@EffieDevine

von blaugrau
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
Harry Styles Liam Payne Louis Tomlinson Niall Horan OC (Own Character) Zayn Malik
09.05.2015
07.04.2020
92
252.364
74
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Dieses Kapitel
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13.09.2019 1.804
 
„Hi Miss Devine, wie geht es Ihnen?", erkundigte sich Dr. Garvin. Er klang freundlich, gut gestimmt. Auf jeden Fall nicht so, als hätte er heraus gefunden, dass ich ihn belogen hatte und eigentlich krank war. Kein bisschen anklagend oder vorwerfend. Das war doch schon mal ein sehr gutes Zeichen. „Hi Dr. Garvin", erwiderte ich, „Mir geht es gut und Ihnen?" Seine Antwort kam schnell: „Gut, gut. Ihre Ergebnisse sind gerade vom Labor zurückgekommen. Ich würde sie gerne so bald es geht mit Ihnen besprechen. Könnten Sie heute noch in die Praxis kommen?"

Okay, das klang weniger gut. Wieso musste er die Ergebnisse mit mir besprechen? Da sollte es nichts zu besprechen geben. Er sollte mir diesem blöden Nachweis für das Gesundheitsamt ausstellen und das wars. Oh Mann. „Ich habe nachher noch geschäftliche Termine", antwortete ich ehrlich und versuchte nicht panisch zu klingen, „Ich könnte frühestens gegen siebzehn Uhr kommen." Er überlegte kurz, dann willigte er ein und verabschiedete sich.

Ich kehrte zurück zu Josy und erntete einen fragenden Blick. „Alles okay?", wollte sie wissen. Schnell nickte ich. Auf keinen Fall würde ich zugeben, dass da eine nicht ganz so geringe Chance bestand, dass ich erstmal nicht arbeiten durfte. Das würde sich schon klären. Ein bisschen Antibiotika und ich wäre wieder komplett gesund und alles wäre gut. Ich versuche der Sache optimistisch entgegen zu blicken.

Nach einer halben Stunde verabschiedete ich mich von Josy und meiner Nichte, machte mich auf den Weg zur Arbeit und verjagte Dr. Garvin aus meinen Gedanken. Erst gegen halb fünf, als ich mich auf den Weg zu seiner Praxis machte, kamen die Sorgen zurück. Ich ließ mir nichts ansehen, als ich die Praxis betrat. Ein letzter Patient ging gerade und ich realisierte, dass die Praxis gerade dabei war zu schließen. Dr. Garvin wollte nicht nur so bald wie möglich über meine Blutwerte sprechen, sondern nahm sich dafür sogar außerhalb der Praxisöffnungszeiten Zeit? Das war definitiv kein gutes Zeichen.

Ich wurde direkt ins Behandlungszimmer gerufen und setzte mich dem Arzt gegenüber auf den Plastikstuhl. Er lächelte mich freundlich an, doch es wirkte etwas falsch. So als würde er mir etwas vorspielen. „Und?", fragte ich nervös, „Ist alles in Ordnung? Unterschreiben Sie mir diesen Gesundheitsnachweis?" Dr. Gavin nickte, was mich beruhigte. Mir fiel ein Stein vom Herzen, ach was, ein ganzes Gebirge.

„Ich fürchte, dass Sie allerdings nicht mehr lange arbeiten können", sagte er dann und wurde plötzlich ernst. Ach du Scheiße! Würde ich sterben? Hatte ich Krebs? Garantiert Lungenkrebs von dem ganzen Zigaretten. Ich hätte auf Mark hören sollen. Merkte man Lungenkrebs nicht? Oder würde ich etwa erblinden? Das stand doch auch immer auf den Zigarettenpackungen als Warnung. Was hatten Übelkeit und Erblinden miteinander zu tun? Was war mir mir los?

Dr. Garvin schien mir anzusehen, dass ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand. Kein Wunder, das hätte auch ein Blinder sehen können. Ein Blinder. Oh Gott, vielleicht würde ich bald blind sein. „Ich nehme an, Sie haben mir ein paar gesundheitliche Probleme verschwiegen. Morgendliche Übelkeit, schätze ich?", fragte der Arzt mich nun. Ich nickte langsam. „Aussetzen der Regel?", hakte er nun nach. Ich dachte kurz nach. Ja, tatsächlich. Ich hatte mich gar nicht darum gekümmert. Immerhin war man als Frau ja froh über jeden Tag, an dem man sich nicht damit herumschlagen musste. Ich realisierte gerade, in welche Richtung das hier ging. Das hatte nichts mit Lungenkrebs oder Erblinden zu tun. „Nein!", rief ich und schüttelte vehement den Kopf, „Ich bin nicht schwanger! Ganz sicher nicht!"

Dr. Garvin lächelte mich an. Ich begann, sein Lächeln zu hassen. Es gab hier nichts zu lächeln, verdammt! „Die Testergebnisse sind da ganz eindeutig", teilte er mir mit. Ich schüttelte den Kopf. „Dann wurde der Test falsch gemacht! Oder die Proben wurden vertauscht! Oder... Oder... Oder... ICH - BIN - NICHT - SCHWANGER!", schrie ich fast schon vor Verzweiflung. Der Arzt wandte sich von mir ab, suchte etwas in einer Schublade. Dann drückte er mir einen Plastikstab in die Hand. „Einmal draufpinkeln bitte", sagte er schlicht.

Noch nie hatte ich so eine Panik beim Pinkeln gehabt. Ich erinnerte mich an das letzte Mal, als ich so einen Schwangerschaftstest gemacht hatte. Damals war ich mir sicher gewesen, dass er negativ ausfallen würde. Und jetzt? Eigentlich war ich mir ja auch sicher. Eigentlich. Ach Mist, das durfte einfach nicht wahr sein. Als ich fertig war, kehrte ich mit Stab zurück in das Behandlungszimmer. Dr. Garvin warte schon auf mich und erklärte mir nun, was wie viele Striche bedeuteten. Nervös wartete ich ab, bis die Wartezeit abgelaufen war. Ich wagte es gar nicht, den Stab anzusehen. Ich durfte nicht schwanger sein. Niall und ich waren nicht mehr zusammen, ich würde eine schreckliche Mutter sein, ich hatte keine Zeit für ein Kind und die blöde Presse würde mich jagen. Ich würde nie wieder Privatsphäre haben. Oh Mann. Ich konnte auch nicht schwanger sein. Ich konnte einfach nicht schwanger sein. Das ging nicht. Schluss, Aus, Ende. Damit hatte ich das entschieden.

Leider war der Schwangerschaftstest nicht mit meiner Entscheidung zufrieden und zeigte an, dass ich schwanger war. Dr. Garvin sprach und sprach und sprach. Ich war wie in Trance, konnte ihm nicht wirklich zuhören. Einzelne Worte und Satzfetzen drangen in mein Ohr. Er sprach von einem Gynäkologen, verschiedenen Optionen, irgendwelchen Wochen und und und. Ich nickte brav und bekam am Ende des sehr einseitigen Gesprächs ein paar Dokumente und dem verpackten Schwangerschaftstest in die Hand gedrückt, welche ich allesamt in meine Tasche schmiss, ehe ich die Praxis verließ.

Das Gefühl, das ich gerade hatte, erinnerte mich ein wenig an jenes, das man nach einer Klassenarbeit hatte, wenn man gerade die geschriebenen Seiten abgegeben hatte und den Raum verließ, während man ganz genau wusste, dass man nicht eine einzige Frage hatte beantworten können und man daran jetzt nichts mehr ändern konnte. In meiner Situation jetzt konnte ich zwar noch etwas ändern, aber wollte ich das denn? Ach, ich wusste es einfach nicht. Auf meinem Weg zur Underground zerbrach ich mir den Kopf, ehe ich schließlich in einem Wagon Platz nahm. Plötzlich musste ich lachen. Meine Mitmenschen warfen mir verstohlen Blicke zu. Es war nichts Besonderes, dass scheinbar Verrückte in der Tube waren, aber noch nie war ich so abgestempelt worden. Sie konnten ja nicht wissen, dass mein Leben mich scheinbar hasste. Wann auch immer ich es gerade in den Griff bekommen hatte, kam schon die nächste Katastrophe um die Ecke. Kaum hatte ich die Schule beendet, ging ich für Josh auf Tour und verliebte mich in diesen weltberühmten Boybandsänger. Kaum war ich mit besagtem Typen zusammengekommen, ließ er mich für seine Fans links liegen. Kaum hatte ich mir ein neues Leben in den Staaten aufgebaut, ging ich schon wieder auf eine Tour mit One Direction und verliebte mich schon wieder in diesen Typen. Kaum waren wir erneut zusammengekommen, ging die Beziehung auch schon wieder in die Brüche. Und kaum hatte ich mir schon wieder mein neues Leben aufgebaut, kam ein kleines Dings in meinem Bauch mir durch die Quere.

Da der Arzt noch in der Nähe meines alten Zuhauses war, dauerte die Fahrt mit der Tube ein wenig. Endlich in meiner Wohnung angekommen, setze ich mich auf mein Sofa und packte all das aus, was mir der Arzt mitgegeben hatte. Da war der Schwangerschaftstest, den ich gedankenverloren in meiner Hand hin und her drehte, so als würde er sich vielleicht doch noch verändern und anzeigen, dass ich nicht schwanger war. Ich starrte ihn ein einig wütend an, so als wäre er daran schuld, dass ich überhaupt erst schwanger geworden war. Dies war natürlich nicht der Fall. Ich hatte mit Niall geschlafen und wusste die Queen wie das passiert war. Wir hatten ja immer darauf geachtet und überhaupt... Ich seufzte leise auf. Es war ja nun doch egal. Jetzt war ich eben schwanger. Schwanger. Schwanger. Schwanger. Ich wiederholte das Wort in meinen Gedanken wie ein Mantra. Noch immer konnte ich nicht ganz begreifen, dass ich in ein paar Monaten vielleicht schon Windeln wechseln würde. Bei diesem Gedanken musste ich das Gesicht verziehen.

Ich blätterte durch die Dokumente mit den Testergebnissen und die Broschüren, in denen alle möglichen Optionen aufgelistet worden waren. Ich las sie mir aufmerksam durch und stellte fest, dass sie eigentlich alle keine Option für mich waren. Aber ich konnte das Kind doch nicht behalten! Ich würde eine schreckliche Mutter sein. Vermutlich würde ich das Kind irgendwo vergessen oder es würde sich verletzen und alle Welt würde wissen, dass ich die schlechteste Mutter auf Erden war. Überraschend lange hatte ich es durchgehalten, nicht zu weinen. Nun konnte ich die Tränen aber nicht stoppen. Ich wusste nicht, wie lange ich einfach nur da saß und heulte, aber es fühlte sich an wie eine halbe Ewigkeit. Das blöde war ja auch, dass ich niemanden hier hatte, an wen ich mich wenden konnte. Meine beste Freundin war hunderte Kilometer entfernt, Stan würde kein Verständnis haben und Josy war zwar mal in einer ähnlichen Lage gewesen, aber ich wollte nicht der Grund dafür sein, dass sie Geheimnisse vor meinem Bruder hatte. Oh Mann.

„Was mach ich denn jetzt nur?", sagte ich und strich mir unterbewusst über meinen Bauch. Irgendwo da drinnen war das winzige Etwas. Ich fühlte mich nun schlecht, denn das kleine Etwas konnte ja nichts dafür, dass ich eine schlechte Mutter sein würde und Single war. Es sollte sich nicht wie ein Problem fühlen, das war nicht fair. Okay, es könnte gerade vermutlich noch gar nichts fühlen, aber es war trotzdem nicht gerade fair. Ein schlechtes Gewissen machte sich in mir breit. Schließlich warf ich einen kurzen Blick auf die Uhr — es war gerade kurz nach acht — und wählte dann Josys Nummer. Sonst wusste ich mir nicht zu helfen.

„Hallo Tante Liza", begrüßte mich Stacy, die offenbar an das Handy ihrer Mutter gegangen war. Ich führte kurz Small Talk mit ihr, ehe ich mich nach ihrer Mutter erkundigte. „Maaaaamaaaaa", brüllte Stacy dann und ich hatte für ein paar Sekunden das Gefühl, dass ich mein Gehör verloren hatte, ehe Josy sich dann meldete. Sie musste ihr Handy aus Stacys Händen gerettet haben. „Liza, hey", sagte sie und klang ein wenig überrascht. Immerhin war ich ja erst vor ein paar Stunden bei ihr gewesen. Ich wusste nicht, wie ich es ihr sagen sollte. Oh Gott, wie sollte ich es denn überhaupt Niall sagen? „Hi", sagte ich und bemerkte, wie meine Stimme brüchig wurde. Gleich würde ich anfangen zu weinen. „Alles in Ordnung?", erkundigte sich meine Schwägerin. „Um ehrlich zu sein, nein." Ich heulte nun. Super. „Ich bin schwanger."





Soooooooo, wer hat es kommen sehen? Das war übrigens das letzte richtige Kapitel - es folgt nur noch der Epilog!
Schreibt mir gerne einfach alle Theorien, wie @EffieDevine enden könnte, in die Reviews!
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