Peppy hat mir erklärt, wie schlimm es für dich in den letzten Jahren war. Erst die Rache an Andross, dann die Jahre wo dein Team zerbrach und du trotzdem der unverwüstliche Anführer sein musstest, die Aparaoids und schließlich die Anglar. Du hattest nie wirklich Zeit das mit deinem Vater zu verarbeiten, klar dass dir dann solch eine besondere Auszeichnung zu schaffen macht. Immerhin war es eine welche zuletzt James bekam. Aber eins ist mir auch klar. Wenn es etwas gab, was dich immer aufheitern konnte, dann war es das Fliegen, weswegen mir die anderen dabei geholfen haben!“

Gekonnt riss Krystal ihrem Freund die Binde vom Gesicht. Dieser kniff seine Augen stark zusammen, welche von einem hellen Scheinwerfer getroffen wurden. Sekunden vergingen, ehe Fox erkannte was gerade passierte. Er stand wirklich in der vermuteten riesigen Lagerhalle, doch war diese keineswegs leer. Während außer er und Krystal im Scheinwerferlicht standen, war fast der Rest der Halle dunkel. Allerdings existiert ein weiterer Scheinwerfer und was darunter stand, ließ ihm die Sprache verschlagen. Dort, am anderen Ende der Halle, standen zwei frisch polierte Airwings. Krystal grinste übers ganze Gesicht. Ihre kleine Überraschung hatte den gewünschten Effekt verursacht. Sie stellte sich strahlen vor ihrem Freund: „Falco und dem Rest habe ich gesagt wir kommen später. Na los!“ Doch bevor sie losrennen konnte, wurde sie von Fox festgehalten, welche sie daraufhin voller Leidenschaft küsste. Beide genossen diesen Moment. Wie schon Heute Morgen vergaß Fox all seine Sorgen. Diese Frau schaffte es immer wieder in aus seinem Tief zu holen. Er wusste was für ein unfassbares Glück er mit ihr hatte. „Du bist das Beste was mir je passieren konnte, danke dafür!“, hauchte er ihr ins Ohr. „Und jetzt fliegen wir!“ Nun gemeinsam rannte Beide zu ihren Airwings. Schnell öffnete sich das elektrische Tor und ebenso schnell waren die Motoren gestartet. Fox fühlte sich hinterm Steuer wie zuhause. Es war mit das vertrauteste Gefühl was er kannte, wie in im Freudenrausch fühlte er den Start. Seine Freude konnte man nicht in Worte fassen.

„Lass uns gemeinsam die Freiheit genießen!“, sprach Fox über Funk zu Krystal, ehe Beide zu der unendlichen Weite des Universums flogen. Alles Unwichtige wurde immer kleiner und kleiner, ehe es verschwand.


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Das ist mein zweiter kleiner OS. Diesmal mit dem Pairing Fox X Krystal, wovon ich ein großer Fan bin. Ich hoffe er hat euch gefallen.
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