Abriachan I - Am Scheideweg

von Dahkur
GeschichteAllgemein / P16
Ezri Dax Julian Bashir Kira Nerys
14.05.2015
20.06.2015
15
74138
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 


Anmerkung: diese Geschichte spielt in einer Post-TV-DS9-Zeit. Ich ignoriere dabei irgendwelche offiziellen Buch-Fortführungen der Serie. In meiner DS9-Version hat Commander Erika Benteen den Posten des 1. Offiziers inne und Lieutenant Nog denjenigen des Sicherheitschefs.



„... nothing has to be true for ever.

Just for long enough to tell you the truth.“


(Terry Pratchett – The Truth)






Erika Benteen, Erster Offizier der Raumstation Deep Space Nine, ließ sich in den Sessel fallen. Sie war den gesamten Weg von ihrem Quartier bis zur OPS zu Fuß gegangen, hatte alle Turbolifte links liegen lassen und stattdessen die mühsamen Leitern von Sektion zu Sektion verwendet. Sehr viel besser fühlte sie sich dadurch jedoch auch nicht.

Seit sie auf diesen Posten versetzt worden war, strafversetzt, wie sie sich sicher war, hatte sie nichts mehr von ihrer Liebhaberin gehört. Bis sie heute Morgen eine fröhliche Subraumnachricht von ihr auf dem Terminal vorgefunden hatte, worin diese ihr erklärte, dass sie ein neues Leben begonnen und eine neue Partnerin gefunden habe.

Natürlich, sie waren übereingekommen, dass keine von beiden an ihre Beziehung gebunden war. Benteen war vom Sternenflottenkommando nach Ende des dominischen Krieges auf diese Raumstation im bajoranischen Sektor versetzt worden. Ein Schiff oder gar ein eigenes Kommando waren seit ihrer Teilnahme am Putschversuch Admiral Laytons in unerreichbare Ferne gerückt. Diese Station war so weit von der Erde entfernt, dass eine Fernbeziehung sinnlos war, und Minja hatte sich geweigert, sie hierher zu begleiten – was Benteen ihr nicht verübeln konnte.

Sie hatten sich ohne Treuegelöbnisse verabschiedet, dennoch hätte die Terranerin nicht erwartet, dass Minja so rasch einen Ersatz finden würde. Benteen hielt nicht viel von Männern, doch Frauen schienen keinen Deut besser zu sein. Immer mehr gelangte sie zu der Ansicht, dass Gefühle etwas für andere waren. Bisher hatte ihr weder Loyalität noch Liebe etwas anderes als Enttäuschung gebracht.

Sie drehte ihren Sessel zur Tür, an der sich nun eine Gestalt näherte. ... Und dass sie hier auf dieser Station festsaß, hob ihre Stimmung nicht im Geringsten.

Kira Nerys betrat ihr Büro. „Guten Morgen, Commander.“

„Guten Morgen, Colonel.“ Benteen legte das Padd mit den Personaldateien vor sich auf den Tisch. Ihre Vorgesetzte war nicht einmal eine Sternenflottenoffizierin. Zwar hatte sie mit der Zeit ihre anfängliche Abneigung gegen die Bajoranerin in etwas Ähnliches wie Respekt verwandelt, doch es fiel ihr schwer, ihr dieselbe Loyalität entgegenzubringen, wie sie das einem Captain der Sternenflotte gegenüber gekonnte hätte. Colonel Kira stand zwischen ihrem Planeten Bajor, dessen Militär sie angehörte, und der Sternenflotte, unter deren Aufsicht sie diese Station befehligte. Und Commander Benteen stand zwischen der Sternenflotte und Colonel Kira. Ihre Aufgabe war es, immer und immer wieder darauf zu achten, dass die Bajoranerin nicht vergaß, nach welchen Regeln in der Föderation gespielt wurde. Wobei sie sich sicher war, dass die Admiralität sie, Benteen, intensiv beobachtete, ob sie sich einen erneuten Fehler leistete.

An manchen Tagen schien es, als ob Colonel und Commander ihre Arbeit gegenseitig behinderten, anstatt sich zu helfen.

Heute jedoch versprach ein ereignisloser Tag zu werden.

Benteen schob Kira die Aufzeichnungen hinüber. „Wir haben vier Akademie-Abgänger für ein halbes Jahr zugewiesen bekommen. Es ist für alle die erste Stelle, auf der sie Erfahrung sammeln sollen.“

Die Bajoranerin nickte. Sie überflog die Namen, prägte sich jedoch keinen davon ein. Auf einer so großen Station wie Deep Space Nine würde sie schwerlich mit den jüngsten der Sternenflottenoffiziere näher zu tun haben.



* * *




In der Passagierkontrolle der Andockschleuse am oberen Pylonen 2 betrachtete Daviot Mondal die Kontrollen vor ihm. Lieutenant Tugwandé, die diensthabende Offizierin, beugte sich zu ihm hinüber. „Das hier bedeutet, dass eine Andockerlaubnis von der OPS übermittelt wird.“

Der junge, dunkelhaarige Betazoid hatte das aufblinkende Signal bereits bemerkt. „Ja, Sir, ich kenne die Schematik aus den Vorlesungen.“

„Gut.“ Die dunkelhäutige Terranerin nickte. Diese Geste brachte nicht die geringste Bewegung in ihr kurzgeschnittenes, krauses Haar. „Wie wird weiter vorgegangen, Fähnrich?“

Mondal berührte eines der in einer Linie angeordneten Sensorfelder. „Ich rufe die Transporterdaten auf, die hoffentlich von dem Schiff übermittelt werden.“

Ein weiteres Nicken.

Nach einer kurzen Pause erhellte sich das Display der Konsole und einige allgemeine Spezifikationen über den Schiffstyp erschienen, gefolgt von einer Passagierliste.

Mondal atmete unmerklich aus. In der Theorie wusste er über die Vorgänge an der Eingangskontrolle einer Raumstation Bescheid, doch es war immer etwas anderes, wenn man sich dann einer Vorgesetzten gegenüber sah und das Gelernte anwenden sollte. Deep Space Nine war die erste Stationierung des jungen Akademieabgängers, und gerade auf dieser eher unkonventionellen Station gab es für einen Sternenflottenangehörigen einiges zu lernen, was nicht in Vorlesungen behandelt wurde.

Passagierkontrollen gehörten zwar unbestritten zu den langweiligsten Posten, doch für seine ersten Tage war der Betazoid gar nicht enttäuscht darüber, eine wenig aufregende, dafür aber sehr gut erfüllbare Aufgabe zu erhalten.

„Gut.“ Während der Fähnrich die sich abspulenden Daten intensiv studierte, genügte Tugwandé ein knapper Blick, um die nötigen Einzelheiten zu erfassen. „Was machen Sie, wenn keine Daten übermittelt werden?“

Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen, Lehrbuchwissen: „Ich verriegele die Durchgangsschleusen und gebe Meldung zur OPS.“

„Und wenn jemand versucht, mit Gewalt durch die Schleusen zu brechen?“

„Dann . . .“

Eine Handbewegung gebot ihm Einhalt. Die Schleusen öffneten sich und die ersten Passagiere betraten den Abfertigungsraum. „Wir machen nachher mit der Theorie weiter.“

Die übliche Prozedur für Neuankömmlinge auf Deep Space Nine bestand aus einem Abgleich mit der Namensliste, einem Retina-Scan und der Überprüfung auf Waffen. Letzteres versprach die meiste Abwechslung dieses Routine-Jobs. Tugwandé hatte aufgehört zu zählen, wie viele Auseinandersetzungen sie schon mit Leuten gehabt hatte, die aus diesem oder jenem Grund verdächtige Gegenstände nicht in Gewahrsam geben wollten – und sie hatte auch aufgehört zu zählen, wie oft Colonel Kira schon Sondergenehmigungen erlassen hatte, die das Tragen mancher Waffen dann doch wieder erlaubten. Vor allem Klingonen war nicht beizubringen, warum sie sich von dem einen oder anderen Messer trennen sollten.

Fähnrich Mondal bediente die Waffenüberprüfung, während Tugwandé das Display beobachtete, auf welchem der Vergleich des Retina-Scans angezeigt wurde, der oft lediglich das Wort „keine Daten gespeichert“ erbrachte. Auch hier schien heute nichts Aufregendes zu geschehen. Der Transporter kehrte von einem Routineflug von der wieder aufgebauten Kolonie Neu-Bajor im Gammaquadranten zurück.

Dann jedoch kam ein wenig Bewegung in den Strom der Passagiere. Unter den bajoranischen Geschäftsreisenden, besuchenden Familienangehörigen und Sternenflottenpersonal stach die Gruppe, die nun die Kontrolle betrat, augenblicklich hervor. Die Männer, drei an der Zahl, waren in schwarz gekleidet mit hohen Stiefeln und oberschenkellangen Umhängen. Schönheit lag bekanntlich im Auge des Betrachters, doch es gab eine Art von Attraktivität, die unabhängig von den beobachtenden Personen existierte. Die Männer besaßen nicht die gleichartigen, jedoch leblosen Züge, die sich nach dem einen oder anderen Schönheits- oder Modeideal richteten. Es waren Gesichter voller Leben, völlig unterschiedlich und doch alle von einer gleichen inneren Attraktivität erfüllt. Ein großer, dunkelblonder Mann führte die Gruppe an, sein Haar trug er im Nacken zusammengebunden, seine blauen Augen blickten sich interessiert im Raum um. Ihm folgte ein dunkelhaariger Mann im selben Alter – Mondal schätzte beide auf Anfang vierzig – mit kurzgeschnittenem Bart und sanften, hellgrauen Augen. Vollendet wurde die Gruppe von einem schlanken jungen Mann, knapp über zwanzig, dessen langes silberblondes Haar und die runden, dunkelblauen Augen in einem scharfgeschnittenen Gesicht ihm etwas Unschuldiges verliehen.

Tugwandé bemerkte erst, dass sie die Gruppe anstarrte, als der Anführer an ihre Konsole trat und sie freundlich ansprach: „Wir sind nicht vertraut mit Euren Regeln. Welcher Prozedur sollen wir folgen?“

Der Mann neigte seinen Kopf leicht vor ihr, sein Zopf fiel ihm dabei über die Schulter.

„Entschuldigung, dass ich Sie angestarrt habe“, fand Tugwandé ihre Stimme wieder, und fügte etwas unbeholfen hinzu: „Jemanden wie Sie habe ich noch nie hier gesehen.“ Mit Gewalt brachte sie ihren Blick dazu, sich von dem Mann ab- und dem Display zuzuwenden.

„Ich weiß, was Sie meinen. Ich hatte ein ähnliches Gefühl, als ich vorhin Eure stattliche Erscheinung sah, wenn Ihr mir erlaubt, das zu sagen.“ In seiner Stimme lag kein Spott, sondern Bewunderung.

„Nennen Sie mir Ihren Namen und sehen Sie bitte dort hinein.“

„Admair von Rossa.“ Er berührte den Scanner.

Mondal betrachtete die Männer fasziniert. Er konnte sehen, dass seine Vorgesetzte ebenfalls beeindruckt war, sie betrachtete den perfekt trainierten Körper, während der Neuankömmling in den Scanner blickte. Er vermutete, dass es sich bei den Männern um ausgebildete Soldaten handelte. Einer nach dem anderen ließen sie den Retina-Scan über sich ergehen.

Die Überprüfung des Letzten der Männer war abgeschlossen. Tugwandé nickte und gab einen Kommentar bezüglich der Neuankömmlinge auf ihrem Terminal ein.

„Was führt Sie nach Deep Space Nine?“

„Neugierde.“

Ihr Blick begegnete einem entwaffnenden Lächeln.

„Wir suchen Kontakt zu neuen Völkern und möglichen Handelspartnern.“

Geschäftsreisende gab sie als abschließende Anmerkung ein. Dann winkte sie die Gruppe zur Ausgangsschleuse und zwang ihre Aufmerksamkeit den nächsten Passagieren zu, froh aus dem Bann der verzaubernden Augen entlassen zu sein.

Ein alarmierendes „Sir!“ ließ sie jedoch wieder herumfahren. Mondal, den sie mitsamt der Waffenkontrolle völlig vergessen hatte, hatte sich vor die Schleuse gestellt. Der junge Betazoid wirkte recht verloren, wie er versuchte, den größeren Soldaten den Zugang zu versperren.

So sehr war sie vom Benehmen und den Gesichtern der Männer abgelenkt gewesen, dass ihr etwas Offensichtliches entgangen war . . .

Mit zwei großen Schritten war sie hinter ihrem Terminal hervor und bei der Gruppe.

„Halt! Mit diesen Schwertern können Sie nicht auf die Station!“



* * *




„Wo liegt das Problem?“ Colonel Kira Nerys betrat den kleinen Aufenthaltsraum, der an die Passagierkontrolle grenzte. Sonst nur von einer oder zwei Personen benutzt, waren jetzt alle Stühle besetzt. Mit einem Blick nahm sie die Szene in sich auf. An der hinteren Wand standen Lieutenant Tugwandé und ein junger, dunkelhaariger Fähnrich, der wahrscheinlich zu den Akademieabgängern gehörte, an dessen Namen sie sich aber nicht erinnern konnte. Die großen schwarzen Augen zeichneten ihn als Angehörigen von Betazed aus. An der linken Wand befand sich ein in schwarz gekleideter Mann, der wirkte, als hätte er dort Aufstellung genommen. Seine Augen ruhten aufmerksam auf der kleinen Gruppe am Tisch, die aus zwei weiteren schwarzgekleideten Männern, Lieutenant Nog und zweien seiner Sicherheitsleuten bestand. Auf dem Tisch zwischen den Parteien lag ein großes Schwert mit kunstvoll verziertem Griff, wie es zwei der drei Männer auf dem Rücken trugen.

„Colonel Kira Nerys, Kommandantin dieser Station“, stellte sie sich vor, und bevor jemand etwas erwidern konnte, fuhr sie fort: „Sagen Sie nichts: Sie wollen Ihre Waffen nicht abgeben, weil sie eine religiöse, zeremonielle oder sonstige Bedeutung besitzen.“

Ihre Stimme war die Stimme einer Frau, die zu oft dieselben Geschichten gehört hatte.

Der große blonde Mann, dem offensichtlich das auf dem Tisch liegende Schwert gehörte, erhob sich von seinem Stuhl. Die Verbeugung, die er nun zeigte, war um einiges tiefer als vorhin in der Passagierkontrolle. Er hielt den Kopf geneigt, während er sprach: „Kommandant Admair zu Euren Diensten, Colonel. Ich entbiete Euch Grüße von den Abgesandten von Abriachan, die morgen eintreffen werden. Meine Männer und ich sind vorausgereist, um sicherzustellen, dass alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden, um den Aufenthalt der Abgesandten nicht zu gefährden. Wir können die uns zugedachte Aufgabe nicht ausführen, wenn wir waffenlos sind.“

Kira bedachte Nog mit einem irritierten Blick, doch dieser hob nur die Schultern und deutete eine von den Schwarzgekleideten abgewandte Grimasse an.

„Setzen Sie sich wieder.“ Die Bajoranerin nahm auf dem Stuhl Platz, den ihr ein Offizier freigemacht hatte. „Ich bin mir sicher, dass mein Sicherheitschef, Lieutenant Nog, Sie schon ausführlich darauf hingewiesen hat, dass diese Station über die modernsten Überwachungstechniken verfügt und über genügend geschultes Personal, so dass wir zu jeder Zeit für die Sicherheit der sich an Bord befindlichen Personen garantieren können.“ Mit einem Blick auf das Schwert fügte sie hinzu. „Nicht zu vergessen das Waffenverbot, welches ebenfalls zu einem nicht unerheblichen Teil dazu beiträgt, dass es hier friedlich ist.“

„Sie können sicher sein, dass ich das getan habe, Sir“, ließ sich Nog vernehmen. „Und nicht nur einmal.“ In seiner Stimme schwang kaum unterdrückt verletzter Stolz mit.

Kira schenkte ihm ein Lächeln. Sie wusste, dass er einen schweren Stand hier auf der Station hatte. Seine kleine Körperstatur und seine Rasse machten es ihm trotz seines Sternenflottenrangs nicht einfach, von anderen immer akzeptiert zu werden. Dennoch – oder gerade deswegen – machte er seine Arbeit ausgezeichnet. Es war sehr schwer, in Odos Fußstapfen zu treten, doch Nog bemühte sich redlich.

Admair, der sich wieder gesetzt hatte, hob den Blick. Respektvoll entgegnete er: „Ich möchte in keiner Weise an der Effektivität Eurer Soldaten zweifeln, Colonel. Bitte verzeiht mir, wenn ich diesen Eindruck vermittelt habe. Jedoch bitte ich Euch zu bedenken, dass es uns unmöglich sein wird, unserer Aufgabe nachzukommen, wenn wir die Schwerter abgeben müssen. Auch wir haben eine Verantwortung übernommen, die wir nicht leichtfertig auf die Schultern anderer abwälzen wollen. Selbst wenn,“ und damit wandte er sich Nog zu, „die Schultern einem noch so fähigen Mann gehören.“

Der Ferengi ließ einen missfälligen Laut vernehmen.

„Ich kann verstehen, dass Sie sich von der Sicherheit der Station überzeugen wollen, wenn Sie noch nie hier waren. Das ist Ihr gutes Recht.“ Kira blickte zu Nog hinüber. „Lieutenant, wäre es möglich, Kommandant Admair und seinen Leuten eine Inspektion der Einrichtungen anzubieten, ohne damit die Sicherheit zu beeinträchtigen? Wenn sie sehen, wie gut unsere Station bewacht wird, hilft das sicherlich, ihr Misstrauen abzubauen.“

Nog überdachte die Frage kurz, dann nickte er. „Ja, ich denke, das ließe sich machen.“

„Nun?“ Kira wandte sich wieder dem Kommandanten zu. „Wären Sie damit einverstanden?“

„Ein großzügiges Angebot, das wir mit Freuden annehmen werden.“

Sie erhob sich mit einem erleichterten Seufzen. „Dann wäre das also geklärt. Lieutenant,“ sie winkte Tugwandé heran. „Sie können die Waffen jetzt in ...“

Admairs Hand berührte diejenige Kiras, die sich auf den Knauf des Schwertes gelegt hatte, um es demLieutenant zu reichen. Es war eine warme, kraftvolle Berührung, welche die Bajoranerin zurückzucken ließ. Ihr Blick traf sich mit demjenigen des Mannes. Sie konnte darin deutlich das Unbehagen, ihr widersprechen zu müssen, lesen. Der Kommandant war hin und her gerissen zwischen dem Respekt, den er ihr ganz offensichtlich zollte, und der Aufgabe, derentwegen er auf die Station geschickt worden war.

„Ich kann nicht erlauben, dass uns die Waffen abgenommen werden.“

Kira ließ sich auf ihren Stuhl zurückfallen. Demonstrativ schlug sie sich auf den Kommunikator an ihrer Brust. „Kira an OPS. Commander Benteen? Es wird noch eine Weile dauern, bis ich meinen Dienst wieder aufnehmen kann. Wir scheinen hier unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten zu haben.“

Dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder Admair zu. „Und was schlagen Sie vor, das wir tun sollen, damit wir unsere Vorgaben nicht verletzen? Denn das können Sie ebenso wenig verlangen.“

Der bärtige Mann, der neben ihm saß, legte Admair die Hand auf die Schulter.

Der Kommandant blickte sich zu ihm um. „Elgin?“

„Vielleicht lässt sich Colonel Kira darauf ein, wenn nur du dein Schwert behältst und wir unsere abgeben. Dein Ehrenwort, niemandem damit Schaden zuzufügen, wird ihr sicherlich Pfand genug sein.“

Kira betrachtete den Sprecher misstrauisch. Sie war in einer ehrlosen Zeit aufgewachsen. Wann immer jemand mit Ehrenworten kam, fragte sie sich unwillkürlich, welches Leben die entsprechende Person wohl gelebt haben mochte. Sie hatte während ihrer Zeit auf Deep Space Nine gelernt, dass es Rassen gab, denen ihr Wort mehr wert war als ihr Leben. Doch es fiel ihr nach wie vor schwer zu entscheiden, wann sie jemanden vor sich hatte, der mit Worten von Ehre spielte, und wann nicht.

Admair wandte sich mit fragendem Blick zu ihr um und in diesem Augenblick entschied die Bajoranerin sich, ihm zu vertrauen. Es lag etwas in diesen Augen, das sie glauben machte, dass ihr Träger nichts willentlich gegen sie unternehmen würde.

Erneut stand sie auf, erneut legte sie ihre Hand auf den Schwertknauf. Dieses Mal rührte sich Admair nicht. Nachdenklich hob sie die Waffe an. Einen Moment wog sie deren Gewicht in ihrer Hand. Sie gönnte sich einen bewundernden Blick auf die spiegelnde Klinge und das detailliert gearbeitete Heft, dann reichte sie das Schwert dem Kommandanten.

„Sorgen Sie dafür, dass ich meine Entscheidung nicht bereuen werde.“

Er nahm die Waffe aus ihrer Hand entgegen und verneigte sich erneut vor ihr. „Darauf habt Ihr mein Wort, Colonel.“

Mit einer fließenden Bewegung steckte er die Waffe wieder in die Scheide auf seinem Rücken. Er gab seinen Männern ein Zeichen, woraufhin diese ihre Schwerter zogen. Knauf zuerst streckten sie die Waffen Tugwandé und Mondal entgegen.

Kopfschüttelnd nahm der Lieutenant sie entgegen und bedeutete dem Fähnrich, ihr beim Tragen zu helfen.

Kira schob ihren Stuhl an den Tisch zurück und zeigte damit, dass die Angelegenheit erledigt war. Sie bedeutete Admair, sie hinauszubegleiten, während die anderen hinterher kamen.

„Können Sie mir verraten, welchen Feind Sie glauben, nur mit Ihrem Schwert und nicht mit unseren Sicherheitsvorkehrungen fernzuhalten?“, wollte sie wissen, als sie den Korridor zu den Turboliften einschlugen.

Er mied ihren Blick. „Keinen bestimmten. Es geht nur um die allgemeine Sicherheit, Colonel.“

Im Aufenthaltsraum zuckte Mondal zusammen. Wie jeder Betazoid außerhalb seines Heimatplaneten hatte er sich dem strengen Kodex verschrieben, sich gegen die Empfindungen und Gedanken anderer abzuschirmen. Doch für einen kurzen Augenblick war ein so starkes Gefühl von Täuschung auf ihn eingestürmt, dass seine mentale Barriere gefallen war.

Es hatte nur einen Augenblick gedauert.

Jetzt war da nichts mehr.

Überrascht blickte er zu seiner Vorgesetzten hinüber, als erwarte er, sie habe es ebenfalls verspürt. Doch Tugwandé war unberührt mit den Schwertern beschäftigt.

Er schüttelte seinen Kopf und schalt sich einen Narren.

In der nun verlassenen Passagierkontrolle öffneten und schlossen sich die Schleusen.



* * *
Review schreiben