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Grog Effect

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / FemSlash
Commander Shepard Der Unbekannte Samantha Traynor
08.05.2015
15.07.2018
51
125.366
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08.05.2015 1.956
 
Ahoi, liebe Leser!

Ihr habt es angeklickt. Das freut mich schon mal sehr. Ich weiß es ist ein gewagtes Experiment. Aber es spukt mir seit Monaten im Kopf herum. Um genau zu sein, seit ich das hier gesehen habe: http://fishbone76.deviantart.com/art/Pirate-Sammy-504082290
Vielleicht kennt ihr die liebe fishbone76, auch liebevoll Captain fishy genannt, ja schon. Wenn ihr wollt, könnt ihr ja meinen Kommentar zu dem Bild suchen. Er ist recht leicht zu finden. Dort erfahrt ihr auch schon ein paar Eckpunkte der Story. Eins muss ich allerdings noch vorab sagen:
Da wir hier im 18. Jahrhundert sind, kann ich schlecht Aliens auftreten lassen. Deshalb sind alle Charaktere, die im Original keine Menschen sind hier Menschen.  Ich habe schon ein paar gute Bilder gesehen, wie das aussehen könnte. Wenn ich sie finde, verlinke ich sie euch. Ihr könnt das aber auch gern ausblenden und sie euch einfach wie im Original vorstellen. Für die Story ist das Aussehen nicht wirklich relevant. Behaltet einfach im Hinterkopf, dass alle nur das können, was Menschen eben können.
So damit ist alles gesagt und jetzt kann es losgehen. Ich wünsche euch viel Spaß!
Euer
Drachenritter


Sam saß am Stand und blickte in die Ferne. Es war Mittag und die Sonne stand direkt über dem Horizont. Sie lauschte den Wellen und den Möwen, genoss den salzigen Geruch und träumte vor sich hin. Wie so oft stellte sie sich vor, wie große stolze Schiffe vorbeikamen, beladen mit Gold, Edelsteinen und exotischen Waren. Sie stellte sich vor, wie der Kapitän Befehle rief, Matrosen ihrer Arbeit nachgingen, auf dem Mast Wachposten die See im Auge hatten, immer auf der Hut vor Stürmen und Piraten.
Piraten! Die Schrecken dieser Inselwelt. Hier an der Südküste Hispaniolas ließen sie sich zum Glück so gut wie nie blicken. Im Norden waren sie aktiver. Sam fand es schade, dass sie wohl nie einen Piraten mit eigenen Augen sehen würde. Sie wusste zwar dass das töricht war und dass sie froh sein sollte, diesen wilden Gesellen nie zu begegnen, gerade als Frau. Doch sie konnte nicht anders; Sie bewunderte die Piraten für ihren Mut und ihr freies Leben. Sie gehorchten niemandem außer ihrem Kapitän. Keinem König, keinem Priester, keinem Gouverneur.
Sie wusste selbst, dass das die naiven Träumereien einer achtzehnjährigen Mestize waren und die Wirklichkeit brutaler und grausamer war. Dennoch, Träume waren ihre Sache, und das konnte ihr niemand nehmen. Viel Freizeit hatte sie ja nicht und da träumte sie sich gerne an andere Orte. Solange niemand sie hier fand, hatte sie hier ihre Ruhe. Und es gab nur eine Person, die wusste, dass sie sich gerne hierher zurückzog. Doch plötzlich hörte sie genau deren Stimme rufen: „Samantha! Ich weiß du bist wieder hier! Dein Vater braucht dich!“
„Ich komme, Mum!“ Da half wohl alles nichts. Zurück an die Arbeit. Also stand sie auf, warf einen letzten Blick auf den Horizont und gang dann zurück ins Dorf.


Pentcost war eine kleine und unbedeutende, aber friedliche britische Kolonie auf Hispaniola  oder Haiti wie die Eingeborenen die Insel nannten. Ruhig und idyllisch. Und wenig aufregend. Der Alltag war eher eintönig: Arbeit, Familie, Freunde, der sonntägliche Gang in die Kirche, hin und wieder ein Fest. Aber man lebte hier in Frieden und hatte alles was man brauchte. Samantha wollte sich nicht beklagen.
Sie betrat den Laden ihrer Familie. Ihr Vater war der Schneider. Und als solcher ein beliebter Mann im Dorf. Auch wenn er manchmal etwas mürrisch war. Vor allem wenn es um seine Arbeit ging. Die nahm er sehr ernst.
„Ah Samantha, wo hast du wieder gesteckt?“, begrüßte er seine Tochter.
„Tut mir leid, Dad. Ich wusste nicht, dass du mich heute brauchst.“
„Tue ich aber. Master Black braucht einen Sonntagsanzug für die Hochzeit seiner Tochter. Apropos, wird Zeit, dass wir dich unter die Haube bekommen.“
„Vater, bitte! Nicht schon wieder!“ Sie hasste dieses Thema.
„Was denn?“, meinte ihr Vater. Du bist mittlerweile zur Frau herangereift und deine Mutter und ich, wir werden auch nicht jünger. Wir wollen, dass du versorgt bist. Ist das denn so schlimm?“ Samantha unterdrückte ein weiteres seufzen und entgegnete nur: „Nein, Vater. Ich mache mir mich an die Arbeit.“
„Ist recht.“
Ein Glück. Das Thema war beendet. Nicht, dass Samantha ihren Vater nicht verstand, aber sie wollte nicht heiraten. Die Wahrheit war, sie empfand nichts für Männer. Sie zog die Gesellschaft von Frauen vor. Ein Geheimnis, das sie streng für sich behielt. Der Pfarrer hatte oft genug gepredigt, was für eine schlimme Sünde das sei und auch für ihren Vater würde eine Welt zusammenbrechen, sollte er es jemals erfahren. Die einzigen, die es wussten waren ihre Mutter, vor der sie noch nie etwas hatte verheimlichen können und ein Mädchen aus der Nachbarschaft, mit dem sie ihre ersten Erfahrungen gemacht hatte.
Dieses Mädchen war aber inzwischen vermählt und verlor nie mehr ein Wort darüber. Sam war darüber sehr enttäuscht gewesen, dass ihre Freundin sich so sehr selbst verleugnet hatte. Aber andererseits, was war ihr auch anderes übrig geblieben. Samantha fürchtete, dass sie selbst nicht drum herum kommen würde einen jungen Mann aus dem Dorf zu heiraten. Ihre Mutter, die als Eingeborene weniger Wert auf solche Konventionen legte, gab ihr zwar Rückendeckung, aber auf Dauer würde sie es auch nicht verhindern können. Aber es brachte nichts, sich jetzt schon Sorgen zu machen und so konzentrierte sie sich auf ihre Arbeit.

Der Nachmittag verlief ereignislos. Samantha machte ihre Arbeit bis es Abendessen gab: frischen gedünsteten Fisch. Ihre Mutter war eine meisterhafte Köchin. Nach dem Essen richtete ihr Vater das Wort an sie: „Wo hast du dich heute Mittag eigentlich schon wieder versteckt? An deinem Schlupfwinkel am Strand?“
Samantha sagte nichts. Ihre Mutter bat: „Michael, bitte! Sie ist jung. Sie hat das recht zu träumen.“ „Natürlich hat sie das“, räumte ihr Mann ein. „Aber das Leben hier ist hart und arbeitsreich. Träume sind etwas schönes, aber sie dürfen nie mehr Raum einnehmen als die tägliche Pflicht.“
„Das tun sie doch auch nicht. Aber unsere Tochter ist noch oft und lange genug erwachsen. Lass sie doch träumen, solange sie es noch kann. Gönn ihr doch ihren Spaß!“ Dabei sah sie Michael Traynor mit einem Blick an, dem dieser früher schon nicht hatte standhalten können.
Dieser sah dementsprechend weg und sagte: „Ich gönne unserer Tochter so ziemlich alles, glaub mir, aber als ihr Vater muss ich auch an ihre Zukunft denken.“
„Du kommst jetzt aber nicht schon wieder mit dem Thema heiraten, oder?“, versuchte seine Frau, die Ansprache im Keim zu ersticken.
„Warum nicht? Die meisten Mädchen in ihrem Alter sind längst verheiratet.“
„Die haben aber entweder den richtigen gefunden, oder hatten grausame Eltern.“
Samantha kam sich in der Diskussion überflüssig vor und ging in ihr Zimmer. Sie setzte sich auf ihr Bett und dachte nach.
In letzter Zeit häuften sich diese Diskussionen. Lange würden sie und ihre Mutter ihren Vater nicht mehr hinhalten können. Sollte sie es ihm einfach gestehen? Das konnte sie nicht. Sie hatte Angst vor seiner Reaktion. Außerdem konnte sie ihm das nicht antun. Sie liebte ihren Vater doch. Und er war ja auch ein liebevoller Vater. Nur etwas überbesorgt.
Die Stimmen unten waren verstummt, dafür hörte Samantha die Schritte ihrer Mutter, die auch sofort ins Zimmer kam. „Mir geht es gut, Mum“, sagte sie, doch ihre Mutter ging einfach auf sie zu und nahm sie in die Arme. Sie wusste immer, was ihre Tochter bedrückte.
„Mein armes Kleines“, wisperte sie. „Denke nicht zu schlecht von deinem Vater. Er sorgt sich nur.“
„Ich weiß“, antwortete sie. „Ich weiß nur nicht, was ich machen soll, ohne ihn unendlich zu enttäuschen.“
„Wir finden eine Lösung. Was habe ich früher immer gesagt?“
„Das Herz kann Wunder bewirken, an die der Kopf nicht denken kann“, gab ihre Tochter wieder. Als Kind hatte ihre Mutter ihr das immer wieder gesagt. „Ich hoffe du hast recht, Mum.“
„Hab Vertrauen. Alles findet sich. Du solltest bald schlafen gehen. Morgen wird wieder ein harter Tag.“
„Ich mache noch kurz einen Spaziergang“, sagte Samantha.
Ihre Mutter lächelte. „Na schön, aber nicht zu lange. Und sei bitte leise, wenn du wiederkommst. Wir schlafen dann wahrscheinlich schon“, grinste sie.
„Danke, Mum“, antwortete die jüngere und ging los. Aus dem Haus, durch das Dorf und wieder zum Strand. Dort setzte sie sich wieder in den Sand und träumte wieder vor sich hin.
Sie stellte sich vor am Bug eines Schiffes zu stehen, die Augen auf den Horizont gerichtet, den Wind in den Haaren. Sie träumte wie eine starke aber doch zierliche Schönheit von hinten die Arme um sie schlang. Sie drehte sich um und gab der schönen einen zärtlichen Kuss. Samantha schloss bei dieser Vorstellung genießerisch die Augen. Doch diesen Traum träumte sie besser in ihrem Bett zu ende und so stand sie auf und wollte wieder ins Dorf gehen.
Doch plötzlich sah sie eine dichte Rauchsäule von Pentcost aufsteigen, im Mondlicht schön zu sehen. Der Eindruck wich jedoch blankem Entsetzen, als sie merkte, was das bedeuten musste. Pentcost brannte!
So schnelle ihre Beine sie trugen, rannte Samantha zurück. Ihr Herz raste, ihr Atem ging stoßweise, doch sie lief weiter. Als sie in Sichtweite des Dorfplatzes kam, weiteten sich ihre Augen.
Fremde Männer mit Waffen und Uniformen steckten mit Fackeln die Häuser an und trieben die Dorfbewohner zusammen. Samantha versteckte sich in einem Busch und beobachtete das Geschehen.
Die Soldaten, die hier offenbar das Dorf überfielen, trugen gelbe Uniformen mit roten Akzenten. Waren sie etwa Spanier? Da trat einer in einer besonders prächtigen Uniform hervor, offenbar der Anführer. Sein Gesicht war für Samantha im Schatten nicht zu sehen, aber seine Stimme klang tief und düster, wie aus einem Grab. Der Mann rief den Soldaten Befehle zu: "Más rápido! Capturad esas creaturas ingleses! El señor necesita el mayór número de esclavos possible! Atrad los y volvemos al nave! Rápidamente!“
„Sí, señor!“ rief einer der Männer und der Trupp machte sich ans Werk, sämtliche Bewohner von Pentcost als Gefangene mit sich führend.
Es waren also tatsächlich Spanier. Samantha hatte nicht verstanden, was der Anführer befohlen hatte, sie sah nur wie der Trupp sich in Bewegung setzte. Die Soldaten und zwischen ihnen Männer, Frauen, selbst die Ältesten und die Kinder. Und dann konnte sie nur mit Mühe einen Aufschrei unterdrücken, als sie auch ihre Eltern in der traurigen Prozession ausmachte. Sie wollte zu ihnen eilen, ihnen helfen, aber sie konnte sich nicht rühren. Die Furcht lähmte sie. Furcht um ihre Eltern, die Dorfbewohner. Aber auch um sich selbst. Furcht entdeckt zu werden. Selbst verschleppt, oder gar getötet zu werden. So sah sie nur ängstlich zu, wie die Menschenmenge im Urwald verschwand.
Offenbar waren die Spanier mit einem Schiff in einer benachbarten Bucht vor Anker gegangen und hatten die Dorfbewohner in der Dunkelheit aus dem Wald heraus überrascht. Sie hatten keine Zeit gehabt, sich zu wehren oder zu fliehen. Wären die Angreifer direkt am Strand beim Dorf an Land gegangen, hätte man sie rechtzeitig ausgemacht.
Tränen lagen in Samanthas Augen, als alle außer Sicht waren und die Gebäude des Dorfes herunterbrannten. Sie lief in ihrer Verzweiflung und Ratlosigkeit zurück zum Strand. Dass sie vor Erschöpfung kaum noch laufen konnte, nahm sie gar nicht mehr wirklich wahr. Sie nahm nur noch eine bedrückende Leere wahr, ließ sich in den Sand fallen und schluchzte, weinte und schrie ihren Schmerz hinaus. Den Schmerz ihr Zuhause verloren zu haben. Ihre Familie verloren zu haben. Sie wusste, sie würde ihre Eltern und ihre Freunde wohl nie mehr wieder sehen.

Anmerkungen:
Mestize: Bezeichnung für das Kind eines Europäers und einer amerikanischen Ureinwohnerin
Spanische Textpassage: Für diejenigen unter euch, die kein spanisch können, werden solche Passagen in Zukunft übersetzt. Da Samantha aber auch kein Spanisch kann, halte ich es für passender, diesmal nichts zu übersetzen.
Danke für's lesen und ich hoffe ihr bleibt mir gewogen.
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