Krabat untold (Eine Krabatgeschichte ohne Krabat)

GeschichteDrama, Romanze / P18
Herr Gevatter Juro Meister Punphutt
04.05.2015
10.05.2015
20
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Die Dorfhebamme Mascha hat ihre magischen Künste von Pumphutt gelernt, um den Tod ihres Bruders auf der Mühle im Koselbruch zu rächen. Die Gelegenheit für sie kommt eher als gedacht, als eines Nachts der Meister der schwarzen Mühle vor ihrer Tür steht.


Es handelt sich bei den Protagonisten um allgemein bekannte Sagengestalten bzw. selbst ausgedachte Charaktere. Es finden allerdings auch Charaktere aus dem Buch von Ottfried Preußler Erwähnung und Geld verdiene ich damit auch nicht.
Die Handlung findet parallel zum Buch 'Krabat' von Ottfried Preußler statt.


Prolog

Er würde im Traum zu ihr sprechen hatte Pumphutt gesagt. Der Müller würde versuchen, Mascha zu unterwerfen, sobald er ihre Kräfte in seiner Nähe spürte. Und nun träumte sie seit Wochen ein und denselben Traum. Die Stimme rief sie, rief: „Komm zu der Mühle im Koselbruch.“
Und in letzter Zeit folgte meist noch ein „Gehorche!“
Um dieser Stimme nicht zu gehorchen hatte Mascha das Zaubern gelernt, hatte in unzähligen Duellen mit Pumphutt ihre Widerstandskraft trainiert. Im Grunde war es ihr ein Leichtes, sich vor diesen Träumen zu schützen, doch wollte sie den Zeitpunkt nicht verpassen, an dem er seine Aufmerksamkeit steigerte. Sie würde nicht gehorchen. Sollte er doch selbst kommen, der Müllermeister.

Mascha hatte Pumphutt gesucht und gefunden nachdem sie lange Jahre nach dem Schicksal ihres Bruders geforscht hatte. Niemand wollte ihr damals gern Auskunft geben, doch eins schien sich aus allen Gerüchten und Vermutungen heraus zu kristallisieren: Er war in die Lehre auf der Schwarzen Mühle gegangen und seitdem nie wieder gesehen worden.
Die Mühlengesellen, die hin und wieder des Wegs kamen und die sie auf alle erdenklichen Arten um eine Auskunft anging, verweigerten ihr jede Antwort. Doch vielleicht wussten sie auch wirklich nichts. Nur einer fand sich, der ihr weiterhelfen wollte. Und dieser war kein gewöhnlicher Mühlengesell.

„Wenn er wirklich in der Mühle im Koselbruch gewesen ist, dann steht zu befürchten, dass dein Bruder nicht mehr lebt“, hatte Pumphutt ihr gesagt.
„Sag mir bitte, ob Janko tot ist!“, hatte sie ihn angefleht, außer sich vor Kummer und Ungewissheit.
Pumphutt hatte nur stumm genickt.
„Ist es der Müller, der ihn getötet hat?“
Pumphutt seufzte. „Getötet nicht, aber seinen Tod billigend in Kauf genommen. Jedes Jahr muss einer seiner Gesellen sterben. Das ist sein Vertrag, sonst muss er selbst dran glauben.“
„Sein Vertrag mit wem?“
„Ich glaube, die Antwort kennst du, Mascha.“
Mascha wurde bleich. „Warum tut jemand so etwas?“
„Man bekommt in der Regel ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Und man muss gehörige Angst davor haben, in der Hölle zu schmoren.“
„Dann hat er nichts zu verlieren gehabt.“
Pumphutt zuckte mit den Schultern und deutete auf seine Brust. „Ein Mensch hat immer etwas zu verlieren.“
„Aber ist er… überhaupt noch ein Mensch?“
„Er ist ein Mensch, glaub mir. Obwohl sein Handeln leider nicht davon zeugt.“
„Gesetzt den Fall, ich würde das Zaubern lernen, könnte ich es mit dem Müller aufnehmen?“
Pumphutt lächelte. „Das wäre durchaus möglich.“
„Es heißt, er ist sehr mächtig.“
„Aber es gibt Dinge, gegen die er nichts ausrichten kann.“
„Welche wären das?“
„Das wirst du früh genug selbst merken.“
„Kannst du mich zaubern lehren, Pumphutt?“
„Sicher. Wenn du mir dafür ab und an einen Gefallen tust.“
„Und was soll ich tun?“
„Für’s erste reicht es, wenn du mit mir kommst und mir Gesellschaft leistest“, hatte Pumphutt gesagt und gelacht. Dann hatte er die Hand ausgestreckt und Mascha hatte eingeschlagen.
So kam es, dass sie Pumphutt sieben Jahre lang, meist in den Kleidern eines Burschen durch's ganze Land begleitete und von ihm nicht nur das Zaubern sondern auch die Schelmenhaftigkeit lernte.

Als der Tag kam, an dem Pumphutt befand, dass sie sich trennen mussten, da sie von ihm nichts mehr lernen könne, sagte er zu ihr: „Nun bitte ich dich um den nächsten Gefallen. Ich bitte dich, vergiss mich nicht- das zuerst. Und obwohl ich weiß, dass du deine Fähigkeiten nicht einsetzen wirst, um jemandem ernsthaft zu schaden, möchte ich dich bitten, auch bei dem Meister der Schwarzen Mühle zu gegebener Zeit Milde walten zu lasen.“
„Dich im Gedächtnis behalten, das kann ich“, entgegnete Mascha, „aber Milde walten lassen, wo ich diesem Teufel das Handwerk legen möchte, wie soll ich das zusagen?“
„Du wirst ihm sein Handwerk legen, wenn er es nicht sogar selbst tut. Aber lass ihn am Leben.“
„Er hat Janko auch nicht am Leben gelassen.“
„Nein. Aber du bist nicht wie er, Mascha. Entweder wird er sich ändern und bereuen oder er wird es nicht tun. - In jedem Fall wird ihm das Leben eine Strafe sein.“
„Wenn der Müller ein Gewissen hätte, wäre es so.“
„Glaub mir und tu mir diesen Gefallen“, antwortete Pumphutt nur.
Dann umarmte er sie kurz und innig und Mascha spürte, wie ein Teil seiner Kraft auf sie über ging.
Einen Moment später lüftete er seinen spitzen Hut und zog seines Weges.


Mascha ließ sich als Hebamme in Maukendorf nieder, wie sie es von ihrer Mutter gelernt hatte.
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