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☆Lullaby - Teil 2☆

Kurzbeschreibung
GeschichteSci-Fi, Übernatürlich / P16 / MaleSlash
Dr. Helen Magnus Nikola Tesla
09.05.2015
01.07.2017
18
54.648
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28.05.2015 2.009
 
Tesla setzte sich, nachdem er den Zugangscode für die Tür geändert hatte, sodass ihn keiner mehr von außen stören (oder verletzt werden) konnte, quasi eingesperrt und auf sich allein gestellt, mit drei Spritzen: Eine Adrenalin gefüllte, ein muskellähmendes Mittel und eine, die ein starkes Sedativum enthielt, auf einen Stuhl, neben das gefesselte und gut festgebundene Mädchen.
Seine Geheimwaffe und die damit zusammenhängende, überlebensnotwendige Absicherung, falls alle Strike reißen sollten, befand sich in seiner Hosentasche.
Die Ruhe vor dem Sturm genießend, atmete er tief und ein letztes Mal nervös durch.
"Fünf Minuten! Ich muss sie nur ablenken, Zeit gewinnen und in ein Gespräch verwickeln. Es ist wichtig, dass ich sie einigermaßen unter Kontrolle halte und mir nichts anmerken lasse. Hoffentlich klappt das alles so, wie ich es geplant habe... Dakara, beeil dich! Ich verlass mich auf dich!" fasste der Oxford-Absolvent noch einmal zusammen.

Entschlossen verabreichte er ihr zunächst das für kurze Zeit wirkende Adrenalin.
Schlagartig begann Aris Körper zu zucken.
Sie stöhnte und riss hellwach ihre braunen Augen auf.
Ihr Herz raste und schlug jetzt rekordverdächtig schnell.
Abrupt drehte sie sich zu ihm um und zog scharf die Luft ein.
"Nein, Daddy! Was hast du gemacht? ... D... Du... h... hast... s... sie... aufgeweckt! Ich...", mühte sich der Sprössling kämpfend ab, bevor sie von einem heftigen Krampfanfall heimgesucht wurde.
Dunkelrotes Blut, lief ihr aus der Nase, während sich ihre Gliedmaßen, trotz der Fixiergurte, morbide überstreckten. Nach zwei quälenden Minuten, hörte die Kleine auf, zu schreien und sich schmerzerfüllt zu winden. Ihre Lider schlossen sich und ihre Muskeln erschlafften plötzlich.
Auf einmal starrten ihm rubinrote Sehorgane mit einer dazu passenden Schreckensfratze, die nicht mehr viel mit dem goldigen Puppengesicht seines Mündels zutun hatte, grotesk und bizarr entgegen.
Wie besessen und regelrecht hocherfreut, beäugte Irisa den Serben und leckte sich genüsslich über die Blut beschmierten Lippen.
Das Adrenalin fühlte sich gut an, sie war wieder in Höchstform.
Doch noch bevor das Blitzwesen irgendwie reagieren oder das Wort ergreifen konnte, injizierte ihr der Wissenschaftler die zweite Spritze.
Augenblicklich sackte sie in die Kissen zurück, stöhnte überrascht auf und bemerkte, wie der ferngesteuerte Leib der jungen Evastochter taub und schwer wurde.
Ihre eben noch bis zum Zerreißen angespannten Muskeln, erschlafften.
Sie hatte jetzt keine Kraft mehr in den Gliedern und fühlte deutlich, wie die Wirkung des berauschenden Aufputschmittels allmählich nachließ.
"Scheiße! Argh! Was hast du mir da gegeben? Warum kann ich mich nicht mehr bewegen, du dämlicher Mistkerl?" schimpfte die tiefe, verzerrt klingende Frauenstimme sauer und bohrte ihre hasserfüllten, purpurnen Augen in die seinen.
Vergeblich probierte sie, sich aufzurichten und die Finger ihrer rechten, in der Fessel steckenden Hand zu bewegen.
Erleichtert atmete der 159-Jährige auf.
Er grinste triumphierend, zog die Nadel aus der kindlichen Armbeuge, legte das Utensil weg und entgegnete:
"Nur etwas, dass du nicht auf dumme Gedanken kommst. Du und der von dir kontrollierte Körper, seid momentan mehr oder weniger ruhig gestellt! Einzig dein vorlautes, unverschämtes Mundwerk, lasse ich dir. Wie war das noch? Beim nächsten Mal wird Ari brav und folgsam wie ein Hündchen sein? Tz, ... ich glaube, dass das in diesem Fall eher gerade auf dich zutrifft!"
Irisa konnte nichts anderes tun, als ihn unweigerlich zu mustern.
Eine unbändige Wut stieg in ihr hoch.
"Du hast der Kleinen absichtlich Adrenalin verabreicht! Du wolltest, dass sie aufwacht und ich die Kontrolle über ihr Bewusstsein übernehme, damit du das tun kannst, stimmt's? Stellt sich mir nur die Frage, warum? Was hast du vor?" schlussfolgerte sie clever, stutzig und verärgert.

Der Vampir lehnte sich in seinem Stuhl vor, lächelte kühl und erwiderte:
"Ich möchte mich bloß ungestört und ohne, dass du mich oder meine Tochter nocheinmal in Gefahr bringst, mit dir unterhalten!"
Ein verächtliches, ungehaltenes Schnauben, welches schon sehr bald in ein dämonisches Gelächter überging, kam von dem Fulgur.
Instinktiv jagte es dem gestandenen Abnormen, einen eiskalten Schauer über den Rücken.
Man konnte es nicht erkennen, aber  der Mann mit der schwarzen Kurzhaarfrisur war sich sicher, dass sie fieberhaft nachdachte und ihn übertrieben lange und genau, wie ein hungriges Raubtier anstierte.
Hoffentlich ahnte sie nichts...
"Ach, ist das so? Tja, mein lieber, Nikola Tesla... und was ist, wenn ich keine Lust darauf habe? Ich für meinen Teil, habe dir schon alles gesagt, was es zu sagen gab. Du kannst dich ja nicht mal an mich erinnern oder weißt, was du und Miss-Ich-Bin-So-Perfekt-Magnus, mir angetan habt! Ihr seid nichts weiter, als lästige, scheiß arrogante Maden, die sich Dank des Ursprungsblutes für Götter halten. Ihr denkt, dass ihr besser als der Rest seid und euch alles erlauben könnt. Ich verrate dir jetzt mal ein kleines Geheimnis: Das seid ihr nicht! Und nein, ... egal wie sehr du mich bittest, bettelst oder anflehst, ... ich werde Ari so schnell nicht in Ruhe lassen! Und Helen und dich ebenso wenig! Dafür macht mir das einfach zu viel Spaß!"
Wahnsinnig dreinblickende, düstere, wie Feuer funkelnde Seelenfenster, trotzten ihm weiterhin.
Irritiert, geschockt und perplex, schwieg der Musikliebhaber.
"Ich werde dieses dreckige Gör erbarmungslos und so lange vor euren Augen quälen, bis ihr es nicht mehr ertragen könnt und daran zerbrecht! Dann werde ich Ari dafür benutzen, um Helen zu töten. Es juckt mir schon seit Jahren in den Fingern, diese brünette, britische Schlampe ein für alle mal auszuradieren... Eigentlich war es so ebenfalls mit dir geplant. Aber da ich dich mag, Nikola, ist mir der Befehl meiner Freundin egal! ... Ich habe da eine weitaus bessere Idee! Du wirst gebrochen, allein und bis in alle Ewigkeit dazu verdammt sein, mit der Schuld zu leben, dass du nichts tun konntest, um den Tod deiner Freundin und dieses Kindes, dessen Schicksal ohnehin bald besiegelt sein wird, zu verhindern. Das wird deine ultimative Strafe sein! Dann wirst du genug Zeit haben, um über deine Taten nachzudenken. Und wer weiß, vielleicht kommst du dann irgendwann doch noch zur Besinnung! Du kannst dich glücklich schätzen, dass..."
Abrupt hielt die Referierende inne.

Die Irisfarbe des Kindes wechselte.
Eine andere, bisher von Irisa unbemerkte Person, mischte sich nun in das Geschehen ein und kämpfte erbittert um die Vorherrschaft.
"V... Verflucht! Nicht schon wieder dieser lästige Parasit! ... Den hatte ich ganz vergessen! ... Das habe ich wohl von meiner Barmherzigkeit dir gegenüber! ... Ich hätte es wissen müssen! ... Du hast mich betrogen, Nikola! ... Na warte!  ... Ihr Körper mag taub sein. Aber ich kann mich immernoch wehren!"
Im nächsten Augenblick, erzeugte die furchteinflößende Kreatur abermals, mittels eines Gehirnimpulses, das kinetische Feld. Die Atmosphäre lud sich mehr und mehr elektrisch auf. Blitze durchzuckten den Raum und steuerten bedrohlich auf den Unsterblichen zu.
Geistesgegenwärtig reagierte Nikola, noch bevor sich die Energie bündeln konnte.
Er zog einen kleinen, grünlich schimmernden Stein aus seiner Hosentasche hervor und hielt ihn auf seiner ausgestreckten Handfläche vor sich.
"Was...?" keuchte die Kinderflüsterin, welche in die Enge getrieben, hilflos mitansehen musste, wie das Masseneffektfeld vom einen auf den anderen Moment in sich zusammen fiel.
Die physikalischen Kräfte kehrten sich um, wurden von dem Stein annulliert und lösten sich mitsamt der Blitze in Luft auf.
"Gott sei Dank!" fuhr es dem inzwischen aufgestandenen Genie durch den Kopf.
"Tja, da staunst du, was? Das ist ein Malachit. Aber nicht irgendeiner! Dieser hier verfügt über ganz besondere, elektromagnetische Fähigkeiten. Den habe ich vor zwei Jahren, bei einer meiner Forschungsreisen gefunden. Schon mal von Lorentzkraft, dem Hall-Effekt oder dem Liénard-Wiechert-Potential gehört? Mit Hilfe dieses Babys hier, ist es mir gelungen, ein zweites, kompensierendes, elektrisches Feld aufzubauen, welches die Wirkung deines Feldes ablenkt und es neutralisiert. Es gibt verschiedene Variablen, die bei einer elektrischen Ladung ausschlaggebend sind: Die Geschwindigkeit, der von dir erzeugten Teilchen, die Feldstärke, die magnetische Flussdichte, dein Ziel und vieles mehr. Zusammen gefasst, ist das simple Physik. Mein Spezialgebiet! Ist also eigentlich ganz einfach, wenn man weiß, wie's funktioniert!"

Grimmig betrachtete Irisa den frech zwinkernden Nobelpreisträger.
"Du bist wirklich noch genauso schlau und gerissen, wie damals. Ich bin fast beeindruckt, wie du das so schnell herausgefunden hast. Eine überaus elegante Lösung! ... Allerdings wird dich dieser läppische Kieselstein nicht ewig vor mir schützen. Du solltest lieber gut auf ihn aufpassen!"
Urplötzlich wechselte der Lila- und Rotton, mit dem kastanienbraunen.
"Ich weiß nicht, was dieses lavendelfarbene Alien und du planen, aber ihr könnt nicht gewinnen! Ich werde mich schon sehr bald um euch alle kümmern. Doch fürs erste reicht es mir, wenn ich das hier tun kann!" donnerte es unheilvoll zum Abschluss.
Gerade als das ohnehin schon mitgenommene, zitternde Kleinkind, seine Aufmerksamkeit auf das vor ihm ruhende Familienmitglied richtete, durchfuhren sie Höllenqualen.
Blitzartig durchzuckte ein fürchterlicher Schmerz ihren gesamten, taub anfühlenden Leib.
Ihre Kopfschmerzen stiegen sosehr ins Unermessliche, dass es ihr den Atem nahm und ihr Tränen, wie kleine Sturzbäche, über die Wangen liefen.
Blut rann ihr in einem erschreckenden Schwall aus Nase, Mund und Ohren.
Die hilflose, vierjährige Sanctuary-Bewohnerin konnte nichts tun, außer wie am Spieß zu schreien.
Jegliche, noch mit ihr verbundene Apparate, schrillten jetzt warnend, in einem ohrenbetäubenden Signalton auf.
Es war wie eine absurde Sinfonie des Grauens.
Der Sanguine Vampir schaute sofort zu einem der Monitore.
Ihr Puls und die Temperatur, stiegen von Sekunde zu Sekunde an.
Es war, wie in einem seiner schlimmsten Alpträume.

"Ari!"
Nikola sprang aufs Bett, löste die Gurte und hielt den kollabierenden Winzling fest.
Er bemerkte, wie sich ihre Augen verdrehten und sie schließlich drohte, in die Bewusstlosigkeit abzudriften.
Schweiß, Blut und Tränen, benetzten seine Kleidung und die junge, helle Haut.
"H... Hilf... m... mir!"
War alles, was sie noch raus bekam.
"Du feiges Miststück! Hör auf!" schrie Tesla überfordert und war nahe dran, vollkommen seine Beherrschung und den Verstand zu verlieren.
Sein Herz zerbrach förmlich bei diesem schrecklichen Anblick und rutschte ihm in die Hose.
Unfähig und hilflos, hielt er den schwarzen Lockenkopf im Arm.
Entmutigt und nicht wissend, was er tun konnte, drückte er sie an sich und wiegte sie sanft hin und her.
Transparente, wie Diamanten glitzernde Tropfen, zeichneten seine marineblauen Sehorgane.
"Sag... es... ihr! Sie will wissen, was Dakara gemacht hat. Bitte, Papa! ... Mach, dass sie aufhört!" heulte die ehemalige Inselbewohnerin gepeinigt.
"Ich... ich kann... nicht!" schluchzte der in Smiljan geborene Herr.
Er streichelte ihr verzweifelt über den Scheitel.
"Warum nicht? ... Sie... wird... mich... Aua! Mein Kopf! ... Bitte! Es tut so weh!"
Der Erwachsene konnte sich keine schlimmere Erpressung vorstellen.
Dass es heftig werden würde, hatte er geahnt, aber mit soetwas, hatte er nicht gerechnet.
Er schluckte schwer, nahm ihre Hand und fing an, ihr  mit brechender Stimme etwas vorzusingen.
"Daddy... Bitte!" wimmerte sie unaufhörlich, inzwischen schon vom Kreischen heiser und erschöpft.
Das waren mehr als zehn Minuten!
Lange würde sie das nicht mehr durchhalten und er ebenso wenig.

Er wollte sich schon der dritten Spritze bedienen, da durchzog auf einmal ein kraftvoller Lila-Schimmer, ihre nun wieder hin und her wechselnde Augenfarbe.
"Nikola! Wir haben's geschafft! ... Es ist jetzt überstanden. Das hast du großartig gemacht. Ich weiß jetzt, wo sich Irisa aufhält! Ich hätte es nie für möglich gehalten, aber es ist mir gelungen, nicht nur ihre Gedanken zu lesen. Für einen kurzen Moment lang, habe ich es geschafft, in ihren Geist einzudringen! Dank Ari, die so tapfer war und die aufgrund unserer Verbindung meine Fähigkeiten stärkt, konnte ich noch so einiges mehr in Erfahrung bringen."
Eine kurze Pause entstand, in der sich die Amethystaugen manifestierten, den Störenfried schließlich ganz zurück drängten und den Wonneproppen damit von seinem Elend erlösten.
Dann fuhr der Lichtbringer telepathisch fort:
"Die Fulgur Principes, befindet sich in Rom. Ich weiß ganz genau, wo! Ich konnte für einen kostbaren Augenblick alles sehen! Das wird jetzt vielleicht keine Überraschung für dich sein, aber sie ist dort nicht alleine... Diese Freundin, von der sie gesprochen hat, ist bei ihr. Und noch sehr viele mehr! ... Nikola, ... das ist die reinste, unterirdische Festung! Ich glaube, das Ganze ist doch nicht so einfach, wie wir zunächst angenommen haben!"
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