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☆Lullaby - Teil 2☆

Kurzbeschreibung
GeschichteSci-Fi, Übernatürlich / P16 / MaleSlash
Dr. Helen Magnus Nikola Tesla
09.05.2015
01.07.2017
18
54.648
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14.06.2015 2.223
 
Hundemüde, kraftlos und von den Krebsmedikamenten wie betäubt, lag der Wonneproppen mit den tiefbraunen Rehaugen im Bett.
Sie hatte nicht viel schlafen oder sich gar erholen können.
Jedes Mal, wenn sie kurz davor war, quälten sie entweder heftige Schmerzen, Schwindel, Fieber und Übelkeit (sie musste sich nun öfters übergeben) oder aber die zwei Stimmen, welche hartnäckig (zwar auch mit längerer Unterbrechung oder Pausen - Irisa schien zurzeit ungewöhnlich wortkarg. Ihr sonst dominanter, herrischer Ton, klang immer erschöpfter und sie unternahm keinerlei Versuch, ihren Körper zu übernehmen) auf sie einredeten.
Dementsprechend missgelaunt und quängelnd, reagierte die Kleine auf das hektische und merkwürdige Treiben, welches sich seit ein paar Minuten um sie herum abspielte.
Die in Indien geborene Mitarbeiterin mit dem schlagfertigen, größtenteils sanftmütigen Wesen, hatte das Zimmer betreten und fing an, ein paar der dort vorhandenen Medikamente in eine große Reisetasche, voll mit ihrer Kleidung und weiteren Utensilien, einzupacken.
Verunsichert, irritiert und mit auf Halbmast hängenden Lidern, verfolgte der Sprössling kämpfend,  jedoch auch mit einer Spur Neugierde, das Geschehen.
"Keine Angst, Süße! Bin gleich fertig. Deine Mommy und dein Daddy müssten auch jeden Moment dazustoßen. Bleib einfach so, okay? Du musst nichts tun, Herzchen." redete Kate sanft auf die Jüngere ein und musterte sie kurz prüfend und empathisch.
Aris grün-blasser Gesichtston und die Strapazen, welche der Krebs bei ihr ausgelöst hatten, waren kaum zu übersehen.
Es schockierte Freelander, die Vierjährige so mitgenommen, blass und platt im Bett zu erblicken.
Sie fuhr ihr tröstlich über die Wange und schenkte der Patientin ein mitleidiges Lächeln.
"Ich will schlafen! ... Laut. So laut... Was machst du, Tante Kate?" stöhnte das kleine Lockenköpfchen und schaute fragend in ihre Richtung.
Unsicher, ob sie die Stimmen der Abnormen in ihrem Kopf meinte oder aber den kaum verursachten Geräuschpegel, den die Sanctuary-Mitarbeiterin bei ihrer derzeitigen Tätigkeit machte, fixierte sie das Kleinkind.
"Ich packe nur ein paar Sachen für dich zusammen. Deine Eltern haben einen Weg gefunden, wie sie dir helfen können. Sie..."
Auf einmal brach die Dunkelhäutige ab, als Magnus und Tesla den Raum betraten. Gefolgt von Henry und Will, der seinem Freund beim Tragen half. Alle hatten sie mindestens einen Rucksack umgeschnallt oder hielten mehrere, große Gepäckstücke in der Hand.
Ein verchromter Koffer mit diversen, verschiedenen Waffen, Medikamenten und anderer, wichtiger Ausrüstung, hatte der HAP bei sich.
Die kleine Gruppe hatte alles dabei, was sie für die bevorstehende Mission benötigten.

Unwohl richtete sich Ari auf und starrte nervös in die vielen Gesichter.
"Hast du alles, was auf der Liste stand, eingepackt?" wollte die Chefin von der neben ihr Stehenden  wissen und ließ ihr Augenmerk zu der Tasche, welche auf einem der Beistelltische stand, wandern.
Ein unmissverständliches Nicken, kam von der Kreaturen-Hüterin.
"Infusionsständer, Pulsoximeter, den Überwachungsmonitor und den tragbaren Notfallkoffer, hab ich schon abmontiert und gerichtet. Wir haben ein ganzes Minikrankenhaus dabei. Ich denke, ich hab alles. Steht da drüben. Mir fehlt nur noch das hier!"
Kate gesellte sich neben sie und deutete mit ihren Fingern auf ein aufgelistetes Medikament, welches auf dem Blatt Papier, welches sie aus ihrer Hosentasche hervor zog,  aufgeschrieben worden war.
"Hervorragend. Danke."
Die Ärztin trat an einen der Schränke heran und holte zwei Spritzen heraus.
Anschließend verstaute sie eine davon (steckte die andere sicherheitshalber in ihre Blusentasche), verschloss das Gepäckstück und stellte dieses zu den anderen, auf den Boden.
Foss und seine Kollegin gesellten sich aufbruchbereit zu dem ganzen Kram und warfen sich entschlossene, allessagende Blicke zu.
"Unsere Freunde vom italienischen Sanctuary, haben uns ein paar ihrer Männer zur Verfügung gestellt und ihre Hilfe angeboten. Sie sind bereits vor Ort. Sobald Sie da sind, wird man Ihnen beim Tragen helfen. Mister Valeria weiß auch Bescheid." mischte sich Zimmermann ein.
"Gut. Danke Will."
Der stellvertretende Einrichtungs-Leiter sah kurz zu seinem Boss.
"Ich geh dann mal wieder an die Arbeit. Machen Sie sich keine Sorgen, ich halte hier mit dem Großen die Stellung. Viel Glück! Und seien Sie vorsichtig! Wir bleiben in Kontakt."
Der junge Brillenträger seufzte schwer und ließ seine Augen zu der ehemaligen Inselbewohnerin wandern.
Niemand der Anwesenden hatte kein Mitleid mit dieser.
Alle zusammen kannten und mochten sie Ari.
Sie war ihnen allen, seit den vergangenen Monaten, sehr ans Herz gewachsen.
Umso mehr, verstanden sie die Dringlichkeit dieser lebensrettenden Mission, halfen, wo sie nur konnten und zögerten deshalb keine Sekunde.
Die Teratologin nickte ihm anerkennend und wertschätzend zu, bevor er sich abwandte und das Zimmer verließ.

Nikola stand die ganze Zeit über, ungewöhnlich schweigsam und angespannt, hinter seiner Freundin. Er blendete alles aus und hatte seine eisblauen Augen starr auf seine, ihn noch immer beleidigt ignorierende Tochter gerichtet.
Sein Herz drohte mehr und mehr, vor Sorge zu zerspringen.
Es gierte ihn danach, endlich nach Rom zu kommen und Irisa zur Rechenschaft zu ziehen.
"Mami! Was ist los? Was macht ihr alle hier? Warum...", fing die Krebserkrankte aufgeregt an.
Die Britin legte ihr milde lächelnd die Hand auf den Kopf, nachdem sie sie von den Fixiergurten und den noch angeschlossenen Geräten befreit hatte.
"Schhht. Ist gut, Liebling. Wir werden jetzt eine kleine Reise machen. Du musst nichts tun, außer Dakara zu holen. Dein Vater wird dich gleich hochnehmen. Versuch am besten, ein wenig zu schlafen. Wenn du das nächste mal deine Augen aufmachst, sind wir schon woanders." erklärte sie ihrem Mündel.
Sofort ergriff die Jüngere ihren Arm, zog sie zu sich und klammerte sich ängstlich an sie.
"Nein! Ich will nicht zu ihm! Bitte, ich will bei dir bleiben, Mommy!" beschwerte sie sich panisch.
Tränen sammelten sich in ihren kastanienbraunen Sehorganen.
Ein warmes, kindliches, süßes Antlitz, verbarg sich in ihrem Kostüm.
Gliedmaßen schlagen sich besitzergreifend um den Leib der alterlosen Schönheit.
"Wohin gehen wir? ... Ich will nicht weg! Ich mag Dakara nicht mehr! Und Papa auch nicht! Nein!" legte sie nun schluchzend und mit immer lauter werdendem Tonfall nach.
Trotzig und erschreckt, krallte sie sich an der brünetten Bezugsperson fest.
Ihr Gefühlsausbruch wurde langsam immer heftiger.
Der Werwolf und die Agentin blieben stumm und verfolgten, ohne sich einzumischen, geduldig das Geschehen, hingegen der Erfinder betroffen und als hätte man ihm soeben einen Pfahl durch die Brust gebohrt dreinblickte.
Erst als die Adoptierte zu der Ursprungsblut-Trägerin hochsah, bemerkte sie, dass diese -wie die anderen auch, einen Splitter eines leuchtend grünen Steins, an einer Kette um den Hals trug.
"Schätzchen, bitte! Wir wollen dir doch alle nur helfen. Aber damit wir das können, brauchen wir Dakaras Hilfe. Du möchtest doch auch, dass dich die böse Frau ein für alle mal in Ruhe lässt und dass es dir wieder besser geht, oder?"
Dicke Krokodilstränen flossen der Schwarzhaarigen ungehalten über die Wange.
Sie nickte mit zitternder Unterlippe und roten Augen.
Die Erwachsene strich ihr tröstlich über den Rücken.
"Dann tu bitte, worum ich dich gebeten habe, ja? Wir gehen jetzt nach Rom. Das ist eine große Stadt in Italien. Dort werden wir die böse Frau suchen und sie dazu bringen, dich gehen zu lassen." vertraute sie der Heranwachsenden ehrlich an.
Mütterlich hauchte ihr die Oxford-Absolventin einen Kuss auf den Scheitel.
Glasige Murmeln bohrten sich, das Ganze noch nicht so recht begreifen könnend, bang und schwer schluckend, in smaragdgrüne.
"Du brauchst keine Angst zu haben. Henry, Kate, dein Vater und ich,  sind die ganze Zeit über bei dir. Dir wird nichts geschehen, mein Engel." versicherte ihr die globale Netzwerks-Führerin.
Sie gab dem Unsterblichen ein Zeichen, welcher augenblicklich aus seiner Starre erwachte und an beide heran trat.
Da es Helen war, die Irisa unbedingt tot sehen wollte (und er nicht) und die Situation nach wie vor, trotz Aris Zustand, den müde machenden Medikamenten und den angefertigten Malachit-Halsketten, gefährlich war, entschied sich der Mann mit dem elfenbeinfarbenen Teint und den maskulinen Zügen dafür, das ferngesteuerte Mädchen an sich zu nehmen und es zu halten.
Er wollte kein Risiko eingehen und seine Herzdame, im Notfall, vor einem weiteren Verletzungs- bzw. Mordversuch bewahren.
Sollte es während der Teleportation doch zu Komplikationen kommen, hatte Magnus ja, zu ihrer eigenen Sicherheit, noch das starke Sedativum, in Spritzenform einstecken.
Ausserdem trug das junge Technik-Ass, auf ausdrücklichen Geheiß des Serben hin, eine seiner selbstentwickelnden Betäubungswaffen bei sich.
Wobei alle hofften, dass das folgende Vorhaben reibungslos von Statten gehen würde.

"Sei brav und geh zu Dad, ja? Ich bin direkt hinter dir!" murmelte die Kryptozoologin.
Widerwillig und mit einem letzten, aufgebenden Laut, löste sich die Vierjährige von ihr.
Sie beobachtete unzufrieden, wie sich ihr derzeitiger Lieblingselternteil von ihr entfernte und sich neben Foss und Freelander stellte.
Der bevorzugt Wein trinkende Herr mit den pechschwarzen, abstehenden Haaren, starrte voller Liebe und einer eisernen Entschlossenheit, erwartungsvoll zu ihr hinunter.
Ohne ihn anzusehen, streckte der Winzling seine Arme nach ihm aus.
Behutsam hob er sie vom Bett hoch und setzte sie auf seine Hüfte.
Kraftlos lehnte sie sich gegen ihn und hielt sich mit ihren Fingern an seinem Hemd fest.
Obwohl die Kleine noch immer sauer auf ihren Vormund war, genoss sie seine beruhigende Nähe.
Sie schmiegte sich automatisch an seine Brust.
Das Atmen fiel ihr nun leichter.
Auch das Fieber und ihre Schmerzen, vergaß sie für einen kostbaren Augenblick lang, als ihr sein vertrauter Geruch um die Nase wehte.
Insgeheim liebte es Ari, wenn sie sich in seinen starken Armen befand.
Es gab ihr seit jeher das Gefühl,  dass sie geborgen und in Sicherheit war.
Sie glaubte fest daran, dass ihr in diesem wunderbaren Moment, niemand etwas antun könnte.
Irgendwo, tief in ihr drin, wusste das Kleinkind, dass sie dieser Mann aus tiefstem Herzen liebte, nur das Beste für sie wollte und alles für sie tun würde.
Unabhängig von dem chaotischen, letzten Zwischenfall, der ihr Vertrauen zu ihm auf eine harte Probe stellte und sie immernoch hadern ließ, war Nikola Tesla ihr Beschützer und sie seine kleine Prinzessin.
So war es und so würde es immer sein...


"Süße? Hey, Mäuschen?"
Abwesend, mit fast gänzlich geschlossenen Lidern, tränenfeuchten Wangen und immer weiter in einen tiefen Erschöpfungsschlaf fallend, registrierte die kleine Evastochter, wie ihr jemand vorsichtig und beunruhigt, eine ihrer Haarsträhnen hinters Ohr strich.
Stöhnend und von dunklen Augenringen gezeichnet, beäugte sie der Ältere besorgt.
Er wollte gerade zu einem Satz ansetzen, da flüsterte der Liebling leise etwas in sein Hemd.
"Dakara... kommt. Ich hab sie schon gerufen... Daddy, ich will jetzt schlafen! Bitte, ... ich... bin... so..."
Abrupt erschlafften ihre Muskeln.
Ihr Kopf fiel vornüber und landete auf seiner Schulter.
Kraftvoll leuchtende Amethyste, fixierten ihn jetzt aus dunklen Höhlen heraus und schauten dann gespannt in die Runde.
"Heilige Scheiße!" entfuhr es der Inderin.
Dem Comicfan fiel vor Staunen die Kinnlade herunter.
Beide hatten den Lichtbringer noch nie in Aktion erlebt bzw. waren durch die lilafarbene Iris und die nun erwachsenklingende, helle, weibliche Stimme, vollkommen überwältigt.
"Nikola! Helen! Seid ihr fertig? Wer sind die Zwei hier? Soll das ganze Gepäck und die vielen Apparate etwa auch mit?" begann Dakara pragmatisch und blickte zu dem Klavierspieler hoch.
Ein unmissverständliches Nicken folgte.
"Ja. Wenn du das hinkriegst, wäre das wirklich toll. Wir brauchen das Zeug leider. Ach, beachte die Zwei nicht weiter. Das sind nur...", sprach der temperamentvolle Adamssohn drauf los.
"Nikola!" unterbrach ihn die Biologin hart.
Ein ansteckendes Kichern drang aus der Kehle des Wirtskörpers.
"Das sind Henry Foss und Kate Freelander. Sie gehören zu meinem Team und unterstützen uns bei unserem Vorhaben."
Mit einem dicken Schmunzeln im Gesicht, drehte sich die Frau zu ihren verdutzten Mitarbeitern um.
"Henry, Kate, das ist Dakara." stellte sie die Anwesenden einander vor.
Tesla rollte nur ungeduldig mit den Augen.
"Freut mich, euch kennen zu lernen." übermittelte ihnen die Abnorme telepathisch und lächelte freundlich.
Verwirrt sahen sich der HAP und die Dunkelhaarige zeitgleich an.
"H... Hast d... du das a... auch gehört?" stotterte der eine.
"G... Glaube s... schon!" antwortete die andere.
Der 159-Jährige schüttelte nur wortlos mit dem Kopf.
"Telepathie ist cool, oder? Wir habens verstanden. Jetzt können wir doch die Höflichkeitsfloskeln überspringen und zum wesentlichen kommen, oder? Immerhin müssen wir nach Rom und Ari retten!" wandte er mit theatralischem Ausdruck ein.
Die Gleichaltrige seufzte schwerfällig.

"Gut. Ich werde euch alle umgehend dort hinbringen. Nikola, du musst zu den anderen gehen. Ihr müsst eure Sachen eng zusammen stellen und euch an den Händen halten. Stell dir den Ort, wo ihr genau hinwollt, in allen Einzelheiten vor. Konzentrier dich und versuche, an nichts anderes zu denken. Meinst du, du schaffst das?"
Das Genie nickte und tat, wie ihm aufgetragen wurde.
Ebenso die Mitreisenden.
"Bin bereit, kann losgehen!" kam es von dem Nobelpreisträger.
"Oh Gott! Hoffentlich wird einem nicht davon schlecht. Ich habe 'nen sehr empfindlichen Magen und...", sprudelte es nervös aus dem Computerfreak hervor.
"Sei keine Memme! Schlimmer, als Achterbahn fahren wird's wohl nicht sein, ... oder?" machte sich seine Kollegin, welcher ebenfalls mulmig zumute war, Mut.
Die Abnormen-Beschützerin mit dem nussbraunen, langen Haar grinste.
"Schnauze, ihr Angsthasen!" knurrte Tesla genervt, bevor er konzentriert mit Dakara die Augen schloss und sich sein Ziel bildlich vorstellte.
Im nächsten Augenblick, löste sich das Sanctuary-Team mitsamt ihrem Hab und Gut in Luft auf und verschwand wie durch Zauberei aus dem gigantischen Gebäudekomplex.
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