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Krabat untold (Eine Krabatgeschichte ohne Krabat)

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Herr Gevatter Juro Meister Punphutt
04.05.2015
10.05.2015
20
26.311
 
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04.05.2015 881
 
Wir müssen unseren Nächsten lieben- entweder weil er gut ist, oder damit er gut werde.
-Augustinus Aurelius-





Bald danach hatten die Träume begonnen, die Stimme, das Gefühl beobachtet zu werden.
Und als Mascha in einer stürmischen Spätwinternacht mit ihrer Näharbeit am Feuer saß, klopfte es energisch an ihrer Tür. Mascha seufzte, denn sie hatte gerade zu Bett gehen wollen. Ausgerechnet jetzt kam dieser Hundesohn! Nach Jahren der Vorbereitung auf diesen Augenblick würden sie aufeinander treffen, wenn sie todmüde war.
Ihr Hund draußen hatte nicht angeschlagen. Es war mehr als eindeutig, wer ihr später Besucher war. Sie erhob sich und ging zur Tür.
„Wer dort?“ fragte sie, obwohl sie sich die Frage gern gespart hätte und zum Wesentlichen gekommen wäre.“
„Sergeant der Kurfürstlichen Armee im Auftrag des Kommandanten Generalfeldmarschall von Flemming. Öffnet die Tür!“

Warum noch Spielchen spielen? Aber gut, auch das konnte er haben. Pumphutt hätte daran auch seine Freude gehabt.
Sie öffnete die Tür einen Spalt. Davor stand tatsächlich ein Sergeant der Kurfürstlichen Armee, jung, schneidig und den Hut tief im Gesicht, so dass Mascha davon nicht viel erkennen konnte.
„Was gibt es, Sergeant?“ fragte sie.
„Hebamme Mascha?“
„Die bin ich.“
„Folge Sie mir unverzüglich zum Heerlager.“
„Warum?“
„Wagt Sie Widerstand zu leisten?!“
„Aber nein, Sergeant“, erwiderte sie. Der Drang in ihr, dem Mann nach draußen zu folgen, war unbändig. „Wie könnte ich mich einem Befehl widersetzen? Ich wollte nur wissen, wer in der Kurfürstlichen Armee meine Dienste benötigt. Ich nehme doch an, dass es sich um eine Niederkunft handelt.“
„Natürlich. Nicht im Heer, versteht sich. Eine der Marketenderinnen hat Schwierigkeiten, sagen die Weiber.“
„Aha... kein Soldat also. Humor hat Er also auch“, antwortete Mascha ehrlich amüsiert,
„und er weiß, dass die Frauen die Kinder bekommen, das ist von Vorteil. Doch warum dieser Aufzug?“

„Ich fordere dich letztmalig auf, mir zu folgen!“
Mascha setzte dem Gefühl, das ihr die Luft abzuschnüren schien, all ihre Kraft entgegen, so dass auch ihr Gegenüber nach Atem zu ringen schien und plötzlich von ihr ab ließ.
„Und jetzt zeig mir dein wirkliches Gesicht“, keuchte sie, „sollst ja ziemlich hässlich sein.“
Wütend starrte der Sergeant sie an.
„Es war zugegeben ein zuvorkommender Zug von dir, mich in der Gestalt eines wohl geratenen jungen Offiziers aufzusuchen. Doch sorge dich nicht, ich bin auf alles vorbereitet.“
Einen Augenblick später stand die dunkle Gestalt des Müllers vor ihr. Sie trat vor ihn und sah ihm ins Gesicht. Er war bleich, unrasiert, strähniges dunkles Haar hing ihm bis zum Kinn.
„Oi, du bist aber wirklich ein hässlicher Vogel, Müller im Koselbruch!“
Er spuckte verächtlich aus.
Mascha verschränkte die Arme vor der Brust.
„Ich nehme nicht an, dass du nur gekommen bist, um mir die Türschwelle voll zu aulen.“
„Nein“, brachte er gepresst hervor, „ich bin gekommen, um dich mitzunehmen auf die Mühle. Du wirst mit mir kommen und mir gehorchen.“
Ihre Glieder wurden schwer, sie war wie hypnotisiert. Um ein Haar wäre sie aus der Tür getaumelt.
„Und dann?“, fragte sie hastig.
„Wie und dann?“
„Was passiert mit mir in deiner Mühle?“
„Du wirst tun was ich dir sage.“
„Ach ja, natürlich. Du wirst mich dir untertan machen und meine Kräfte für dunkle Machenschaften ausnutzen. Aber daraus wird nichts, Müller!“
„Es soll dein Schaden nicht sein. Überlege dir, was wir gemeinsam bewirken könnten.“
„Quasi die Geschicke der Welt lenken“, fauchte Mascha angewidert.
„Etwas in der Art.“ Der Müller nickte.
Mascha erhob wieder ihre Hände, bereit für einen Abwehrzauber.
„Ich werde nicht mit dir gehen und du wirst inzwischen gemerkt haben, dass du mich nicht dazu zwingen kannst.“
Er lachte verächtlich und setze dann mit boshaftem Lächeln hinzu: „Ich würde gut zu dir sein, denn du bist mir fast ebenbürtig. Du würdest an meiner Seite all deine Macht ausüben können und Dinge tun, von denen du jetzt nicht einmal träumst.“
Mascha betrachtete ihn im Schein des Feuers, der durch die geöffnete Tür ins Freie fiel.
Sein Auge schien zu glitzern vor Bosheit.
„Du suchst also jemanden, der dir die Hosen wäscht und zu deinen Füßen den Boden scheuert“, entgegnete sie spöttisch. „Was rede ich - so jemanden hast du wahrscheinlich schon. Du willst mich also für eine andere Drecksarbeit.“
„Ich gebe dir eine Woche Bedenkzeit. Und ich rate dir, mich dir nicht zum Feind zu machen.“
Damit wollte er sich umdrehen und verschwinden.

„Halt Müllscher!“ rief Mascha herrisch, „Wenn du in einer Woche wiederkommst und möchtest herein gebeten werden, dann komm gewaschen und rasiert und mit gekämmten Haaren!“
„Mich muss man nicht herein bitten“, grollte der Müller, drehte sich auf dem Absatz um und verschwand in der Dunkelheit.


Sie hatte eine Woche Zeit, sich zu überlegen, wie sie weiter vorgehen wollte. Sollte sie sich gleich mit ihm duellieren?
Es war doch klar, dass er ihr nach dem Leben trachtete, egal
wann es sein Plan vorsah.
Sobald er ihre Kräfte zu seinem Vorteil ausgenutzt hatte, würde dieser böse Mann für ihr Ableben sorgen. Allerdings bereitete es ihr auch einen gewissen Spaß, den Meister der schwarzen Kunst mit seinen Kräften zu taxieren, obwohl Pumphutt sie seinerzeit vor dem Listenreichtum des Meisters gewarnt hatte. Der Müller hatte keineswegs auch nur einen Bruchteil seiner Kräfte gezeigt, soviel war sicher.
Wenn er sie erneut aufsuchte, würde sie ihn anhören, wenn er ihr etwas zu sagen hatte. Aber sie würde ihm nicht in die Falle tappen.
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