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☆Lullaby - Teil 2☆

Kurzbeschreibung
GeschichteSci-Fi, Übernatürlich / P16 / MaleSlash
Dr. Helen Magnus Nikola Tesla
09.05.2015
01.07.2017
18
54.648
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23.10.2015 3.039
 
- Rückblick - Teil 3

Sechs Monate später...

Die junge Studentin war nach ihren Vorlesungen in der Universitätsbibliothek verschwunden, um ihre Notizen nocheinmal durchzugehen und in Ruhe lernen zu können.
Sie war so in ihren Lernstoff und die Bücher vertieft, dass sie die Zeit und alles um sich herum, völlig vergaß.
Erst, als der Bibliothekar, mit dem sie sich inzwischen sehr gut verstand, schließen wollte und an ihren Tisch kam, um sie darauf aufmerksam zu machen, schaute sie erstmals müde von den Nachschlagewerken auf.
Mit einem kurzen, freundlichen Lächeln und vom Sitzen eingeschlafenen Gliedern, erhob sie sich schließlich.
Zügig sammelte die Evastochter ihre Sachen ein, räumte ihren Platz auf und verstaute das Geschriebene in einer bestickten Umhängetasche.

"Sie sind wirklich sehr fleißig, Miss Ashton. Wenn der Rest ihrer Kommilitonen doch auch nur so ambitioniert und ehrgeizig wie Sie wäre... Na ja, ich werde für heute Feierabend machen. Wir sehen uns dann morgen wieder. Soll ich Ihnen eine Troschke rufen?" wollte ihr Gesprächspartner, welcher inzwischen neben ihr im Türrahmen stand, aufmerksam von ihr wissen.
"Nein, danke. Ist nicht notwendig. Ich wohne hier ganz in der Nähe und habe es daher nicht so weit. Ich wollte mir ohnehin noch ein wenig die Beine vertreten.
Die frische Luft wird mir gut tun." antwortete ihm die Jüngere und streckte sich schwermütig.
"Sind Sie sich sicher, wertes Fräulein? Zu dieser Zeit noch alleine unterwegs zu sein, ist sehr gefährlich. Ich möchte nicht, dass Ihnen etwas passiert. Sie wissen doch, dass die Stadt zurzeit alles andere als sicher ist. Ich meine, eine Menge zwielichter Gestalten streifen derzeit durch die Gassen. Ich glaube nicht, dass ihr Onkel soetwas gutheißen würde."
"Ach, es wird doch inzwischen überall patrouilliert! Ausserdem dauert der Fußweg nicht sehr lange. Machen Sie sich keine Sorgen!" sagte sie taff und winkte ab.
"Hmm... Mir ist trotzdem nicht ganz wohl dabei, Sie jetzt noch alleine  gehen zu lassen. Erlauben Sie mir daher, Sie noch ein Stück zu begleiten?"
"Na schön. Wenn Sie unbedingt möchten. Vielen Dank!"
"Ach, ist nicht der Rede wert, Miss Ashton. Ich muss ohnehin in dieselbe Richtung."

Obgleich sich Iris ihrer Sache zu Anfang noch so sicher war, bekam sie, als sie der ältere, grauhaarige Mann an einer der nächsten Straßenecken widerwillig verließ, trotzdem Zweifel.
Seit geschlagenen fünf Minuten, hatte niemand mehr ihren Weg gekreuzt.
Was in Anbetracht der Tatsache, dass sie sich gerade an einem der meist besuchtesten Viertel, inklusive Pubs, Lokale,  Herrenclubs und einer Reihe von Geschäften aufhielt, höchst verdächtig schien.
"Vielleicht hätte ich doch lieber eine Kutsche nehmen sollen! Ich bin zwar schon zweimal nach Hause gelaufen, aber nie nach Einbruch der Dunkelheit... Warum ist es auf einmal so still? Wo sind denn alle? ... Irgendwie war das eine ziemlich dumme Idee!" rügte sie sich selbst nervös.

Die junge Frau eilte, in einen lindgrünen Mantel gehüllt, zügig weiter, durch die auf einmal wie ausgestorben wirkende Gasse.
Das grelle Licht der  Straßenlaternen blendete sie.
Immer wieder erfasste sie ein kräftiger, entgegenkommender Windstoß und ließ das bunte Herbstlaub zu ihren Füßen, sowie ihre Haare wild aufwirbeln.
Plötzlich ertönten Schritte hinter ihr.
Zunächst hörten sie sich noch leise und weit entfernt an, wurden jedoch mit der Zeit immer lauter und schlossen recht schnell zu ihr auf.
Verschreckt und mit einer gehörigen Portion Angst, die ihr die Kehle zu schnürte, beschleunigte die Adlige ihr Tempo, während sich ein weiterer Schatten bedrohlich neben ihrem auf dem Bürgersteig abzeichnete.
Beunruhigend schnell, heftete er sich an sie und hielt stets, ohne von ihr oder dem Weg abzuweichen, mit ihr Schritt.
Gerade, als sie die nächste Querstraße erreicht hatte, außer Atem stehen blieb und sich mutig umdrehte, musste sie zu ihrer Erleichterung feststellten, dass ihr Verfolger nun nicht mehr hinter ihr war.
Kein Schatten mehr
Keine Schritte mehr.
Nur ihre Wenigkeit, welche sich vor dem Eingang eines kleinen Pubs befand und irritiert dreinblickte.

"Was? Aber wie...? Ich hab doch genau gesehen, dass...", schoss es der Dunkelhaarigen verwirrt durch den Kopf.
Schließlich seufzte sie tief.
"Muss wohl doch nur ein harmloser Passant gewesen sein... Ich sollte zusehen, dass ich nach Hause komme! Langsam werde ich echt müde, nervös & anscheinend schon paranoid!"
Ein leises Seufzen entglitt Iris, welche allmählich begann, sich über sich selbst zu amüsieren.
Sie wollte bereits weitergehen, da registrierte sie im Dämmerlicht einer Seitengasse eine schwache Silhouette.
Irgendjemand stand da.
In der Dunkelheit verborgen.
Und er beobachtete sie...

Ashton wollte schreien und schnurstracks die Flucht ergreifen.
Doch stattdessen, stand sie wie gelähmt da und brachte vor Schreck keinen einzigen Ton raus.
Als sie im nächsten Moment blitzschnell von zwei fremden Händen gepackt und in die Gasse gezerrt wurde, wusste sie, dass ihr Schicksal damit besiegelt war.
Ein harter Schlag traf sie am Kopf, bevor alles um sie herum schwarz wurde.

"Guten Abend, Schätzchen!" ertönte eine tiefe, männliche Stimme scharf an ihrem Ohr.
Der Gestank von Alkohol vermischt mit Schweiß, Urin und sogar Erbrochenem, sowie die im halbdunkeln liegende, heruntergekommene Gegend, machte Iris, als sie wieder zu sich gekommen war, deutlich bewusst, mit welcher Art von Leuten sie es da gerade gezwungenermaßen zutun hatte.
Tabakrauch, welcher ihr von einem blonden, schlanken Herrn mit einem süffisanten Grinsen ins Gesicht geblasen wurde, brannte schmerzlich in ihren nun ungeschützten Augen.
Ihr Körper - welcher von einem zweiten, stämmigeren und bärenstarken Adamssohn festgehalten wurde - fühlte sich schwer und unbeweglich an.
Ihre Beine waren weich wie Pudding und ihr Schädel schmerzte höllisch.
Tausende von Fragen quälten die verängstigte Dame, welcher nach und nach entsetzt auffiel, dass ein paar ihrer Besitztümer und eben noch getragene Kleidungsstücke abhanden gekommen waren.
Was war passiert?
Was wollten diese Kerle von ihr?
Wo waren ihre Sachen abgeblieben?
Und was zum Teufel, ging hier vor?

"Ich würde dir raten, dich nicht zu wehren. Würde dir eh nichts bringen! Wie du sicher schon gemerkt hast, sind wir zu dritt. Das hier kann kurz und schmerzlos von Statten gehen oder lange andauern und sehr, sehr hässlich werden. Hängt von dir ab!" redete der Mann weiter.
Sein aschblondes, zerzaustes Haar, hing ihm in fettigen Strähnen über das leichenblasse, markante Gesicht.
Die nun zu katzenhaften Schlitzen zusammengezogenen Augen, waren von dunklen Ringen umrahmt und die Pupillen vom im Pub konsumierten Alkohol geweitet.
Seine durch die Tabakpfeife  entblößten, gelbverfärbten Zähne, lächelten sie weiter bedrohlich an.
Doch das mit Abstand schlimmste, war nicht mal die zerlumpte, heruntergekommene Kleidung,  sondern sein fieser, übelriechender Mundgeruch.
Wie ein Jäger, der endlich ein Reh vor die Flinte bekam, stierte er sie nun triumphierend an.
Die junge Frau schluckte schwer und nickte stumm.
Das hämische Lachen des dritten Widerlings - ein schlacksiger Rotschopf, welcher zu ihrer linken stand und ein Messer in der Hand hielt - durchbrach den Geräuschpegel des in der Nähe befindlichen Etablissements und einer vorbeifahrenden Pferdekutsche.

"Ich werde dich jetzt etwas fragen und du wirst mir brav und ehrlich antworten! Mein Freund wird dazu gleich seine Hand von deinem Mund nehmen. Wenn er das tut, wirst du nicht schreien! Andernfalls hast du schneller ein Messer in deiner Kehle stecken, als es dir lieb ist! Verstanden, Püppchen?"
Die Abnorme wiederholte die von ihr verlangte, nonverbale Geste und nickte fügsam.  
Ihre Augen brannten und tränten schmerzhaft vom entgegenkommenden Tabakrauch.
Tapfer kämpfte sie gegen die mörderischen Kopfschmerzen an.
Trotz allem, gelang es ihr zu ihrer Verwunderung recht gut, ruhig zu bleiben und sich nicht von der Furcht unterkriegen zu lassen.

"Sehr gut. Du lernst schnell!" lobte sie der Wiederling.
Im nächsten Moment zog der Muskelprotz seine schwitzige Hand von ihren Lippen, sodass sie sprechen konnte.
Gleichsam fühlte sie, wie kalter Stahl ihre Haut berührte.
"Leider hattest du zu unserem Pech nicht sehr viel Geld oder Wertsachen bei dir. Allerdings lässt dein adrettes Erscheinungsbild und dein Kleid darauf schließen, dass du in irgend einer Form wohlhabend sein musst oder jemanden kennst, der es ist. Und auch dein Schmuck, die Tasche und diese komische Brille, die wir dir abgenommen haben, verstärken diese Theorie. Wer genau bist du, Kleine?"

Die Abnorme spürte aufeinmal, wie sie eine seltsame Energie durchfuhr.
Gerade als sie anfing, sich ernsthaft Gedanken über ihre mehr als prekäre Lage zu machen, zerriss ein heftiges Donnergrollen die Stille.
Ohne, dass sie es zunächst wollte, beschwor sie ein Gewitter herauf, welches sich direkt über den Köpfen aller Beteiligten zusammenbraute.
Als sich nun ihre Augenfarbe zu dem signifikanten Blutrot umänderte und dicke Regentropfen auf die Erde fielen, begann sie jedoch erleichtert zu schmunzeln.
Obwohl Ashton das immer wieder gleich ablaufende, faszinierende Prozedere in und auswendig kannte, war sie doch jedes mal von sich und ihren abnormen Kräften überrascht.
Sie hatte sie inzwischen einigermaßen gut im Griff.
Trotzdem traten sie hin und wieder auch mal spontan auf und fungierten dann wie ein eigenständiger Schutz-Mechanismus.
So auch in diesem Falle.
Es würde also nicht mehr lange dauern...

"Ich... bin... niemand. Ihr solltet mich lieber ganz schnell loslassen und das Weite suchen, wenn euch euer Leben lieb ist!" gab sie kämpferisch zurück.

"Scheiße! Warum regnet es jetzt auf einmal? So ein Dreckswetter!" warf der stämmige Handlanger verblüfft und verärgert ein.
"Keine Ahnung. Ist ja echt seltsam!" äußerte sich der Rothaarige, senkte kurz das Messer und starrte irritiert zum wolkenverhangenen Himmel hoch.
"Konzentriert euch, Männer! Hast du uns gerade ernsthaft gedroht? Ich glaube, du weißt nicht, wen du da vor dir hast, Miststück! Außerdem habe ich gesagt, dass..."
Abrupt stoppte der Blonde.
Mit weit aufgerissenen Sehorganen und einem bangen Ausdruck, fixierte er sein auserkorenes Opfer.
"W... W... Warum... hast... du...? Deine... A... Augen... sind...", stotterte er überfordert.
Ängstlich taumelte er zurück, wobei ihm seine Porzellan-Pfeiffe aus dem rechten Mundwinkel fiel.
"Boss? Was...? Ach du heilige Scheiße! Ihre Augen sind ja rot!" kam es von dem Messerträger.
"Was!?"
Augenblick wurde Iris von ihrem Widersacher losgelassen, welcher einen Schritt zurück tat und sich anschließend mit offener Kinnlade und geschocktem Gesichtsausdruck zu seinen Kumpanen gesellte.

Blitze zuckten unheilvoll aus der dunklen Wolkenfront hervor, bevor sie von einem lauten Grollen begleitet, ohne jede Vorwarnung auf die Erde nieder schossen.
Einer verfehlte die Adamssöhne nur um Millimeter.
Weitere erreichten die Fulgur und wickelten sich schließlich wie gigantische, elektrische Fäden um ihren Körper, welcher durch das beeindruckende Spektakel schaurig hell erleuchtet wurde.
Plötzlich von einer ungeheuren Energie beflügelt, die sich wie ein Adrenalinstoß bemerkbar machte, stand Iris mit ausgestreckter, rechter Hand da und starrte ohne jede Regung, mit ihren Rubinaugen zu den drei Herren auf.
Unterdessen entlockten sich diesen furchtsame, panische Schreie.
Zitternd und mit leichenblassen Gesichtern, ruhten sie weiterhin regungslos auf ihrem Platz und trauten sich nicht, den Blick von der Blitz-Beherrscherin abzuwenden.
"Verschwindet! Sofort!" schrie die Studentin siegessicher.

Sie wollte ihren Worten mehr Ausdruck verleihen und machte sich bereits für einen weiteren Angriff bereit, da erfasste sie auf einmal ein stechender Schmerz.
Ihre Kopfschmerzen, welche durch den harten Schlag einer leeren Whiskeyflasche und die damit einhergehende Stirnverletzung ausgelöst wurden, setzten der Evastochter nun immer mehr zu.
Sie griff sich stöhnend an den Kopf.
Während ihre Finger vorsichtig über eine dicke Beule samt Schnittwunde fuhren, wurde ihr sogleich übel und schwindelig.
Erst, als die Schönheit das warme, dunkelrote Blut, welches aus der Wunde floss, spürte bzw. es mit ihren eigenen Augen auf ihrem Zeigefinger kleben sah, begriff sie, was geschehen war.
Sie verlor ihren Fokus, strauchelte und brach - kaum, dass sie sich mühevoll aufgerichtet hatte - auch schon wieder zusammen.
Das Gewitter verschwand genauso schnell wieder, wie es gekommen war.
Ebenso die Blitze, welche bis dato ihren einzigen Trumph darstellten.

Unterdessen ergriffen die, noch bis vor einem Augenblick wie zur Salzsäule erstarrten Männer, ihre Chance.
Zwei von ihnen, nahmen die Beine in die Hand und rannten verängstigt davon.
Der Dritte jedoch, war scheinbar aus einem anderen Holz geschnitzt.
"Elende Feiglinge!" knurrte der Angetrunkene, welcher seinen Handlangern kurzzeitig enttäuscht und zornig nachschaute.
Er schnappte sich, flink wie ein Wiesel, das nun am Boden liegende Messer.
Dann näherte er sich ihr mit einem teuflischen, nahezu wahnsinnigen Grinsen.
Zum zweiten Mal an diesem Abend, spürte Ashton den festen, kalten Stahl, welcher sich erneut unangenehm und gefährlich gegen die zarte Haut ihres Halses drückte.
"Was war das für ein Trick? Wie hast du das gemacht? Was bist du?" schrie sie der Bandenanführer aufgebracht und erregt an.
Iris blieb stumm.
Einzig ein schweres Stöhnen kam ihr über die Lippen.
Sie hatte keine Kraft mehr.
Alles um sie herum, begann sich abermals zu drehen.
"Antworte mir, du dreckige Dirne! Und sieh mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede!"
Ohne jede Vorwarnung, packte er sie an den Haaren, legte  gewaltsam ihren Kopf in den Nacken und zwang sie so, ihn anzusehen.
Wogen der Pein durchfluteten den malträtieren Körper der Dame.
"Gut. Stell dich stur... Aber das wird dir nichts bringen! Es macht es nur noch interessanter für mich! Wenn du nicht sprechen willst, wirst du für mich schreien!"
Er wanderte spielerisch mit der Messerspitze über ihre Haut und übte dabei genug Druck aus, um sie zu verletzen.
An ihrem ungeschützten Dekolleté angekommen, machte er schließlich lüstern halt.
Mit zufriedener Genugtuung beobachtete er, wie ihr Tränen in die noch immer rubinrot verfärbten Sehorgane stiegen.
"Bitte...", flüsterte Iris aufgelöst, zitternd und gepeinigt.
Ihre Stimme brach, während sie ihn gezwungenermaßen fixieren musste.
Ein jeder konnte hören, dass sie unlängst ihren schönen, festen und selbstsicheren Klang verloren hatte.
Die Jüngere war mit ihren Kräften vollkommen am Ende.

"Dein Flehen, kannst du dir sparen! Ich will Antworten, Püppchen! Wenn du nicht gleich..."
Der Blondschopf schaffte es nicht mehr, seinen Satz zu beenden.
Wie aus dem Nichts, tauchte plötzlich eine weitere Gestalt hinter ihm auf.
Binnen Sekunden wurde der Widerling gepackt, von Iris fortgerissen, entwaffnet, von etwas rasiermesserscharfem durchbohrt und gegen die nächstgelegene Mauer geschleudert, die er so hart mit dem Kopf traf, dass er ausgenockt zu Boden ging.

Der Neuankömmling stieß einen animalischen, kurzen Laut aus, bevor er sich zufrieden abwandte.
Dann zog er seine Krallen und die Fangzähne ein und leckte sich anschließend das viele Blut von den Fingern.
Es war warm und noch nicht geronnen.
Trotzdem verzog er angewiedert das Gesicht.
Die Flüssigkeit war nicht sonderlich nach seinem Geschmack.
Doch es genügte und sorgte zumindest für den Moment dafür, dass er seinen Durst stillen und sich auf das Wesentliche konzentrieren konnte.
Mit einer unmenschlichen Schnelligkeit, kniete er sich neben die hilfsbedürftige Lady, welche  jedoch instinktiv zurückwich und sich ängstlich seinem Blick entzog.
Ihr Herz hämmerte unaufhörlich in ihrer Brust, während sie mehr schlecht als recht versuchte, gegen den Schwindel und die Schmerzen anzukämpfen.
"Schon gut. Sie brauchen keine Angst vor mir zu haben. Ich werde Ihnen nichts tun. Ich will Ihnen helfen!" fing der Fremde sanft an.
Irgendwo hatte sie diese angenehme Stimme schon einmal gehört.

"Das kann doch nicht... Unmöglich! ...", schoss es ihr durch den Kopf.
Als er erneut das Wort ergreifen wollte, traute sich die Adlige letzlich doch noch, ihn anzusehen.
Was bzw. wen sie dann erblickte, verschlug ihr fast die Sprache.
Nachtschwarze, immer mehr ins Cobaltblaue gehende Augen, bohrten sich jetzt in blutrote.

"N... Nikola? ... B... Bist... du... das?" formten schmale Lippen überrascht seinen Namen.
Ungläubig fixierte der Serbe die vor ihm Sitzende, welche ihm bei genauerer Betrachtung ebenfalls nicht so fremd war, wie er zunächst angenommen hatte.
"Iris? ... Oh mein Gott! Du bist es wirklich! Tut mir leid. Ich habe dich nicht gleich erkannt. Deine Augen..."
Sofort fiel ihm die blasse Schönheit schluchzend um den Hals.
Sie konnte ihr Glück kaum glauben.
Der junge Mann spürte, wie sie sich mit ihrem zierlichen Körper zitternd und haltsuchend an ihn drückte.
"Ich will nach Hause! ... Bitte, Nikola! ... Bring mich nach Hause!" brachte sie mit tränenerstickter Stimme hervor.
Tesla hielt sie fest und strich ihr beruhigend über den Rücken.
Eine ganze Zeit lang, saßen sie einfach nur so da.
Während er seine Kommilitonin behutsam, wie ein kleines Kind, hin und her wiegte, bemerkte er, wie sich ihre Atmung und der viel zu schnelle Herzschlag allmählich wieder stabilisierten.
Ihm entging nicht, dass sie verletzt war und sehr fror.
"Hier! Du bist ja eiskalt! Wo sind deine Sachen, Liebes?"
Der Student zog sofort seinen Mantel aus und wickelte sie sorgsam darin ein.
Während er sie abermals wärmend an seine Brust zog, sah er sich prüfend in der dunklen Gasse um.
Dankbar blickte die Frau mit geröteten, nassen Wangen zu ihm auf.
"Ich weiß es nicht! Da waren noch zwei andere Männer... Sie haben mich ausgeraubt und dann die Flucht ergriffen...", erklärte sie ihm kurz angebunden.
Erschöpft legte sie ihren schmerzenden Kopf an seiner Schulter ab.
"Meine Brille...", murmelte sie leise.
"Ich brauche sie unbedingt wieder! Alles andere ist egal..."
Behutsam hob er sie hoch und musterte sie mitleidig.
"Ich verspreche dir, dass ich mich darum kümmern werde! Aber zu Allererst bringe ich dich fort von hier! Halt dich einfach an mir fest, ja?"

Die Abnorme nickte und legte einen Arm um seinen Hals.
Im nächsten Moment spürte sie, wie er sich mit ihr zusammen erhob und sich scheinbar leichtfertig in Bewegung setzte.

Während Nikola - mit Iris in seinen Armen - zügig durch die Stadt eilte, ging ihm nur ein einziger Gedanke durch den Kopf.
Es war haargenau derselbe, mit dem sie sich in jenem Moment ebenfalls beschäftigte:

"Was war in den letzten sechs Monaten, in denen sie sich kaum zu Gesicht bekommen, geschweige denn, miteinander gesprochen hatten, nur passiert?"

An diesem Abend hatten beide mehr von dem jeweils anderen gesehen, als dass sie hätten eigentlich sehen sollen.
War es nun also an der Zeit, sich einander zu offenbaren?
Und ihre Geheimnisse nicht mehr länger nur für sich zu behalten?

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→ Sorry für das lange Warten!

Das nächste Kapi wird der letzte Rückblick von Iris(a) werden.

Na, wer will nicht mal von Nikola gerettet werden?  :3 ♡

Was ist wohl zwischen den beiden passiert/ wird noch passieren?
Warum ist die Freundschaft/ der Kontakt zwischen unseren zwei Studenten eingeschlafen?
- Bisschen was könnt ihr euch bestimmt schon denken... :)

Und wie werden Nikola und Iris wohl mit dem umgehen, was sie gesehen haben?
Fragen über Fragen...
Die Antworten gibt's dann im nächsten Kapitel! ;)
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