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☆Lullaby - Teil 2☆

Kurzbeschreibung
GeschichteSci-Fi, Übernatürlich / P16 / MaleSlash
Dr. Helen Magnus Nikola Tesla
09.05.2015
01.07.2017
18
54.648
4
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03.06.2015 2.231
 
Das Physikgenie kniete weiterhin mit gemischten Gefühlen vor dem Kleinkind.
Kobaltblaue Augen bohrten sich entschlossen in lilafarbene.
"Ist mir ganz egal, ob da tausend Leute oder nur drei drin sind! Selbst, wenn es da von feindlichen Abnormen, Fallen oder einer ganzen Armee von Fulgurs nur so wimmeln sollte, hält mich das nicht davon ab, diesen Ort aufzusuchen. Ich werde Irisa solange den Arsch aufreißen, bis sie mein Kind in Ruhe lässt und ihre Verbindung mit Ari auflöst. Danach knöpfe ich mir ihre ach-so-tolle Freundin vor. Jetzt weiß ich endlich, wo sie sind! Die beiden werden mich kennen lernen!"
Der Zufluchtsstätten-Bewohner war jetzt Feuer und Flamme.
"Wie du meinst. Aber sieh dich trotzdem vor, Nikola! Du solltest Helen Bescheid sagen und dir vielleicht einen Plan überlegen.  Kontaktiere mich wieder, wenn du soweit bist. In der Zwischenzeit, werde ich mich ausruhen und meine Kräfte sammeln."
Dakara wollte schon die Bewusstseinskontrolle aufgeben, da meldete sie sich ein letztes Mal zu Wort.
"Achso, noch was: Ari ist sehr schwach. Irisas Folter und der Krebs haben ihr schwer zugesetzt. Sie muss sich jetzt dringend ausruhen! Ich tue schon alles in meiner Macht stehende, um ihr gut zu zureden und zu helfen. Aber ich kann leider nicht viel ausrichten. Wir brauchen sie! ... Unsere Blitz-Freundin ist momentan ruhig und hat sich erst einmal zurück gezogen. Trotzdem wäre es ratsam, wachsam zu bleiben. Es wäre also besser, wenn ihr "uns" vorerst wieder unter Kontrolle haltet, zu unser aller Schutz!"
Auf einmal brach der Kontakt ab.
Der eigentliche Besitzer des kindlichen Körpers und des dazugehörigen Geistes, wechselte nun die derzeitig übernehmende Abnorme ab.
Leuchtend braune Sehorgane, drängten sich jetzt in den Vordergrund.

Ängstlich und geschlaucht, wanderte ihr Blick zu dem vertrauen Gesicht des Adamssohns, welcher noch immer über sie gebeugt war und ihr nun milde lächelnd, zärtlich über ihre Wange und das Haupt, welches mit einem beängstigend blassen Teint in seinem Schoß lag, strich.
"Hey, mein Engel. Du...", begann er mit samtweichem Tonfall.
Abrupt regte sich die Jüngere, bei der das muskellähmende Mittel inzwischen mehr und mehr nachließ.  
Sie stöhnte kurz, rappelte sich mühsam auf und entzog sich ihm sofort.
Mit glasigen, tränennassen Augen, noch immer von dem Erlebnis gebeutelt und blutverschmiert, starrte sie den Älteren mit schmerzendem, viel zu warmen Körper an.
Ihre Mimik erhärtete sich.
Die Vierjährige bemühte sich, stark zu bleiben und nicht zu weinen.
Aber ihre Gefühle überwältigten sie schonungslos, sodass sie aufgelöst, zitternd und mit schluchzender Stimme da saß.
Es brach dem Elternteil das Herz.
Er wünschte sich in diesem Moment nichts sehnlicher, als dass er ihren Platz einnehmen und sie von all dem erlösen könnte...
"Liebling, du hast es überstanden.  Komm her! Wir machen dich ein bisschen sauber, okay? Du musst dich hinlegen! Und...", redete er besorgt auf sie ein.
Der Vampir erhob sich pfeilschnell von dem Bett, griff sich einen Waschlappen, feuchtete ihn an und näherte sich anschließend wieder der Kleinen.
Er wollte ihr gerade über die blutverkrustete Haut wischen, da zuckte sie vor ihm zurück,  verschränkte trotzig die Arme und guckte sich stattdessen suchend um.
Eine dicke Träne, kullerte ihr ungehalten über die porzellanweiße Wange.
"Ari, ... was...?"
"Lass mich! ... Geh weg!" forderte sie ihn heulend auf und kletterte  ans andere Ende des Bettes, wo sie kauernd und mit umschlungenen Knien sitzen blieb.
Irritiert von dem ungewöhnlichen Verhalten seiner Tochter, beäugte sie der Unsterbliche.
Bestürzung und Verwirrung überkam ihn sogleich.
"Aber... Prinzessin..."
Ihr Tonfall wurde plötzlich lauter.
Das Mädchen schluckte schwer und fixierte ihn sauer.
"Ich HASSE dich! ... Hol Mami! ... Ich will zu Mamiiii!" brüllte sie hysterisch und verletzt.
Perplex stand Nikola da.
Er begriff einfach nicht, warum sie sich ihm gegenüber auf einmal so abweisend verhielt und weshalb sie ihm solch harte Worte an den Kopf warf.
"Süße, warum sagst du sowas? Was ist mit dir? Hey, ich bin's doch! Hör mal, ich will dir helfen und..."
Ein weiteres Mal, schnitt sie ihm zornig und immer heftiger schluchzend das Wort ab.
"NEIN! Das stimmt nicht! ... Dir ist diese blöde Frau und Dakara viel wichtiger, als ich! ... Sie hat mir weh getan, ... und du hättest machen können, dass es aufhört! Aber du hast es nicht!"
Der aufgebrachte Sprössling verfiel nun in ein larmoyantes Wimmern.
Sie verlor mehr und mehr die Beherrschung.
Mit bebender Unterlippe, zog der Wonneproppen seine Nase hoch.
Danach wendete sie ihr Augenmerk auf die gläserne Front, welche rechts von ihr an der Wand angebracht war.
Die dunkelhaarige Einrichtungs-Leiterin stand mit der Bigfoot-ähnlichen Kreatur dahinter und verfolgte seit knapp zwei Minuten aufmerksam das Geschehen.

"Du weißt, dass das nicht wahr ist, mein Schatz. Niemand ist mir wichtiger als du! ... Ari, du verstehst das nicht! Ich musste...", versuchte es der Sanguine Vampir noch einmal und griff nach ihrer Hand.
Sich betrogen fühlend und zutiefst verletzt, wich ihm die Schwarzhaarige erneut aus.
Das Weinen wurde mittlerweile immer kläglicher.
Presslufthammerartige Kopfschmerzen quälten sie.
Ein niedergeschlagenes Seufzen entrang sich Teslas Kehle.
Mit einem enttäuschten Blick, setzte er sich aufgebend in Bewegung.
Nachdem er den Zugangscode  eingegeben und die Tür geöffnet hatte, drehte er sich zum allerletzten Mal zu dem Winzling um und sprach:
"Ich schick Mami zu dir rein... Bitte hör auf sie und ruh dich aus, ja? ... Du bist schwer krank. Und auch wenn du das noch nicht begreifst, aber ich tue nur, was das Beste für dich ist! Ari, ... dir wird es bald besser gehen, dafür werde ich sorgen. Du kannst mich ruhig hassen, ... aber ich liebe dich trotzdem!"

Magnus musterte ihren Freund lange.
Sie versuchte herauszufinden, was vor ihrem Eintreffen passiert war.
Der Ursprungsblut-Träger legte ihr kommentarlos seine rechte Hand  auf die Schulter, steckte den Malachit sicherheitshalber in ihre Hosentasche und murmelte:
"Beruhigungsmittel liegt auf dem Nachttisch. Bitte kümmere dich um sie! Wir reden, wenn du fertig bist."
Sie nickte ihm einverstanden zu.
Er wollte sich schon abwenden, da stahl sich ihre Hand automatisch an seine schneeweiße, makellose Wangenpartie.  
Sanft strichen ihre Finger über die dortige Haut, während sie sich für einen kurzen Moment, gegenseitig in den Augen des anderen verloren.
Auch, wenn das Sanctuary-Oberhaupt  dutzende Fragen beschäftigten und sie mehr schlecht als recht, hastig das für sie zubereitete Sandwich und den Tee heruntergeschlungen und am liebsten noch ein paar Stunden geschlafen hätte, tat sie, worum das serbische Genie sie soeben gebeten hatte.
Seit sie das Buch, welches ihr das große, freundliche Wesen überreicht und anschließend das aufgeschlagene Kapitel darin gelesen hatte, war sie ohnehin aufgestachelt, abgelenkt und ruhelos.
Mit einem letzten, tröstlichen Lächeln, wandte sie sich von ihm ab und betrat ohne zu zögern das Quarantäne-Zimmer.
Der Gleichaltrige forderte den behaarten Abnormen, welcher in einiger Entfernung, am Eingang des benachbarten Labors stand, mit einer eindeutigen Geste dazu auf, Wache zu halten und die beiden weiblichen Wesen nicht aus den Augen zu lassen.
Der Große stieß einen animalischen Laut aus, stellte sich hinter die durchsichtige Glasscheibe und fokussierte eisern die Doktorin, welche sich nun langsam der Kleinen näherte.
Wenn es Schwierigkeiten geben  oder sie Hilfe benötigen würde,  würde der Sasquatch schon eingreifen.
Ausserdem besaß sie ja seine Geheimwaffe, die Spritze und Dakara war ja auch noch da.
Vorerst hatten sie Irisa tapfer die Stirn geboten, sie geschwächt und  einen wichtigen Schachzug getan.
Nun musste Nikola die erhaltenen, neuen Informationen verarbeiten, sich einen Plan überlegen, um erfolgreich die Burg des Feindes zu stürmen und sich dementsprechend vorbereiten.

Er brauchte einen klaren Kopf, also verließ er den Raum und steuerte schnurstracks auf das Techniklabor im Erdgeschoss zu.

"Mamiiii!"
Noch bevor die Britin richtig auf der Bettkante saß, schlangen sich zwei Arme fest um ihren Leib.
Sie nahm war, wie die junge Evastochter auf ihren Schoß krabbelte und den Kopf flennend an ihrer Brust verbarg.
Winzige Finger krallten sich haltsuchend in ihr Kostüm und den darüber gezogenen Arztkittel.
Wärme.
Schwarze Locken, die sie kitzelten.
Ein kleines Herz, welches so schnell schlug, dass es einer Spitzmaus Konkurrenz gemacht hätte.
Und ein zweiter Körper, welcher sich eng an sie presste.

Unabhängig von dem äußeren, mehr als krank aussehenden Erscheinungsbild und dem, was die Medizinerin unlängst über den Gesundheitszustand der kleinen Patientin wusste, erkannte sie, dass etwas ganz und gar nicht mit ihr stimmte.
Der beunruhigende Klang der Kinderstimme, das kummervolle, Mitleid erregende Weinen, ihre Vitalparameter, welche noch immer nicht im Normbereich waren und am Monitor angezeigt wurden, sowie die Art und Weise, wie Ari sie festhielt, war mehr als nur ein Hilferuf .
"Schhhht. Beruhige dich, Herzchen! Ich bin ja da, okay?" säuselte ihr die Kryptozoologin ins Ohr, legte ihren Arm um sie und fuhr ihr mütterlich übers Haar.
Der vertraute Geruch von Vanille und Patchouli, wehte dem Kleinkind beruhigend um die Nase.
Ein bitterliches Schluchzen drang an Helens Ohren, als sie sie zu sich zog.
Trotz der so guttuenden Berührungen und der geborgenen Nähe des Elternteils, brauchte die vollkommen bedauernswerte und geschwächte Lady eine halbe Ewigkeit, um sich wieder zu fassen.
Mehrere Minuten vergingen, in denen beide Damen dasaßen und einander festhielten.
Als das Zittern und die Tränen weniger wurden, schnappte sich die Kreaturen-Hüterin den angefeuchteten Waschlappen und fing an, das Blut aus dem Gesicht des Wirtskörpers zu entfernen.
Vorsichtig und sachte, säuberte sie die entsprechenden Hautpartien.
Nachdem sie damit fertig war, zog Magnus ihr frische Kleidung an und machte sich dann daran, ihre Beschwerden zu lindern.
"Hier! Einfach runterschlucken und trink ruhig das Glas leer, okay?" kam es von der Brünetten, welche  ihrem Sprössling ein vollgefülltes Wasserglas und eine längliche, weiße Tablette in die Hand gab.
Die Zufluchts-Bewohnerin tat brav, wie ihr aufgetragen wurde.
"Gut. Super. Ich hol dir schnell was zu Essen. Du musst ja am Verhungern sein! Bin gleich wieder da!" warf die Oxford-Absolventin ein.
Augenblicklich hielt sich die ehemalige Inselbewohnerin erneut an ihr fest und schaute fast panisch zu ihr hoch.
Kastanienbraune Seelenfenster trafen auf laubgrüne.
"Nein! Nicht gehen, Mami!" rief sie quengelig und gleichsam erregt.
"Liebling, ich..."
Ari hielt hartnäckig ihren rechten Arm im Klammergriff.
Sie machte nicht die leiseste Anstalt, nachzugeben und sie loszulassen.
"Hierbleiben! Hab kein Hunger!" erklärte die Heranwachsende kurzangebunden und fixierte sie flehend.
Einfühlsam strich ihr die Einrichtungs-Chefin über den Rücken.
"Das glaube ich dir nicht! Ausserdem musst du was essen,  damit du wieder zu Kräften kommst! ... Ich komm ja wieder, Engelchen! Gib mir nur fünf Minuten, okay? Ich könnte auch dein Märchenbuch mitbringen und dir nachher eine Geschichte vorlesen. Na, wie klingt das?" schlug die 159-Jährige jovial vor und zwinkerte überzeugend.
Nachdenklich überlegte das Kleinkind mit dem niedlichen, zuckersüßen Antlitz.
"Okay... Aber beeil dich!"
Widerwillig ließ sie ihren Arm los.
Die Schönheit mit den nussbraunen Haaren und dem leicht gebräunten Teint schmunzelte.
Anschließend küsste sie sie liebevoll auf die Stirn, bevor sich die Wissenschaftlerin erhob und das Zimmer verließ.
"Helen?"
Sie drehte sich im Türrahmen nocheinmal nach der Jüngeren um.
Schmerzhaft begriff sie, dass der Verstand der Krebserkrankten abermals wieder durcheinander geriet.
"Ja?"
"Kannst du Ashley auch mitbringen?"
Ein dicker Kloß bildete sich im Hals der Erziehungsberechtigten.
Der Klang dieses Namens bereitete ihr automatisch Unbehagen.
Wie ein kleiner, schmerzhafter Nadelstich, welcher konstant ihr Herz quälte.
"Was?" entfuhr es ihr überfordert.
"Mein Teddy!" erwiderte ihr Mündel.
Sofort kam Helens Erinnerung zurück und ersetzte das derzeitig vor Augen habende Bild ihrer toten Tochter, durch ein freundlicheres.
"Natürlich... Bis gleich! "

Nachdem es der Abnormen-Beschützerin gelungen war, Ari davon zu überzeugen, einen klein geschnittenen Apfel und einen Keks zu essen, drückte sie ihr erleichtert das Stofftier in die Hand.
Ein dankbares Quietschen entwich dem angeschlagenen Winzling.
"Leg dich hin, Süße! Du musst dich jetzt ausruhen!" teilte sie ihr empathisch mit, deckte die Kleine zu, hängte ihr erneut eine Infusion an und betrachtete zufrieden, wie sie sich satt, müde und folgsam, in die weichen Federkissen zurück lehnte.
Plötzlich griff sich der Wirt mit schmerzerfüllter Mimik an den Kopf.
Sie stöhnte schwer und begann auf einmal doppelt zu sehen.
Heftiger Schwindel überkam sie zeitgleich.
"Mami?"
Ihr Tonfall klang leise und angestrengt.
Schweißperlen überzogen das leichenblasse Antlitz.
Sofort regte sich die Teeliebhaberin und musterte sie prüfend.
"Was ist los?"
"Mein Kopf tut so weh! ... M... Mir... ist... schlecht. M... Meine Augen...", versuchte sie ihr Leiden zu äußern.
Die Dunkelhaarige streichelte ihr zärtlich über die Wange und hielt ihre freie Hand fest.
"Schon gut. Ich weiß, dass du Schmerzen hast. Es wird gleich besser werden, versprochen! Es dauert ein wenig, bis die Medizin wirkt. Mach die Augen zu und versuch zu schlafen!"
Der schwarzhaarige Lockenkopf nickte und wollte dem Rat gerade folge leisten, da bemerkte sie, wie ihr allmählich immer übler wurde.
Ihre Sicht verschwamm und der Druck in ihrem Kopf nahm plötzlich an Stärke zu.
"Mum, ... ich..."
Geistesgegenwärtig reagierte die Sanctuary-Leitung.
Sie griff sich einen der Brechbeutel, brachte die kleine Patientin in eine aufrechte Position und hielt ihn ihr gerade noch rechtzeitig vor den Mund, bevor sich diese heftigst übergab.

"Verflucht! Ihr Hirndruck steigt bereits jetzt schon so rapide an!? Das ist nicht gut! ... Ich muss mit Nikola sprechen! Wir müssen was tun!" fuhr es der Unsterblichen beunruhigt durch den Kopf, während sie das Kind tröstlich stützte und es sorgenvoll ansah.
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