@EffieDevine

von blaugrau
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
Harry Styles Liam Payne Louis Tomlinson Niall Horan OC (Own Character) Zayn Malik
09.05.2015
07.04.2020
92
252.364
74
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10.05.2018 3.373
 
Die Tage vergingen mal wieder wahnsinnig schnell. Es war im Grunde wie Urlaub für mich. Wir hatten Konzerte in Berlin, Düsseldorf, München und Stuttgart, dann verließen wir Deutschland wieder. Louis hatte mich doch noch dazu gebracht, deutsches Bier zu trinken und ich musste sagen, dass es ja doch deutlich besser war als das englische. Wenn meine Mutter mich das sagen hören würde, wäre ich sicherlich tot.

Nach Deutschland war dann die Schweiz dran gewesen. Es hatte ein Konzert im Stade de Suisse in Bern gegeben und schließlich waren auch die Österreicher noch in den Genuss gekommen. Noch immer war mir nicht so ganz klar, wo der Unterschied zwischen der Schweiz, Österreich und Deutschland eigentlich war, mal abgesehen von den verschiedenen Arten der deutschen Sprache. Ich verstand sie ja sowieso nicht, also war es mir eigentlich egal. Österreich fand ich aber sehr schön, zumindest das, was ich von dem Land gesehen hatte.

Wogegen Österreich dann aber nicht ankommen konnte, war Italien. Am Samstag, den 25. Juni, war One Direction in Mailand aufgetreten, am darauffolgenden Tag in Verona und am dritten Tag in Italien schließlich in Rom. Die sommerlichen Temperaturen waren wundervoll gewesen und ich hatte jeden einzelnen Sonnenstrahl genossen. Italienisch war eine schöne Sprache und das Essen war ein Segen: Ich konnte mich gar nicht entscheiden, was mir besser schmeckte; das Eis oder die Pizza.

Auch Caddie hatte ihre Freude an Italien gehabt. Sie und Michael hatten in Rom nämlich ihr sage und schreibe siebtes Date gehabt, was wirklich stark nach einem Rekord klang. Bisher hatte ich sie noch nicht zusammen erwischt, aber ich war mir sicher, dass deutlich mehr zwischen ihnen lief als nur Händchen halten.

Da heute Dienstag, der 28. Juni war, ging ich stark davon aus, dass ich noch Näheres über Michael und Caddie herausfinden würde. Immerhin fuhren wir gerade mit den Tourbussen nach Frankreich. Paris, um genauer zu sein. Und Paris war nun mal als Stadt der Liebe bekannt. Ich fragte mich, was Niall davon hielt. Auch wenn er auf den ersten Blick nicht unbedingt wie der größte Romantiker aussah, war er doch einer, wenn auch nur ein ziemlich kleiner.

Wir waren erst am frühen Morgen losgefahren und somit kamen wir gegen Mittag in Paris an. Morgen und übermorgen würde One Direction hier im Stade de France auftreten. Für heute war nichts geplant. Ein freier Tag also.

"Kommst du mit zum Eiffelturm? Ich wollte ihn mir ansehen gehen", teilte ich Niall mit und sah ihn abwartend an. Er verzog sein Gesicht fast schon schmerzverzerrt. "Tut mir leid", erwiderte er, "Ich habe schon was vor." Fast wie gerufen tauchte nun auch schon Liam neben ihm auf: "Bist du endlich fertig?"

Irgendwie war es enttäuschend. Klar, Liam und Niall waren mehr als nur gute Freunde, sie waren praktisch Brüder. Gegen so eine Freundschaft hatte ich ja auch nichts. Das einzige, was mich ziemlich störte, war die Tatsache, dass es sich hier um die Stadt der Liebe handelte und ich mir den Ausflug zum Eiffelturm irgendwie total romantisch vorgestellt hatte. Stattdessen durfte ich mir die Stadt der Liebe jetzt mit irgendwem ansehen gehen oder gar alleine. Darauf hatte ich so direkt keine Lust.

"Kommt jemand mit zum Eiffelturm?", erkundigte ich mich bei den übrigen. Aurora, 5SOS und One Direction waren im Raum versammelt. Liam zog ja mit Niall los, wie ich eben erfahren hatte, also fiel er schon mal weg. Louis würde mit Harry unterwegs sein, Rylee mit Natalia, Michael mit Caddie und Bambi mit Jake. Blieben noch Luke, Ashton, Calum, Elele und California übrig.

Lali hatte Kopfschmerzen und wollte sich noch ein wenig hinlegen, damit sie morgen ausgeruht und erholt war. Bei einem Konzert und Presseterminen machten sich Kopfschmerzen nicht besonders gut. Sie  fiel also auch weg. Da waren es nur noch vier.

"Wir können ja einfach als Gruppe gehen", meinte auch Luke. Er sah fragend in die Runde, sein Blick blieb vor allem bei California hängen. Auch Ashton und Calum sahen sie fragend an. Alles klar, ich wurde also ignoriert. Erst als ich mich räusperte, lösten sich ihre Blicke wieder. Luke grinste mich entschuldigend an.

Wir verabredeten uns und machten uns dann noch kurz fertig, gingen ein letztes Mal auf Toilette und packten dann noch schnell Geld und aufgeladene Handys ein. So machten wir uns dann wenige Minuten später auf den Weg, natürlich begleitet von Bodyguards.

***

"Paris ist schon eine richtig schöne Stadt", stellte Ashton fest, ehe er erneut in seine Crêpe biss. Mit vollem Mund sah er aus wie ein Hamster oder ein Backenhörnchen. Ich war mir nicht genau sicher, welcher Vergleich passender war.

California nickte. Sie musterte mich prüfend. "Was ist los?", wollte sie dann wissen. Ihre Arme verschränkte sie vor der Brust, ihre Augen kniff sie zusammen. Nun hatte sie auch die Aufmerksamkeit der jungen Männer auf mich gelenkt. "Nichts", behauptete ich schnell, doch sie glaubte mir nicht.

"Ist es wegen Niall?", wollte Luke wissen. Er sah mich verständnisvoll an, auch wenn er ja eigentlich noch gar nicht wissen konnte, wieso ich nicht freudestrahlend durch die Gegend rannte. Zum Teil hatte er ja Recht. Es wurmte mich schon ziemlich, dass ich Paris nicht mit Niall erkunden konnte. Immerhin war die Stadt doch ziemlich romantisch.

Mein nicht anwesender Freund war aber nicht das einzige Problem, das ich gerade hatte. Bisher war der Vertrag noch nicht fertig gestellt worden und deshalb hatte ich den anderen auch noch nichts davon gesagt. Niall wusste noch nichts davon, niemand von Aurora wusste davon, einfach niemand. Nicht einmal mit Josh oder Mom oder Josy hatte ich darüber geredet.

"Hm", machte ich nur und hoffte, dass sie nun alle davon ausgingen, dass es wegen Niall war. Sie schienen es mir abzukaufen, denn nun nickten sie. California legte mir ihre Hand auf die Schulter. "Ich find es auch nicht so cool von ihm, aber mach dir nichts draus", meinte sie tröstend und lachte dann auf: "Männer."

Luke, Ashton und Calum protestierten laut und selbst die Bodguards rümpften ihre Nase, aber das war California sowas von egal. "So, Männer, wohin geht es als nächstes?", wollte sie stattdessen wissen und lenkte somit einfach von ihrer Bemerkung ab.

Wir waren noch nicht beim Eiffelturm gewesen, obwohl wir ansonsten alle typischen Touristen-Stationen und Sehenswürdigkeiten abgeklappert hatten. Ehe also einer der drei 5SOS-Bandmitglieder etwas vorschlagen konnte, verlangte ich schon mein Hauptziel des heutigen Tages. Da sie Mitleid mit mir hatten, wurde mir dieser Wunsch erfüllt.

Weil wir in einer kleineren Straße etwas zu essen geholt hatte, mussten wir erst einige Straßen entlang laufen, ehe wir uns auf direkten Weg zum Eiffelturm machen konnten. Wir kamen dabei auch an einem Schmuckgeschäft vorbei. California wollte ins Schaufenster sehen und so blieben wir alle stehen. Ich konzentrierte mich genau wie meine Freundin vor allem auf den Inhalt des Schaufensters, aber nach einigen Sekunden stellte ich fest, dass da jemand im Inneren des Ladens war, der mir bekannt vorkam. Ich sah auf und erkannte niemand anderen als den nicht anwesenden Iren. Ha, einen tollen Freund hatte ich da.

"Ist das Niall?", fragte nun auch California etwas verwirrt und sah mich an. Sie hatte ihn also auch gesehen. Ergo: Ich hatte ihn mir nicht eingebildet. "Ja, das ist er", meinte ich langsam. Auch Luke, Ashton und Calum sahen nun durch die Glasscheibe in das Innere. Ich konnte nichts Genaues erkennen, aber Liam und Niall standen gerade bei einem Verkäufer und waren über etwas gebeugt. Was taten sie denn da?

"Du musst hier weg", entschied Luke und schob mich weiter. Ich protestierte stark und sah ihn verwirrt an. Was war nur in ihn gefahren? "Du verstehst es nicht, oder?", stöhnte Luke auf, "Er ist mit Liam in einem Juwelierladen. In Paris." Er sprach es ganz langsam aus, so als wäre ich sonst zu dumm, um es zu verstehen. Ehrlich gesagt verstand ich es aber auch so nicht. Vielleicht war ich ja doch dumm.

Verständnislos sah ich Luke an. California begann zu grinsen. War ich hier etwa die einzige, die es nicht verstand? "Was?", fragte ich und klang vermutlich genauso dumm, wie ich mich gerade fühlte. Luke lachte, sah hinter mich durch das Schaufenster und zerrte mich dann einfach weiter. "Er sucht dir was aus", meinte er überzeugt. Ich war mir da nicht so sicher.

California begann in einem Singsang das Wort "Verlobung" zu verkünden, wofür ich ihr meinen Ellenbogen in die Seite rammte. Wenn das jemand mitbekam, würde es die Hölle auf Erden geben. Außerdem war das total abwegig. Wir waren noch nicht grade lange zusammen. Niemand verlobte sich nach so kurzer Zeit.

"Elizabeth Horan", verkündete California weiter und machte eine ausschweifend Handbewegung. Ich verdrehte meine Augen. "Nenn mich noch einmal Elizabeth und ich werfe dich höchstpersönlich vom Eiffelturm", drohte ich ihr, worüber sie nur lachte. Wie oft hatte ich ihr schon gesagt, dass sie mich nicht mit meinem richtigen Vornamen anzusprechen hatte? Ich hasste diesen Namen. Er klang nach einer alten, klapprigen Oma. Oder eben nach der Queen. Kam ja beides irgendwie auf das Gleiche raus. Meine Mutter würde mich definitiv töten, wenn sie meine Gedanken lesen könnte.

Luke zuckte mit den Schultern. "Liza Horan passt doch auch", meinte er und lächelte mich an. Wer sagte denn überhaupt, dass ich meinen Nachnamen ändern würde? Wir befanden uns immerhin im 21. Jahrhundert. Trotzdem fand ich auch, dass Nialls Nachname zu mir passte. Oh Gott, ich klang wie diese vierzehnjährigen Mädchen, die noch kein Wort mit ihrem Schwarm gewechselt hatten und schon die Namen der gemeinsamen Kinder raussuchten.

"Was, wenn er dir wirklich einen Antrag macht?", wollte Calum wissen und sah mich neugierig an. Ich schüttelte den Kopf: "Er wird mir keinen Antrag machen." Da war ich mir sicher. Wir waren erst seit kurzer Zeit zusammen, auch wenn wir uns schon seit Jahren liebten.

***

Nachdem wir vom Eiffelturm zurück zum Stade de France gekehrt waren, ruhten wir uns aus. Wir saßen im Tourbus der Männer, hörten Musik und sprachen ein wenig, während wir uns geistig und auch körperlich nicht wirklich anstrengten. Es war schön, doch ich konnte Niall nicht aus meinen Gedanken vertreiben.

"Alles okay?", wollte Calum leise von mir wissen, während sich Luke, Ashton und California über irgendein Videospiel unterhielten, das sie alle richtig gut zu finden schienen. Sie bekamen nichts von unserem Gespräch mit. "Ich weiß nicht", meinte ich langsam, "Was, wenn er mir doch einen Ring gekauft hat? Ich meine..." Genau genommen wusste ich nicht, was ich meinte.

Calum sah mich fragend an. "Du willst keinen Ring von ihm?", hakte er vorsichtig nach. Es klang nicht wie ein Vorwurf, aber ich war mir nicht sicher, ob er es auch so meinte. "Ich weiß nicht", gab ich leise zu, "Ich liebe ihn und eines Tages, ja, eines Tages würde ich ihn gerne heiraten und eine Familie gründen und so weiter. Aber jetzt? Ich weiß nicht. Wir sind noch nicht so lange zusammen und es wäre ein bisschen zu schnell, findest du nicht?"

Ich blickte Calum fragend an, irgendwie nach Verständnis suchend. Er hielt mich doch nicht für dumm oder dachte gar, dass ich Niall nicht liebte? Calum lächelte mich an und zuckte mit den Schultern. "Ich war noch nie so weit", gestand er, auch wenn das nicht wirklich überraschend war. In unserem Alter lebten die meisten Menschen noch ganz anders. Party, Alkohol und manchmal waren auch noch Drogen im Spiel. Die wenigsten Menschen in unserem Alter dachten an Verlobung und Heirat.

Wir lehnten uns wieder zurück und ruhten uns aus. Meine Füße taten ein wenig weh, da wir so lange gelaufen waren. Ein paar Fans hatten uns erkannt und so hatten wir einige Bilder gemacht, aber ansonsten war der Tag bisher recht ruhig verlaufen. Während California, Luke und Ashton noch immer über das Videospiel sprachen, das ich zum einen nicht kannte und das ich zum anderen vermutlich auch gar nicht kennen wollte, schloss ich meine Augen für eine Weile und nickte irgendwann ein.

Es war bereits 17 Uhr, als jemand mich weckte und mich somit unsanft aus meinem merkwürdigen Traum riss, in welchem es sich vor allem um Niall gedreht hatte. Es war fast schon so, als hätte ich Bindungsängste. Hatte ich das? Keine Ahnung. Eigentlich war ich nicht davon ausgegangen.

"Na, Schlafmütze?", er grinste mich fast schon frech an. Ich lächelte müde. "Na, menschlicher Wecker?", erwiderte ich und sah mich dann kurz um. Ashton, California, Luke und Calum saßen noch immer im Bus und unterhielten sich. Als ich sie fragend anblickte, schüttelten sie so unauffällig wie nur möglich den Kopf. Sie wussten, was ich wissen wollte. Erleichtert atmete ich auf, auch wenn ich mir nicht sicher war, ob das so gut war.

Ich blickte meinen Freund etwas unsicher an. "Was ist los?", wollte er wissen und legte seine Stirn in Falten. Er schien nun ebenfalls verunsichert zu sein. Schnell setzte ich wieder ein Lächeln auf, dann klopfte ich mit der Hand neben mich. "Setzt du dich zu mir?", wollte ich wissen, doch er schüttelte den Kopf. "Ich bin ziemlich hungrig", gab er zu, "Deshalb wollte ich dich fragen, ob du mit mir essen gehen willst? Sarah und deine Mutter haben etwas von französischer Küche gesagt."

Eigentlich war ich noch nicht sonderlich hungrig, doch ich wollte Zeit mit ihm verbringen und zu Essen sagte ich ja eigentlich generell nicht Nein, auch wenn ich noch vor nicht allzu langer Zeit auf meine Figur und mein Gewicht geachtet hatte. Der Ire lächelte mich an, drückte mir einen Kuss auf die Lippen und half mir dann hoch.

Wir liefen gemeinsam, Hand in Hand, über den Parkplatz und durch das Gebäude, dann setzten wir uns in den großen Raum, in dem Tische aufgestellt worden waren. Tatsächlich war das Essen ziemlich französisch angehaucht; es gab sogar Froschschenkel und gefüllte Weinbergschnecken, doch auf beides verzichtete ich gerne. Niall zögerte einen Moment und seine Hand schwebte bedrohlich lange über den Schnecken, doch als ich ihm klar machte, dass er sein Gesicht dann nicht mehr in meiner Nähe haben durfte, ließ er es bleiben.

Der Blonde suchte einen Tisch aus und wir setzten uns gegenüber von einander hin, begannen zu essen. Meine Mutter trat nach einigen Minuten zu uns und befragte uns kurz zu Paris, unserem Tag und noch ein paar anderen Kleinigkeiten. Sie schien zu wissen, dass Niall und ich getrennt unterwegs gewesen waren, doch sie sprach Niall nicht darauf an, was er gemacht hatte.

Als sich das improvisierte Restaurant füllte, musste Mom wieder arbeiten und ließ uns in Ruhe. Nialls Blick ruhte auf mir und ich legte schließlich meine Gabel zur Seite. "Irgendwas ist doch mit dir", meinte er schließlich und ich seufzte auf. Es wurde wohl Zeit für das Gespräch. Sollte ich es ansprechen? Wie würde er reagieren? Hatte California Recht gehabt mit ihrer Vermutung? Mein Herz klopfte ein wenig schneller. Ein ungutes Gefühl breitete sich in meiner Magengegend aus.

"Niall, wie stellst du dir unsere Zukunft vor?", wollte ich nun wissen. Er zog seine Augenbrauen zusammen, dann lockerte er sie wieder nach ein paar Sekunden. "Geht es hier wieder um die Sache mit den Kindern?", wollte er wissen. Ich schüttelte den Kopf, dann zuckte ich mit den Schultern.

Mein Freund schien jetzt wohl gar nichts mehr zu verstehen. Eine Mischung aus Ahnungslosigkeit und Ratlosigkeit breitete sich in seinen Augen aus und ich konnte fast schon hören, wie sich die Zahnräder in seinem Kopf bewegten, während er nachdachte. "Heiraten und so. Du weißt schon, das ganze Paket", meinte ich langsam und beobachtete ihn ganz genau. Jedes kleine Zucken, jedes Blinzeln nahm ich war. Wie reagierte er?

"Naja, irgendwann würde ich heimlich herausfinden, wie du dir den perfektesten Antrag aller Zeiten vorstellst und dann würde ich deine Vorstellungen noch übertreffen. Du würdest den schönsten Ring aller Zeiten an deinem Finger tragen und dann würden wir uns irgendwann über die Hochzeit streiten, aber am Ende würden wir beide total glücklich sein und uns das Ja-Wort geben." Ein sanftes Lächeln hatte sich auf seinen Lippen gebildet und seine Augen funkelten auf.

Ich musterte ihn etwas verwirrt. "Du würdest das machen?", hakte ich nach, "Wieso Konjunktiv?" Im Normalfall bedeutete Konjunktiv, dass etwas nicht so sicher oder gar unwahrscheinlich war. Dachte er das über unsere gemeinsame Zukunft? Hatte er etwa doch keinen Ring gekauft? Ich spürte ein Gefühl, das sich in mir ausbreitete. War es Enttäuschung oder doch Erleichterung? Vielleicht beides. Ich war etwas überrascht darüber, dass ich wirklich enttäuscht zu sein schien. Hätte ich doch Ja gesagt? Eigentlich fand ich es ja zu früh. Eigentlich. Andererseits gefiel mir die Vorstellung, mit Niall verlobt und schließlich sogar verheiratet zu sein.

"Weil ich mir nicht sicher bin, wie du darüber denkst?", meinte Niall und sah mich fragend an. Ich zuckte mit den Schultern. "Klingt doch gut", meinte ich, ehe ich schnell hinzufügte: "Aber nicht so schnell. Jetzt ist es ja noch ein wenig zu früh dafür, findest du nicht?" Ich versuchte normal zu klingen, doch es schien wohl nicht so ganz zu klappen. Ich war mir nicht sicher, ob er mich so langsam durchschaute.

Niall musterte mich prüfend. "Das ist doch noch nicht alles, oder?", meinte er, "Du verschweigst mir doch was. Ich sehe es dir doch an." Ich seufzte auf und entschied mich schließlich dafür einfach aufzugeben und stattdessen mit offenen Karten zu spielen. "Wir haben dich und Liam heute gesehen, in einem Juweliergeschäft", erklärte ich ihm und sah ihn stumm und abwartend an.

Langsam veränderte sich sein Gesichtsausdruck. "Und jetzt denkst du, dass ich dir einen Antrag machen will?", wollte er wissen. Jetzt, wo er das sagte, klang es so dumm und fast schon lächerlich. Schnell schüttelte ich den Kopf. "California hat es gesagt. Ich war mir eigentlich ziemlich sicher, dass das nicht der Fall ist", antwortete ich auf seine Frage.

Nachdem er sich mit der linken Hand durch die blonden Haare gefahren war, lächelte er mich ruhig an. "Eigentlich ziemlich sicher", wiederholte er, "Das klingt aber nicht so sicher." Ich verdrehte meine Augen und warf ihm einen gespielt bösen und beleidigten Blick zu. Er wollte mich doch jetzt nicht etwa als heiratswillige Frau abstempeln? Nicht dass das etwas Schlechtes wäre. Ich war mir nur nicht sicher, ob ich das jetzt schon sein wollte.

"Hättest du Ja gesagt?", wollte er nun wissen. Er musterte mich neugierig und aufmerksam, so als würde meine Antwort sehr wichtig sein. Irgendwie war sie das ja auch."Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Natürlich will ich eine gemeinsame Zukunft haben und ich will auch nicht warten, bis ich vierzig bin, aber wir sind doch noch nicht so lange zusammen und ich will nichts überstürzen und-" Niall unterbrach mich, indem er seine Hand auf meine legte, welche sich auf der Tischplatte befand.

Ich war mir nicht sicher, wieso, aber es beruhigte mich. Generell beruhigte mich seine Anwesenheit meistens. Er hatte eine fast schon magische Wirkung auf mich. Es klang vermutlich total bescheuert, aber es war so. "Hey, es ist schon okay. Ich versteh das", meinte Niall, "Ich weiß auch nicht, ob ich mich schon so früh verloben würde." Er lächelte mich an.

Für einen Moment erstarrte ich fast schon: "Warte, wieso wart ihr dann in dem Juweliergeschäft?", wollte ich wissen. Liam und Sophia? Niall grinste mich entschuldigend an: "Das darf ich dir leider nicht sagen, aber du musst mir bitte versprechen, dass du niemandem davon erzählst, dass es dabei nicht um uns Beide ging." Er sah mich fast schon anflehend an. Ich nickte langsam. Also schien es zu stimmen; Liam würde Sophia einen Antrag machen. Wow. Hatten sie nicht noch Streit? Und war Liam nicht generell so merkwürdig gewesen, aber hatte es mir nicht erzählen wollen? Fragen, Fragen und noch mehr Fragen. Würde ich Antworten bekommen? Und wenn ja, wann?
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