Überraschung zum Geburtstag

von shadow37
GeschichteFreundschaft / P12
Thomas Sabo Ice Tigers
08.05.2015
28.05.2015
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An nächsten Tag klärte mich Axel dann über meine weiteren Trainingseinheiten auf.
„Von heut ab läuft es so ab, dass Du an einem Tag nur die Übungen in der MTT machst und am anderen Tag läufst Du draussen um den Platz und machst eine die abgeschwächte Version des Plans.“
„Läufst Du dann jeden zweiten Tag mit mir mit? Alleine laufen ist blöd!“ beschwerte ich mich.
„Nein, ich nicht. Aber dafür hab ich auch schon ne Lösung. Lass Dich überraschen morgen!“ grinste er mich an und war verschwunden.
So machte ich mich auf, ging zu Marc auf die Liege, anschliessend in die MTT und genoss danach noch die Fangopackung und den Reizstrom. Immer wieder überlegte ich, wer denn mein Laufpartner werden sollte. Ich war sehr gespannt auf den nächsten Tag.
Am nächsten Tag war ich schon etwas hibbelig, wer mich nun auf den Laufrunden begleiten sollte. Als ich Marc danach fragte, meinte der nur, ich soll mich nach der Behandlung umziehen, schon mal auf den Platz gehen und mit dem Dehnen beginnen. Also tat ich wie mir geheißen und stand auf dem Platz.
„Hey! Ich glaub, ich soll mit Dir laufen!“ vernahm ich eine Stimme. Als ich mich in die entsprechende Richtung drehte, erkannte ich nicht, wer da ankam, weil ich so von der Sonne geblendet wurde.
Als die Person dann vor mir stehen blieb, konnte ich nur staunen und war unfähig mich zu bewegen oder irgendwas zu sagen.
Vor mir stand Butschi. „So, nun mal den Mund zu und los geht’s.“ grinste er. Langsam trabte er von mir weg. Als ich mich endlich aus meiner Schockstarre lösen konnte, war er schon fast ne halbe Runde gelaufen. Zügig holte ich auf und passte mich seiner Laufgeschwindigkeit an. Ich war mir allerdings sicher, dass das nicht die Geschwindigkeit war, mit welcher ein Leistungssportler joggen würde. Aber mir sollte es egal sein. Ich war froh, dass es langsam war.
Irgendwann meinte Patrick, dass es nun genug ist, blieb stehen und fing mit den Dehnübungen an. Ich folgte seinem Beispiel. War allerdings immer noch nicht in der Lage zu sprechen.
„Na, was sagste zu Deinem Laufpartner?“ fragte Axel, als er wie aus dem nichts neben mir stand.
„Bis jetzt hat sie keinen Ton gesagt!“ grinste Butschi.
„Ihr habt das abgesprochen? Wieso mit ihm? Dafür bin ich doch viel zu langsam!“ fragend blickte ich zwischen beiden hin und her.
„Sicher war das abgesprochen. Und nein, Du bist nicht zu langsam. Butschi darf zwar laufen, aber es erschüttert ja auch die Schulter und von daher darf er noch nicht so schnell. Ich denke, das jetzige Tempo passt ganz gut. Und bis er schneller laufen darf, bist Du dann auch wieder so weit.“ Erklärte mir Axel. „Und da ihr beide nicht alleine laufen wollt, fand ich das die beste Lösung.“
Und so liefen Patrick und ich jeden zweiten Tag miteinander. Es traf auch ein, was Axel gesagt hatte. Als Patrick wieder schneller laufen durfte, war meine Kondition schon um einiges besser. Es machte sogar richtig Spaß zu laufen. Mittlerweile gingen Patrick und ich auch schon mal nen Kaffee trinken oder auch mal was Essen.
Eines Tages, Mitte Juli, es war wieder mal ein Lauftag, kam Patrick auf den Platz und ich merkte, dass sein Lächeln anders war als sonst. Irgendwie gequält oder erzwungen. Als ich ihn danach fragte, sagte er nichts, sondern lief einfach los. Wir hatten nach dem letzten Laufen beschlossen, dass wir an diesem Tag nicht um den Platz, sondern im angrenzenden Wald joggen wollten. Als wir so dahinliefen, merkte ich, dass Patrick nicht bei der Sache war. Immer wieder stolperte er. So packte ich ihn am Handgelenk und zog ihn Richtung Bank, an welcher wir schon öfters mal Pause gemacht hatte. Überrascht sah er mich an.
„Was ist los mit Dir heut?“ wollte ich wissen.
„Nix!“
„Raus mit der Sprache!“
„Du gibst keine Ruhe oder?“
Ich schüttelte nur den Kopf und sah ihn fragend an.
„Es ist ja so, dass die Saisonvorbereitung wieder anfängt. Das heißt, heut ist unser letztes gemeinsames Laufen. Danach bin ich ja wieder voll mit dem Training vom Team beschäftigt. Da hab ich dann keine Zeit mehr um noch mit Dir hier zu laufen.“
Dabei blickte er zu Boden und wagte es nicht mich anzusehen. An das hatte ich ja gar nicht mehr gedacht, vielleicht wollte ich auch nicht. Ich hatte mich so an das Laufen mit ihm gewöhnt und es machte auch ziemlich viel Spaß.
„Aber des doch gut, wenn das Teamtraining wieder anfängt. Du warst doch eh schon so hibbelig und hast das Eis so vermisst. Freu Dich doch! Und Du bist auch wieder voll hergestellt. Deine Schulter macht keine Probleme und Du kannst wieder voll angreifen!“ versuchte ich ihn aufzubauen.
„Und was ist mit uns?“ schüchtern sah er mich an.
„Was soll mit uns sein?“
„Naja, es macht immer so nen Spaß. Und jetzt kann ich Dir auch nicht mehr helfen, richtig fit zu werden. Mir wird das ganz schön fehlen!“ sagte er traurig.
„Ja, mir wird es auch fehlen. Aber keine Angst, ich werd weiter machen, denn schliesslich meinte Axel ja, wenn ich so weiter trainiere, dann könnte ich ja fast bei Euch mittrainieren. Ausserdem können wir uns ja auch mal so zu nem Kaffee oder so treffen. Es fällt nur das Laufen weg. Aber Du wirst auch so genug Auslastung haben.“ Grinste ich.
„Meinst Du das ernst?“
„Was?“
„Naja, des mit dem Treffen? Du bist so ne gute Freundin mittlerweile, weißt so ziemlich alles von mir und erträgst meinen Launen. Also ich würde mich freuen, wenn wir uns weiterhin sehen.“
„Patrick, wir werden uns auf jeden Fall sehen. Du weißt doch, wo ich in der Arena stehe. Und da werd ich jedes Heimspiel sein. Und das mit dem so mal Treffen, mein ich durchaus ernst! Du weißt ja auch fast alles von mir, hast mich immer wieder motiviert und gepusht, wenn ich nicht mehr wollte. Ich würde mich freuen, wenn wir auch weiterhin Kontakt haben. Und sei es nur, wenn Du mal reden willst oder Dich über Deine Kameraden beschweren. Egal wann, Du kannst mich jederzeit anrufen und dann sehen wir ja, ob wir uns treffen können oder einfach nur telefonieren. Und jetzt sei nicht so traurig.“ Vorsichtig nahm ich ihn in den Arm. Auch er schloss seine Arme um mich und drückte mich.
„So werden wir es machen.“

Zwei Tage später kam ich nicht ganz so motiviert aus der Umkleide in Zentrum. Axel schien schon auf mich gewartet zu haben.
„Hey! Was ist los? Keine Lust heut oder was?“
Überrascht blickte ich auf. „Nee, nicht wirklich. Mir fehlt was!“
„Was fehlt Dir denn? Geht’s dem Knie nicht gut oder was?“ fragte er.
„Nee, dem geht’s gut. Und auch sonst ist körperlich alles in Ordnung. Aber Butschi ist nicht mehr da. Und jetzt muss ich alleine laufen. Des ist doch blöd. Ich hab mich schon so an meinen Trainingspartner gewöhnt. Aber vielleicht wird es nach ein paar Laufeinheiten nicht mehr so schlimm sein, wenn ich alleine bin.“ Entgegnete ich ihm enttäuscht.
„Kann ich verstehen, aber es bringt nichts. Du bzw. Dein Knie ist halt leider noch nicht so weit, dass wir es ohne Behandlung lassen können. Ausserdem hast Du doch noch ein Ziel!“ grinste er und verschwand.
Ich hatte keine Ahnung, was er meinte und begab mich wieder zur Strecke im Wald um zu laufen.  Immer wieder kam mir der letzte Satz von Axel in den Sinn. `Was meinte er nur damit?`
Es vergingen zwei Wochen und schön langsam gewöhnt ich mich an das Laufen alleine. Spaß machte es immer noch nicht, aber es war nicht mehr ganz so schlimm. Ich freute mich schon auf die neue Saison der Tigers und war schon gespannt, wie das neue Team funktionierte. Wie vorausgeahnt hatte Patrick nicht mehr viel Zeit oder war viel unterwegs. Aber dennoch ließ er es sich nicht nehmen, dass wir so alle zwei bis drei Tage mal telefonierten, oder wenn er in Nürnberg war, gingen wir mal essen. Er war aufgeregt wie ein kleiner Junge vorm ersten Schultag und konnte es schon gar nicht mehr erwarten endlich beim ersten Saisonspiel auf dem Eis zu stehen.
Axel fragte mich immer wieder, ob ich denn an meinem Geburtstag Zeit hätte und dass ich mir da ja nichts vornehmen sollte. Er hätte eine Überraschung für mich und es wäre auch ein Test fürs Knie. Aber je öfters ich nachfragte, desto mehr grinste er nur und meinte „Lass Dich überraschen!“