Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Persona: Shadow of Mirror

von ShioAtemu
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Drama / P16 / Gen
02.05.2015
15.01.2022
93
390.748
4
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
15.01.2022 3.773
 
Mittwoch, 09.September 2015

Langsam erwachte die junge Frau aus ihrem Schlaf, doch ließ noch einen Moment die Augen geschlossen und genoss die Ruhe, welche in ihrem Zimmer lag. Irgendetwas hatte sie geweckt, doch sie konnte nicht genau sagen was es war. Waren es die Geräusche, die sich innerhalb der Wohnung abspielten? Oder war es der Traum, den sie hatte? Sie öffnete die Augen und drehte sich langsam auf den Rücken, um kurz darauf die Decke zu beobachten. Seit einigen Tagen hatte sie immer den gleichen Traum. Sie befand sich in einem dunklen Labyrinth, welches mit jedem Mal, wenn sie vorwärts ging, seine Form änderte. Jedoch empfand sie diesen Zustand nicht als bedrohlich und angsteinflößend, sondern viel mehr interessant und spannend. Es war wie in einer Fantasiewelt, in der der Held das Rätsel des Labyrinths lösen musste, um am Ende des Weges die Prinzessin zu befreien. Ob sie diese merkwürdigen Dinge träumte, weil sie etwas Merkwürdiges erlebt hatte? Immerhin war es noch nicht einmal ganz eine Woche her, dass sie von ihren Freunden aus einem Dungeon gerettet wurde. Wie sie dabei herausgefunden hatte, war sie ja auch mehrere Tage dort gefangen gewesen. Sie war über sich selbst erstaunt, wie ruhig sie letzten Endes in dieser merkwürdigen Welt geblieben war. Sicher, Anfangs hatte sie sich wirklich gefürchtet und geweint, jedoch war irgendwann eine Ruhe über sie gekommen, die eigentlich eher untypisch für sie war. Ob es an ihrer Persona lag, die erwacht war? Hatte Nechbet ihr bereits vorher das Gefühl gegeben sicher zu sein und sie hatte das unbewusst wahrgenommen? Man konnte es schlecht sagen. Sie hob ihre rechte Hand und betrachtete diese. Persona und Shadows, die in einer unwirklichen Welt lebten… es klang für sie immer noch wie eine Sci-Fi Geschichte und doch wusste sie, dass es wahr war. Nicht nur, dass ihr Mirâ mit ihrem Besuch auch noch einmal klargemacht hatte, wie viel Wirklichkeit dahintersteckte, sie spürte auch ganz deutlich das warme Leuchten ihrer Persona Nechbet in sich, welches ihr verriet wie real das Ganze war.
„Eigentlich könnte man daraus einen coolen Manga machen…“, ging ihr plötzlich durch den Kopf, doch schreckte plötzlich hoch, als ihre Tür mit einem Ruck aufgerissen wurde.
„Megumi, wie lange willst du mich noch ignorieren? Los raus mit dir!“, schimpfte ihre Mutter, welche nun in der Tür stand.
Mit großen grünen Augen sah die Brünette die ältere Frau an und richtete dann langsam ihren Blick auf ihren Wecker. Dieser zeigte in großen grünen Zahlen an, dass es bereits kurz nach sieben Uhr war. Es brauchte eine Weile, bis diese Information bei der Jüngeren ankam, doch plötzlich wühlte sie sich aus ihrer Decke und wollte aus dem Bett stürmen. Allerdings blieb sie dabei an hängen und fiel kurz darauf mit einem dumpfen Knall zu Boden.
„Aua…“, murmelte sie nur, während ihre Mutter nur kopfschüttelnd den Raum verließ und nuschelte, dass das doch nicht wahr sein konnte.

Eine dreiviertel Stunde später verließ Megumi die U-Bahn in der Station des Jûgoya Campus und beeilte sich so schnell wie nur irgend möglich noch rechtzeitig zur Schule zu kommen. In der Regel stand sie bereits um sechs Uhr morgens auf, da sie einen doch recht langen Schulweg hatte. Immerhin musste sie einmal quer durch die Stadt fahren, um zur Jûgoya zu gelangen. Doch durch die langen Sommerferien und die zusätzlichen zwei Tage, die sie aufgrund ihrer Verfassung zuhause war, hatte sie vollkommen vergessen ihren Wecker zu stellen. Deshalb hatte sie es nicht einmal geschafft zu Frühstücken und sich deshalb unterwegs schnell zwei geschmierte Toastscheiben zwischen die Zähne geschoben. Zwar gab es in ihrem Wohnviertel auch eine staatliche Oberschule, jedoch hatte sie sich bewusst für die Privatschule in einem anderen Stadtteil entschieden. Zum einen konnte sie so die gleiche Bildungseinrichtung wie ihre beste Freundin Matsurika besuchen und zum anderen gab es hier einen sehr guten Kunstklub, der auch die Kunstform förderte, die sie so liebte: Manga. Natürlich kam sie auch mit klassischer Kunst aus, immerhin liebte sie das Zeichnen allgemein, doch gerade Mangas und Animes hatten es ihr angetan. Völlig außer Atem erreichte sie das Schultor, an welchem bereits der Hausmeister wartete, um dieses zu schließen. Immerhin war das Tor während der gesamten Schulzeit zu, damit niemand einfach ausreisen konnte. Im Grunde war dies aber auch nicht nötig, immerhin gab es alles in der Schule, was man brauchte. Sogar Mittagessen. An den Schuhschränken angekommen schnaufte sie erst einmal durch und suchte dann nach ihrem Fach, welches sie öffnete. Doch kaum war das dieses offen, rückte sie einen Schritt zurück, als daraus mehrere Papierkugeln und sogar alte Bananenschalen fielen. Sie schnalzte mit der Zunge und musterte den kleinen Haufen zu ihren Füßen, bevor sie seufzte, den Müll aufhob und ihn im nächsten Mülleimer versenkte. Es war jeden Mal das gleiche. Ihre Mitschüler machten sich einen Spaß daraus sie zu ärgern, indem sie ihr irgendwelche Dinge ins Schuhfach legten oder sie hin und her schubsten, weil sie so klein war. Es nervte sie, jedoch machte ihr das eher weniger aus. Sie kannte solche Sticheleien zur Genüge und hatte sich mittlerweile damit abgefunden. In der Mittelstufe hatten sie diese Dinge wirklich runtergezogen und sie versuchte sich zu wehren, aber dann musste sie ernüchternd feststellen, dass es nichts brachte und sie auch sonst nicht auf die Hilfe der Erwachsenen zählen konnte. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als es zu ignorieren und das funktionierte. Irgendwann hatten ihre Klassenkameraden das Interesse an ihr verloren und sich ein neues Opfer ausgesucht, weshalb sie das letzte Jahr der Mittelschule sogar ihre Ruhe hatte. Hier in der Oberschule hatte es wieder begonnen – wahrscheinlich aufgrund ihrer Größe, aber mittlerweile konnte sie das gut ignorieren. Es regte sie nur auf, wenn ihre Klassenkameraden an ihre privaten Dinge, wie ihre Zeichenutensilien gingen, denn auch davor machten sie nicht halt. Aus diesem Grund sah ihr geliebter Zeichenblock auch schon ziemlich ramponiert aus. Zum Glück hatte sie darin nur einige Skizzen und keine fertigen Zeichnungen, trotzdem ärgerte sie so etwas. Sie könnte den Block natürlich auch zuhause lassen, jedoch hatte sie häufig irgendwelche Ideen während der Schulzeit und musste diese dann in der Pause sofort skizzieren, um sie nicht wieder zu vergessen. Da war es sinnvoll den Block immer dabei zu haben. Erneut seufzte sie, als sie sich ihre Schulhausschuhe ansah, welche an einigen Stellen mit Banane verdreckt waren. Leicht angeekelt zog sie die Sandalen heraus und blickte ins Innere, welches jedoch sauber wirkte. Wenigstens hatten sie ihr keine Essensreste hineingesteckt. Sie öffnete ihren Rucksack, holte eine Packung feuchte Tücher heraus, welche sie mittlerweile genau wegen solcher Fälle immer bei sich hatte, und reinigte damit ihre Hausschuhe. Dann schlüpfte sie aus den braunen Slippern und tauschte diese durch ihre gereinigten Schlappen, bevor sie sich auf den Weg in die Klasse machte. Als sie den Raum betrat waren sofort alle Blicke auf sie gerichtet, allem voran von einer Gruppe von Schülern, welche aus zwei Jungs und drei Mädchen bestand. Während die anderen Schüler sich kurz darauf wieder auf das konzentrierten, was sie bis eben noch gemacht hatten, blickten diese fünf sie breit grinsend an. Sie saßen in der letzten Reihe und schienen nur darauf zu warten, dass die Brünette an ihnen vorbeikam. Diese schluckte kurz und schloss dann die Tür hinter sich, bevor sie sich in Bewegung setzte und an ihnen vorbeiging.
„Riecht es hier nicht nach Bananen? Sag mal Yoshiko, hast du einen Affen zuhause?“, fragte eines der drei Mädchen und begann zu lachen, woraufhin die anderen Vier mit einstimmten.
Megumi seufzte nur, ignorierte diesen Spruch jedoch und ging an ihren Platz, welcher sich in der Mitte des Raumes befand. Hinter sich konnte sie bereits das dumme Kichern der fünf hören und wusste an ihrem Platz auch genau warum. Auf dem Stuhl lag noch mehr Müll, welcher ihre Uniform mit Sicherheit versaut hätte, wenn sie es nicht rechtzeitig bemerkt hätte. Sie sah sich in der Klasse um, doch alle Schüler, deren Blick sie traf, wandten diesen wieder ab. Niemand hatte also mal wieder etwas gesehen. Wie immer. Jedoch war es auch nicht nötig. Es war eindeutig, wer dafür verantwortlich war. Wieder seufzte sie, nahm sich ein weiteres Tuch aus ihrer Tasche und räumte den Müll wie selbstverständlich weg. Gerade als sie vorn bei den Mülleimern war, wurde die Tür neben ihr aufgerissen, woraufhin sie auf ihren Klassenlehrer schaute, der lässig das Klassenbuch über der Schulter hielt. Überrascht sah er die Schülerin an, welche sofort wieder zu ihrem Platz zurückging. Schnell wischte sie noch ihren Stuhl ab und setzte sich dann. Sie hatte noch nicht einmal Zeit ihre ganzen Sachen auszupacken, bevor der Lehrer mit dem Homeroom begann. Seufzend ließ sie ihren Kopf auf den Tisch sinken. Was ihre Klassenkameraden von dem Mobbing hatten wusste sie nicht, jedoch hoffte die junge Frau, dass sie bald den Spaß daran verlieren würden.

Der Unterricht zog sich in die Länge, jedoch hatte die Schülerin in der Zeit wenigstens Ruhe vor ihren fünf Mobbern. Als es endlich zur Mittagspause klingelte erhob sich die Brünette von ihrem Stuhl, schnappte sich ihr Bento und wollte die Klasse verlassen. Bewusst hatte sie dabei den Weg zur vorderen Tür gewählt, allerdings war ihr dabei nicht aufgefallen, dass sie an dieser bereits erwartet wurde. Gerade als sie hinaustrat, spürte wie, wie etwas ihren rechten Fuß blockierte. Doch bevor sie reagieren konnte war es bereits zu spät. Sie stürzte zu Boden und ließ dabei ihre Box mit dem Mittagessen fallen, welches sich kurz darauf auf dem Boden des Ganges verteilte. Einige Schüler, welche drumherum standen sahen sie zwar erschrocken an, doch es half ihr niemand.
„Ahahaha, nicht mal laufen kannst du“, lachte eines der Mädchen aus der Gruppe.
Schweigend erhob sich die Brünette und starrte auf ihr nun verteiltes und nicht mehr essbares Mittagessen. Dieses Mal biss sie sich auf die Unterlippe. Zum einen, weil der Schmerz auf den Knien doch relativ groß war, zum anderen, weil es genau solche Situationen waren, die sie wirklich nervten. Sie konnten sie verbal fertig machen, ihr Müll ins Fach und auf den Stuhl packen oder sie beleidigen. Das alles konnte sie ignorieren, doch sobald ihre privaten Sachen betroffen waren, ging ihr das schon ziemlich nah. Zumal sie an diesem Tag ja nicht einmal richtig gefrühstückt hatte. Sie hatte sich eigentlich auf ihr Mittagessen gefreut. Ruhig versuchte sie durchzuatmen und unterdrückte damit nun doch einige aufkommende Tränen, während das Mädchen und ihre Freunde sie auslachten. Plötzlich jedoch stoppte die dumme Ziege abrupt, als sie am Arm gepackt und herumgerissen wurde.
„Hör auf zu lachen, du dumme Ziege. Ich hab genau gesehen, wie du Megu ein Bein gestellt hast“, schimpfte eine Megumi bekannte Stimme.
Überrascht sah sie auf und blickte auf Matsurika, welche den Unterarm des Mädchens hielt und sie böse ansah. Wütend riss diese sich los und fragte, was sich die Schwarzhaarige einbildete. Dabei ließ sie auch von einer Beleidigung nicht ab, welche sie der anderen an den Kopf knallte. Diese hatte wesentlich weniger Geduld bei so etwas, als Megumi und holte sogleich mit der Hand aus. Bevor sie jedoch zuschlagen konnte, wurde auch sie am Handgelenkt gepackt. Überrascht weiteten sich Megumis Augen, als sie Hiroshi erblickte, welcher hinter Matsurika stand und deren Handgelenk hielt.
„Riskier lieber keinen Schulverweis“, sagte er zu der Schwarzhaarigen, welche mit knallrotem Gesicht die Hand wieder sinken ließ, während er sich an das andere Mädchen wandte, „Und du solltest lieber aufpassen, mit welchen Beleidigungen du um dich wirfst. Fass dir lieber mal an die eigene Nase. Du bist auch nicht gerade die schönste Blume im Garten.“
„Megumi-chan“, holte sie eine Stimme aus ihren Gedanken.
Sie wandte ihren Blick von Hiroshi ab und sah Mirâ, welche neben ihr hockte und sie besorgt ansah:
„Ist alles in Ordnung?“
Megumi senkte den Blick und nickte dann, bevor sie auf ihre Knie ging: „Ja es geht schon… nur schade um mein Essen.“
Im Augenwinkel sah sie, wie die Ältere auf das verschüttete Essen sah und dann seufzte: „Du kannst was von uns haben. Wir geben dir einfach alle etwas ab.“
„D-Danke…“, antwortete die Brünette etwas überrascht.
Ein erboster Aufschrei ließ sie wieder zu dem Geschehen hinter sich blicken, wo sie sah, wie sich das Mädchen echauffierte und Hiroshi ankeifte. Als wäre das nicht genug gewesen, stießen auch noch die beiden Jungen aus der Gruppe dazu. Doch es reichte nur ein einfacher Seitenblick des Blonden, dass sie zurückwichen.
„Hört mal Jungs, wenn ihr keinen Ärger wollt, dann verzieht euch lieber“, er wandte seinen Blick wieder auf das angepisste Mädchen, „Das gilt auch für dich und die anderen beiden Weiber. Lasst Megumi-chan in Ruhe, sonst setzt es was.“
„Kche…“, das Mädchen wollte zu einer Erwiderung ansetzen, doch beließ es plötzlich dabei.
Sie warf ihre langen schwarzen Haare über ihre Schultern, hob die Nase und ging dann mit einem „Tze“ an dem Älteren vorbei. Ihre beiden Freundinnen und die Jungs folgten ihre, während Hiroshi der Gruppe kurz nachsah. Überrascht sah Megumi zwischen ihren Freunden hin und her und konnte gar nicht glauben, dass sich jemand so sehr für sie einsetzte. Das machte sie glücklich, weshalb ihr nun doch einige Tränen in die Augen stiegen, die sie allerdings schnell wegwischte. Erst als sie wieder aufschaute bemerkte sie die Traube an Schülern, welche um die kleine Gruppe herumstanden und sie ansahen. Sofort stieg ihr Röte ins Gesicht, da diese ganze Aufmerksamkeit nicht wirklich angenehm für sie war. Sie senkte den Blick, doch spürte daraufhin eine Hand auf ihrer Schulter, welche sie zu Mirâ schauen ließ, die sie anlächelte.

Einige Minuten später saß sie gemeinsam mit Matsurika, Mirâ und deren Freunden in der Mensa an einem großen Tisch, während mehrere Bento Boxen vor ihr standen. Gemeinsam mit den älteren Schülern und Matsurika hatte sie die Schweinerei auf dem Gang weggemacht, bevor diese sie zum Mittagessen eingeladen hatten. Nun saß sie also bei ihnen und jeder hatte etwas von seinem Essen an sie abgegeben. Etwas peinlich berührt sah die Brünette zu ihren Freunden, welche sich hektisch über das Geschehene unterhielten. Amüsiert musste sie feststellen, wie Akane beinahe durch die Decke ging, als sie erfuhr was geschehen war, doch von Kuraiko wieder auf den Boden der Tatsache gebracht wurde, welche ihr einen Klaps auf den Hinterkopf gab. Dazu meinte sie, dass sie aufhören solle so zu schreien, immerhin waren sie hier nicht alleine. Peinlich berührt war die Brünette mit ihrer Stimme wieder runtergefahren und auf ihrem Stuhl zusammengesunken, während Hiroshi nur seufzte und meinte, dass es typisch für sie war. Ihn regte es ja auch auf, aber er machte daraus kein Theater.
„Es ist schön in so einer großen Runde zu essen. Nicht war, Megu?“, sprach Matsurika sie plötzlich an und holte sie damit aus ihren Gedanken.
Überrascht sah sie zu ihrer besten Freundin und nickte dann. Die Schwarzhaarige senkte jedoch den Blick und starrte auf die Tischplatte.
„Es tut mir leid Megu, dass ich nicht mitbekommen habe, was in deiner Klasse abgeht. Ich war eine schlechte Freundin, die nur Augen für ihre eigene Welt hatte“, sagte sie unvermittelt, „Aber… warum hast du nichts gesagt? Das muss doch schrecklich gewesen sein.“
Die Unterhaltung am Tisch endete abrupt, als die Ältere das Gespräch der jüngeren Schülerinnen mitbekamen. Das schien denen allerdings nicht aufzufallen.
Stattdessen sah nun auch Megumi auf den Tisch und schloss kurz die Augen, bevor sie Matsurika wieder direkt ansah: „Weil es mir prinzipiell nichts ausgemacht hat.“
Überraschte Blicke trafen die Jüngere, welche daraufhin erklärte was genau sie störte. Dass sie mittlerweile mit solchen Dingen wie Beleidigungen und Sticheleien klarkam und sie ignorieren konnte.
„Nur Menschen, die selber irgendeinen Minderwertigkeitskomplex haben, machen andere Menschen fertig. Sie stehen also auch nicht über mir, weshalb es mir nichts bringt mich darüber zu ärgern“, erklärte sie, „Wenn man sie ignoriert hören sie in der Regel von alleine auf…“
Sie bemerkt, dass vor allem Hiroshi sie mit großen blauen Augen ansah und dann über etwas nachzudenken schien. Auch der Blick, den Akane ihm daraufhin zuwarf, war ihr nicht entgangen, doch für den Moment spielte das keine große Rolle, weshalb sie weitersprach und erklärte, dass es sie am meisten nervte, wenn jemand an ihre privaten Sachen ging.
„Insbesondere meine Zeichensachen sind mir heilig… ich kann es absolut nicht leiden, wenn jemand einfach da rangeht. Und dann fühle ich mich auch selber wirklich angegriffen“, sagte sie mit solch einer Ausdruckskraft, dass ihre Freunde nicht mehr wussten was sie noch dazu sagen sollten.

Am späten Nachmittag war Megumi hinunter zum Fluss gelaufen und hatte sich dort an ihrem üblichen Platz niedergelassen. Mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen sah sie hinunter auf das fließende Wasser, an welchem kleine Kinder spielten und hin und herrannten. Sie liebte diesen Ort. Nach einem stressigen Schultag kam sie wirklich gerne hierher, um auszuspannen. Allerdings hatte dies noch einen anderen Grund. Sie schaute kurz über ihre Schulter, doch konnte nicht entdecken wonach sie suchte. Seufzend wandte sie ihren Blick wieder nach vorn, setzte sich bequem hin und kramte dann ihren Zeichenblock und Stifte aus dem Rucksack. Doch gerade, als sie zu ihrem ersten Strich ansetzen wollte, erklang eine männliche Stimme, welche ihr Herz mit einem Mal höherschlagen ließ.
„Heute bist du also auch wieder da, Yoshiko-chan“, sagte diese und ließ die junge Frau sich wieder umdrehen.
Daraufhin schaute sie auf einen Jungen mit braunem etwas längerem Haar, welches er mit einem breiten Stoffband zu bändigen versuchte. Durch seine dunklere Haut kamen seine grünen Augen unter der Brille noch viel mehr zur Geltung, mit welchen er die Jüngere freundlich anlächelte. Er trug den weiß-schwarzen Pullover der Jûgoya, dessen Ärmel er bis zu den Ellenbogen hochgekrempelt hatte und auf dessen linker Brust das Logo der Schule prangerte. Am unteren Saum des Pullis lugte sein weißes Hemd hervor, welches er nicht in die schwarze Hose gesteckt hatte. Unter seinen linken Arm hatte er seine schwarze Schultasche geklemmt, während er in der rechten Hand einen Koffer hielt, in dem sich, wie sie wusste, ein Instrument befand.
„Lange nicht gesehen, Obata-senpai“, grüßte sie den Hinzugekommenen, welcher sich neben ihr auf das Gras sinken ließ.
Aus dem Augenwinkel beobachtete sie den jungen Mann, während sich ein leichter Rotschimmer auf ihren Wangen bildete. Es war am Anfang des Schuljahres, als sie sich das erste Mal hier begegnet waren. Sie hatte diesen Platz nach einem anstrengenden Schultag gefunden und sich hier niedergelassen, um etwas zu zeichnen und runterzukommen. Und plötzlich hatte er hinter ihr gestanden und sie auf ihre Skizze angesprochen, welche sie angefangen hatte. Anfangs war sie skeptisch dem jungen Mann gegenüber gewesen, dessen Name Naoto Obata war. Er wollte um jeden Preis ihre Zeichnungen sehen, jedoch hatte sie ihm diese aus Scham nicht gezeigt. Viel zu oft war sie deshalb bereits veralbert worden und nicht nur einmal hatte ihr Block daraufhin irgendwo im Dreck gelegen. So schnell fiel sie also darauf nicht rein. Doch der Brünette hatte nicht lockergelassen. Er hatte ihr sogar offenbart, dass er totaler Anime-Fan sei und deshalb jeden beneidete, der so etwas zeichnen könnte. Auch das glaubte sie Naoto anfangs nicht. Viele sagten so etwas und am Ende war es nur ein Trick. Erst als er plötzlich sein Saxophon ausgepackt hatte und eine Melodie aus einem doch eher unbekannten Anime gespielt hatte, hatte sie nachgegeben. Rückblickend betrachtet war der Tag sogar richtig lustig gewesen. Wie der Ältere um jeden Preis versucht hatte die Bilder sehen zu dürfen, wie ein neugieriges Kind, was wissen wollte, was es zu Weihnachten bekam. Auch wie er mit strahlenden Augen die Bilder begutachtet hatte, als sie endlich nachgegeben hatte. Das alles waren Dinge, die dafür gesorgt hatte, dass sie sich augenblicklich in Naoto verliebt hatte. Natürlich hatte sie ihm das bisher noch nicht gesagt, aber sie freute sich über jedes Treffen mit ihm. Diese waren allerdings nicht abgesprochen, sondern eigentlich eher spontan. Es war wir eine stille Abmachung. Jeder der Beiden kam so oft es ging hierher und freute sich, wenn der andere zufällig auch vorbeikam und ihm Gesellschaft leistete.
„Entschuldige, dass ich lange nicht hier war. Über die Sommerferien hatte ich echt Stress…“, holte Naotos Stimme sie aus ihren Gedanken.
Er hatte sich zurückgelehnt und starrte in den Himmel, während Megumi nur mit dem Kopf schüttelte: „Musstest du arbeiten?“
Ein Seufzen erklang: „Ja… und zur Paukschule… und zur Orchesterprobe…“
„Klingt nach einem stressigen Sommer“, kicherte die Jüngere, „Aber du solltest es nicht übertreiben, Senpai.“
Ein Grinsen legte sich auf die Lippen des Älteren: „Keine Sorge, ich halte sowas aus.“
Ihre Wangen begannen zu glühen, weshalb sie den Blick von ihrem Schwarm abwandte und ihren Block an sich drückte.
„Hast du wieder was Neues gezeichnet? Darf ich sehen?“, fragte Naoto, als er den Block bemerkt.
Ohne ein weiteres Wort hatte Megumi ihm diesen gereicht und Schweigen breitete sich aus, während der junge Mann die einzelnen Blätter durchsah.
„Wow. Das ist doch aus der neuen Serie, die seit dem Sommer läuft. Oder?“, fragte er aufgeregt, weshalb das Mädchen nur einen kurzen fragenden Blick auf genanntes Bild richtete und dann nickte, „Ich hab die ersten Folgen gesehen, aber konnte dann wegen der Arbeit nicht weiterschauen. Die war echt genial. Sobald ich wieder mehr Zeit habe werde ich sie definitiv noch zu Ende schauen.“
Du Jüngere wollte zu einem Satz ansetzen, doch stoppte schlagartig, bevor sie überhaupt ein Wort herausgebracht hatte. Beinahe hätte sie Naoto gefragt, ob sie die Serie gemeinsam gucken wollten. Natürlich wäre das ihr Wunsch gewesen, doch das konnte sie ihm schlecht sagen. Er wusste nichts von ihren Gefühlen und das war auch gut so. Sie glaubte auch kaum, dass ein so cooler Junge Interesse an einem Mauerblümchen wie ihr haben könnte. Der Gedanke schmerzte sie, doch die Wahrheit war ja meistens schmerzhaft. Sie schluckte ihren Frust herunter, als Nao ihr den Block zurückgab und wieder aufstand, bevor er sein Saxophon aus dem Koffer neben sich nahm.
„Wie wäre es mit ein bisschen Musik für die ehrenwehrte Künstlerin?“, fragte er anschließend grinsend.
Ihr Herz schlug höher und sie musste sich zusammenreißen ein ordentliches Lächeln hinzubekommen, doch antwortete dann fröhlich: „Sehr gern.“
Der junge Mann klippte das Band, welches um seinen Hals hing, an das silberne Instrument und kurz darauf schallte eine angenehme Melodie durch den Kanal, an welchem sich der Fluss befand, woraufhin auch andere Menschen zu ihnen schauten. Megumi jedoch war diese Aufmerksamkeit plötzlich egal. Sie schloss die Augen und lauschte dem Lied, welches der junge Mann spielte, der ihr Herz höherschlagen ließ.

*~*~*~*~*


Heyho meine lieben Leser. ^___^ Wie versprochen ist hier das zweite Kapitel für diesen Monat. Und es ist das erste von Megumi. Hach... es hat mir so viel Spaß gemacht aus ihrer Sicht zu schreiben. <3
Ich hoffe das Kapitel hat euch genauso gut gefallen und ihr konntet einen kleinen Einblick in Megumi bekommen. ^^
Wir sehen uns dann Anfang nächsten Monat. :D
LG
Shio~
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast