Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Du bist weg und geblieben ist mir das Gefühl...

von Dissa
GeschichteSchmerz/Trost / P12
03.05.2015
08.03.2016
25
11.776
3
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
03.05.2015 451
 
Verwunderung definiert das Gefühl, wenn man etwas nicht erwartet hat

Als ich die Nachricht erhalten habe, war ich geschockt. Ich konnte es nicht glauben. Habe es nicht verstanden.
Du bist gestorben. Hast dich selbst umgebracht. Selbstmord.
Wow...im ernst, warum du?
Von dir hätte ich das als letztes erwartet gehabt!
Ich kannte dich nicht sonderlich gut, das gebe ich zu, aber in all den Jahren, die ich mit dir täglich in einem Klassenraum verbracht hatte, ist mir eines klar geworden:
Du warst immer der größte Optimist von allen. Ich kannte auch außerhalb der Klasse niemanden, der so positiv an die Welt ran ging, wie du.
Das du dich für Suizid entschieden hast...kann ich nicht begreifen.
Das passt nicht zu dir. Vielleicht bin ich deshalb umso mehr darüber verwundert.
Du hättest mit jemanden darüber reden können. Naja...vielleicht hast du das ja...
Mir fällt es gerade schwer meine Gedanken in Worte zu fassen. Das tut mir leid.
Der Schock sitzt tief.
Warum steckt im Wort Verwunderung das Wort Wunder drin? Vielleicht weil es einem Wunder ähnelt, dass ausgerechnet du dir das Leben genommen hast.
Wunder müssen demnach nicht immer positiv sein.
In deinem Fall erst Recht nicht.
Ich kann die Nachricht immer noch nicht greifen. Du sollst tot sein. An Selbstmord tot geblieben.
Man...warum fällt mir das so schwer dir meine Gefühle darüber zu erzählen?
Vielleicht weil ich gerade nur ein Gefühl spüre: Verwunderung.
Ich bin so verwundert darüber, dass es dich getroffen hat und keinen, der immer mies drauf ist und alles schlecht redet.
Hat dich dein Optimismus ins Grab gebracht? Waren wir zu barsch zu dir?
Ich verstehe es nicht. Alles ist so wirr.
Die Todesnachricht kam abrupt. Ohne Vorwarnung.
Die letzten Monate wirktest du doch, wie immer. Was war nur vorgefallen?
Es kam so unerwartet.
Wer könnte da nicht verwundert trüber sein?
Du hättest ruhig mit jemanden reden können, dann wäre mir das hier jetzt erspart geblieben. Dann müsste ich mich jetzt nicht so fühlen, wie ich mich fühle.
Klar, Verwunderung muss nichts schlechtes sein...wenn man sich zum Beispiel verliebt hat und diese Liebe erwidert wird und man das nie erwartet hätte. Dann ist man glücklich.
Aber diese stechende Verwunderung, die mir tausend Fragezeichen über meinen Kopf bilden lässt, ist nicht positiv. Sie tut weh.
Ich wünschte, jemand hätte dich retten können.
Es fühlt sich doof an, sich so fühlen zu müssen. Als dieses Gefühl kam, ad hoc und ohne, dass ich es wollte, habe ich für einen Moment nur ins Nichts geschaut.
Du sollst tot sein.
Die Worte wollten nicht in meinen Kopf rein. Immer vor Augen hatte ich dieses Bild von dir, wie du glücklich warst.
Dieses Gefühl, diese Verwunderung, ist grausam.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast