@EffieDevine

von blaugrau
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
Harry Styles Liam Payne Louis Tomlinson Niall Horan OC (Own Character) Zayn Malik
09.05.2015
07.04.2020
92
252.364
74
Alle Kapitel
402 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
08.12.2018 1.763
 
Niall und ich gingen an die frische Luft. Draußen auf dem großen, abgesperrten Parkplatz gab es eine kleine Wiese mit einer Parkbank darauf. Anscheinend hatte jemand verzweifelt versucht, diesen Platz annähernd schön aussehen zu lassen. Ich hatte erwartet, dass Niall auf Abstand gehen würde, doch stattdessen setzte er sich direkt neben mich. Sein Bein berührte meines fast schon. „Also", sagt er und machte dann eine Pause, so als wüsste er nicht, was er sagen sollte. Oder er hoffte, dass ich zuerst etwas sagen würde. Vielleicht auch beides.

„Ich möchte nicht ohne dich leben", flüsterte er fast schon. Ich nickte langsam, denn auch wenn die Aussage nach „Lass uns unsere Beziehung retten und es ein drittes Mal miteinander versuchen" klang, verriet mir seine Stimme, dass dies nicht der Fall war. „Aber wir bekommen diese Beziehungssache nicht auf die Reihe", sprach ich das aus, was er sicherlich dachte. Nun nickte Niall. Irgendwie war es hart, das zu akzeptieren, aber ich musste es einsehen. Vielleicht waren wir einfach nicht für einander bestimmt.

Mir lag die Frage auf der Zunge, wie er sich das vorstellte, ein rein freundschaftliches Verhältnis zu führen. Wie stellte er sich das vor, dass ich seine Stimme hörte und sein Gesicht sah, ohne innerlich zu zerbrechen? Wie sollte ich sein Lächeln sehen, die kleinen Lachfalten um seinen Mund herum, das funkeln in seinen Augen, und wissen, dass ich nicht mehr der Grund dafür war? Zum einen verstand ich ja, dass er den Kontakt nicht verlieren wollte. Niall war die letzte Zeit nicht nur mein fester Freund gewesen, sondern generell ein sehr, sehr guter Freund. Ich wollte ihn nicht einfach aus meinem Leben streichen. Aber wie würde ich dem Kontakt halten, ohne komplett zu verzweifeln?

„Liza, ich muss ehrlich sein. Du bist ein großer Teil meines Lebens und ich möchte dich nicht verlieren. Ich hoffe, du siehst das genauso?", sprach Niall nun, „Aber es wird schwer werden, weil ein Teil von mir nicht akzeptieren möchte, dass das mit uns nicht funktioniert." Ich nickte langsam, um ihm zu zeigen, dass ich ihn verstand und es genauso sah. „Denkst du, du kommst uns auf der Tour besuchen?", meinte Niall Damm und sah mich fragend an. Ich hatte vollkommen den Überblick über die Tour verloren, aber sie war ja nicht mehr so lang. „Keine Ahnung. Ich muss auf jeden Fall die Mädels Wiedersehen, bevor sie in die USA zurückgehen, aber ich möchte erstmal mein Leben in London aufbauen. Wieso?", fragte ich.

Mein Ex — Gott, es fiel mir so schwer, das überhaupt zu denken — zuckte mit dem Schultern. „Ich dachte, dass es vielleicht einfacher wäre, wenn wir uns Mails schreiben. Altmodisch, ich weiß, aber so können wir in Kontakt bleiben und trotzdem etwas Abstand haben", schlug Niall vor. Es war tatsächlich etwas altmodisch, aber an sich nie gute Idee. Ich stimmte also zu und Niall tippte seine private und natürlich streng geheime E-Mail-Adresse ein, damit ich ihm schreiben konnte. Wir saßen noch eine Weile schweigend auf der Bank. Es gab nichts mehr zu sagen und doch blieb so vieles unausgesprochen. Keiner von uns beiden wollte aufstehen und gehen, denn das würde vermutlich das letzte Mal für die nächsten Monate sein, dass wir Zeit miteinander verbrachten.

Nach einiger Zeit trat Josh zu uns. Er blickte uns fragend an und wir erzählten ihm kurz, wie wir weiter vorgehen würden. Mein Bruder nickte, so als hätten wir seine Zustimmung benötigt. „Josy holt dich morgen vom Flughafen ab", teilte Josh mir dann mit. Ich hatte ihn gebeten, mir einen Flug zu buchen. Schnell erkundigte ich mich nach der Abflugszeit, dann klärte ich mit Niall ab, dass ich meine Sachen aus seinem Haus holen würde. Es war ein komisches Gefühl, morgen alle verlassen zu müssen. Trotzdem war ich froh, dass es dieses Mal besser lief und ich nicht einfach abhaute.

„Es ist schon ziemlich spät", meinte Josh, nachdem er auf die Uhr gesehen hatte, „Ich gehe dann mal schlafen. Immerhin müssen wir morgen früh raus." Fragend blickte ich ihn an. „Na, ich fahre dich doch zum Flughafen!", erklärte mein Bruder. Ich war mir nicht sicher, ob er mir nur einen Gefallen tun wollte oder sicher ging, dass ich auch wirklich in den richtigen Flieger stieg und mich nicht nach Timbuktu absetzte. Es verletzte mich, dass meine engsten Vertrauten mir nicht vertrauen könnten, aber das war ja nicht ihr Schuld. Nein, das war ganz allein meine Schuld. Ich wünschte ihm eine gute Nacht und verabredete mich zum gemeinsamen Frühstück mit ihm, dann verschwand mein Bruder.

„Ich schätze, ich sollte dann auch mal langsam schlafen gehen", sagte ich langsam, ohne mich von der Bank zu bewegen. Niall nickte. Er verstand, was das bedeutete. „Ich wünsche dir einen guten Flug, Lieb — Liza", sagte er dann. Beinahe hätte er mich „Liebes" genannt. Aber das ging jetzt nicht mehr. Wir waren nicht mehr zusammen. Ein Stich machte sich in meinem Herzen bemerkbar. „Danke", presste ich zwischen meinen Lippen hervor. Wir standen beide auf, dann zog er mich in eine Umarmung. Für einen kurzen Moment hoffte ich, dass er mich nicht gehen lassen wollte. Reines Wunschdenken natürlich.

„Ich möchte nicht Lebewohl sagen, weil das so klingt, als würden wir uns nie wieder sehen. Du kannst dich ja mal melden, wenn du in London bist und eine Wohnung gefunden hast oder falls du mit der Wohnungssuche Probleme hast. Ich kenne das einen guten Makler, der kann dir sicher helfen", sagte Niall dann. Ich dankte ihm und sagte, dass ich auf das Angebot einginge, falls ich alleine keine Wohnung finden könnte. Außerdem sagte Niall, dass ich meine Sachen bei ihm lassen könnte, bis ich eine neue Wohnung gefunden hatte. Er würde zwar in ein paar Wochen für ein paar Tage zuhause sein, da dann eine Tourpause war, aber ansonsten wäre er ja eh nicht da. Meinen Schlüssel würde ich einfach in den Briefkasten schmeißen, wenn ich alles geholt hatte. Da ich aber sowieso nicht viel bei ihm hatte, war ich mir sicher, dass ich das Zeug so schnell wie möglich holen würde.

Nach der vermutlich längsten Umarmung der Weltgeschichte ließ Niall mich dann los. „Mach's gut", sagte er leise und ich hoffte, dass er meine Augen in der Dunkelheit nicht gut erkennen konnte. Sie füllten sich nämlich langsam mit Tränen. Ich verabschiedete mich fast schon hastig von Niall, dann drehte ich mich um und lief eilig zum Bus von Aurora, während ich die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. Die Mädels schliefen bereits, als ich den Bus betrat. Leise weinend packte ich meine Sachen zusammen, zog mich um und legte mich schließlich ins Bett. Es dauerte ewig, bis ich endlich einschlief.

Ich hatte vermutlich gerade einmal vier oder fünf Stunden geschlafen, als mein Handywecker mich aus dem Land der Träume holte. Schnell schaltete ich ihn aus, um die anderen nicht zu wecken. Doch gerade als ich mich umgezogen und meinen Schlafanzug in einem meiner Koffer verstaut hatte, gingen fast schon synchron die Wecker der anderen los. Als California meinen fragenden Blick bemerkte, lachte sie auf: „Dachtest du wirklich, wir würden dich einfach so gehen lassen?" Sie zogen sich ebenfalls um und machten sich fertig, dann gingen wir frühstücken. Josh hatte einige Tische zusammengeschoben, was wahrscheinlich nur deshalb möglich war, weil es gerade einmal fünf Uhr morgens war und sonst niemand, der bei Verstand war, zu dieser Zeit frühstücken würde. An den Tischen saßen neben Josh bereits 5 Seconds Of Summer, One Direction — ohne Niall, dafür mit Zayn —, meine Mum, Mark, Paddy, Preston und sogar Marco. Keine Spur von Jake und Jordan, aber das kümmerte mich wenig.

Wir frühstückten alle zusammen und hatten noch eine letzte schöne Zeit, während die männlichen Anwesenden auf die ach so lustige Idee kamen, Anekdoten über mich zu erzählen. „Wisst ihr noch, als sie uns überzeugen wollte, dass sie Auto fahren kann? Ich musste mich fast übergeben", lachte Preston und ich streckte ihm meine Zunge raus. Nach einer Dreiviertelstunde wurde es dann Zeit, mich von allen zu verabschieden. Ich fing bei Luke, Ashton, Calum und Michael an. Sie waren nicht ganz so niedergeschlagen wie die anderen, immerhin hatten wir auch nicht so viel Zeit miteinander verbracht. Michael musste mir versprechen, dass er sich gut um Caddie kümmerte und auf sie aufpasste. Ansonsten wünschten die vier jungen Männer mir noch einen guten Flug und Calum überlegte, vielleicht mal im Studio bei mir für ein neues Tattoo vorbeizukommen.

Als nächstes sprach ich kurz mit meiner Mum, die nicht mehr ganz so hysterisch war. Vermutlich lag das daran, dass Josy mich vom Flughafen abholen würde und ich erstmal bei ihr wohnen würde. Sie drückte mich kurz, dann fing sie an, die Tische abzuräumen. Zayn bot mir an, dass ich mich jederzeit bei ihm melden könnte, ehe er mich kurz umarmte. Louis, Liam und Harry boten mir dies ebenso an, allerdings waren sie deutlich emotionaler als Zayn. „Ich werde dich vermissen", murmelte Harry mir ins Ohr, während er mich umarmte.

Danach arbeitete ich mich nur Aurora durch. Es klang hart, denn wir nahmen alle Abschied, aber wir waren schon spät dran und ich wollte den Flieger nicht verpassen. Sie wünschten mir alle einen guten Flug und ich musste ihnen versprechen, dass ich mich auf jeden Fall bei allen meldete, sobald ich wieder im England war. Ansonsten würde Rylee mich aufsuchen und verprügeln. So wie ich sie kannte, traute ich ihr das sogar zu.

Schließlich standen nur noch Mark, Paddy und Preston vor mir. Paddy verabschiedete sich in knappen Worten und sagte, dass es ihn gefreute hatte, mich kennenlernen zu dürfen. Ich erwiderte das natürlich. Mark zwang mich dazu, ihm zu versprechen, nie wieder zu rauchen. Er wusste, dass ich dem Verlangen nachgegeben hatte. Ich zögerte einen Augenblick, doch dann versprach ich es ihm. Mark klopfte mir auf die Schulter, dann zog er mich in eine Umarmung.

Zuletzt musste ich mich vom Preston verabschieden. Dies fiel mir verdammt schwer. Er hatte mir meinen Vater ein wenig ersetzt und ich hatte immer zu ihm kommen können, egal was gewesen war. Preston versicherte mir, dass sich daran nichts ändern würde. Er wollte mir bald einen Besuch abstatten und würde mich auf ein Bier einladen. Ich umarmte ihn, dankte ihm für alles und verabschiedete mich mit einem „Bis bald" von ihm. Dann holte Josh meine Koffer aus dem Bus und lud sie in einen schwarzen Mietwagen, ehe wir beide in besagtes Auto einstiegen. Im Rückspiegel konnte ich sehen, wie sie alle dort standen und winkten, während wir vom Parkplatz fuhren und uns auf den Weg zum Flughafen machten.
Review schreiben