@EffieDevine

von blaugrau
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
Harry Styles Liam Payne Louis Tomlinson Niall Horan OC (Own Character) Zayn Malik
09.05.2015
07.04.2020
92
252.364
74
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Dieses Kapitel
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04.06.2018 1.662
 
Die nächsten Tage vergingen mal wieder wie im Flug. Plötzlich war eine Woche vergangen und dennoch war so gut wie nichts geschehen. Weder Liam, noch Niall erwähnten einen Antrag oder verhielten sich anders. Mittlerweile war ich mir nicht mehr sicher, welcher von den beiden da wohl einen Ring gekauft hatte. Vielleicht hatte auch keiner von beiden einen Ring gekauft?

Niall und ich machten uns ein schönes Wochenende, soweit das nun mal mit den Konzerten und der Tour möglich war. Wir hatten uns am Samstag nach dem Konzert ein Hotelzimmer genommen und genossen die Zweisamkeit und natürlich auch die körperliche Nähe. Erschöpft rollte auf meinen Rücken und lag nun neben dem noch schwer atmenden Iren. Ich konnte ein Lächeln auf seinen Lippen bemerken, was wiederum mich zum Lächeln brachte.

Ich wagte mit dem Gedanken zu spielen, ihn nach dem Juwelier zu fragen oder zumindest anzudeuten, dass ich nicht bereit für eine Verlobung war. Andererseits wusste ich ja gar nicht, ob er mir überhaupt einen Antrag machen wollte. Und ich konnte nicht wirklich rechtfertigen, wieso ich diesen perfekten Mann nicht heiraten wollte. Oh Mann, wieso musste denn immer alles so kompliziert sein? Konnte mein Leben denn nicht einfach ein einziges Mal einfach sein?

Auch der Vertrag ging mir im Kopf herum. An irgendeinem Punkt musste ich Niall und den ganzen anderen davon erzählen. Doch wann war der richtige Zeitpunkt gekommen? Sollte ich lieber abwarten, bis ich den Vertrag unterschrieben hatte, damit mich niemand davon abbringen konnte? So viele Fragen und so wenige Antworten. Ich fühlte mich ein wenig überfordert und besagte Überforderung schien mir wohl ins Gesicht geschrieben zu sein, denn Niall legte sich nun auf seine Seite und sah mich fragend an.

"Ist alles in Ordnung?", wollte er wissen, "Hat es dir etwas nicht gefallen? Ich kann-" Ich unterbrach ihn hastig. "Nein, nein, alles gut", versicherte ich ihm und fälschte ein Lächeln. An seiner Mimik erkannte ich, dass er mich durchschaute und genau wusste, dass etwas nicht stimmte. Langsam nickte er dennoch und zog mich dann an sich. Wir kuschelten und schliefen schließlich ein.

Am Sonntag wurde ich dann von meinem Handy geweckt. Eine unbekannte Nummer rief mich an. Ohne lange darüber nachzudenken, nahm ich den Anruf an und setzte mich auf. Dabei zog ich die Bettdecke an mich, um meinen Körper zu bedecken. "Hallo?", sagte ich. Stille. Schließlich erhielt ich eine Antwort. "Ich habe gehört, du hast die richtige Wahl getroffen", kam es nun von einer Stimme, die mir mein Wochenende versaute. Jessica. Ich verdrehte meine Augen und unterdrückte ein genervtes Aufstöhnen. "Das hat nichts mit dir zu tun", versuchte ich ihr klar zu machen, worauf ich nur ein spöttisches Lachen erhielt. "Wenn es dich glücklich macht, dir das einzureden...", erwiderte sie.

Es machte mich wütend, dass sie dachte, sie hätte die Macht über mein Leben und meine Entscheidungen. Natürlich hatte sie Einfluss darauf gehabt, aber die endgültige Entscheidung hatte ich frei von ihr und ihren Plänen und Drohungen getroffen. Ich bemerkte, wie Niall neben mir aufwachte und blinzelnd seine Augen öffnete. "War's das?", erkundigte ich mich und versuchte den Anruf zu beenden, bevor ich Niall eine Erklärung schuldigte. "Ja, das war es. Wenn du den Vertrag unterschreibst, wirst du nie wieder von mir hören", teilte sie mir mit und legte dann auf.

Ich legte mein Handy auf den Nachttisch und sah Niall an. Er zog eine Augenbraue fragend in die Höhe. "Alles okay?", wollte er wissen und ich lächelte. "Ja, natürlich", erwiderte ich. Nichts war in Ordnung. Aber das konnte ich ihm ja nicht sagen. Konnte oder wollte? Ich wusste es nicht. Ehe ich mir aber darüber den Kopf zerbrechen konnte, setzte sich Niall ebenfalls auf und sah plötzlich ein wenig wütend aus.

"Liza, hör verdammt nochmal damit auf", rief er dann und auf seiner Stirn bildeten sich kleine Falten. Oh-oh. Der war ja wirklich wütend! "Womit?", fragte ich, auch wenn ich natürlich ganz genau wusste, wovon er sprach. "Ich versuche dir zu helfen und möchte, dass es dir gut geht, aber alles, was ich von dir zurückbekomme, sind Lügen", regte er sich auf. Ich konnte es ja verstehen, aber um ehrlich zu sein, wollte ich ihm das mit dem Vertrag jetzt nicht erzählen.

"Können wir nicht an einem anderen Zeitpunkt darüber sprechen?", seufzte ich auf und er schüttelte vehement den Kopf. Gerade erinnerte er mich an Theo; an ein bockiges Kleinkind. Die Arme hatte er vor seiner Brust verschränkt. "Niall, ich kann und möchte jetzt nicht mit dir darüber reden", stellte ich klar. Er zögerte, dann kam ein knappes: "Schön." Schön? Er war eingeschnappt. "Jetzt komm mal runter", zischte ich und begann nun auch, mich aufzuregen. Der sollte sich gefälligst nicht zur Drama-Queen aufspielen. Was dachte er denn, wer er war?

"Komm mal runter?!", wiederholte Niall und seine Stimme überschlug sich fast. Jetzt war er definitiv angepisst und gab sich keine Mühe, seine Emotionen zu verstecken. "Meine Freundin hat ganz offenbar Probleme und lügt mich an, aber nee, Ehrlichkeit in einer Beziehung ist ja sowieso überbewertet. Du hast vollkommen recht", erwiderte er ironisch. Ich schnappte nach Luft. "Man muss sich doch nicht alles erzählen", verteidigte ich mich, "Stell mich gefälligst nicht als Lügnerin dar!"

Niall zog seine Augenbrauen missbilligend in die Höhe. "Du stellst dich selbst als Lügnerin dar", zischte er dann. Für einen Moment verschlug es mir die Sprache. Ja, ich war nicht ganz ehrlich mit ihm gewesen, aber das gab ihm doch noch lange nicht das Recht, so mit mir zu sprechen. Und außerdem gingen ihn manche Dinge eben einfach nichts an, fand ich zumindest.

In mir breitete sich der Frust aus, der sich schon die letzten Wochen dort aufgestaut hatte. Jetzt schien ich alles an Niall herauszulassen, auch wenn ich das ja eigentlich gar nicht wollte. "Schon mal darüber nachgedacht, dass du nicht jede Einzelheit meines Lebens wissen musst? Du bist mein Freund, kein Kontrollfreak. Vertrauen ist dir scheinbar ein Fremdwort, hm?", warf ich ihm vor.

Niall lachte bitter auf. "Ja, weißt du, es fällt mir schwer, jemandem zu vertrauen, der mit dem nächstbesten Typen ins Bett geht oder das Land verlässt, wenn es mal Probleme gibt. Und tu jetzt nicht so, als wäre das mit Ryan oder mit den letzten Jahren nicht passiert", rief er und seine Stimme wurde immer lauter, "Weißt du eigentlich, was du mir damit angetan hast? Aber nein, du denkst ja immer nur an dich. Und wieso sollte man sich auch seinen Problemen stellen, wenn man einfach wegrennen oder irgendeine anderen vögeln kann?! Ich bin daran kaputt gegangen, ich bin an dir kaputt gegangen, und jetzt führe ich eine Beziehung auf der Grundlage, dass Konfrontationen gemieden werden, weil ich sonst Angst haben muss, dass du abhaust oder mit einem anderen ins Bett gehst. Ja, ich hab auch keine Ahnung, wieso man dir nicht vertrauen kann."

"Vielleicht solltest du dann keine Zukunft mit mir planen, wenn du mir nicht mal vertrauen kannst", erwiderte ich ohne nachzudenken. Stille. Wir starrten uns einfach an. Ich hatte das Gefühl, dass das alles Gedanken waren, die sich schon seit Wochen, vielleicht sogar Monaten oder Jahren in ihm aufgestaut hatten. Ich schluckte, während ich bemerkte, dass mir Tränen die Wangen herunterliefen. Na super, jetzt heulte ich auch noch. Ohne dass von einem von uns beiden noch ein weiteres Wort fiel, kletterte ich aus dem Bett und zog mich blitzschnell an, steckte mein Handy in meine Hosentasche, dann warf ich ihm einen letzten Blick zu und ging zur Zimmertür. "Ja, hau ab, darin bist du ja besonders gut. Soll ich dir vielleicht noch einen Flug buchen? Wieder USA oder geht es dieses Mal vielleicht nach Südamerika oder in die Antarktis?Oder wie wäre es mit Afrika? Hauptsache vor deinen Problemen weglaufen, was?!", schrie er mir hinterher, als ich die Türe öffnete, das Zimmer verließ und die Tür wieder hinter mir ins Schloss fallen ließ.

***

Da wir nicht mit einem eigenen Auto ins Hotel gekommen waren, verließ ich es durch den Hintereingang, welcher eigentlich für das Personal gedacht war. Ich trug die gestrige Kleidung, da wir ohne Gepäck ins Hotel gegangen waren, war verheult und musste generell wie eine Katastrophe aussehen.

Ich war vollkommen planlos, was ich machen sollte und wohin ich gehen sollte. An sich hatte Niall ja recht, denn ich wollte gerade einfach so weit weg von ihm wie möglich. Dieser Gedanke regte mich nur noch mehr auf, denn an sich hatte Niall ja recht. Trotzdem störte es mich, dass er mir das noch immer vorwarf. Ich warf ihm ja auch nicht mehr vor, dass er sich damals für die Fans entschieden und mich gehen lassen hatte. Es war nicht fair, mir Dinge aus der Vergangenheit vorzuwerfen, fand ich.

Vergeblich versuchte ich, einen klaren Kopf zu bekommen, aber ich war gerade einfach viel zu traurig und wütend. Die Trauer überwog jedoch. Hatte ich mich gerade von Niall getrennt? Ich wusste es nicht. Die letzten Minuten kamen mir unreal vor. War das gerade wirklich passiert? Waren die letzten Wochen und Monate nur eine Fassade Niall's gewesen und in Wirklichkeit hatte er mir all das die gesamte Zeit über innerlich vorgeworfen? Ich konnte es nicht begreifen.

Ich rief Rylee an und bat sie, mich abzuholen. Einige Minuten später stand sie mit einem schwarzen Wagen vor mir und ließ mich einsteigen. Sie hatte schon während des Telefonats gemerkt, dass etwas nicht stimmte, aber nun musterte sie mich begutachtend. "Möchtest du darüber reden?", fragte sie dann vorsichtig. Sie war vielleicht nicht immer die empathischste, aber sie wusste, wann man wie mit mir reden konnte und wann man etwas behutsamer mit mir umgehen musste.

"Ich glaube, ich habe gerade mit ihm Schluss gemacht", krächzte ich schluchzend.
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