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☆Lullaby - Teil 2☆

Kurzbeschreibung
GeschichteSci-Fi, Übernatürlich / P16 / MaleSlash
Dr. Helen Magnus Nikola Tesla
09.05.2015
01.07.2017
18
54.648
4
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17.05.2015 3.069
 
Wie ein eiserner Wachhund, ruhte der Serbe auf seinem Platz und starrte durch das durchsichtige Panzerglas, in das vor ihm befindliche, kleine, abgeriegelte Quarantäne-Zimmer hinein.
Sechs Stunden war es mittlerweile her, dass Ari mitsamt Dakara und Irisa, dank des von ihm injizierten Betäubungsmittels eingeschlafen und nun brav, sediert, unfähig und lammfromm, wie das unschuldige Kind, welches sie irgendwie noch war, im Bett lag.
Die unerschrockene, kluge Ärztin kümmerte sich, seit sie die beiden entdeckt, den Code eingegeben und es in einer hitzigen Debatte doch noch geschafft hatte, den Mann davon zu überzeugen, ebenfalls den Raum betreten zu dürfen, eifrig um die junge Evastochter. Sie führte etliche Tests und Untersuchungen mit der kleinen Patientin durch und versorgte sie erfahren mit den entsprechenden Medikamenten, welche ihren Kreislauf aufrecht erhielten und das Fieber, unter dem sie litt, senkten.
Ein monotones Piepsen, welche von den medizinischen Apparaten, an die sie angeschlossen war und die ihre Vitalparameter überwachten, drang nun an Nikolas Ohren, als der mechanische Schließmechanismus der Tür aktiviert wurde.
Die massive Stahltür fuhr hoch, nur um sich keine dreißig Sekunden später, wieder hinter der in schwarze High-Heels, ein paar dazu passende Hosen, eine cremefarbene Bluse und einen darüber gezogenen, bis zu den Knien reichenden Doktorkittel gekleideten Dame zu schließen.
Mit einem Klemmbrett samt Papier, auf dem die Untersuchungsergebnisse verzeichnet waren bewaffnet, schritt die Kreaturen-Hüterin in schnellem Tempo zu dem angrenzenden Labor hinüber, setzte sich, ohne ihn zu beachten, an den Schreibtisch, öffnete mehrere, offene Computerprogramme und tippte zielstrebig auf der Tastatur herum.
Tesla gesellte sich augenblicklich neben sie.

"Und? Wie geht's ihr? Hast du was entdeckt, was uns weiterhelfen könnte?" sprudelte es ungeduldig und angespannt aus ihm raus.
Ein tiefes, schweres Seufzen, kam von der Stethoskop-Trägerin.
"Ich habe Röntgenbilder anfertigen lassen, ein CT und MRT gemacht, sie eingehend untersucht und ihr Blut abgenommen. Ich habe ihr eine Infusion verabreicht, die ihre Beschwerden lindern und ihren Flüssigkeitshaushalt ausgleichen sollte." zählte sie auf und blickte akribisch auf eines der CT-Bilder, welches sie sofort vergrößerte und akribisch in Augenschein nahm.
Trotz der Müdigkeit und Erschöpfung, mit der die nicht viel geschlafene Gleichaltrige schwer zu kämpfen hatte, war sie plötzlich wieder hellwach, als ihr etwas mehr als nur beunruhigendes auffiel.
Signifikant, stach ihr ein dunkelgefärbter, in diesem Fall ungewöhnlicher Fleck, auf der Abbildung von Aris Gehirn ins Auge.
Eine schreckliche, ungute Vorahnung, erfasste sie schlagartig.
Wie paralysiert, starrte sie den Monitor an und verstellte die Kontrastregelung, sodass sie alles noch besser und genauer erkennen konnte.
"Das... kann nicht sein!" stieß sie beunruhigt hervor und warf einen erneuten Blick auf das Bild, das MRT und einen ganz bestimmten, erhöhten Blutwert.
Scharf und beinahe panisch, sie versuchte noch, sich wegen ihres Freundes zu beherrschen, zog sie die Luft ein, stand verschreckt vom PC auf und spazierte schnurstracks zur gläsernen Front, durch die man den friedlich aussehenden, nun schlummernden Spross, gut sehen konnte.
Mit galoppierendem Herzen, einem Gefühl, als hätte man ihr soeben kräftig in den Bauch getreten und voller Mitgefühl, sowie mütterlicher Angst gepackt, welche ihr die Kehle zuschnürte, legte Magnus ihre rechte Handfläche auf die Glasscheibe.
Sie biss sich fest auf die Lippe und taxierte die kleine Bewohnerin so eingehend.

"Helen? Was ist los?" setzte der Abnorme, welcher jetzt hinter ihr stand an.
Mit dicken, schwarzen Ringen unter den smaragdgrünen, mit bernsteinfarbenen Sprenkeln versehenen Seelenfenstern, drehte sie sich schließlich nach mehreren, schweigsamen Minuten, in denen sie sich vergebens darum bemühte, sich zu sammeln und nicht die Nerven zu verlieren, zu ihm um.
"Ich...", begann die sonst so gefasste und nicht so leicht aus der Ruhe zu bringende Chefin zögernd und senkte traurig ihr Augenmerk.
Der Adamssohn verlor langsam die Geduld.
Er umschlang rasch ihre Taille, zog sie zu sich, hob ihr Kinn leicht an, sodass sie einander in die Augen sehen mussten, baute sich vor ihr auf und wiederholte erneut, in einem klaren, etwas lauteren Tonfall:
"Was verschweigst du mir, Darling? Was ist mit meiner Tochter?"
Das letzte Wort betonte der todernst dreinblickende Unsterbliche extra lange.
Die Lady mit der nussbraunen Lockenmähne, welche zu einem lockeren Pferdeschwanz zusammen gebunden war, schluckte schwer.
Sie versuchte tapfer, ihr Gefühlschaos zu verbergen und konzentrierte sich.
"So wie es aussieht, leidet die Kleine unter einem Medulloblastom. Das erkennt man deutlich an der schwarzen Verfärbung ihres Schädel-CT und des MRT-Bildes. Es..."
Abrupt schnitt ihr der Gelehrte das Wort ab.
"Würdest du das bitte so ausdrücken, dass ich es auch verstehe und nicht in diesem fachchinesischen Ärztejargon!" zischte er stöhnend.
Ein kurzes Nicken folgte.
"Ari hat eine Art Tumor an der Kleinhirnrinde. Er wächst ungewöhnlich schnell und ich glaube, dass er bösartig ist. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er sich bei diesem Tempo, über beide Hirnhälften, den vierten Ventrikel, die Meningen, bis hin zum Hirnstamm ausbreiten wird. Es könnten sich im schlimmsten Fall Metastasen bilden, die den Liquorraum und das Rücken- und Knochenmark angreifen. Wenn wir nichts unternehmen, steigt ihr Hirndruck rapide an und sie wird sterben ... Nichts desto trotz, ist der Krebs noch in einem frühen Stadium. Diese Erkrankung ist bei Kindern zwischen fünf und zehn Jahren gar nicht mal so selten und es gibt eine gute Prognose. Allerdings müsste ich den Tumor, bevor er größeren Schaden anrichten kann, operativ entfernen. Deswegen hatte sie ständig Kopfschmerzen, das Nasenbluten und die Gedächtnisschwierigkeiten!"

Außer sich vor Angst, fixierte er sein Gegenüber baff und geschockt.
"Ich dachte, daran wären Dakara und Irisa schuld!? Ein Hirntumor!? Aber wie...? Warum? Ich verstehe das nicht! Bist du dir sicher? Das kann doch eigentlich gar nicht sein! Das darf nicht sein..."
Die Britin legte vorsichtig ihre Arme um ihren einstigen Kommilitonen.
Dann lehnte sie sich vor und drückte ihn fest.
"Es ist mir ebenfalls rätselhaft, warum sie das jetzt auf einmal bekommen hat, wo meine letzte Untersuchung doch gerade erst vier Wochen zurück liegt und sie da noch kerngesund war. Ich weiß nicht, warum der Tumor entstanden ist und warum er so schnell wächst. Nichts desto trotz, können wir momentan nichts daran ändern. Wir müssen es akzeptieren, auch wenn es uns schwer fällt. Nikola, ... das ist nicht meine erste Operationen in diesem Bereich. Ich bin zwar keine Neurochirurgin, aber ich habe soetwas schon mehrmals gemacht und würde es hinkriegen. Allerdings vermute ich, dass das Ganze mit Irisa zusammen hängen und um einiges komplizierter sein könnte, als ich es zunächst angenommen habe. Ich möchte noch ein paar weitere Untersuchungen diesbezüglich vornehmen und Dakara darüber befragen, außerdem müssen wir erst diese Abnorme aus ihr raus kriegen, bevor ich operieren kann. Fakt ist: Ich kann weder den Lichtbringer, noch unsere feindlich gesinnte Fremde, auf irgendeinem der Bilder erkennen. Aber irgendwie und irgendwo, müssen die Zwei doch in Aris Körper sitzen!? ... Wir müssen dringend rausfinden, wer genau Irisa ist, also insbesondere, welche Art von Abnorme, was sie mit dem, was sie vorhin zu uns gesagt hat meint und wie wir die Kleine vor ihrem Einfluss retten können!" brachte sie es auf den Punkt.

Noch immer mit seinen Gedanken bei der grauenvollen Diagnose hängend, spürte das Technik-Ass, wie es mehr und mehr in ihm tobte.
Eine unbändige Wut, Angst und Ohnmacht, überkamen ihn und drohten, ihn zu überwältigen.
"Das muss Irisas Schuld sein! Ich weiß nicht wie, aber sie muss das fabriziert haben! Ari war  putzmunter und gesund, bevor dieses Chaos angefangen hat. Das ist die einzig logische Erklärung! Dieses Miststück will scheinbar nicht nur uns tot sehen, sondern auch mein Mädchen. Aber warum!? Warum ist sie nur so verdammt wütend auf uns! Warum quält sie uns bewusst so? Was haben Helen und ich ihr getan? Und wer ist diese Freundin, von der sie gesprochen hat?" fuhr es ihm überspannt und ruhelos durch den Kopf.
"Scheiße, das ist so verdammt feige, sich hinter einem unschuldigen, vierjährigen Kleinkind zu verstecken, es zu quälen und gegen uns zu verwenden! Verflucht! Ich halte das nicht mehr länger aus!" kreiste es immer wieder erzürnt in seinen Gedanken.
Blitzschnell entwand er sich aus Helens Umarmung, eilte zur Tür, gab den Code ein und betrat gleich darauf das Krankenzimmer.
Der Ursprungsblut-Träger durchquerte rasant den Raum, setzte sich anschließend zu seinem Sorgenkind auf die Bettkante und nahm mit aufgewühltem Gemüt ihre kleine Hand.
Mit zentnerschwerem Herzen, ließ er seinen Blick über ihre blasse, von einem dünnen Schweißfilm überzogene Haut, den schlanken, größtenteils unter der Bettdecke verborgenen, zierlichen Leib und ihr  anziehendes, unbeschwertes, normalerweise vor Lebensfreude und Zufriedenheit strahlendes, nun ungewohnt ernst und krank erscheinendes Antlitz gleiten.
Ihre Augen waren geschlossen.
Lediglich ihr Brustkorb hob und senkte sich regelmäßig.
"Es wird alles gut werden. Ich werde schon irgendwie eine Lösung dafür finden! Engelchen, ... ich weiß nicht, ob du mich hören kannst, aber wenn ja, möchte ich, dass du kämpfst! Hörst du, ... wehre dich gegen Irisa! Lass nicht zu, dass sie dich nochmal wie eine Marionette benutzt. Ich weiß, dass es schwer und sie sehr stark ist, aber versuch's zumindest.Ich bin bei dir! Und Helen und Dakara auch! Halte durch, okay! Ich lass nicht zu, dass du stirbst! ... Das habe ich damals nicht und werde jetzt erst recht nicht damit anfangen!" redete er auf die Schlafende ein und küsste sie, sich die Tränen gerade noch verkneifen könnend, liebevoll auf den Handrücken.

Auf einmal schlug die Jüngere jäh ihre tiefbraunen Augen auf.
Ein unverständlicher, leiser Laut, wurde von ihr ausgestoßen, als sie ein paar mal verschlafen blinzelte, kurz gähnte und sich danach benommen umsah.
Sie bemerkte anfangs nicht, dass sie zu ihrer aller Sicherheit, mit Fixierbändern an Armen und Beinen festgebunden war.
Auch die vielen, angsteinflößenden Geräte, mit denen sie vor kurzem verbunden wurde, sowie das kahle, lieblose, kleine Zimmer mit den aschgrauen Wänden und der massiven Stahltür, bereitete ihr nach und nach ein unbehagliches Gefühl.
Ihr gesamter Körper fühlte sich warm, schwer und wie gelähmt an.
Ihre Kehle war staubtrocken und ihr Kopf schmerzte höllisch.
Furcht und Panik stiegen in der Heranwachsenden hoch, welche automatisch schwer schluckte, sich vergebens versuchte, zu bewegen und mit aufkommender Übelkeit zu kämpfen hatte.
Erst, als sich transparente Tropfen in ihren Rehaugen sammelten und sie eingeschüchtert nach rechts blickte, begegnete sie den bekannten, saphirblauen Sehorganen und dem zu einem schwachen, milden Lächeln verzogenen Gesicht, welches sie nur zugut unter hunderten wiedererkannt hätte.

"Daddy...", flüsterte sie mit kaum hörbarer Stimme erleichtert und probierte, ihre neben ihm ruhende Hand auszustrecken.
Ihre Finger bewegten sich ein Stück.
Doch ihre Gliedmaßen und der Rest ihres Leibes, waren wie fremdes, lebloses, nicht zu ihr gehörendes Fleisch.
Verwirrt und verängstigt, fixierte der Sprössling die Bezugsperson.
Als sie ihn jedoch nicht berühren konnte und Nikola nichts weiter tat, als sie aufmerksam und regungslos zu beobachten, wurde ihr allmählich klar, dass etwas ganz und gar nicht stimmte.
Ihre Unterlippe fing unkontrolliert zu zittern an und ihre Atmung beschleunigte sich.
Ein ganzes Spektrum von Gefühlen und Sinneseindrücken, prasselte auf den Winzling ein, bevor sie sich letztlich ergab und hilflos zu schluchzen anfing.
Der Sanguine Vampir haderte anfangs noch mit sich.
Doch Ari so zu sehen, brach ihm das Herz.
Er hielt ihren verletzlichen, aufgelösten Blick kaum aus.
Schließlich siegten seine Vatergefühle und die grenzenlose Liebe zu seinem Mündel, über die angebrachte Vorsicht und Vernunft.
Der Physiker schlug die Bettdecke zurück, löste die Fesseln und zog sie behutsam auf seinen Schoß.
Anschließend hob er sie hoch, legte vorsichtig ihre Arme um seine Schultern und drückte dann ihren gelähmten Körper sanft an den seinen.
Ein zunächst noch harmloses, doch schon bald an Lautstärke zunehmendes Wimmern, wurde weiter verunsichert von ihr ausgestoßen.
Kleine Finger hielten sich schwach an seinem Hemd fest, während er mit einer Hand ihr schwarzes Lockenköpfchen an seinem Hals stützte und ihr mit der anderen beruhigend über den Rücken fuhr.

Tröstlich wiegte er sie in seinen Armen, bis sie sich einigermaßen wieder gefasst hatte und dankbar zu ihm aufschaute.
Die Brünette verfolgte gerührt, jedoch auch gleichzeitig nervös und angespannt, das Spektakel über das durchsichtige Fenster, vom Nachbarraum aus.
Sie wusste, dass die Dosis des von ihr erneut verabreichten, abgestimmten Beruhigungsmittels und des Muskelrelaxants, noch eine Weile andauern würde.
Dementsprechend hatte der Nobelpreisträger zwangsläufig nichts zu befürchten.
Doch hundertprozentig sicher, war sich die Wissenschaftlerin da nicht.
Grundsätzlich traute sie Irisa alles zu und hieß dementsprechend das Lösen der von ihr zu einer zweiten Absicherung angebrachten Fixiergurte, keinesfalls für gut.
Bei der kleinsten, falschen Bewegung, würde sie eingreifen, Nikola rausholen und das Kleinkind, obwohl es ihr widerstrebte, einsperren müssen.

"Ari, erinnerst du dich, was passiert ist? Die böse Frau in dir, hat dich krank gemacht und tut dir und uns weiterhin weh. Deswegen haben Hel... Mami und ich, dich hergebracht und dir was gegeben, damit du schläfst. Du musst dich ausruhen und brav hier liegen bleiben, okay? Spricht sie gerade wieder mit dir oder zwingt dich zu etwas?" erklärte der Adoptivvater schnell, strich ihr einfühlsam einige der pechschwarzen Haarsträhnen hinters Ohr und musterte sie prüfend.
Warmer, stoßweise erfolgender Atem, kitzelte seine Haut.
"Nein. Sie redet zwar, aber es ist leiser." antwortete sie ihm ehrlich und genoss seine Berührungen.
Erschöpft, noch immer mit den Tränen ringend und den vertrauten Geruch des Älteren einatmend, erzählte die Schwarzhaarige mitgenommen:
"Ich hör sie kaum. Ich glaube, dass die böse Frau jetzt schläft. Papa, mein Kopf tut so weh und mir ist schlecht! Durst! Heiß!"
Abermals, streichelte der 159-Jährige seinem angeschlagenen Schützling trostspendend über den kleinen, in einen frischen Schlafanzug und Socken gehüllten Leib.
Danach hauchte er ihr väterlich einen Kuss auf den Scheitel, brachte sie in eine sitzende Position, griff sich mit einer Hand das vollgefüllte Wasserglas von dem Beistelltisch und führte es ihr vorsichtig an die Lippen.
Wie ein Verdurstender, nahm das Kind schnelle, hastige und große Schlucke.
"Mach langsam, Schatz! Sonst...", noch ehe Nikola seinen Satz beenden konnte, verschluckte sich die Trinkende und hustete abrupt.
Sofort stellte er das Glas ab, legte sich den Wonneproppen ein Stück über die Schulter und klopfte ihr kräftig auf den Rücken.
Nach zwei kritischen Minuten und einem heftigen Hustenanfall, atmete sein Sonnenschein wieder problemlos, ohne Wasser in der Luftröhre.
"Wir versuchen's jetzt noch einmal! Vorsichtig und langsam, okay, Süße?" tadelte er sie sorgenvoll, seufzte und reichte ihr wieder die kühle Flüssigkeit, welche sich so wohltuend anfühlte.

Nachdem Ari genügend getrunken hatte, senkte sie ausgelaugt ihr Haupt und schmiegte sich, so gut es ihr möglich war, an den Erwachsenen.
"Deine Kopfschmerzen und das Fieber, müssten bald besser werden. Du bekommst Medizin durch den Schlauch da, an deinem Arm."
Er deutete auf die durch ein spezielles System verabreichte, intravenöse Infusion, welche neben den beiden an einem Metallständer hing und kontinuierlich vor sich hin, in ihren Körper tropfte.
"Willst du dich wieder hinlegen und schlafen? Ich kann dir auch einen Waschlappen holen und ihn dir auf die Stirn legen...", schlug ihr der fürsorgliche Vater vor.
Ein stummes Kopfschütteln folgte.
"Nein, nicht gehen! So bleiben!" gab die Vierjährige kurzangebunden von sich, krallte sich besitzergreifend in sein Kleidungsstück und schloss zufrieden ihre Lider.
Tesla schmunzelte ergriffen.
Eine ganze Weile lang, saßen sie so da, ehe die Kleinere schließlich zögernd das Wort ergriff:
"Dad?"
"Ja, mein Engel?"
Kastanienbraune Augen, bohrten sich plötzlich mit einer nicht zu deutenden Mimik in ozeanblaue.

"Ich weiß, dass die böse Stimme lügt. Aber du bist doch mein Papa, oder? Mein echter!?" formulierte sie die unangenehmste aller Fragen.
Als hätte man ihm soeben ein Schwert in die Brust gestoßen, schluckte der Angesprochene schwer.
"Nun ja, ... also Ari, ... weißt du...", druckste der Klavierspieler nervös herum.
Wieder überkam ihn Schuld und er rang mit sich, ob er ihr die Wahrheit sagen sollte.
"Ich hab dich sehr lieb! ... Vergiss das nie, okay?" lenkte er wahrheitsgemäß ein und drückte sie ausweichend und sentimental an sich.
"Ich weiß, Daddy. Ich dich auch, selbst wenn du's nicht bist! ... Ist mir egal, was die böse Frau sagt. Ich hör eh nicht auf sie. Du bist mein Vater!" machte die Evastochter mit dem porzellanweißen Teint ihren Standpunkt klar und lehnte sich mit einem Lächeln, geborgen an ihn.
Vor Freude, jedoch auch mit einem Tropfen Wehmut, hätte der Adamssohn am liebsten gejubelt.
Stattdessen küsste er sein kostbares Familienmitglied nur still auf die Stirn und streichelte ihr berührt übers Haar.
"... selbst wenn du's nicht bist!" eine schönere Liebeserklärung, konnte sich der Abnorme, welchem damit eine unglaubliche Last von den Schultern fiel, kaum vorstellen.

"Stimmt das, was du gesagt hast?" wollte das Kleinkind auf einmal von ihm wissen.
"Hmm? Was genau meinst du?" hakte der Elternteil aus seinen Gedanken gerissen nach.
"Das, was du gesagt hast, als ich geschlafen habe:Dass alles gut werden wird. Papa, ... wenn die böse Frau mich so krank macht, muss ich dann sterben? Wer ist Dakara?"
Nikola holte tief Luft, bevor er entgegnete:
"Dakara ist die andere, gute Stimme in deinem Kopf. Die, die gegen die böse Frau kämpft. Ich und Mama kennen sie. Sie ist eine sehr gute Freundin von uns und hilft dir. Und ja, das, was ich gesagt habe, ist wahr und ich habe es auch genauso gemeint: Wir sind alle drei bei dir! Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, Engelchen. Wir werden gemeinsam dafür sorgen, dass die böse Frau weggeht und dich in Ruhe lässt. Du wirst wieder gesund! Und nein, du musst nicht sterben!"

Mit Zweifeln und einer Heidenangst, welche er jedoch gut überspielte, beäugte er die clevere, mitgenomme und noch immer leichenblasse, kleine Lady, welche wiederum mit großen Augen zu ihm aufsah.
"Versprochen?"
"Versprochen! ... Und jetzt leg dich wieder brav unter die Bettdecke und schlaf noch ein wenig! Du bist müde und musst dich ausruhen! Okay, Liebling?" rief ihr Beschützer, welcher bemerkte, wie ihre Lider bereits wieder auf Halbmast hingen und kurz vorm Zufallen waren.
"Okay... Aber du bleibst hier, bis ich eingeschlafen bin und singst mir noch was vor, oder? Biiiiiitte!"

Mit einem, das dickste Eis schmelzenden Dackelblick, guckte sie ihn flehend an.
Der Herr mit den Vampirgenen zwinkerte einverstanden, half ihr in eine liegende Position und deckte sie sorgsam zu.
Danach begann er, ihr das gewünschte Schlaflied vor zu singen und behielt solange ihre Hand in der seinen, bis sie in einen tiefen Schlummer gefallen war.
Dann band er erneut ihre Gliedmaßen fest und verließ widerwillig den Raum.
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